Teil 12 unseres Roadtrips durch Kanada
15. – 26. Oktober 2025
British columbia
Nach den kalten Nächten und ersten Schneeflocken rund um die Rocky Mountains zog es uns ins Okanagan Valley. Dieses Tal in British Columbia ist bekannt für sein warmes Klima, hervorragende Weine, den Obstanbau und Seen.
Wir hofften dort etwas mildere Temperaturen, Herbstsonne und natürlich guten Wein zu finden. Bevor wir dort eintauchen konnten, stand aber noch ein wichtiger Stopp an.
Kamloops: Reparaturen im Rekordtempo
In Kamloops hatten wir vor allem ein Ziel: Christians defekten Fahrrad-Dämpfer fachmännisch reparieren zu lassen. Den Fahrradladen hatte Christian vorab recherchiert und kontaktiert, und vor Ort wurden wir direkt freundlich empfangen. Der Mechaniker war nicht nur super nett und total interessiert an unserer Reise, sondern erzählte uns auch stolz, dass er selbst zwei deutsche Mountainbikes fährt. Beim Blick auf den Dämpfer hatte er Hoffnung, das Problem schnell lösen zu können – vielleicht sogar noch am selben Tag. Das hörten wir gerne!
Während wir uns auf einen kleinen Besorgungsmarathon machten, ergab sich gleich die nächste Reparaturmöglichkeit: Noch bevor wir den ersten Supermarkt erreichten, entdeckte ich einen dieser Pavillons für Steinschlagreparaturen. Wir hatten uns nämlich schon wieder einen Dotzer in der Scheibe eingefangen. Kanada ist für uns das Land der Steinschläge. Zehn Minuten später war die Sache dann aber schon erledigt.
Und während wir dort noch standen, klingelte schon das Handy: Der Fahrradladen meldete sich – der Dämpfer war fertig. Wow! Rekordzeit.
Nach den Einkäufen holten wir das reparierte Teil ab und waren damit auch schon bereit, Kamloops wieder zu verlassen. Städte voller Stripmalls hatten wir inzwischen wirklich genug gesehen.
Zwischen Kamloops und dem nördlichen Okanagan Valley fanden wir einen Übernachtungsplatz an einer spannenden, alten Holzbrücke an einem Fluss.


Die Nacht war kalt, aber ruhig. Am nächsten Morgen wunderte ich mich über die seltsamen „Pferde“ auf der Weide neben uns – bis mir klar wurde: Das waren Alpakas. Die schauten mindestens genauso irritiert wie ich.

Ankunft im Okanagan Valley
Endlich erreichten wir das Okanagan Valley. Aus dieser Region stammt ein Großteil der kanadischen Früchte, denn hier herrscht ganzjährig ein vergleichsweise mildes Klima. Besonders gut gedeihen dort auch Weintrauben, entsprechend viele kleine Weingüter gibt es hier – ein Umstand, den wir natürlich ausnutzen wollten. 🥂
Zunächst starteten wir aber mit einer kleinen Wanderung: erst zu den kleinen Margaret Falls, dann auf einem Loop durch den herbstlichen Wald und am Shuswap Lake entlang. Wunderschön – und außer uns fast kein Mensch unterwegs.



Nach der Mittagspause im Van besuchten wir die nördlichste Winery des Valleys, das kleine Weingut Sunnybrae. Wir probierten acht verschiedene Weine, darunter deutsche Reben wie Riesling, Gewürztraminer, aber auch Sorten wie Foch, Pinot Noir und Merlot. Viele Weine waren uns jedoch zu lieblich. Wir lernten dabei, dass „Off-Dry“ halbtrocken bedeutet – und dass wir davon in Zukunft lieber Abstand halten. Die trockenen Rotweine gefielen uns deutlich besser.


Zum Abschluss machten wir noch einen kleinen Spaziergang durch die hier bereits abgeernteten Reben. Ein vielversprechender Start ins Okanagan Valley.
Salmon Arm
Am Nachmittag ging es weiter nach Salmon Arm – die Orte haben hier teilweise echt komische Namen. Oberhalb des kleinen Örtchens fanden wir an einem Trailhead einen Platz für die sehr verregnete Nacht. Auch der Morgen begann grau und trüb.

