Teil 18 unseres Roadtrips durch die USA
nevada & utah
29. juni – 8. juli 2026
Zurück in Las Vegas
Am 29. Juni landeten wir pünktlich in Vegas und fuhren mit einem Lyft schnurstracks zum US Storage, in dem Moby eingelagert war. Optisch sah alles tipptopp und unverändert aus, die Batterie war schnell wieder angeschlossen und siehe da: Der Gute sprang an wie eine Eins!

Auch im Inneren war alles, wie wir es verlassen hatten. Die Mühen und umfangreichen Vorbereitungen hatten sich gelohnt: keine Tiere, kaum Dreck, nur ein bisschen Staub und ein leicht muffiger Geruch, der schnell verschwand, nachdem einmal durchgelüftet worden war. Halleluja. Große Erleichterung!
Wir machten alles fahrbereit, kündigten den Mietvertrag im Storage und schon waren wir auf der Bahn und machten uns auf den Weg zu einem uns bereits bekannten Waschsalon. Die Bettwäsche und die muffigen eingelagerten Sachen packten wir gleich in die Wäsche und räumten nebenbei unser Reisegepäck aus.
Dann erledigten wir noch schnell ein paar Kleinigkeiten und schon ging es ab auf den Strip. Für die erste Nacht hatten wir uns noch mal im Circus Circus Hotel eingemietet, wo Moby kostenlos und sicher parken konnte. Wir sortierten uns weiter und genossen anschließend noch mal einen Abend Las Vegas Madness – diesmal leider ohne Spielglück.

Burger bei In-N-Out mussten natürlich auch noch mal sein und somit gab es keinen Zweifel mehr – wir waren zurück in den USA!




Am nächsten Morgen erledigten wir Einkäufe, Wassertanken, holten unser Ersatzteilpaket ab und freuten uns vor allem über den futschneuen Aldi-Markt. Schade, dass es den noch nicht überall in den Staaten gibt, da Aldi noch mal deutlich günstiger ist als Walmart. Mit vollen Vorräten waren wir nun wieder bereit fürs Vanlife und nahmen direkt Kurs auf Utah, wo der nächste Termin bereits auf uns wartete…
Wiedereingliederung ins Vanlife
Wir mussten uns erst mal wieder an die Dimensionen gewöhnen, sowohl in unserem rollenden Eigenheim als auch im Land. Natürlich kamen wir nicht in einem Rutsch durch bis Utah.
Auf freiem BLM-Land, irgendwo in Arizona, fanden wir unseren Platz für die Nacht. Van ausrichten brauchte zwei bis drei Anläufe – wir mussten uns echt erst wieder eingrooven. Eine kleine Ehekrise später standen wir irgendwann in der Waage und freuten uns über nicht mehr ganz so heiße Temperaturen wie in Vegas, wo es 38 Grad gehabt hatte.

Bei „nur noch“ 32 Grad ließ es sich aushalten, die Nacht wurde zumindest etwas kühler und nach unserem Frühstück in der Sonne zogen wir dann auch schon wieder weiter. Dabei bemerkten wir allerdings, dass das Kurbelgetriebe unserer Markise komische Geräusche machte, was wir aber erstmal ignorierten. Das sollte uns aber bald wieder einholen…
Zurück in Utah
Endlich erreichten wir Kanab, eine Kleinstadt zwischen dem Zion- und Bryce-Canyon-Nationalpark. Dort hatten wir im letzten Jahr Ostern verbracht und uns um unser zu der Zeit beginnendes AGR- und Injektorenproblem gekümmert.
Damals hatten wir durch Zufall die Dieselwerkstatt Little’s gefunden, die nett, hilfsbereit, kompetent und vor allem für US-Verhältnisse günstig war, mit „nur“ 125 USD Stundensatz (an vielen anderen Orten hatten wir 200 USD pro Stunde gezahlt).
Daher war der Plan, dort unsere notwendigen Fahrwerksreparaturen durchführen zu lassen: Die Domlager auf beiden Seiten waren fällig sowie beide Dreieckslenker und Stabilisatoren, die bei uns ausgeschlagen waren – was nach knapp 180.000 km auf der Panamericana sicher nicht allzu ungewöhnlich ist.
Angekommen auf dem Hof von Little’s packten wir unser riesiges Spareto-Paket aus, welches wir in Vegas empfangen hatten. Alles schien zu passen, alles sah top aus, aber die beiden Dreieckslenker sahen irgendwie unterschiedlich aus. Hm, komisch. Dann fiel mir auf: Auf der Umverpackung der Teile war jeweils die richtige Artikelnummer, auf einem der Teile selbst aber eine andere Nummer.
Eine schnelle Recherche zeigte: Da hatten sie uns das falsche Teil geschickt, was eigentlich zu einem Peugeot gehörte. Scheiße! Am nächsten Morgen wäre unser Termin gewesen. Das ganze Auto auseinanderzubauen, um dann das eine Teil nicht zu tauschen und später wieder alles auseinanderzubauen, machte keinen Sinn. Och menno! Kann denn nicht einmal was glatt laufen?

