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Neufundland – Kanadas wilde Ostküste

Teil 19 unseres Roadtrips durch Kanada

3. – 20. September 2026
Neufundland

Von North Sydney, in Nova Scotia, stand uns mal wieder eine längere Fährfahrt bevor, denn Neufundland, Kanadas östlichste Provinz, ist eine Insel.

Ich dachte ja lange, dass Neufundland ein eigenständiges Land ist. Für alle denen das vielleicht auch so geht, hier ein kurzer Geschichtskurs:
Neufundland war zunächst eine britische Kolonie und später ein eigenständiges Dominion, verlor aber während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren seine Selbstverwaltung und wurde dann von Großbritannien verwaltet. 1948 stimmte eine knappe Mehrheit in einer Volksabstimmung für den Beitritt zu Kanada, der am 31. März 1949 offiziell erfolgte. Seitdem ist Neufundland eine Provinz von Kanada.

Zwei Stunden vor Abfahrt ging es zum Fährterminal. Das Boarding begann pünktlich und war super organisiert – man merkte, dass sie das nicht zum ersten Mal machten. 😉

Moby hatte einen schönen Platz im Inneren des Schiffs und wir bezogen zwei bequeme Sessel im Cafeteria Bereich.

Sechs Stunden dauerte die Überfahrt nach Port aux Basques, ganz im Südwesten von Neufundland. Und ich muss sagen, das war wahrscheinlich die ruhigste und entspannteste Fährfahrt aller Zeiten. Das Meer war spiegelglatt, ich merkte gar nicht, dass wir auf einem Schiff waren. Selbst auf den Außendecks war es die ganze Fahrt über windstill.

Wir vertrieben uns die Zeit mit Arbeiten und Filme schauen, blätterten in den Neufundland-Reiseführern und dann war auch schon wieder Land in Sicht.

Willkommen in Neufundland

Die Insel begrüßte uns mit schönem Abendlicht. Etwa 20 Minuten außerhalb des Fährterminals fanden wir am Harvey Trail in Isle aux Morts einen schönen Platz direkt am Wasser. Ein kleiner Aussichtspunkt gab uns einen guten Vorgeschmack auf das, was uns auf der Insel erwarten würde. So schön!

Am nächsten Morgen liefen wir bei schönstem Wetter den Harvey Trail, immer an der wilden Küste entlang. Wow, das war noch mal eine ganz andere Seite von Kanada – im wahrsten Sinne des Wortes – und erinnerte uns an Länder, in denen wir noch gar nicht gewesen waren, wie Norwegen, Grönland oder Schottland, aber auch an einige Ecken in Island oder Irland. Wunderschön, wild und grün.

Leider war für die nächsten Tage eine starke Regenfront vorhergesagt. Also überlegten wir, was wir tun sollten. Eigentlich hatten wir zuerst den Gros Morne Nationalpark im Westen besuchen wollen, aber mit diesen Aussichten machte das so gar keinen Sinn. Deshalb beschlossen wir, erst einmal weiterzuziehen, Richtung Ostküste, und unterwegs so viel mitzunehmen, wie das Wetter zuließ.

Stürmische Zeiten

Weit kamen wir zunächst nicht, denn da lag noch eine nette kleine Wanderung auf unserem Weg und das Wetter war noch OK, dachten wir. Am Starlite Trail schnürten wir erneut die Wanderschuhe und machten uns auf. Durch den Wald ging es im Zickzack steil hinauf, bis wir die Baumgrenze passierten – und erst dort merkten, wie stürmisch es plötzlich war.

Der matschige, steile Weg wurde durch die krassen Windböen zur Herausforderung. Mehrfach musste ich anhalten, um nicht im Gehen umgeweht zu werden. Crazy!

Oben angekommen, war es so heftig, dass ich nur schnell ein Foto von der Aussicht schoss und mich direkt wieder umdrehte, um abzusteigen. Der Wind war einfach zu stark, sodass wir den eigentlichen Gipfel des Weges diesmal gar nicht erreichten. Schade, aber dennoch war die Aussicht auch von dort schon schön. Und wir wussten jetzt, dass das Wetter auf Neufundland nicht zu unterschätzen war.

Wir zogen weiter und erreichten Cape St. George, wo wir einen schönen Platz an den Hidden Falls fanden. Vor uns lag der kleine Wasserfall, hinter uns direkt das Meer. In beide Richtungen gab es einen kleinen Spazierweg, der tolle An- und Ausblicke bot – und es regnete noch nicht. Was will man mehr?

Wir verbrachten eine ruhige Nacht dort, in der uns der Regen dann aber doch einholte. Dennoch fand ich morgens ein kurzes trockenes Zeitfenster für eine Runde Sport, dann konnte es weitergehen. Ab in die Regenfront!

Es verschlug uns nach Corner Brook, einfach weil es dort alle großen Supermärkte gab und wir uns mit allem Nötigen eindecken konnten. Außerdem hatten wir den Ersatzmotor für unsere bereits zum zweiten Mal defekte Dachhaube dorthin senden lassen. Die Abholung klappte einwandfrei, die Vorräte waren gefüllt und es schüttete wie aus Eimern.

Dazu war es sehr windig und ich bemerkte plötzlich, dass eines unserer Heckfenster von innen nass war. Es tropfte richtig rein. Scheiße! Wir hatten noch nie mit undichten Fenstern am Heck zu kämpfen. Doch es stellte sich heraus, dass es nur am heftigen Wind lag, der das Wasser reindrückte. Kaum hatten wir den Van gedreht, mit der Schnauze zum Wind, trat kein Wasser mehr ein. Wir dichteten das Fenster natürlich trotzdem mit Duct Tape ab, sicher ist sicher, denn der Regen würde uns ja noch eine Weile erhalten bleiben.

Etwas oberhalb der Stadt fanden wir beim James-Cook-Denkmal unseren Platz für die Nacht. Dort waren wir durch Bäume etwas windgeschützt und lernten nebenbei noch ein paar Fakten über Herrn Cook, der uns aus Hawaii und Tahiti ja schon bestens bekannt war.

Nach einer feuchtfröhlichen Nacht (haha) ging es dann weiter Richtung Osten.

Ein langer, verregneter und windiger Fahrtag brachte uns bis nach Charlottetown, wo wir einfach an einer kleinen Anglerhütte parkten. Wir hatten noch nicht einmal den Motor ausgestellt, da fuhr schon ein PKW neben uns und machte die Scheibe runter. Wir dachten schon, wir würden weggeschickt, aber ganz im Gegenteil!

Es war ein netter Herr aus dem Ort, der einfach neugierig war, wo wir herkamen, wo wir schon gewesen waren und so weiter. Er erzählte und erzählte, fragte und fragte. Wir hatten schon gehört, dass die Neufundländer besonders freundlich und gesprächig sind, spätestens jetzt bestätigte sich das.

Der nette Herr hieß uns herzlich willkommen, wünschte uns eine gute Weiterreise und schon war er wieder verschwunden.

Wir verbrachten eine ruhige und natürlich verregnete Nacht und dann ging es auch schon wieder weiter.

Die Bonavista Halbinsel

Ein erstes Neufundland-Highlight: Wir sahen Puffins! Und zwar ganz viele von ihnen.

An der Ostküste gibt es einige bekannte Punkte, an denen man die süßen Papageientaucher beobachten kann. Offiziell endet die Saison Ende August beziehungsweise Anfang September, aber zum Glück haben Puffins keine Kalender. In Elliston saßen noch Hunderte der süßen Tiere auf den Felsen, gut bewacht von garstigen Möwen, die ihnen gerne mal das Futter oder sogar die Jungtiere klauen.

Mit der Handykamera kam ich nicht nah genug ran, aber mit der DSLR gelangen mir doch ein paar gute Aufnahmen der erstaunlich kleinen Vögel. Sie sind nicht viel größer als eine gewöhnliche Taube.

Puffins!
Puffins!
Puffins!

Und wir hatten total Glück: Für etwa 30 Minuten riss der graue Himmel etwas auf, sodass wir die Tierchen gut beobachten konnten. Kaum waren wir zurück am Van, setzte wieder ein fieser Nieselregen ein, der alles in einen grauen Schleier legte. Also zogen wir schon wieder weiter.

Es ging auf der Bonavista-Halbinsel weiter bis zu deren äußerstem Zipfel, wo das Bonavista Lighthouse steht. Vor lauter Nebel und Regen sahen wir es allerdings kaum, dafür hörten wir umso besser das Nebelhorn, das aktuell offensichtlich hochgradig Sinn machte.

Entlang der Küste verläuft dort ein wunderschöner Wanderweg, aber bei dieser grauen Suppe dort entlangzulaufen, hätte herzlich wenig Sinn gemacht. So begnügten wir uns mit dem Blick auf das Lighthouse und fuhren anschließend in den kleinen, gleichnamigen Ort weiter, der allerdings ebenfalls recht ausgestorben wirkte.

Die Brauerei sah verlockend aus, aber wir wollten ja noch weiter. Zumindest die bunten Häuschen brachten etwas Farbe ins Spiel. Sonst gab es dort nicht viel zu sehen oder zu tun, also ließen wir den Ort hinter uns und übernachteten irgendwo im Nirgendwo.

St. John’s

Pünktlich zu unserem 14. Hochzeitstag besserte sich das Wetter etwas – zumindest an der Ostküste von Neufundland. An der Westküste war weiterhin Regen vorhergesagt. Somit hatten wir wohl die richtige Entscheidung getroffen, hierherzukommen.

Wir erreichten die Hauptstadt von Neufundland, St. John’s, wo wir direkt das schöne Wetter nutzten und die kleine Wanderung rund um den Signal Hill unternahmen. Ein schöner Pfad führte uns erst Richtung Hafen, dann an der schroffen Küste entlang, wo wir mit tollen Ausblicken belohnt wurden. Mit Sonne ist alles gleich so viel schöner!

Schließlich ging es über Stufen hinauf zum Signal Hill, wo eine kleine Festung steht, die einst der Verteidigung diente – nicht umsonst galt St. John’s früher als einer der sichersten Häfen der Welt. Der Ausblick von dort war auf jeden Fall toll!

Ausblick vom Signal Hill

Anschließend ging es weiter in die City. St. John’s ist vor allem für seine bunten Häuser bekannt. Besonders die Jellybean Row ist ein beliebtes Fotomotiv, da dort jedes Häuschen eine andere Farbe hat. Sehr nett.

Jellybean Row

Die Kneipenstraße überraschte uns hingegen, das mutete fast wie die Partystraße zum Beispiel in Medellín an. Wetterbedingt – es hatte sich wieder zugezogen und war kühl – war dort allerdings nicht viel los. Wir ergatterten einen Frozen Custard, schlenderten durch ein paar bunte Souvenirläden und kamen hier und da mit den netten Verkäufern ins Gespräch.

St. John’s

Alles sehr nett. Zur Feier des Tages gingen wir abends mal wieder essen – das hatten wir ewig nicht gemacht. Bei Olivers wurden wir mit leckerem Fisch und guten Cocktails verwöhnt. So lässt es sich Hochzeitstag feiern!

Der nächste Tag versprach sonnig und trocken zu werden. Somit wagten wir endlich mal wieder eine etwas längere Wanderung.

Wilde Küsten

Nur wenige Minuten außerhalb von St. John’s liegt der Cobblers Path Trail, der einen an der wilden Küste entlang zu einer Landzunge führt. Mal wieder ein wunderschöner Trail, hier und da natürlich etwas matschig, aber die immer wieder tollen Ausblicke entschädigten für die schlammigen Schuhe.

Die Landzunge gilt als guter Beobachtungspunkt für Wale, aber dafür waren wir leider schon etwas spät dran. Ein Großteil der Tiere war bereits weitergezogen. Dennoch genossen wir die Tour und die tollen Aussichten – ganz ohne Regen!

Cobblers Path

Das Örtchen Quidi Vidi konnten wir uns im Anschluss natürlich nicht entgehen lassen. Direkt neben St. John’s gelegen, lockt das kleine, bunte Fischerdörfchen mit seinem süßen Hafen und natürlich der Brauerei.

Quidi Vidi

Dort genehmigten wir uns ein Iceberg Beer, das als DAS Bier von Neufundland gilt. Wir probierten eins mit und eins ohne Alkohol, fanden beide OK, aber es wird sicher nicht unser Lieblingsbier. Hype hin oder her.

Cheers!

Einen weiteren Stopp legten wir am späten Nachmittag noch ein, nämlich Cape Spear. Cape Spear ist nicht nur der östlichste Punkt von Neufundland, sondern von ganz Nordamerika.

Und natürlich steht dort ein Leuchtturm – sogar zwei. Ein „neuer“ und der alte aus dem Jahr 1836.

… vs. alt

Der alte Leuchtturm konnte besichtigt werden. Man hat ihn liebevoll und originalgetreu wiederhergerichtet, sodass wir uns ein Bild davon machen konnten, wie der Leuchtturmwärter damals mit seiner Familie gewohnt hatte. Gar nicht mal so ungemütlich. Wir waren positiv überrascht.

Auf jeden Fall ein spannender Einblick. Und es war schon verrückt, dort gen Osten zu schauen und zu wissen: Das Nächste, was dort kommt, ist Irland!

The Irish Loop

Apropos Irland: Für uns ging es als Nächstes auf den Irish Loop, eine Küstenstraße südlich von St. John’s. Nach einer Nacht auf einem Wanderparkplatz nahmen wir uns morgens bei herrlichem Sonnenschein direkt den Trail vor, an dem wir standen. Unser Ziel war die Suspension Bridge von La Manche, ein kleiner Provincial Park.

Über einen matschigen Waldpfad gelangten wir schnell zur Hängebrücke, die über den kleinen Fluss führte, der wenige Meter weiter in den Atlantik mündet. Ein kleiner Wasserfall war auch dabei. Wunderschön sah das aus! Die Sonne schien am fast wolkenfreien Himmel – herrlich.

Wir folgten dem Trail bis zu einem kleinen, felsigen Strand, bevor es wieder retour zum Van ging und weiter auf dem Irish Loop.

Unser nächster Stopp war Ferryland, wo wir im örtlichen Bürgerhaus Informationen zu einer Wanderung einholten, die wir geplant hatten. Danach wollten wir eigentlich den Leuchtturm des Ortes besuchen, aber die Straße dorthin entpuppte sich als holprige Piste, die für den Van nichts war. Selbst einige SUVs hatten ihre liebe Mühe damit.

Zum Laufen waren wir bei dem wieder einmal stürmischen, kalten Wind zu faul, also blieb es bei der Besichtigung des kleinen Hafens.

Wir besorgten noch etwas im lokalen Supermarkt, wo uns die nette Kassiererin wieder in ein Gespräch verwickelte und uns nebenbei ihre halbe Lebensgeschichte erzählte. Dann zogen wir weiter zum vermeintlichen Ausgangspunkt unserer Wanderung.

Der Stellplatz am Trailhead entpuppte sich jedoch als Dorfmitte, wo wir nicht bleiben wollten. Zudem schwankte die Wettervorhersage für den nächsten Tag im Minutentakt und wir waren uns nicht sicher, ob wir die lange Wanderung zum Berry Head Arch wagen konnten, beziehungsweise sollten. Schließlich galt es, einen Fluss zu überqueren, was laut den Beschreibungen schon ohne Dauerregen tricky war. Und bei den aktuellen Regenmengen sicher erst recht!

Wir zogen also weiter und ich fand mal wieder einen Stellplatz an einem Leuchtturm. Dass der Weg dorthin eine drei Kilometer lange, holprige Schotterpiste war, war uns allerdings entgangen, sodass die Anfahrt ein wenig dauerte. Der Platz war aber superschön.

Bis gegen 23 Uhr Regen und Nebel einsetzten und das Nebelhorn des Leuchtturms ansprang. Aaaarrrgghhh! Für mich wäre es mit Ohropax gegangen, Christian hatte da so gar keinen Bock drauf und war richtig grumpy. Also fuhren wir nachts wieder die drei Kilometer lange Piste zurück, was der Stimmung jetzt nicht unbedingt positiv beitrug. So ist das manchmal mit dem Vanlife.

Wir fanden dann ein Plätzchen in einer Haltebucht am Straßenrand, wo wir uns geschickt zum Wind positionieren mussten, anschließend aber eine ruhige Nacht hatten. Morgens waren wir überrascht, wie schön der Platz doch eigentlich war, als sich der Regen endlich verzogen hatte.

Unsere Wanderung hatten wir nach den nächtlichen Wassermassen gestrichen. Das wäre eine einzige Schlammschlacht geworden, und ob der Fluss überhaupt passierbar gewesen wäre, war ebenfalls ungewiss. Da hatten wir irgendwie keinen Bock drauf, auch wenn es echt schade war, denn die Tour hätten wir gerne gemacht. Aber man kann halt nicht alles haben in Neufundland.

Wir zogen weiter und legten entlang des Irish Loops ein paar kurze Fotostopps ein. Für alles andere war es zu stürmisch, besonders am südlichen Zipfel des Loops, wo uns in Portugal Cove und am Johnson Beach fast die Ohren weggeflogen wären. Aber so schön! Wahnsinn! Die Wasserfarbe war traumhaft türkis, der Strand ewig lang. Unter anderen Umständen hätte man es dort sicher gut länger aushalten können.

Dildo (hihi)

Am späten Nachmittag erreichten wir die Kleinstadt mit dem wahrscheinlich witzigsten Ortsnamen auf Neufundland: Dildo.

Dank Jimmy Kimmel, der die Stadt einmal in seiner Show auf die Schippe genommen hatte, hat der Ort eine gewisse Berühmtheit erlangt. Oberhalb der Stadt thront deswegen sogar ein Dildo-Schriftzug im Wald, angelehnt an das Hollywood Sign. Jimmy Kimmel hatte den Ort nämlich zur Partnerstadt von Hollywood erklärt. Im Gegenzug wurde er zum Ehrenbürgermeister der Stadt ernannt.

Wir landeten in der örtlichen Brauerei, wo das Bier deutlich leckerer und günstiger als in Quidi Vidi war. Christian schwärmt bis heute von dem Stout, das er getrunken hatte, und mein Lager war ebenfalls sehr lecker.

Am nächsten Vormittag schauten wir uns den süßen kleinen Ort etwas genauer an. Es gab viele kleine Kuriositäten zu entdecken, bunte Häuser, einen hübschen Hafen, natürlich einen Leuchtturm und einen lustigen Souvenirshop. Alles kam aber ohne irgendwelche Anspielungen auf den Ortsnamen aus – das muss man erst einmal schaffen!

🙂

Danach machten wir uns wieder auf den Weg an die Westküste von Neufundland.

Terra Nova Nationalpark

Unterwegs stoppten wir im kleinen Terra Nova Nationalpark, wo wir es am späten Nachmittag gerade noch rechtzeitig zur Öffnungszeit ins Visitor Centre schafften. Ein netter Mitarbeiter versorgte uns dort mit tausend und einer Info. Da das Wetter gerade ganz schön und der Himmel halbwegs klar war, wagten wir noch eine 8,5 km lange Wanderung durch das Herzstück des Parks.

An der Küste entlang liefen wir irgendwann durch einen Wald, wo es mal trocken über Boardwalks ging, mal hüpfend und balancierend über sehr matschigen Waldboden. Viel Aussicht gab es diesmal nicht. Es ging dort eher um den Wald, der einige der ältesten Bäume der Region beherbergt, da die berühmten kanadischen Holzfäller nicht in dieses Gebiet vorgedrungen waren.

Zwischendurch kamen wir immer wieder an kleinen Seen vorbei und auch an voll behangenen Blaubeerbüschen, sodass das Frühstücksobst für die nächsten Tage ebenfalls gesichert war.

