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2025 Blogbeiträge Nordamerika USA

Sommerschnee und (keine) Handbremsee :)

Teil 10 unseres Roadtrips durch die USA

16. – 21. Juni 2025
Washington (State)

Mt. Rainier Nationalpark

Es ging weiter durch Washington State. Am späten Nachmittag des 16. Juni erreichten wir die Grenze des Mt. Rainier Nationalparks. Auch der Mt. Rainier ist ein (schlafender, aber aktiver) Vulkan und mit knapp 4.400 Metern einer der höchsten Berge der Lower 48 (das bezeichnet die 48 Bundesstaaten der USA, die unterhalb von Kanada liegen).

Auch hier lag noch überall sehr viel überfrorener Schnee, sodass wir uns am nächsten Morgen in einem Outdoor-Shop erstmal mit Microspikes (also quasi Schneeketten für Schuhe) ausstatteten.

Der Mt. Rainier Nationalpark ist mit circa 957 km² riesig und hat verschiedene Abschnitte und Zugänge. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs im Juni, war eine Hälfte des Parks noch geschlossen – genau, wegen Schnee. Das hier um diese Jahreszeit noch so viel von der weißen Pracht liegt, hatten wir nicht erwartet. Schließlich waren wir am Fuße des Berges nicht in besonders großen Höhen unterwegs. Aber Washington liegt eben schon recht weit im Norden.

Wir betraten den Park am südlichen Eingang, der sogenannten Paradise Section. Die Aussicht vom Mirror Lake auf den imposanten Mt. Rainier war allemal paradiesisch.

Wie immer bekamen wir im Visitor Center alle Infos, die wir brauchten, und so machten wir uns auf in den nordöstlichen Teil des Parks, der zwar teilweise noch wegen der Schneemassen gesperrt war, aber ein kleiner Teil war schon begehbar.

So erreichten wir die Sunrise Section, wo wir die Wanderschuhe schnürten und uns auf zum Glacier Basin machten. Der Mt. Rainier ist nämlich von 26 Gletschern umgeben.

Der Himmel hatte sich leider etwas zugezogen, dennoch waren die Aussichten auf die Berge, die umgebenden Wälder und Seen ziemlich beeindruckend. Und auch die Flussquerungen waren abenteuerlich.

Wir bahnten uns weiter unseren Weg nach oben, bis der Weg schließlich schneebedeckt und eisig war. Hier kamen dann gleich die neuen Microspikes zum Einsatz. Im Nachhinein frage ich mich, wie ich bisher ohne die Dinger leben konnte. Die helfen nämlich nicht nur bei Schnee und Eis dabei, dass man nicht wegrutscht, sondern auch auf allen anderen steilen und rutschigen Untergründen.

So meisterten wir die letzten 1,5 Kilometer bis zum Gletscher Becken ohne Probleme. Unterwegs trafen wir immer wieder auf Leute, die ihre Ski auf den Rücken geschnallt hatten. Mit Zweien kamen wir kurz ins Gespräch. Sie hatten eine dreitägige Backcountry Tour hinter sich, bei der man zu Fuß auf die Gletscher steigt, irgendwo zeltet, um dann mit den Skiern herunterzufahren. Ich bin ja (leider) kein Wintersportler, aber das klang ziemlich genial.

Am Gletscher Basin angekommen, sahen wir dann auch die Spuren der Skifahrer auf den Hängen.

Auch sonst war die Aussicht da oben, trotz Wolkendecke ziemlich genial, und ein dickes Murmeltier erwartete uns auch schon.

Murmelbär

Schließlich lüfteten sich die Wolken für einen Moment, und wir konnten sogar die Spitze des Mt. Rainier erahnen.

Mt. Rainier Gipfel

Für die Nacht bezogen wir ausnahmsweise mal wieder einen Platz auf einem Campingplatz direkt im Nationalpark. Dieser war mit 20 USD überraschend günstig und schön im Wald gelegen.

Skyline Trail

Von dort hatten wir es am nächsten Morgen nicht weit zu unserer geplanten Wanderung. Doch zuerst bogen wir noch mal am Mirror Lake ab, der am frühen Morgen, bei totaler Windstille, seinem Namen alle Ehre machte.

Mt. Rainier Blick vom Mirror Lake

Dann ging es weiter zum 9km langen Skyline Trail. Auch hier kamen unsere Schuh-Schneeketten wieder zum Einsatz, denn der Weg war vom ersten Moment an unter Schnee und Eis begraben. Aber wir hatten blauen Himmel und Sonnenschein, besser hätten die Bedingungen also nicht sein können. So gefällt sogar mir der „Winter“. Und kaum losgelaufen, saß da auch schon ein Murmelbär am Wegesrand und bestaunte mit uns den Mt. Rainier.

