Teil 19 unseres Roadtrips durch Kanada
3. – 20. September 2026
Neufundland
Von North Sydney, in Nova Scotia, stand uns mal wieder eine längere Fährfahrt bevor, denn Neufundland, Kanadas östlichste Provinz, ist eine Insel.
Ich dachte ja lange, dass Neufundland ein eigenständiges Land ist. Für alle denen das vielleicht auch so geht, hier ein kurzer Geschichtskurs:
Neufundland war zunächst eine britische Kolonie und später ein eigenständiges Dominion, verlor aber während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren seine Selbstverwaltung und wurde dann von Großbritannien verwaltet. 1948 stimmte eine knappe Mehrheit in einer Volksabstimmung für den Beitritt zu Kanada, der am 31. März 1949 offiziell erfolgte. Seitdem ist Neufundland eine Provinz von Kanada.
Zwei Stunden vor Abfahrt ging es zum Fährterminal. Das Boarding begann pünktlich und war super organisiert – man merkte, dass sie das nicht zum ersten Mal machten. 😉
Moby hatte einen schönen Platz im Inneren des Schiffs und wir bezogen zwei bequeme Sessel im Cafeteria Bereich.
Sechs Stunden dauerte die Überfahrt nach Port aux Basques, ganz im Südwesten von Neufundland. Und ich muss sagen, das war wahrscheinlich die ruhigste und entspannteste Fährfahrt aller Zeiten. Das Meer war spiegelglatt, ich merkte gar nicht, dass wir auf einem Schiff waren. Selbst auf den Außendecks war es die ganze Fahrt über windstill.
Wir vertrieben uns die Zeit mit Arbeiten und Filme schauen, blätterten in den Neufundland-Reiseführern und dann war auch schon wieder Land in Sicht.
Willkommen in Neufundland
Die Insel begrüßte uns mit schönem Abendlicht. Etwa 20 Minuten außerhalb des Fährterminals fanden wir am Harvey Trail in Isle aux Morts einen schönen Platz direkt am Wasser. Ein kleiner Aussichtspunkt gab uns einen guten Vorgeschmack auf das, was uns auf der Insel erwarten würde. So schön!






Am nächsten Morgen liefen wir bei schönstem Wetter den Harvey Trail, immer an der wilden Küste entlang. Wow, das war noch mal eine ganz andere Seite von Kanada – im wahrsten Sinne des Wortes – und erinnerte uns an Länder, in denen wir noch gar nicht gewesen waren, wie Norwegen, Grönland oder Schottland, aber auch an einige Ecken in Island oder Irland. Wunderschön, wild und grün.









Leider war für die nächsten Tage eine starke Regenfront vorhergesagt. Also überlegten wir, was wir tun sollten. Eigentlich hatten wir zuerst den Gros Morne Nationalpark im Westen besuchen wollen, aber mit diesen Aussichten machte das so gar keinen Sinn. Deshalb beschlossen wir, erst einmal weiterzuziehen, Richtung Ostküste, und unterwegs so viel mitzunehmen, wie das Wetter zuließ.
Stürmische Zeiten
Weit kamen wir zunächst nicht, denn da lag noch eine nette kleine Wanderung auf unserem Weg und das Wetter war noch OK, dachten wir. Am Starlite Trail schnürten wir erneut die Wanderschuhe und machten uns auf. Durch den Wald ging es im Zickzack steil hinauf, bis wir die Baumgrenze passierten – und erst dort merkten, wie stürmisch es plötzlich war.
Der matschige, steile Weg wurde durch die krassen Windböen zur Herausforderung. Mehrfach musste ich anhalten, um nicht im Gehen umgeweht zu werden. Crazy!


Oben angekommen, war es so heftig, dass ich nur schnell ein Foto von der Aussicht schoss und mich direkt wieder umdrehte, um abzusteigen. Der Wind war einfach zu stark, sodass wir den eigentlichen Gipfel des Weges diesmal gar nicht erreichten. Schade, aber dennoch war die Aussicht auch von dort schon schön. Und wir wussten jetzt, dass das Wetter auf Neufundland nicht zu unterschätzen war.
Wir zogen weiter und erreichten Cape St. George, wo wir einen schönen Platz an den Hidden Falls fanden. Vor uns lag der kleine Wasserfall, hinter uns direkt das Meer. In beide Richtungen gab es einen kleinen Spazierweg, der tolle An- und Ausblicke bot – und es regnete noch nicht. Was will man mehr?



