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Neufundland – Kanadas wilde Ostküste

Teil 19 unseres Roadtrips durch Kanada

3. – 20. September 2026
Neufundland

Von North Sydney, in Nova Scotia, stand uns mal wieder eine längere Fährfahrt bevor, denn Neufundland, Kanadas östlichste Provinz, ist eine Insel.

Ich dachte ja lange, dass Neufundland ein eigenständiges Land ist. Für alle denen das vielleicht auch so geht, hier ein kurzer Geschichtskurs:
Neufundland war zunächst eine britische Kolonie und später ein eigenständiges Dominion, verlor aber während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren seine Selbstverwaltung und wurde dann von Großbritannien verwaltet. 1948 stimmte eine knappe Mehrheit in einer Volksabstimmung für den Beitritt zu Kanada, der am 31. März 1949 offiziell erfolgte. Seitdem ist Neufundland eine Provinz von Kanada.

Zwei Stunden vor Abfahrt ging es zum Fährterminal. Das Boarding begann pünktlich und war super organisiert – man merkte, dass sie das nicht zum ersten Mal machten. 😉

Moby hatte einen schönen Platz im Inneren des Schiffs und wir bezogen zwei bequeme Sessel im Cafeteria Bereich.

Sechs Stunden dauerte die Überfahrt nach Port aux Basques, ganz im Südwesten von Neufundland. Und ich muss sagen, das war wahrscheinlich die ruhigste und entspannteste Fährfahrt aller Zeiten. Das Meer war spiegelglatt, ich merkte gar nicht, dass wir auf einem Schiff waren. Selbst auf den Außendecks war es die ganze Fahrt über windstill.

Wir vertrieben uns die Zeit mit Arbeiten und Filme schauen, blätterten in den Neufundland-Reiseführern und dann war auch schon wieder Land in Sicht.

Willkommen in Neufundland

Die Insel begrüßte uns mit schönem Abendlicht. Etwa 20 Minuten außerhalb des Fährterminals fanden wir am Harvey Trail in Isle aux Morts einen schönen Platz direkt am Wasser. Ein kleiner Aussichtspunkt gab uns einen guten Vorgeschmack auf das, was uns auf der Insel erwarten würde. So schön!

Am nächsten Morgen liefen wir bei schönstem Wetter den Harvey Trail, immer an der wilden Küste entlang. Wow, das war noch mal eine ganz andere Seite von Kanada – im wahrsten Sinne des Wortes – und erinnerte uns an Länder, in denen wir noch gar nicht gewesen waren, wie Norwegen, Grönland oder Schottland, aber auch an einige Ecken in Island oder Irland. Wunderschön, wild und grün.

Leider war für die nächsten Tage eine starke Regenfront vorhergesagt. Also überlegten wir, was wir tun sollten. Eigentlich hatten wir zuerst den Gros Morne Nationalpark im Westen besuchen wollen, aber mit diesen Aussichten machte das so gar keinen Sinn. Deshalb beschlossen wir, erst einmal weiterzuziehen, Richtung Ostküste, und unterwegs so viel mitzunehmen, wie das Wetter zuließ.

Stürmische Zeiten

Weit kamen wir zunächst nicht, denn da lag noch eine nette kleine Wanderung auf unserem Weg und das Wetter war noch OK, dachten wir. Am Starlite Trail schnürten wir erneut die Wanderschuhe und machten uns auf. Durch den Wald ging es im Zickzack steil hinauf, bis wir die Baumgrenze passierten – und erst dort merkten, wie stürmisch es plötzlich war.

Der matschige, steile Weg wurde durch die krassen Windböen zur Herausforderung. Mehrfach musste ich anhalten, um nicht im Gehen umgeweht zu werden. Crazy!

Oben angekommen, war es so heftig, dass ich nur schnell ein Foto von der Aussicht schoss und mich direkt wieder umdrehte, um abzusteigen. Der Wind war einfach zu stark, sodass wir den eigentlichen Gipfel des Weges diesmal gar nicht erreichten. Schade, aber dennoch war die Aussicht auch von dort schon schön. Und wir wussten jetzt, dass das Wetter auf Neufundland nicht zu unterschätzen war.

Wir zogen weiter und erreichten Cape St. George, wo wir einen schönen Platz an den Hidden Falls fanden. Vor uns lag der kleine Wasserfall, hinter uns direkt das Meer. In beide Richtungen gab es einen kleinen Spazierweg, der tolle An- und Ausblicke bot – und es regnete noch nicht. Was will man mehr?

Wir verbrachten eine ruhige Nacht dort, in der uns der Regen dann aber doch einholte. Dennoch fand ich morgens ein kurzes trockenes Zeitfenster für eine Runde Sport, dann konnte es weitergehen. Ab in die Regenfront!

Es verschlug uns nach Corner Brook, einfach weil es dort alle großen Supermärkte gab und wir uns mit allem Nötigen eindecken konnten. Außerdem hatten wir den Ersatzmotor für unsere bereits zum zweiten Mal defekte Dachhaube dorthin senden lassen. Die Abholung klappte einwandfrei, die Vorräte waren gefüllt und es schüttete wie aus Eimern.

Dazu war es sehr windig und ich bemerkte plötzlich, dass eines unserer Heckfenster von innen nass war. Es tropfte richtig rein. Scheiße! Wir hatten noch nie mit undichten Fenstern am Heck zu kämpfen. Doch es stellte sich heraus, dass es nur am heftigen Wind lag, der das Wasser reindrückte. Kaum hatten wir den Van gedreht, mit der Schnauze zum Wind, trat kein Wasser mehr ein. Wir dichteten das Fenster natürlich trotzdem mit Duct Tape ab, sicher ist sicher, denn der Regen würde uns ja noch eine Weile erhalten bleiben.

Etwas oberhalb der Stadt fanden wir beim James-Cook-Denkmal unseren Platz für die Nacht. Dort waren wir durch Bäume etwas windgeschützt und lernten nebenbei noch ein paar Fakten über Herrn Cook, der uns aus Hawaii und Tahiti ja schon bestens bekannt war.

Nach einer feuchtfröhlichen Nacht (haha) ging es dann weiter Richtung Osten.

Ein langer, verregneter und windiger Fahrtag brachte uns bis nach Charlottetown, wo wir einfach an einer kleinen Anglerhütte parkten. Wir hatten noch nicht einmal den Motor ausgestellt, da fuhr schon ein PKW neben uns und machte die Scheibe runter. Wir dachten schon, wir würden weggeschickt, aber ganz im Gegenteil!

Es war ein netter Herr aus dem Ort, der einfach neugierig war, wo wir herkamen, wo wir schon gewesen waren und so weiter. Er erzählte und erzählte, fragte und fragte. Wir hatten schon gehört, dass die Neufundländer besonders freundlich und gesprächig sind, spätestens jetzt bestätigte sich das.

Der nette Herr hieß uns herzlich willkommen, wünschte uns eine gute Weiterreise und schon war er wieder verschwunden.

Wir verbrachten eine ruhige und natürlich verregnete Nacht und dann ging es auch schon wieder weiter.

Die Bonavista Halbinsel

Ein erstes Neufundland-Highlight: Wir sahen Puffins! Und zwar ganz viele von ihnen.

An der Ostküste gibt es einige bekannte Punkte, an denen man die süßen Papageientaucher beobachten kann. Offiziell endet die Saison Ende August beziehungsweise Anfang September, aber zum Glück haben Puffins keine Kalender. In Elliston saßen noch Hunderte der süßen Tiere auf den Felsen, gut bewacht von garstigen Möwen, die ihnen gerne mal das Futter oder sogar die Jungtiere klauen.

Mit der Handykamera kam ich nicht nah genug ran, aber mit der DSLR gelangen mir doch ein paar gute Aufnahmen der erstaunlich kleinen Vögel. Sie sind nicht viel größer als eine gewöhnliche Taube.

Puffins!
Puffins!
Puffins!

Und wir hatten total Glück: Für etwa 30 Minuten riss der graue Himmel etwas auf, sodass wir die Tierchen gut beobachten konnten. Kaum waren wir zurück am Van, setzte wieder ein fieser Nieselregen ein, der alles in einen grauen Schleier legte. Also zogen wir schon wieder weiter.

Es ging auf der Bonavista-Halbinsel weiter bis zu deren äußerstem Zipfel, wo das Bonavista Lighthouse steht. Vor lauter Nebel und Regen sahen wir es allerdings kaum, dafür hörten wir umso besser das Nebelhorn, das aktuell offensichtlich hochgradig Sinn machte.

Entlang der Küste verläuft dort ein wunderschöner Wanderweg, aber bei dieser grauen Suppe dort entlangzulaufen, hätte herzlich wenig Sinn gemacht. So begnügten wir uns mit dem Blick auf das Lighthouse und fuhren anschließend in den kleinen, gleichnamigen Ort weiter, der allerdings ebenfalls recht ausgestorben wirkte.

Die Brauerei sah verlockend aus, aber wir wollten ja noch weiter. Zumindest die bunten Häuschen brachten etwas Farbe ins Spiel. Sonst gab es dort nicht viel zu sehen oder zu tun, also ließen wir den Ort hinter uns und übernachteten irgendwo im Nirgendwo.

St. John’s

Pünktlich zu unserem 14. Hochzeitstag besserte sich das Wetter etwas – zumindest an der Ostküste von Neufundland. An der Westküste war weiterhin Regen vorhergesagt. Somit hatten wir wohl die richtige Entscheidung getroffen, hierherzukommen.

Wir erreichten die Hauptstadt von Neufundland, St. John’s, wo wir direkt das schöne Wetter nutzten und die kleine Wanderung rund um den Signal Hill unternahmen. Ein schöner Pfad führte uns erst Richtung Hafen, dann an der schroffen Küste entlang, wo wir mit tollen Ausblicken belohnt wurden. Mit Sonne ist alles gleich so viel schöner!

Schließlich ging es über Stufen hinauf zum Signal Hill, wo eine kleine Festung steht, die einst der Verteidigung diente – nicht umsonst galt St. John’s früher als einer der sichersten Häfen der Welt. Der Ausblick von dort war auf jeden Fall toll!

Ausblick vom Signal Hill

Anschließend ging es weiter in die City. St. John’s ist vor allem für seine bunten Häuser bekannt. Besonders die Jellybean Row ist ein beliebtes Fotomotiv, da dort jedes Häuschen eine andere Farbe hat. Sehr nett.

Jellybean Row

Die Kneipenstraße überraschte uns hingegen, das mutete fast wie die Partystraße zum Beispiel in Medellín an. Wetterbedingt – es hatte sich wieder zugezogen und war kühl – war dort allerdings nicht viel los. Wir ergatterten einen Frozen Custard, schlenderten durch ein paar bunte Souvenirläden und kamen hier und da mit den netten Verkäufern ins Gespräch.

St. John’s

Alles sehr nett. Zur Feier des Tages gingen wir abends mal wieder essen – das hatten wir ewig nicht gemacht. Bei Olivers wurden wir mit leckerem Fisch und guten Cocktails verwöhnt. So lässt es sich Hochzeitstag feiern!

Der nächste Tag versprach sonnig und trocken zu werden. Somit wagten wir endlich mal wieder eine etwas längere Wanderung.

Wilde Küsten

Nur wenige Minuten außerhalb von St. John’s liegt der Cobblers Path Trail, der einen an der wilden Küste entlang zu einer Landzunge führt. Mal wieder ein wunderschöner Trail, hier und da natürlich etwas matschig, aber die immer wieder tollen Ausblicke entschädigten für die schlammigen Schuhe.

Die Landzunge gilt als guter Beobachtungspunkt für Wale, aber dafür waren wir leider schon etwas spät dran. Ein Großteil der Tiere war bereits weitergezogen. Dennoch genossen wir die Tour und die tollen Aussichten – ganz ohne Regen!

Cobblers Path

Das Örtchen Quidi Vidi konnten wir uns im Anschluss natürlich nicht entgehen lassen. Direkt neben St. John’s gelegen, lockt das kleine, bunte Fischerdörfchen mit seinem süßen Hafen und natürlich der Brauerei.

Quidi Vidi

Dort genehmigten wir uns ein Iceberg Beer, das als DAS Bier von Neufundland gilt. Wir probierten eins mit und eins ohne Alkohol, fanden beide OK, aber es wird sicher nicht unser Lieblingsbier. Hype hin oder her.

Cheers!

Einen weiteren Stopp legten wir am späten Nachmittag noch ein, nämlich Cape Spear. Cape Spear ist nicht nur der östlichste Punkt von Neufundland, sondern von ganz Nordamerika.

Und natürlich steht dort ein Leuchtturm – sogar zwei. Ein „neuer“ und der alte aus dem Jahr 1836.

… vs. alt

Der alte Leuchtturm konnte besichtigt werden. Man hat ihn liebevoll und originalgetreu wiederhergerichtet, sodass wir uns ein Bild davon machen konnten, wie der Leuchtturmwärter damals mit seiner Familie gewohnt hatte. Gar nicht mal so ungemütlich. Wir waren positiv überrascht.

Auf jeden Fall ein spannender Einblick. Und es war schon verrückt, dort gen Osten zu schauen und zu wissen: Das Nächste, was dort kommt, ist Irland!

The Irish Loop

Apropos Irland: Für uns ging es als Nächstes auf den Irish Loop, eine Küstenstraße südlich von St. John’s. Nach einer Nacht auf einem Wanderparkplatz nahmen wir uns morgens bei herrlichem Sonnenschein direkt den Trail vor, an dem wir standen. Unser Ziel war die Suspension Bridge von La Manche, ein kleiner Provincial Park.

Über einen matschigen Waldpfad gelangten wir schnell zur Hängebrücke, die über den kleinen Fluss führte, der wenige Meter weiter in den Atlantik mündet. Ein kleiner Wasserfall war auch dabei. Wunderschön sah das aus! Die Sonne schien am fast wolkenfreien Himmel – herrlich.

Wir folgten dem Trail bis zu einem kleinen, felsigen Strand, bevor es wieder retour zum Van ging und weiter auf dem Irish Loop.

Unser nächster Stopp war Ferryland, wo wir im örtlichen Bürgerhaus Informationen zu einer Wanderung einholten, die wir geplant hatten. Danach wollten wir eigentlich den Leuchtturm des Ortes besuchen, aber die Straße dorthin entpuppte sich als holprige Piste, die für den Van nichts war. Selbst einige SUVs hatten ihre liebe Mühe damit.

Zum Laufen waren wir bei dem wieder einmal stürmischen, kalten Wind zu faul, also blieb es bei der Besichtigung des kleinen Hafens.

Wir besorgten noch etwas im lokalen Supermarkt, wo uns die nette Kassiererin wieder in ein Gespräch verwickelte und uns nebenbei ihre halbe Lebensgeschichte erzählte. Dann zogen wir weiter zum vermeintlichen Ausgangspunkt unserer Wanderung.

Der Stellplatz am Trailhead entpuppte sich jedoch als Dorfmitte, wo wir nicht bleiben wollten. Zudem schwankte die Wettervorhersage für den nächsten Tag im Minutentakt und wir waren uns nicht sicher, ob wir die lange Wanderung zum Berry Head Arch wagen konnten, beziehungsweise sollten. Schließlich galt es, einen Fluss zu überqueren, was laut den Beschreibungen schon ohne Dauerregen tricky war. Und bei den aktuellen Regenmengen sicher erst recht!

Wir zogen also weiter und ich fand mal wieder einen Stellplatz an einem Leuchtturm. Dass der Weg dorthin eine drei Kilometer lange, holprige Schotterpiste war, war uns allerdings entgangen, sodass die Anfahrt ein wenig dauerte. Der Platz war aber superschön.

Bis gegen 23 Uhr Regen und Nebel einsetzten und das Nebelhorn des Leuchtturms ansprang. Aaaarrrgghhh! Für mich wäre es mit Ohropax gegangen, Christian hatte da so gar keinen Bock drauf und war richtig grumpy. Also fuhren wir nachts wieder die drei Kilometer lange Piste zurück, was der Stimmung jetzt nicht unbedingt positiv beitrug. So ist das manchmal mit dem Vanlife.

Wir fanden dann ein Plätzchen in einer Haltebucht am Straßenrand, wo wir uns geschickt zum Wind positionieren mussten, anschließend aber eine ruhige Nacht hatten. Morgens waren wir überrascht, wie schön der Platz doch eigentlich war, als sich der Regen endlich verzogen hatte.

Unsere Wanderung hatten wir nach den nächtlichen Wassermassen gestrichen. Das wäre eine einzige Schlammschlacht geworden, und ob der Fluss überhaupt passierbar gewesen wäre, war ebenfalls ungewiss. Da hatten wir irgendwie keinen Bock drauf, auch wenn es echt schade war, denn die Tour hätten wir gerne gemacht. Aber man kann halt nicht alles haben in Neufundland.

Wir zogen weiter und legten entlang des Irish Loops ein paar kurze Fotostopps ein. Für alles andere war es zu stürmisch, besonders am südlichen Zipfel des Loops, wo uns in Portugal Cove und am Johnson Beach fast die Ohren weggeflogen wären. Aber so schön! Wahnsinn! Die Wasserfarbe war traumhaft türkis, der Strand ewig lang. Unter anderen Umständen hätte man es dort sicher gut länger aushalten können.

Dildo (hihi)

Am späten Nachmittag erreichten wir die Kleinstadt mit dem wahrscheinlich witzigsten Ortsnamen auf Neufundland: Dildo.

Dank Jimmy Kimmel, der die Stadt einmal in seiner Show auf die Schippe genommen hatte, hat der Ort eine gewisse Berühmtheit erlangt. Oberhalb der Stadt thront deswegen sogar ein Dildo-Schriftzug im Wald, angelehnt an das Hollywood Sign. Jimmy Kimmel hatte den Ort nämlich zur Partnerstadt von Hollywood erklärt. Im Gegenzug wurde er zum Ehrenbürgermeister der Stadt ernannt.

Wir landeten in der örtlichen Brauerei, wo das Bier deutlich leckerer und günstiger als in Quidi Vidi war. Christian schwärmt bis heute von dem Stout, das er getrunken hatte, und mein Lager war ebenfalls sehr lecker.

Am nächsten Vormittag schauten wir uns den süßen kleinen Ort etwas genauer an. Es gab viele kleine Kuriositäten zu entdecken, bunte Häuser, einen hübschen Hafen, natürlich einen Leuchtturm und einen lustigen Souvenirshop. Alles kam aber ohne irgendwelche Anspielungen auf den Ortsnamen aus – das muss man erst einmal schaffen!

🙂

Danach machten wir uns wieder auf den Weg an die Westküste von Neufundland.

Terra Nova Nationalpark

Unterwegs stoppten wir im kleinen Terra Nova Nationalpark, wo wir es am späten Nachmittag gerade noch rechtzeitig zur Öffnungszeit ins Visitor Centre schafften. Ein netter Mitarbeiter versorgte uns dort mit tausend und einer Info. Da das Wetter gerade ganz schön und der Himmel halbwegs klar war, wagten wir noch eine 8,5 km lange Wanderung durch das Herzstück des Parks.

An der Küste entlang liefen wir irgendwann durch einen Wald, wo es mal trocken über Boardwalks ging, mal hüpfend und balancierend über sehr matschigen Waldboden. Viel Aussicht gab es diesmal nicht. Es ging dort eher um den Wald, der einige der ältesten Bäume der Region beherbergt, da die berühmten kanadischen Holzfäller nicht in dieses Gebiet vorgedrungen waren.

Zwischendurch kamen wir immer wieder an kleinen Seen vorbei und auch an voll behangenen Blaubeerbüschen, sodass das Frühstücksobst für die nächsten Tage ebenfalls gesichert war.

Die Nacht verbrachten wir knapp außerhalb der Parkgrenzen auf einer kleinen Lichtung. Am nächsten Vormittag ging es noch einmal in den Park, wo wir zwei weitere, eher kürzere Wanderungen unternahmen. Sie boten uns schöne Aussichten auf die Küste und die Seenregion der Gegend.

Wir erklommen auch einen alten Feuerturm, der dem starken Wind trotzte – zumindest besser als unsere Frisuren.

Gut durchgelüftet zogen wir schließlich weiter.

Gros Morne Nationalpark

Nach einer Übernachtung und einem Einkaufsstopp in Grand Falls-Windsor erreichten wir endlich die Region, wegen der wir hauptsächlich nach Neufundland gekommen waren: den Gros Morne Nationalpark.

Wie immer steuerten wir zuerst das Visitor Centre an, was diesmal allerdings wenig hilfreich war. Die etwas lustlose Mitarbeiterin bejahte nur all unsere Pläne, Fragen nach den Trailbedingungen beantwortete sie oberflächlich und falsch, wie wir noch feststellen sollten. Auch sonst war nicht viel aus ihr herauszuholen. Na ja.

Wir hatten eh schon einen Plan im Kopf und da noch Zeit war, fuhren wir noch nach Norris Point. Ein kleiner Ort mit schnuckeligem Hafen und einem kurzen Trail, auf dem wir einen ersten Blick auf den Gros Morne Mountain und die Bay warfen.

🙂

Zufällig hatte ich am Straßenrand auch einen Foodtruck entdeckt, den ich mir schon vor Wochen auf der Landkarte markiert hatte, da es dort die besten Lobster Rolls von Neufundland geben sollte. Praktischerweise gab es direkt daneben eine große, ebene Parkfläche ohne Schilder. Also beschlossen wir, dass dies unser Platz für die Nacht werden sollte. So konnte ich mir meine erste Lobster Roll direkt im Van genehmigen.

Lobster King

Sehr lecker, wenn auch sehr teuer – Hummer halt – und irgendwie auch ganz anders als erwartet. So waren wir aber gut gestärkt für die große Tour am nächsten Tag.

Endlich ging es richtig rein in den Nationalpark und gleich mal rauf auf den zweithöchsten Gipfel Neufundlands: den Gros Morne Mountain, dessen Gipfel auf stolzen 807 Metern liegt. 😉

Die Wettervorhersage behielt Recht, die Sonne schien vom blauen Himmel und so marschierten wir wie immer zeitig los. Erwartungsgemäß war der Trail recht nass, aber zunächst noch gut zu gehen. Vorbei an einem kleinen Wasserfall ging es, den Gros Morne immer im Blick, stetig bergauf, bis sich der Blick auf die umliegende Landschaft öffnete.

Gros Morne Hike

Dann wurde es aber doch matschiger, obwohl die Dame im Visitor Centre ja gemeint hatte, das sei dort gar kein Thema. Haha.

Alles trocken!

Aber auch die überspülte Holzbrücke meisterten wir trockenen Fußes und standen schließlich am eigentlichen Aufstieg des Berges. Ab dort wurde es so richtig steil: 480 Höhenmeter auf zwei Kilometern. Da es über große Felsen hinaufging, ließ sich das aber gut und schnell machen. Zudem schien uns die Sonne in den Rücken und wir hatten kaum Wind, also keinen Grund zu meckern.

Geil!
🙂

Schließlich gelangten wir auf das Plateau des Berges und bekamen spektakuläre 360-Grad-Aussichten. Wirklich toll!

Gros Morne Gipfel

Der Trail verlief nun weiter auf der Höhe, über aufwendig angelegte Wege, vorbei an grunzenden Ptarmigan-Vögeln. Die klingen wirklich wie rülpsende Frösche, zu witzig! Schließlich bekamen wir einen Ausblick auf den Ten Mile Pond, der uns echt die Sprache verschlug. Der Hammer! Dazu die grünen Berge und Hügel rundherum, überall fielen Wasserfälle ins Tal. Da gehen einem die Superlative aus.

