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Express-Roadtrip durch den Mittleren Westen

Teil 21 unseres Roadtrips durch die USA

22. – 26. juli 2026
South Dakota

Wir kehrten Colorado den Rücken zu und machten uns auf in den Mittleren Westen. Ein laaaanger Fahrtag führte uns quer durch Wyoming, bis wir schließlich in South Dakota ankamen und dort Kurs auf den berühmten Mt. Rushmore nahmen. Dass wir mal in diese entlegene Ecke der USA kommen würden, hätten wir wirklich nicht gedacht.

Mount Rushmore & Crazy Horse

Zuerst kamen wir aber an Crazy Horse vorbei – das ist nicht nur die Band von Neil Young, sondern eine wichtige Persönlichkeit der First Nations der USA. Die Statue bzw. die Bergschnitzerei befindet sich seit vielen Jahren im Bau und wird es vermutlich auch noch viele weitere Jahre sein, bisher ist nur ein Teil des Oberkörpers von Crazy Horse zu erkennen.

Crazy Horse

Uns genügte der Blick von der Straße, die teure Tour sparten wir uns. Das Crazy Horse Memorial ist als Gegenstück zu Mount Rushmore gedacht und soll an die Geschichte und Kultur der Native Americans erinnern. Der Lakota-Häuptling Henry Standing Bear hatte die Idee für das Monument, um die eigenen Helden und die indigene Geschichte sichtbarer zu machen.

Wenige Kilometer weiter, lugte dann plötzlich ein Gesicht aus dem Berg – George Washington.

Wir fuhren die Straße weiter und kamen schließlich am berühmten Mt. Rushmore an. Auch dort sparten wir uns aber den Eintritt, der Blick im Vorbeifahren genügte uns.

Mt. Rushmore

Im Mt. Rushmore sind George Washington, Thomas Jefferson, Abraham Lincoln und Theodore Roosevelt verewigt. Diese vier Persönlichkeiten hatte der Bildhauer Gutzon Borglum ausgewählt, weil sie für ihn wichtige Etappen der amerikanischen Geschichte verkörperten: Washington für die Gründung, Jefferson für die Expansion, Lincoln für den Erhalt der Nation und Roosevelt für ihre Entwicklung.
Die Idee für das Monument war außerdem ganz pragmatisch entstanden: South Dakota wollte mit der riesigen Skulptur mehr Touristen in die sonst eher karge Region locken. Das schien zu funktionieren, der Besucherparkplatz war gut gefüllt.

Wir fuhren aber weiter und landeten im Custer State Park, durch den eine Panoramastraße führt, die durch schmale Tunnel und durch den Wald verläuft und immer wieder Ausblicke auf die vier Stein-Nasen im Berg bietet.

Man muss es wissen, aber Mt. Rushmore ist da.

Schon ein verrückter Anblick. Innerhalb des National Forest fanden wir einen schönen Platz für die Nacht und am nächsten Morgen fuhren wir dem Mt. Rushmore noch mal ein Stück entgegen, um noch mal einen Blick bei besserem Licht zu erhaschen.

Blick von der Straße – da kann man sich den Eintritt wirklich sparen.

Dann reichte es uns mit dieser Attraktion und wir zogen weiter zur nächsten Touri-Falle…

Wall Drug und die Badlands

Auf dem Weg in den Badlands Nationalpark legten wir einen Stopp in der Kleinstadt Wall ein. Dort lockte der Wall Drugstore als Attraktion am Straßenrand. Was als kleine Apotheke begann, die dafür bekannt war, Überlandreisende mit kostenlosem Wasser zu versorgen, ist heute eine Shoppinghölle mit allerhand Kram und Kitsch. Man kann immer noch Aspirin und Co. kaufen, aber auch hässliche Souvenirs, Cowboykleidung, Süßigkeiten, Staubfänger, Tand, Mist, Plüschtiere und alles, was man sonst nicht braucht.

Der Mann kann einfach alles tragen!
🙂

Sogar eine kleine Kapelle gab es mittendrin, falls man noch ein Stoßgebet gen Himmel schicken wollte. Wir drehten eine Runde durch dieses bunte Irrenhaus, amüsierten uns über so manche Eigentümlichkeit, wie z. B. den Jackalope.

Der Jackalope ist ein amerikanisches Fabelwesen, das angeblich ein Hase mit Antilopenhörnern ist und vor allem durch alte Geschichten und die Vermarktung als skurrile Wild-West-Legende bekannt wurde.

Wir zogen weiter und erreichten den Badlands Nationalpark, der für seine bizarren Felsformationen und Erosionslandschaft bekannt ist. Leider war das Wetter nicht auf unserer Seite, daher fuhren wir erstmal nur durch und nahmen bei leichtem Nieselregen einige Fotostopps entlang der Panoramastraße mit. Durch das trübe Wetter kamen die unterschiedlichen Farben der Sand-, Ton- und Schluffsteine leider nicht so zur Geltung.