Wir verbrachten eine ruhige Nacht dort, in der uns der Regen dann aber doch einholte. Dennoch fand ich morgens ein kurzes trockenes Zeitfenster für eine Runde Sport, dann konnte es weitergehen. Ab in die Regenfront!
Es verschlug uns nach Corner Brook, einfach weil es dort alle großen Supermärkte gab und wir uns mit allem Nötigen eindecken konnten. Außerdem hatten wir den Ersatzmotor für unsere bereits zum zweiten Mal defekte Dachhaube dorthin senden lassen. Die Abholung klappte einwandfrei, die Vorräte waren gefüllt und es schüttete wie aus Eimern.
Dazu war es sehr windig und ich bemerkte plötzlich, dass eines unserer Heckfenster von innen nass war. Es tropfte richtig rein. Scheiße! Wir hatten noch nie mit undichten Fenstern am Heck zu kämpfen. Doch es stellte sich heraus, dass es nur am heftigen Wind lag, der das Wasser reindrückte. Kaum hatten wir den Van gedreht, mit der Schnauze zum Wind, trat kein Wasser mehr ein. Wir dichteten das Fenster natürlich trotzdem mit Duct Tape ab, sicher ist sicher, denn der Regen würde uns ja noch eine Weile erhalten bleiben.
Etwas oberhalb der Stadt fanden wir beim James-Cook-Denkmal unseren Platz für die Nacht. Dort waren wir durch Bäume etwas windgeschützt und lernten nebenbei noch ein paar Fakten über Herrn Cook, der uns aus Hawaii und Tahiti ja schon bestens bekannt war.
Nach einer feuchtfröhlichen Nacht (haha) ging es dann weiter Richtung Osten.
Ein langer, verregneter und windiger Fahrtag brachte uns bis nach Charlottetown, wo wir einfach an einer kleinen Anglerhütte parkten. Wir hatten noch nicht einmal den Motor ausgestellt, da fuhr schon ein PKW neben uns und machte die Scheibe runter. Wir dachten schon, wir würden weggeschickt, aber ganz im Gegenteil!
Es war ein netter Herr aus dem Ort, der einfach neugierig war, wo wir herkamen, wo wir schon gewesen waren und so weiter. Er erzählte und erzählte, fragte und fragte. Wir hatten schon gehört, dass die Neufundländer besonders freundlich und gesprächig sind, spätestens jetzt bestätigte sich das.
Der nette Herr hieß uns herzlich willkommen, wünschte uns eine gute Weiterreise und schon war er wieder verschwunden.

Wir verbrachten eine ruhige und natürlich verregnete Nacht und dann ging es auch schon wieder weiter.
Die Bonavista Halbinsel
Ein erstes Neufundland-Highlight: Wir sahen Puffins! Und zwar ganz viele von ihnen.
An der Ostküste gibt es einige bekannte Punkte, an denen man die süßen Papageientaucher beobachten kann. Offiziell endet die Saison Ende August beziehungsweise Anfang September, aber zum Glück haben Puffins keine Kalender. In Elliston saßen noch Hunderte der süßen Tiere auf den Felsen, gut bewacht von garstigen Möwen, die ihnen gerne mal das Futter oder sogar die Jungtiere klauen.



Mit der Handykamera kam ich nicht nah genug ran, aber mit der DSLR gelangen mir doch ein paar gute Aufnahmen der erstaunlich kleinen Vögel. Sie sind nicht viel größer als eine gewöhnliche Taube.






Und wir hatten total Glück: Für etwa 30 Minuten riss der graue Himmel etwas auf, sodass wir die Tierchen gut beobachten konnten. Kaum waren wir zurück am Van, setzte wieder ein fieser Nieselregen ein, der alles in einen grauen Schleier legte. Also zogen wir schon wieder weiter.
Es ging auf der Bonavista-Halbinsel weiter bis zu deren äußerstem Zipfel, wo das Bonavista Lighthouse steht. Vor lauter Nebel und Regen sahen wir es allerdings kaum, dafür hörten wir umso besser das Nebelhorn, das aktuell offensichtlich hochgradig Sinn machte.