Die Nacht verbrachten wir knapp außerhalb der Parkgrenzen auf einer kleinen Lichtung. Am nächsten Vormittag ging es noch einmal in den Park, wo wir zwei weitere, eher kürzere Wanderungen unternahmen. Sie boten uns schöne Aussichten auf die Küste und die Seenregion der Gegend.

Wir erklommen auch einen alten Feuerturm, der dem starken Wind trotzte – zumindest besser als unsere Frisuren.

Gut durchgelüftet zogen wir schließlich weiter.

Gros Morne Nationalpark

Nach einer Übernachtung und einem Einkaufsstopp in Grand Falls-Windsor erreichten wir endlich die Region, wegen der wir hauptsächlich nach Neufundland gekommen waren: den Gros Morne Nationalpark.

Wie immer steuerten wir zuerst das Visitor Centre an, was diesmal allerdings wenig hilfreich war. Die etwas lustlose Mitarbeiterin bejahte nur all unsere Pläne, Fragen nach den Trailbedingungen beantwortete sie oberflächlich und falsch, wie wir noch feststellen sollten. Auch sonst war nicht viel aus ihr herauszuholen. Na ja.

Wir hatten eh schon einen Plan im Kopf und da noch Zeit war, fuhren wir noch nach Norris Point. Ein kleiner Ort mit schnuckeligem Hafen und einem kurzen Trail, auf dem wir einen ersten Blick auf den Gros Morne Mountain und die Bay warfen.

🙂

Zufällig hatte ich am Straßenrand auch einen Foodtruck entdeckt, den ich mir schon vor Wochen auf der Landkarte markiert hatte, da es dort die besten Lobster Rolls von Neufundland geben sollte. Praktischerweise gab es direkt daneben eine große, ebene Parkfläche ohne Schilder. Also beschlossen wir, dass dies unser Platz für die Nacht werden sollte. So konnte ich mir meine erste Lobster Roll direkt im Van genehmigen.

Lobster King

Sehr lecker, wenn auch sehr teuer – Hummer halt – und irgendwie auch ganz anders als erwartet. So waren wir aber gut gestärkt für die große Tour am nächsten Tag.

Endlich ging es richtig rein in den Nationalpark und gleich mal rauf auf den zweithöchsten Gipfel Neufundlands: den Gros Morne Mountain, dessen Gipfel auf stolzen 807 Metern liegt. 😉

Die Wettervorhersage behielt Recht, die Sonne schien vom blauen Himmel und so marschierten wir wie immer zeitig los. Erwartungsgemäß war der Trail recht nass, aber zunächst noch gut zu gehen. Vorbei an einem kleinen Wasserfall ging es, den Gros Morne immer im Blick, stetig bergauf, bis sich der Blick auf die umliegende Landschaft öffnete.

Gros Morne Hike

Dann wurde es aber doch matschiger, obwohl die Dame im Visitor Centre ja gemeint hatte, das sei dort gar kein Thema. Haha.

Alles trocken!

Aber auch die überspülte Holzbrücke meisterten wir trockenen Fußes und standen schließlich am eigentlichen Aufstieg des Berges. Ab dort wurde es so richtig steil: 480 Höhenmeter auf zwei Kilometern. Da es über große Felsen hinaufging, ließ sich das aber gut und schnell machen. Zudem schien uns die Sonne in den Rücken und wir hatten kaum Wind, also keinen Grund zu meckern.

Geil!
🙂

Schließlich gelangten wir auf das Plateau des Berges und bekamen spektakuläre 360-Grad-Aussichten. Wirklich toll!

Gros Morne Gipfel

Der Trail verlief nun weiter auf der Höhe, über aufwendig angelegte Wege, vorbei an grunzenden Ptarmigan-Vögeln. Die klingen wirklich wie rülpsende Frösche, zu witzig! Schließlich bekamen wir einen Ausblick auf den Ten Mile Pond, der uns echt die Sprache verschlug. Der Hammer! Dazu die grünen Berge und Hügel rundherum, überall fielen Wasserfälle ins Tal. Da gehen einem die Superlative aus.

Wir suchten uns einen gemütlichen Fels für unsere Mittagspause und begannen dann den langen Abstieg. Der verlief zunächst über eine super angelegte Treppe und wurde anschließend wieder felsig und auch etwas matschig. Schöne Grüße an die Tante aus dem Visitor Centre!

Abstieg

An einer Stelle rutschte ich blöd von einem Felsen ab und landete heftig auf der rechten Arschbacke. Ich dachte kurz, ich hätte mir ebendiese gebrochen. Das tat für einen Moment ganz schön weh und Laufen war danach nicht mehr so angenehm, aber mit der Zeit wurde es besser. Zurück blieb ein formschönes, dreifarbiges Hämatom und Sitzen war die nächsten Tage nicht so bequem wie sonst. Aber was soll’s – die Wanderung war es mal wieder wert!

Der Rückweg zog sich ganz schön, bescherte uns aber weitere schöne Ausblicke und langsam auch die ersten zarten Herbstfarben. Nach 17 km waren wir wieder zurück am Van und ziemlich zufrieden mit unserem ersten Tag – abgesehen von meinem Hintern.

Für den restlichen Nachmittag und die Nacht suchten wir uns ein schönes Plätzchen direkt am Meer. Zwar war es dort schon recht frisch, dennoch genehmigten wir uns ein Bierchen in der Sonne und schauten den Wellen zu.

Ein Local aus der Nähe kam mit seinem ATV vorbei und fragte uns, ob wir nicht ein noch schöneres Plätzchen haben wollten. Er meinte die Plätze weiter unten am Meer wären noch schöner. Aber wir waren happy enough und wollten am nächsten Morgen sowieso wieder zeitig los, zum nächsten Highlight.

Als ich morgens den Rollo hochmachte, wurde ich allerdings erst einmal vom schönsten Sonnenaufgang seit Langem überrascht. Was für Farben, wow!

Western Brook Pond

Dank meiner Freundin Anne hatten wir uns für die Western Brook Pond Tour angemeldet. Hier muss man frühzeitig einen Zeit Slot buchen, selbst in der Nebensaison. Dabei ging es mit dem Boot durch einen ehemaligen Fjord, der inzwischen vom Meer abgeschnitten ist und deshalb nur noch ein langer Süßwassersee ist.

Bevor die Bootstour losging, hieß es erst einmal drei Kilometer zum Steg „wandern“ – oder mit einem Golfwägelchen fahren, für 10 Dollar. Haha.

Pünktlich ging es mit dem Boot los und ab auf den Pond. Die Kulisse hätte mal wieder kaum spektakulärer sein können. Der Pond wird von teilweise bis zu 700 Meter hohen Wänden eingerahmt, ist 16 km lang und etwa 1,3 km breit. Um uns herum gab es nichts als massive Steinklippen und natürlich jede Menge Wasserfälle.

Western Brook Pond
🙂

Die beiden Skipper machten die zweistündige Tour sehr kurzweilig, erzählten viele Fakten und Anekdoten, zeigten Bilder aus alten Zeiten und vom Winter und ließen zu guter Letzt alle mal auf den Löffeln spielen – darunter kann sich jetzt jeder vorstellen, was er will.

Wir hatten aufgrund des Preises lange überlegt, ob wir uns die Tour gönnen sollten, waren im Nachhinein aber total happy, es gemacht zu haben. Und noch dazu bei so schönem Wetter! Da hatten wir echt mal wieder Glück gehabt.

Noch mehr Nationalpark

Nach der frühen Bootstour war der Tag noch jung, also fuhren wir in den südlichen Teil des Nationalparks und wanderten noch den Lookout Trail. Der machte seinem Namen alle Ehre.

Zunächst ging es durch den Wald hinauf, bis wir auf einen Boardwalk gelangten und schließlich den Aussichtspunkt erreichten, von dem wir einen 360-Grad-Blick auf die Bonne Bay, den Gros Morne Mountain, die Tablelands und noch mehr hatten. Wahnsinn – allerdings auch sehr windig!

Der Weg verlief weiter auf der Höhe, über den perfekt angelegten Boardwalk, und wir bekamen mal wieder gar nicht genug von den Aussichten und Farben. So schön!

Vor den Toren des Parks suchten wir uns eine freie Fläche am Wasser aus, wo es keine Schilder oder Ähnliches gab, die auf ein Verbot hingewiesen hätten. Gegen 22 Uhr tauchte dann allerdings doch jemand auf und ließ uns wissen, dass wir auf Privatgelände standen und bitte gehen sollten.

OK, eine Parkbucht am Straßenrand tat es dann auch. Viel Verkehr gab es in der Ecke zum Glück nicht und wie immer ging es am nächsten Morgen bei uns ja zeitig los.

Wir konnten unser Glück kaum fassen, aber auch der dritte Tag im Nationalpark zeigte sich von seiner besten Seite: blauer Himmel und Sonnenschein, genauso, wie wir es uns gewünscht hatten. Und das, nachdem es in den letzten zwei Wochen dort gefühlt nur geregnet hatte, mit wenigen Ausnahmen!

Zwei Wanderungen hatten wir noch auf der Wunschliste.

Morgens nahmen wir uns als Erstes den Green Gardens Trail vor. Dieser verlief vom Parkplatz aus bergab, hinunter an die Küste. Die Aussicht war phänomenal – was auch sonst!

Über eine Treppe gelangten wir hinunter an den Strand, wo uns eine Herde Schafe erwartete. Das hatten wir auch noch nicht so oft. Eines war ganz zutraulich und ließ sich sogar die Öhrchen kraulen. So süß!

Strandzugang

Auch die Felsen am Strand faszinierten uns. Dank Ebbe kamen wir relativ nah heran und bestaunten auch die Algen, die dort wuchsen. Was für eine irre Natur!

Nach der 10 km langen Runde fuhren wir ein kleines Stück weiter und erreichten die Tablelands – vielleicht erst auf den zweiten Blick ein Highlight.

Optisch sieht man dort zunächst nur braunes Gestein mit wenig Vegetation. Tatsächlich läuft man hier aber über den Erdmantel, also quasi das Erdinnere. Vor Millionen von Jahren hat sich die Erdkruste geöffnet und Gesteinsmassen wurden zusammengeschoben, sodass das Innere nach außen gelangte und dort bis heute liegt. Nur an wenigen Stellen auf der Welt kommt man so einfach an dieses Gestein heran. Schon beeindruckend!

Dass wir drei so perfekte Tage im Gros Morne Nationalpark bekommen würden, hätten wir nach dem verregneten Start auf der Insel nicht gedacht. Umso happier waren wir, dass es doch noch geklappt hatte.

Stürmischer Abschied

Außerhalb des Nationalparks fanden wir an einem Waldrand ein schönes Plätzchen, wo wir den restlichen Nachmittag und die Nacht verbrachten.

Für das bevorstehende Wochenende war leider ein schwerer Sturm vorhergesagt, der hauptsächlich die Ostküste Neufundlands treffen sollte. Dementsprechend gab es aber auch hohen Wellengang und es war zu erwarten, dass einige Fähren zurück aufs Festland ausfallen würden.

Wir versuchten noch kurzfristig, einen Platz auf der Freitagsfähre zu ergattern, aber keine Chance. Für Samstag waren Starkwinde vorhergesagt, somit buchten wir unsere Rückreise für Sonntag und hofften, dass sich der Sturm bis dahin verzogen haben würde.

Unser letzter Stopp auf Neufundland war erneut Corner Brook. Dort sollte der Sturm nicht so wild werden und so suchten wir am altbekannten Platz, am Captain Cook Lookout, Schutz vor dem Sturm.

Das klappte auch ganz gut – bis es am frühen Samstagmorgen auf einmal doch extrem windig wurde und sich die Bäume gefährlich neigten. Also verzogen wir uns schnell auf den leeren Parkplatz eines Supermarktes. Dort konnte uns zumindest nichts aufs Auto fallen.

Später nahmen die Winde wieder ab und spontaner Platzregen und kurze Sonnenfenster wechselten sich im Minutentakt ab. Auf Neufundland kann man wirklich alle Jahreszeiten innerhalb weniger Minuten erleben!

Nachmittags bahnten wir uns dann unseren Weg zurück Richtung Port aux Basques, wo wir die letzte Nacht vor der Fähre unspektakulär am Straßenrand verbrachten.

Wie erhofft, hatte sich der Sturm am Sonntag verzogen und wir boardeten die Fähre bei strahlendem Sonnenschein. Anfangs schaukelte das Schiff noch ein wenig, aber je weiter wir Richtung Festland kamen, desto ruhiger wurde das Meer.

Wir hatten wieder eine sehr entspannte Überfahrt, die wir uns mit Arbeiten, Filme schauen und Dösen vertrieben. Nach sechseinhalb Stunden waren wir zurück in Nova Scotia.

Die zwei Wochen in Neufundland haben uns noch mal eine ganz andere Seite von Kanada gezeigt – wild, stürmisch, sehr nass und so ganz anders als der Rest. Dennoch, oder vielleicht auch ein bisschen deswegen, hat es uns extrem gut gefallen.

Jetzt waren wir (mehr oder weniger) bereit für unseren Kanada-Endspurt – aber dazu dann demnächst mehr. 🙂

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Québec: Berge, Fjorde & Meer

Teil 18 unseres Roadtrips durch Kanada

22. August – 2. september 2026
Québec & New Brunswick

Wir zogen weiter durch die Provinz Québec und erreichten die Charlevoix-Region, wo wir unseren ersten Stopp im Parc national des Hautes-Gorges-de-la-Rivière-Malbaie einlegten. Diese langen französischen Namen raubten mir echt den letzten Nerv.

Parc national Haute-Gorges-de-la-Rivière-Malbaie

Anne hatte uns dort eine tolle Wanderung, mit dem nicht weniger komplizierten Namen L’Acropole-des-Draveurs, mit Aussicht auf die gleichnamige Schlucht empfohlen: nur 9 km insgesamt, aber auch 860 hm auf 4,5 km. Also genau unser Ding.

Leider gelangte man am Wochenende nur mit einem kostenlosen Shuttlebus zum Trailhead, die Straße dorthin war für Privatfahrzeuge gesperrt. Der Shuttle fuhr uns aber zu spät los und im Gänsemarsch mit anderen Leuten wandern mögen wir auch nicht. Also standen wir wieder früh auf, Christian machte die Räder startklar und wir radelten bei noch recht frischen Temperaturen los zum Trailhead.

Nachdem die Räder gesichert waren, begann der steile Anstieg. Selten sind wir einen Trail mit so vielen Warn- und Hinweisschildern gelaufen, die teilweise aber sehr witzig waren. Und es wäre nicht Québec, wenn der Höhenvergleich nicht anhand des Eiffelturms gezogen worden wäre. Die Franzosen sind echt eigen, selbst wenn es Kanadier sind. 😉

Wir kamen gut voran und erreichten bald den ersten von drei Gipfeln. Dort bekamen wir eine spektakuläre Aussicht auf die Schlucht. Wirklich beeindruckend schön!

Auch Gipfel 2 und 3, alle mehr oder weniger auf der gleichen Höhe, boten tolle Ausblicke auf die Schlucht und die Landschaft drumherum.

Nach erfolgreicher Stärkung traten wir den Abstieg an, der wie immer unangenehmer war als der Aufstieg. Außerdem kamen uns jetzt echt viele Leute schnaufend entgegen. Wir waren definitiv froh, so zeitig unterwegs gewesen zu sein.

Der Tag war nach der Wanderung noch jung, also radelten wir mit den Rädern noch etwas weiter in den Park beziehungsweise tiefer in die Schlucht hinein. Am Visitor Center bestaunten wir das kleine Wehr und die Aussicht auf den Draveur, auf dem wir eben noch gestanden hatten. Ab dort ging es auf Schotter weiter, immer am Fluss entlang. An einem kleinen „Wasserfall“ machten wir schließlich kehrt. So langsam wurden die Beine dann doch müde und wir hatten Gegenwind auf dem Rückweg. Typisch!

Zurück am Van verstauten wir wieder alles und warfen einen Blick auf die Wettervorhersage, die leider etwas gemischt daherkam. Also galt es, den schönen Tag noch zu nutzen und weiterzufahren.

Fjord du Saguenay

Nach etwa drei Stunden Fahrt erreichten wir am späten Nachmittag den Fjord du Saguenay, also einen langen, schmalen Meeresarm, der durch Gletscher entstanden ist und der dort malerisch zwischen steilen Klippen und grünen Hügeln verläuft.

Wir hatten gerade noch Zeit, das schöne Abendlicht von einem der Aussichtspunkte zu bestaunen, und wussten da leider schon, dass sich das Wetter am nächsten Tag gewaltig ändern sollte. Es war jede Menge Regen vorhergesagt. Also machten wir das Beste daraus und genossen das schöne blaue Wasser, in dem sich auch Wale und Belugas tummeln. Wir sahen allerdings keine.

Die geplante Bootstour durch den Fjord musste aufgrund der Wettervorhersage leider ebenfalls ausfallen, aber wenigstens hatten wir den Fjord einmal bei Sonne gesehen.

Für die Nacht fanden wir im Ort Petite-Saguenay einen mal wieder von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellten Stellplatz für Wohnmobile, mit Bänken, Sonnenschirmen und Frischwasseranschluss. Merci beaucoup!

Das Wetter hielt sich (leider) an die Vorhersage und wir wachten zu einem sehr regnerischen Tag auf. Also machten wir Strecke und nahmen Kurs auf die Fähre über den Sankt-Lorenz-Strom nach Tadoussac. Die Fähre ist kostenlos, da sie quasi zum Straßennetz gehört. Merci abermals!

Vorher stoppten wir kurz an einem bekannten Aussichtspunkt auf den Fjord, von dem aus man häufig Belugas beobachten kann. Bei der grauen, regnerischen Suppe war allerdings wenig mit Aussicht und die Belugas hatten auch keine Lust aufzutauchen. Schade!

Die Überfahrt nach Tadoussac dauerte nur wenige Minuten und schon standen wir im ebenso verregneten Ort, einem beliebten Touristenziel für Walbeobachtungen. Für Waltouren wollten wir aber kein Geld mehr ausgeben, schon gar nicht bei dem Wetter.

Gerne zahlten wir dagegen Eintritt für das kleine Walmuseum im Ort, das die größte Walskelettsammlung Kanadas beherbergt. Dort konnten wir im Maul eines Nordkapers stehen, die spitzen Zähne eines Pottwals bestaunen und natürlich auch Skelette all der anderen Wale der Region betrachten: Buckelwale, Zwergwale, Finnwale, Orcas, Delfine und viele mehr.

Walskelette
Nordkaper Maul & Barten

Das Museum war wirklich spannend und interaktiv gestaltet, auch wenn es sehr voll war. Kein Wunder bei dem Wetter! In einer kurzen Regenpause wagten wir uns noch ein paar hundert Meter weiter an die Küste, aber auch dort ließen sich keine lebenden Wale blicken. Somit fiel unser Besuch in Tadoussac recht kurz aus und wir düsten weiter.

Fährfahrt über den Sankt-Lorenz-Strom

Und schon wieder Fähre fahren! Diesmal allerdings kostenpflichtig, denn wir mussten erneut über den gewaltigen Sankt-Lorenz-Strom, von Saint-Siméon nach Trois-Pistoles. Der hier allgegenwärtige Strom verbindet die Großen Seen mit dem Atlantik und ist eine der wichtigsten Wasserstraßen Nordamerikas. Er verläuft über rund 1.600 km durch Kanada, bevor er sich in eine riesige Flussmündung verbreitert, die zu den größten der Welt gehört.