Wir suchten uns einen gemütlichen Fels für unsere Mittagspause und begannen dann den langen Abstieg. Der verlief zunächst über eine super angelegte Treppe und wurde anschließend wieder felsig und auch etwas matschig. Schöne Grüße an die Tante aus dem Visitor Centre!

Abstieg

An einer Stelle rutschte ich blöd von einem Felsen ab und landete heftig auf der rechten Arschbacke. Ich dachte kurz, ich hätte mir ebendiese gebrochen. Das tat für einen Moment ganz schön weh und Laufen war danach nicht mehr so angenehm, aber mit der Zeit wurde es besser. Zurück blieb ein formschönes, dreifarbiges Hämatom und Sitzen war die nächsten Tage nicht so bequem wie sonst. Aber was soll’s – die Wanderung war es mal wieder wert!

Der Rückweg zog sich ganz schön, bescherte uns aber weitere schöne Ausblicke und langsam auch die ersten zarten Herbstfarben. Nach 17 km waren wir wieder zurück am Van und ziemlich zufrieden mit unserem ersten Tag – abgesehen von meinem Hintern.

Für den restlichen Nachmittag und die Nacht suchten wir uns ein schönes Plätzchen direkt am Meer. Zwar war es dort schon recht frisch, dennoch genehmigten wir uns ein Bierchen in der Sonne und schauten den Wellen zu.

Ein Local aus der Nähe kam mit seinem ATV vorbei und fragte uns, ob wir nicht ein noch schöneres Plätzchen haben wollten. Er meinte die Plätze weiter unten am Meer wären noch schöner. Aber wir waren happy enough und wollten am nächsten Morgen sowieso wieder zeitig los, zum nächsten Highlight.

Als ich morgens den Rollo hochmachte, wurde ich allerdings erst einmal vom schönsten Sonnenaufgang seit Langem überrascht. Was für Farben, wow!

Western Brook Pond

Dank meiner Freundin Anne hatten wir uns für die Western Brook Pond Tour angemeldet. Hier muss man frühzeitig einen Zeit Slot buchen, selbst in der Nebensaison. Dabei ging es mit dem Boot durch einen ehemaligen Fjord, der inzwischen vom Meer abgeschnitten ist und deshalb nur noch ein langer Süßwassersee ist.

Bevor die Bootstour losging, hieß es erst einmal drei Kilometer zum Steg „wandern“ – oder mit einem Golfwägelchen fahren, für 10 Dollar. Haha.

Pünktlich ging es mit dem Boot los und ab auf den Pond. Die Kulisse hätte mal wieder kaum spektakulärer sein können. Der Pond wird von teilweise bis zu 700 Meter hohen Wänden eingerahmt, ist 16 km lang und etwa 1,3 km breit. Um uns herum gab es nichts als massive Steinklippen und natürlich jede Menge Wasserfälle.

Western Brook Pond
🙂

Die beiden Skipper machten die zweistündige Tour sehr kurzweilig, erzählten viele Fakten und Anekdoten, zeigten Bilder aus alten Zeiten und vom Winter und ließen zu guter Letzt alle mal auf den Löffeln spielen – darunter kann sich jetzt jeder vorstellen, was er will.

Wir hatten aufgrund des Preises lange überlegt, ob wir uns die Tour gönnen sollten, waren im Nachhinein aber total happy, es gemacht zu haben. Und noch dazu bei so schönem Wetter! Da hatten wir echt mal wieder Glück gehabt.

Noch mehr Nationalpark

Nach der frühen Bootstour war der Tag noch jung, also fuhren wir in den südlichen Teil des Nationalparks und wanderten noch den Lookout Trail. Der machte seinem Namen alle Ehre.

Zunächst ging es durch den Wald hinauf, bis wir auf einen Boardwalk gelangten und schließlich den Aussichtspunkt erreichten, von dem wir einen 360-Grad-Blick auf die Bonne Bay, den Gros Morne Mountain, die Tablelands und noch mehr hatten. Wahnsinn – allerdings auch sehr windig!

Der Weg verlief weiter auf der Höhe, über den perfekt angelegten Boardwalk, und wir bekamen mal wieder gar nicht genug von den Aussichten und Farben. So schön!

Vor den Toren des Parks suchten wir uns eine freie Fläche am Wasser aus, wo es keine Schilder oder Ähnliches gab, die auf ein Verbot hingewiesen hätten. Gegen 22 Uhr tauchte dann allerdings doch jemand auf und ließ uns wissen, dass wir auf Privatgelände standen und bitte gehen sollten.

OK, eine Parkbucht am Straßenrand tat es dann auch. Viel Verkehr gab es in der Ecke zum Glück nicht und wie immer ging es am nächsten Morgen bei uns ja zeitig los.

Wir konnten unser Glück kaum fassen, aber auch der dritte Tag im Nationalpark zeigte sich von seiner besten Seite: blauer Himmel und Sonnenschein, genauso, wie wir es uns gewünscht hatten. Und das, nachdem es in den letzten zwei Wochen dort gefühlt nur geregnet hatte, mit wenigen Ausnahmen!

Zwei Wanderungen hatten wir noch auf der Wunschliste.

Morgens nahmen wir uns als Erstes den Green Gardens Trail vor. Dieser verlief vom Parkplatz aus bergab, hinunter an die Küste. Die Aussicht war phänomenal – was auch sonst!

Über eine Treppe gelangten wir hinunter an den Strand, wo uns eine Herde Schafe erwartete. Das hatten wir auch noch nicht so oft. Eines war ganz zutraulich und ließ sich sogar die Öhrchen kraulen. So süß!

Strandzugang

Auch die Felsen am Strand faszinierten uns. Dank Ebbe kamen wir relativ nah heran und bestaunten auch die Algen, die dort wuchsen. Was für eine irre Natur!

Nach der 10 km langen Runde fuhren wir ein kleines Stück weiter und erreichten die Tablelands – vielleicht erst auf den zweiten Blick ein Highlight.

Optisch sieht man dort zunächst nur braunes Gestein mit wenig Vegetation. Tatsächlich läuft man hier aber über den Erdmantel, also quasi das Erdinnere. Vor Millionen von Jahren hat sich die Erdkruste geöffnet und Gesteinsmassen wurden zusammengeschoben, sodass das Innere nach außen gelangte und dort bis heute liegt. Nur an wenigen Stellen auf der Welt kommt man so einfach an dieses Gestein heran. Schon beeindruckend!

Dass wir drei so perfekte Tage im Gros Morne Nationalpark bekommen würden, hätten wir nach dem verregneten Start auf der Insel nicht gedacht. Umso happier waren wir, dass es doch noch geklappt hatte.

Stürmischer Abschied

Außerhalb des Nationalparks fanden wir an einem Waldrand ein schönes Plätzchen, wo wir den restlichen Nachmittag und die Nacht verbrachten.

Für das bevorstehende Wochenende war leider ein schwerer Sturm vorhergesagt, der hauptsächlich die Ostküste Neufundlands treffen sollte. Dementsprechend gab es aber auch hohen Wellengang und es war zu erwarten, dass einige Fähren zurück aufs Festland ausfallen würden.

Wir versuchten noch kurzfristig, einen Platz auf der Freitagsfähre zu ergattern, aber keine Chance. Für Samstag waren Starkwinde vorhergesagt, somit buchten wir unsere Rückreise für Sonntag und hofften, dass sich der Sturm bis dahin verzogen haben würde.

Unser letzter Stopp auf Neufundland war erneut Corner Brook. Dort sollte der Sturm nicht so wild werden und so suchten wir am altbekannten Platz, am Captain Cook Lookout, Schutz vor dem Sturm.

Das klappte auch ganz gut – bis es am frühen Samstagmorgen auf einmal doch extrem windig wurde und sich die Bäume gefährlich neigten. Also verzogen wir uns schnell auf den leeren Parkplatz eines Supermarktes. Dort konnte uns zumindest nichts aufs Auto fallen.

Später nahmen die Winde wieder ab und spontaner Platzregen und kurze Sonnenfenster wechselten sich im Minutentakt ab. Auf Neufundland kann man wirklich alle Jahreszeiten innerhalb weniger Minuten erleben!

Nachmittags bahnten wir uns dann unseren Weg zurück Richtung Port aux Basques, wo wir die letzte Nacht vor der Fähre unspektakulär am Straßenrand verbrachten.

Wie erhofft, hatte sich der Sturm am Sonntag verzogen und wir boardeten die Fähre bei strahlendem Sonnenschein. Anfangs schaukelte das Schiff noch ein wenig, aber je weiter wir Richtung Festland kamen, desto ruhiger wurde das Meer.

Wir hatten wieder eine sehr entspannte Überfahrt, die wir uns mit Arbeiten, Filme schauen und Dösen vertrieben. Nach sechseinhalb Stunden waren wir zurück in Nova Scotia.

Die zwei Wochen in Neufundland haben uns noch mal eine ganz andere Seite von Kanada gezeigt – wild, stürmisch, sehr nass und so ganz anders als der Rest. Dennoch, oder vielleicht auch ein bisschen deswegen, hat es uns extrem gut gefallen.

Jetzt waren wir (mehr oder weniger) bereit für unseren Kanada-Endspurt – aber dazu dann demnächst mehr. 🙂

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Québec: Berge, Fjorde & Meer

Teil 18 unseres Roadtrips durch Kanada

22. August – 2. september 2026
Québec & New Brunswick

Wir zogen weiter durch die Provinz Québec und erreichten die Charlevoix-Region, wo wir unseren ersten Stopp im Parc national des Hautes-Gorges-de-la-Rivière-Malbaie einlegten. Diese langen französischen Namen raubten mir echt den letzten Nerv.

Parc national Haute-Gorges-de-la-Rivière-Malbaie

Anne hatte uns dort eine tolle Wanderung, mit dem nicht weniger komplizierten Namen L’Acropole-des-Draveurs, mit Aussicht auf die gleichnamige Schlucht empfohlen: nur 9 km insgesamt, aber auch 860 hm auf 4,5 km. Also genau unser Ding.

Leider gelangte man am Wochenende nur mit einem kostenlosen Shuttlebus zum Trailhead, die Straße dorthin war für Privatfahrzeuge gesperrt. Der Shuttle fuhr uns aber zu spät los und im Gänsemarsch mit anderen Leuten wandern mögen wir auch nicht. Also standen wir wieder früh auf, Christian machte die Räder startklar und wir radelten bei noch recht frischen Temperaturen los zum Trailhead.

Nachdem die Räder gesichert waren, begann der steile Anstieg. Selten sind wir einen Trail mit so vielen Warn- und Hinweisschildern gelaufen, die teilweise aber sehr witzig waren. Und es wäre nicht Québec, wenn der Höhenvergleich nicht anhand des Eiffelturms gezogen worden wäre. Die Franzosen sind echt eigen, selbst wenn es Kanadier sind. 😉

Wir kamen gut voran und erreichten bald den ersten von drei Gipfeln. Dort bekamen wir eine spektakuläre Aussicht auf die Schlucht. Wirklich beeindruckend schön!

Auch Gipfel 2 und 3, alle mehr oder weniger auf der gleichen Höhe, boten tolle Ausblicke auf die Schlucht und die Landschaft drumherum.

Nach erfolgreicher Stärkung traten wir den Abstieg an, der wie immer unangenehmer war als der Aufstieg. Außerdem kamen uns jetzt echt viele Leute schnaufend entgegen. Wir waren definitiv froh, so zeitig unterwegs gewesen zu sein.

Der Tag war nach der Wanderung noch jung, also radelten wir mit den Rädern noch etwas weiter in den Park beziehungsweise tiefer in die Schlucht hinein. Am Visitor Center bestaunten wir das kleine Wehr und die Aussicht auf den Draveur, auf dem wir eben noch gestanden hatten. Ab dort ging es auf Schotter weiter, immer am Fluss entlang. An einem kleinen „Wasserfall“ machten wir schließlich kehrt. So langsam wurden die Beine dann doch müde und wir hatten Gegenwind auf dem Rückweg. Typisch!

Zurück am Van verstauten wir wieder alles und warfen einen Blick auf die Wettervorhersage, die leider etwas gemischt daherkam. Also galt es, den schönen Tag noch zu nutzen und weiterzufahren.

Fjord du Saguenay

Nach etwa drei Stunden Fahrt erreichten wir am späten Nachmittag den Fjord du Saguenay, also einen langen, schmalen Meeresarm, der durch Gletscher entstanden ist und der dort malerisch zwischen steilen Klippen und grünen Hügeln verläuft.

Wir hatten gerade noch Zeit, das schöne Abendlicht von einem der Aussichtspunkte zu bestaunen, und wussten da leider schon, dass sich das Wetter am nächsten Tag gewaltig ändern sollte. Es war jede Menge Regen vorhergesagt. Also machten wir das Beste daraus und genossen das schöne blaue Wasser, in dem sich auch Wale und Belugas tummeln. Wir sahen allerdings keine.

Die geplante Bootstour durch den Fjord musste aufgrund der Wettervorhersage leider ebenfalls ausfallen, aber wenigstens hatten wir den Fjord einmal bei Sonne gesehen.

Für die Nacht fanden wir im Ort Petite-Saguenay einen mal wieder von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellten Stellplatz für Wohnmobile, mit Bänken, Sonnenschirmen und Frischwasseranschluss. Merci beaucoup!

Das Wetter hielt sich (leider) an die Vorhersage und wir wachten zu einem sehr regnerischen Tag auf. Also machten wir Strecke und nahmen Kurs auf die Fähre über den Sankt-Lorenz-Strom nach Tadoussac. Die Fähre ist kostenlos, da sie quasi zum Straßennetz gehört. Merci abermals!

Vorher stoppten wir kurz an einem bekannten Aussichtspunkt auf den Fjord, von dem aus man häufig Belugas beobachten kann. Bei der grauen, regnerischen Suppe war allerdings wenig mit Aussicht und die Belugas hatten auch keine Lust aufzutauchen. Schade!

Die Überfahrt nach Tadoussac dauerte nur wenige Minuten und schon standen wir im ebenso verregneten Ort, einem beliebten Touristenziel für Walbeobachtungen. Für Waltouren wollten wir aber kein Geld mehr ausgeben, schon gar nicht bei dem Wetter.

Gerne zahlten wir dagegen Eintritt für das kleine Walmuseum im Ort, das die größte Walskelettsammlung Kanadas beherbergt. Dort konnten wir im Maul eines Nordkapers stehen, die spitzen Zähne eines Pottwals bestaunen und natürlich auch Skelette all der anderen Wale der Region betrachten: Buckelwale, Zwergwale, Finnwale, Orcas, Delfine und viele mehr.

Walskelette
Nordkaper Maul & Barten

Das Museum war wirklich spannend und interaktiv gestaltet, auch wenn es sehr voll war. Kein Wunder bei dem Wetter! In einer kurzen Regenpause wagten wir uns noch ein paar hundert Meter weiter an die Küste, aber auch dort ließen sich keine lebenden Wale blicken. Somit fiel unser Besuch in Tadoussac recht kurz aus und wir düsten weiter.

Fährfahrt über den Sankt-Lorenz-Strom

Und schon wieder Fähre fahren! Diesmal allerdings kostenpflichtig, denn wir mussten erneut über den gewaltigen Sankt-Lorenz-Strom, von Saint-Siméon nach Trois-Pistoles. Der hier allgegenwärtige Strom verbindet die Großen Seen mit dem Atlantik und ist eine der wichtigsten Wasserstraßen Nordamerikas. Er verläuft über rund 1.600 km durch Kanada, bevor er sich in eine riesige Flussmündung verbreitert, die zu den größten der Welt gehört.

Die Überfahrt war kurz und schmerzlos: 1,5 Stunden. Wir sahen sogar in der Ferne, leider wirklich sehr weit in der Ferne, ein paar Beluga-Rücken aus dem Wasser auftauchen. Tatsächlich und zu unserer großen Freude, lichtete sich auch das Wetter auf der anderen Seite etwas. Also fackelten wir nicht lange und fuhren gleich weiter zum nächsten Ziel.

Parc national du Bic

Wir erreichten den kleinen Nationalpark Parc national du Bic, den uns meine Freundin Anne wärmstens empfohlen hatte. Kaum angekommen, riss der Himmel richtig auf und wir sahen mal wieder die Sonne. Das nutzten wir natürlich aus und unternahmen eine kleine Tour über die Île aux Amours. Der Nebel kam und zog wieder in die Bucht hinein und erzeugte dabei eine ganz besondere Stimmung. Wirklich schön!

Für den nächsten Tag wollten wir eine etwas längere Wanderung machen, für die es allerdings Ebbe brauchte. Die war am nächsten Morgen bereits gegen 6 Uhr. Ganz schön früh! Sie setzte aber auch an diesem Abend gegen 18 Uhr ein und das Wetter schien stabil, auch wenn die Vorhersage etwas anderes meinte. Also überlegten wir kurz und beschlossen dann, es spontan zu wagen.

Gegen 17 Uhr marschierten wir los, entlang kleiner Buchten, bis wir schließlich an die felsige Küste gelangten.

Das Wasser war schon weit genug zurückgegangen, sodass wir entlang und über die Felsen an der Küste laufen und klettern konnten. Ein besonders markanter Felsen stach uns dabei ins Auge, den hatten wir schon auf Annes Bildern gesehen. In Echt war er aber noch beeindruckender.

Le Bic
Le Bic

Wir bekamen weitere tolle Fernsichten und das Wetter hielt. Was für ein Glück! Wir fühlten uns, als hätte man uns einen Tag geschenkt. Damit hatten wir heute gar nicht mehr gerechnet.

Zum Abschluss liefen uns noch ein paar süße Rehe über den Weg und pünktlich zum Einsetzen des Regens erreichten wir wieder den Van. Perfektes Timing!

Die Nacht verbrachten wir auf dem Parkplatz eines nahegelegenen Theaters, wo zu unserer Überraschung abends noch eine Veranstaltung stattfand. In diesem Kaff! Naja, keiner störte sich an uns, wir verbrachten eine ruhige Nacht und der nächste Tag begann tatsächlich wieder sonnig.

Während Christian einen Call bezüglich seiner beruflichen Zukunft hatte, sportelte ich eine Runde und anschließend wagten wir uns noch einmal in den Park. Diesmal ging es in eine andere Bucht, ebenfalls eine Empfehlung von Anne. Wirklich schön dort! Wer mal einen ruhigen Urlaub mit kanadischem Nordsee-Feeling machen möchte, ist dort genau richtig.

Parc national de la Gaspésie

Nach einem Einkaufsstopp in Rimouski erreichten wir unser nächstes Ziel, schon wieder einen Nationalpark: den Parc national de la Gaspésie. Auf diesen hatten wir uns besonders gefreut, denn dort gab es wieder einige schöne Wanderungen zu unternehmen. Allen voran der Mont Albert, eine lange und anstrengende Tagestour, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen konnten.

Wieder kamen wir am Nachmittag an, holten im Visitor Center alle notwendigen Infos und Tipps ein und machten noch einen kleinen Spaziergang zu „meinem“ Wasserfall, der Chute Sainte-Anne. 😉

🙂

Überhaupt begegneten uns in der Region auffallend viele Namen mit Sainte-Anne. Das geht auf die Verehrung der heiligen Anna zurück, der Mutter Marias und Schutzpatronin unter anderem der Fischer und Seefahrer. Sie spielt in Québec eine lange religiöse Tradition und ist daher Namensgeberin zahlreicher Orte und Naturplätze – also war doch nicht ich gemeint.

Außerhalb der Parkgrenzen gab es auch dort wieder einen kostenlosen „Campingplatz“, wunderschön an einem kleinen See gelegen, mit Outhouse, Picknickbänken und Kinderspielplatz. Die Québecer wissen, wie man Camper glücklich macht!

Von dort war es am nächsten Morgen nur ein Katzensprung zum Trailhead des Mont Albert. Wir hatten herrlichstes Wetter und bahnten uns den steilen Weg nach oben, auf den immerhin 1.151 Meter hohen Berg.

Aufstieg zum Mont Albert

Oben angekommen, konnten wir die 360-Grad-Ausblicke genießen, ebenso wie die schnell ziehenden Wolken, die immer wieder kurz die Sicht versperrten und genauso schnell wieder verschwanden. Wunderschön!

An einer Schutzhütte, leider unbewirtet – das würde hier noch fehlen! – machten wir unsere Käsebrotpause.

Danach begann der lange, ebenso steile und geröllige Abstieg, den ich innerlich tausendmal verfluchte, trotz der schönen Aussicht.

Irgendwann wurde es aber wieder flacher und weniger felsig, meine Stimmung besser und die Aussicht blieb gigantisch.

An einem See legten wir eine zweite Pause ein, bevor es zurück zum Van und zum kostenlosen Campingplatz ging. Dort genossen wir einen herrlich sonnigen Nachmittag.

Auch der nächste Tag begann wieder früh. Wir fuhren erneut in den Nationalpark und nahmen uns noch eine etwas kürzere Wanderung vor, auf den Pic du Brûlé. Los ging es an einem See, der früh morgens noch spiegelglatt und tiefblau war.

Anschließend führte der Trail durch den Wald hinauf, bis wir schließlich den nur 807 m hohen Gipfel erreichten und eine tolle Aussicht auf die Chic-Choc-Mountains und die Gaspésie bekamen. Wirklich toll und so grün!

Ausblick vom Pic Brule

Auch die ersten Herbstfarben entdeckten wir schon. Die Herbsttemperaturen können von uns aus aber noch warten!

Tour über die Gaspésie Halbinsel

Für den nächsten Tag war im Nationalpark Regen vorhergesagt. Also nahmen wir uns den anderen Teil der Gaspésie-Halbinsel vor und fuhren die Küste entlang, immer dem blau leuchtenden Sankt-Lorenz-Strom folgend.

Wir erreichten Gaspé an der Ostküste, wo wir kurz vor Sonnenuntergang noch einen schönen Viewpoint an einem Steilküstenstrand mitnehmen konnten. Das sah so toll aus! Schade, dass man dort nicht campen konnte, da der Platz zum Nationalpark gehört.

Von diesem Teil der Gaspésie-Halbinsel wollten wir noch mehr sehen. Also standen wir auch am nächsten Tag wieder zeitig auf und machten uns auf zum Cap Gaspé, dem östlichen Zipfel der Halbinsel, an dem ein bekannter Leuchtturm steht. Dort ging es ziemlich windig zu, was der Aussicht und dem Erlebnis aber keinen Abbruch tat. So schön und wild!

Wanderung Gaspé
Windig!
Wanderung Gaspé

Wir folgten der Küste weiter und erreichten Percé, einen kleinen Ort, der für einen großen Felsen bekannt ist: den Rocher Percé. Dieser Klotz liegt sehr fotogen direkt vor der Küste des Ortes. Wir bestaunten ihn aus verschiedenen Perspektiven und schlenderten eine Runde durch den hübschen, kleinen Touristenort.

Dann ging es auch schon wieder weiter, zurück in Richtung Parc national de la Gaspésie. Denn dort hatten wir noch eine Rechnung offen und die Wettervorhersage für den nächsten Tag war ganz hervorragend!