Little’s war zum Glück verständnisvoll und entspannt – der Termin ließ sich problemlos um ein paar Tage schieben, was ein echter Glücksfall war. Wir recherchierten nach dem fehlenden Teil und hatten Glück: Das Teil vom baugleichen Promaster war identisch. Allerdings kostete das Original 630 USD, während das Teil aus Europa gerade mal 75 € kostete. Haha, die Amis ey …
Aber wir fanden eine Seite mit OEM-Parts, wo wir den passenden Dreieckslenker schließlich für 90 USD fanden. Das passte schon eher ins Budget. Spareto versprach außerdem eine Rückerstattung für das falsche Teil, also war der Verlust minimal. Es blieb natürlich die Wartezeit – wir hatten nun vier zusätzliche Tage, das schöne Kanab zu genießen.
Zum Glück hatten wir den Standort ja nicht nur nach der super Werkstatt ausgewählt, sondern auch weil wir wussten, dass wir im Fall der Fälle – der jetzt eingetreten war – dort problemlos ein paar Tage aushalten konnten.
Zuhause am See
Wir bezogen wieder den uns bereits bekannten Platz am Jackson Flat Reservoir, wo wir im Hintergrund die roten Berge von Utah hatten, vor uns den kleinen See, um dessen Ufer ein 5 km langer Radweg ging, der sich zum Sporteln anbot, und ein sauberes Dixie-Klo gab es auch noch dazu. Was will man mehr?



Auf der anderen Seeseite gab es einen kleinen Sandstrand inklusive Waschhaus, Duschen und Toiletten. Bis in den Ort waren es 5 km mit den Rädern und rundherum gab es Trails und Ausflugsmöglichkeiten ohne Ende. Also der perfekte Ort, um sich wieder ins Vanlife einzufinden und die Ersatzteillieferung abzuwarten.

Tagsüber hatten wir trocken-heiße 30–35 Grad, nachts kühlte es auf angenehme 15 Grad ab und es war herrlich ruhig. Also (fast) perfekt.
Unser neuer Omnia-„Backofen“ kam dort auch das erste Mal zum Einsatz, denn unser eingebauter Ofen macht leider Probleme, die sich unterwegs nicht lösen lassen. Glücklicherweise gelang das Backwerk auch auf Anhieb. Die Sauerteig-Brotversorgung war also sichergestellt.


Zudem konnten wir hier auch mal wieder die Bikes auspacken und siehe da – wir konnten es noch. Allerdings funktionierte bei meinem Rad die hydraulische Sattelstütze nicht mehr. Christian fand ein Loch in der Leitung, wo Hydraulikflüssigkeit austrat. Leider nichts, was wir ohne Werkzeug selbst reparieren konnten.
Glücklicherweise gab es aber im Ort einen Fahrradladen. Jake, der Besitzer, war kein Mann großer Worte, nahm mein Fahrrad wortlos mit ins Hinterzimmer, und kam 30 Minuten später wieder zum Vorschein. Die Leitung war repariert und meine Sattelstütze funktionierte wieder tadellos. Mit gerade mal 34 USD war die Reparatur auch noch verhältnismäßig günstig. Schön, wenn’s auch mal einfach klappt.
Nach zwei Tagen am See war uns nach mehr Bewegung und einem Szenenwechsel, also machten wir einen kleinen Tagesausflug.
Toadstools & The Nautilus
45 Minuten außerhalb von Kanab, innerhalb des Grand Staircase-Escalante National Monument, unternahmen wir trotz der Hitze zwei kleine Wanderungen. Die erste führte uns zu den sogenannten Toadstools – quasi Felssäulen mit Deckel, die ein bisschen an Pilze erinnerten, oder was auch immer die Phantasie zuließ. 😉