Die Überfahrt war kurz und schmerzlos: 1,5 Stunden. Wir sahen sogar in der Ferne, leider wirklich sehr weit in der Ferne, ein paar Beluga-Rücken aus dem Wasser auftauchen. Tatsächlich und zu unserer großen Freude, lichtete sich auch das Wetter auf der anderen Seite etwas. Also fackelten wir nicht lange und fuhren gleich weiter zum nächsten Ziel.

Parc national du Bic

Wir erreichten den kleinen Nationalpark Parc national du Bic, den uns meine Freundin Anne wärmstens empfohlen hatte. Kaum angekommen, riss der Himmel richtig auf und wir sahen mal wieder die Sonne. Das nutzten wir natürlich aus und unternahmen eine kleine Tour über die Île aux Amours. Der Nebel kam und zog wieder in die Bucht hinein und erzeugte dabei eine ganz besondere Stimmung. Wirklich schön!

Für den nächsten Tag wollten wir eine etwas längere Wanderung machen, für die es allerdings Ebbe brauchte. Die war am nächsten Morgen bereits gegen 6 Uhr. Ganz schön früh! Sie setzte aber auch an diesem Abend gegen 18 Uhr ein und das Wetter schien stabil, auch wenn die Vorhersage etwas anderes meinte. Also überlegten wir kurz und beschlossen dann, es spontan zu wagen.

Gegen 17 Uhr marschierten wir los, entlang kleiner Buchten, bis wir schließlich an die felsige Küste gelangten.

Das Wasser war schon weit genug zurückgegangen, sodass wir entlang und über die Felsen an der Küste laufen und klettern konnten. Ein besonders markanter Felsen stach uns dabei ins Auge, den hatten wir schon auf Annes Bildern gesehen. In Echt war er aber noch beeindruckender.

Le Bic
Le Bic

Wir bekamen weitere tolle Fernsichten und das Wetter hielt. Was für ein Glück! Wir fühlten uns, als hätte man uns einen Tag geschenkt. Damit hatten wir heute gar nicht mehr gerechnet.

Zum Abschluss liefen uns noch ein paar süße Rehe über den Weg und pünktlich zum Einsetzen des Regens erreichten wir wieder den Van. Perfektes Timing!

Die Nacht verbrachten wir auf dem Parkplatz eines nahegelegenen Theaters, wo zu unserer Überraschung abends noch eine Veranstaltung stattfand. In diesem Kaff! Naja, keiner störte sich an uns, wir verbrachten eine ruhige Nacht und der nächste Tag begann tatsächlich wieder sonnig.

Während Christian einen Call bezüglich seiner beruflichen Zukunft hatte, sportelte ich eine Runde und anschließend wagten wir uns noch einmal in den Park. Diesmal ging es in eine andere Bucht, ebenfalls eine Empfehlung von Anne. Wirklich schön dort! Wer mal einen ruhigen Urlaub mit kanadischem Nordsee-Feeling machen möchte, ist dort genau richtig.

Parc national de la Gaspésie

Nach einem Einkaufsstopp in Rimouski erreichten wir unser nächstes Ziel, schon wieder einen Nationalpark: den Parc national de la Gaspésie. Auf diesen hatten wir uns besonders gefreut, denn dort gab es wieder einige schöne Wanderungen zu unternehmen. Allen voran der Mont Albert, eine lange und anstrengende Tagestour, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen konnten.

Wieder kamen wir am Nachmittag an, holten im Visitor Center alle notwendigen Infos und Tipps ein und machten noch einen kleinen Spaziergang zu „meinem“ Wasserfall, der Chute Sainte-Anne. 😉

🙂

Überhaupt begegneten uns in der Region auffallend viele Namen mit Sainte-Anne. Das geht auf die Verehrung der heiligen Anna zurück, der Mutter Marias und Schutzpatronin unter anderem der Fischer und Seefahrer. Sie spielt in Québec eine lange religiöse Tradition und ist daher Namensgeberin zahlreicher Orte und Naturplätze – also war doch nicht ich gemeint.

Außerhalb der Parkgrenzen gab es auch dort wieder einen kostenlosen „Campingplatz“, wunderschön an einem kleinen See gelegen, mit Outhouse, Picknickbänken und Kinderspielplatz. Die Québecer wissen, wie man Camper glücklich macht!

Von dort war es am nächsten Morgen nur ein Katzensprung zum Trailhead des Mont Albert. Wir hatten herrlichstes Wetter und bahnten uns den steilen Weg nach oben, auf den immerhin 1.151 Meter hohen Berg.

Aufstieg zum Mont Albert

Oben angekommen, konnten wir die 360-Grad-Ausblicke genießen, ebenso wie die schnell ziehenden Wolken, die immer wieder kurz die Sicht versperrten und genauso schnell wieder verschwanden. Wunderschön!

An einer Schutzhütte, leider unbewirtet – das würde hier noch fehlen! – machten wir unsere Käsebrotpause.

Danach begann der lange, ebenso steile und geröllige Abstieg, den ich innerlich tausendmal verfluchte, trotz der schönen Aussicht.

Irgendwann wurde es aber wieder flacher und weniger felsig, meine Stimmung besser und die Aussicht blieb gigantisch.

An einem See legten wir eine zweite Pause ein, bevor es zurück zum Van und zum kostenlosen Campingplatz ging. Dort genossen wir einen herrlich sonnigen Nachmittag.

Auch der nächste Tag begann wieder früh. Wir fuhren erneut in den Nationalpark und nahmen uns noch eine etwas kürzere Wanderung vor, auf den Pic du Brûlé. Los ging es an einem See, der früh morgens noch spiegelglatt und tiefblau war.

Anschließend führte der Trail durch den Wald hinauf, bis wir schließlich den nur 807 m hohen Gipfel erreichten und eine tolle Aussicht auf die Chic-Choc-Mountains und die Gaspésie bekamen. Wirklich toll und so grün!

Ausblick vom Pic Brule

Auch die ersten Herbstfarben entdeckten wir schon. Die Herbsttemperaturen können von uns aus aber noch warten!

Tour über die Gaspésie Halbinsel

Für den nächsten Tag war im Nationalpark Regen vorhergesagt. Also nahmen wir uns den anderen Teil der Gaspésie-Halbinsel vor und fuhren die Küste entlang, immer dem blau leuchtenden Sankt-Lorenz-Strom folgend.

Wir erreichten Gaspé an der Ostküste, wo wir kurz vor Sonnenuntergang noch einen schönen Viewpoint an einem Steilküstenstrand mitnehmen konnten. Das sah so toll aus! Schade, dass man dort nicht campen konnte, da der Platz zum Nationalpark gehört.

Von diesem Teil der Gaspésie-Halbinsel wollten wir noch mehr sehen. Also standen wir auch am nächsten Tag wieder zeitig auf und machten uns auf zum Cap Gaspé, dem östlichen Zipfel der Halbinsel, an dem ein bekannter Leuchtturm steht. Dort ging es ziemlich windig zu, was der Aussicht und dem Erlebnis aber keinen Abbruch tat. So schön und wild!

Wanderung Gaspé
Windig!
Wanderung Gaspé

Wir folgten der Küste weiter und erreichten Percé, einen kleinen Ort, der für einen großen Felsen bekannt ist: den Rocher Percé. Dieser Klotz liegt sehr fotogen direkt vor der Küste des Ortes. Wir bestaunten ihn aus verschiedenen Perspektiven und schlenderten eine Runde durch den hübschen, kleinen Touristenort.

Dann ging es auch schon wieder weiter, zurück in Richtung Parc national de la Gaspésie. Denn dort hatten wir noch eine Rechnung offen und die Wettervorhersage für den nächsten Tag war ganz hervorragend!

Mont Vallières-de-Saint-Réal

Abends erreichten wir die Außengrenze des Nationalparks und wunderten uns über das heftige Gewitter, das dort gerade herunterkam – das hatten wir so nicht geplant. Wir hofften inständig, dass unsere Wetter-App mit ihrer Vorhersage für den nächsten Tag recht behalten würde.

Wir übernachteten auf einer kleinen Waldlichtung und fuhren am nächsten Morgen wieder ganz früh in den Park. Und siehe da: Kaum angekommen, kam die Sonne zum Vorschein! Na also, geht doch!

Also los und rauf auf den Mont Vallières-de-Saint-Réal! Die ersten zwei Kilometer waren wieder einmal unglaublich steil. Über 400 hm galt es zu überwinden, aber dann hatten wir auch schon den ersten Gipfel erreicht und bekamen einen Vorgeschmack auf die Aussichten, die uns noch erwarteten. Gigantisch!

Aufstieg zum Mont Valliere…

Von dort aus ging es weiter über den Grat, immer von Gipfel zu Gipfel. Insgesamt gibt es acht Gipfel, wobei man vom vierten den besten Ausblick hat. Wir liefen trotzdem noch bis zum siebten, denn vom achten hat man kaum noch Aussicht.

Ab Gipfel Nummer vier wurde es allerdings tierisch windig. So windig, dass ich mich kaum noch aufrecht halten konnte und es heftig bereute, eine kurze Hose angezogen zu haben, da es trotz Sonne eisig kalt wurde. Solche krassen Böen hatten wir seit Patagonien wahrscheinlich nicht mehr. Crazy!

Aber wir hielten durch und kämpften uns weiter voran, weil der Trail und die Aussichten einfach zu schön waren. Eine absolute Highlight-Wanderung, die ich dem Mont Albert jederzeit vorziehen würde!

Durch das ständige Auf und Ab kamen wir schließlich auf über 1.000 hm und 14 km. Also schon ein bisschen mehr als ein Sonntagsausflug, aber jeder Meter hatte sich mal wieder gelohnt.

Mit dieser Wanderung beendeten wir quasi unsere Zeit in der Provinz Québec, die noch tausende weitere Highlights geboten hätte. Aber ewig Zeit hatten wir leider nicht mehr.

Hello New Brunswick!

Neubraunschweig, eine neue Provinz, an die wir ehrlich gesagt nicht so viele Erwartungen hatten. Nach einem Einkaufsstopp irgendwo entlang der Route zog es uns als Erstes an die Bay of Fundy und in den gleichnamigen Nationalpark.

Die Region ist für den höchsten Tidenhub der Welt bekannt: Bis zu 16 Meter steigt und sinkt das Wasser dort innerhalb von etwa sechs Stunden. Da braucht man dann aber auch den Vergleich, um wirklich beeindruckt zu sein. Als wir dort waren, war Flut und es sah schön aus. Bei Ebbe haben wir es allerdings nicht gesehen, somit wurde uns der Unterschied nicht bewusst.

Bay of Fundy

Wir schauten uns ein paar Buchten an und unternahmen eine kleine Wanderung mit schönen Ausblicken auf die Küste. Alles ganz nett, aber nichts, was einen jetzt umhaut. Oder wie die Kanadier sagen: „Nothing to write home about.“ Wobei wir das hiermit nun doch getan haben. 😉

Unser nächstes Ziel in New Brunswick war die Stadt Moncton, wo wir uns das mit dem Tidenhub noch einmal genauer anschauen wollten. In der Stadt gab es allerdings keine schönen Übernachtungsplätze, daher fanden wir etwa 30 Minuten außerhalb etwas Passendes, an einem Railway Museum. Dort standen wir sehr idyllisch im Grünen und verbrachten gleich zwei Abende an diesem Platz, inklusive Grillen. Nicht schlecht!

Moncton ist eine der größeren Städte in New Brunswick und ich hatte dort endlich mal wieder einen Friseurtermin ergattert, der längst überfällig war. Vorher schauten wir uns aber noch die sogenannte „braune Welle“ an.

Wie gesagt, gibt es dort einen starken Tidenhub. Dieser hat zur Folge, dass der Fluss bei Ebbe stellenweise fast trockenfällt. Kommt die Flut zurück, wird das Wasser in das schmale Flussbett gedrückt und erzeugt dabei eine Welle, die manchmal sogar gesurft wird, hatten wir gehört.

Naja, als es soweit war, sahen wir nur eine sehr kleine Welle braunen Wassers. Nicht besonders einladend, wenn man uns fragt, und auch nicht so spektakulär, wie es geklungen hatte. Wie wir später lernten, nennen die Locals das Phänomen auch „Chocolate Wave“. Sehr passend!

Die Stadt an sich war ganz nett, aber doch recht ausgestorben. Ich bekam die Haare geschnitten und das war’s dann auch schon mit der Stadtbesichtigung.

New Brunswick ist etwas ärmer an Highlights als andere Provinzen, aber das macht ja nix. Wir hatten ohnehin andere Pläne für die nächsten Tage und Wochen.

Expresstour durch Nova Scotia

Von Moncton aus ging es einmal im Schweinsgalopp quer durch Nova Scotia, zu Deutsch Neuschottland. Diese Provinz hoben wir uns für den Schluss auf, denn unser nächstes Ziel war erst einmal die östlichste Provinz Kanadas: Neufundland!

Für den 3. September hatten wir die Mittagsfähre gebucht. Wir positionierten uns taktisch und praktisch an einem einfachen Stellplatz unweit des Fährterminals in North Sydney, wo ich nach dem langen Fahrtag noch eine Runde am Wasser laufen gehen konnte. Anschließend verbrachten wir eine ruhige und zum Glück fast windstille Nacht. Ein gutes Omen für die lange Überfahrt!

Am nächsten Morgen ging es dann ab aufs Schiff und rüber nach Neufundland.

Aber dazu dann demnächst mehr! 😊

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2026 Blogbeiträge Kanada Nordamerika

Cityhopping in Ost-Kanada

Teil 17 unseres Roadtrips durch Kanada

7. – 21. august 2026
Ontario & Québec

Zurück im schönen Kanada!

Der Grenzübertritt nach Kanada verlief ziemlich reibungslos. Der nette Beamte stellte ein paar Fragen zu unseren Reiseplänen, Jobs, Rückkehrplänen etc. und ließ uns dann passieren. Das war dann wohl unser letzter Grenzübertritt auf diesem Kontinent. Schon ein komisches Gefühl irgendwie …

Das Wetter war leider nicht sehr verlockend, es war bewölkt und nieselte und freie Parkplätze gab es auch keine, daher verbrachten wir auf der kanadischen Seite der Niagara Falls nicht allzu viel Zeit. Ich sprang schnell aus dem Auto, um ein paar Bilder zu machen, und dann zogen wir auch schon weiter.

So viel Wasser!

Nach einem kurzen Einkaufsstopp nahmen wir Kurs auf Toronto, die Hauptstadt von Ontario, worauf wir uns schon lange gefreut hatten.

Vor den Toren der Stadt fanden wir in einem Park einen guten Stellplatz, gleich am Lake Erie gelegen, mit kleinem Hafen und Spazierwegen. Sehr nett. Von dort ging es am nächsten Morgen rein in die große Stadt.

Lake Erie

Toronto

An Toronto hatten wir große Erwartungen, die nur teilweise erfüllt wurden, ehrlich gesagt. Zwar ist es eine coole, sehr internationale Stadt, mit einer US-amerikanischen Großstadt wie z. B. Chicago kann sie aber unserer Meinung nach nicht mithalten. Allerdings hatte es Toronto auch schwer, da wir ja erst eine Woche zuvor in Chicago waren, was uns total begeistert hatte.

Parken war hingegen super einfach und bequem: Per App konnte man sich schon vorab die freien Parkflächen in der Stadt anschauen und reservieren. Easy peasy – und günstig noch dazu.

Wie fast immer schlossen wir uns erstmal einer Free Walking Tour durch die Stadt an, diesmal geleitet von einem lustigen Iren, der seit ein paar Jahren in Toronto lebt. So lernten wir Downtown und die „Underground City“ kennen. Unter den Hochhäusern in der Innenstadt verlaufen nämlich Tunnel, in denen es eigentlich alles gibt, was man für den täglichen Bedarf braucht: Restaurants, Cafés, kleine Supermärkte, Sportstudios, Frisöre, Reinigung, etc. Das ist in den langen, kalten Wintern sehr praktisch – wobei mir selbst das graue Tageslicht da ganz schön fehlen würde. Aber spannend zu sehen, auch wenn an einem Samstagmittag nicht viel los war, da die Büros ja geschlossen haben.

Dog Fountain in Toronto

Anschließend besuchten wir noch das Viertel Kensington Market – bunt, alternativ, voller Vintage-Läden und internationaler Restaurants. Der Vibe erinnerte uns total an Camden Town in London. Wir mochten es sehr und ließen uns leckere tibetische Momos schmecken und sinnierten über eine Reise nach Nepal, die wir hoffentlich in den nächsten Jahren endlich mal angehen.

Auf dem Rückweg nach Downtown kamen wir noch durch das bunte und trubelige Chinatown und entdeckten dabei so einiges an Streetart. Museen hätte es auch spannende gegeben, die waren uns aber alle zu teuer.

Toronto wird übrigens gerne von US-Film- und Serienproduktionen genutzt, da die Kosten hier günstiger sind als in den USA und Toronto quasi jeder nordamerikanischen Großstadt gleichen kann – es könnte auch Chicago, NYC oder Boston sein, zum Beispiel. Wir sahen, wie vor einem Kaufhaus gerade eine Weihnachtsfilmszene gedreht wurde – mit künstlichem Schnee, Weihnachtsdeko und Schauspielern in Winterklamotten, und das bei 26 Grad.

Am zweiten Tag begaben wir uns auf die Fähre nach Toronto Island – eine vorgelagerte Insel, von der man einen tollen Blick auf die Skyline hat. Auf der Insel gibt es Vergnügungsparks, Strände und alles, womit man ein schönes Wochenende mit der Familie verbringen kann. Sehr nett – aber an einem Sonntag auch sehr trubelig.

Toronto Island

Zurück auf dem Festland erkundeten wir noch Cabbagetown, welches den Namen den irischen Einwanderern verdankt, die damals umgehend anfingen, Kohl in ihren Vorgärten anzubauen. Heute ist das Viertel für die wunderschönen und gut erhaltenen viktorianischen Häuser bekannt. Wirklich schön!

Cabbagetown, Toronto

Zum Abschluss ging es noch in die Graffiti Alley, wo Sprayer gerade bei der Arbeit waren. Mega beeindruckend zu sehen, auch wenn nicht alle Motive unserem Geschmack entsprachen.

Alles in allem war Toronto schön und spannend, aber eben nicht so beeindruckend wie Chicago oder NYC. Außerdem fehlte uns so ein bisschen die kanadische Identität und Mentalität – denn Toronto ist wirklich die internationalste Stadt, die wir je besucht haben, was ja eigentlich ziemlich cool ist. Man sieht Menschen aus allen möglichen Kulturen – Europa, Asien, Afrika, alles ist dabei. Im Dienstleistungssektor trafen wir eigentlich auf keinen gebürtigen Kanadier, sondern immer Menschen mit ausländischen Wurzeln – kaum einer sprach besser Englisch als wir. Das soll keine Beschwerde sein, sondern lediglich eine Feststellung und Besonderheit, die uns aufgefallen ist, besonders im Gegensatz zu anderen kanadischen Städten.

Thousand Islands National Park

Nach einer Übernachtung auf einem erstaunlich ruhigen P&R-Parkplatz erreichten wir am nächsten Tag den kleinen Thousand Islands National Park. Das Highlight sind hier natürlich, wie der Name schon vermuten lässt, die vielen kleinen Inseln im Wasser, von denen einige in Privatbesitz sind. Teilweise sahen wir schon vom Ufer kleine Inseln mit schönen Häusern und dann eine Brücke zur Nebeninsel, auf der das Häuschen für das Boot stand – mit direkter Ausfahrt, also eigentlich die Garage. Sehr nett und nobel.