🙂

Unterwegs trafen wir noch auf Dutzende seiner Artgenossen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein noch süßeres Tier gibt (außer Seeotter vielleicht).

Wir bahnten uns stapfend und rutschend unseren Weg hinauf zum Panorama Point. Von dort aus war nicht nur der Rainier zum Greifen nahe, sondern wir hatten auch einen 360° Rundumblick auf die umliegenden Berge und Vulkane (inkl. des Mt. St. Helen in der Ferne).

Der Wahnsinn!

Die Rangerin hatte uns empfohlen, aufgrund der Schneemassen den gleichen Weg zurückzugehen, statt den eigentlichen Rundweg, den es hier im „Sommer“ gibt. Denn unter Schnee begraben, war der Trail schwierig zu finden. Wir verließen uns aber aufs GPS und Christians gut trainierten Hippocampus und bahnten uns den Weg weiter durch die Winterlandschaft.

Bergab kürzten wir an einigen Stellen etwas ab – die Schneepiste lud zum Rutschen ein. Ein großer Spaß!

Außerdem trafen wir auf weitere süße Gebirgsbewohner, die fleißig am futtern waren.

Irgendwann war der Spaß dann aber doch vorbei. Wir erreichten einen sehr steilen Hang. Der eigentliche Wanderweg, der den Hang hier gequert hätte, war nicht zu erkennen und der Hang viel zu steil und lang zum Rutschen (zumindest für meine Nerven). Man konnte ja nicht sehen, wo unter dem Schnee evtl. Felsen oder Furchen waren. Wir mussten uns also auf unsere Microspikes und Wanderstöcke verlassen, als wir uns nach und nach einen Weg quer zum Hang „freistapften“, was vermutlich gefährlicher war, als wir ahnten…

So kamen wir langsam, aber stetig voran, bis es dann sicher genug war, um den Rest abzurutschen.

Nach dem kurzen Adrenalinschub ging es dann noch ein Stück weiter, bis wir den Myrtle Wasserfall erreichten, der noch mal einen besonderen Blick auf den Rainier bot. Ein echtes Postkartenmotiv.

Myrtle Falls & Mt. Rainier

Was für eine geniale Wanderung! 🤍
Die Mittagspause mit Aussicht verbrachten wir wieder am Mirror Lake und dann verließen wir den Park schon wieder, denn wir wollten noch eine Wanderung außerhalb der Parkgrenzen machen.

High Rock Trail

Eine 9 Meilen lange, rumpelige und von Schlaglöchern übersäte Schotterpiste brachte uns zum Ausgangspunkt der Wanderung auf den High Rock. 2,5 Kilometer ging es steil bergauf durch den Wald, bis wir schließlich zum High Rock gelangten, der genau das ist: ein hoher Fels mitten im Wald. Von dem aus, bekamen wir noch mal einen besonderen Ausblick auf den Rainier und die umliegenden Wälder und Berge. Der Wahnsinn!

Der Stopp rund um den Mt. Rainier stellte sich für uns als ein unerwartetes und überraschendes Highlight auf diesem Trip heraus.

Seattle

Nun ging es aber aus der Natur raus und mal wieder rein in eine Großstadt: Seattle.

Als großer Greys Anatomy Fan (zumindest früher) kenne ich gefühlt jede Luftaufnahme aus der Stadt. Und so ließen wir es uns hier nicht nehmen, auf die Space Needle hochzufahren – einen 184 Meter hohen Aussichtsturm, der im Rahmen der 1962 stattfindenden Weltausstellung gebaut wurde und bis heute das Wahrzeichen der Stadt ist.

Space Needle

Oben angekommen, hatte man natürlich einen fantastischen Ausblick auf die Stadt, den Puget Sound (das Gewässer vor der Stadt), die Berge des naheliegenden Olympia Nationalparks und sogar den Mt. Rainier – wenn denn das Wetter mitspielt. In unserem Fall reichte es leider nicht, aber auch so konnte sich die Aussicht sehen lassen.

Ein Stockwerk tiefer lief man über einen sich drehenden Glasboden.

Zurück auf dem Boden ließen wir uns noch etwas durch die Stadt treiben und sahen von schicken Einkaufsmeilen bis hin zu Ecken voller Drogenjunkies mal wieder alles, was so eine amerikanische Großstadt eben zu bieten hat.

Eigentlich hatten wir geplant, abends noch ins Kino zu gehen – aber zwei Tickets, Getränke und eine Tüte Popcorn hätten hier umgerechnet stolze 75 € gekostet. Haha, crazy! Dann doch lieber Netflix im Bett.