Die Badlands sind über Millionen Jahre aus verschiedenen abgelagerten Gesteinsschichten entstanden, die anschließend durch Wasser und Wind wieder abgetragen wurden. Der Name stammt von den Lakota, die die Gegend „mako sica“, also „bad lands“, nannten, weil das zerklüftete Gelände, der klebrige Lehm bei Regen und die wenigen Wasserstellen das Durchqueren ziemlich schwierig machten.

Der nächste Tag versprach besseres Wetter und wir freuten uns darauf ein bisschen mehr vom Park zu erkunden.

Etwa 30 Minuten außerhalb des Parks fanden wir einen einsamen Stellplatz auf einer Wiese im Nirgendwo. Dort saßen wir den Regen aus und wurden am nächsten Morgen mit einem nebligen Sonnenaufgang begrüßt, der gute Bedingungen für den Nationalpark versprach.

Frühmorgens fuhren wir also wieder in den Park, platzierten uns am Trailhead des Notch Trails, frühstückten und schnürten anschließend die Wanderschuhe. Die Trails im Park waren allesamt sehr kurz, aber dennoch kamen wir dort auf unsere Kosten. Zunächst liefen wir ein Stück durch die irren Felsformationen, die links und rechts von uns in den Himmel ragten. Ein bisschen eine Mischung aus Death Valley und Bryce Canyon.

Badlands

Über eine etwas wackelige Strickleiter-Vorrichtung ging es schließlich hinauf in die Felsen, an einer Kante entlang und bis zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man bis in die angrenzende, scheinbar endlose Prärie schauen konnte. Schon verrückt, dass dieser Park mitten im wüstenartigen Nichts liegt.

Wir liefen drei kurze Trails, die immer wieder beeindruckende Aus- und Weitblicke boten – aber irgendwann war es dann auch genug, zumal es ganz schön heiß wurde und Schatten dort so gut wie nicht vorhanden war.

Zufrieden zogen wir weiter, kamen aber nicht weit. Kurz vor den Toren des Parks entdeckten wir Präriehunde am Straßenrand. Sowas Goldiges!

Präriedog

Die süßen kleinen Verwandten der Erdhörnchen waren Menschen scheinbar gewöhnt und ließen uns recht nah ran, ohne sich beim Spielen, Graben und Zanken stören zu lassen. Was für ein schöner Abschluss!

Sioux Falls

Wir legten noch ein paar Fahrstunden ein und erreichten schließlich den Osten von South Dakota, wo wir im Ort Sioux Falls landeten. Der Ort ist bekannt für seinen Wasserfall, den der Sioux River mitten in der Innenstadt bildet.

Schon ein verrücktes Bild – im Hintergrund die Hochhäuser und davor eine Parkanlage mit einem breiten Fluss und eben den kaskadenförmigen Wasserfällen.

Wir vertraten uns dort noch ein bisschen die Beine und verbrachten dann eine laute Nacht auf dem Parkplatz eines Cracker Barrels – das ist eine Mischung aus Country Store und Restaurant. Nicht gerade idyllisch, aber so ist es eben manchmal beim Vanlife.

Weiter durch den Mittleren Westen

Nach der eher unruhigen Nacht legten wir erneut einen langen Fahrtag ein. Einmal quer durch Minnesota, bis nach Wisconsin. Dort begrüßten uns erstaunlich viele deutsche Namen – sowohl Orte wie Kiel, Rhinelander oder Hamburg, als auch deutsch klingende Nachnamen wie Maier, Meyer und Meier in allen Formen, aber auch kreativeres wie Schwerdtfeger oder Schoenfeld.

Das kommt nicht von ungefähr: Deutsche Einwanderer waren im 19. Jahrhundert die größte Einwanderergruppe in Wisconsin und ließen sich dort vor allem wegen der guten landwirtschaftlichen Möglichkeiten und der wachsenden Städte nieder. Auch religiöse Gruppen wie Mennoniten und Amish gehörten zu diesen Einwanderern bzw. stammten aus dieser europäischen Tradition. Beide Gruppen gehen auf die täuferische Bewegung der Reformationszeit zurück, wobei sich die Amish im 17. Jahrhundert als strengere Gruppe von den Mennoniten abspalteten.

An einem kleinen Park an einem Fluss fanden wir unseren Platz für die Nacht und wurden bald durch Hufgetrappel aufmerksam. Wir sahen Dutzende schwarze Kutschen, Frauen mit weißen Häubchen, Männer mit auffälligen Bärten und Hosenträgern – wir waren also mitten unter Mennoniten und Amish gelandet. Die Leute waren alle distanziert, blieben für sich und winkten uns aber nett im Vorbeifahren zu. Dennoch ein ungewöhnlicher Anblick in der heutigen Zeit.

Nach einer wieder mal ruhigen Nacht, ging es am nächsten Morgen gleich weiter. Wir wollten den eher langweiligen Midwest hinter uns lassen und nahmen die großen Seen an der Grenze zu Kanada in Angriff.

Aber dazu demnächst mehr. 😊

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