Entlang der Küste verläuft dort ein wunderschöner Wanderweg, aber bei dieser grauen Suppe dort entlangzulaufen, hätte herzlich wenig Sinn gemacht. So begnügten wir uns mit dem Blick auf das Lighthouse und fuhren anschließend in den kleinen, gleichnamigen Ort weiter, der allerdings ebenfalls recht ausgestorben wirkte.
Die Brauerei sah verlockend aus, aber wir wollten ja noch weiter. Zumindest die bunten Häuschen brachten etwas Farbe ins Spiel. Sonst gab es dort nicht viel zu sehen oder zu tun, also ließen wir den Ort hinter uns und übernachteten irgendwo im Nirgendwo.
St. John’s
Pünktlich zu unserem 14. Hochzeitstag besserte sich das Wetter etwas – zumindest an der Ostküste von Neufundland. An der Westküste war weiterhin Regen vorhergesagt. Somit hatten wir wohl die richtige Entscheidung getroffen, hierherzukommen.
Wir erreichten die Hauptstadt von Neufundland, St. John’s, wo wir direkt das schöne Wetter nutzten und die kleine Wanderung rund um den Signal Hill unternahmen. Ein schöner Pfad führte uns erst Richtung Hafen, dann an der schroffen Küste entlang, wo wir mit tollen Ausblicken belohnt wurden. Mit Sonne ist alles gleich so viel schöner!






Schließlich ging es über Stufen hinauf zum Signal Hill, wo eine kleine Festung steht, die einst der Verteidigung diente – nicht umsonst galt St. John’s früher als einer der sichersten Häfen der Welt. Der Ausblick von dort war auf jeden Fall toll!



Anschließend ging es weiter in die City. St. John’s ist vor allem für seine bunten Häuser bekannt. Besonders die Jellybean Row ist ein beliebtes Fotomotiv, da dort jedes Häuschen eine andere Farbe hat. Sehr nett.



Die Kneipenstraße überraschte uns hingegen, das mutete fast wie die Partystraße zum Beispiel in Medellín an. Wetterbedingt – es hatte sich wieder zugezogen und war kühl – war dort allerdings nicht viel los. Wir ergatterten einen Frozen Custard, schlenderten durch ein paar bunte Souvenirläden und kamen hier und da mit den netten Verkäufern ins Gespräch.



Alles sehr nett. Zur Feier des Tages gingen wir abends mal wieder essen – das hatten wir ewig nicht gemacht. Bei Olivers wurden wir mit leckerem Fisch und guten Cocktails verwöhnt. So lässt es sich Hochzeitstag feiern!
Der nächste Tag versprach sonnig und trocken zu werden. Somit wagten wir endlich mal wieder eine etwas längere Wanderung.
Wilde Küsten
Nur wenige Minuten außerhalb von St. John’s liegt der Cobblers Path Trail, der einen an der wilden Küste entlang zu einer Landzunge führt. Mal wieder ein wunderschöner Trail, hier und da natürlich etwas matschig, aber die immer wieder tollen Ausblicke entschädigten für die schlammigen Schuhe.
Die Landzunge gilt als guter Beobachtungspunkt für Wale, aber dafür waren wir leider schon etwas spät dran. Ein Großteil der Tiere war bereits weitergezogen. Dennoch genossen wir die Tour und die tollen Aussichten – ganz ohne Regen!







Das Örtchen Quidi Vidi konnten wir uns im Anschluss natürlich nicht entgehen lassen. Direkt neben St. John’s gelegen, lockt das kleine, bunte Fischerdörfchen mit seinem süßen Hafen und natürlich der Brauerei.



Dort genehmigten wir uns ein Iceberg Beer, das als DAS Bier von Neufundland gilt. Wir probierten eins mit und eins ohne Alkohol, fanden beide OK, aber es wird sicher nicht unser Lieblingsbier. Hype hin oder her.