Nach einer ruhigen Nacht mitten in der Stadt schlossen wir uns am nächsten Morgen einer Walking Tour durch die Stadt an. Zuerst ging es auf den berühmten Pike Place Market – einen täglich geöffneten, öffentlichen Markt, der seit 1907 besteht. Hier gibt es alles, von Obst und Gemüse über Blumen, Souvenirs, Kunst, Bücher, Restaurants und vor allem Fischhändler. Vor den Ständen der Fish-Mongers sammelten sich die Touristen und warteten auf „die Show“. Denn wenn jemand einen Fisch bestellt, wird er von der Warenauslage hinter die Theke geworfen. Aus irgendeinem Grund ist das ein großes Highlight für alle. Na, kommt ihr mal auf den Hamburger Fischmarkt… 😉

Ein besonders ekliges „Highlight“ im Markt ist die Gumwall – eine Hauswand voller Kaugummis. Richtig schön eklig, aber wenigstens bunt.

Schließlich ging die Tour weiter durch Downtown Seattle und bis hin zur Waterfront. Wie immer erfuhren wir dabei allerhand spannendes und kurioses über die Geschichte der Stadt.

Nachmittags machten wir uns mit dem Bus auf ins Freemont Viertel, was als alternativ und künstlerisch beschrieben wurde. Die Häuser waren hier in der Tat etwas bunter, die Läden kurioser, die Dichte an Brauereien auffällig und der berühmte Freemont Troll sehr kurios.

Freemont Troll

Der Freemont Troll ist eine sehr eigenartige Betonstatue, mit einem VW Käfer in der Hand, die unter einer Brücke haust und angeblich Wünsche erfüllt, wenn man sich vor ihm im Kreis dreht. Naja. Wie gesagt, alternativ und skurril.

Nach der zweiten Nacht in der Stadt, wurde es nun Zeit unseren Grenzübertritt nach Kanada vorzubereiten. Wir hatten noch eine lange To Do Liste, von einkaufen über Wäsche und Van waschen, aber vor allem wollten wir noch schnell unsere Reifen rotieren lassen.

Mal wieder in der Werkstatt

Dafür steuerten wir morgens zuerst eine Filiale von Tire Discount an, bei der wir in San Diego unsere zwei neuen hinteren Reifen gekauft hatten. Was eigentlich eine Sache von wenigen Minuten ist, wurde leider wieder zum Problem.

Es stellte sich heraus, dass die Kollegen in San Diego eine Radschraube mit Gewalt schief reingedreht hatten und dadurch Schraube und Gewinde beschädigt worden waren. Wir brauchten also eine neue Schraube und das Gewinde musste neu geschnitten werden. Das konnte bei Tire Discount nicht gemacht werden, man verwies uns an eine andere Werkstatt. Die wartete an einem Freitagmittag natürlich nicht auf uns. Keine Chance noch ein Termin zu bekommen – und wir mussten spätestens am Sonntag das Land verlassen. Shit! 🤯

Wir telefonierten weiter herum und fanden schließlich eine Werkstatt, die uns reinquetschen wollte. Rick, der Eigentümer, schien ein Herz für Reisende zu haben. Seine Kollegen machten sich also an die Arbeit, einer besorgte die passende Schraube, zwei andere kümmerten sich ums Gewinde. Die Kosten dafür übernahm immerhin Tire Discount. Bei der Demontage viel allerdings auf, dass unsere Handbremse, die schon länger etwas schwächelte, wirklich schon am Ende war.

Die Bremsschuhe zerbröselten schon, die Scheiben hatten Gebrauchsspuren und durch die Arbeiten am Gewinde und die dadurch entstehenden Vibrationen fehlte nun einiges an Material – die Handbremse hielt nun also gar nicht mehr. Na toll! Nun mussten wir erstmal recherchieren, ob wir die passenden Teile in den USA bekommen würden – angeblich waren Autoteile in Kanada nämlich noch teurer, daher wollten wir das Problem nicht erst dort in Angriff nehmen, geschweige denn schon wieder eine teure Bestellung in Europa machen.
Nach einiger Recherche und vielen Anrufen konnten wir die passenden Teile zum Glück auftreiben, mussten aber dafür noch einige Male hin- und herfahren und viele Umwege in Kauf nehmen. Zu all unseren anderen To Dos kamen wir gar nicht mehr. Aber so hatten wir nun wenigstens schon mal die Teile, um die Reparatur irgendwann in Kanada vornehmen zu können. Die Werkstatt-Odyssee geht also weiter. 😩

Auf nach Kanada!