Mont Vallières-de-Saint-Réal

Abends erreichten wir die Außengrenze des Nationalparks und wunderten uns über das heftige Gewitter, das dort gerade herunterkam – das hatten wir so nicht geplant. Wir hofften inständig, dass unsere Wetter-App mit ihrer Vorhersage für den nächsten Tag recht behalten würde.

Wir übernachteten auf einer kleinen Waldlichtung und fuhren am nächsten Morgen wieder ganz früh in den Park. Und siehe da: Kaum angekommen, kam die Sonne zum Vorschein! Na also, geht doch!

Also los und rauf auf den Mont Vallières-de-Saint-Réal! Die ersten zwei Kilometer waren wieder einmal unglaublich steil. Über 400 hm galt es zu überwinden, aber dann hatten wir auch schon den ersten Gipfel erreicht und bekamen einen Vorgeschmack auf die Aussichten, die uns noch erwarteten. Gigantisch!

Aufstieg zum Mont Valliere…

Von dort aus ging es weiter über den Grat, immer von Gipfel zu Gipfel. Insgesamt gibt es acht Gipfel, wobei man vom vierten den besten Ausblick hat. Wir liefen trotzdem noch bis zum siebten, denn vom achten hat man kaum noch Aussicht.

Ab Gipfel Nummer vier wurde es allerdings tierisch windig. So windig, dass ich mich kaum noch aufrecht halten konnte und es heftig bereute, eine kurze Hose angezogen zu haben, da es trotz Sonne eisig kalt wurde. Solche krassen Böen hatten wir seit Patagonien wahrscheinlich nicht mehr. Crazy!

Aber wir hielten durch und kämpften uns weiter voran, weil der Trail und die Aussichten einfach zu schön waren. Eine absolute Highlight-Wanderung, die ich dem Mont Albert jederzeit vorziehen würde!

Durch das ständige Auf und Ab kamen wir schließlich auf über 1.000 hm und 14 km. Also schon ein bisschen mehr als ein Sonntagsausflug, aber jeder Meter hatte sich mal wieder gelohnt.

Mit dieser Wanderung beendeten wir quasi unsere Zeit in der Provinz Québec, die noch tausende weitere Highlights geboten hätte. Aber ewig Zeit hatten wir leider nicht mehr.

Hello New Brunswick!

Neubraunschweig, eine neue Provinz, an die wir ehrlich gesagt nicht so viele Erwartungen hatten. Nach einem Einkaufsstopp irgendwo entlang der Route zog es uns als Erstes an die Bay of Fundy und in den gleichnamigen Nationalpark.

Die Region ist für den höchsten Tidenhub der Welt bekannt: Bis zu 16 Meter steigt und sinkt das Wasser dort innerhalb von etwa sechs Stunden. Da braucht man dann aber auch den Vergleich, um wirklich beeindruckt zu sein. Als wir dort waren, war Flut und es sah schön aus. Bei Ebbe haben wir es allerdings nicht gesehen, somit wurde uns der Unterschied nicht bewusst.

Bay of Fundy

Wir schauten uns ein paar Buchten an und unternahmen eine kleine Wanderung mit schönen Ausblicken auf die Küste. Alles ganz nett, aber nichts, was einen jetzt umhaut. Oder wie die Kanadier sagen: „Nothing to write home about.“ Wobei wir das hiermit nun doch getan haben. 😉

Unser nächstes Ziel in New Brunswick war die Stadt Moncton, wo wir uns das mit dem Tidenhub noch einmal genauer anschauen wollten. In der Stadt gab es allerdings keine schönen Übernachtungsplätze, daher fanden wir etwa 30 Minuten außerhalb etwas Passendes, an einem Railway Museum. Dort standen wir sehr idyllisch im Grünen und verbrachten gleich zwei Abende an diesem Platz, inklusive Grillen. Nicht schlecht!

Moncton ist eine der größeren Städte in New Brunswick und ich hatte dort endlich mal wieder einen Friseurtermin ergattert, der längst überfällig war. Vorher schauten wir uns aber noch die sogenannte „braune Welle“ an.

Wie gesagt, gibt es dort einen starken Tidenhub. Dieser hat zur Folge, dass der Fluss bei Ebbe stellenweise fast trockenfällt. Kommt die Flut zurück, wird das Wasser in das schmale Flussbett gedrückt und erzeugt dabei eine Welle, die manchmal sogar gesurft wird, hatten wir gehört.

Naja, als es soweit war, sahen wir nur eine sehr kleine Welle braunen Wassers. Nicht besonders einladend, wenn man uns fragt, und auch nicht so spektakulär, wie es geklungen hatte. Wie wir später lernten, nennen die Locals das Phänomen auch „Chocolate Wave“. Sehr passend!

Die Stadt an sich war ganz nett, aber doch recht ausgestorben. Ich bekam die Haare geschnitten und das war’s dann auch schon mit der Stadtbesichtigung.

New Brunswick ist etwas ärmer an Highlights als andere Provinzen, aber das macht ja nix. Wir hatten ohnehin andere Pläne für die nächsten Tage und Wochen.

Expresstour durch Nova Scotia

Von Moncton aus ging es einmal im Schweinsgalopp quer durch Nova Scotia, zu Deutsch Neuschottland. Diese Provinz hoben wir uns für den Schluss auf, denn unser nächstes Ziel war erst einmal die östlichste Provinz Kanadas: Neufundland!

Für den 3. September hatten wir die Mittagsfähre gebucht. Wir positionierten uns taktisch und praktisch an einem einfachen Stellplatz unweit des Fährterminals in North Sydney, wo ich nach dem langen Fahrtag noch eine Runde am Wasser laufen gehen konnte. Anschließend verbrachten wir eine ruhige und zum Glück fast windstille Nacht. Ein gutes Omen für die lange Überfahrt!

Am nächsten Morgen ging es dann ab aufs Schiff und rüber nach Neufundland.

Aber dazu dann demnächst mehr! 😊

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Cityhopping in Ost-Kanada

Teil 17 unseres Roadtrips durch Kanada

7. – 21. august 2026
Ontario & Québec

Zurück im schönen Kanada!

Der Grenzübertritt nach Kanada verlief ziemlich reibungslos. Der nette Beamte stellte ein paar Fragen zu unseren Reiseplänen, Jobs, Rückkehrplänen etc. und ließ uns dann passieren. Das war dann wohl unser letzter Grenzübertritt auf diesem Kontinent. Schon ein komisches Gefühl irgendwie …

Das Wetter war leider nicht sehr verlockend, es war bewölkt und nieselte und freie Parkplätze gab es auch keine, daher verbrachten wir auf der kanadischen Seite der Niagara Falls nicht allzu viel Zeit. Ich sprang schnell aus dem Auto, um ein paar Bilder zu machen, und dann zogen wir auch schon weiter.

So viel Wasser!

Nach einem kurzen Einkaufsstopp nahmen wir Kurs auf Toronto, die Hauptstadt von Ontario, worauf wir uns schon lange gefreut hatten.

Vor den Toren der Stadt fanden wir in einem Park einen guten Stellplatz, gleich am Lake Erie gelegen, mit kleinem Hafen und Spazierwegen. Sehr nett. Von dort ging es am nächsten Morgen rein in die große Stadt.

Lake Erie

Toronto

An Toronto hatten wir große Erwartungen, die nur teilweise erfüllt wurden, ehrlich gesagt. Zwar ist es eine coole, sehr internationale Stadt, mit einer US-amerikanischen Großstadt wie z. B. Chicago kann sie aber unserer Meinung nach nicht mithalten. Allerdings hatte es Toronto auch schwer, da wir ja erst eine Woche zuvor in Chicago waren, was uns total begeistert hatte.

Parken war hingegen super einfach und bequem: Per App konnte man sich schon vorab die freien Parkflächen in der Stadt anschauen und reservieren. Easy peasy – und günstig noch dazu.

Wie fast immer schlossen wir uns erstmal einer Free Walking Tour durch die Stadt an, diesmal geleitet von einem lustigen Iren, der seit ein paar Jahren in Toronto lebt. So lernten wir Downtown und die „Underground City“ kennen. Unter den Hochhäusern in der Innenstadt verlaufen nämlich Tunnel, in denen es eigentlich alles gibt, was man für den täglichen Bedarf braucht: Restaurants, Cafés, kleine Supermärkte, Sportstudios, Frisöre, Reinigung, etc. Das ist in den langen, kalten Wintern sehr praktisch – wobei mir selbst das graue Tageslicht da ganz schön fehlen würde. Aber spannend zu sehen, auch wenn an einem Samstagmittag nicht viel los war, da die Büros ja geschlossen haben.

Dog Fountain in Toronto

Anschließend besuchten wir noch das Viertel Kensington Market – bunt, alternativ, voller Vintage-Läden und internationaler Restaurants. Der Vibe erinnerte uns total an Camden Town in London. Wir mochten es sehr und ließen uns leckere tibetische Momos schmecken und sinnierten über eine Reise nach Nepal, die wir hoffentlich in den nächsten Jahren endlich mal angehen.

Auf dem Rückweg nach Downtown kamen wir noch durch das bunte und trubelige Chinatown und entdeckten dabei so einiges an Streetart. Museen hätte es auch spannende gegeben, die waren uns aber alle zu teuer.

Toronto wird übrigens gerne von US-Film- und Serienproduktionen genutzt, da die Kosten hier günstiger sind als in den USA und Toronto quasi jeder nordamerikanischen Großstadt gleichen kann – es könnte auch Chicago, NYC oder Boston sein, zum Beispiel. Wir sahen, wie vor einem Kaufhaus gerade eine Weihnachtsfilmszene gedreht wurde – mit künstlichem Schnee, Weihnachtsdeko und Schauspielern in Winterklamotten, und das bei 26 Grad.

Am zweiten Tag begaben wir uns auf die Fähre nach Toronto Island – eine vorgelagerte Insel, von der man einen tollen Blick auf die Skyline hat. Auf der Insel gibt es Vergnügungsparks, Strände und alles, womit man ein schönes Wochenende mit der Familie verbringen kann. Sehr nett – aber an einem Sonntag auch sehr trubelig.

Toronto Island

Zurück auf dem Festland erkundeten wir noch Cabbagetown, welches den Namen den irischen Einwanderern verdankt, die damals umgehend anfingen, Kohl in ihren Vorgärten anzubauen. Heute ist das Viertel für die wunderschönen und gut erhaltenen viktorianischen Häuser bekannt. Wirklich schön!

Cabbagetown, Toronto

Zum Abschluss ging es noch in die Graffiti Alley, wo Sprayer gerade bei der Arbeit waren. Mega beeindruckend zu sehen, auch wenn nicht alle Motive unserem Geschmack entsprachen.

Alles in allem war Toronto schön und spannend, aber eben nicht so beeindruckend wie Chicago oder NYC. Außerdem fehlte uns so ein bisschen die kanadische Identität und Mentalität – denn Toronto ist wirklich die internationalste Stadt, die wir je besucht haben, was ja eigentlich ziemlich cool ist. Man sieht Menschen aus allen möglichen Kulturen – Europa, Asien, Afrika, alles ist dabei. Im Dienstleistungssektor trafen wir eigentlich auf keinen gebürtigen Kanadier, sondern immer Menschen mit ausländischen Wurzeln – kaum einer sprach besser Englisch als wir. Das soll keine Beschwerde sein, sondern lediglich eine Feststellung und Besonderheit, die uns aufgefallen ist, besonders im Gegensatz zu anderen kanadischen Städten.

Thousand Islands National Park

Nach einer Übernachtung auf einem erstaunlich ruhigen P&R-Parkplatz erreichten wir am nächsten Tag den kleinen Thousand Islands National Park. Das Highlight sind hier natürlich, wie der Name schon vermuten lässt, die vielen kleinen Inseln im Wasser, von denen einige in Privatbesitz sind. Teilweise sahen wir schon vom Ufer kleine Inseln mit schönen Häusern und dann eine Brücke zur Nebeninsel, auf der das Häuschen für das Boot stand – mit direkter Ausfahrt, also eigentlich die Garage. Sehr nett und nobel.

Von Wohnhaus, über die Brücke in die Bootsgarage

Natürlich hätte eine Bootstour hier Sinn gemacht, aber wir wollten das Geld nicht ausgeben und begnügten uns mit einer kleinen Wanderung, deren Aussichtspunkte auf die Inseln jedoch eher enttäuschend waren. Aber Hauptsache im Grünen.

Nach einer Übernachtung außerhalb des Nationalparks an einem kleinen Park mit Kanu-Slip schwangen wir uns am nächsten Morgen auf die Räder und radelten die Panoramastraße, die durch den Park führt, ab. Wir sahen weitere schöne Häuser und Inselchen und machten an einem kleinen Hafen Mittagspause mit Aussicht.

1000 Islands Nationalpark
🙂

Vielleicht nicht der spektakulärste Nationalpark Kanadas, aber genau das Richtige, um uns mal wieder ein bisschen zu bewegen.

Ottawa

Die ersten Tage im Osten Kanadas waren von vielen Stadtbesuchen geprägt – und die Hauptstadt des Landes wollten wir natürlich auch nicht auslassen. Doch bevor wir Ottawa-Zentrum erreichten, verbrachten wir zwei Nächte an einem Sportplatz etwas außerhalb der Stadt. Der Platz lag auch direkt an einem Fluss, wo wir uns hervorragend die Beine vertreten und sporteln konnten. Nebenbei arbeiteten wir einige Admin-Sachen ab, die längst überfällig waren.

Am zweiten Abend fing es gegen 23 Uhr plötzlich aus dem Nichts an zu stürmen und zu gewittern, inklusive Hagel. Mir wurde kurz etwas bange, da wir direkt neben einem Baum standen, aber Christian war zuversichtlich, dass er standhalten würde.

Es regnete kurzzeitig waagerecht und der Regen drückte sich sogar durch das in Lüftungsstellung angelehnte Seitenfenster. Da wir nicht sicher waren, ob es davon kam oder ob wir eine undichte Stelle hatten, baute Christian kurz vor Mitternacht den inneren Fensterrahmen kurzerhand aus. Wir legten das Rollo trocken und vergewisserten uns, dass alles dicht war – war es zum Glück.

Mitternächtliche Wartungsarbeiten

Am nächsten Morgen sahen wir dann, dass es einige Bäume um uns herum umgeweht hatte. Da hatten wir echt Glück gehabt, dass der Baum neben uns nicht doch auch nachgegeben hatte.

Upsi!

Höchste Zeit in die City aufzubrechen. Parken war in Ottawa Downtown nicht ganz so einfach wie zuletzt in den Großstädten, aber schließlich fanden wir ein gutes Plätzchen und schafften es gerade noch rechtzeitig zu unserer fast schon obligatorischen Free Walking Tour.

Noch bevor wir dort eintrafen, sahen wir eine Parade der „Wachmänner“, die im typischen englischen Look mit roten Jacken und den hohen schwarzen Fellmützen und viel Tamtam durch die Straßen zogen. Offenbar eine Besonderheit im August, wie wir später erfuhren. Direkt am Treffpunkt fand dann am Kriegsdenkmal der Wachwechsel statt, ebenfalls mit viel Tamtam, Dudelsack und einer ausgeklügelten Choreographie.

Ceremonial Guards

Die Tour führte uns durch Downtown, wir erfuhren wieder viel über Geschichte, Kultur und Architektur. Besonders die drei Parlamentsgebäude haben uns beeindruckt, auch wenn das Hauptgebäude leider aktuell schon seit 2019 umfangreich saniert wird. Dennoch lässt es sich dort sicher herrlich regieren.

Was uns auffiel: Ottawa wirkte viel aufgeräumter und „ordentlicher“ als alle anderen Städte, die wir bisher in Kanada gesehen hatten. Auch gab es dort, auf den ersten Blick, viel weniger Obdachlosigkeit und Fentanyl-Zombies – vielleicht findet man die aber auch eher in den Außenbezirken, die wir diesmal nicht besuchten.

Ottawa

Wir besuchten noch den Markt, wo wir eine hervorragende neapolitanische Pizza fanden, und dann ließen wir die Stadt am Nachmittag auch schon wieder hinter uns. Städte sind einfach zu verlockend zum Geld ausgeben – und da warteten ja noch zwei weitere Großstädte auf uns …

Montréal

Wir machten uns auf den Weg nach Québec, Kanadas zweitgrößter Provinz, wo Französisch die erste Amtssprache ist, was sich leider auch auf den Verkehrsschildern bemerkbar machte. Ich verstand nur noch Bahnhof.

Unser Ziel Montréal erreichten wir nicht gleich, sondern verbrachten noch eine Nacht auf einem Platz an einer Art Freiluftkirche, die wirklich schön hergerichtet war und zudem Spazierwege und Toiletten bot. Dort hatten wir eine ruhige Nacht, abgesehen von dem neugierigen Waschbären, der uns besuchen kam – so süß. Sah ein bisschen aus wie unser mexikanischer Pflegekater Hügi, weil er so buckelig lief.

Buckliger Waschbär

Morgens ging es dann rein nach Montreal. Unser übliche Vorabrecherche für Übernachtungsplätze, oder eben einfach nur einen Tagesparkplatz lieferte keine guten Ergebnisse. Nahezu alle Parkplätze hatten extrem negative Kommentare, in den harmlosesten Fällen, dass die Parkwächter anfangs einen niedrigen Preis nennen, und bei Ausfahrt dann das doppelte oder dreifache verlangen. Was uns deutlich mehr Angst machte, waren vielen Kommentare über Autodiebstähle. In den Kommentaren stand oft, dass kürzlich der Betreiber gewechselt hatte, und dass Fahrzeuge trotz Wachpersonal einfach verschwanden. Von solchen Fällen hatten wir seit Monaten nicht mehr gehört. Zum Glück fanden wir ein großes, sicheres Parkhaus, wo wir zwar stolze 30 Dollar für ein paar wenige Stunden zahlen mussten, aber dafür war es wenigstens sicher. 

In der Stadt schlossen wir uns dann wieder einer Walking Tour an – wer hätte es gedacht. Die Stadt gefiel uns erwartungsgemäß auf Anhieb sehr gut, bedingt durch den europäischen, bzw. französischen Flair. Das Wetter war schön, die Straßencafés waren voll mit Menschen, es waren natürlich auch viele Touristen unterwegs, man sah Menschen am Hafen joggen, sporteln, bummeln und alles machte einen recht entspannten Eindruck.

Montréal
Montréal
Montréal
Montréal

Die Tour vermittelte wieder viel Wissen, besonders über den Zwist zwischen französischer und englischer Kultur, der sich besonders in der Architektur und in einigen Statuen widerspiegelt. Sehr spannend, solche Details fallen einem sonst eher nicht auf.

In der Fußgängerzone hätte man in einer der schönen Bars oder Kneipen herrlich versacken können, aber wir rissen uns zusammen.

Stattdessen machten wir uns am nächsten Morgen auf, den Hausberg der Stadt zu erklimmen, den Mont Royal – gerade mal etwa 250 Meter hoch. Über 350 Stufen ging es hinauf und wir hatten einen schönen Ausblick auf die City und das Leonard-Cohen-Mural – der berühmteste Musiker der Stadt, vermeintlich.

Ausblick vom Mont Royal

Wir bummelten noch eine Runde durch ein etwas alternatives Künstlerviertel, voller cooler Vintage-Läden und schöner Ecken, und dann kehrten wir auch dieser Stadt wieder den Rücken. Es wurde Zeit für etwas Natur.

Mont Bromont

Nach einer Übernachtung irgendwo in einem kleinen Dorf erreichten wir Bromont bzw. den Mont Bromont – im Winter ein Skigebiet, jetzt im Sommer ein Bikepark.

Die Gondel sparten wir uns und strampelten selbst hinauf und dann wieder rasant hinab. Genial! Viermal ging das so hin und her, danach waren die Beine platt. Aber für uns perfekt, weil man direkt an den Trails parken konnte, sodass wir für die Mittagspause zuhause einkehren und danach gleich weitermachen konnten.

Nach einer dringend notwendigen Dusche zog es uns dann gleich weiter in eine Winery, denn davon gibt es in der Region so einige. Wir landeten beim kleinen Weingut Courville, wo wir nett empfangen und verköstigt wurden und sogar den Airedale Charly trafen, dem einer der Weine gewidmet ist. Klar, dass davon eine Flasche mitkommen musste. Schließlich stand als Nächstes auch ein besonderer Besuch an, bei dem wir nicht mit leeren Händen auftauchen wollten.

Wiedersehen mit Anne & Carl

Endlich rollten wir bei Anne und Carl in die Einfahrt. Mit Anne habe ich mir vor über 24 Jahren mal für drei Monate ein Büro bei Siemens VDO geteilt – direkt, bevor sie nach Kanada ausgewandert ist, der Liebe zu Carl wegen. Und seit 24 Jahren planten wir, sie dort irgendwann mal zu besuchen – und irgendwann war nun endlich gekommen.

Die Freude war groß und wir staunten über das traumhafte Haus und Grundstück, welches die beiden direkt an einem See bewohnen. Wow!

Wir bekamen die große Führung, ein deftiges deutsches Abendessen und dann ging es zum Sonnenuntergang raus auf den See – mit dem kleinen Boot von den beiden. Was für ein Traum.

Nach der ersten Nacht in der großzügigen Einfahrt vor dem Haus zeigte uns Anne die Kleinstadt Val-des-Sources, die früher mal Asbestos hieß, da es im Ort eine Asbestmine gab. Diese gibt es immer noch, sie wird aber nicht mehr betrieben und ist inzwischen zu einem See geworden. Wir bestaunten die Überbleibsel sowie die schweren Maschinen, mit denen einst das Asbestgestein abtransportiert wurde – darunter Fahrzeuge mit einem Gewicht von rund 190 Tonnen, ganz schöne Oschis.

Zurück zu Hause nutzten wir den schönen Garten. Anne hatte 1001 Reiseinspirationen für uns – sie und Carl waren erst im Juni in Neufundland gewesen, was bei uns ganz hoch im Kurs stand.

Einfach traumhaft

Des Weiteren durften wir den Luxus der Waschmaschine nutzen sowie den erfrischenden Pool. Wir wurden weiterhin umsorgt und bekocht, spielten Boule und Uno Extreme, und verbrachten einfach eine schöne Zeit mit den Beiden.

Boule

Den dritten Tag nutzte Christian für ein paar Schönheitsreparaturen am Van. Eine der Silikonfugen in der Dusche musste erneuert werden und außerdem nahm er sich noch mal der Handbremse an, die wieder mal nicht mehr richtig halten wollte. Nach anfänglicher Skepsis hielt die dann plötzlich auch wieder – nach der zweiten Testfahrt. Na also, geht doch.

Am letzten Abend probierten wir zum ersten Mal das Nationalgericht von Quebec, Poutine – Pommes mit Bratensoße und quietschigem Käse. So gar nicht meins, aber Christian mochte es natürlich.

Nach drei schönen und entspannten Tagen war es dann für uns Zeit weiterzuziehen. Schließlich ist unsere Restzeit in Kanada begrenzt und wir hatten noch einiges auf dem Plan, durch Annes Tipps jetzt sogar noch umso mehr.

Sehr dankbar für die schöne Zeit nahmen wir Abschied und hoffen, es dauert nicht noch mal 24 Jahre, bis wir uns wieder in Kanada sehen – oder notfalls in Deutschland.