Einen weiteren Stopp legten wir am späten Nachmittag noch ein, nämlich Cape Spear. Cape Spear ist nicht nur der östlichste Punkt von Neufundland, sondern von ganz Nordamerika.
Und natürlich steht dort ein Leuchtturm – sogar zwei. Ein „neuer“ und der alte aus dem Jahr 1836.


Der alte Leuchtturm konnte besichtigt werden. Man hat ihn liebevoll und originalgetreu wiederhergerichtet, sodass wir uns ein Bild davon machen konnten, wie der Leuchtturmwärter damals mit seiner Familie gewohnt hatte. Gar nicht mal so ungemütlich. Wir waren positiv überrascht.



Auf jeden Fall ein spannender Einblick. Und es war schon verrückt, dort gen Osten zu schauen und zu wissen: Das Nächste, was dort kommt, ist Irland!
The Irish Loop
Apropos Irland: Für uns ging es als Nächstes auf den Irish Loop, eine Küstenstraße südlich von St. John’s. Nach einer Nacht auf einem Wanderparkplatz nahmen wir uns morgens bei herrlichem Sonnenschein direkt den Trail vor, an dem wir standen. Unser Ziel war die Suspension Bridge von La Manche, ein kleiner Provincial Park.
Über einen matschigen Waldpfad gelangten wir schnell zur Hängebrücke, die über den kleinen Fluss führte, der wenige Meter weiter in den Atlantik mündet. Ein kleiner Wasserfall war auch dabei. Wunderschön sah das aus! Die Sonne schien am fast wolkenfreien Himmel – herrlich.









Wir folgten dem Trail bis zu einem kleinen, felsigen Strand, bevor es wieder retour zum Van ging und weiter auf dem Irish Loop.
Unser nächster Stopp war Ferryland, wo wir im örtlichen Bürgerhaus Informationen zu einer Wanderung einholten, die wir geplant hatten. Danach wollten wir eigentlich den Leuchtturm des Ortes besuchen, aber die Straße dorthin entpuppte sich als holprige Piste, die für den Van nichts war. Selbst einige SUVs hatten ihre liebe Mühe damit.
Zum Laufen waren wir bei dem wieder einmal stürmischen, kalten Wind zu faul, also blieb es bei der Besichtigung des kleinen Hafens.




Wir besorgten noch etwas im lokalen Supermarkt, wo uns die nette Kassiererin wieder in ein Gespräch verwickelte und uns nebenbei ihre halbe Lebensgeschichte erzählte. Dann zogen wir weiter zum vermeintlichen Ausgangspunkt unserer Wanderung.
Der Stellplatz am Trailhead entpuppte sich jedoch als Dorfmitte, wo wir nicht bleiben wollten. Zudem schwankte die Wettervorhersage für den nächsten Tag im Minutentakt und wir waren uns nicht sicher, ob wir die lange Wanderung zum Berry Head Arch wagen konnten, beziehungsweise sollten. Schließlich galt es, einen Fluss zu überqueren, was laut den Beschreibungen schon ohne Dauerregen tricky war. Und bei den aktuellen Regenmengen sicher erst recht!
Wir zogen also weiter und ich fand mal wieder einen Stellplatz an einem Leuchtturm. Dass der Weg dorthin eine drei Kilometer lange, holprige Schotterpiste war, war uns allerdings entgangen, sodass die Anfahrt ein wenig dauerte. Der Platz war aber superschön.
Bis gegen 23 Uhr Regen und Nebel einsetzten und das Nebelhorn des Leuchtturms ansprang. Aaaarrrgghhh! Für mich wäre es mit Ohropax gegangen, Christian hatte da so gar keinen Bock drauf und war richtig grumpy. Also fuhren wir nachts wieder die drei Kilometer lange Piste zurück, was der Stimmung jetzt nicht unbedingt positiv beitrug. So ist das manchmal mit dem Vanlife.
Wir fanden dann ein Plätzchen in einer Haltebucht am Straßenrand, wo wir uns geschickt zum Wind positionieren mussten, anschließend aber eine ruhige Nacht hatten. Morgens waren wir überrascht, wie schön der Platz doch eigentlich war, als sich der Regen endlich verzogen hatte.