Wir beschlossen daher, den Tag im Ort zu verbringen. Christian hatte noch an einem Projekt zu arbeiten, und ich musste mich dringend um unsere Reiseberichte kümmern.
Als wir losfahren wollten, kam dann allerdings die Ernüchterung: Der Van sprang nicht an. Beim Drehen des Schlüssels tat sich einfach nichts. Die Batterie war da, alle Lichter gingen an, aber der Motor machte keinen Mucks. Stattdessen erschien die Meldung „Glühkerzen kontrollieren“.
Das Verhalten kam uns nur allzu bekannt vor – genau so hatte es sich ein paar Wochen zuvor schon in Whitehorse gezeigt. Uns war ziemlich schnell klar, dass es wieder ein Massefehler sein musste. Dabei war das Masseband doch neu.
Christian machte sich direkt an die Arbeit, während ich erneut online recherchierte. Der Übeltäter war schnell gefunden: Das Masseband selbst war, erwartungsgemäß, wie neu, aber die Schraube, die das Band hält und den Stromkreislauf schließt, hatte bereits wieder Rost angesetzt. Diese Schraube hatten wir damals in Whitehorse nur reinigen können, weil wir keine exakt passende Neue gefunden hatten.
Das Internet empfahl, sie erneut zu säubern und mit Kupferpaste zu behandeln. Die hatten wir zwar nicht dabei, aber nach der Reinigung und dem Wiedereinbau sprang Moby zumindest wieder tadellos an. Diese blöde kleine Scheißschraube. 😤
In der Stadt besorgten wir anschließend die empfohlene Kupferpaste und noch ein paar Kleinigkeiten. Am Abend wechselten wir den Platz und stellten uns an ein Sportgelände in Salmon Arm. Dort baute Christian noch einmal alles auseinander und brachte die Paste großzügig zum Einsatz – in der Hoffnung, dass die Schraube nun besser geschützt ist (es scheint zu funktionieren, bis jetzt springt der Van jedenfalls tadellos an).
Da auch der nächste Tag wettertechnisch sehr durchwachsen war und wir beide noch einiges zu erledigen hatten, beschlossen wir, einen weiteren Tag in Salmon Arm zu bleiben. Zwischendurch blieb Zeit für Sport und Joggen, und wir kamen mit allem gut voran. So konnte es am nächsten Morgen, der deutlich freundlicher daherkam, schließlich weitergehen.
Lake Country & noch mehr Wein
Wir tauchten nun richtig ein ins Valley und erreichten Lake Country. Dort steuerten wir das Weingut Intrigue an. Für 6 CAD (3,70 €) durften wir sechs Weine probieren. Auch hier waren einige Halbtrockene dabei, aber auch ein paar sehr gute Tropfen.
Jen, die die Verkostung mit uns machte, nahm sich viel Zeit, gab unzählige Tipps für die Region und erklärte uns, wie hart die Jahre 2023 und 2024 für das Valley gewesen waren. In beiden Jahren war die Temperatur innerhalb einer Nacht von plus 5 Grad auf minus 25 Grad gefallen, was absolut untypisch ist für die Region, und dadurch wurden große Teile der Ernte und Pflanzen zerstört. Manche Weingüter (und auch Obstbauern) verloren 70–90 % ihrer Reben, einige sogar 100 % – und das zwei Jahre in Folge. Eine Katastrophe für die gesamte Region.
2025 hingegen war ein Ausnahmejahr: so ertragreich, dass manche Weingüter Trauben verkaufen mussten, weil die eigene Produktion die Mengen gar nicht verarbeiten konnte. Irre!

Auf Empfehlung von Jen besuchten wir noch die nahegelegene Winery Ex Nihilo. Dort bekamen wir vier fantastische Weine eingeschenkt und eine sehr kompetente Einführung in die regionale Weinproduktion. In nur einer halben Stunde lernten wir richtig viel – zum Beispiel, dass die Weinernte hier immer erst Mitte Oktober beginnt und oft bis Anfang November dauert. Das erklärte auch, warum hier alle Weinreben noch vollhingen.
Weinseelig machten wir uns anschließend auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz am Okanagan Lake – gar nicht so einfach. Überall wiesen Schilder auf Übernachtungsverbote hin, dazu viele schicke Häuser mit Seeblick, bei denen man als Camper nicht unbedingt das Gefühl hatte, willkommen zu sein.
Am Ende fanden wir aber doch ein Plätzchen: direkt am Straßenrand, aber mit Seeblick, fernab von Häusern und Schildern. Die Nacht war ruhig – bis auf einen Besuch der Polizei um 2:30 Uhr. Christian wurde wach, als ein Auto hinter uns hielt. Blaulicht und zwei Beamte mit Taschenlampen umrundeten den Van – und fuhren schließlich wieder, ohne uns zu behelligen. Auch das war ein Novum in Kanada.
Kelowna – besser als sein Ruf
Es ging weiter nach Kelowna, eine der am schnellsten wachsenden Städte in British Columbia, und die größte Stadt im Okanagan Valley. Wir hatten im Vorfeld einiges über hohe Kriminalitätsraten gelesen und waren entsprechend skeptisch – wurden aber positiv überrascht. Wir entdeckten eine gepflegte Stadt mit vielen schönen Ecken, einer netten Waterfront, schönen Cafés, individuellen Läden und einem vielfältigen kulturellen Angebot.



Wir drehten eine Runde durch die Innenstadt, füllten unsere Vorräte auf und zogen dann weiter Richtung Süden.
Peachland
Auf dem Weg nach Penticton legten wir einen kurzen Stopp in Peachland ein – von wegen Super Mario World! 😉 Der Name kommt nicht von ungefähr, hier werden Unmengen an Pfirsichen (und Kirschen, Äpfeln, Birnen, Pflaumen, etc.) angebaut.
Uns zog es an den Ortsrand zu den Harvey Falls. Ein kurzer Spaziergang durch den bunt gefärbten Herbstwald führte uns zu dem kleinen Wasserfall.