Samstags erledigten wir noch ein paar letzte Besorgungen und machten uns dann noch am Nachmittag auf den Weg zur Grenze. Dort war die Verwirrung erstmal groß, man hatte uns gesagt, dass wir unsere Ausreise aus den Staaten unbedingt erfassen lassen mussten, aber da war weit und breit kein Grenzposten der USA und wir standen plötzlich schon vor dem kanadischen Grenzbeamten.

Wie das schließlich ausging, berichten wir dann beim nächsten Mal. 😊

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2025 Blogbeiträge Nordamerika USA

Redwoods, Wasserfälle & ein Vulkan

Teil 9 unseres Roadtrips durch die USA

12. Juni – 16. Juni 2025
Kalifornien, Oregon & Washington

Noch immer in Kalifornien, erreichten wir das Gebiet der Redwoods – die höchsten Bäume der Welt. Sie gehören zur gleichen Familie wie die Sequoia Bäume, sind also ebenfalls Riesenmammutbäume – aber Küstenmammutbäume. Vermutlich lässt die gute Seeluft sie noch ein bisschen höher wachsen als die Kollegen weiter im Inland. 116 Meter soll der älteste und höchste Baum hier sein. Von unten sahen sie jedenfalls alle gigantisch aus.

Redwoods

Wir erreichten zuerst den Humboldt Redwoods Park. Durch diesen führt eine gut ausgebaute, 32 Meilen lange Scenic Route, die mit kleinen Stopps und Wanderungen zur beginnenden Nackenstarre führte.

Diese wurde nicht besser, als wir schließlich den offiziellen Redwoods Nationalpark erreichten. Wie immer versorgten wir uns zuerst mit Infos im Visitor Center und machten uns dann noch am gleichen Nachmittag auf zu einer kleinen Wanderung.

Über den Lady Bird Grove Trail wandelten wir durch einen dichtbewachsenen Wald, voller Farne und rosa blühender Büsche – und natürlich jeder Menge Mammutbäume.

Auf der Suche nach einem Stellplatz kamen wir an einer Herde Hirsche vorbei, die in aller Ruhe am Straßenrand grasten.

Hallo Bambi!

Nach einer entspannten Nacht am Rande des Parks ging es am nächsten Morgen, vorbei an einem kurzen Küstenabschnitt, in den nördlichen Teil des Parks, wo wir den Titans Grove besuchten. In diesem Bereich sollen die ältesten und größten Bäume der Region stehen. Hier wurde der Wald nie abgeholzt. Dementsprechend standen die grünen Giganten hier dicht an dicht und sahen aus unserer Perspektive heraus alle riesig und beeindruckend aus.

Da unser ESTA bald ablaufen würde, mussten wir leider ganz schön auf die Tube drücken, deswegen ging es noch am Nachmittag raus aus den Redwoods und rein in unseren nächsten Bundesstaat.

Oregon

In Oregon waren wir weiterhin auf dem Küstenhighway 101 unterwegs. Wir waren überrascht, wie schön und wild die Küste hier ist. Schwarze Sandstrände, große Felsen, an denen sich die Wellen brechen, und im Hintergrund Bäume, Bäume, Bäume.

Leider war es sehr windig und man durfte entlang der Küste nirgendwo wild campen. Daher stoppten wir nur kurz an vielen schönen Aussichtspunkten und suchten uns schließlich einen freien Platz, irgendwo am Highway.

Eigentlich war der Plan, am nächsten Tag weiter über die 101 bis nach Washington (State) weiterzufahren – uns blieben, wie gesagt, nur noch wenige Tage, bis wir das Land verlassen mussten. Aber mir gingen ein paar Bilder von schönen Wasserfällen nicht aus dem Kopf, die ich einige Tage zuvor gesehen hatte.

Silver Falls State Park

Wir überlegten hin und her und schmissen unsere Planung letztendlich doch noch mal um und nahmen Kurs auf den Silver Falls State Park. Hier nahmen wir uns einen Tag Zeit, um den sogenannten Ten-Falls-Trail zu laufen. Eine 14 Kilometer lange Wanderung, die uns zu 10 verschiedenen Wasserfällen führte.

Da Wochenende war, war auf dem Parkplatz des kleinen Parks schon ganz schön was los. Überall saßen Familien im Park, grillten und picknickten. Wir stellten uns also auf regen Betrieb auf dem Trail ein, aber zum Glück liefen die meisten Menschen nur bis zum ersten Wasserfall und drehten dann wieder um. Somit ließ sich der lange Hike durch den dichten, grünen Wald dann doch ganz gut genießen. Und die Aussichten auf die Wasserfälle taten ihr Übriges.