Unsere Wanderung hatten wir nach den nächtlichen Wassermassen gestrichen. Das wäre eine einzige Schlammschlacht geworden, und ob der Fluss überhaupt passierbar gewesen wäre, war ebenfalls ungewiss. Da hatten wir irgendwie keinen Bock drauf, auch wenn es echt schade war, denn die Tour hätten wir gerne gemacht. Aber man kann halt nicht alles haben in Neufundland.
Wir zogen weiter und legten entlang des Irish Loops ein paar kurze Fotostopps ein. Für alles andere war es zu stürmisch, besonders am südlichen Zipfel des Loops, wo uns in Portugal Cove und am Johnson Beach fast die Ohren weggeflogen wären. Aber so schön! Wahnsinn! Die Wasserfarbe war traumhaft türkis, der Strand ewig lang. Unter anderen Umständen hätte man es dort sicher gut länger aushalten können.




Dildo (hihi)
Am späten Nachmittag erreichten wir die Kleinstadt mit dem wahrscheinlich witzigsten Ortsnamen auf Neufundland: Dildo.
Dank Jimmy Kimmel, der die Stadt einmal in seiner Show auf die Schippe genommen hatte, hat der Ort eine gewisse Berühmtheit erlangt. Oberhalb der Stadt thront deswegen sogar ein Dildo-Schriftzug im Wald, angelehnt an das Hollywood Sign. Jimmy Kimmel hatte den Ort nämlich zur Partnerstadt von Hollywood erklärt. Im Gegenzug wurde er zum Ehrenbürgermeister der Stadt ernannt.


Wir landeten in der örtlichen Brauerei, wo das Bier deutlich leckerer und günstiger als in Quidi Vidi war. Christian schwärmt bis heute von dem Stout, das er getrunken hatte, und mein Lager war ebenfalls sehr lecker.


Am nächsten Vormittag schauten wir uns den süßen kleinen Ort etwas genauer an. Es gab viele kleine Kuriositäten zu entdecken, bunte Häuser, einen hübschen Hafen, natürlich einen Leuchtturm und einen lustigen Souvenirshop. Alles kam aber ohne irgendwelche Anspielungen auf den Ortsnamen aus – das muss man erst einmal schaffen!








Danach machten wir uns wieder auf den Weg an die Westküste von Neufundland.
Terra Nova Nationalpark
Unterwegs stoppten wir im kleinen Terra Nova Nationalpark, wo wir es am späten Nachmittag gerade noch rechtzeitig zur Öffnungszeit ins Visitor Centre schafften. Ein netter Mitarbeiter versorgte uns dort mit tausend und einer Info. Da das Wetter gerade ganz schön und der Himmel halbwegs klar war, wagten wir noch eine 8,5 km lange Wanderung durch das Herzstück des Parks.
An der Küste entlang liefen wir irgendwann durch einen Wald, wo es mal trocken über Boardwalks ging, mal hüpfend und balancierend über sehr matschigen Waldboden. Viel Aussicht gab es diesmal nicht. Es ging dort eher um den Wald, der einige der ältesten Bäume der Region beherbergt, da die berühmten kanadischen Holzfäller nicht in dieses Gebiet vorgedrungen waren.






Zwischendurch kamen wir immer wieder an kleinen Seen vorbei und auch an voll behangenen Blaubeerbüschen, sodass das Frühstücksobst für die nächsten Tage ebenfalls gesichert war.

Die Nacht verbrachten wir knapp außerhalb der Parkgrenzen auf einer kleinen Lichtung. Am nächsten Vormittag ging es noch einmal in den Park, wo wir zwei weitere, eher kürzere Wanderungen unternahmen. Sie boten uns schöne Aussichten auf die Küste und die Seenregion der Gegend.