Québec City

Wir erreichten Quebec City, Hauptstadt der Provinz und eine Stadt, von der uns schon so viele vorgeschwärmt hatten. Und ja, sie war wirklich so schön wie erwartet. Französischer Flair an jeder Ecke – allerdings war es dort auch so voll, wie wir es schon lange nicht mehr erlebt hatten. Kein Vergleich zu den anderen Städten, in denen wir zuletzt waren. In der Altstadt schoben sich in manchen Gassen die Massen nur so gegenseitig an. Crazy.

Wir fanden einen zentralen und bezahlbaren Parkplatz, auf dem wir sogar übernachten konnten. Perfekt. Auch hier schlossen wir uns als Erstes einer Walking Tour durch die Altstadt an, was sich wie immer sehr lohnte.

Danach erkundeten wir die Stadt auf eigene Faust und gönnten uns in der Happy Hour ein Pint in einem sehr netten Pub. Auch abends zogen wir noch mal durch die Altstadt, die natürlich auch wunderschön beleuchtet war. Allein das Fairmont Hotel, wo auch gerne mal die Royal Family absteigt, wenn sie zu Besuch kommt, war schon ein ganz schöner Hingucker. Und wie auch überall in Paris stand an jeder Ecke ein Straßenkünstler.

Nach einer ruhigen Nacht zogen wir früh am nächsten Morgen noch mal los – ich wollte gerne noch ein paar Bilder ohne Menschenmassen machen, was mir auch gelang. Wirklich so eine schöne Stadt.

Québec City

Wir erkundeten noch das Viertel Saint-Jean, welches mit vielen schönen Boutiquen aufwarten konnte, und genehmigten uns noch eine Pizza, bevor es Zeit wurde, die Stadt wieder zu verlassen.

Für’s erste hatten wir jetzt wirklich genug Großstädte gesehen und wollten endlich wieder in die Natur. Zum Glück gibt es davon in Québec auch jede Menge.

Aber dazu dann demnächst mehr. 🙂

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Vancouver Island – Die Westküste, Umwege und Lieblingsorte

Teil 16 unseres Roadtrips durch Kanada

5. januar – 21. februar 2026

Nachdem wir den Norden der Insel erkundet hatten, nahmen wir uns nun die Westküste vor.

Ucluelet

Am Nachmittag erreichten wir Ucluelet und schauten wie immer zuerst im Visitor Center vorbei. Die nette Dame dort (die in den 1980ern mal in Hamburg gelebt hatte) versorgte uns mit Karten, Tipps und Empfehlungen und schon hatten wir einen Plan für die nächsten Tage.

Wir parkten direkt am kleinen Hafen des Ortes – und blieben dort gleich drei Nächte (illegalerweise). Viel los war im Ort nicht, denn im Januar war vieles geschlossen und der Spaziergang durchs „Zentrum“ schnell erledigt. Aber immerhin entdeckten wir ein paar nette, lokale Läden und am Strand ließ sich sogar  kurz die Sonne blicken.

Entgegen aller Vorhersagen, regnete es am nächsten Morgen NICHT. Also ging es los zum Wild Pacific Trail, ein bekannter Küstenwanderweg in der Region. Zuerst liefen wir die Runde um den Leuchtturm. Der schön angelegte Weg führte durch dichten Küstenregenwald, immer entlang der wilden Küste. Die Wellen donnerten gegen die Felsen und wir konnten unser Glück kaum fassen: Die Sonne zeigte sich.

Wild Pacific Trail
Wild Pacific Trail

Also beschlossen wir spontan, den gesamten Trail zu laufen. Kurz vor dem nächsten Abschnitt holte uns dann aber doch der vorhergesagte Regen ein. Eine Stunde warteten wir ab, dann ging es – wasserdicht verpackt – weiter. Und es hatte sich gelohnt. Der Trail war durchgehend wunderschön und wir entdeckten sogar ein paar Seeotter, die entspannt in den Wellen trieben.

Am Ende des Trails, am sogenannten Rocky Bluffs, hatte die Sonne ein Comeback für eine richtig schöne Lichtstimmung.

Die knapp 12 Kilometer lange Runde war eins unserer absoluten Vancouver Island Highlights.


Tofino & Pacific Rim Nationalpark

Am nächsten Morgen ging es weiter nach Tofino, etwa 40 km entfernt, quer durch den Pacific Rim Nationalpark. Der Ort war größer als gedacht, aber auch hier war Anfang Januar kaum etwas los und vieles geschlossen. Nicht mal Eis gab es – Frechheit!

Die Wasserflugzeug-Rundflüge, mit denen ich schon ewig liebäugele, waren auch in der Nebensaison möglich, aber leider immer noch zu teuer – schade, das hätten wir echt gerne gemacht.

Stattdessen zogen wir wieder die Wanderschuhe an: Der Tonquin Beach Trail war kurz, aber richtig schön. Wieder ging es durch den Regenwald, wieder bekamen wir tolle Ausblicke, liefen über Strände und auch die Sonne war wieder dabei.

Tonquin Beach Trail

Übernachten war rund um Tofino schwierig und leider überall verboten, daher ging es zurück nach Ucluelet – mit ein paar weiteren Zwischenstopps im Nationalpark:

Am Long Beach, der bei Surfern auf der ganzen Welt bekannt und selbst im Winter sehr beliebt ist, liefen wir ein Stück am Strand entlang, leider bei fiesem Nieselregen. Ganz kurz ließ sich die Sonne mal blicken, aber Surfer waren keine da.

Ein weiteres Highlight war der Rainforest Trail – ein kurzer Boardwalk durch teilweise verschneiten Regenwald. Schnee auf Meereshöhe ist hier eher selten, sehr selten sogar, umso besonderer war die Stimmung.

Die dritte Nacht in Ucluelet endete dann mit „The Knock“ – eine Bylaw Officerin erklärte uns freundlich, dass Wildcampen hier nicht erlaubt ist. Die 300 CAD Strafe pro Person blieb uns zum Glück erspart, aber wir sollten nicht noch eine Nacht bleiben. Verstanden. 🫡

Nach dem Frühstück besuchten wir noch den Cedar Loop Trail und die Halfmoon Bay – wieder wunderschöne Trails durch den Küstenregenwald, wieder bei Regen. Naja. So ist es hier eben im Winter.

Der blieb uns dann auch den ganzen Tag treu.

Nach einem letzten Stopp am Nationalpark Visitor Center, mit Blick auf den Long Beach und einer kurzen Wanderung zum South Beach, prüften wir die Vorhersagen für die nächsten Tage. Leider war nur noch mehr Regen und heftiger Wind angesagt – und Stellplätze gab es ja auch keine für uns. Also verließen wir die Westküste wieder.

Die Nacht verbrachten wir mangels Alternativen halb legal auf einem Wanderparkplatz an der Straße. Immerhin war es dort einigermaßen ruhig.


Die Beinahe-Katastrophe

Am nächsten Tag ging es nach Port Alberni, was quasi in der Mitte der Insel liegt. Es regnete und stürmte auch hier durchgehend, also füllten wir nur Vorräte auf und arbeiteten den Rest des Tages.

Auf dem Weg zurück Richtung Comox, am nächsten Tag, zeichnete ich während der Fahrt am Laptop unsere Fahrzeugdaten auf, um dem sporadischen Notlauf-Problem auf die Spur zu kommen. Als der Akku des Laptops langsam schlappmachte, legten wir einen kurzen Stopp ein, um ein Verlängerungskabel nach vorne zu legen. Dabei fiel mir plötzlich ein verschmorter Geruch aus der Technikbox auf. Ich reagierte blitzschnell, stellte den Motor aus und riss den Feuerlöscher aus der Verankerung – und dann hatte Christian den Übeltäter auch schon gefunden: Das Kabel an unserem Votronic-Ladebooster war am Anschluss komplett durchgeschmort.

Wir hatten wirklich riesiges Glück, dass wir das genau in dem Moment bemerkt hatten. Das hätte richtig böse enden können, innerhalb weniger Minuten hätte sich daraus ein richtiges Feuer entstehen können.

Jetzt hatten wir aber ein Problem mehr: Ohne funktionierenden Booster konnten wir unsere Batterien nicht mehr laden – und Sonne war nicht in Sicht, sodass auch über unser Solarpanel nichts hereinkam. 🤯
Zum Glück hatten wir einen Joker: Ron und Barb Gibson, bei denen wir über Weihnachten gehousesittet hatten. Wir schickten Ron eine kurze WhatsApp-Nachricht – und zwei Minuten später kam die Antwort: „Wir sind gerade nicht zu Hause, aber ihr kennt ja den Türcode. Das Apartment ist für euch bereit. Kommt jederzeit vorbei und bleibt so lange ihr wollt.“

Diese Familie ist einfach so lieb und hilfsbereit! Also ging es schnurstracks zurück nach Royston, im Comox Valley.


Zurück im Comox Valley

Wir zogen wieder in die kleine Einliegerwohnung ein und saßen abends lange mit Barb und Ron zusammen. Ich freute mich natürlich am meisten, Gus, den Terriermischling, wiederzusehen.

Wie süß kann ein Hund bitte sein?

Ron, ein ehemaliger Pilot und Flugzeugmechaniker, bot sofort seine Hilfe und sein Werkzeug an. Die beiden wiederholten immer wieder, dass wir mehr als willkommen waren, und von „Miete“ wollten sie gar nichts hören. Wirklich wie ein Sechser im Lotto für uns.

Am nächsten Tag machte sich Christian an den Ausbau des defekten Ladeboosters – keine einfache Aufgabe, da er an der engsten Stelle im Van verbaut war und dafür sowohl im Wohnraum, als auch in unserer Heckgarage fast alles ausgeräumt werden musste – bei Regen. Aber dank der gemütlichen Wohnung, dem Vordach und Rons Werkzeug ging das hier deutlich angenehmer.

Arbeitsplatz

Dann stellte sich heraus: Der Ladebooster war wirklich komplett durchgekokelt. Und wir stellten zudem fest, dass beim ursprünglichen Einbau einiges schlampig gemacht worden war: falsche, viel zu große Sicherungen, die im Ernstfall nie gegriffen hätten, mangelhafte Isolierungen und falsche Anschlüsse. Ein Wunder, dass das so lange gutgegangen war, und nicht auszudenken, welche Katastrophe da passiert wäre, wenn wir nicht zufällig angehalten und es noch rechtzeitig bemerkt hätten.

Im 1,5 Stunden entfernten Nanaimo fanden wir zum Glück einen Shop mit passenden Ersatzteilen für unser Problem. Der Besitzer des Ladens gab uns sogar unentgeltlich noch ein teures Spezialwerkzeug einfach so mit – auf Vertrauensbasis. Unglaublich, diese Kanadier.

Christian, der zum Glück ja mal Elektroniker gelernt hat und sich mit dem Strom-Kram bestens auskennt, baute alles neu und fachmännisch ein und optimierte nebenbei noch einiges. Und siehe da: Schon funktionierte wieder alles, besser denn je, da der neue Booster eine Spur besser war als der alte. Trotzdem hätten wir die rund 500 € natürlich lieber anders ausgegeben. Naja.


Eigentlich hätten wir jetzt weiterziehen können, aber wir fühlten uns bei den Gibsons und im Comox Valley so wohl und willkommen, dass wir noch blieben. Wir genossen lange Spaziergänge mit Gus im Regenwald, sahen zwischendurch auch die süße Lola mal wieder, machten bei kaltem, aber sonnigem Wetter ein paar schöne Radtouren und testeten uns durch die Brauereien der Stadt. Gleichzeitig arbeiteten wir viel, da unsere Projekte gerade gut liefen.

Nebel-Bogen

Und wir entschieden, aufgrund der damaligen Entwicklungen in den USA, unser Kanada-Visum voll auszunutzen und bis Mitte Februar zu bleiben, statt schon im Januar wieder in die USA einzureisen. Um die Zeit bestmöglich nutzen zu können, schauten wir uns nach weiteren Housesits in der Region um und wurden auch fündig.

Nach zwei schönen Wochen verabschiedeten wir uns (vorerst) von den Gibsons und Gus und zogen weiter nach Comox zum nächsten Housesit, mit Hund und Katze.


Zwei Wochen mit Pippa & Mario

Im Haus von Betsy und John wurden wir zunächst von ihrer Corgi-Dame Pippa eher skeptisch empfangen. Sie bellte uns ununterbrochen an und hielt Abstand – selbst nach einem gemeinsamen Spaziergang und Bestechungs-Leckerlis. Sowas hab ich auch noch nicht erlebt. Hunde hab ich sonst eigentlich immer gleich auf meiner Seite. Ganz anders zeigte sich Kater Mario: Der war uns vom ersten Moment an zugewandt und total zutraulich und verschmust.

Der schöne Mario

Der erste Abflugversuch von Betsy und John am nächsten Morgen scheiterte wegen eines Defekts am Flugzeug. So verbrachten wir ein paar Stunden länger gemeinsam, bis es dann endlich mit ihrem Abflug klappte. Und kaum waren sie weg, war Pippa plötzlich total begeistert von uns. Na also, geht doch! 😊

Pippa

Wir verbrachten zwei Wochen im traumhaften Haus, in exklusiver Lage mit Meer- und Bergblick. Das leere Grundstück nebenan sollte 1 Mio. CAD (600 k€) kosten, man kann sich also vorstellen, in welch exklusiven Nachbarschaft wir hier gelandet waren.

Die Spaziergänge mit der etwas übergewichtigen Pippa waren manchmal… sagen wir mal speziell. Sie setzte sich gerne einfach hin und lief keinen Meter weiter. Ein echter Dickkopf. Aber ich hielt sie auch im Haus auf Trab, somit verlor sie in der Zeit mit uns immerhin 400 Gramm. Ich sollte als Haustier-Diätcoach arbeiten!

Aber einige Male schafften wir es doch an die nahegelegenen Strände, wo Pippa immer wie von Magneten ins Wasser gezogen wurde – keine Pfütze und kein Wassergraben waren vor ihr sicher. So süß, diese dicke Nudel!

🙂

Mario hingegen zeigte sich absolut entspannt und pflegeleicht. Er war zufrieden mit regelmäßigen Fütterungen und Streicheleinheiten und wenn er nachts ein paar Stunden bei uns im Bett liegen durfte.

Nee is klar! 🙂

Wenn wir nicht die Tiere bespaßten, genossen wir den vielen Platz im Haus und arbeiteten nebenbei viel. Wir hatten gerade ein gut bezahltes Projekt gewonnen, bei dem wir gemeinsam Sprachaufnahmen machen mussten, was ziemlich anstrengend, aber auch irgendwie lustig war. Zum Glück haben wir uns ja immer viel zu erzählen. 😉


Zurück in den Süden – East Sooke

Zwischendurch verbrachten wir noch mal einen Abend mit den Gibsons, die wir als Dankeschön für ihre Hilfe und Großzügigkeit, in ihr Lieblingspub zum Abendessen einluden. Dieser Abend endete mit einer erneuten Einladung zu ihnen, wo wir uns von Gus verabschiedeten und dann noch einen riesigen Lachs zum Abschied geschenkt bekamen – und natürlich eine „standing-invitation“, um jederzeit wiederzukommen. So herzliche Menschen!

Unsere Lieblings-Kanadier: Barb, Ron & Gus Gibson

Danach ging es endgültig raus aus dem schönen Comox Valley und zu unserem letzten Housesit nach East Sooke, etwa 40 Minuten von Victoria, der Hauptstadt von Vancouver Island, entfernt.

Arlene, eine pensionierte Lehrerin, und ihre kleine Shih-Tzu-Malteser-Mischlingshündin Lilly empfingen uns herzlich.

Lilly – der Handtaschen-Flokati

Arlenes erst drei Jahre altes Haus lag auf einem Hügel. Die Anfahrt dorthin war gelinde gesagt abenteuerlich, über eine 1,5 km lange, steile, einspurige und gewundene Erdstraße. Mehr Kanada geht wohl nicht. Dafür war die Aussicht absolut einmalig, über die Johnson Strait und die imposanten Berge des Olympic Nationalparks (auf US-amerikanischer Seite) – wirklich beeindruckend.

Die zwei Wochen dort waren ruhig und entspannt. Bei gutem Wetter gingen wir mit Lilly an den nahegelegenen Strand der Becher Bay, oder erkundeten die Umgebung. Wir arbeiteten viel, genossen die Aussicht und die Ruhe.

Zwischendurch verbrachten wir einen Tag im schönen Victoria, wo es für uns beide einen Haarschnitt und Pizza gab.

Victoria

Auch die zweite Woche verging schnell: Spaziergänge, Sonnenauf- und -untergänge und noch mehr schöne Ecken und Trails wie z. B. den Whiffin Spit oder den Matheson Lake – Vancouver Island hat wirklich unglaublich viel zu bieten.

East Sooke
East Sooke
🙂

Abschied von Kanada

Nach insgesamt sieben Wochen auf Vancouver Island hieß es endgültig Abschied nehmen. Vom Housesitting, von Lilly – und langsam auch von Kanada.
Das Housesitting hat uns hier nicht nur wunderbar, kostengünstig und luxuriös durch den Winter gebracht, sondern uns auch so schöne Begegnungen beschert und uns ermöglicht, etwas tiefer in das lokale Leben einzutauchen. Ein weiteres besonderes und definitiv unvergessliches Kapitel unserer Reise. 🥰

Unsere letzte Nacht verbrachten wir im Zentrum von Victoria. Noch einmal spazierten wir durch die schön beleuchtete Stadt, bevor es am nächsten Morgen früh zur Fähre ging.

Die Einreise in die USA verlief überraschend entspannt – der gesamte Prozess fand schon auf kanadischer Seite, am Fährhafen, statt. Die Officers waren gut gelaunt und freundlich, es wurden keine großen Fragen gestellt und auch kein Blick in den Van geworfen.

Nach 90 Minuten auf der Fähre, mit ordentlichem Wellengang, waren wir wieder in den USA.

🙂

Der Abschied von Kanada fiel uns schon nicht ganz leicht. Sieben Monate waren wir hier unterwegs gewesen, hatten unglaublich schöne Landschaften gesehen, die krassesten Wanderungen gemacht, das Ende der Panamericana erreicht und vor allem tolle Menschen und Tiere kennengelernt. Und dabei hatten wir nur einen kleinen Teil des Landes gesehen.

Aber wir freuten uns nun auch auf das, was vor uns lag:

Den Olympic Nationalpark und die Westküste der USA.

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

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Comox Valley & der Norden

Teil 15 unseres Roadtrips durch Kanada

15. Dezember 2025 – 5. Januar 2026
British columbia – vancouver island

Über die Weihnachtsfeiertage und Silvester hatten wir einen Housesit im Comox Valley ergattert. Zwei Wochen lang würden wir uns um zwei Hunde und zwei Häuser auf über 2 Hektar Land kümmern – eine ganz normale Wohnsituation hier in Westkanada. 😅
Was wir vorher nicht wussten war, wie vielseitig das Comox Valley ist: Regenwald, Meer und Berge an einem Fleck, und dazu eine richtig gute Infrastruktur. Dass wir hier weiße Weihnachten erleben würden und noch so viel mehr, ahnten wir zu dem Zeitpunkt auch noch nicht.

Housesit in Courtney

Nach einer windigen Nacht am Hafen von Comox trafen wir am frühen Nachmittag bei unserem Housesit in Royston, Courtney ein und lernten den ersten Teil der Familie Gibson kennen, für die wir uns in den nächsten zwei Wochen um Häuser und Hunde kümmern würden. Barb und Ron und ihr süßer, mexikanischer Terrier-Mix Gus waren uns auf Anhieb sympathisch. Gus und ich – das war auf jeden Fall Liebe auf den ersten Blick.

Die beiden rüstigen Mit-70er zeigten uns alles in ihrem Haus, wo wir mit den Hunden wohnen sollten, bevor wir die darunter liegende Einliegerwohnung für den Übergang bezogen. Später wurden wir noch zu Pizza und Vino eingeladen.  Wieder mal ein guter Start.
Dann lernten wir auch ihre Tochter Laurie, deren Mann Scott und ihren Hund Lola kennen, einen witzigen Chihuahua-Terrier-Mix (ebenfalls aus Mexiko), den wir ebenfalls hüten sollten, da die Familie Gibson gemeinsam in den Urlaub auf die Baja California wollte.

Lola

Am nächsten Tag überschlugen sich jedoch die Ereignisse: Einer der Söhne von Barb und Ron wurde mit akuten Herzproblemen (nach einem vorangegangenen Herzinfarkt) ins Krankenhaus eingewiesen, woraufhin die beiden ihre Reise absagten. Laurie und Scott würden alleine verreisen. Sie baten uns jedoch, dennoch dazubleiben, für den Fall, dass sie sich intensiver um ihren Sohn kümmern müssten und ins Krankenhaus im ca. 3 Stunden entfernten Victoria fahren würden. Dann könnten wir Gus übernehmen.

Wir sagten gerne zu und zogen schließlich ins große Haupthaus von Laurie und Scott ein, wo wir das wunderschöne AirBnB im 1. OG bezogen und dort hauptsächlich auf die kleine Lola aufpassten.

Unser Zuhause auf Zeit

Wenn Barb und Ron unterwegs waren, war dann auch Gus mit von der Partie. Beide Hunde waren mega lieb und pflegeleicht – kein Vergleich zu unserem Energiebündel Loki.

Jetzt erst merkten wir, dass wir wieder im absoluten Outdoor-Paradies gelandet waren. Das Comox Valley liegt nur 30 Minuten vom Mt. Washington entfernt, dem höchsten Berg von Vancouver Island, und direkt vor unserer Haustür gab es hunderte Trails zum Wandern und Biken. Leider regnete es fast die gesamte erste Woche, sodass erstmal mehr Zeit zum Arbeiten blieb.

Als sich die ersten Sonnenstrahlen zeigten, schwangen wir uns auf die Bikes, um ein paar der Trails auszuprobieren, die Scott, der selbst begeisterter Mountainbiker ist, uns empfohlen hatte. Matschig-rutschig, aber mega schön, durch den Regenwald zu düsen.

MTB im Comox Valley

Im nahegelegenen Pub, für den wir von der Familie großzügigerweise einen Gutschein bekommen hatten, gönnten wir uns ein leckeres Essen bei Livemusik. Und zwischendurch saßen wir auch immer wieder mal mit Barb und Ron zusammen, die viel aus ihrem spannenden Leben erzählten – Ron war nämlich Flugzeugingenieur und Pilot beim Militär gewesen und hatte dabei so einiges gesehen und erlebt. Bedingt durch seinen Beruf, hat die Familie schon in nahezu allen Teilen des Landes gelebt. Mega spannend. So verging die erste Woche wie im Flug.

Weihnachten rückte immer näher – und endlich gab es Schnee in den Bergen.

Weiße Weihnachten am Pazifik

Zwei Tage vor Weihnachten verwandelte sich der Dauerregen in den Höhen in Schnee. Endlich! Das Skigebiet konnte eröffnen, und sobald wir die Meldung lasen, dass die Loipen gezogen waren, machten wir uns am 23.12. auf zum Mt. Washington (der hier nur Mt. Washy genannt wird), um mal wieder Langlaufen zu gehen – dass das in Kanada noch mal klappen würde, hatten wir auch nicht gedacht.

Plötzlich war der Schnee da!