Der Weg war so gestaltet, dass man an vielen Stellen sogar hinter die Wasserfälle kam.

Am späten Nachmittag ging es wieder raus aus dem Park und in den nächstgelegenen Ort, wo wir die Nacht in einem Wohnviertel verbrachten. Scheinbar waren wir in einer Latino-Community gelandet. Wir hörten jedenfalls nur Spanisch und wurden am nächsten Morgen von einem Herrn angesprochen, der mit uns scherzte, dass sich die Nachbarschaft schon über den weißen Van gewundert hätte. Man vermutete einen Undercover-FBI-Einsatz, der einen Bewohner beschattete. Haha. 😆Manchmal vermissen wir die Latinos ein bisschen.

Washington

Im Schweinsgalopp ging es weiter und schließlich erreichten wir schon die Grenze zum Bundesstaat Washington.

Hier steuerten wir direkt das Visitor Center des Vulkans Mt. St. Helen an. Wer im Frühjahr 1980 Nachrichten geschaut hat, hat bestimmt schon mal von diesem Vulkan gehört. Am 27.03.1980 brach dieser nämlich sehr überraschend und dafür umso heftiger aus. Dabei kollabierte eine ganze Flanke des Vulkans und die Aschewolke ging (wortwörtlich) einmal um die ganze Welt. Dörfer wurden verschüttet, viele Menschen verloren ihr Leben.

Mt. St. Helen

Heute ist der Vulkan einer der bestüberwachten auf der ganzen Welt – und er kann bestiegen werden.

Das hatten wir aber leider zu spät erfahren. Für ein Permit konnten wir uns nicht mehr bewerben und auch die notwendige Ausstattung in Form von Microspikes für die Schuhe hatten wir leider (noch) nicht. Denn auf der begehbaren Flanke des 2.550 Meter hohen Vulkans lag noch immer eine ordentliche Schnee- und Eisdecke, selbst jetzt, im Juni. Naja, immer noch mal ein Grund, wiederzukommen.

So begnügten wir uns mit einem kurzen Spaziergang in der Nähe des Vulkans und bekamen so zumindest eine gute Aussicht auf den imposanten Klotz.

Aber nicht allzu weit entfernt wartete noch ein weiterer Vulkan auf uns.

Aber dazu dann demnächst mehr… 😊

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2025 Blogbeiträge Nordamerika USA

Yosemite 2.0 & Neues aus der Werkstatt

Teil 8 unseres Roadtrips durch die USA

3. – 12. Juni 2025

Zurück im Yosemite Nationalpark

Mit frischer Kupplung, aber immer noch vielen Sorgen und Fragen rund um unseren Van im Gepäck, starteten wir die 350 Kilometer lange Testfahrt zurück in den Yosemite-Nationalpark. Ich hatte ganz schön Bauchschmerzen während der Fahrt und hoffte, dass alles gut gehen würde. Aber siehe da – alles lief glatt, der Van fuhr einwandfrei und wir kamen ohne Zwischenfälle im Yosemite Valley an.

Wir bezogen ein nettes Plätzchen im Wald, von wo aus wir am nächsten Morgen eigentlich eine lange Wanderung starten wollten. Als wir aber abends alles vorbereiteten und uns die GPS-Tracks für den Trail anschauten, stellten wir fest, dass der Trail teilweise noch unter Schnee lag und die Flussquerungen uns zum Baden gezwungen hätten. Durch hüfttiefes, eisiges Wasser zu waten, klang nicht allzu verlockend für uns. Also schmissen wir die Pläne um und starteten stattdessen am nächsten Morgen die Fahrt über die Tioga Road – eine Passstraße, die sich bis auf 3000 Meter oberhalb des Yosemite Valleys hinaufschlängelt, mit vielen Aussichtspunkten, Seen und kleinen Wanderungen.

An einem dieser Aussichtspunkte legten wir eine erste Pause ein und bestaunten die Rückseite des Half Domes.

Als wir dann weiterfahren wollten, hatte Moby schon wieder eine Überraschung für uns: Er sprang nicht mehr an. Christian drehte den Zündschlüssel, alle Lämpchen im Cockpit gingen an, das Radio spielte, alles sah normal aus, aber im Motorraum tat sich nichts. WTF! 🤯

Das klang nach einem Anlasser-Problem. Christian legte sich unters Auto, und ich unternahm weitere Startversuche. Wir hörten das Klacken des Magnetschalters und sonst nichts. Eindeutig der Anlasser.
Wir telefonierten kurz mit Justin, der unsere Vermutung bestätigte und uns den Hammer-Trick empfahl. Das probierten wir natürlich auch, während gerade der Schnee-Regen einsetzte. Oh Mann!
Aber auch mit dem Hammer ließ sich der Anlasser nicht zum Drehen ermutigen. Also blieb nur anschieben, um den Motor starten zu können. Aber bei strömendem Regen und einem 3,5 Tonnen schweren Van, der natürlich auch noch leicht bergauf bewegt werden musste… ach ja. Wir machten erstmal Mittagspause.