Wind, Wetter und Erosion hatten dort ganze Arbeit geleistet und diese verrückten Felsformationen entstehen lassen. Beeindruckend!



Wenige Kilometer weiter entdeckten wir „The Nautilus“, eine Art Mini-Slotcanyon, der aufgrund seiner Muschelform Nautilus genannt wurde. Einfach irre, diese Landschaft.




Trotz „Sonnenschirm“ war die Hitze dort aber einfach zu heftig für längere Wanderungen. So kehrten wir nach diesen zwei kleinen Touren wieder zurück nach Kanab.
Ein Defekt kommt selten allein…
Wir genossen ein paar ruhige Tage in Kanab und sprangen ab und an in den See vor unserer Tür. Nebenbei entdeckten wir aber auch neue Baustellen: Unser zusätzliches Falt-Solarpanel funktionierte nur noch teilweise. Christian versuchte, dem Defekt auf die Schliche zu kommen, aber es schien nicht mehr reparabel zu sein. Hmpf. Irgendwas ist eben immer.
Als wir am 4. Juli mit den Rädern in den Ort fahren wollten, gab dann auch das Kurbelgetriebe unserer Markise den Geist auf. Es knackte einmal ganz laut und plötzlich ging nichts mehr. Die Zahnräder im Inneren des Getriebes schienen kaputt zu sein. Verdammt.

Aber zum Glück gibt es Thule auch in den USA. Wir fanden einen Lieferanten mit dem passenden Ersatzteil, was allerdings einige Tage dauern würde. Solange hatten wir jetzt leider keine Markise mehr, was bei den Temperaturen und Sonnenstunden nicht so ideal war. Naja. Die Freuden des Vanlife.
Die erfolglosen Reparaturversuche kosteten uns so viel Zeit, dass die Tour in den Ort leider ausfiel. Naja, immerhin für einen Sprung in den See blieb noch etwas Zeit.


Abends packten wir den Grill aus, stießen auf den 250. Geburtstag der USA an und beobachteten das Feuerwerk in Kanab aus der Ferne.

Von Mexikanern und Mormonen
Am nächsten Tag war dann das WM-Spiel Mexiko gegen England angesagt. Wir waren unsere Mexiko-Trikots über und radelten in den Ort, um nach einer Bar Ausschau zu halten, die das Spiel zeigte.
Plötzlich hupte es hinter uns. Ein Mann mit Mexiko-Trikot und Lucha-Maske hielt neben uns an und fragte, ob wir Mexikaner seien. Haha, fast! Juan, der ein echter Mexikaner war, lud uns ohne Umschweife zu sich nach Hause ein, um mit ihm und seiner Familie das Spiel zu schauen. The more the merrier, meinte er.
Wir wurden nebenbei mit Tinga-Tortillas und Getränken versorgt und fieberten mit El Tri mit – leider vergeblich. Echt schade! Wir hätten es den Mexis wirklich gegönnt noch ein bisschen länger an der WM teilzuhaben.
Dennoch hatten wir einen lustigen Abend bei Juan und seiner Familie.