Wir erklommen auch einen alten Feuerturm, der dem starken Wind trotzte – zumindest besser als unsere Frisuren.
Gut durchgelüftet zogen wir schließlich weiter.
Gros Morne Nationalpark
Nach einer Übernachtung und einem Einkaufsstopp in Grand Falls-Windsor erreichten wir endlich die Region, wegen der wir hauptsächlich nach Neufundland gekommen waren: den Gros Morne Nationalpark.
Wie immer steuerten wir zuerst das Visitor Centre an, was diesmal allerdings wenig hilfreich war. Die etwas lustlose Mitarbeiterin bejahte nur all unsere Pläne, Fragen nach den Trailbedingungen beantwortete sie oberflächlich und falsch, wie wir noch feststellen sollten. Auch sonst war nicht viel aus ihr herauszuholen. Na ja.
Wir hatten eh schon einen Plan im Kopf und da noch Zeit war, fuhren wir noch nach Norris Point. Ein kleiner Ort mit schnuckeligem Hafen und einem kurzen Trail, auf dem wir einen ersten Blick auf den Gros Morne Mountain und die Bay warfen.






Zufällig hatte ich am Straßenrand auch einen Foodtruck entdeckt, den ich mir schon vor Wochen auf der Landkarte markiert hatte, da es dort die besten Lobster Rolls von Neufundland geben sollte. Praktischerweise gab es direkt daneben eine große, ebene Parkfläche ohne Schilder. Also beschlossen wir, dass dies unser Platz für die Nacht werden sollte. So konnte ich mir meine erste Lobster Roll direkt im Van genehmigen.



Sehr lecker, wenn auch sehr teuer – Hummer halt – und irgendwie auch ganz anders als erwartet. So waren wir aber gut gestärkt für die große Tour am nächsten Tag.
Endlich ging es richtig rein in den Nationalpark und gleich mal rauf auf den zweithöchsten Gipfel Neufundlands: den Gros Morne Mountain, dessen Gipfel auf stolzen 807 Metern liegt. 😉
Die Wettervorhersage behielt Recht, die Sonne schien vom blauen Himmel und so marschierten wir wie immer zeitig los. Erwartungsgemäß war der Trail recht nass, aber zunächst noch gut zu gehen. Vorbei an einem kleinen Wasserfall ging es, den Gros Morne immer im Blick, stetig bergauf, bis sich der Blick auf die umliegende Landschaft öffnete.






Dann wurde es aber doch matschiger, obwohl die Dame im Visitor Centre ja gemeint hatte, das sei dort gar kein Thema. Haha.

Aber auch die überspülte Holzbrücke meisterten wir trockenen Fußes und standen schließlich am eigentlichen Aufstieg des Berges. Ab dort wurde es so richtig steil: 480 Höhenmeter auf zwei Kilometern. Da es über große Felsen hinaufging, ließ sich das aber gut und schnell machen. Zudem schien uns die Sonne in den Rücken und wir hatten kaum Wind, also keinen Grund zu meckern.




Schließlich gelangten wir auf das Plateau des Berges und bekamen spektakuläre 360-Grad-Aussichten. Wirklich toll!




Der Trail verlief nun weiter auf der Höhe, über aufwendig angelegte Wege, vorbei an grunzenden Ptarmigan-Vögeln. Die klingen wirklich wie rülpsende Frösche, zu witzig! Schließlich bekamen wir einen Ausblick auf den Ten Mile Pond, der uns echt die Sprache verschlug. Der Hammer! Dazu die grünen Berge und Hügel rundherum, überall fielen Wasserfälle ins Tal. Da gehen einem die Superlative aus.









Wir suchten uns einen gemütlichen Fels für unsere Mittagspause und begannen dann den langen Abstieg. Der verlief zunächst über eine super angelegte Treppe und wurde anschließend wieder felsig und auch etwas matschig. Schöne Grüße an die Tante aus dem Visitor Centre!






An einer Stelle rutschte ich blöd von einem Felsen ab und landete heftig auf der rechten Arschbacke. Ich dachte kurz, ich hätte mir ebendiese gebrochen. Das tat für einen Moment ganz schön weh und Laufen war danach nicht mehr so angenehm, aber mit der Zeit wurde es besser. Zurück blieb ein formschönes, dreifarbiges Hämatom und Sitzen war die nächsten Tage nicht so bequem wie sonst. Aber was soll’s – die Wanderung war es mal wieder wert!
Der Rückweg zog sich ganz schön, bescherte uns aber weitere schöne Ausblicke und langsam auch die ersten zarten Herbstfarben. Nach 17 km waren wir wieder zurück am Van und ziemlich zufrieden mit unserem ersten Tag – abgesehen von meinem Hintern.
Für den restlichen Nachmittag und die Nacht suchten wir uns ein schönes Plätzchen direkt am Meer. Zwar war es dort schon recht frisch, dennoch genehmigten wir uns ein Bierchen in der Sonne und schauten den Wellen zu.