Am Mt. Washy angekommen schneite es noch fleißig weiter, und meine Leih-Ski wollten zunächst nicht gleiten – offenbar ein Mt. Washington-Phänomen: Der Schnee ist durch die Nähe zum Pazifik manchmal so pappig, dass er an den Skiern klebt. Nach dem Wachsen war das Problem gelöst, und gerade in dem Moment kam die Sonne heraus. Wow – die Aussicht über die Insel war einfach traumhaft.

Mt. Washington
Langlauf am Mt. Washy
🙂

Wir drehten zwei Runden über den Jutland Trail und wagten uns sogar auf eine schwarze LL-Piste, bis es für mich zu steil wurde.

😉

Auf dem Rückweg entdeckten wir noch einen Biathlon-Schießstand, wo gerade zwei Herren ihre Ziele aufbauten. Mega interessant, das mal live zu sehen. Nach drei Stunden waren wir durch, genossen noch unseren Lunch in der Sonne und machten uns dann zurück zu Lola.

🙂

Am ersten Weihnachtstag fuhren wir morgens spontan wieder auf den Mt. Washy – Christian wollte nach 15 Jahren endlich wieder snowboarden. Für unter 100 € bekam er das gesamte Equipment und einen Skipass – deutlich günstiger als zuletzt in Whistler.

Bereit für die Piste

Die Bedingungen waren perfekt, nicht überfüllt, und er hatte richtig Spaß und eine mega Aussicht von oben. Wo kann man schon snowboarden und dabei auf den Pazifik schauen? Absolut genial!!

Ich durfte als Fußgänger leider nicht auf den Lift, konnte aber das verschneite Resort-Village unterhalb erkunden – ein kleines Winter-Wonderland mit eingeschneiten Häusern und traumhafter Winter-Atmosphäre.

So kamen wir beide voll auf unsere Kosten –
perfekte weiße Weihnachten! ❄️

Auch am zweiten Feiertag zog es uns noch einmal auf den Mt. Washington. Es hatte erneut ein bisschen geschneit, und wir wollten endlich noch mal Schneeschuhwandern. Offiziell war nur eine 4 km lange Strecke freigegeben, aber wir fanden schnell viele wilde Trails, die man ebenfalls erkunden konnte. Erneut fanden wir uns im perfekten Winter-Wonderland wieder. So irre schön!

Schneeschuhwanderung…

Am verschneiten Battleship Lake legten wir unsere Mittagspause in der Sonne ein – so warm, dass wir im T-Shirt sitzen konnten. Ein absolutes Highlight und perfekter Abschluss der Weihnachtsfeiertage. Wer hätte gedacht, dass wir ausgerechnet auf einer Insel im Pazifik so eine perfekte weiße Weihnacht erleben?

Woche zwei in Royston

Zwischen all den Wintersport-Abenteuern verbrachten wir ein entspanntes Weihnachten im Haus von Laurie und Scott. Wir genossen es, so viel Platz zu haben, kochten viel, bespassten die Hunde (und sie uns) und arbeiteten am 1000-Teile-Puzzle, das Christian mir geschenkt hatte.

Kurz nach Weihnachten, am 27.12., gab es dann mal wieder einen kleinen Schreckmoment. Nach dem Aufwachen stellte ich fest, dass ich nicht mehr richtig sehen konnte. Ich hatte weiße Flecken im Sichtfeld und sah alles nur unscharf, konnte nichts lesen. Es wurde nach einer Weile etwas besser, es folgten aber Kopfschmerzen – das war mir alles sehr unheimlich, also ging es ab in die Notaufnahme, wo ich nicht nur um 1.355 CAD (850€) erleichtert wurde, sondern auch Blut abgenommen und ein ECG bekam und dann 7 Stunden warten musste, bis ein Arzt Zeit hatte. Ich hatte mir einen der geschäftigsten Tage des Jahres ausgesucht, um „krank“ zu werden. Die Notaufnahme war voll mit Notfällen aller Art. Letztendlich war die Diagnose: Migräne mit Aura! Wie bitte?
Ich hatte noch nie in meinem Leben Migräne und schon gar nicht solche Erscheinungen, lernte aber danach, dass es vielen Leuten (besonders Frauen) so geht und das ganz plötzlich im „fortgeschrittenen Alter“ (in dem ich jetzt wohl bin 😅) auftreten kann. Na danke! Ich hoffe, es war nur eine einmalige Episode (bis heute hatte ich jedenfalls keine Probleme mehr).

Da ich nur eine Auslandsversicherung habe und keine kanadische Krankenversicherung, bekam ich von den Schwestern noch eine Preisliste für etwaige Behandlungen. Spannend und erschreckend zugleich das mal zu sehen. Da kann man nur froh sein, wenn man nichts davon in Anspruch nehmen muss – oder eine gute Krankenversicherung hat.

Zwischen all den Erlebnissen standen für unseren Van auch noch einige Arbeiten auf dem Programm, die wir hier quasi im „Trockendock“ gut erledigen konnten.
Seit unserem Aufenthalt in Golden war ja das Gebläse unserer Heizung unangenehm laut und wir hatten nach Rücksprache mit dem Hersteller, in Europa, bereits die passenden Ersatzteile (Gebläse, kompatible Platine, Dichtungen) zu unserem Housesit bestellt.
Nun musste Christian mal wieder die gesamte Heizung ausbauen, das Gebläse und die Platine tauschen, und danach wieder alles ordnungsgemäß zusammenbauen. Hurra! 🫠 Da war der Geduldsmeister mal wieder gefragt. Aber die fummelige Reparatur war natürlich erfolgreich und unsere Heizung schnurrt jetzt wieder leise wie ein Kätzchen. 😉

Alt vs. neu


Leider war die Tage auch noch das Glas eines Nebelscheinwerfers zerbrochen, aber wir hatten aktuell keine Lust und Energie, schon wieder Ersatzteile in Europa zu bestellen, oder müßig passende Teile in Kanada zu suchen. Christian baute das Ding also kurzerhand aus und konnte eine provisorische Lösung mit transparentem Klebeband bauen – nicht schön, aber leuchtet. Die richtige Reparatur muss dann wohl spätestens bis zum nächsten TÜV-Termin gemacht werden.
Ein Ölwechsel stand auch noch an, den man hier in Kanada ganz spontan in speziellen Werkstätten und ohne Termin als „Drive through“ Service bekommen kann. Das richtige Öl nach Fiat-Spezifikation hatten sie sogar auch auf Lager. Besser kanns kaum laufen!

Ölwechsel-Drive-Thru

Die letzten Tage bis zur Rückkehr von Laurie und Scott am 1. Januar vergingen somit viel zu schnell. Wir unternahmen noch ein sehr schönes und geselliges Weintasting beim kleinen Weingut 40 Knots, radelten mal in die Stadt, um die lokale Brauerei zu testen, puzzelten weiter und schon war Silvester, welches für uns mega ruhig verlief.

Seaside Trail in Royston
Puzzle geschafft!

Ein spontanes Telefonat mit Anette und Frank, aka den Bärlies, die gerade in Kalifornien im Dauerregen hockten, verkürzte die Zeit bis Mitternacht. Zum Glück wurde in der Nachbarschaft nicht viel geböllert, sodass die Hunde einigermaßen ruhig blieben.

Als die Gibsons jr. schließlich zurückkamen, luden sie uns ein, noch ein paar Tage zu bleiben – Platz hatten sie ja genug. Wir nahmen das Angebot gerne an (zumal ich mir eine Erkältung eingefangen hatte) und erkundeten weiter Comox, wurden mit Brunch und Abendessen von den Gibsons verwöhnt und genossen den unkomplizierten Familienanschluss.

Die 2,5 Wochen vergingen viel zu schnell, aber wir haben es sehr genossen und waren am 3. Januar schließlich bereit weiterzuziehen – allerdings nicht ohne eine „standing invitation“ von der Familie, jederzeit wiederzukommen, um noch ein paar Tage bei ihnen zu bleiben, oder uns jederzeit zu melden, falls wir bei irgendwas Hilfe brauchen sollten. So nette Menschen – da hatten wir mal wieder mega Glück mit unserem Housesit gehabt. 🤍

Der Norden von Vancouver Island

Nach dem Housesit starteten wir unsere Erkundung des nördlichen Teils der Insel. Unser erster Stopp war der Elk Falls Provincial Park. Trotz neblig-nassen Wetters spazierten wir zu den Wasserfällen, die von der massiven Hängebrücke aus gigantisch aussahen.

Elk Falls

Weiter nördlich werden die Orte kleiner, die Insel einsamer. Nach einer Übernachtung in Port McNeill steuerten wir Port Alice an – angeblich die Seeotter-Hauptstadt von Vancouver Island. Wir unternahmen einen kleinen Spaziergang am Ufer der Johnestone Strait, einer geschützten Meeresbucht, in der Hoffnung, die süßen Tiere zu spotten.

Port Alice

Wir sahen zwar keine Seeotter, aber dafür ein paar Flussotter, die rasend schnell durchs Wasser schossen und nicht ganz so süß sind wie ihre Artgenossen – die sehen eher wie große, nasse Ratten aus.

Außerdem entdeckten wir zahlreiche Weißkopfseeadler.

Ein netter Fischer, dem wir begegneten, erzählte uns mehr über die Gegend und dass man die Seeotter wohl doch nur per Bootsausflug sehen kann. Dafür war aber aktuell keine Saison und wir wollten auch das Geld nicht ausgeben. Nach einem Picknick in der Sonne zogen wir weiter.

Das Wetter hielt, und wir fuhren bis ans Ende der Inselstraße nach Port Hardy. Hier gab es aber nicht viel zu sehen, der Ort war noch im Winterschlaf. Nur über die Möhren-Skulptur wunderten wir uns – die markiert das Ende des Insel-Highways. Warum auch immer.

End of the Road Möhre

Ein kurzer Spaziergang am Meer beendete unsere Erkundung auch schon wieder – mir war zu kalt, und die Erkältung saß mir noch in den Knochen, daher blieb es bei einem kurzen Stopp. Übernachtet wurde wieder in Port McNeill direkt am Meer. Am Morgen wurden wir mit klarem Himmel und Fernsicht auf die Whistler-Berge belohnt – da bekamen wir direkt wieder Bergweh!

Christian nutzte die Gelegenheit, um unseren MAP-Sensor auszutauschen, da der Van zuletzt immer wieder mal sporadisch in den Notlauf ging. Den Sensor hatten wir bereits seit längerem dabei und er hätte einer der Übeltäter für den Signalfehler sein können. Die ersten Testkilometer liefen gut, doch kurz vor unserem nächsten Platz ging der Van erneut in den Notlauf – der MAP-Sensor allein war es wohl doch nicht. Heitere Tage mit Datenerfassung, Fehlersuche und Fachsimpelei standen uns also erneut bevor.

Wir übernachteten ganz pragmatisch irgendwo am Straßenrand, und am nächsten Morgen ging es dann weiter an die Westküste von Vancouver Island, wo schon ein kleiner Nationalpark auf uns wartete.

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

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Regen, Glühwein & Vancouver Island

Teil 14 unseres Roadtrips durch Kanada

5. – 14. Dezember 2025
british columbia

Nach 5 schönen Wochen in Golden machten wir uns wieder auf die Bahn und nahmen als erstes Kurs auf die Stadt Kamloops. Dort wollten wir vor allem unsere Vorräte in den großen Discountern auffüllen – die hatten wir in Golden schlicht nicht gehabt. Vier Stunden Fahrt lagen vor uns und die Wettervorhersage versprach Schnee, und davon nicht wenig. Also fuhren wir durch mal mehr, mal weniger dichtes Schneetreiben. Zum Glück blieb nichts liegen, sodass wir problemlos ankamen.

Die Nacht verbrachten wir wenig glamourös auf dem Parkplatz einer Sportanlage. Willkommen zurück im Vanlife.
Am nächsten Tag wurde eingekauft – und mein siebter Sinn schlug mal wieder an. Eine der Bodenfugen an unserer Technikbox kam mir verdächtig dreckig vor. Das passte nicht dazu, dass wir doch gerade alles gereinigt hatten. Und tatsächlich: Wir hatten ein kleines Wasserleck. Die beiden Schläuche, die von unserem Boiler abgehen, waren jeweils etwa zwei Zentimeter abgerutscht und es tröpfelte leicht. Beide gleichmäßig – was sehr komisch war. Christian war sich aber sicher, nichts daran gemacht zu haben. Vielleicht hatte der Wechsel zwischen Hitze und Kälte das Material ermüden lassen? Wir hatten in Golden das Wasser komplett entleert, aber die Heizung an vielen kalten Nächten laufen lassen.

Ein kurzer Stopp bei einem RV-Dealer beruhigte uns. Kein Grund zur Panik, ein paar neue Schlauchschellen sollten reichen. Und so war es auch. Schnell montiert, seitdem sitzt wieder alles bombenfest. Wir behalten es trotzdem im Auge – nach 6,5 Jahren kann so ein Schlauchmaterial auch langsam porös werden.

2 neue Schlauchschellen sollten das Problem lösen.

Mit vollen Vorräten und ohne Wasserleck ging es dann schließlich weiter.

Whistler

Endlich schafften wir es nach Whistler, einem der berühmtesten Skigebiete in Kanada, in dem unter anderem Wettkämpfe der Olympischen Winterspiele 2010 stattgefunden haben. Im Sommer wollten wir hier unbedingt Mountainbiken und wandern, aber damals stand die Vorhersage auf Dauerregen – also ließen wir es. Dieses Mal war es… wieder genauso. Aber wir wollten es uns jetzt zumindest mal anschauen.

Wir kamen bereits im Dunkeln (gegen 16:30 Uhr) an und spazierten durch den Resort-Ort, der in allen Farben blinkte und leuchtete. Und ja, es regnete natürlich. Das änderte sich auch die ganze Nacht nicht.

Bei Tageslicht machte der Ort ohne sichtbare Berge und ohne Schnee leider nicht allzu viel her. Trotzdem standen viele Menschen in voller Montur an den Gondeln – oben, im Nebel, gab es scheinbar Schnee.

Whistler bei Tag
Blending in

Christian spielte mit dem Gedanken, eine Runde Snowboard zu fahren. Aber mit allem Zip und Zap hätte so ein Tag hier 400–500 CAD (ca. 300 €) gekostet. Allein der Gondel-Tagespass lag bei 212 CAD (ca. 130 €), für Nicht-Skifahrer bei 157 CAD (ca. 100 €), was für ein bisschen durch den Schnee wandern auch zu teuer war. Also blieb es bei einem Spaziergang durch den Ort und arbeiten im Van. Abends gönnten wir uns noch eine neapolitanische Pizza – angeblich die beste im Ort. Die war aber leider eher durchschnittlich. Naja.

Pizza wie immer mit Schere

Bevor wir weiterzogen, legten wir noch einen kleinen Zwischenstopp ein, am sogenannten Whistler Trainwreck. 1956 entgleiste hier ein Güterzug, vermutlich wegen zu hoher Geschwindigkeit in einer Kurve. Alle 12 Waggons entgleisten, sieben konnten geborgen werden, fünf wurden schlicht aus dem Weg geräumt und in den Wald gezogen. Dort liegen sie bis heute. Inzwischen sind sie komplett mit Graffiti überzogen und ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Mountainbiker geworden.

Trotz Dauerregen machten wir uns auf den Weg. Und auch wenn wir die Bilder schon oft gesehen hatten – live ist es doch noch mal etwas anderes. Zwischen hohen, dicht stehenden Bäumen liegen diese riesigen Metallwaggons, bunt bemalt und rostend.

Whistler Trainwreck

Man fragt sich wirklich, wie sie da hineingeraten sind. Die MTB-Obstacles rundherum wirkten nicht mehr ganz frisch, aber trotzdem war es ein spannender Ort. So hatten wir wenigstens ein kleines Highlight in Whistler mitgenommen, bevor wir im immer noch anhaltenden Regen weiterzogen.

Vancouver 2.0

Es ging zurück nach Vancouver. Beim ersten Besuch hatte uns die Stadt nicht so richtig umgehauen, daher hielt sich unsere Erkundungsfreude in Grenzen und stattdessen standen einige praktische Dinge an – und vor allem der Besuch auf dem „Deutschen Weihnachtsmarkt“ der hier alljährlich stattfindet.

Wir bezogen unseren altbekannten Platz an einem Sportfeld und wurden am nächsten Morgen tatsächlich von etwas Sonne begrüßt. Das tat gut!

Ich nutzte das direkt für eine Laufrunde, Christian ging – was dringend nötig war – zum Friseur.

Als wir zurückkamen, steckte ein Zettel am Auto: „Final Warning“. Camper jeglicher Art durften nur noch maximal drei Stunden in der Stadt stehen, egal wo, außer auf speziellen RV-Parkplätzen. Na toll. Gut, dass wir am Vortag schon einen anderen Platz ausgekundschaftet hatten, auf den wir dann umzogen (auch wenn der genauso „illegal“ war).

Pünktlich zum einsetzenden Regen liefen wir von dort zum Weihnachtsmarkt. Um diesen zu besuchen, musste man vorab online Eintrittskarten und einen fixen Zeitslot buchen. Sehr eigenartig, und mit knapp 17,50 € Eintrittspreis auch nicht ganz günstig, aber so war es eben.

Der Markt selbst war aber wirklich schön gemacht und sah tatsächlich aus wie so manch deutscher Weihnachtsmarkt.

Deutscher Weihnachtsmarkt
Deutscher Weihnachtsmarkt
Deutscher Weihnachtsmarkt

Die Preise waren aber happig: Umgerechnet etwa 6,50 Euro musste man für einen pappsüßen Glühwein hinlegen. 200 Gramm Stollen hätte es für 16 € gegeben – haha. Den müssen sie dann wohl alleine essen. Auch die „typisch deutschen Produkte“ wie bemalte Weihnachtskugeln, Troika-Produkte und Gehäkeltes durften dort bleiben.
Wir schlugen stattdessen bei Gulasch, Bratwurst mit Sauerkraut und Schwarzwälder Kirschtorte zu – mehr Klischee geht wohl nicht mehr. Aber tatsächlich war alles sehr authentisch und lecker und beugte evtl. aufkommendem Weihnachts-Heimweh vor. 😉

Leider wurde der Regen immer stärker und kaum etwas war überdacht, außer einem wenig charmanten Essens-Zelt. Nach anderthalb Stunden reichte es uns. Wir nahmen ein Uber zurück zum Van und verbrachten eine ruhige Nacht an unserem Ausweichstellplatz, wo uns zum Glück das Ordnungsamt nicht fand.

Am nächsten Morgen ging es von dort aus direkt zur Fähre, die uns zu unserem letzten Ziel in West-Kanada bringen sollte.

Ankunft auf Vancouver Island

Mit der 11-Uhr-Fähre setzten wir in 1,5 Stunden nach Vancouver Island über. Vancouver Island ist mit knapp 31.300 km² die größte Insel an der Westküste von Kanada (und damit größer als Belgien) und zählt knapp 880.000 Einwohner. Auf ihr findet man eigentlich alles, was Kanada so ausmacht: wunderschöne Strände, zerklüftete Küsten, dichten Regenwald, jede Menge Wildlife (sowohl an Land als auch im Meer), einige imposante Berge, ein kleines Skigebiet, unzählige Wander- und Mountainbike Trails, gute Brauereien, Weingüter und vor allem nette Menschen.

Wir hofften auf der Überfahrt, vielleicht ein paar Wale und vor allem Orcas zu sehen, aber das Wetter machte uns weiterhin einen Strich durch die Rechnung. Es regnete und alles war grau in grau. Naja.

Im Nachhinein betrachtet hatten wir dennoch gutes Timing. Später am Tag wurden in Vancouver wegen Rekordüberschwemmungen sämtliche Straßen rein und raus aus der Stadt gesperrt. Und der Regen-Forecast versprach keine Besserung.

Auch die Ankunft auf der Insel war entsprechend nass und unspektakulär – im Radio lief ironischerweise das Lied „Walking on Sunshine“, das half aber auch nix. Wir erledigten ein paar Kleinigkeiten, steuerten einen einfachen Parkplatz an und arbeiteten. Viel mehr war bei dem Wetter ohnehin nicht drin.

Victoria

Am nächsten Tag versprach unsere Wetter-App etwa 2,5 Stunden trockenes Wetter. Also machten wir uns auf nach Victoria, der größten Stadt der Insel. Und die gefiel uns auf Anhieb richtig gut. Schöne Gebäude, nette Läden, natürlich auch viel Touri-Kram, aber alles stimmig, zu dieser Jahreszeit nicht überlaufen und angenehm.

Victoria Downtown

Wir schlenderten durch verschiedene Viertel, gönnten uns vietnamesisches Essen zu Mittag und schauten danach bei der Fisherman’s Wharf vorbei, wo die bunten Hausboote liegen.

Fishermans Wharf

Saisonbedingt war wenig los, aber gerade das hatte auch seinen Charme – im Sommer müssen sich hier die Touris gegenseitig die Füße platt trampeln.

Pünktlich zum Einsetzen des Regens waren wir zurück am Van. Wir kommen auf dem Rückweg sicher noch mal in Victoria vorbei.

Westküste

Nach einer Nacht auf einem kleinen Parkplatz – wo wir eine Eule überraschten, die gerade einen Hasen verspeiste – erreichten wir die Westküste.

Am Sheringham-Leuchtturm machten wir einen kurzen, regenfreien Spaziergang direkt ans Meer. Nach den vielen Wochen in den Bergen und den grauen, nassen Tagen tat es mal wieder richtig gut, einfach wieder am Wasser zu stehen und den Blick schweifen zu lassen.

🙂

Weiter ging es zum Sandcut Beach. Diesen Strand hatte ich schon seit langer Zeit auf meiner Karte markiert, weil ich einmal ein Bild gesehen hatte, auf dem ein kleiner Wasserfall direkt vom Strand ins Meer fließt. Das wollten wir uns nun endlich in echt anschauen.

Der Weg dorthin führte durch matschigen, aber wunderschönen Regenwald. Alles war sattgrün, der Boden übersät mit Tannennadeln und weich, es roch nach nassem Holz und Moos.

Wir hatten Glück das gerade Ebbe war und wir bis zum Wasserfall laufen konnten. Dank der Regenmassen der letzten Tage führte der kleine Wasserfall auch ordentlich Wasser. Und tatsächlich floss er direkt vom Strand ins Meer. Vielleicht nicht der spektakulärste Wasserfall aller Zeiten, aber ich war mega happy, endlich hier zu stehen.

Es blieb weiterhin trocken, also fuhren wir weiter zum Mystic Beach. Auch hier führte uns ein Trail durch dichten Regenwald. Farne, moosbewachsene Bäume – alles wirkte wie aus einer anderen Zeit. Die Sonne versuchte sich tapfer, durch die Wolken zu kämpfen, schaffte es aber nicht ganz, doch dadurch entstand eine ganz besondere Lichtstimmung im Wald – fast ein bisschen mystisch.

Der Weg wurde zunehmend matschiger. Wir hüpften über riesige Pfützen. Die Holzbrücken, die eigentlich helfen sollten, waren teilweise kaum erreichbar, weil ringsum schon alles unter Wasser stand. Auf dem Festland in BC waren weiterhin Rekordwassermengen unterwegs – das merkte man auch hier deutlich.

Am Strand angekommen, warteten gleich mehrere Wasserfälle auf uns, die direkt aus dem Wald auf den Strand beziehungsweise ins Meer stürzten. Dieses Zusammenspiel aus dichtem Wald, Felsen, Wasser und Meer war wirklich besonders.