Von Wohnhaus, über die Brücke in die Bootsgarage

Natürlich hätte eine Bootstour hier Sinn gemacht, aber wir wollten das Geld nicht ausgeben und begnügten uns mit einer kleinen Wanderung, deren Aussichtspunkte auf die Inseln jedoch eher enttäuschend waren. Aber Hauptsache im Grünen.

Nach einer Übernachtung außerhalb des Nationalparks an einem kleinen Park mit Kanu-Slip schwangen wir uns am nächsten Morgen auf die Räder und radelten die Panoramastraße, die durch den Park führt, ab. Wir sahen weitere schöne Häuser und Inselchen und machten an einem kleinen Hafen Mittagspause mit Aussicht.

1000 Islands Nationalpark
🙂

Vielleicht nicht der spektakulärste Nationalpark Kanadas, aber genau das Richtige, um uns mal wieder ein bisschen zu bewegen.

Ottawa

Die ersten Tage im Osten Kanadas waren von vielen Stadtbesuchen geprägt – und die Hauptstadt des Landes wollten wir natürlich auch nicht auslassen. Doch bevor wir Ottawa-Zentrum erreichten, verbrachten wir zwei Nächte an einem Sportplatz etwas außerhalb der Stadt. Der Platz lag auch direkt an einem Fluss, wo wir uns hervorragend die Beine vertreten und sporteln konnten. Nebenbei arbeiteten wir einige Admin-Sachen ab, die längst überfällig waren.

Am zweiten Abend fing es gegen 23 Uhr plötzlich aus dem Nichts an zu stürmen und zu gewittern, inklusive Hagel. Mir wurde kurz etwas bange, da wir direkt neben einem Baum standen, aber Christian war zuversichtlich, dass er standhalten würde.

Es regnete kurzzeitig waagerecht und der Regen drückte sich sogar durch das in Lüftungsstellung angelehnte Seitenfenster. Da wir nicht sicher waren, ob es davon kam oder ob wir eine undichte Stelle hatten, baute Christian kurz vor Mitternacht den inneren Fensterrahmen kurzerhand aus. Wir legten das Rollo trocken und vergewisserten uns, dass alles dicht war – war es zum Glück.

Mitternächtliche Wartungsarbeiten

Am nächsten Morgen sahen wir dann, dass es einige Bäume um uns herum umgeweht hatte. Da hatten wir echt Glück gehabt, dass der Baum neben uns nicht doch auch nachgegeben hatte.

Upsi!

Höchste Zeit in die City aufzubrechen. Parken war in Ottawa Downtown nicht ganz so einfach wie zuletzt in den Großstädten, aber schließlich fanden wir ein gutes Plätzchen und schafften es gerade noch rechtzeitig zu unserer fast schon obligatorischen Free Walking Tour.

Noch bevor wir dort eintrafen, sahen wir eine Parade der „Wachmänner“, die im typischen englischen Look mit roten Jacken und den hohen schwarzen Fellmützen und viel Tamtam durch die Straßen zogen. Offenbar eine Besonderheit im August, wie wir später erfuhren. Direkt am Treffpunkt fand dann am Kriegsdenkmal der Wachwechsel statt, ebenfalls mit viel Tamtam, Dudelsack und einer ausgeklügelten Choreographie.

Ceremonial Guards

Die Tour führte uns durch Downtown, wir erfuhren wieder viel über Geschichte, Kultur und Architektur. Besonders die drei Parlamentsgebäude haben uns beeindruckt, auch wenn das Hauptgebäude leider aktuell schon seit 2019 umfangreich saniert wird. Dennoch lässt es sich dort sicher herrlich regieren.

Was uns auffiel: Ottawa wirkte viel aufgeräumter und „ordentlicher“ als alle anderen Städte, die wir bisher in Kanada gesehen hatten. Auch gab es dort, auf den ersten Blick, viel weniger Obdachlosigkeit und Fentanyl-Zombies – vielleicht findet man die aber auch eher in den Außenbezirken, die wir diesmal nicht besuchten.

Ottawa

Wir besuchten noch den Markt, wo wir eine hervorragende neapolitanische Pizza fanden, und dann ließen wir die Stadt am Nachmittag auch schon wieder hinter uns. Städte sind einfach zu verlockend zum Geld ausgeben – und da warteten ja noch zwei weitere Großstädte auf uns …

Montréal

Wir machten uns auf den Weg nach Québec, Kanadas zweitgrößter Provinz, wo Französisch die erste Amtssprache ist, was sich leider auch auf den Verkehrsschildern bemerkbar machte. Ich verstand nur noch Bahnhof.

Unser Ziel Montréal erreichten wir nicht gleich, sondern verbrachten noch eine Nacht auf einem Platz an einer Art Freiluftkirche, die wirklich schön hergerichtet war und zudem Spazierwege und Toiletten bot. Dort hatten wir eine ruhige Nacht, abgesehen von dem neugierigen Waschbären, der uns besuchen kam – so süß. Sah ein bisschen aus wie unser mexikanischer Pflegekater Hügi, weil er so buckelig lief.

Buckliger Waschbär

Morgens ging es dann rein nach Montreal. Unser übliche Vorabrecherche für Übernachtungsplätze, oder eben einfach nur einen Tagesparkplatz lieferte keine guten Ergebnisse. Nahezu alle Parkplätze hatten extrem negative Kommentare, in den harmlosesten Fällen, dass die Parkwächter anfangs einen niedrigen Preis nennen, und bei Ausfahrt dann das doppelte oder dreifache verlangen. Was uns deutlich mehr Angst machte, waren vielen Kommentare über Autodiebstähle. In den Kommentaren stand oft, dass kürzlich der Betreiber gewechselt hatte, und dass Fahrzeuge trotz Wachpersonal einfach verschwanden. Von solchen Fällen hatten wir seit Monaten nicht mehr gehört. Zum Glück fanden wir ein großes, sicheres Parkhaus, wo wir zwar stolze 30 Dollar für ein paar wenige Stunden zahlen mussten, aber dafür war es wenigstens sicher. 

In der Stadt schlossen wir uns dann wieder einer Walking Tour an – wer hätte es gedacht. Die Stadt gefiel uns erwartungsgemäß auf Anhieb sehr gut, bedingt durch den europäischen, bzw. französischen Flair. Das Wetter war schön, die Straßencafés waren voll mit Menschen, es waren natürlich auch viele Touristen unterwegs, man sah Menschen am Hafen joggen, sporteln, bummeln und alles machte einen recht entspannten Eindruck.

Montréal
Montréal
Montréal
Montréal

Die Tour vermittelte wieder viel Wissen, besonders über den Zwist zwischen französischer und englischer Kultur, der sich besonders in der Architektur und in einigen Statuen widerspiegelt. Sehr spannend, solche Details fallen einem sonst eher nicht auf.

In der Fußgängerzone hätte man in einer der schönen Bars oder Kneipen herrlich versacken können, aber wir rissen uns zusammen.

Stattdessen machten wir uns am nächsten Morgen auf, den Hausberg der Stadt zu erklimmen, den Mont Royal – gerade mal etwa 250 Meter hoch. Über 350 Stufen ging es hinauf und wir hatten einen schönen Ausblick auf die City und das Leonard-Cohen-Mural – der berühmteste Musiker der Stadt, vermeintlich.

Ausblick vom Mont Royal

Wir bummelten noch eine Runde durch ein etwas alternatives Künstlerviertel, voller cooler Vintage-Läden und schöner Ecken, und dann kehrten wir auch dieser Stadt wieder den Rücken. Es wurde Zeit für etwas Natur.

Mont Bromont

Nach einer Übernachtung irgendwo in einem kleinen Dorf erreichten wir Bromont bzw. den Mont Bromont – im Winter ein Skigebiet, jetzt im Sommer ein Bikepark.

Die Gondel sparten wir uns und strampelten selbst hinauf und dann wieder rasant hinab. Genial! Viermal ging das so hin und her, danach waren die Beine platt. Aber für uns perfekt, weil man direkt an den Trails parken konnte, sodass wir für die Mittagspause zuhause einkehren und danach gleich weitermachen konnten.

Nach einer dringend notwendigen Dusche zog es uns dann gleich weiter in eine Winery, denn davon gibt es in der Region so einige. Wir landeten beim kleinen Weingut Courville, wo wir nett empfangen und verköstigt wurden und sogar den Airedale Charly trafen, dem einer der Weine gewidmet ist. Klar, dass davon eine Flasche mitkommen musste. Schließlich stand als Nächstes auch ein besonderer Besuch an, bei dem wir nicht mit leeren Händen auftauchen wollten.

Wiedersehen mit Anne & Carl

Endlich rollten wir bei Anne und Carl in die Einfahrt. Mit Anne habe ich mir vor über 24 Jahren mal für drei Monate ein Büro bei Siemens VDO geteilt – direkt, bevor sie nach Kanada ausgewandert ist, der Liebe zu Carl wegen. Und seit 24 Jahren planten wir, sie dort irgendwann mal zu besuchen – und irgendwann war nun endlich gekommen.

Die Freude war groß und wir staunten über das traumhafte Haus und Grundstück, welches die beiden direkt an einem See bewohnen. Wow!

Wir bekamen die große Führung, ein deftiges deutsches Abendessen und dann ging es zum Sonnenuntergang raus auf den See – mit dem kleinen Boot von den beiden. Was für ein Traum.

Nach der ersten Nacht in der großzügigen Einfahrt vor dem Haus zeigte uns Anne die Kleinstadt Val-des-Sources, die früher mal Asbestos hieß, da es im Ort eine Asbestmine gab. Diese gibt es immer noch, sie wird aber nicht mehr betrieben und ist inzwischen zu einem See geworden. Wir bestaunten die Überbleibsel sowie die schweren Maschinen, mit denen einst das Asbestgestein abtransportiert wurde – darunter Fahrzeuge mit einem Gewicht von rund 190 Tonnen, ganz schöne Oschis.

Zurück zu Hause nutzten wir den schönen Garten. Anne hatte 1001 Reiseinspirationen für uns – sie und Carl waren erst im Juni in Neufundland gewesen, was bei uns ganz hoch im Kurs stand.

Einfach traumhaft

Des Weiteren durften wir den Luxus der Waschmaschine nutzen sowie den erfrischenden Pool. Wir wurden weiterhin umsorgt und bekocht, spielten Boule und Uno Extreme, und verbrachten einfach eine schöne Zeit mit den Beiden.

Boule

Den dritten Tag nutzte Christian für ein paar Schönheitsreparaturen am Van. Eine der Silikonfugen in der Dusche musste erneuert werden und außerdem nahm er sich noch mal der Handbremse an, die wieder mal nicht mehr richtig halten wollte. Nach anfänglicher Skepsis hielt die dann plötzlich auch wieder – nach der zweiten Testfahrt. Na also, geht doch.

Am letzten Abend probierten wir zum ersten Mal das Nationalgericht von Quebec, Poutine – Pommes mit Bratensoße und quietschigem Käse. So gar nicht meins, aber Christian mochte es natürlich.

Nach drei schönen und entspannten Tagen war es dann für uns Zeit weiterzuziehen. Schließlich ist unsere Restzeit in Kanada begrenzt und wir hatten noch einiges auf dem Plan, durch Annes Tipps jetzt sogar noch umso mehr.

Sehr dankbar für die schöne Zeit nahmen wir Abschied und hoffen, es dauert nicht noch mal 24 Jahre, bis wir uns wieder in Kanada sehen – oder notfalls in Deutschland.

Québec City

Wir erreichten Quebec City, Hauptstadt der Provinz und eine Stadt, von der uns schon so viele vorgeschwärmt hatten. Und ja, sie war wirklich so schön wie erwartet. Französischer Flair an jeder Ecke – allerdings war es dort auch so voll, wie wir es schon lange nicht mehr erlebt hatten. Kein Vergleich zu den anderen Städten, in denen wir zuletzt waren. In der Altstadt schoben sich in manchen Gassen die Massen nur so gegenseitig an. Crazy.

Wir fanden einen zentralen und bezahlbaren Parkplatz, auf dem wir sogar übernachten konnten. Perfekt. Auch hier schlossen wir uns als Erstes einer Walking Tour durch die Altstadt an, was sich wie immer sehr lohnte.

Danach erkundeten wir die Stadt auf eigene Faust und gönnten uns in der Happy Hour ein Pint in einem sehr netten Pub. Auch abends zogen wir noch mal durch die Altstadt, die natürlich auch wunderschön beleuchtet war. Allein das Fairmont Hotel, wo auch gerne mal die Royal Family absteigt, wenn sie zu Besuch kommt, war schon ein ganz schöner Hingucker. Und wie auch überall in Paris stand an jeder Ecke ein Straßenkünstler.

Nach einer ruhigen Nacht zogen wir früh am nächsten Morgen noch mal los – ich wollte gerne noch ein paar Bilder ohne Menschenmassen machen, was mir auch gelang. Wirklich so eine schöne Stadt.

Québec City

Wir erkundeten noch das Viertel Saint-Jean, welches mit vielen schönen Boutiquen aufwarten konnte, und genehmigten uns noch eine Pizza, bevor es Zeit wurde, die Stadt wieder zu verlassen.

Für’s erste hatten wir jetzt wirklich genug Großstädte gesehen und wollten endlich wieder in die Natur. Zum Glück gibt es davon in Québec auch jede Menge.

Aber dazu dann demnächst mehr. 🙂

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2026 Blogbeiträge Nordamerika USA

USA Endspurt: The Great Lakes

Teil 22 unseres Roadtrips durch die USA

26. juli – 6. august 2026
Michigan, Illinois, Indiana

Marquette

Ein wieder mal langer Fahrtag brachte uns am frühen Nachmittag des 26. Juli an unser Ziel: Michigan, genauer gesagt die Upper Peninsula von Michigan. Der Bundesstaat ist nämlich zweigeteilt und wird durch den Lake Michigan unterteilt – fährt man am Seeufer entlang, verlässt man Michigan und kommt zunächst durch Wisconsin und später durch Illinois, bevor man wieder in Michigan landet.

Unser erstes Ziel war Marquette am Lake Superior, welcher neben Lake Michigan, Lake Huron, Lake Erie und Lake Ontario zu den fünf Great Lakes gehört. Zusammen bilden diese riesigen Seen zwischen den USA und Kanada das größte zusammenhängende Süßwassersystem der Erde und enthalten rund 20 Prozent des weltweiten Süßwassers an der Oberfläche.

In Marquette hatte Christian MTB-Trails entdeckt, daher fackelten wir auch nicht lange, packten direkt nach unserer Ankunft die Räder aus und schwangen uns auf die Trails. Nach den langen Fahrtagen hatten wir etwas Bewegung dringend nötig.

MTB in Marquette

Die Trails waren ruppiger als erhofft, aber dennoch war es schön, wieder im Sattel zu sitzen und sich ein bisschen auspowern zu können.

Gut, dass wir den Ankunftstag gleich genutzt hatten, denn der nächste Tag kam leider sehr regnerisch daher. Daher verschlug es uns zunächst in die Wäscherei, wo wir auf nette Franco-Kanadier trafen. Mit vielen Tipps für Québec und sauberer Wäsche drehten wir eine Runde durch Marquette und beschlossen, noch eine Nacht zu bleiben, um am nächsten Tag die Gegend etwas genauer mit den Rädern zu erkunden.

Gesagt, getan: Am nächsten Morgen packten wir wieder die Räder aus und fuhren noch ein paar einfache Trails zu kleinen „Wasserfällen“.

Spannend war auch, die riesigen Ore Docks, also Erzverladeanlagen, in Aktion zu sehen: Das Eisenerz wird in der Gegend rund um Marquette im Tagebau abgebaut, vor Ort zerkleinert und konzentriert und anschließend in einer Pelletieranlage zu kleinen, kugelrunden Pellets verarbeitet. Diese werden dann per Zug aus den Minen nach Marquette gebracht und über die hohen Verladeanlagen und langen Rutschen direkt in die großen Frachtschiffe gekippt. Von dort geht es über die Great Lakes weiter zu Stahlwerken im Mittleren Westen der USA. Wir konnten genau beobachten, wie die kleinen Eisenkugeln nur so ins Schiff herunterprasselten.

Danach erkundeten wir Presque Isle, eine kleine Halbinsel, die tolle Ausblicke auf den See bot, der so riesig ist, dass man sich wie am Meer fühlt. Am Black Rock sprangen viele ins kühle Nass, wir begnügten uns mit einer Brotzeit, radelten noch mal ins Zentrum von Marquette, was sehr schön, aber leider ziemlich ausgestorben war, und dann ging es zurück zum Van und gleich schon ein Stückchen weiter.

Pictured Rocks National Lakeshore

Unser nächster Stopp war der kleine Nationalpark Pictured Rocks National Lakeshore. Dort zogen wir am nächsten Morgen zeitig los für die Chapel Loop, eine rund 16 km lange Wanderung, welche die Highlights des Parks umfasste.

Die Wanderung führte uns zunächst durch den herrlich frischen, grün leuchtenden Wald, vorbei an kleinen Wasserfällen und schließlich zum Chapel Rock, der von frühen europäischen Entdeckern nach einer Kapelle benannt wurde. Naja, so ganz erkannten wir es nicht, aber die Felsformation war auf jeden Fall faszinierend, auch durch den Baum, der obendrauf wächst – eine etwa 250 Jahre alte Weißkiefer.

Es folgte ein wunderschöner Strand mit glasklarem Wasser, das herrlich einladend aussah – aber kühl war und zudem lauerten tausende Moskitos auf jeden freien cm² Haut. Also blieb es beim Fußbad, bevor wir weiterwanderten. Vor uns querte Bambi mit ihrer Mama den Weg, die beiden kamen auch gerade vom Strand. So was Süßes!

Nun folgte der spektakuläre Teil der Wanderung, immer an den „Pictured Rocks“, also den Klippen am Lake Superior, entlang. Die Felsen bestehen aus Sandstein und sind durch verschiedene Mineralien „bunt“ gefärbt – allerdings nicht so bunt, wie wir es uns vorgestellt hatten. Aber daher rührt der Name des Parks, „Pictured Rocks“.

Wahnsinn – die Farben und Formen waren wirklich spektakulär und wunderschön. Kaum zu glauben, dass das „nur“ ein See ist.

Neidisch beobachteten wir die Kajakfahrer und waren genervt von den vielen Ausflugsbooten, die mit lauten Lautsprechern ihren Gästen alles vermeintlich Wissenswerte über die Natur erklärten – und dabei genau die störten. Naja, wir mögen einfach keine Menschenaufläufe. Auf dem Wanderweg kam uns dagegen kaum jemand entgegen.

Schließlich ging es wieder durch den üppig grünen Wald, noch mal an einem kleinen Wasserfall vorbei und nach rund 16 km waren wir glücklich zurück am Van. Was für ein schönes, unerwartetes Highlight in dieser Region des Landes.

Wir fuhren ein paar Kilometer weiter und sprangen schließlich doch noch mal in den erfrischend kühlen See – herrlich, wenn man sich erstmal überwunden hat.

Im Anschluss fuhren wir noch ein Stück weiter und fanden einen relativ idyllischen Straßenrand-Platz an einem kleinen Park. Wir rechneten fest damit, dort jemandem unangenehm aufzufallen, da alles so gepflegt schien. Aber, keiner behelligte uns und wir verbrachten eine ruhige Nacht, bevor uns mal wieder ein langer Fahrtag bevorstand – die Distanzen sind hier in den USA einfach nicht mit Europa zu vergleichen.

Chicago

Sechs Stunden Fahrt brachten uns durch den Stau rund um Milwaukee und bis in einen Vorort von Chicago. An einem Sportcenter übernachteten wir zweckmäßig und fuhren am nächsten Morgen zeitig in die große Stadt, auf die wir uns schon lange gefreut hatten.