Ein Local aus der Nähe kam mit seinem ATV vorbei und fragte uns, ob wir nicht ein noch schöneres Plätzchen haben wollten. Er meinte die Plätze weiter unten am Meer wären noch schöner. Aber wir waren happy enough und wollten am nächsten Morgen sowieso wieder zeitig los, zum nächsten Highlight.
Als ich morgens den Rollo hochmachte, wurde ich allerdings erst einmal vom schönsten Sonnenaufgang seit Langem überrascht. Was für Farben, wow!



Western Brook Pond
Dank meiner Freundin Anne hatten wir uns für die Western Brook Pond Tour angemeldet. Hier muss man frühzeitig einen Zeit Slot buchen, selbst in der Nebensaison. Dabei ging es mit dem Boot durch einen ehemaligen Fjord, der inzwischen vom Meer abgeschnitten ist und deshalb nur noch ein langer Süßwassersee ist.
Bevor die Bootstour losging, hieß es erst einmal drei Kilometer zum Steg „wandern“ – oder mit einem Golfwägelchen fahren, für 10 Dollar. Haha.


Pünktlich ging es mit dem Boot los und ab auf den Pond. Die Kulisse hätte mal wieder kaum spektakulärer sein können. Der Pond wird von teilweise bis zu 700 Meter hohen Wänden eingerahmt, ist 16 km lang und etwa 1,3 km breit. Um uns herum gab es nichts als massive Steinklippen und natürlich jede Menge Wasserfälle.










Die beiden Skipper machten die zweistündige Tour sehr kurzweilig, erzählten viele Fakten und Anekdoten, zeigten Bilder aus alten Zeiten und vom Winter und ließen zu guter Letzt alle mal auf den Löffeln spielen – darunter kann sich jetzt jeder vorstellen, was er will.
Wir hatten aufgrund des Preises lange überlegt, ob wir uns die Tour gönnen sollten, waren im Nachhinein aber total happy, es gemacht zu haben. Und noch dazu bei so schönem Wetter! Da hatten wir echt mal wieder Glück gehabt.
Noch mehr Nationalpark
Nach der frühen Bootstour war der Tag noch jung, also fuhren wir in den südlichen Teil des Nationalparks und wanderten noch den Lookout Trail. Der machte seinem Namen alle Ehre.
Zunächst ging es durch den Wald hinauf, bis wir auf einen Boardwalk gelangten und schließlich den Aussichtspunkt erreichten, von dem wir einen 360-Grad-Blick auf die Bonne Bay, den Gros Morne Mountain, die Tablelands und noch mehr hatten. Wahnsinn – allerdings auch sehr windig!







Der Weg verlief weiter auf der Höhe, über den perfekt angelegten Boardwalk, und wir bekamen mal wieder gar nicht genug von den Aussichten und Farben. So schön!
Vor den Toren des Parks suchten wir uns eine freie Fläche am Wasser aus, wo es keine Schilder oder Ähnliches gab, die auf ein Verbot hingewiesen hätten. Gegen 22 Uhr tauchte dann allerdings doch jemand auf und ließ uns wissen, dass wir auf Privatgelände standen und bitte gehen sollten.
OK, eine Parkbucht am Straßenrand tat es dann auch. Viel Verkehr gab es in der Ecke zum Glück nicht und wie immer ging es am nächsten Morgen bei uns ja zeitig los.
Wir konnten unser Glück kaum fassen, aber auch der dritte Tag im Nationalpark zeigte sich von seiner besten Seite: blauer Himmel und Sonnenschein, genauso, wie wir es uns gewünscht hatten. Und das, nachdem es in den letzten zwei Wochen dort gefühlt nur geregnet hatte, mit wenigen Ausnahmen!
Zwei Wanderungen hatten wir noch auf der Wunschliste.
Morgens nahmen wir uns als Erstes den Green Gardens Trail vor. Dieser verlief vom Parkplatz aus bergab, hinunter an die Küste. Die Aussicht war phänomenal – was auch sonst!