Mystic Beach

Als wir zurück am Van ankamen, setzte prompt wieder fieser Nieselregen ein. Also begaben wir uns auf Stellplatzsuche und fanden im dritten Anlauf einen einigermaßen versteckten und nicht allzu vermatschten Platz. Den Rest des Tages arbeiteten wir – an raus gehen war nicht mehr zu denken.

Ostküste

Am nächsten Tage wechselten wir von der Pazifikseite an die Ostküste. Unterwegs kamen wir an einem kleinen „Bonsai-Baum“ in einem See vorbei und sahen tatsächlich mal kurz die Sonne.

Suchbild: Wo ist der Bonsai Baum

Im Cowichan Valley, kurz vor Ladysmith, machten wir noch eine kleine Wanderung zu einem Wasserfall. Nicht weltbewegend, aber schön anzusehen – und wir waren einfach froh über ein paar trockene Stunden und vor die Tür zu können.

Unser nächstes Ziel war die zweitgrößte Stadt von Vancouver Island: Nanaimo. Nach dem schönen Victoria hatten wir wohl etwas zu viel erwartet. Unser erster Eindruck war leider kein guter. Das Erste, was uns auffiel, waren die zahlreichen Menschen, die an Straßenecken saßen und ganz offen Crackpfeifen rauchten. Die kleine Touristenstraße im Zentrum war dann ganz nett, Old Town eher unspektakulär und irgendwie ausgestorben.

Das kleine Stadtmuseum war auch ganz ansprechend gemacht, aber irgendwie eine etwas willkürliche Sammlung von allem Möglichen, von alten Schulbänken über Uniformen und Kaufmannsladen-Inventar. Der Funke sprang nicht so recht über.

Ein sehr leckeres Eis rettete die Stimmung ein wenig, dann fuhren wir weiter und fanden einen ruhigen, unbebauten Wendehammer am Meer als Stellplatz. Vom Meer sah man im Regen zwar nichts – aber schön zu wissen, dass es da war.

Ankunft im Comox Valley

Schließlich erreichten wir das Comox Valley, eine besonders schöne Region auf der Insel, wo bald unser nächster Housesit beginnen sollte. Vorab wollten wir uns schon einmal umschauen und fuhren auf den höchsten Berg der Insel: den 1.588 Meter hohen Mount Washington.

Im Sommer Bikepark, im Winter Skigebiet – zumindest theoretisch. Denn auch hier regnete es. Von Schnee war so gut wie nichts zu sehen, das geplante Eröffnungswochenende, welches eigentlich gerade stattgefunden hätte, musste verschoben werden. Die Betreiber waren sichtlich geknickt von der Situation. Es war die späteste Eröffnung seit vielen Jahren, wie uns die Mitarbeiter vor Ort erzählten.

Schade. Die Preise wären hier deutlich verträglicher gewesen als in Whistler, und Christian hätte große Lust auf eine Runde Snowboard gehabt – und ich auf eine Schneeschuhwanderung.

Aber wir wussten ja bereits, dass wir noch mindestens zwei Wochen hier sein würden, und in zwei Wochen könnte auch viel Schnee fallen – und so war es dann auch.

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

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Golden Times

Teil 13 unseres Roadtrips durch Kanada

27. Oktober – 4. Dezember 2025
British Columbia

Housesitting 2.0

Nachdem wir uns entschlossen hatten, den kompletten Herbst und zumindest einen Teil des Winters in Kanada zu verbringen, war uns schnell klar, dass wir in dieser Zeit aber nicht zu 100% im Van sein würden. Denn schon der Herbst kann frostig kalt werden hier oben – und der Winter natürlich erst recht. Selbst im Westen von Kanada sind in einigen Regionen Temperaturen von bis zu -30 Grad keine Seltenheit. Und das ist dann kein Camper-Wohlfühlwetter mehr. Die kostengünstigste und in meinen Augen auch schönste Art, dieses Kälte-Problem zu umgehen, ist: Housesitting. Das hatten wir ja schon in Mexiko City mal gemacht – und natürlich auch im Hotelito, in Puerto Escondido.

Nun wollten wir aber weiterhin in den Rockies bleiben und machten uns daher auf die Suche nach passenden Sits – und wurden fündig. Im charmanten kleinen Ort Golden, inmitten der Rocky Mountains, fanden wir ein hübsches Häuschen mit einem süßen Border-Collie-Australian-Sheppard-Mix, auf den wir ganze fünf Wochen lang aufpassen durften, während die Besitzer, Katie und Vincent vereist waren.

Hier erfüllte sich tatsächlich mal wieder ein kleiner Traum, vom Leben in den winterlichen Bergen, mit unzähligen Outdoor-Möglichkeiten und unseren geliebten Nationalparks direkt vor der Tür. Wie winterlich es werden würde, ahnten wir da noch nicht.

Aber überzeuge dich selbst:

Ankunft in Golden

Ende Oktober kamen wir zurück nach Golden – hier hatten wir schon im Sommer mal ein paar Stunden verbracht, diesmal kamen wir in dem Wissen, dass wir länger bleiben würden.
Die Anfahrt zog sich etwas, unter anderem wegen diverser Baustellen, aber auch wegen der Zeitumstellung, zurück in die ‚Mountain Time‘. Dabei waren wir noch immer in der gleichen Provinz, B.C. Diese Zeitzonen verwirren mich jedes Mal aufs Neue.

Am Abend waren wir direkt bei unseren Gastgebern eingeladen. Wir lernten Katie, Vincent und natürlich Loki kennen – einen erst 1,5 Jahre alten, sehr energiegeladenen Bordercollie-Mix.

Loki

Vincent ist gelernter Koch, entsprechend gut wurden wir dort versorgt. Ein ziemlich perfekter Einstieg.

Am nächsten Morgen nutzten wir die Zeit bis zur nächsten Verabredung für eine erste kleine Wanderung über die CBT-Trails. Das sind eigentlich fürs Mountainbiken gedachte, angelegte Trails am Ortsrand. Aber es war so kalt, dass weder uns noch sonst jemandem nach Fahrradfahren zumute war (da ahnten wir noch nicht, dass wir einige Tage später bei wesentlich kälteren Temperaturen unterwegs sein würden – inkl. Hund).
Dafür war es sonnig und ruhig und die Aussicht stimmte auch.

CBT Trails in Golden

Unsere Vorfreude auf die kommenden Wochen wuchs weiter. Am Nachmittag folgte dann der erste Spaziergang mit Loki. Vincent begleitete uns und zeigte uns seine Standard-Spazierrunde und erklärte die Kommandos, die wir mit Loki weiter trainieren sollten. Die Nacht verbrachten wir im Van vor dem Haus, denn am nächsten Morgen begann offiziell unser Housesit.

Hund, Haus & Berge

Nachdem Katie und Vincent in ihren Urlaub gestartet waren und die Putzfrau das Haus aus Vordermann gebracht hatte, übernahmen wir Haus und Hund komplett. Im Haus fühlten wir uns sofort wohl. Ein kleines Traumhaus, ehrlich gesagt. Das hätten wir so wie es ist auch sofort genommen. 😉

Unser Häuschen in Golden
Sogar mit Sauna

Loki gewöhnte sich schnell an uns – und wir hatten ihn ohnehin sofort ins Herz geschlossen. Während er drinnen der reinste Engel war, drehte er draußen richtig auf und war noch ziemlich wild, Teenager eben, aber mit konsequentem Training bekamen wir das mit der Zeit gut in den Griff.

Unterwegs mit Loki

Unsere Tage bekamen schnell eine feste Struktur: Spaziergänge mit Loki, Arbeiten an unseren Online-Projekten, dazwischen immer wieder Blicke vom Balkon auf die umliegenden Berge und das gegenüberliegende Skigebiet „Kicking Horse“. Allein für diese Aussicht hat sich dieser Housesit schon gelohnt. Einfach traumhaft!

Bei den täglichen Gassirunden lernten wir die Umgebung immer besser kennen und fanden immer neue Wege und Trails direkt vor der Haustür.

Annes erster Winter-Geburtstag

Am 4. November stand der erste Wintergeburtstag meines Lebens an. Sonst war ich zu diesem Anlass ja lieber in wärmere Gefilde geflüchtet. Mein Wunsch dieses Jahr war: eine Winterwanderung. Davor gab es allerdings noch eine Überraschung um Mitternacht – eine Eistorte. Genau meine Art Geburtstagstorte.

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Morgen, packten wir dann alles zusammen, inklusive Loki, und machten uns auf den Weg in den nur ca. 45 Minuten entfernten Banff Nationalpark. Ziel war der Boom Lake Trail. Schon auf der Fahrt nahm der Schnee links und rechts der Straße immer mehr zu. Am Trailhead angekommen, war alles weiß, also richtig weiß. Winter-Wonderland pur. Ich bekam den Mund kaum zu.

Die Wanderung selbst war technisch nicht besonders schwierig und der Trail relativ flach, aber durch die Schneelandschaft unglaublich schön. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und etwa minus zehn Grad. Ein absoluter Wintertraum – an meinem Geburtstag!

Schön!

Am Boom Lake angekommen, waren wir ganz alleine. Der See lag ruhig zwischen den Bergen, leider kam die Sonne dort schon nicht mehr drüber.

Boom Lake
🙂

Aufgrund der eisigen Temperaturen fiel die Pause aber recht kurz aus und dann ging es auch schon wieder zurück zum Van und ab nach Golden – die Eistorte wartete schließlich noch.

Abends wollten wir eigentlich essen gehen, doch das ausgesuchte Restaurant hatte ausgerechnet an diesem Abend außerplanmäßig geschlossen. Schade. Und sonst war die Restaurant-Auswahl in dem kleinen Ort nicht besonders prall. Stattdessen machten wir es uns dann vor dem Kamin gemütlich – es hätte schlimmer sein können.

Schnee & Mountainbiken in Golden

Am Tag nach unserem Banff-Ausflug kam der Schnee dann auch direkt in Golden an. Sehr zur Freude von Loki, der Schnee liebt. Passend dazu kam auch meine Winterausrüstung an, bestehend aus warmen Schneeboots und einem wasser- und Lokifesten Regenmantel (der biss uns nämlich gerne mal in die Kleidung), sodass langen Schneespaziergängen nichts mehr im Weg stand.

Zwischen Spaziergängen und Arbeit nutzten wir die schneefreien Tage für die ersten Mountainbike-Runden über die CBT-Trails und die zahlreichen Trails hinter unserem Haus. Wir fanden ein echtes Mountainbiker-Paradies vor. Matschig, rutschig, aber genial.

CBT Trails

Nachmittags probierten wir dann Mountainbiken mit Hund – was überraschend gut funktionierte. Kein Wunder, Lokis Besitzer gehen fast täglich mit ihm auf die Piste. Endlich schafften wir es, Loki wirklich müde zu bekommen. Dieser Hund hat eine unfassbare Energie.

MTB mit Loki

Die nächsten Wochen waren geprägt von viel Bewegung mit Loki. Unsere 8 km langen Joggingrunden zum Confluence Park, wo zwei Flüsse ineinander fließen, beeindruckten ihn aber herzlich wenig.

Lange Spaziergänge und Mountainbike-Touren hielten ihn und uns aber gut beschäftigt. Parallel nahmen einige unserer Projekte wieder Fahrt auf, sodass wir die Zeit zwischen den Sporteinheiten viel am Arbeiten waren. So vergingen die Wochen erstaunlich schnell.

Schneeschuhwandern & unser erstes Mal Langlauf

Am 19. November erfüllten wir uns einen lang gehegten Wunsch: Schneeschuhwandern. Das haben wir bis jetzt beide nur einmal in der Antarktis gemacht.

Schneeschuhe liehen wir uns in Golden und fuhren zum Lake-O’Hara-Parkplatz, im 40 Minuten entfernten Yoho Nationalpark. Von dort ging es auf den Great-Divide-Trail, der den Yoho Nationalpark mit dem Banff Nationalpark verbindet – im Spätsommer waren wir diese Strecke noch bei schönstem Wetter mit dem Fahrrad gefahren.

Schneeschuhwanderung Great Divide Road

Neben der frisch gespurten Langlaufloipe stapften wir durch tiefen Schnee. Anstrengend, aber richtig gut.

Great Divide Road

Einige Abzweigungen zu weiteren Seen waren noch nicht ausreichend verschneit, also blieben wir auf der zugeschneiten Straße, kamen aber trotzdem voll auf unsere Kosten.

So sehr, dass wir beschlossen, am nächsten Tag direkt wiederzukommen – diesmal mit Langlaufskiern.

Wir hatten in jeglicher Hinsicht Glück mit unserem Housesit, denn Katie und Vincent hatten uns sogar ihre Langlaufskier hinterlassen, was uns eine Menge Leihgebühren sparte. Für mich war es das erste Mal überhaupt auf Skiern, ich bin ja sonst überhaupt kein Wintersportler, geschweige denn Winter-Fan. Christians letzte Langlaufversuche lagen auch bereits 4 Jahrzehnte zurück. Optimismus war trotzdem ausreichend vorhanden – zumindest bei ihm.

Auf dem Weg Richtung Lake Louise passierte dann allerdings wieder etwas, das uns in Zukunft noch öfter beschäftigen sollte: Moby ging am Berg plötzlich in den Notlauf. Wir hielten an und lasen den Fehlerspeicher aus. Das Motorsteuergerät hatte einen zu hohen Druck vom Turbolader bemängelt. Da es aber ein „Signal-Calculation-Fehler“ war, musste die Ursache nicht unbedingt ein defekter Turbo oder ein anderes Bauteil sein, sondern konnte vielmehr in der Software des Steuergerätes liegen. Laut unserer Recherche zum Glück nichts Akutes und Bedrohliches. So konnten wir den Fehler löschen und weiterfahren – auch wenn mir dabei ehrlich gesagt nicht ganz wohl war. Das Ganze weckte Erinnerungen an unsere massiven Probleme in den USA.

Doch wir kamen ohne weitere Probleme und Auffälligkeiten an unserem Ziel an. Wieder starteten wir im Yoho Nationalpark und schnallten dort die Skier an. Was für ein irres und lustiges Gefühl, zum ersten Mal im Leben auf (Langlauf-)Skiern zu stehen. Ich hab‘ mich fast bepisst vor Lachen.

20.11.2025: A Skihaserl was born!

Aber tatsächlich meisterte sogar ich den Langlauf auf Anhieb. Naja, also ich kam zumindest voran.

Die Great Divide Road ist recht flach und somit perfekt zum Üben. Die ersten Abfahrten sorgten bei mir für leichte Panik, es wurde aber schnell besser. Es kam mir vor, als wäre ich bergab rasend schnell gewesen, die GPS-Aufzeichnung zeigte knapp 12 km/h. Haha. Trotzdem: Weder Knochen noch Ski waren gebrochen, somit verbuchten wir diesen Tag als Erfolg.

Langlauf in den Rockies!

Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher zum Lake Louise, der zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht zugefroren war. Ganz ohne Menschenmassen, so wie sonst im Sommer, war der See und seine Kulisse dennoch beeindruckend.

Lake Louise

Zurück in Golden wartete Loki schon ungeduldig auf seine Runde und nahm auf unsere müden Beine keine Rücksicht.

Great Divide 2.0

Eine Woche später ging es erneut zum Langlaufen, diesmal vom oberen Ende der Great Divide, also aus dem Banff Nationalpark startend. Dort lag noch viel mehr Schnee. Exakt zwei Monate zuvor, sind wir hier noch mit kurzen Sachen langgeradelt:

September…
… vs. November

Die Loipe war frisch gespurt und es lief immer leicht bergab, somit kamen wir noch besser voran. Ich wurde mutiger und landete natürlich prompt dreimal auf dem Hintern, was dem Spaß keinen Abbruch tat.

So viel Schnee!
So schön!

Ich hätte nie gedacht, dass wir mal zusammen Wintersport betreiben. Eine neue persönliche Höchstgeschwindigkeit habe ich auch geschafft. 14 km/h. Olympia, ich komme!

🙂

Ganzkörper-Muskelkater war übrigens inklusive. Gar nicht so ohne, dieser Sport.

Nur zwei Tage später fuhren wir schon wieder nach Lake Louise. Es hatte noch mal Neuschnee gegeben und wir wollten unbedingt noch mal eine Schneeschuhtour machen. Diesmal wanderten wir nur einen kleinen Teil der Great-Divide-Straße und bogen dann zum Ross Lake ab.

Bei minus zehn Grad gefror mir nach wenigen Minuten das Wasser im Trinkschlauch. Der Fail des Tages! Zum Glück hatte ich noch heißen Tee dabei.

Erneut fanden wir uns im Winter-Wonderland wieder. Diesmal aber so richtig. So. Viel. Schnee!

Dabei hatte der Typ im Verleih noch angezweifelt, ob es sich überhaupt lohnen würde, mit Schneeschuhen loszugehen. Für die Kanadier ist das hier alles noch nichts. Aber wir haben beide noch niemals so viel Schnee gesehen. Es war einfach wunderschön – selbst für Winter-Skeptiker wie mich.

Unterwegs zum Ross Lake

Der Ross Lake war natürlich komplett zugefroren und zugeschneit, sodas wir auch darauf rumlaufen konnten.

Ross Lake

Wir legten dort eine Pause ein und erkundeten noch einen Backcountry-Trail, wo uns irgendwann ein Skitourer begegnete. Für Wintersportler ist das hier echt das Paradies.

So genial!

Zeitlich mussten wir uns dann etwas beeilen – Loki wartete zu Hause. Aber einen Abstecher zum Lake Louise genehmigten wir uns noch. Und schon wieder wurden wir überrascht: Der riesige See war nun komplett zugefroren. 8 Tage zuvor, war hier noch nichts von Eis zu sehen gewesen. Und jetzt konnten wir auf der Eisfläche herumlaufen. Wahnsinn!

Lake Louise

Technikkram & Abschied

Neben all dem Draußensein wurde auch geschraubt. Christian nutzte die Zeit und verkabelte unser Starlink Mini endlich ordentlich, baute alte Halterungen aus und neue ein und kümmerte sich um andere Kleinigkeiten, wie frische Silikonfugen und sowas.

Irgendwann machte dann die Dieselheizung Probleme: Der Lüfter wurde extrem laut, vermutlich war das Lager über die Wupper gegangen. Das passende Ersatzteil für unsere russische Heizung war natürlich in Kanada nicht verfügbar, die Kommunikation mit dem Hersteller (mittlerweile in Litauen) zäh. Aber immerhin lief sie noch und würde hoffentlich durchhalten, bis das Ersatzteil aus Europa ankam.

Auch mein Mountainbike war mal dran, meine versenkbare Sattelstütze verweigerte nämlich ihren Dienst – beim Entlüften der Sattelstütze zeigte sich, dass ein professioneller Service wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen sollte. Hach ja, es wird eben nie langweilig bei uns.

In unserer letzten Woche wurde es deutlich kälter, der Schnee blieb dauerhaft liegen, wenn auch leider nur sehr wenig. Mountainbiken fiel daher aus, dafür gab es umso mehr lange Gassirunden mit Loki.

Loki am Kicking Horese River

Wir testeten außerdem endlich mal die lokale Whitetooth Brewery und waren ehrlich begeistert. Wirklich gutes Bier.

Bier-Tasting

Schließlich neigte sich unsere Zeit in Golden dem Ende zu. Die Zeit war viel zu schnell vergangen.

Aber wir bekamen kurzfristig zwei Tage Verlängerung, da Vincents Rückflug aus den Northwest Territories wetterbedingt ausfiel – dort herrschten Temperaturen um -30 Grad und Schneesturm. Und bei dem Wetter arbeitete er dort als Industriekletterer, draußen an irgendwelchen Gerüsten. Crazy!  
Schließlich kam er doch noch an, wir machten Haus und Van wieder bereit und verabschiedeten uns schweren Herzens von Loki und diesem besonderen Ort.

Loki & the Travelmates

Fünf Wochen Golden fühlten sich für uns wie ein kleiner Wintertraum an – auch wenn es für die Kanadier noch gar kein richtiger Winter war. Für uns war es der bisher schönste Winter – und er war ja noch lange nicht zu Ende.

Jetzt ging es aber erstmal wieder zurück ins Vanlife und direkt weiter ins nächste Winter-Wonderland – das dachten wir zumindest.

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

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Das Okanagan Valley

Teil 12 unseres Roadtrips durch Kanada

15. – 26. Oktober 2025
British columbia

Nach den kalten Nächten und ersten Schneeflocken rund um die Rocky Mountains zog es uns ins Okanagan Valley. Dieses Tal in British Columbia ist bekannt für sein warmes Klima, hervorragende Weine, den Obstanbau und Seen.
Wir hofften dort etwas mildere Temperaturen, Herbstsonne und natürlich guten Wein zu finden. Bevor wir dort eintauchen konnten, stand aber noch ein wichtiger Stopp an.

Kamloops: Reparaturen im Rekordtempo

In Kamloops hatten wir vor allem ein Ziel: Christians defekten Fahrrad-Dämpfer fachmännisch reparieren zu lassen. Den Fahrradladen hatte Christian vorab recherchiert und kontaktiert, und vor Ort wurden wir direkt freundlich empfangen. Der Mechaniker war nicht nur super nett und total interessiert an unserer Reise, sondern erzählte uns auch stolz, dass er selbst zwei deutsche Mountainbikes fährt. Beim Blick auf den Dämpfer hatte er Hoffnung, das Problem schnell lösen zu können – vielleicht sogar noch am selben Tag. Das hörten wir gerne!

Während wir uns auf einen kleinen Besorgungsmarathon machten, ergab sich gleich die nächste Reparaturmöglichkeit: Noch bevor wir den ersten Supermarkt erreichten, entdeckte ich einen dieser Pavillons für Steinschlagreparaturen. Wir hatten uns nämlich schon wieder einen Dotzer in der Scheibe eingefangen. Kanada ist für uns das Land der Steinschläge. Zehn Minuten später war die Sache dann aber schon erledigt.

Und während wir dort noch standen, klingelte schon das Handy: Der Fahrradladen meldete sich – der Dämpfer war fertig. Wow! Rekordzeit.

Nach den Einkäufen holten wir das reparierte Teil ab und waren damit auch schon bereit, Kamloops wieder zu verlassen. Städte voller Stripmalls hatten wir inzwischen wirklich genug gesehen.

Zwischen Kamloops und dem nördlichen Okanagan Valley fanden wir einen Übernachtungsplatz an einer spannenden, alten Holzbrücke an einem Fluss.

Die Nacht war kalt, aber ruhig. Am nächsten Morgen wunderte ich mich über die seltsamen „Pferde“ auf der Weide neben uns – bis mir klar wurde: Das waren Alpakas. Die schauten mindestens genauso irritiert wie ich.

Ankunft im Okanagan Valley

Endlich erreichten wir das Okanagan Valley. Aus dieser Region stammt ein Großteil der kanadischen Früchte, denn hier herrscht ganzjährig ein vergleichsweise mildes Klima. Besonders gut gedeihen dort auch Weintrauben, entsprechend viele kleine Weingüter gibt es hier – ein Umstand, den wir natürlich ausnutzen wollten. 🥂

Zunächst starteten wir aber mit einer kleinen Wanderung: erst zu den kleinen Margaret Falls, dann auf einem Loop durch den herbstlichen Wald und am Shuswap Lake entlang. Wunderschön – und außer uns fast kein Mensch unterwegs.