Vorab hatten wir einen Parkplatz gebucht, was dank einer App superpraktisch ist und einem viel Stress und Rumfahrerei erspart. So waren wir gleich mitten im Geschehen und schauten direkt bei „The Bean“ vorbei. Die berühmte Skulptur heißt offiziell eigentlich Cloud Gate, ist eine riesige, spiegelnde Edelstahlskulptur, welche die Skyline, den Himmel und natürlich auch die Besucher reflektiert und daher ein beliebtes Fotomotiv ist – natürlich auch für uns.

The Bean
The Bean

Wir staunten über die vielen auffällig bunt angezogenen Leute, bis klar wurde: Hier fand gerade Lollapalooza statt, ein Musikfestival mitten in der Stadt. Daher war leider ein Teil des Seeufers abgesperrt – Chicago liegt nämlich direkt am Lake Michigan.

Wir schlossen uns stattdessen einer tollen, kleinen Stadtführung an, lernten viel über Geschichte, Architektur und Anekdoten.

Zum Mittag probierten wir dann unsere erste Deep Dish Pizza, die mehr ein sehr üppiger, deftiger Kuchen ist und aus einer Schicht Teig, einer Schicht Käse, noch einer Schicht Teig und dann dem jeweiligen Belag plus extra Käse besteht. Ein Stück reicht hier selbst (m)einem hungrigen Mann.

Nach dem Besuch im kostenlosen und sehr schön gemachten Fotomuseum nahmen wir Kurs auf das Viertel, in dem Deborah und Miles leben. Deb hatten wir auf unserer Antarktistour kennengelernt und inzwischen schon in Peru und Mexiko wiedergetroffen. Und nun hatten die beiden uns zu sich nach Hause eingeladen und sogar ihren Parkplatz vorm Haus für uns geräumt. Dort passten wir gerade so hin – zentraler konnten wir kaum wohnen.

Deb hatte mit ihrem 9 Monate alten Sohn Nico eine Verabredung mit anderen Müttern in einer Brauerei (wo sonst, haha) und wir schlossen uns einfach an und konnten so schon mal ein bisschen quatschen.

Abends lud uns Miles zum Critical Mass ein: Einmal im Monat treffen sich Tausende Radfahrer und legen quasi die Stadt lahm. Die Bewegung entstand 1992 in San Francisco und sollte Radfahrern mehr Sichtbarkeit geben und öffentlichen Raum auf den Straßen zurückerobern. Inzwischen gibt es dieses Event in vielen Großstädten weltweit.

Eine mega witzige Veranstaltung!

Miles versorgte uns sogar mit Rennrädern aus seinem Keller, sodass wir unsere Räder nicht ausladen mussten. Genial. Wir drehten gemeinsam mit ihm und seinem Freund Chris eine große Runde durch die Stadt und beendeten den Abend gemeinsam mit Miles und Deb und Chris, der übrigens Comedian ist, am Küchentisch. Ein herrlich lustiger Abend, wie man sich vorstellen kann!

Der nächste Tag war leider sehr, sehr, sehr verregnet. Dennoch rafften wir uns auf und gingen ins Puerto Rico Museum, was super interessant war.

Abends saßen wir wieder mit Deb, Miles und Baby Nico zusammen und nach einer zweiten Nacht im Hof gingen wir Sonntagmorgen zusammen zum Farmers Market im Viertel. Hier hätten wir sämtliche Ersparnisse in die leckeren Produkte investieren können.

Stattdessen zogen wir noch mal weiter in die Innenstadt. Das Wetter war deutlich freundlicher und wir wollten uns noch den Riverwalk anschauen. Auch dort erwischten wir wieder eine Tour, die sich als superspannend erwies, und wir erfuhren erneut sehr viel über Geschichte und Architektur, die uns hier wirklich begeisterte. Chicago kann locker mit NYC mithalten.

Architecture Rivercruise
The Windy City – eindeutig!

Wir krönten das Wochenende mit einer Architektur-Bootstour, die zwar touristisch, aber total spannend und sehenswert war, und dann wurde es Zeit, Abschied zu nehmen. Wir bedankten uns noch mal bei Deb und Miles und ließen die Stadt dann hinter uns – aber wir sind uns einig: Wir kommen noch mal wieder, wenn das Budget nicht mehr ganz so knapp ist.

Indiana Dunes National Park

Es ging weiter in den nächsten kleinen Nationalpark – Indiana Dunes, im benachbarten Bundesstaat Indiana.

Am Visitor Center verbrachten wir eine ruhige Nacht und versorgten uns am nächsten Morgen bei einer netten Mitarbeiterin mit allen Infos für Wanderungen und Co. Allzu viele Wanderoptionen gab es aber nicht, zumindest nicht, wenn man nicht noch mal extra Eintritt in den neben dem Nationalpark liegenden State Park zahlen wollte. Dort hätte es die große Dünenwanderung gegeben – aber ich mag ja eh keinen Sand im Schuh.

Also fuhren wir rein in den NP und drehten eine kleine Runde, vorbei an einem zugewachsenen See und bis zu einem Strand am Lake Michigan.

Indiana Sand Dunes

Der gab uns Nordsee-Vibes mit dem weißen Sand und den Gräsern. Das Wasser war glasklar und einladend und es gab sogar ein Waschhaus mit Duschen, Umkleiden, Kiosk, Schwimmbadpommes und alles, was man sich so wünschen kann. Also warfen wir uns in die Badeklamotten und sprangen rein ins kühle Nass.

Nach ausgiebigem Badespaß und einer ebenso ausgiebigen Dusche zogen wir noch weiter durch den Park und entdeckten vier Häuser, die einst für die Weltausstellung 1933 in Chicago gebaut und anschließend nach Indiana gebracht worden waren. Die sogenannten „Century of Progress“-Häuser sollten moderne Architektur, neue Baumaterialien und technische Innovationen zeigen. Vier davon wurden später per Lastkahn und eines teilweise per Lkw an die Küste von Indiana gebracht.

Zufrieden mit unserem Parkbesuch zogen wir schließlich weiter bzw. zurück zum Visitor Center, wo wir eine zweite, ruhige Nacht verbrachten.

Zwischen Michigan und Holland

Zurück in Michigan – Bundesstaaten wechseln geht dort oben wirklich ratz-fatz.

Zu unserer Überraschung gibt es rund um Michigan einige Weinanbaugebiete – wenn man sich die Breitengerade anschaut, gar nicht so verwunderlich. Deb und Miles hatten uns schon gesagt, dass sie die Weine aus der Gegend nicht so pralle finden, aber ein Weingut wollten wir dennoch testen.

Und so landeten wir in Fennville auf dem gleichnamigen Vineyard, der ein bisschen deutsch angehaucht schien. Die Einrichtung war etwas bieder, die Weinauswahl riesig – es gab aber auch diverse Fruchtweine, was eigentlich nie ein gutes Zeichen ist. Im schönen Garten der Anlage, umrahmt von grünen Weinreben, probierten wir uns gemeinsam durch 14 (!) verschiedene Weine. Ein paar waren tatsächlich ganz gut, sogar einen Portwein gab es. Aber viele waren dann doch nicht so nach unserem Geschmack – zu leicht, zu fruchtig und süß. Aber das scheinen hier viele zu mögen.

cheers

Somit behielten Deb und Miles recht und wir zogen einen Ort weiter.

Und so schnell ist man plötzlich in Holland – eine Kleinstadt in Michigan, die ihren Namen den vielen holländischen Einwanderern verdankt. Das Land war grün und flach, in der Ferne entdeckten wir eine Windmühle, und hier und da erinnerte die Architektur tatsächlich auch ein bisschen an die schönen Niederlande. Aber auch nur fast.

Es gab einen holländischen Themenpark und den Park rund um die Windmühle – beides kostete uns zu viel Eintritt. So blieb es bei einem kleinen Stadtbummel, wir erstanden etwas originalen Oude Kaas und wunderten uns über die vielen holländischen Souvenirs und Delfter Blau.

Zurück am Auto stellte ich fest, dass ich mit unterschiedlichen Schuhen unterwegs gewesen war. 😂

Naja, die Holländer sind ja komische Menschen gewohnt. 😉 Und wir freuen uns dann doch bald mal wieder, im richtigen Holland zu sein.

Detroit

Nun zog es uns noch mal in eine Großstadt: Detroit.

Detroit war einst eine große Automobil-Metropole. Die Stadt hatte in den vergangenen Jahren allerdings mit dem Niedergang der Automobilindustrie und erheblichen wirtschaftlichen und sozialen Problemen zu kämpfen. Inzwischen war die Stadt aber so langsam wieder im Kommen – das hatten wir jedenfalls gehört.

Miles hatte uns noch gewarnt – Präsident Biden war hier mal ein gepanzertes Auto geklaut worden, trotz Secret-Service-Bewachung. Wir parkten Moby trotzdem zuversichtlich in der Stadt und schlenderten durch Downtown.

Im GM Tower wollten wir die Autoausstellung bewundern und auf den Turm rauffahren – doch es stellte sich heraus, dass GM vor einigen Jahren schon umgezogen war. Weder Google noch ChatGPT wussten scheinbar davon, die GM-Website war auch nicht up-to-date. Naja, dann halt nicht.

Wir bewunderten in Downtown die schöne Architektur, viel Art Deco und Wolkenkratzer, und fanden schließlich auch das neue GM-Gebäude, wo nur noch jeweils zwei alte Autos ausgestellt werden. Schade.

Das Ford Museum war uns zu teuer, so blieb es beim Bestaunen von Murals und Fassaden. Die Stadt hatte auf jeden Fall was, aber lud jetzt auch nicht zum längeren Verweilen ein, ehrlich gesagt.

Wir schauten noch im griechischen Viertel vorbei und fuhren beim Rausfahren noch durch die Heidelberg Street, wo das Heidelberg Project „Kunstwerke“ versprach. Naja, ich nenne das eher Haufensammlung von Unrat: alte TVs, Schuhe, Uhren, Puppen und sonstiger Hausrat mit mal mehr oder weniger tiefgründigen Botschaften. Naja. Da hätte man bei den Ludolfs und so manchem Messi vermutlich mehr Kunst in der Garage gefunden.

Bevor wir unser letztes Ziel in den USA erreichten, verbrachten wir eine Nacht an einer Rest Area entlang der Straße.

Das war nicht die erste Rest Area in Michigan, die wir ansteuerten, und keine Ahnung warum, aber irgendwie waren alle Rest Areas (also Autobahnraststätten) in diesem Bundesstaat immer top gepflegt und sogar mit Info-Zentren und Verkaufsautomaten für Snacks und Co. ausgestattet. Immer blitzsauber, mit Trinkwasserspendern, Picknicktischen, Grillecken etc. Fast wie auf einem Campingplatz.

Daher nutzten wir die Grünfläche hinterm Van auch für Sport, zum draußen sitzen und Weinchen picheln. Gar nicht so schlecht, für eine Raststätte, oder?

Die Niagara Fälle

Unser letztes Ziel in den USA waren die berühmten Niagara Falls.

Erst spät am Nachmittag erreichten wir den kleinen State Park, der sich rund um die Fälle mitten in der Stadt befindet. Schon allein das ist irgendwie skurril, dass so ein berühmter Wasserfall mitten in einer Stadt liegt – eigentlich sogar in zwei, wenn man die kanadische Seite mitbedenkt. Direkt neben den Wasserfällen verläuft nämlich auch die Landesgrenze.

Eigentlich dachten wir, wir schauen uns die Fälle nur mal fix von oben an, weil es schon 18 Uhr war. Aber die Wettervorhersage für den nächsten Tag war usselig und da aktuell noch die Sonne schien, recherchierte ich fix, was man alles noch so abends machen kann. Und siehe da: Die Bootstouren, von denen wir dachten, dass sie nur auf der kanadischen Seite fahren – was ja gar keinen Sinn machen würde –, fuhren natürlich auch auf US-amerikanischer Seite, auch abends noch. Und günstiger waren sie auf der USA-Seite auch!

Also ließen wir alles stehen und liegen, kauften zwei Tickets und liefen zum Boot – aber nicht zu irgendeinem, sondern natürlich zur original „Maid of the Mist“, das Touri-Boot schlechthin, das wir aus so vielen Serien und Filmen kannten, zum Beispiel aus „The Office“ und „Bruce Almighty“. Dass wir das mal machen …

Ehe wir uns versahen, hatten wir schon die typischen blauen Plastikponchos angezogen und es ging los – 20 Minuten durch die Niagara Falls.

Die Fälle bestehen aus drei separaten Wasserfällen: American Falls, Bridal Veil Falls und Horseshoe Falls. Vorbei an den ersten beiden blieben wir noch einigermaßen trocken, aber als wir dann direkt in den Horseshoe Fall fuhren, machte sich der Poncho mehr als bezahlt – es war, als würde man unter der Dusche stehen. Überraschenderweise war das Wasser lauwarm. Irre!

Niagara Falls

Ich kam aus dem Lachen gar nicht mehr raus, so ein abgefahrenes Erlebnis, obwohl natürlich maximal touristisch. Einfach grandios.

Wir wurden mit Regenbögen überrascht und hatten auch perfekte Lichtverhältnisse. Einfach mega!

Und bei all dem Wasser wird auch ordentlich Energie gewonnen: Ein Teil des Wassers wird zur Stromerzeugung auf beiden Seiten der Grenze abgeleitet. Trotzdem stürzen noch immer rund 3.160 Tonnen Wasser pro Sekunde über die drei Fälle, das sind mehr als 2,65 Millionen Liter pro Sekunde. Irre!

Zurück an Land liefen wir dann noch die super angelegten Wege ab und bestaunten die drei Fälle jeweils von oben. Alles war wie immer top organisiert. Es hätte sogar Treppen an den Fällen entlang nach unten gegeben – alles kostenlos –, aber dafür waren wir etwas zu spät dran.

Wir genossen die Aussichten rüber nach Kanada und einen schönen Sonnenuntergang und dann suchten wir uns einen Platz für die Nacht, den wir irgendwo entlang des Niagara River fanden. Es war nicht die ruhigste Nacht ever, wir hatten auch ein paar Car-Camper-Nachbarn, aber das tat es für unsere letzte Nacht in den USA.

Am nächsten Morgen ging es bei neblig-regnerischem Wetter rüber zur Grenze nach Kanada, wo uns der letzte offizielle Grenzübertritt auf der Reise bevorstand.

Aber dazu dann demnächst mehr. 🙂

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2026 Blogbeiträge Nordamerika USA

Express-Roadtrip durch den Mittleren Westen

Teil 21 unseres Roadtrips durch die USA

22. – 26. juli 2026
South Dakota

Wir kehrten Colorado den Rücken zu und machten uns auf in den Mittleren Westen. Ein laaaanger Fahrtag führte uns quer durch Wyoming, bis wir schließlich in South Dakota ankamen und dort Kurs auf den berühmten Mt. Rushmore nahmen. Dass wir mal in diese entlegene Ecke der USA kommen würden, hätten wir wirklich nicht gedacht.

Mount Rushmore & Crazy Horse

Zuerst kamen wir aber an Crazy Horse vorbei – das ist nicht nur die Band von Neil Young, sondern eine wichtige Persönlichkeit der First Nations der USA. Die Statue bzw. die Bergschnitzerei befindet sich seit vielen Jahren im Bau und wird es vermutlich auch noch viele weitere Jahre sein, bisher ist nur ein Teil des Oberkörpers von Crazy Horse zu erkennen.

Crazy Horse

Uns genügte der Blick von der Straße, die teure Tour sparten wir uns. Das Crazy Horse Memorial ist als Gegenstück zu Mount Rushmore gedacht und soll an die Geschichte und Kultur der Native Americans erinnern. Der Lakota-Häuptling Henry Standing Bear hatte die Idee für das Monument, um die eigenen Helden und die indigene Geschichte sichtbarer zu machen.

Wenige Kilometer weiter, lugte dann plötzlich ein Gesicht aus dem Berg – George Washington.

Wir fuhren die Straße weiter und kamen schließlich am berühmten Mt. Rushmore an. Auch dort sparten wir uns aber den Eintritt, der Blick im Vorbeifahren genügte uns.

Mt. Rushmore

Im Mt. Rushmore sind George Washington, Thomas Jefferson, Abraham Lincoln und Theodore Roosevelt verewigt. Diese vier Persönlichkeiten hatte der Bildhauer Gutzon Borglum ausgewählt, weil sie für ihn wichtige Etappen der amerikanischen Geschichte verkörperten: Washington für die Gründung, Jefferson für die Expansion, Lincoln für den Erhalt der Nation und Roosevelt für ihre Entwicklung.
Die Idee für das Monument war außerdem ganz pragmatisch entstanden: South Dakota wollte mit der riesigen Skulptur mehr Touristen in die sonst eher karge Region locken. Das schien zu funktionieren, der Besucherparkplatz war gut gefüllt.

Wir fuhren aber weiter und landeten im Custer State Park, durch den eine Panoramastraße führt, die durch schmale Tunnel und durch den Wald verläuft und immer wieder Ausblicke auf die vier Stein-Nasen im Berg bietet.

Man muss es wissen, aber Mt. Rushmore ist da.

Schon ein verrückter Anblick. Innerhalb des National Forest fanden wir einen schönen Platz für die Nacht und am nächsten Morgen fuhren wir dem Mt. Rushmore noch mal ein Stück entgegen, um noch mal einen Blick bei besserem Licht zu erhaschen.

Blick von der Straße – da kann man sich den Eintritt wirklich sparen.

Dann reichte es uns mit dieser Attraktion und wir zogen weiter zur nächsten Touri-Falle…

Wall Drug und die Badlands

Auf dem Weg in den Badlands Nationalpark legten wir einen Stopp in der Kleinstadt Wall ein. Dort lockte der Wall Drugstore als Attraktion am Straßenrand. Was als kleine Apotheke begann, die dafür bekannt war, Überlandreisende mit kostenlosem Wasser zu versorgen, ist heute eine Shoppinghölle mit allerhand Kram und Kitsch. Man kann immer noch Aspirin und Co. kaufen, aber auch hässliche Souvenirs, Cowboykleidung, Süßigkeiten, Staubfänger, Tand, Mist, Plüschtiere und alles, was man sonst nicht braucht.

Der Mann kann einfach alles tragen!
🙂

Sogar eine kleine Kapelle gab es mittendrin, falls man noch ein Stoßgebet gen Himmel schicken wollte. Wir drehten eine Runde durch dieses bunte Irrenhaus, amüsierten uns über so manche Eigentümlichkeit, wie z. B. den Jackalope.

Der Jackalope ist ein amerikanisches Fabelwesen, das angeblich ein Hase mit Antilopenhörnern ist und vor allem durch alte Geschichten und die Vermarktung als skurrile Wild-West-Legende bekannt wurde.

Wir zogen weiter und erreichten den Badlands Nationalpark, der für seine bizarren Felsformationen und Erosionslandschaft bekannt ist. Leider war das Wetter nicht auf unserer Seite, daher fuhren wir erstmal nur durch und nahmen bei leichtem Nieselregen einige Fotostopps entlang der Panoramastraße mit. Durch das trübe Wetter kamen die unterschiedlichen Farben der Sand-, Ton- und Schluffsteine leider nicht so zur Geltung.

Die Badlands sind über Millionen Jahre aus verschiedenen abgelagerten Gesteinsschichten entstanden, die anschließend durch Wasser und Wind wieder abgetragen wurden. Der Name stammt von den Lakota, die die Gegend „mako sica“, also „bad lands“, nannten, weil das zerklüftete Gelände, der klebrige Lehm bei Regen und die wenigen Wasserstellen das Durchqueren ziemlich schwierig machten.