Über eine Treppe gelangten wir hinunter an den Strand, wo uns eine Herde Schafe erwartete. Das hatten wir auch noch nicht so oft. Eines war ganz zutraulich und ließ sich sogar die Öhrchen kraulen. So süß!










Auch die Felsen am Strand faszinierten uns. Dank Ebbe kamen wir relativ nah heran und bestaunten auch die Algen, die dort wuchsen. Was für eine irre Natur!






Nach der 10 km langen Runde fuhren wir ein kleines Stück weiter und erreichten die Tablelands – vielleicht erst auf den zweiten Blick ein Highlight.
Optisch sieht man dort zunächst nur braunes Gestein mit wenig Vegetation. Tatsächlich läuft man hier aber über den Erdmantel, also quasi das Erdinnere. Vor Millionen von Jahren hat sich die Erdkruste geöffnet und Gesteinsmassen wurden zusammengeschoben, sodass das Innere nach außen gelangte und dort bis heute liegt. Nur an wenigen Stellen auf der Welt kommt man so einfach an dieses Gestein heran. Schon beeindruckend!






Dass wir drei so perfekte Tage im Gros Morne Nationalpark bekommen würden, hätten wir nach dem verregneten Start auf der Insel nicht gedacht. Umso happier waren wir, dass es doch noch geklappt hatte.
Stürmischer Abschied
Außerhalb des Nationalparks fanden wir an einem Waldrand ein schönes Plätzchen, wo wir den restlichen Nachmittag und die Nacht verbrachten.

Für das bevorstehende Wochenende war leider ein schwerer Sturm vorhergesagt, der hauptsächlich die Ostküste Neufundlands treffen sollte. Dementsprechend gab es aber auch hohen Wellengang und es war zu erwarten, dass einige Fähren zurück aufs Festland ausfallen würden.
Wir versuchten noch kurzfristig, einen Platz auf der Freitagsfähre zu ergattern, aber keine Chance. Für Samstag waren Starkwinde vorhergesagt, somit buchten wir unsere Rückreise für Sonntag und hofften, dass sich der Sturm bis dahin verzogen haben würde.
Unser letzter Stopp auf Neufundland war erneut Corner Brook. Dort sollte der Sturm nicht so wild werden und so suchten wir am altbekannten Platz, am Captain Cook Lookout, Schutz vor dem Sturm.
Das klappte auch ganz gut – bis es am frühen Samstagmorgen auf einmal doch extrem windig wurde und sich die Bäume gefährlich neigten. Also verzogen wir uns schnell auf den leeren Parkplatz eines Supermarktes. Dort konnte uns zumindest nichts aufs Auto fallen.
Später nahmen die Winde wieder ab und spontaner Platzregen und kurze Sonnenfenster wechselten sich im Minutentakt ab. Auf Neufundland kann man wirklich alle Jahreszeiten innerhalb weniger Minuten erleben!
Nachmittags bahnten wir uns dann unseren Weg zurück Richtung Port aux Basques, wo wir die letzte Nacht vor der Fähre unspektakulär am Straßenrand verbrachten.
Wie erhofft, hatte sich der Sturm am Sonntag verzogen und wir boardeten die Fähre bei strahlendem Sonnenschein. Anfangs schaukelte das Schiff noch ein wenig, aber je weiter wir Richtung Festland kamen, desto ruhiger wurde das Meer.


Wir hatten wieder eine sehr entspannte Überfahrt, die wir uns mit Arbeiten, Filme schauen und Dösen vertrieben. Nach sechseinhalb Stunden waren wir zurück in Nova Scotia.
Die zwei Wochen in Neufundland haben uns noch mal eine ganz andere Seite von Kanada gezeigt – wild, stürmisch, sehr nass und so ganz anders als der Rest. Dennoch, oder vielleicht auch ein bisschen deswegen, hat es uns extrem gut gefallen.
Jetzt waren wir (mehr oder weniger) bereit für unseren Kanada-Endspurt – aber dazu dann demnächst mehr. 🙂
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