Margaret Falls

Nach der Mittagspause im Van besuchten wir die nördlichste Winery des Valleys, das kleine Weingut Sunnybrae. Wir probierten acht verschiedene Weine, darunter deutsche Reben wie Riesling, Gewürztraminer, aber auch Sorten wie Foch, Pinot Noir und Merlot. Viele Weine waren uns jedoch zu lieblich. Wir lernten dabei, dass „Off-Dry“ halbtrocken bedeutet – und dass wir davon in Zukunft lieber Abstand halten. Die trockenen Rotweine gefielen uns deutlich besser.

Zum Abschluss machten wir noch einen kleinen Spaziergang durch die hier bereits abgeernteten Reben. Ein vielversprechender Start ins Okanagan Valley.

Salmon Arm

Am Nachmittag ging es weiter nach Salmon Arm – die Orte haben hier teilweise echt komische Namen. Oberhalb des kleinen Örtchens fanden wir an einem Trailhead einen Platz für die sehr verregnete Nacht. Auch der Morgen begann grau und trüb.

Wir beschlossen daher, den Tag im Ort zu verbringen. Christian hatte noch an einem Projekt zu arbeiten, und ich musste mich dringend um unsere Reiseberichte kümmern.
Als wir losfahren wollten, kam dann allerdings die Ernüchterung: Der Van sprang nicht an. Beim Drehen des Schlüssels tat sich einfach nichts. Die Batterie war da, alle Lichter gingen an, aber der Motor machte keinen Mucks. Stattdessen erschien die Meldung „Glühkerzen kontrollieren“.

Das Verhalten kam uns nur allzu bekannt vor – genau so hatte es sich ein paar Wochen zuvor schon in Whitehorse gezeigt. Uns war ziemlich schnell klar, dass es wieder ein Massefehler sein musste. Dabei war das Masseband doch neu.

Christian machte sich direkt an die Arbeit, während ich erneut online recherchierte. Der Übeltäter war schnell gefunden: Das Masseband selbst war, erwartungsgemäß, wie neu, aber die Schraube, die das Band hält und den Stromkreislauf schließt, hatte bereits wieder Rost angesetzt. Diese Schraube hatten wir damals in Whitehorse nur reinigen können, weil wir keine exakt passende Neue gefunden hatten.
Das Internet empfahl, sie erneut zu säubern und mit Kupferpaste zu behandeln. Die hatten wir zwar nicht dabei, aber nach der Reinigung und dem Wiedereinbau sprang Moby zumindest wieder tadellos an. Diese blöde kleine Scheißschraube. 😤

In der Stadt besorgten wir anschließend die empfohlene Kupferpaste und noch ein paar Kleinigkeiten. Am Abend wechselten wir den Platz und stellten uns an ein Sportgelände in Salmon Arm. Dort baute Christian noch einmal alles auseinander und brachte die Paste großzügig zum Einsatz – in der Hoffnung, dass die Schraube nun besser geschützt ist (es scheint zu funktionieren, bis jetzt springt der Van jedenfalls tadellos an).

Da auch der nächste Tag wettertechnisch sehr durchwachsen war und wir beide noch einiges zu erledigen hatten, beschlossen wir, einen weiteren Tag in Salmon Arm zu bleiben. Zwischendurch blieb Zeit für Sport und Joggen, und wir kamen mit allem gut voran. So konnte es am nächsten Morgen, der deutlich freundlicher daherkam, schließlich weitergehen.

Lake Country & noch mehr Wein

Wir tauchten nun richtig ein ins Valley und erreichten Lake Country. Dort steuerten wir das Weingut Intrigue an. Für 6 CAD (3,70 €) durften wir sechs Weine probieren. Auch hier waren einige Halbtrockene dabei, aber auch ein paar sehr gute Tropfen.
Jen, die die Verkostung mit uns machte, nahm sich viel Zeit, gab unzählige Tipps für die Region und erklärte uns, wie hart die Jahre 2023 und 2024 für das Valley gewesen waren. In beiden Jahren war die Temperatur innerhalb einer Nacht von plus 5 Grad auf minus 25 Grad gefallen, was absolut untypisch ist für die Region, und dadurch wurden große Teile der Ernte und Pflanzen zerstört. Manche Weingüter (und auch Obstbauern) verloren 70–90 % ihrer Reben, einige sogar 100 % – und das zwei Jahre in Folge. Eine Katastrophe für die gesamte Region.

2025 hingegen war ein Ausnahmejahr: so ertragreich, dass manche Weingüter Trauben verkaufen mussten, weil die eigene Produktion die Mengen gar nicht verarbeiten konnte. Irre!

Die Reben hingen noch voll

Auf Empfehlung von Jen besuchten wir noch die nahegelegene Winery Ex Nihilo. Dort bekamen wir vier fantastische Weine eingeschenkt und eine sehr kompetente Einführung in die regionale Weinproduktion. In nur einer halben Stunde lernten wir richtig viel – zum Beispiel, dass die Weinernte hier immer erst Mitte Oktober beginnt und oft bis Anfang November dauert. Das erklärte auch, warum hier alle Weinreben noch vollhingen.

Weinseelig machten wir uns anschließend auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz am Okanagan Lake – gar nicht so einfach. Überall wiesen Schilder auf Übernachtungsverbote hin, dazu viele schicke Häuser mit Seeblick, bei denen man als Camper nicht unbedingt das Gefühl hatte, willkommen zu sein.

Am Ende fanden wir aber doch ein Plätzchen: direkt am Straßenrand, aber mit Seeblick, fernab von Häusern und Schildern. Die Nacht war ruhig – bis auf einen Besuch der Polizei um 2:30 Uhr. Christian wurde wach, als ein Auto hinter uns hielt. Blaulicht und zwei Beamte mit Taschenlampen umrundeten den Van – und fuhren schließlich wieder, ohne uns zu behelligen. Auch das war ein Novum in Kanada.

Kelowna – besser als sein Ruf

Es ging weiter nach Kelowna, eine der am schnellsten wachsenden Städte in British Columbia, und die größte Stadt im Okanagan Valley. Wir hatten im Vorfeld einiges über hohe Kriminalitätsraten gelesen und waren entsprechend skeptisch – wurden aber positiv überrascht. Wir entdeckten eine gepflegte Stadt mit vielen schönen Ecken, einer netten Waterfront, schönen Cafés, individuellen Läden und einem vielfältigen kulturellen Angebot.

Wir drehten eine Runde durch die Innenstadt, füllten unsere Vorräte auf und zogen dann weiter Richtung Süden.

Peachland

Auf dem Weg nach Penticton legten wir einen kurzen Stopp in Peachland ein – von wegen Super Mario World! 😉 Der Name kommt nicht von ungefähr, hier werden Unmengen an Pfirsichen (und Kirschen, Äpfeln, Birnen, Pflaumen, etc.) angebaut.

Uns zog es an den Ortsrand zu den Harvey Falls. Ein kurzer Spaziergang durch den bunt gefärbten Herbstwald führte uns zu dem kleinen Wasserfall.

Bunter Herbst

In der Saison kann man hier Lachse beobachten, von diesen (ehrlich gesagt sehr hässlichen Fischen) hatten wir in Alaska allerdings mehr als genug gesehen. Die bunten Blätter und der kleine Wasserfall reichten uns völlig.

Penticton: Wein, See und Geburtstag

Penticton, am südlichen Ende des Okanagan Lakes, gefiel uns auf Anhieb. Mit einem Eis in der Hand schlenderten wir durch die kleine Innenstadt bis zur schön angelegten Seepromenade. Im Sommer muss hier richtig was los sein, aber auch jetzt in der Nebensaison hatte der Ort einen ganz besonderen Charme.

Penticton

Etwas oberhalb der Stadt gönnten wir uns, auf Empfehlung von Reisefreunden, erneut eine Weinverkostung bei Poplar Grove – ein wunderschönes Weingut mit spektakulärer Aussicht auf den Okanagan See.

Weingut Poplar Grove

Das Restaurant sah ebenfalls sehr verlockend aus, aber wir entschieden uns, den Geldbeutel zu schonen.

Wir fanden einen Stellplatz oberhalb der Stadt, direkt zwischen einem Aussichtspunkt und einem BMX-Park, den wir gleich testeten. Die Räder brauchten wir ohnehin, denn am nächsten Tag stand Christians Geburtstag an.

Schon zum fünften Mal feierten wir Christians Geburtstag auf der Reise.
Wie es sich gehört, gab es (gekaufte) Geburtstagstorte und ein ausgiebiges Geburtstags-Frühstück.

Anschließend schwangen wir uns auf die Räder. Unser Ziel: der Kettle Valley Rail Trail. Der Trail ist, wie der Name schon verrät, eine ehemalige Bahnstrecke. Der Trail verläuft durch Penticton und hat insgesamt eine Länge von 660 km. Wir nahmen uns davon nur 31 km vor – plus Rückweg.

Durch Weinfelder und Berge ging es stetig leicht bergauf, den Okanagan Lake immer im Blick. Wirklich wunderschön.

Nach etwa 30 km erreichten wir den knapp 500 Meter langen Adra-Tunnel. Dort stellten wir fest, dass wir unsere Lampen vergessen hatten. Mist! Aber dank der einfallsreichen Kanadier kein Problem: Bei der Einfahrt in den Tunnel, gingen nach und nach Lichter an der Decke an, dank Bewegungsmeldern. Sehr clever! Sogar ein Kronleuchter hing unter der Decke.

Am anderen Ende legten wir eine Pause mit Seeblick ein und radelten anschließend zurück – natürlich nicht ohne eine Weinprobe entlang der Naramata Bench, so wird das Ostufer des Okanagan Sees genannt.
Im kleinen Weingut Serendipity probierten wir fünf hervorragende Rotweine und lernten viel über die spannende Geschichte des kleinen Weinguts. Eine Flasche wanderte in unseren Rucksack, bevor es zurück nach Penticton ging.

Abends feierten wir mit Pizza im Ort weiter. Als die Brauerei um 21:30 Uhr schloss, gingen wir spontan ins Kino gegenüber und schauten den neuen Film mit Keanu Reeves. Genau das Richtige für diesen Tag. Das Geburtstagskind war jedenfalls zufrieden – und das ist ja das Wichtigste.

Geburtstagskind

Insgesamt blieben wir drei volle Tage in Penticton. Neben weiteren Erkundungen besuchten wir noch die Hillside Winery, bevor es abends in die Abandoned Rail Brewery ging, die ebenfalls entlang des Kettle Valley Rail Trails liegt. Hervorragendes Bier und richtig gute kanadische Pizza. Besser konnte es kaum sein.

Hillside Winery

Langsam wurde es aber mal Zeit für eine Alkohol-Pause. 😉

Oliver

Ganz loslassen konnten wir das Okanagan Valley aber noch nicht und fuhren weiter südlich nach Oliver. Dort ließ uns allerdings das Wetterglück im Stich, somit fielen „Stadtbesichtigung“ und weitere Erkundungen buchstäblich ins Wasser.
Wir bezogen einen Stellplatz oberhalb des Skaha Lakes mit Blick Richtung USA – so weit südlich waren wir inzwischen schon.

Zwei Tage saßen wir hier aus, einer davon komplett verregnet. Die geplante Weinprobe im Weingut nebenan fiel daher auch aus. Stattdessen kümmerten wir uns um Admin-Kram, schauten viel Netflix und nutzten einfach mal die Pause.

Auf den Bergen hinter uns fiel der erste Schnee

Nach zwei Tagen ging es zurück nach Oliver für ein paar Erledigungen – und dann langsam wieder Richtung Norden und zurück in die Rocky Mountains – ja, schon wieder. Aber diesmal wartete da was ganz Besonderes auf uns. 🐶🏠

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

Übrigens: Wenn dir unsere Reiseberichte gefallen und du uns auf unserer Reise unterstützen möchtest, freuen wir uns über einen Beitrag in unsere Diesel-Kasse. Das geht ganz einfach mit diesem PayPal Link.

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2025 Blogbeiträge Kanada Nordamerika

Goldener Herbst in den Rocky Mountains – Teil 4

Teil 11 unseres Roadtrips durch Kanada

6. – 15. oktober 2025
British Columbia & Alberta

Wir hatten große Pläne für eine weitere Woche in den kanadischen Rockies. Doch schon bei der Anfahrt Richtung Banff National Park wurde klar, dass der Herbst inzwischen das Kommando übernommen hatte. Auf den Bergspitzen lag der erste Schnee, die Luft war kalt und klar – wunderschön, aber auch ein deutlicher Hinweis darauf, dass die kommenden Tage kein sommerlicher Spaziergang werden würden.

Wie schon so oft bezogen wir erneut den Lake Louise Overflow Parkplatz. Der hing uns zwar inzwischen ein bisschen zum Hals raus, war aber nach wie vor die beste und günstigste Option in der Region. Um den Generatoren der Dickschiffe zu entgehen, stellten wir uns wieder auf die LKW-Seite, die im Zweifel ruhiger ist als der Camperbereich. Von dort ging es am nächsten Morgen sehr früh los – zu einem Wander-Highlight, auf das wir uns besonders gefreut hatten.

Der lange Weg zum Lake O’Hara

Um den Lake O’Hara hatten wir bislang immer einen Bogen gemacht. Der Zugang erfolgt über eine 11 km lange Straße, die für Privatfahrzeuge und seit 2 Jahren leider auch für Fahrräder gesperrt ist. In der Hochsaison gibt es hier einen Shuttlebus. Die Plätze dafür sind begehrt und müssen jedes Jahr bereits im März gebucht werden, kurzfristig hat man praktisch keine Chance und flexibel ist man damit natürlich auch nicht. Und ehrlich gesagt hatten wir bisher auch wenig Lust, erst 11 km zum See zu laufen, dann eine anspruchsvolle Wanderung zu machen und anschließend die 11 km wieder zurückzulatschen.

Aber die Bilder, die ich immer wieder gesehen hatte, waren einfach zu schön. Für Dienstag, den 7. Oktober, war ein gutes Wetterfenster angesagt – also wagten wir es nun doch.

Kurz nach Sonnenaufgang starteten wir bei eisigen Temperaturen und liefen die 11 km lange Straße mit rund 400 Höhenmetern hinauf. Unsere Hoffnung war: Vielleicht für den Rückweg doch noch einen Shuttlebus erwischen, da diese auf dem Rückweg nicht immer voll ausgelastet sind. Vor Ort stellten wir dann fest, dass seit Anfang Oktober überhaupt keine Busse mehr fahren, die Saison war vorbei. Also war klar: Das würde ein sehr langer Tag werden.

Unterwegs zum Lake O’Hara

Nach etwa zwei Stunden erreichten wir den See. Und ehrlich gesagt – der erste Eindruck war überraschend unspektakulär. Der Lake O’Hara selbst haute uns nicht sofort vom Hocker, aber wir sind inzwischen auch ein bisschen verwöhnt. Zum Glück begann der spannende Teil der Tour jetzt erst.

Der Weg führte bald schon steil bergauf und eröffnete erste Fernblicke auf den Mary Lake und die umliegende Bergwelt.

Blick auf Lake Mary

Und von da an wurde es mit jedem Kilometer besser. Der Trail war unglaublich abwechslungsreich, führte durch herbstlichen Wald, in dem die gelben Lärchen schon in den letzten Zügen waren, und bot immer neue Ausblicke.

Lake O’Hara Trail

Am berühmten Aussichtspunkt mit dem Namen „Opabin Prospect“ standen wir schließlich sprachlos über den O’Hara- und Mary Lakes. Einfach wunderschön.

Opabin Prospect

Nach einer Stärkung ging es weiter in den Talschluss hinein und über eine geröllige Felsflanke zurück Richtung Lake O’Hara.

Wir kamen kaum voran, weil wir ständig stehen blieben, schauten und staunten.

Lake O’Hara

Nach einem felsigen Abschnitt erreichten wir den nächsten Talschluss mit dem Lake Oesa, in den ein Gletscher hineinragt. Daneben leuchtete der Victoria Lake in einem unwirklich intensiven Türkis. Alles war viel zu schön, um echt zu sein.

Nach vier Stunden waren wir schließlich zurück am Ufer des Lake O’Hara und machten uns an den laaaangen Rückweg zum Parkplatz. Am Ende standen 32 km und 1.100 Höhenmeter auf der Uhr – und zwei sehr glückliche Menschen am Van. Ein Glück, dass wir uns dieses Highlight nicht entgehen haben lassen.

Zur Übernachtung ging es wieder zurück auf den bekannten Overflow-Parkplatz, bevor wir am nächsten Morgen weiterzogen.

Icefields Parkway – Wintereinbruch im Oktober

Zum dritten Mal in diesem Jahr fuhren wir über den Icefields Parkway (der die Nationalparks Banff und Jasper verbindet), diesmal mit Ziel Mt. Robson Provincial Park nördlich von Banff und Jasper. Von dieser Straße bekommt man eigentlich nie genug – diesmal allerdings sahen wir deutlich weniger als sonst.

Anfangs war der Himmel noch blau mit dichter Bewölkung und gelegentlichen Sonnenfenstern, doch je weiter wir kamen, desto grauer wurde es. Erst nieselte es, dann sahen die Tropfen plötzlich aus wie Schnee. Je näher wir Jasper kamen, desto dichter wurde das Schneetreiben. Die Bäume am Straßenrand waren bereits weiß, die Straße wurde matschig. Erster Schnee am 8. Oktober – ziemlich verrückt.

Am höchsten Punkt des rund 2.000 m hohen Passes standen ein paar tapfere Besucher auf der Glasbrücke, von der man normalerweise eine grandiose Aussicht hat. An diesem Tag gab es: Nebel und Schnee. Bergab ließ der Schnee kurz nach, nahm dann aber noch einmal zu. An der Sunwapta Lodge machten wir Mittagspause und hatten kurz Sorge, ob wir danach überhaupt wieder loskommen würden. Zum Glück ließ der Schneefall nach, zurück blieb nur eine nasse Straße.

Hinter Jasper war vom Schnee fast nichts mehr zu sehen. Am Mt. Robson Park angekommen, sahen wir zwar vom Berg erst einmal gar nichts, aber immerhin hatte es hier nur geregnet – gut für unsere nächste Wanderung, die fast Marathon-Länge hatte…

Wandermarathon auf dem Berg Lake Trail

Entgegen den Google-Infos war das Welcome Center bereits geschlossen. Wir konnten uns also keine aktuellen Infos zu unserer nächsten Wanderung zum Berg Lake Trail holen. Zum Glück hatten wir gut recherchiert und bezogen trotzdem optimistisch einen Platz am Trailhead. Der Berg Lake Trail gilt als eine der schönsten Mehrtageswanderungen in den Rockies und wir (bzw. ich) hatten den ehrgeizigen (irren) Plan gefasst, diese Wanderung in einem Tag zu machen.

Ich lief die ersten zwei Kilometer des Trails ab, denn wir hatten gelesen, dass man die ersten sieben Kilometer der insgesamt 21 km langen Strecke mit dem Mountainbike fahren darf. Trotz Dauerregen war der Weg erstaunlich gut in Schuss. Also packte Christian am Abend die Räder aus, damit wir am nächsten Morgen direkt starten konnten.

Bevor wir schlafen gingen, schaute ich noch einmal nach draußen – und entdeckte einen Zipfel des Mt. Robson. Mit 3.945 m ist er der höchste Berg der kanadischen Rockies. Und wir standen direkt an seinem Fuß.

Moby am Mt. Robson

Der Morgen begann neblig und kalt, aber immerhin mit +4 °C statt der vorhergesagten -4 °C. Dick eingepackt radelten wir durch herbstlichen Wald hinauf zum Kinney Lake, der noch mystisch im Nebel lag. Am Campground stellten wir die Räder ab und starteten unsere Mammutwanderung.

Auf zum Berg Lake

Der Trail war erst in diesem Jahr wieder eröffnet worden, nachdem er 2021 durch einen Erdrutsch stark beschädigt worden war. Entsprechend gut war der Zustand. Zunächst ging es durch moosigen Wald, später über Bäche und Flüsse, stetig bergauf bis zu den Wasserfällen. Zu Beginn lag alles noch in dichtem Nebel, aber nach und nach riss der Himmel auf und wir bekamen die Sonne zu sehen.

Berg Lake Trail

Der beeindruckendste der Wasserfälle war der Emperor Fall, hinter dem der Mt. Robson thront. Inzwischen war der Himmel komplett aufgeklart – kalt, aber perfekte Bedingungen. Wir Glückskinder!

Weiter ging es flacher, am Fluss entlang, über einen gerölligen Abhang und schließlich hinter den Mt. Robson, durch eine Art Flussbett.

🙂

Hier hatte die Sonne noch nicht hingeschienen, die Steine waren spiegelglatt. Beinahe wären wir beide im Eisbad gelandet.

Eis-Hürdenlauf

Nach insgesamt 21,5 km standen wir schließlich am Ziel unserer Wanderung, dem Berg Lake. Der See liegt direkt am Fuße des Mt. Robson und wird von einem seiner Gletscher gespeist – ein unglaublicher Anblick.

Berg Lake

Da kann man schon verstehen, dass sich viele am einfachen Campground am Seeufer niederlassen und ein paar Tage hierbleiben. Aber zelten ist einfach nicht unser Ding.
Nach einer wohlverdienten Pause machten wir uns also wieder auf den Rückweg, der uns noch einmal fantastische Ausblicke bescherte.

Als wir den Kinney Lake wieder erreichten, war die Sonne bereits hinter den Bergen verschwunden. Umso dankbarer waren wir für die Bikes, die uns die letzten sieben Kilometer erleichterten.

Am Ende standen 43,5 km und 1.140 Höhenmeter auf dem Tacho – und die Erkenntnis, dass wir eine sonst drei- bis viertägige Tour an einem Tag geschafft hatten. Neuer Rekord!

Valemount

Am nächsten Tag ließen wir es ruhig angehen und fuhren erst gegen Mittag vom Parkplatz los. Beim Rausfahren trafen wir die Bärlis, aka Anette und Frank, die wir auf der Baja kennengelernt hatten. Mit den beiden verabredeten wir uns für den Abend im Örtchen Valemount.

In Valemount steuerten wir zuerst die Tourist Information an, um zu fragen, ob der dortige Bikepark noch geöffnet sei, der als einer der besten der Region gilt. Ja, bestätigte man uns – großartig. Wir stellten uns an einen Sportplatz, ich kümmerte mich ums Mittagessen und Christian checkte die Räder. Dabei fiel auf: Sein hinterer Dämpfer funktionierte nicht richtig. Leider bestätigte sich der Verdacht – der Dämpfer dämpfte quasi gar nicht mehr und selbst reparieren konnten wir das nicht. Der Bikepark war damit erst mal gestrichen, denn auch der hiesige Fahrradladen hatte leider bereits geschlossen. Wir waren mega enttäuscht.

Also spazierten wir stattdessen durch den kleinen, aber ganz netten Ort. Abends kamen die Bärlis dazu und wir landeten gemeinsam in einer Pizzeria. Es gab überraschend gute Pizza, leckeren Wein und einen sehr schönen, langen Abend im Bärli-Mobil, mit noch mehr Wein.

Der nächste Tag war grau, kalt und regnerisch, auf den Bergen zeigte sich der erste Schnee. Erst am Nachmittag wagten wir uns vor die Tür – vielleicht spielte der Wein vom Vorabend dabei eine kleine Rolle. Gemeinsam mit Anette und Frank liefen wir durch den Cranberry Marsh und verbrachten erneut einen geselligen Abend zu viert, diesmal aber ohne Vino.