Der nächste Tag versprach besseres Wetter und wir freuten uns darauf ein bisschen mehr vom Park zu erkunden.

Etwa 30 Minuten außerhalb des Parks fanden wir einen einsamen Stellplatz auf einer Wiese im Nirgendwo. Dort saßen wir den Regen aus und wurden am nächsten Morgen mit einem nebligen Sonnenaufgang begrüßt, der gute Bedingungen für den Nationalpark versprach.

Frühmorgens fuhren wir also wieder in den Park, platzierten uns am Trailhead des Notch Trails, frühstückten und schnürten anschließend die Wanderschuhe. Die Trails im Park waren allesamt sehr kurz, aber dennoch kamen wir dort auf unsere Kosten. Zunächst liefen wir ein Stück durch die irren Felsformationen, die links und rechts von uns in den Himmel ragten. Ein bisschen eine Mischung aus Death Valley und Bryce Canyon.

Badlands

Über eine etwas wackelige Strickleiter-Vorrichtung ging es schließlich hinauf in die Felsen, an einer Kante entlang und bis zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man bis in die angrenzende, scheinbar endlose Prärie schauen konnte. Schon verrückt, dass dieser Park mitten im wüstenartigen Nichts liegt.

Wir liefen drei kurze Trails, die immer wieder beeindruckende Aus- und Weitblicke boten – aber irgendwann war es dann auch genug, zumal es ganz schön heiß wurde und Schatten dort so gut wie nicht vorhanden war.

Zufrieden zogen wir weiter, kamen aber nicht weit. Kurz vor den Toren des Parks entdeckten wir Präriehunde am Straßenrand. Sowas Goldiges!

Präriedog

Die süßen kleinen Verwandten der Erdhörnchen waren Menschen scheinbar gewöhnt und ließen uns recht nah ran, ohne sich beim Spielen, Graben und Zanken stören zu lassen. Was für ein schöner Abschluss!

Sioux Falls

Wir legten noch ein paar Fahrstunden ein und erreichten schließlich den Osten von South Dakota, wo wir im Ort Sioux Falls landeten. Der Ort ist bekannt für seinen Wasserfall, den der Sioux River mitten in der Innenstadt bildet.

Schon ein verrücktes Bild – im Hintergrund die Hochhäuser und davor eine Parkanlage mit einem breiten Fluss und eben den kaskadenförmigen Wasserfällen.

Wir vertraten uns dort noch ein bisschen die Beine und verbrachten dann eine laute Nacht auf dem Parkplatz eines Cracker Barrels – das ist eine Mischung aus Country Store und Restaurant. Nicht gerade idyllisch, aber so ist es eben manchmal beim Vanlife.

Weiter durch den Mittleren Westen

Nach der eher unruhigen Nacht legten wir erneut einen langen Fahrtag ein. Einmal quer durch Minnesota, bis nach Wisconsin. Dort begrüßten uns erstaunlich viele deutsche Namen – sowohl Orte wie Kiel, Rhinelander oder Hamburg, als auch deutsch klingende Nachnamen wie Maier, Meyer und Meier in allen Formen, aber auch kreativeres wie Schwerdtfeger oder Schoenfeld.

Das kommt nicht von ungefähr: Deutsche Einwanderer waren im 19. Jahrhundert die größte Einwanderergruppe in Wisconsin und ließen sich dort vor allem wegen der guten landwirtschaftlichen Möglichkeiten und der wachsenden Städte nieder. Auch religiöse Gruppen wie Mennoniten und Amish gehörten zu diesen Einwanderern bzw. stammten aus dieser europäischen Tradition. Beide Gruppen gehen auf die täuferische Bewegung der Reformationszeit zurück, wobei sich die Amish im 17. Jahrhundert als strengere Gruppe von den Mennoniten abspalteten.

An einem kleinen Park an einem Fluss fanden wir unseren Platz für die Nacht und wurden bald durch Hufgetrappel aufmerksam. Wir sahen Dutzende schwarze Kutschen, Frauen mit weißen Häubchen, Männer mit auffälligen Bärten und Hosenträgern – wir waren also mitten unter Mennoniten und Amish gelandet. Die Leute waren alle distanziert, blieben für sich und winkten uns aber nett im Vorbeifahren zu. Dennoch ein ungewöhnlicher Anblick in der heutigen Zeit.

Nach einer wieder mal ruhigen Nacht, ging es am nächsten Morgen gleich weiter. Wir wollten den eher langweiligen Midwest hinter uns lassen und nahmen die großen Seen an der Grenze zu Kanada in Angriff.

Aber dazu demnächst mehr. 😊

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2026 Blogbeiträge Nordamerika USA

Die Colorado Rockies – Teil 2

Teil 20 unseres Roadtrips durch die USA

15. – 21. Juli 2026
colorado

Wir erreichten den Rocky Mountain Nationalpark (abgekürzt RMNP), also fast zumindest. Kurz vor den Toren des Parks bezogen wir einen kleinen, rustikalen Campingplatz, wo wir dank unseres „America the Beautiful Nationalpark Pass“ nur 8 USD zahlen mussten und nur wenige Minuten vom ersten Trailhead entfernt waren. Dort verbrachten wir zwei Nächte und sehnten unser Markisen-Ersatzteil herbei, das immer noch auf sich warten ließ, da der Versand länger dauerte und komplizierter war als erwartet. Naja, Not macht erfinderisch, und so musste der eingeklemmte Sonnenschirm herhalten, um mir für mein Workout Schatten zu spenden. Irgendwie geht’s doch immer.

Tour zum Chasm Lake

Nach der ersten Nacht ging es dann ganz früh los zum Trailhead unserer Wanderung. Gegen 5 Uhr erreichten wir den Parkplatz und bekamen, unglaublicherweise, gerade noch so den letzten freien Parkplatz. Crazy die Leute! Aber viele latschten hier mitten in der Nacht los, um den Longs Peak, Colorados höchsten Berg, zu besteigen. Ganz so hoch hinaus wollten wir aber nicht.
Wir frühstückten, packten unsere Sachen und dann ging es los zum Chasm Lake, am Fuß des genannten Longs Peak.

Durch den Wald ging es stets hinauf, bis wir die Baumgrenze passierten und sich der Blick auf alpine Tundra öffnete. Wunderschön. Wir konnten live beobachten, wie der wirklich hervorragende Trail weiter optimiert und gebaut wurde – so riesige Steine auf 3000 Metern zu wuchten, ist sicher ganz schön anstrengend.

Ein weiteres Highlight waren die Toiletten, die dort oben gebaut wurden – das hatten wir bisher auch noch nicht gesehen. Dort ließ es sich herrlich erleichtern, mit gigantischem Ausblick. Wahnsinn!

Klo mit Aussicht

Über einen schmalen Trail ging es, vorbei an vielen Wildblumen, weiter zum Chasm Lake, der nach einer kurzen Kletterpartie wunderschön, glasklar und schimmernd vor uns lag – und dahinter der Longs Peak.

Chasm Lake liegt auf rund 3.600 Metern und ist vor allem wegen der spektakulären Lage direkt unterhalb der steilen Ostwand des Longs Peak ein beliebtes Wanderziel. Der Longs Peak selbst ist mit 4.346 Metern der höchste Berg im Rocky Mountain Nationalpark und seine Besteigung über die sogenannte ‚Keyhole Route‘ gilt als anspruchsvolle Klettertour, nicht als normale Wanderung – sonst hätten wir es natürlich gewagt. 

🙂

An der glatten Wand versuchten viele Kletterer ihr Glück – aber so weit weg, dass wir sie nicht mal ranzoomen konnten. Irre, diese Proportionen! Einige Mutige gingen im eisig kalten See sogar baden, wir beließen es bei unserer obligatorischen Brotzeit und dann ging es den gleichen wunderschönen Trail wieder retour. Kein schlechter Start im RMNP.

Aufstieg auf die Twin Sisters

Nach einer zweiten Nacht auf dem Meeker Campground ging es wiederum sehr früh los – die Parkplätze an den Trailheads waren einfach begrenzt und zudem sollte man immer vor der Mittagszeit auf dem Gipfel sein, da nachmittags im Juli/August typischerweise schwere Gewitter in den Bergen drohten.
So fanden wir uns zum Sonnenaufgang schon wieder am nächsten Trailhead ein. Es folgte die übliche Frühstücks- und Packroutine und dann marschierten wir los auf die Gipfel der Twin Sisters Peaks.

Diesmal war der Trail etwas eintöniger und vor allem steil. Auf nur 6,5 km arbeiteten wir uns von 2.660 Meter rauf auf knapp 3.500 Meter. Es ging steil und staubig durch den Wald und schließlich über ein großes, ausgesetztes Geröllfeld mit toller Aussicht.

Aufstieg zu den Twin Sisters

Dann erreichten wir den Kamm zwischen den Peaks und erkletterten erst die höchste der beiden Sisters, wo wir auf ein nettes amerikanisches Vater-Sohn-Gespann trafen, die ihre feinsten Deutschkenntnisse auspackten. Immer so nett, die Amis.

Gipfelselfie Nr. 1

Vom zweiten, etwas niedrigeren Gipfel war die Aussicht noch etwas besser. Vis-à-vis schauten wir auf den Longs Peak, an dessen Fuß wir gestern noch gewandert waren.

Nach unserer obligatorischen Käsebrotpause, tausenden Bildern und großem Staunen ging es dann wieder retour zum Van.

Estes Park

Nach der Tour schauten wir uns Estes Park an, den kleinen Ort vor den Toren des Nationalparks. Dort gab es, wie erwartet, einen Souvenirladen am anderen, jede Menge Tand und Tüddelkram und natürlich Outdoorläden und Restaurants für jeden Geschmack.

Wir hielten uns wie immer bedeckt und verbrachten den Rest des Nachmittags auf dem kostenlosen Parkplatz vom Visitor Center. Für die nächste Tour mussten bzw. wollten wir nämlich mal wieder illegal campen…

Bear Lakes & Trail Ridge Road

Es wurde höchste Zeit das wir uns ins Herzstück des Rocky Mountain Parks wagten. Dort galt in den Sommermonaten, wie in den meisten großen US-Nationalparks, Ausnahmezustand. Man brauchte ein Timed Entry Ticket, um hineinfahren zu dürfen. Diese Tickets waren bereits seit Monaten ausverkauft, um die Restbestände konnte man sich jeweils am Vorabend bemühen, aber da hatten wir keine Lust drauf und wollten sowieso am liebsten noch vor den ersten Tagesgästen los.

Also planten wir, wie schon an den Maroon Bells, wieder illegal im NP zu pennen. Einige machten das dort ganz legal, wenn sie ein Permit dafür erworben hatten. Wie das ging, konnte uns aber auch einer der Parkranger nicht erklären, so fuhren wir einfach gegen Mitternacht rein, stellten uns auf den Trailhead-Parkplatz und gingen ins Bett. Und siehe da – es störte keinen.

Gegen 4 Uhr ging draußen dann das Rumoren los, der Parkplatz füllte sich, denn wer kein Timed Entry Ticket bekommen hatte, musste vor 5 Uhr morgens in den Park reinfahren. Alle, die dann ab 5 Uhr ankamen, oder später mit dem Timed Entry Ticket, bekamen schon keinen Parkplatz mehr. Irgendwie war das System eher kontraproduktiv. Aber naja, so ist das eben.

Wir stärkten uns und zogen noch vor Sonnenaufgang los und sahen so, wie die Sonne schließlich die Berge ins schönste Licht tauchte. Wir hatten uns diesmal für die klassische Runde rund um die Bear Lakes entschieden, also wirklich die Haupt-Touri-Attraktion im RMNP.

🙂

Wir sahen fünf wunderschöne Seen im allerschönsten Bergpanorama. Das goldene Morgenlicht wurde irgendwann immer greller, die Seen blauer und die Trails voller. Holy moly. Aber es war ja auch einfach schön und leicht zugänglich.

Diesmal hatten wir auch kaum Höhenmeter zu bewältigen. Wir bogen zum Lake Haiyaha etwas außerhalb ab, wo deutlich weniger Menschen unterwegs waren, denn es musste ein bisschen gekraxelt werden. Dieser See ist aber besonders schön blau, da 2022 ein Felshang abgestürzt war und große Mengen Gestein in den Bereich oberhalb des Sees gelangten, was Sedimente freisetzte und die ungewöhnliche Farbe erzeugte. Lange nicht so schön türkis wie in den Rockies in Kanada, aber wir sahen keinen Grund uns zu beschweren.

Blick auf den Longs Peak
Haiyaha Lake
Rocky

Nach unserer 11-km-Runde waren wir, immer noch früh am Tag, zurück am Van und sahen die unzähligen Autos, die hoffnungslose Runden auf dem Trailhead-Parkplatz drehten. Der Andrang war einfach zu groß. Wir packten unsere sieben Sachen und machten uns auf die Trail Ridge Road, die quasi die Panoramastraße durch den Park ist, zu befahren.

Die Trail Ridge Road führt einmal quer durch den Nationalpark und ist die höchste durchgängig geteerte Straße in den USA. Na, auf was man so alles stolz sein kann. Aber sie führte uns auch auf bis zu 3.600 Metern hinauf, das war ja schon beachtlich – auch wenn die Anden da nur lachen können.

Die Ausblicke waren gigantisch – ich weiß, ich wiederhole mich. Aber es war so. Das Bergpanorama war wirklich toll, alle paar Meter konnte man stehen bleiben und schauen und immer wieder das mehr oder weniger gleiche Bild machen. Ab und zu schob sich mal ein Murmelbär oder Pika ins Bild und auch eine Herde Wapitis begegnete uns. Faszinierend.

Wer entdeckt das Murmeltier?
🙂
Trail Ridge Road Views

Am Alpine Center, dem größten Visitor Center des NP, erklommen wir zuerst den höchsten Punkt der Straße und staunten anschließend über all den Souvenirkram, den man kaufen konnte. Scheinbar ist es in den USA ein Nationalsport, sich von jedem Park und Ort, an dem man Urlaub macht oder Zeit verbringt, auch mindestens ein passendes Souvenir zu kaufen, vor allem Pullis, T-Shirts und Magnete standen ganz hoch im Kurs.

On top of the Rockies 😉

Da wir wieder zur Estes-Park-Seite raus wollten, fuhren wir die Trail Ridge Road noch mal in die andere Richtung, besorgten noch ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt, gaben ein paar Random-Leuten eine kleine Camperführung durch unseren Moby Dick – das passiert uns in den USA fast täglich – und dann machten wir uns auf Stellplatzsuche, diesmal wieder legal.

Unser altbewährter Campingplatz war voll – kein Wunder, es war ja auch Wochenende und Ferien und noch dazu schönes Wetter. Also suchten wir weiter und fanden schließlich im National Forest, wo man immer frei stehen darf, ein schönes, einsames Plätzchen – ganz kostenlos und ganz für uns allein. Genial. Unter Pinien machten wir es uns gemütlich und planten die nächsten Tage.

Direkt am nächsten Tag stand aber erstmal das Finale der Fußball-WM an. In Estes Park fanden wir ein Pub, das das Spiel übertrug. Wir fieberten mit Argentinien mit, wie schon vier Jahre zuvor in El Calafate, aber diesmal gewannen die Argentinier (verdient) nicht. Schade!

Bevor es zurück zu unserem Waldplatz ging, widmeten wir uns dem Wassertank. Seit der Einlagerung in Las Vegas schien das Wasser aus der Dusche nicht mehr ganz so frisch zu sein, also spülten wir das System mal ordentlich mit Citric Acid durch. Das funktionierte wunderbar, und an der Wasserquelle hatten wir wieder viele interessierte Zuschauer, die ganz begeistert waren von Van, Reise und sowieso.

Nach der zweiten Nacht im Wald wurde es so langsam Zeit, die Rockies hinter uns zu lassen.

Boulder

Einen kleinen Stopp am Rande der Rockies war aber noch drin. Die kleine, bunte Stadt Boulder gefiel uns mega gut. Dort holten wir endlich unser Ersatzteil für die Markise ab und wollten dann noch ein wenig Mountainbiken. Es gab dort nämlich ein tolles Trail System, aber schon mittags um 11 Uhr zeigte das Thermometer 36 Grad an, Tendenz steigend – einfach zu heiß zum Biken. So schauten wir uns stattdessen die historische Innenstadt an, voller schöner Gebäude und Läden.

Dann galt es, einen Platz zu finden, an dem man es bei der Hitze aushalten konnte. Christian fand einen kleinen See, der vielversprechend aussah. War er auch, aber leider war dort Baden verboten. Schade. Dennoch gab es ein bisschen Schatten und Christian machte sich gleich daran, das Markisenteil auszutauschen. Ganz schön fummelig, aber mit vereinten Kräften gelang es uns schließlich. Endlich wieder im Schatten sitzen.

Da es keine Verbotsschilder gab und der Ort recht ruhig war, beschlossen wir, die Nacht dort zu verbringen. Als ich abends noch eine Runde am See drehte, sprach mich ein netter Herr an, der ukrainische Wurzeln hatte. Wir kamen länger ins Gespräch, über die USA, die Berge und unsere Reise. So eine nette Zufallsbegegnung mal wieder und nicht die erste dieser Art. Irgendwie begegneten uns immer wieder Menschen aus der Ukraine, die total nett waren.

Denver

Am nächsten Morgen ging es dann auf in die Hauptstadt von Colorado: Denver.

Dass wir mal nach Denver kommen würden, hätten wir vorher auch nicht gedacht. Ich musste sofort an die TV-Serie Denver-Clan denken, die zwar dort spielte, aber in den USA ganz anders hieß, nämlich Dynastie. Naja, Alexis und Co. begegneten uns jedenfalls nicht und wir wurden in keine Intrigen verwickelt.

Stattdessen schlossen wir uns dort mal wieder einer Free Walking Tour an, die wie immer sehr informativ und lehrreich war. Die Stadt an sich war eine bunte Mischung aus allem, nicht so richtig Großstadt, aber schon groß, mit viel spannender Architektur und ein paar schönen Fußgängerzonen.

Unfreiwillig wurden wir fast Zeugen eines Unfalls: Ein Auto mit flüchtigen Straftätern (kein Scherz) donnerte an einer verkehrsberuhigten Kreuzung in einen Bus. Zum Glück blieben alle Passagiere und Passanten unverletzt, nur die beiden Flüchtigen erlitten Verletzungen – und das Auto sah ganz schön zerstört aus.

Wir stärkten uns mit Bibimbap, bestaunten Murals und Straßenkunst und traten dann auch schon wieder die Flucht an – auch in der Stadt war es sehr heiß. Stellplätze gab es ebenfalls keine guten, also beschlossen wir, zurück an den kleinen See nahe Boulder zu fahren, wo abends endlich ein Gewitter kam, das etwas Abkühlung brachte.

Gewitter im Anmarsch

Mitten in der Nacht klopfte dann leider die Polizei an den Van. Die sehr nette Beamtin wies uns darauf hin, dass im gesamten Ort Campingverbot und Schlafen im Auto verboten war. Das war uns tatsächlich nicht bewusst gewesen. Sie ließ uns aber bleiben und bat uns nur, am nächsten Morgen weiterzuziehen. Ihr war aufgefallen, dass wir schon die zweite Nacht dort waren. Upsi.

Naja, wir wollten am nächsten Morgen sowieso weiter. Uns standen einige tausend Kilometer durch den schier endlosen Midwesten der USA bevor.