Zwischendurch kamen auch zwei Missionare der Mormonen vorbei und beteten mit allen vor dem Spiel. Es stellte sich heraus, dass auch Juan und seine Familie Mormonen waren.
Das Ganze war für uns natürlich etwas befremdlich, aber auch die beiden jungen Missionare waren super nett und total interessiert an unserer Reise. Zudem lernten auch wir nebenbei noch ein bisschen was über die Mormonen und vor allem die Missionarszeit, was wiederum auch ganz spannend war. Ein durch und durch überraschender Abend. 🙂
Werkstattfreuden & Gastfreundschaft
Zwei Tage später war dann endlich unser Werkstatttermin. Alle Teile waren nun da und Moby bekam neue Domlager, Dreieckslenker, Stabilisatoren und Bremsbeläge. Alles klappte einwandfrei, nur stellte die Werkstatt leider fest, dass unser rechter Stoßdämpfer ölte. Mist!
Aber nach 150.000 km auf allen möglichen Pisten war das auch nicht allzu verwunderlich. Ersatz für unser spezielles Goldschmitt-Fahrwerk, welches wir vor der Reise nachgerüstet hatten, war natürlich spontan nicht zu bekommen. Daher musste das jetzt erst mal so bleiben und wir hofften, es würde nicht allzu schnell schlimmer werden. Denn das würde eine weitere aufwändige und teure Reparatur erfordern, die an die 2.000 € verschlingen würde. Bitte nicht! 🙏
Während Moby repariert wurde, schauten wir uns Kanab noch ein bisschen an, gingen mexikanisch essen und wurden erneut von Juan eingeladen. Der ist nämlich Manager eines Hotels im Ort und lud uns ein, die Wartezeit am Pool zu überbrücken. Meine Güte, hatten wir ein Glück!
Bei 36 Grad kam uns der Pool gerade recht. Juan und seine Family kamen später auch noch dazu, es gab wieder etwas zu essen und viele Geschichten. Mega nette Menschen einfach und so verging die Wartezeit auf den Van wie im Flug.



Nach einer letzten Nacht an „unserem See“ wurde am nächsten Morgen am Van noch die Spur eingestellt und dann konnten wir endlich unseren Roadtrip durch die USA richtig starten.
Monument Valley
Endlich wieder on the road – und wir nahmen direkt Kurs auf das Monument Valley. Das hatten wir letztes Jahr wegen unserer Van-Probleme nicht mehr geschafft.
Eigentlich hatten wir geplant, irgendwo kurz vorher die Nacht zu verbringen und dann früh morgens durchzufahren, auch um der Hitze zu entgehen. Aber als wir gegen 17 Uhr ankamen und es 38 Grad hatte, war uns nicht nach Parken und Schwitzen zumute – also fuhren wir in einem Rutsch durchs Monument Valley.
Den 17 km langen Offroad-Trail, den es hier noch gegeben hätte, wollten wir eh nicht fahren, von daher blieb nur der Highway, der mitten durch die Felslandschaft führt.

Die weite Landschaft war super beeindruckend, das späte Nachmittagslicht perfekt.



Aber dann waren wir auch schon durch. Geht dann doch schneller als gedacht. So groß, wie wir es uns vorgestellt hatten, war das Valley nicht.
Wir stoppten kurz am Forrest Gump Point, der seinen Namen natürlich dem Film verdankt. Dies ist die Stelle, an der Forrest beschließt, dass er keine Lust mehr hat zu laufen und nach Hause kehren möchte.



Wir wollten aber noch nicht nach Hause und schauten noch beim Mexican Hat vorbei, der auch deutlich kleiner war als wir dachten.

Der potentielle Schlafplatz dort war uns zu schräg. Also suchten wir noch ein bisschen weiter und wurden fündig – bei immer noch 36 Grad.
An Kochen im Van war da nicht zu denken. Mit Ventilatoren versuchten wir, es erträglich zu machen, aber um Mitternacht hatten wir immer noch 30 Grad draußen und im Van natürlich entsprechend mehr. Das macht nicht so viel Spaß ehrlich gesagt.


Am nächsten Morgen, nach einer nicht ganz so erholsamen Nacht, fuhren wir noch mal ganz früh los zum Forrest Gump Point, machten noch ein paar Bilder vor der bekannten Filmkulisse, diesmal ohne lauernde Menschenmenge hinter uns (wie am Vortag).




Dann zog es uns schleunigst weiter. Hauptsache raus aus der Hitze und endlich mal wieder in die Berge. Rocky Mountains, wir kommen!
Aber dazu dann demnächst mehr. 🙂
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