Schließlich ließ der kalte Regen nach und weitere Besucher kamen, um die Aussicht zu bestaunen. Die quatschten wir an, und als wir schließlich 5 – 6 Personen zusammenhatten, schoben diese den Van aus der Parklücke. Ich manövrierte den Van so hin, dass wir ein Stück bergab rollen konnten, wodurch mir dann das Starten der Kiste gelang. Dabei hätte ich zwar fast eine Dame umgefahren, die völlig unbeeindruckt von dem ganzen Schauspiel und meinem Hupen über den Parkplatz schlich, aber ein bisschen Schwund ist ja immer.

Hauptsache war, dass der Van wieder lief – und so musste es jetzt bleiben. Daher fuhren wir den Rest der Tioga Road auch nicht mehr ab und machten uns stattdessen auf ins Tal, wo wir einen Platz auf einem Campground reserviert hatten. Den Nationalpark wollten wir uns trotz dieser neuen Herausforderungen nicht nehmen lassen.

Ohne weitere Zwischenfälle erreichten wir unseren Campspot, wo wir Moby abstellten und den Anlasser dann erneut testeten, aber wie erwartet sprang der Van auch hier nicht mehr an. Naja, dort standen wir erstmal gut und ich wollte endlich mehr vom Park entdecken.

Christian hingegen wollte natürlich unser Problem lösen, auch wenn es aussichtslos erschien. Während ich mich also aufs Rad schwang und durch das Valley fuhr, blieb er am Van und versuchte, das genaue Problem zu identifizieren und ggf. zu reparieren. Ich würde mal behaupten, dass ich an diesem Nachmittag mehr Freude hatte.

Als ich schließlich zurück zum Campground kam, war der Status Quo noch der gleiche, aber wir wussten nun mit Gewissheit, dass der Anlasser hinüber war. Unsere Pechsträhne hielt also an. Ich frage mich wirklich, wo wir uns so das Karma verhagelt haben?

Passender Ersatz für den Anlasser wäre mit Justins Hilfe sogar in den USA zu bekommen gewesen, aber zum doppelten Preis vom gleichen Anlasser in Deutschland. Also bestellten wir nach vielen Recherchen und langem Hin und Her das Teil aus Europa. Wir hatten ja sowieso noch einige Tage Zeit, da wir im Park noch einiges vorhatten und uns die Freude daran nicht gänzlich nehmen lassen wollten. Auch wenn es uns bei weitem nicht leichtfiel, bei all dem Stress der letzten Wochen diese wunderschöne Umgebung zu genießen. Wir waren beide nervlich doch ziemlich am Anschlag. 😢

Zudem blieb das Problem, dass wir täglich den Stellplatz wechseln mussten, da wir keine zusammenhängende Reservierung für dieselbe Parzelle auf dem Campground erhielten. Da wir am nächsten Mogen aber sehr früh loswollten, hängten wir stattdessen einen Zettel in die Windschutzscheibe, mit dem wir die nach uns kommenden Camper über unser Problem informierten und sie baten, unseren eigentlich reservierten Platz zu beziehen.

Wanderung zum Clouds Rest

So marschierten wir um 6 Uhr morgens los und machten uns auf zu unserer bisher längsten Wanderung. Vor uns lagen 33 km und fast 2000 hm – und das durch den (unserer Meinung nach) schönsten Nationalpark der USA.

Schon nach wenigen Kilometern erreichten wir den Vernal-Wasserfall, der dank Schneeschmelze so viel Wasser führte, dass wir direkt mal kalt geduscht wurden.

Vernal Fall Dusche

Entlang des Wasserfalls führten uns Stufen hinauf, bis zur Abbruchkante des Wasserfalls, was ein irrer Anblick war, wie der rauschende Fluss hier einfach in die Tiefe stürzte.

Abbruchkante des Vernal Falls

Von dort ging es weiter, stetig bergauf, vorbei am Nevada-Wasserfall, zu dem wir später zurückkehren würden.

Nevada Fall

Danach wurde es dann richtig steil, und der Trail führte uns zumeist durch den Wald, bis wir schließlich die Baumgrenze erreichten. Von dort ging es felsig weiter und hinauf, auf den mit 3.065 Metern höchsten Punkt des Nationalparks, genannt Clouds Rest.