Sonntagsspaziergang

Clearwater & Wells Gray Provincial Park

Am nächsten Morgen versorgten wir uns an der örtlichen Eis- und Sporthalle noch mit frischem Wasser. Ein sehr netter Mitarbeiter erklärte uns dabei auch, wie eine Eishockeyfläche gemacht wird: Die Eisfläche wird Schicht für Schicht aufgebaut, indem immer wieder hauchdünne Wasserschichten aufgesprüht werden, die sofort gefrieren. Zwischendurch werden Linien und Markierungen eingelegt, bevor weitere Schichten folgen. Wieder was gelernt.

Dann ging es weiter Richtung Süden nach Clearwater. Nach einem Eis-Stopp bei Dairy Queen fuhren wir direkt in den dortigen Wells Gray Provincial Park – einen Park, den wir ursprünglich gar nicht auf dem Schirm hatten. Dort erwarteten uns zahlreiche spektakuläre Wasserfälle. Besonders beeindruckte uns der Helmcken Falls mit 141 m Fallhöhe, der vierthöchste Wasserfall Kanadas. Lavaflüsse und Gletschereis haben hier eine unglaubliche Landschaft geformt.

Helmcken Falls

Ein kurzer 8 km Hike führte uns auf die andere Seite des Wasserfalls, direkt bis zur 140 Meter hohen, ungesicherten Abbruchkante. Ziemlich beeindruckend – und nichts für schwache Nerven.

Leider war es schon spät am Nachmittag, sodass nur noch Zeit für einen weiteren Wasserfall blieb, der dank dunklem Lavagestein ebenfalls beeindruckte.

In Clearwater übernachteten wir an einem kleinen Sportfeld neben Eishalle und Schule. Da Sonntag war und der folgende Montag Thanksgiving, war es angenehm ruhig. Die Nacht war mit -5 °C eisig. Trotz Sonne und blauem Himmel dauerte es lange, bis wir uns am nächsten Tag nach draußen wagten. Wir nutzten die Zeit aber zum Arbeiten, backten Brot und telefonierten mit Freunden in der Heimat.

Clearwater

Nachmittags packte uns die Lust aufs Radfahren. Christian flickte seinen Dämpfer notdürftig – für die Straße reichte es gerade so. Wir radelten erneut zu den Wasserfällen, machten einen Abstecher zum Triple-Decker-Fall und genossen die herbstliche Stimmung.

Wells Gray Provincial Park
Roter Ahorn

Auch die nächste Nacht verbrachten wir im Ort. Wir arbeiteten an unserem neuen Projekt und radelten am Nachmittag noch einmal los. Am Ortsrand entdeckten wir den Dutch Lake, den örtlichen Badesee mit kleinem Strand und Steg. Verschneite Bergspitzen in der Ferne und bunte Bäume am Seeufer – es sah echt einladend aus.

Dutch Lake

Nach einer dritten Nacht in Clearwater war es Zeit weiterzuziehen. Das Okanagan Valley, die Obst- und Weinregion des Landes, wartete bereits auf uns.

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

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Goldener Herbst in den Rocky Mountains – Teil 3

Und ein bisschen Big City Life – Teil 10 unseres Roadtrips durch Kanada

22. september – 5. oktober 2025
alberta

Kananaskis Country

Nach den ganzen Nationalparks war unser nächstes Ziel Kananaskis Country, eine Art Provincial Park, im Vorland der Rocky Mountains, der somit leider nicht in unserem Nationalparks-Pass enthalten ist und mit 15 CAD pro Besuchstag zu Buche schlägt.

Christian hatte aber herausgefunden, dass der Eintritt am 22. September aufgrund eines regionalen Feiertags frei war. Also legten wir unseren ersten Besuch und unsere Wunschwanderung genau auf diesen Tag.

Genau wie in den Nationalparks ist auch in Kananaskis das Freistehen verboten und wird geahndet. Zudem hatten alle Campingplätze bereits geschlossen, da hier der September bereits als Wintersaison gilt, was wir extrem komisch fanden, da immer noch Hochsaison war. Uns blieb also nur übrig, einen Platz zwischen Nationalpark und Provincial Park zu finden, wo Wildcampen erlaubt ist. Da gab es genau einen Ort am Seebe Dam und das hatten natürlich auch andere mitbekommen, entsprechend voll war es dort. Wir fanden trotzdem noch einen guten Platz, auf dem sich etwas später ein PKW-Camper zu uns gesellte. So weit, so gut.

Gegen 23 Uhr fuhr dann plötzlich noch ein PKW auf die freie Fläche zwischen uns. Zwar eng, aber es hätte gerade noch gepasst. Zu unserer Überraschung rangierte der Wagen aber weiter und parkte schließlich direkt hinter uns, quer hinter unserem Heck – also genau dort, wo unser Schlafzimmer ist. So eng, dass wir nicht mal mehr die Türen öffnen konnten, geschweige denn am nächsten Morgen von den Auffahrkeilen heruntergekommen wären.

Christian ging raus und klopfte an, um erstmal nachzufragen, ob alles okay sei. Die Fahrerin, eine offenbar alleinreisende Dame mit osteuropäischem Akzent, wunderte sich über diese Frage. Christian erklärte freundlich, dass sie uns etwas zu sehr auf die Pelle rückte, und bat sie, umzuparken und sich z. B. neben uns zu stellen. Ihre harsche Antwort: „No, this is not your country.“ Aha. So eine also.

Sie erklärte weiter, dass sie am Abend zuvor schon hier gestanden hätte und es für sie kein Problem sei, so nah bei uns zu stehen. Dass sie uns blockierte und es uns eben sehr wohl störte, interessierte sie nicht. Es folgte eine Diskussion, in der sie sich komplett uneinsichtig zeigte und uns schließlich nahelegte, doch einfach zu gehen. Die anderen freien Plätze um uns herum ignorierte sie – sie wollte genau dort stehen.

So etwas ist uns in vier Jahren Vanlife auch noch nicht passiert. Schließlich parkte sie doch so um, dass wir zumindest unsere Türen öffnen konnten. Zu mehr war sie nicht bereit. Ihr nächtliches Gewusel neben uns ging bis halb zwei und nervte uns entsprechend.

Wir legten am nächsten Morgen um 6 Uhr früh ab, was ihr sicher nicht verborgen blieb. Ihre Nacht dürfte also ebenfalls kurz gewesen sein. Auf Nimmerwiedersehen.

Kuschel-Camping

Tent Ridge Trail

Kananaskis Country begrüßte uns dann in der Morgendämmerung und mit einer beeindruckenden, leuchtenden Bergkulisse. Ein ziemlich guter Start, auch wenn die 30 km lange Wellblechpiste dorthin ganz schön nervig war. Auf dem sich bereits füllenden Wanderparkplatz frühstückten wir dann erstmal und beobachteten zufällig, wie eine Elchkuh hinter uns im Gebüsch verschwand.

Dann ging es los: 10,5 Kilometer und 800 Höhenmeter lagen auf dem Weg zum Tent Ridge (Zelt-Grat)  vor uns – also gut machbar. Zum ersten Mal in dieser Saison hatten wir Minusgrade, als wir losliefen, doch das änderte sich schnell. Die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel und wir liefen durch den gelb leuchtenden Lärchenwald stetig bergauf, sodass uns rasch warm wurde.

Wanderung zum Tent Ridge

Nach der Baumgrenze wurde es steinig, felsig und vor allem: steil! Dafür waren die Höhenmeter schnell geschafft und wir hatten von Beginn an eine gigantische Aussicht auf den großen Spray Lake, der wunderbar blau hinter uns leuchtete.

Wir kletterten weiter hinauf, teilweise wieder auf allen Vieren, bis wir schließlich den Grat erreichten. Ab hier wurde es etwas flacher und wir folgten dem hufeisenförmigen Ridge. Einfach nur wow.

Tent Ridge Trail

Auf der Hälfte folgte noch ein kurzer Abstieg mit anschließendem steilen Gegenanstieg, bevor wir den höchsten Punkt auf etwa 2.530 Metern erreichten. Rundherum nur Berge, der See und dieser schmale Grat, der wie ein Hufeisen aus der Landschaft stach.

Der Wind nahm zu, aber wir liefen weiter bis zum Ende des Hufeisens, wo der gesamte Spray Lake vor uns lag. Links konnten wir sogar bis in den Banff-Nationalpark schauen. Absolut gigantisch schön!

Wir unterhielten uns kurz mit einem netten Paar aus Denver und stiegen dann für unsere Pause ein Stück ab, weil es auf dem Ridge zu windig war. Etwas geschützter ließen wir uns inmitten der Lärchen unser obligatorisches Käsebrot schmecken – und beobachteten plötzlich, wie ein großer Grizzly etwa 100 Meter unter uns aus dem Unterholz trabte. Dort saßen auch die beiden aus Denver, die sofort aufsprangen und ihr Bärenspray bereithielten. Zum Glück drehte der Grizzly wieder ab. Wach waren danach auf jeden Fall alle und die beiden haben zu Hause was zu erzählen.

Durch die gelben Lärchen ging es steil zurück zum Van, und für uns war klar: Diese Wanderung gehört zu den Top 3 Hikes in den Rockies. Die restlichen 30 Kilometer Wellblechpiste durch Kananaskis Country nahmen wir dafür gern in Kauf, zumal sie uns am Ufer des Spray Lakes vorbeiführten, der auch von hier unten einfach nur wunderschön aussah.

Canmore

Es ging weiter nach Canmore und dort angekommen, waren wir überrascht, wie hübsch diese Kleinstadt, inmitten der Berge, ist. Das hatten wir gar nicht erwartet. Leider gab es hier aber auch viel zu viele Möglichkeiten, Geld auszugeben – in Cafés, Restaurants und Outdoorshops. Aus Selbstschutz beschränkten wir uns darauf, mit dem Van durch die Stadt zu fahren und Lebensmittel einzukaufen.

Canmore

Im Visitor Center holten wir uns Infos zu Wanderungen und Biketrails und wurden noch einmal über das etwas komplizierte System mit den verschiedenen Parks aufgeklärt. Letztlich ist fast alles gebührenpflichtig, selbst das Nordic-Center-Gelände, auf dem das Visitor Center steht und wo die Biketrails verlaufen.
Freistehen war im Ort unmöglich, der einzige legale Platz war aktuell eine Baustelle, die umliegenden Campingplätze waren hässlich, direkt an den Bahngleisen gelegen und teuer. Also wagten wir es und verbrachten die Nacht illegal auf dem einsamen Parkplatz eines Golfplatzes.

Der nächste Tag begann mit Haushalt und Laundry, bevor wir am Nachmittag die Biketrails rund um das Nordic Center unsicher machten. Wieder einmal fanden wir genial angelegte Trails vor, von daher waren die 15 CAD auch irgendwie gerechtfertigt.

Canmore Bike Trails

Eine zweite Nacht am Golfplatz folgte, bevor wir am nächsten Morgen, mit dem farbenfrohen Sonnenaufgang, erneut früh aufbrachen und zurück in den Kananaskis Country Provincial Park fuhren.

Pocaterra Ridge Trail

Um sechs Uhr morgens ging es los, wieder rund 99 Kilometer bis zum Trailhead (diesmal zum Glück geteert). Wir frühstückten, packten unsere Sachen und starteten auf den Pocaterra Ridge Trail, der als DER Larch-Hike im Park gilt. Rückblickend können wir das nur bedingt nachvollziehen: Die Lärchen gibt es vor allem auf den ersten zwei Kilometern.

Danach geht es extrem steil hinauf ins alpine Gelände – definitiv nichts für Spaziergänger und Baumgucker. Bäume gibt es dort oben nämlich keine mehr, dafür aber unglaubliche Aussichten.

Pocaterra Ridge

Der Ridge verläuft geradlinig und hat drei kleine Gipfel entlang des Weges. Normalerweise steigt man auf der anderen Seite ab und braucht entweder ein zweites Auto, einen Shuttle, oder man läuft fünf Kilometer am Highway entlang. Alles keine Optionen für uns, also liefen wir bis zum Ende des Grats und dann denselben Weg zurück – bei der Aussicht ist das unserer Meinung nach ohnehin die beste Lösung.

Pocaterra Ridge

Mit sechs Kilometern one way und rund 900 Höhenmetern war der Trail zwar nicht lang, aber der Auf- und Abstieg hatte es ordentlich in sich.

Pocaterra Ridge

Nach unserem Wander-Käsebrot auf dem Gipfel ging es wieder steil hinab. Ich schnallte die Microspikes an, was auf dem rutschigen, sandigen Boden perfekten Grip gab. Durch den gelb leuchtenden Lärchenwald ging es zurück, und kurz vor Schluss begegnete uns noch eine kleine Herde Rocky Mountain Sheeps (Dickhornschafe) – ein perfekter Abschluss für eine mal wieder spektakuläre Wanderung.

Dickhornschafe

Ungeplant nach Calgary

Nach Canmore wollten wir wegen der Parksituation nicht zurück und steuerten daher erneut den einzigen freien Wildcamping-Platz am Seebe Dam an. Diesmal fanden wir auch eine Stelle, an der uns niemand zu nahekommen konnte, und hatten eine deutlich ruhigere Nacht. Zwei nette Angler schenkten uns sogar noch eine frisch gefangene Forelle – man muss die Kanadier einfach mögen!

Wir stellten uns auf einen ruhigen Arbeitstag am Fluss ein, doch es kam mal wieder anders. Morgens streikte plötzlich unsere Starlink-Antenne. Christian testete alles Mögliche und führte diverse Messungen durch, aber irgendetwas schien wirklich kaputt zu sein. Statt einen ruhigen Tag am Fluss zu verbringen, machten wir uns also ungeplant auf den Weg nach Calgary, um dem Problem auf den Grund zu gehen.

Dort hatten wir tatsächlich Glück: Wir fanden jemanden, der Starlink-Systeme verleiht und uns in seinem Vorgarten ein paar Tests mit seinen Geräten und unserem Setup durchführen ließ. Das Ergebnis war eindeutig – alles funktionierte, nur unsere Antenne nicht. Nach gerade mal anderthalb Jahren hatte sie nun scheinbar ihren Dienst quittiert. Ziemlich ärgerlich, auch wenn das Teil vermutlich nie dafür gedacht war, dauerhaft auf 2,75 Meter Höhe auf einem Van durch die Prärie zu brettern.

Tom, der Typ mit dem Verleih-Business, war extrem hilfsbereit und machte uns mehrere Angebote – umgebaute Systeme, eine ältere Antenne – aber wir entschieden uns erstmal für den offiziellen Weg über den Kundendienst. Nach einigem Hin und Her erklärte sich der Starlink-Support schließlich bereit, 80 Prozent der Kosten für eine neue Starlink-Mini-Antenne zu übernehmen. Das war für uns die beste Lösung, also war das Thema zumindest vorläufig geklärt.

Da wir nun ohnehin schon in Calgary waren, schauten wir uns die Stadt etwas genauer an. Calgary gefällt uns von allen kanadischen Städten, die wir bisher kennengelernt haben, mit Abstand am besten. Es gibt zwar nicht wahnsinnig viel kulturelles Angebot, keine spannenden Museen oder Ausstellungen, aber die Atmosphäre ist total angenehm. Trotz Hochhäusern wirkt die Stadt irgendwie gemütlich und weniger hektisch als andere Millionenstädte.

Wir fuhren auf den 191 Meter hohen Calgary Tower, der zwar etwas in die Jahre gekommen ist, aber schöne Ausblicke über die Stadt bis hinüber zu den Rockies bietet.

Calgary Tower
Glasboden-Plattform
Calgary Tower

Auch die Innenstadt selbst gefiel uns gut – viele Restaurants, verlockende Happy-Hour-Locations, Thrift Stores und kleine Boutiquen und Läden. Wir setzten allerdings bewusst die Scheuklappen auf, um nicht in Versuchung zu geraten und zu viel Geld auszugeben.

Übernachten konnten wir in der Nähe des Kensington-Viertels an einem kleinen Park, herrlich ruhig gelegen und mit Skyline Blick.

Moby & die Calgary Skyline

Hier grillten wir auch endlich die Forelle (am Straßenrand), die uns die Angler zuvor geschenkt hatten. Ein dann doch noch ganz guter Abschluss für unseren ersten Calgary-Besuch.

Wir wussten allerdings schon: Wir kommen bald wieder. Jetzt hatten wir aber erstmal ein paar Termine in Edmonton.

Edmonton

Es ging als zurück ins 300 km entfernte Edmonton, nicht etwa, weil uns die Stadt besonders gut gefällt – eher im Gegenteil –, sondern aus zwei ganz pragmatischen Gründen: Wir hatten sehr günstige Tickets für das dortige Bryan-Adams-Konzert ergattert und wollten außerdem den Tausch unserer Motorhalterung in einer Ducato-kompetenten Werkstatt erledigen lassen.

Samstagnachmittag kamen wir in Edmonton an und bezogen wieder unseren altbewährten Platz im River Valley, in der Nähe von Downtown. Von dort ging es am frühen Abend in die Stadt, wo wir uns vor dem Konzert noch einen Donair gönnten – die kanadisch-türkische Version eines Döners, irgendwo zwischen Kebab und Dürüm, aber wirklich lecker.

Das Konzert fand im neuen Eishockey-Stadion von Edmonton statt, alles super organisiert. Die Vorband „The Sheepdogs“ war nicht ganz unser Ding, Bryan Adams dafür umso mehr. Zweieinhalb Stunden lang spielte er sich quer durch alle seine Hits, die Show war deutlich aufwändiger und besser, als wir erwartet hatten, inkl. fliegender Show-Elemente und Leuchtarmbänder für alle Gäste.

Bryan Adams

Auf dem Rückweg spazierten wir noch am Neonsign-Outdoor-Museum vorbei, das nachts deutlich mehr hermacht als tagsüber.

Am nächsten Tag zeichnete sich dann aber das nächste Problem ab: Unser Paket mit div. Ersatzteile und Christians neuen Kreditkarten aus Deutschland steckte fest. DHL hatte es an die kanadische Post übergeben – ausgerechnet in der Woche, in der diese in den Streik getreten war. Das Paket ging zurück in die Niederlande, nur um zwei Tage später wieder in einen Flieger nach Kanada verladen zu werden. DHL konnte nichts tun, die kanadische Post war im Streik und unerreichbar, und wir hatten den Salat: kein Ersatzteil, keine Kreditkarten, keine Wasserfilter. Super.

Den Sonntag nutzten wir daher erstmal anderweitig und kümmerten uns um mein Fahrrad. Am Hinterrad war der Freilauf kaputt, das Ersatzteil hatten wir in Calgary bereits besorgt. Christian tauschte das Teil aus und wir machten danach eine ausgedehnte und erfolgreiche Testrunde durchs River Valley. Entlang des Flusses zieht sich ein scheinbar endloser Fahrradweg durch die Stadt, wirklich schön angelegt und für uns ehrlich gesagt das einzige echte Highlight von Edmonton.

MTB in Edmonton

Wir fuhren durch hübsche und für Halloween dekorierte Wohngegenden und entdeckten sogar einen Messerschmidt-Kabinenroller mit Kennzeichen aus dem Rhein-Main-Gebiet – mitten in Kanada.

Messerschmidt Kabinenroller

Am Montag ging es dann in die Werkstatt. Zwar immer noch ohne unser Paket, aber es standen ohnehin noch weitere Arbeiten an: der Austausch der Getriebedichtung und die Reinigung des Turbokühlers, in dem noch altes Öl klebte. Leider stellte sich heraus, dass die Getriebedichtung, die wir bei Chrysler in Alaska gekauft hatten, minimal anders war als das originale Fiat-Teil und wohl doch nicht passte. Zum Glück bemerkte der Mechaniker das, bevor alles auseinandergebaut war.

Die (halbwegs) gute Nachricht: Die alte Dichtung schwitzte nur leicht, es war also weiterhin kein akutes Problem. Außerdem konnte einer der Mechaniker die Motorhalterung von Chrysler noch einmal mit dem originalen Fiat-Teil vergleichen (unsere steckte ja im Paket fest) und war sich sicher, dass sie passen würde. Also bestellten sie das Teil und wir verbrachten die Wartezeit außerhalb der Stadt an einem ruhigen Parkplatz am Fluss. Hier ließen sich die zwei Tage bei usseligem Wetter aussitzen. Wir arbeiteten ein bisschen, nahmen die neue Starlink-Mini-Antenne in Betrieb und gingen zwischendurch mal eine Runde laufen, um keinen Lagerkoller zu bekommen.

Zwei Tage später war das Chrysler-Teil da und der Austausch konnte endlich stattfinden. Die Motorhalterung passte perfekt, obwohl sie anders aussah, und auch die Reinigung des Turbokühlers verlief problemlos. Der Van läuft seitdem ruhiger (sagt mein Mann), und vor allem das Bollern des Motors ist weg – Halleluja. Der einzige Wehrmutstropfen kam beim Bezahlen: Während die Motorhalterung aus Deutschland gerade mal 68 Euro gekostet hatte, schlug das Teil von Chrysler mit 318 CAD (200 €) zu Buche. Also drei Mal so viel. Tat weh, half aber nichts.

Nach der Werkstatt kehrten wir noch einmal an unseren Platz am Fluss zurück. Am letzten Abend wurden wir dort sogar von zarten Polarlichtern verabschiedet – ein ziemlich schöner Abschluss dieser eher organisatorisch-chaotischen Tage.

Zarte Polarlichter in Edmonton

Zurück in Calgary

Am nächsten Morgen ließen wir Edmonton endgültig hinter uns und fuhren wieder zurück nach Calgary. Dieses Mal mit funktionierendem Starlink und etwas mehr Zeit.

Wir schlossen uns einer Walking Tour an, die wieder etwas zu lang war, aber immerhin ein bisschen Wissen rund um die Stadt vermittelte. So erfuhren wir z. B., warum es hier so viele „Skywalks“ gibt – das sind verglaste Übergänge, die Gebäude miteinander verbinden. Diese spannen sich durch die gesamte Innenstadt und erlauben den Leuten, im Winter im Warmen von A nach B zu kommen – denn auch in Calgary werden es gerne mal zwischen -20 und -30 Grad im Winter.

Calgary
Calgary

Am besten gefiel uns aber doch das kleine, bunte Kensington Viertel, an dessen Rand wir wieder am Riley Park campten.

Wenn wir nicht gerade durch die Stadt liefen, nutzten wir die Zeit weiter zum Arbeiten und für ein paar Besorgungen. Unser neues Starlink Setup brauchte noch ein paar Teile, und dann hatten wir mal wieder Glück – die Mini-Antenne ging in den Sale und Best Buy (die lokale Version von Media Markt) matchte den Preisunterschied, sodass wir 210 CAD erstattet bekamen. Woohoo!

Es kündigte sich aber nun ernsthaft der Herbst an, es wurde nachts schon fast frostig, und da wir noch ein bisschen in Kanada bleiben werden, war klar, dass wir klamottentechnisch etwas aufrüsten müssen. Daher gab es noch einen kleinen Shoppingtrip, bevor wir uns nach 4 Tagen in der Stadt noch mal auf den Weg in die Rockies machten…🤩 Von den Bergen bekommen wir einfach nicht genug.

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

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