Aber dazu dann demnächst mehr. 🙂

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2026 Blogbeiträge Nordamerika USA

Die Colorado Rockies – Teil 1

Teil 19 unseres Roadtrips durch die USA

Colorado
9. – 14. juli 2026

Es zog uns wieder in die Berge – wir bahnten uns langsam unseren Weg nach Colorado, in die Rocky Mountains. Die hatten es uns ja schon in Kanada angetan und nun waren wir gespannt, ob die US-Rockies da mithalten konnten.

Durch die ersten Ausläufer der Berge ging es über gewundene Straßen, bis wir schließlich das Städtchen Durango erreichten, dort eine kurze Pause einlegten legten und sehr positiv überrascht wurden – so eine schöne Kleinstadt. Durango war ursprünglich vor allem durch den Bergbau und die Eisenbahn geprägt und ist heute vor allem für seine Lage in den Bergen und die zahlreichen Möglichkeiten zum Wandern, Mountainbiken und Skifahren beliebt.

Alles war hübsch hergerichtet und touristisch, aber nicht künstlich. Es gab einige coole Läden, wo auch jetzt im Hochsommer das Winterequipment ausgestellt war und Christian große Lust bekam, im Winter noch mal herzukommen. Es gab auch einige neuartige Sportgeräte mit einer Mischung aus Skateboard und Snowboard, die er wohl gerne mal ausprobiert hätte.

Nach dem kurzen Stadtbummel ging es weiter auf den Million Dollar Highway, der uns unerwartet auf über 3.000 Meter Höhe brachte – wir kamen den Rockies also näher.

Million Dollar Highway & Ouray

Der Million Dollar Highway führte uns, der seinen Namen den tollen Aussichten verdankt, ins nächste Berg-Örtchen, nach Ouray. Dieser Highway gilt übrigens als gefährlichster der USA (wurde uns gesagt), da er stellenweise eng und kurvig ist und es an einigen Stellen keine Leitplanken gibt. Unsere Erwartung war nach dieser Beschreibung eine andere gewesen – im Gegensatz zu den „normalen“ Highways in Südamerika oder einer durchschnittlichen Bergstraße in Italien, war das immer noch eine breit ausgebaute, perfekt geteerte Straße. Im Sommer war dort gar nix gefährlich, solange man nicht am Steuer einpennt. Dennoch kamen unsere neuen Bremsbeläge dort ordentlich ins Schwitzen, es ging ständig auf und ab.

Ouray war einst eine wichtige Goldgräberstadt und ist heute vor allem für seine spektakuläre Bergkulisse, die manch einen an die Schweiz erinnert, und heiße Quellen bekannt.

Auch diese Stadt war sehr nett hergerichtet und eindeutig auf Outdoor-Menschen ausgelegt. Also genau unser Ding. Ich konnte mir dennoch kaum vorstellen, was dort im Winter abging, wenn alles eingeschneit ist und die Skifahrer Kufe an Kufe stehen müssen. Leider herrschten zurzeit Waldbrände in der Gegend, wodurch zeitweise die Sicht und auch einige Aktivitäten eingeschränkt waren.

Die Nacht verbrachten wir etwas außerhalb von Ouray, einfach nur am Straßenrand, aber auch am Flussufer, dadurch war es fast schon idyllisch. Es reichte jedenfalls zum Sporteln und draußen sitzen – was will man mehr.

Crested Butte

Schließlich erreichten wir unser erstes richtiges Ziel in den Rockies: Crested Butte. Diese schöne Sackgasse in den Bergen nennt sich auch „Wildflower Capital of Colorado“ – zurecht, wie wir bald herausfanden. Ursprünglich war CB eine Bergbaustadt und entwickelte sich erst später zu einem beliebten Ski- und Outdoor-Ort, der heute besonders für seine Wildblumen, die endlosen Wanderwege und Mountainbike-Trails bekannt ist.

Erstmal versorgten wir uns im Ort mit allen Infos zu Wanderungen, MTB-Trails und Campingmöglichkeiten. Der nette, sehr betagte Herr an der Touri-Info war ganz besorgt, als er hörte, dass wir noch keinen Campspot hatten. Es gab dort nämlich kein freies Wildcamping mehr, sondern nur noch zugewiesene, aber immerhin freie Campingplätze. Die waren zwar nach wie vor kostenlos, aber man durfte eben nur an ausgewiesenen Plätzen stehen, was die Auswahl natürlich einschränkte.

Mit ein paar Empfehlungen und vielen guten Wünschen im Gepäck machten wir uns auf die Suche und bekamen den letzten freien Platz im Washington Gulch, einer dieser zugewiesenen Campingsites, ca. 7 Meilen außerhalb des Ortes. Dort ließ uns ein netter Herr den riesigen Campspot mit ihm teilen. Sehr nett.

Steht!

Wir waren dort bereits auf 2900 Metern ü. M. und wollten in den nächsten Tagen noch höher hinaus, also wurde es Zeit für eine Akklimatisierungsrunde. Wir spazierten 12 km lang den Snodgrass Trail hinauf, durch einen Wald voller Espen, und bekamen die ersten Wildblumen und Aussichten auf das Skigebiet von Crested Butte zu sehen. Die Vorfreude auf die Rockies und die kommenden Touren wuchs…

Am nächsten Morgen verließen wir bereits um 6 Uhr unsere idyllische Campsite und machten uns auf zum Copper Lake Trailhead. Eigentlich hatten wir den West Maroon Pass wandern wollen, aber zu dessen Trailhead führte nur eine für uns unpassierbare 4×4-Straße oder ein 55 USD teurer Shuttlebus pro Person. Dann eben nicht.

Am Startpunkt des Copper Lake Trails angekommen, stärkten wir uns noch und marschierten dann 9 km bergauf, ca. 600 Hm bis zum Copper Lake, der auf 3500 Metern malerisch zwischen den Bergen und blühenden Wiesen lag. Mega schön.

Auch unterwegs sahen wir viele Blümchen, Erdhörnchen und hatten natürlich tolle Fernsichten.

Vier Mal mussten wir den Fluss queren, was von Mal zu Mal abenteuerlicher wurde. Einmal entschied ich mich für die Kneipp-Kur, da das Wasser zu tief und die überspülten Steine zu rutschig waren. Blöd nur, dass ich schon fette Blasen an den Füßen hatte, die ich vor der Tour getaped hatte – das musste ich dann einmal alles neu machen. Naja!

Nass…

Die Aussichten entschädigten allemal und nach erfolgter Stärkung am See ging es retour zum Van und noch mal ab in den Ort…

Crested Butte überraschte uns positiv – ein schönes, buntes Örtchen, voller US-amerikanischer Touristen, die fleißig am Shoppen waren oder es sich in den zahlreichen Restaurants gut gehen ließen. Wenn das Budget nicht so knapp gewesen wäre, hätten wir uns da gerne dazugesellt.

Crested Butte
Crested Butte

Die Suche nach einer Apotheke und Blasenpflastern blieb erfolglos, Eis war auch zu teuer, so ließen wir den Ort bald wieder hinter uns und fuhren zurück zu unserem Campspot im Washington Gulch.

401 MTB Trail

Auch am nächsten Morgen legten wir wieder um 6 Uhr ab und fuhren erneut zum Trailhead vom Vortag – diesmal blieben die Wanderschuhe aber im Van, stattdessen kamen die Bikes zum Einsatz. Wir wollten den in der Gegend berühmten 401 Trail fahren.

Nach dem Frühstück ging es also die 4×4-Straße hinauf, 11 km bis auf 3500 Metern über dem Meeresspiegel. Da kam die Lunge gut in Schwung.

Dann ging es ab auf den eigentlichen Trail, der noch mal 200 Hm hinaufführte, über einen Wald-Singletrail. Der hob uns häufiger aus dem Sattel, als wir hier zugeben wollen – wir waren einfach noch nicht gut akklimatisiert für die Höhe und Radeln war da oben noch mal was anderes als einfach nur Laufen.

Aber irgendwann erreichten wir den höchsten Punkt und ab dann ging es erstmal nur noch bergab. Aber wie. Das war vermutlich der schönste MTB-Trail seit dem Lost Lake Trail in Alaska.

Trail mit Aussicht!

Über einen Singletrail, immer am Abhang entlang, durch bunt blühende Wildblumenwiesen, ging es mit einer absolut gigantischen Aussicht richtig schön flowig runter. Der absolute Hammer. Immer wieder mussten wir anhalten, um mehr oder weniger das gleiche Foto zu knipsen. Wirklich traumhaft!

Was für eine Kulisse!

Doch dann kam noch mal ein bergauf Stück, wieder über steiniges, wurzeliges Gelände. Wir waren beide fix und fertig, als wir endlich einen schönen Platz für unser Picknick fanden.

Lunch-View
Fertig!

Aber auch diesmal entschädigte die Aussicht wieder und wir waren ganz beseelt, als wir wieder am Van ankamen.

Zurück im Washington Gulch wurden wir noch mit einem tollen Sonnenuntergang belohnt – ein perfekter Abschluss für unsere Zeit in Crested Butte – denn am nächsten Morgen ging es weiter.

Unterwegs nach Aspen

Eigentlich hatten wir geplant, noch mal in den Sand Dunes Nationalpark abzubiegen, sahen aber dann, dass das Wetter in Aspen gut war und bekamen spontan ein Parkticket für einen begehrten Wanderparkplatz, der eigentlich immer ausverkauft war. Also schmissen wir alle Pläne über den Haufen und machten uns auf den Weg nach Aspen, weil Berge stechen Sanddünen – immer!

Der Weg führte uns über den Independence Pass auf 3600 m ü.M., wo es natürlich wieder tolle Aussichten gab.

🙂

Nachdem wir an einem Trailhead vor der berühmten Wintersport-Stadt erst noch zu Abend gegessen hatten, erreichten wir erst am späten Abend Aspen und fuhren einmal quer durch den schon im Dunkeln schick aussehenden Ort. Prada-, Rolex- und Gucci-Reklamen leuchteten uns entgegen, damit war klar, wer hier die Zielgruppe war. Also wir jedenfalls nicht!

Maroon Bells

Wir hatten ein Tagesparkticket für den Maroon Lake Trailhead ergattert, was man mit 10 USD bezahlen musste. Die Plätze waren streng limitiert, ab 7:30 Uhr morgens gab es einen Shuttle aus dem Ort, der uns aber zu spät war und überhaupt unpraktisch für unsere Pläne.
Da wir in der Stadt nirgendwo legal parken konnten, aber unser „Tagesparkticket“ offiziell ab Mitternacht galt, fuhren wir also gegen 23:45 Uhr hoch zum Trailhead-Parkplatz. Ranger waren um die Uhrzeit nicht da, so parkten wir einfach auf dem leeren Parkplatz und gingen schlafen. Höchst illegal, direkt vor dem „No Camping Sign“, aber zumindest das Parkticket war ja gültig.

Zum Sonnenaufgang ging es los zum See, der nur wenige Meter vom Parkplatz entfernt lag. Und da leuchteten sie auch schon, die imposanten, Maroon Bells genannten Berge, vor dem gleichnamigen See. Dazu die blühenden Wiesenblumen – absolut traumhaft.

Alpenglühen

Wir rissen uns vom Alpenglow los und starteten unsere Wanderung zum Buckskin Pass: nur 7,5 km, aber auch 1.000 Hm lagen vor uns.

Der Trail war mal wieder einmalig schön, zunächst durch einen schattigen Wald, dann durch die blühenden Wiesen, vorbei an grasenden Rehen und jeder Menge Erdhörnchen. Auch Murmelbären sahen wir endlich, wie auf Bestellung. Immer wieder mein Highlight in den Bergen.

Nur die Aussicht vom Pass toppte alles noch – denn zu beiden Seiten hatte man dort eine unglaubliche Bergsicht auf knapp 3.600 Metern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine noch schönere Aussicht in den Colorado-Rockies gibt.

Buckskin Pass
Buckskin Pass
Glücksbringer

Und während wir unser zweites Frühstück verspeisten, besuchte uns ein besonders zutrauliches Murmeltier (welches wir natürlich NICHT fütterten). Was für ein Erlebnis.

Retour ging es über den gleichen Trail und noch mal am Maroon See vorbei, der auch bei strahlendem Sonnenschein wunderschön da lag.

Maroon Lake & Bells

So schön, dass wir direkt für den nächsten Tag noch mal eine Tour planten…

Aspen

Am Nachmittag schauten wir uns Aspen noch mal etwas genauer an – aber der erste Eindruck bestätigte sich: schön, aber teuer.

Dort hatte man nur Spaß, wenn man den Geldbeutel aufmachte. Gondel fahren, essen, trinken, shoppen – alles war geboten, aber alles recht teuer. Wir genehmigten uns ein Bier in der lokalen Brauerei, was mit 20 USD zu Buche schlug. Hei ei ei…

Prost!

Den restlichen Nachmittag und Abend verbrachten wir auf dem Parkplatz des lokalen Sport Centers, bevor wir gegen 23 Uhr wieder hoch zum Maroon-Bells-Parkplatz aufbrachen…

Maroon Bells die Zweite

Noch einmal schliefen wir unerlaubterweise auf dem Parkplatz des Maroon Lake, um am nächsten Morgen wieder den Sonnenaufgang am See zu beobachten. Einfach so schön.

Touris

Die anschließende Wanderung fiel diesmal kürzer aus – die letzten Tage steckten uns doch ganz gut in den Beinen. Wir liefen zum Crater Lake, in dem sich der höchste der Maroon Bells spiegelte – auch wunderschön.

Crater Lake

Auch wenn wir uns fragten, was die ganzen Angler da wollten. In dem recht flachen Tümpel schwammen keine sichtbaren Fische. Aber die angelnden Personen schienen dennoch Spaß zu haben.

Zurück am Van schmissen wir mal wieder die komplette Planung über den Haufen – die Wettervorhersage zeigte nämlich nur noch 3 schöne Tage im Rocky Mountain NP an und danach Dauerregen.
Wir hatten noch überlegt, nach Salida, Colorado Springs oder auf den Pikes Peak, den höchsten Gipfel der amerikanischen Rockies, zu fahren, aber letztendlich waren uns die „echten“ Rockies im Nationalpark wichtiger. Also packten wir schleunigst alles zusammen und machten uns schnurstracks auf den Weg zum Nationalpark…

Aber dazu dann demnächst mehr. 🙂

Übrigens: Wenn dir unsere Reiseberichte gefallen und du uns auf unserer Reise unterstützen möchtest, freuen wir uns über einen Beitrag in unsere Diesel-Kasse. Das geht ganz einfach mit diesem PayPal Link.

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2026 Blogbeiträge Nordamerika USA

Back to Vanlife – Zwischen Werkstatt und wildem Westen

Teil 18 unseres Roadtrips durch die USA

nevada & utah
29. juni – 8. juli 2026

Zurück in Las Vegas

Am 29. Juni landeten wir pünktlich in Vegas und fuhren mit einem Lyft schnurstracks zum US Storage, in dem Moby eingelagert war. Optisch sah alles tipptopp und unverändert aus, die Batterie war schnell wieder angeschlossen und siehe da: Der Gute sprang an wie eine Eins!

Auch im Inneren war alles, wie wir es verlassen hatten. Die Mühen und umfangreichen Vorbereitungen hatten sich gelohnt: keine Tiere, kaum Dreck, nur ein bisschen Staub und ein leicht muffiger Geruch, der schnell verschwand, nachdem einmal durchgelüftet worden war. Halleluja. Große Erleichterung!

Wir machten alles fahrbereit, kündigten den Mietvertrag im Storage und schon waren wir auf der Bahn und machten uns auf den Weg zu einem uns bereits bekannten Waschsalon. Die Bettwäsche und die muffigen eingelagerten Sachen packten wir gleich in die Wäsche und räumten nebenbei unser Reisegepäck aus.

Dann erledigten wir noch schnell ein paar Kleinigkeiten und schon ging es ab auf den Strip. Für die erste Nacht hatten wir uns noch mal im Circus Circus Hotel eingemietet, wo Moby kostenlos und sicher parken konnte. Wir sortierten uns weiter und genossen anschließend noch mal einen Abend Las Vegas Madness – diesmal leider ohne Spielglück.

Noch ein letztes Mal Vegas

Burger bei In-N-Out mussten natürlich auch noch mal sein und somit gab es keinen Zweifel mehr – wir waren zurück in den USA!

Am nächsten Morgen erledigten wir Einkäufe, Wassertanken, holten unser Ersatzteilpaket ab und freuten uns vor allem über den futschneuen Aldi-Markt. Schade, dass es den noch nicht überall in den Staaten gibt, da Aldi noch mal deutlich günstiger ist als Walmart. Mit vollen Vorräten waren wir nun wieder bereit fürs Vanlife und nahmen direkt Kurs auf Utah, wo der nächste Termin bereits auf uns wartete…

Wiedereingliederung ins Vanlife

Wir mussten uns erst mal wieder an die Dimensionen gewöhnen, sowohl in unserem rollenden Eigenheim als auch im Land. Natürlich kamen wir nicht in einem Rutsch durch bis Utah.
Auf freiem BLM-Land, irgendwo in Arizona, fanden wir unseren Platz für die Nacht. Van ausrichten brauchte zwei bis drei Anläufe – wir mussten uns echt erst wieder eingrooven. Eine kleine Ehekrise später standen wir irgendwann in der Waage und freuten uns über nicht mehr ganz so heiße Temperaturen wie in Vegas, wo es 38 Grad gehabt hatte.

Back to Vanlife

Bei „nur noch“ 32 Grad ließ es sich aushalten, die Nacht wurde zumindest etwas kühler und nach unserem Frühstück in der Sonne zogen wir dann auch schon wieder weiter. Dabei bemerkten wir allerdings, dass das Kurbelgetriebe unserer Markise komische Geräusche machte, was wir aber erstmal ignorierten. Das sollte uns aber bald wieder einholen…

Zurück in Utah

Endlich erreichten wir Kanab, eine Kleinstadt zwischen dem Zion- und Bryce-Canyon-Nationalpark. Dort hatten wir im letzten Jahr Ostern verbracht und uns um unser zu der Zeit beginnendes AGR- und Injektorenproblem gekümmert.
Damals hatten wir durch Zufall die Dieselwerkstatt Little’s gefunden, die nett, hilfsbereit, kompetent und vor allem für US-Verhältnisse günstig war, mit „nur“ 125 USD Stundensatz (an vielen anderen Orten hatten wir 200 USD pro Stunde gezahlt).

Daher war der Plan, dort unsere notwendigen Fahrwerksreparaturen durchführen zu lassen: Die Domlager auf beiden Seiten waren fällig sowie beide Dreieckslenker und Stabilisatoren, die bei uns ausgeschlagen waren – was nach knapp 180.000 km auf der Panamericana sicher nicht allzu ungewöhnlich ist.

Angekommen auf dem Hof von Little’s packten wir unser riesiges Spareto-Paket aus, welches wir in Vegas empfangen hatten. Alles schien zu passen, alles sah top aus, aber die beiden Dreieckslenker sahen irgendwie unterschiedlich aus. Hm, komisch. Dann fiel mir auf: Auf der Umverpackung der Teile war jeweils die richtige Artikelnummer, auf einem der Teile selbst aber eine andere Nummer.

Eine schnelle Recherche zeigte: Da hatten sie uns das falsche Teil geschickt, was eigentlich zu einem Peugeot gehörte. Scheiße! Am nächsten Morgen wäre unser Termin gewesen. Das ganze Auto auseinanderzubauen, um dann das eine Teil nicht zu tauschen und später wieder alles auseinanderzubauen, machte keinen Sinn. Och menno! Kann denn nicht einmal was glatt laufen?

Das ist das Teil!