Von dort aus hatten wir eine bombastische 360-Grad-Rundumsicht über das gesamte Valley, die umliegenden Berge, Seen und natürlich den ikonischen Half Dome. Der absolute Wahnsinn!!

Blick auf den Half Dome & das Yosemite Valley
Blick Richtung Tioga Road
Blick ins erweiterte Yosemite Valley

Dieser Ausblick war die Strapazen allemal wert gewesen. Wir legten eine wohlverdiente Mittagspause ein, beobachteten die Chipmunks und bekamen nicht genug von der Aussicht.

Dann folgte der unangenehme Teil: der lange Abstieg. Angekommen am Nevada-Wasserfall, nahmen wir einen anderen Abzweig, der uns noch zu dessen Abbruchkante führte, und dann, über den John Muir Trail, hinab zurück ins Valley.

Nach 10,5 Stunden kamen wir wieder an unserem Campground an – wo uns schon ein Ranger erwartete.

Rusty, der Ranger, war gar nicht so begeistert von unserer Vorgehensweise und glaubte uns erstmal nicht, dass der Van wirklich nicht mehr ansprang. Das ließ sich aber leicht beweisen und dann wurde Rusty auch ganz freundlich. Scheinbar versuchen öfters mal Leute, einen Campspot zu belegen, indem sie behaupten, ein kaputtes Vehikel zu haben, was sich dann als Lüge herausstellt.

So ließ er uns an dem Spot stehen bleiben, bat uns aber am nächsten Morgen, den Platz zeitgerecht zu räumen, was wir gerne zusagten – wir hatten nämlich einen weitaus besseren Spot für die dritte Nacht reservieren können.
Unsere Camp-Nachbarn, die von unserem Problem wussten, hatten schon zugesagt, uns am nächsten Morgen mit vereinten Kräften anzuschieben. Somit genossen wir noch den restlichen Nachmittag und sprangen auch mal kurz in den kalten Merced Fluss (also ich zumindest, Christian hat gekniffen).

Radtour durchs Yosemite Valley

Am nächsten Morgen brachten wir also den Van wieder zum Laufen, drehten ein paar Runden durchs Valley, um die Batterien zu laden, tankten Wasser auf und bezogen dann unser neues, sonniges Plätzchen. Den Motor stellten wir zwischenzeitlich natürlich nicht ab, da wir dann jedes Mal einen Trupp Menschen benötigt hätten, um den Van wieder anzuschieben und zu starten.

Camping im Yosemite Valley

Dann schwangen wir uns wieder auf die Räder (diesmal beide) und quälten unsere müden Beine noch mal durch das Yosemite Valley und hinauf zum Tunnel View, wo wir bei unserem ersten Besuch im Park schon mal kurz gestoppt hatten. Aber dieser Fototapetenblick ist einfach zu schön, um ihn nur einmal zu haben.

Zurück an der Küste

Nach einem entspannten Abend suchten wir uns am nächsten Vormittag wieder ein paar starke Nachbarn zusammen und ließen uns erneut anschieben. Nun mussten wir den Park leider in einem Rutsch verlassen, also ging es über 350 Kilometer wieder zurück Richtung Küste und nach Marina, zu Justins Werkstatt. Zum Glück verlief auch diese lange Fahrt ohne neue (oder alte) Komplikationen, was uns zumindest ein bisschen Mut machte. Von einem Wochenende hinter der Werkstatt hatten wir zwar nicht geträumt, aber so war es einfach am praktischsten und einfachsten, um den Van nicht noch zigmal anschieben zu müssen.

In Marina war der „June Gloom“ noch in vollem Gange, sodass uns zwei ziemlich trübe Tage bevorstanden. Während es im Hinterland schon richtig sommerlich und überwiegend sonnig war, ist es besonders im Juni an der Pazifikküste hier immer sehr bewölkt und diesig, was daran liegt, dass die warme Luft vom Inland auf die kalte Pazifikluft trifft. Erst ab Juli verschwindet dieses Phänomen so langsam und man hat mehr sonnige Tage an der Küste.

Um nicht ganz in Tristesse zu versinken, packten wir am Sonntagvormittag die Räder wieder aus und machten uns, entlang des Küstenradwegs, auf ins 20 Kilometer entfernte Monterey.

Dort angekommen schauten wir uns endlich mal ein bisschen was von der hübschen Stadt an. Entlang der Waterfront und des historischen Zentrums gab es vor allen Dingen viele alte Sardinenfabriken zu sehen, die inzwischen zu Restaurants und Shops umfunktioniert wurden.