In der Saison kann man hier Lachse beobachten, von diesen (ehrlich gesagt sehr hässlichen Fischen) hatten wir in Alaska allerdings mehr als genug gesehen. Die bunten Blätter und der kleine Wasserfall reichten uns völlig.
Penticton: Wein, See und Geburtstag
Penticton, am südlichen Ende des Okanagan Lakes, gefiel uns auf Anhieb. Mit einem Eis in der Hand schlenderten wir durch die kleine Innenstadt bis zur schön angelegten Seepromenade. Im Sommer muss hier richtig was los sein, aber auch jetzt in der Nebensaison hatte der Ort einen ganz besonderen Charme.






Etwas oberhalb der Stadt gönnten wir uns, auf Empfehlung von Reisefreunden, erneut eine Weinverkostung bei Poplar Grove – ein wunderschönes Weingut mit spektakulärer Aussicht auf den Okanagan See.



Das Restaurant sah ebenfalls sehr verlockend aus, aber wir entschieden uns, den Geldbeutel zu schonen.
Wir fanden einen Stellplatz oberhalb der Stadt, direkt zwischen einem Aussichtspunkt und einem BMX-Park, den wir gleich testeten. Die Räder brauchten wir ohnehin, denn am nächsten Tag stand Christians Geburtstag an.
Schon zum fünften Mal feierten wir Christians Geburtstag auf der Reise.
Wie es sich gehört, gab es (gekaufte) Geburtstagstorte und ein ausgiebiges Geburtstags-Frühstück.


Anschließend schwangen wir uns auf die Räder. Unser Ziel: der Kettle Valley Rail Trail. Der Trail ist, wie der Name schon verrät, eine ehemalige Bahnstrecke. Der Trail verläuft durch Penticton und hat insgesamt eine Länge von 660 km. Wir nahmen uns davon nur 31 km vor – plus Rückweg.
Durch Weinfelder und Berge ging es stetig leicht bergauf, den Okanagan Lake immer im Blick. Wirklich wunderschön.




Nach etwa 30 km erreichten wir den knapp 500 Meter langen Adra-Tunnel. Dort stellten wir fest, dass wir unsere Lampen vergessen hatten. Mist! Aber dank der einfallsreichen Kanadier kein Problem: Bei der Einfahrt in den Tunnel, gingen nach und nach Lichter an der Decke an, dank Bewegungsmeldern. Sehr clever! Sogar ein Kronleuchter hing unter der Decke.




Am anderen Ende legten wir eine Pause mit Seeblick ein und radelten anschließend zurück – natürlich nicht ohne eine Weinprobe entlang der Naramata Bench, so wird das Ostufer des Okanagan Sees genannt.
Im kleinen Weingut Serendipity probierten wir fünf hervorragende Rotweine und lernten viel über die spannende Geschichte des kleinen Weinguts. Eine Flasche wanderte in unseren Rucksack, bevor es zurück nach Penticton ging.
Abends feierten wir mit Pizza im Ort weiter. Als die Brauerei um 21:30 Uhr schloss, gingen wir spontan ins Kino gegenüber und schauten den neuen Film mit Keanu Reeves. Genau das Richtige für diesen Tag. Das Geburtstagskind war jedenfalls zufrieden – und das ist ja das Wichtigste.

Insgesamt blieben wir drei volle Tage in Penticton. Neben weiteren Erkundungen besuchten wir noch die Hillside Winery, bevor es abends in die Abandoned Rail Brewery ging, die ebenfalls entlang des Kettle Valley Rail Trails liegt. Hervorragendes Bier und richtig gute kanadische Pizza. Besser konnte es kaum sein.



Langsam wurde es aber mal Zeit für eine Alkohol-Pause. 😉
Oliver
Ganz loslassen konnten wir das Okanagan Valley aber noch nicht und fuhren weiter südlich nach Oliver. Dort ließ uns allerdings das Wetterglück im Stich, somit fielen „Stadtbesichtigung“ und weitere Erkundungen buchstäblich ins Wasser.
Wir bezogen einen Stellplatz oberhalb des Skaha Lakes mit Blick Richtung USA – so weit südlich waren wir inzwischen schon.


Zwei Tage saßen wir hier aus, einer davon komplett verregnet. Die geplante Weinprobe im Weingut nebenan fiel daher auch aus. Stattdessen kümmerten wir uns um Admin-Kram, schauten viel Netflix und nutzten einfach mal die Pause.

Nach zwei Tagen ging es zurück nach Oliver für ein paar Erledigungen – und dann langsam wieder Richtung Norden und zurück in die Rocky Mountains – ja, schon wieder. Aber diesmal wartete da was ganz Besonderes auf uns. 🐶🏠
Aber dazu dann demnächst mehr. 😊
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