Zudem bestaunten wir die wirklich schönen Häuser im viktorianischen Stil, die hier standen wie in einer Filmkulisse. Dazwischen sprangen hunderte Eichhörnchen herum und auch Rehe und Hirsche, sodass wir uns wie in einem Disney-Film fühlten.

Und im Wasser hockten natürlich die Seelöwen und sahen einfach süß aus.

Neues aus der Werkstatt…

Zurück in der Werkstatt legte Justin am Montag gleich mit dem Van los. Der Anlasser und das Software-Tool für unser AGR-Problem (Abgasrückführung) waren noch nicht angekommen, aber zumindest die neue Ölwannendichtung konnte schon mal eingebaut werden. Auch das verlief nicht ganz problemlos, aber gemessen an den letzten Baustellen war es dennoch ein Klacks.

Mittags kamen dann auch Anlasser und SW-Tool an. Der Anlasser war schnell gewechselt und Moby sprang wieder an wie eine Eins. Immerhin etwas!

Nun widmeten wir uns der SW-Lösung. Mithilfe des bestellten Geräts lasen wir unsere Steuergerät-Software aus, übermittelten diese an die Firma in Deutschland und erhielten über Nacht eine neue Software-Version, die mithilfe des Geräts auf unser Steuergerät aufgespielt wurde. Dies führte dazu, dass die AGRs nun aus dem „Gehirn“ unseres Vans ausprogrammiert wurden. Moby weiß also nicht mehr, dass er noch AGRs hat, und steuert diese nicht mehr an. Die Klappen bleiben geschlossen, der Motor bekommt nur noch Frischluft statt recycelter Abgase, kann sauberer verbrennen – Problem gelöst. Allerdings haben wir nun geringfügig höhere CO2-Werte, sind also vermutlich kein Euro-6-Diesel mehr. Aber das nehmen wir nun gerne in Kauf, statt noch mehrere tausende Euro in Reparaturen zu versenken. Das ist ein Problem für unsere Zukunfts-ichs.

Eine Testfahrt bestätigte, dass alles funktionierte, und wir hofften, am Dienstagmorgen nun endlich loszukommen. Aber das wäre ja zu einfach gewesen…

Ölleck 2.0

Wir entdeckten am Morgen zwei kleine Ölflecken unter dem Auto. 😩
Erst vermuteten wir Überreste vom Wechsel der Ölwannendichtung, aber da schien alles sauber und trocken… Mithilfe einer Endoskopkamera fanden wir den Übeltäter: Der Ölschlauch, der vom Turbolader weg geht, den wir während des Kupplungswechsels geflickt hatten, schien wieder undicht zu sein. Zum Glück hatten wir den auf Verdacht mal mitbestellt und somit das Ersatzteil da. Aber, um daranzukommen, muss eigentlich noch mal das gesamte Getriebe raus. Ein Vorgang, der noch mal mehrere tausende Dollar kosten würde.

Wir waren kurz vorm Durchdrehen. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Aber auch hier war wieder Verlass auf Justin. Obwohl der nun weiß Gott schon genug mit uns durchhatte, bot er an, den Austausch minimalinvasiv zu versuchen. Er flexte dafür kurzerhand eins seiner Werkzeuge ab, um so besser an die Engstelle im Motorraum zu kommen. Dann legte er los.
Zusammen mit seinem Kollegen Ricardo waren sie noch mal 5 Stunden lang beschäftigt, um an dieses verfluchte kleine Teil zu kommen. Justin, der eigentlich sehr ausgeglichen, geduldig und die Ruhe selbst ist, fluchte doch ein ums andere Mal, und mir wurde angst und bange, wie es wohl weitergehen würde.

Aber, nach 5 Stunden war es geschafft, das neue Teil saß, und bei der Untersuchung des alten Schlauchs fiel uns schließlich ein Mini-kleines Loch mitten im Metallschlauch auf, das offenbar die ursprüngliche Undichtigkeit verursacht hatte. So klein wie ein Kariesloch im Zahn.

Wir blieben vorsichtshalber eine weitere Nacht in der Nähe, unternahmen eine etwas längere Testfahrt und prüften am nächsten Morgen nochmal, ob alles trocken war. Justin kam noch mal vorbei, schaute auch noch mal unters Auto und gab uns grünes Licht.

Endlich konnten wir Monterey verlassen. So richtig entspannt waren wir allerdings immer noch nicht. Nach so einer Pechsträhne wird es vermutlich auch nie mehr so richtig entspannt werden. Da fährt jetzt immer ein gewisses Misstrauen mit, ob auch wirklich alles in Ordnung ist. Zudem hat uns all das finanziell ganz schön angeschlagen. Insgesamt sind