Little’s war zum Glück verständnisvoll und entspannt – der Termin ließ sich problemlos um ein paar Tage schieben, was ein echter Glücksfall war. Wir recherchierten nach dem fehlenden Teil und hatten Glück: Das Teil vom baugleichen Promaster war identisch. Allerdings kostete das Original 630 USD, während das Teil aus Europa gerade mal 75 € kostete. Haha, die Amis ey …

Aber wir fanden eine Seite mit OEM-Parts, wo wir den passenden Dreieckslenker schließlich für 90 USD fanden. Das passte schon eher ins Budget. Spareto versprach außerdem eine Rückerstattung für das falsche Teil, also war der Verlust minimal. Es blieb natürlich die Wartezeit – wir hatten nun vier zusätzliche Tage, das schöne Kanab zu genießen.

Zum Glück hatten wir den Standort ja nicht nur nach der super Werkstatt ausgewählt, sondern auch weil wir wussten, dass wir im Fall der Fälle – der jetzt eingetreten war – dort problemlos ein paar Tage aushalten konnten.

Zuhause am See

Wir bezogen wieder den uns bereits bekannten Platz am Jackson Flat Reservoir, wo wir im Hintergrund die roten Berge von Utah hatten, vor uns den kleinen See, um dessen Ufer ein 5 km langer Radweg ging, der sich zum Sporteln anbot, und ein sauberes Dixie-Klo gab es auch noch dazu. Was will man mehr?

Auf der anderen Seeseite gab es einen kleinen Sandstrand inklusive Waschhaus, Duschen und Toiletten. Bis in den Ort waren es 5 km mit den Rädern und rundherum gab es Trails und Ausflugsmöglichkeiten ohne Ende. Also der perfekte Ort, um sich wieder ins Vanlife einzufinden und die Ersatzteillieferung abzuwarten.

Tagsüber hatten wir trocken-heiße 30–35 Grad, nachts kühlte es auf angenehme 15 Grad ab und es war herrlich ruhig. Also (fast) perfekt.

Unser neuer Omnia-„Backofen“ kam dort auch das erste Mal zum Einsatz, denn unser eingebauter Ofen macht leider Probleme, die sich unterwegs nicht lösen lassen. Glücklicherweise gelang das Backwerk auch auf Anhieb. Die Sauerteig-Brotversorgung war also sichergestellt.

Zudem konnten wir hier auch mal wieder die Bikes auspacken und siehe da – wir konnten es noch. Allerdings funktionierte bei meinem Rad die hydraulische Sattelstütze nicht mehr. Christian fand ein Loch in der Leitung, wo Hydraulikflüssigkeit austrat. Leider nichts, was wir ohne Werkzeug selbst reparieren konnten. 
Glücklicherweise gab es aber im Ort einen Fahrradladen. Jake, der Besitzer, war kein Mann großer Worte, nahm mein Fahrrad wortlos mit ins Hinterzimmer, und kam 30 Minuten später wieder zum Vorschein. Die Leitung war repariert und meine Sattelstütze funktionierte wieder tadellos. Mit gerade mal 34 USD war die Reparatur auch noch verhältnismäßig günstig. Schön, wenn’s auch mal einfach klappt.

Nach zwei Tagen am See war uns nach mehr Bewegung und einem Szenenwechsel, also machten wir einen kleinen Tagesausflug.

Toadstools & The Nautilus

45 Minuten außerhalb von Kanab, innerhalb des Grand Staircase-Escalante National Monument, unternahmen wir trotz der Hitze zwei kleine Wanderungen. Die erste führte uns zu den sogenannten Toadstools – quasi Felssäulen mit Deckel, die ein bisschen an Pilze erinnerten, oder was auch immer die Phantasie zuließ. 😉

Toadstools

Wind, Wetter und Erosion hatten dort ganze Arbeit geleistet und diese verrückten Felsformationen entstehen lassen. Beeindruckend!

Utah

Wenige Kilometer weiter entdeckten wir „The Nautilus“, eine Art Mini-Slotcanyon, der aufgrund seiner Muschelform Nautilus genannt wurde. Einfach irre, diese Landschaft.

The Nautilus

Trotz „Sonnenschirm“ war die Hitze dort aber einfach zu heftig für längere Wanderungen. So kehrten wir nach diesen zwei kleinen Touren wieder zurück nach Kanab.

Ein Defekt kommt selten allein…

Wir genossen ein paar ruhige Tage in Kanab und sprangen ab und an in den See vor unserer Tür. Nebenbei entdeckten wir aber auch neue Baustellen: Unser zusätzliches Falt-Solarpanel funktionierte nur noch teilweise. Christian versuchte, dem Defekt auf die Schliche zu kommen, aber es schien nicht mehr reparabel zu sein. Hmpf. Irgendwas ist eben immer.

Als wir am 4. Juli mit den Rädern in den Ort fahren wollten, gab dann auch das Kurbelgetriebe unserer Markise den Geist auf. Es knackte einmal ganz laut und plötzlich ging nichts mehr. Die Zahnräder im Inneren des Getriebes schienen kaputt zu sein. Verdammt.

Nicht gerade der angenehmste Arbeitsplatz bei 36 Grad Hitze

Aber zum Glück gibt es Thule auch in den USA. Wir fanden einen Lieferanten mit dem passenden Ersatzteil, was allerdings einige Tage dauern würde. Solange hatten wir jetzt leider keine Markise mehr, was bei den Temperaturen und Sonnenstunden nicht so ideal war. Naja. Die Freuden des Vanlife.

Die erfolglosen Reparaturversuche kosteten uns so viel Zeit, dass die Tour in den Ort leider ausfiel. Naja, immerhin für einen Sprung in den See blieb noch etwas Zeit.

Abends packten wir den Grill aus, stießen auf den 250. Geburtstag der USA an und beobachteten das Feuerwerk in Kanab aus der Ferne.

Von Mexikanern und Mormonen

Am nächsten Tag war dann das WM-Spiel Mexiko gegen England angesagt. Wir waren unsere Mexiko-Trikots über und radelten in den Ort, um nach einer Bar Ausschau zu halten, die das Spiel zeigte.

Plötzlich hupte es hinter uns. Ein Mann mit Mexiko-Trikot und Lucha-Maske hielt neben uns an und fragte, ob wir Mexikaner seien. Haha, fast! Juan, der ein echter Mexikaner war, lud uns ohne Umschweife zu sich nach Hause ein, um mit ihm und seiner Familie das Spiel zu schauen. The more the merrier, meinte er.

Wir wurden nebenbei mit Tinga-Tortillas und Getränken versorgt und fieberten mit El Tri mit – leider vergeblich. Echt schade! Wir hätten es den Mexis wirklich gegönnt noch ein bisschen länger an der WM teilzuhaben.

Dennoch hatten wir einen lustigen Abend bei Juan und seiner Familie.

Zwischendurch kamen auch zwei Missionare der Mormonen vorbei und beteten mit allen vor dem Spiel. Es stellte sich heraus, dass auch Juan und seine Familie Mormonen waren.

Das Ganze war für uns natürlich etwas befremdlich, aber auch die beiden jungen Missionare waren super nett und total interessiert an unserer Reise. Zudem lernten auch wir nebenbei noch ein bisschen was über die Mormonen und vor allem die Missionarszeit, was wiederum auch ganz spannend war. Ein durch und durch überraschender Abend. 🙂

Werkstattfreuden & Gastfreundschaft

Zwei Tage später war dann endlich unser Werkstatttermin. Alle Teile waren nun da und Moby bekam neue Domlager, Dreieckslenker, Stabilisatoren und Bremsbeläge. Alles klappte einwandfrei, nur stellte die Werkstatt leider fest, dass unser rechter Stoßdämpfer ölte. Mist!

Aber nach 150.000 km auf allen möglichen Pisten war das auch nicht allzu verwunderlich. Ersatz für unser spezielles Goldschmitt-Fahrwerk, welches wir vor der Reise nachgerüstet hatten, war natürlich spontan nicht zu bekommen. Daher musste das jetzt erst mal so bleiben und wir hofften, es würde nicht allzu schnell schlimmer werden. Denn das würde eine weitere aufwändige und teure Reparatur erfordern, die an die 2.000 € verschlingen würde. Bitte nicht! 🙏

Während Moby repariert wurde, schauten wir uns Kanab noch ein bisschen an, gingen mexikanisch essen und wurden erneut von Juan eingeladen. Der ist nämlich Manager eines Hotels im Ort und lud uns ein, die Wartezeit am Pool zu überbrücken. Meine Güte, hatten wir ein Glück!

Bei 36 Grad kam uns der Pool gerade recht. Juan und seine Family kamen später auch noch dazu, es gab wieder etwas zu essen und viele Geschichten. Mega nette Menschen einfach und so verging die Wartezeit auf den Van wie im Flug.

Nicht so schön wie im Hotelito…

Nach einer letzten Nacht an „unserem See“ wurde am nächsten Morgen am Van noch die Spur eingestellt und dann konnten wir endlich unseren Roadtrip durch die USA richtig starten.

Monument Valley

Endlich wieder on the road – und wir nahmen direkt Kurs auf das Monument Valley. Das hatten wir letztes Jahr wegen unserer Van-Probleme nicht mehr geschafft.

Eigentlich hatten wir geplant, irgendwo kurz vorher die Nacht zu verbringen und dann früh morgens durchzufahren, auch um der Hitze zu entgehen. Aber als wir gegen 17 Uhr ankamen und es 38 Grad hatte, war uns nicht nach Parken und Schwitzen zumute – also fuhren wir in einem Rutsch durchs Monument Valley.

Den 17 km langen Offroad-Trail, den es hier noch gegeben hätte, wollten wir eh nicht fahren, von daher blieb nur der Highway, der mitten durch die Felslandschaft führt.

Monument Valley

Die weite Landschaft war super beeindruckend, das späte Nachmittagslicht perfekt.

Monument Valley

Aber dann waren wir auch schon durch. Geht dann doch schneller als gedacht. So groß, wie wir es uns vorgestellt hatten, war das Valley nicht.

Wir stoppten kurz am Forrest Gump Point, der seinen Namen natürlich dem Film verdankt. Dies ist die Stelle, an der Forrest beschließt, dass er keine Lust mehr hat zu laufen und nach Hause kehren möchte.

Forrest Gump Point

Wir wollten aber noch nicht nach Hause und schauten noch beim Mexican Hat vorbei, der auch deutlich kleiner war als wir dachten.

The mexican hat

Der potentielle Schlafplatz dort war uns zu schräg. Also suchten wir noch ein bisschen weiter und wurden fündig – bei immer noch 36 Grad.

An Kochen im Van war da nicht zu denken. Mit Ventilatoren versuchten wir, es erträglich zu machen, aber um Mitternacht hatten wir immer noch 30 Grad draußen und im Van natürlich entsprechend mehr. Das macht nicht so viel Spaß ehrlich gesagt.

Am nächsten Morgen, nach einer nicht ganz so erholsamen Nacht, fuhren wir noch mal ganz früh los zum Forrest Gump Point, machten noch ein paar Bilder vor der bekannten Filmkulisse, diesmal ohne lauernde Menschenmenge hinter uns (wie am Vortag).

Dann zog es uns schleunigst weiter. Hauptsache raus aus der Hitze und endlich mal wieder in die Berge. Rocky Mountains, wir kommen!

Aber dazu dann demnächst mehr. 🙂

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Zurück im Hotelito Swiss Oasis

Nochmal Hoteliers auf Zeit

Nachdem wir 2024 bereits drei Monate das schöne Hotelito Swiss Oasis in Puerto Escondido, direkt an der Pazifikküste von Mexiko, geleitet hatten, bekamen wir tatsächlich ein zweites Mal die Chance, den Laden zu übernehmen – Manu und René waren nämlich wieder urlaubsreif.

Diese Gelegenheit konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wann kann man schon kostenlos direkt am Meer wohnen, nebenbei ein kleines Hotel führen, Menschen aus aller Welt kennenlernen und sich um drei süße Kater kümmern?
Außerdem schonte das unser Reisebudget und wir hofften, während der Zeit in Mexiko wieder etwas online arbeiten zu können – was sich leider nur teilweise erfüllte.

Also zogen wir am 18. März wieder los. Moby lagerten wir in Las Vegas ein – gut präpariert, bewacht und überdacht – und für uns ging es mit Sack und Pack zum Flughafen. Die vielen tausend Kilometer bis nach Puerto Escondido wollten wir dem Van nämlich ersparen.

Viva México!

Unser Flug ab Las Vegas verlief problemlos und kaum waren wir in der Luft, waren wir gefühlt auch schon wieder zurück in Mexiko. In Mexiko-Stadt gab es allerdings direkt die erste kleine Verwirrung: Uns wurde mehrfach gesagt, wir müssten unser Gepäck abholen und am nächsten Morgen für den Weiterflug neu einchecken. Unsere Taschen tauchten am Kofferband allerdings nicht auf. Dank GPS-Tracker wussten wir immerhin, dass sie mit uns in Mexiko angekommen waren. Ein Mitarbeiter nahm sich schließlich der Sache an und stellte fest: Die Taschen waren doch durchgecheckt worden – entgegen aller vorherigen Aussagen, er konnte sie aber für uns besorgen, sodass wir nicht ohne alles dastanden.

Mit einem Uber fuhren wir zu unserem Hotel für die Nacht. Besonders charmant war es nicht und es roch widerlich nach Rauch, aber für eine Nacht würde es gehen. Immerhin fanden wir um die Ecke leckere Tacos für 3,50 € und natürlich musste auch noch ein Eis her – hier kann man sich das endlich wieder leisten.

Die Nacht war allerdings wenig erholsam. Wegen des Gestanks im Zimmer und fehlender Klimaanlage mussten wir das Fenster offen lassen und wie das bei Flughafenhotels eben so ist, flogen die ganze Nacht die Maschinen über uns hinweg. Nachtflugverbot gibt es in Mexiko nämlich nicht.

Am nächsten Morgen ging es früh zurück zum Flughafen. Während ich in einem Café wartete, lief Christian noch schnell zu einem Zahnarzt. Seit dem Yosemite National Park fehlte ihm ja ein großes Stück Backenzahn beziehungsweise die Füllung und es war nicht sicher, ob der Zahn überhaupt noch zu retten war.

Die Praxis war laut Christians Beschreibung alt und siffig und der Zahnarzt betagter und tattriger als die alte Morla, aber immerhin gab es Hoffnung, dass der Zahn erhalten werden könnte. Das waren gute Nachrichten – und die Behandlung konnte später in Puerto fortgesetzt werden.

Kurz darauf hoben wir wieder ab und setzten wenig später schon zur Landung an.

Endlich waren wir angekommen – an unserem Zuhause für die nächsten dreieinhalb Monate.

Zurück in Puerto Escondido

Diesmal holten uns Manuela und René persönlich vom Flughafen ab. Beim letzten Mal hatten wir ja alles von unseren Vorgänger-Sittern übernommen. Wir bezogen wieder „unser“ Hotelzimmer Nummer 2 und verbrachten die erste Woche gemeinsam mit den beiden.

Die Einarbeitung war beim zweiten Mal natürlich deutlich entspannter, vieles kannten wir ja schon. Dafür zeigten uns Manu und René ihre Lieblingsrestaurants und einige Geheimtipps – Essen gehen stand also direkt wieder ganz oben auf der Liste.

Hoteliers 2.0

Nach einer Woche brachten wir die beiden zum Flughafen und übernahmen wieder das Wohnhaus und Hotel mit allem, was dazugehört: Gästemanagement, Bestellungen und Dienstleistungen koordinieren, Einkäufe erledigen, Handtücher waschen, Putzfrauen koordinieren, das Gelände sauber halten, kleinere Instandhaltungsarbeiten erledigen, Buchhaltung und natürlich die drei Kater Hügo, Toto und Pedro versorgen.

Unsere alten Routinen waren schnell wieder da. Morgens ging es zuerst an den Strand, danach wurde der Hof gekehrt, Möbel abgewischt, der Pool kontrolliert und der Getränkekühlschrank aufgefüllt. Nachmittags noch einmal das Gleiche und pünktlich zum Sonnenuntergang zog es uns wieder ans Meer. Jeden Abend. Auch diesmal wollten wir das Leben am Meer voll auskosten.

Da wir nun in der Trockenzeit dort waren, war es zwar immer noch heiß und schwül, aber deutlich angenehmer als während unseres ersten Aufenthalts in der Regenzeit. Die Wochen vergingen wie im Flug und wir fanden schnell wieder in unseren Hotel-Alltag hinein.

Dazu gehörten natürlich auch kleinere Projekte. Wir strichen zum Beispiel eine Hauswand, spachtelten, passten Fliesen neu ein und reparierten hier und da Kleinigkeiten.

Christian ging zwischendurch skaten und fiel natürlich prompt wieder auf die linke Hüfte, die ihm schon früher Ärger gemacht hatte. Damit war das Thema Skaten erstmal wieder erledigt.

Skaterboy

Um seinen Coolheits-Level trotzdem oben zu halten, ließ er sich spontan auf dem Markt ein Septum-Piercing stechen, womit er schon länger geliebäugelt hatte. Na, wenn nicht jetzt, wann dann?

Besonders spannend fanden wir wieder die Gärtner – vor allem den sogenannten Palmero. Nur mit einem Seil gesichert kletterte er die bis zu 15 Meter hohen Palmen hinauf, schnitt welke Wedel ab und erntete nebenbei unsere eigenen Kokosnüsse. Crazy.

Auch der Hotelbetrieb brachte immer wieder Überraschungen mit sich. Mal waren wir komplett ausgebucht, mal hatten wir für einen Tag Leerstand. Genau so einen Tag wollten wir nutzen, um endlich selbst mal entspannt am Pool zu liegen – was wir natürlich nicht machen, wenn Gäste da sind.

Kaum lagen wir auf den Sonnenliegen, kamen vier spontane Walk-ins vorbei. Der erste Check-in im Bikini war damit auch erledigt. 😉

Ein kleiner Dämpfer war allerdings, dass der geplante Besuch unserer Freunde Basti und Elli platzte. Die beiden wollten uns erneut besuchen, aber Basti bekam, vermutlich wegen seiner Reisevergangenheit durch Iran und Irak, kein ESTA für die USA. Da die Flüge mit Zwischenlandung in den USA bereits gebucht waren, ließ sich das leider nicht mehr sinnvoll und günstig ändern. Mist! Wir hatten uns alle vier sehr darauf gefreut, aber es ließ sich nun mal nicht ändern.

Zum Glück sorgten unsere Gäste aus aller Welt weiter für viel Abwechslung – eine bunte internationale Mischung ist uns am Liebsten. Mit Gästen aus Schweden, Dänemark, Australien, Neuseeland, Chile, der Schweiz und vielen anderen Ecken der Welt ergaben sich immer wieder spannende Gespräche.

Gegen Ostern und an den Wochenenden waren dagegen fast nur Mexikaner im Hotel – was wiederum gut für unsere Spanischkenntnisse war.

Und natürlich gehörten auch unsere tierischen Mitbewohner fest zum Alltag. Hügi, der ängstliche Indoor-Kater, wurde immer zutraulicher und ließ sich irgendwann sogar freiwillig von Christian kraulen – obwohl er Männer eigentlich gar nicht mag.

Hügi-Liebe

Das war natürlich schön, bis Hügi beschloss, dass unser Bett ab sofort ebenfalls ihm gehört. Er saß nachts auf meinem Kopfkissen, drückte mir Kopf oder Pfote ins Gesicht und maunzte unentwegt nach Aufmerksamkeit. Dazu begann er plötzlich auch noch, ins Haus zu pieseln. Warum konnten wir nie herausfinden – der Kater war sonst quietschfiedel. Auch Manu und René waren ratlos.

Wir stellten ihm also ein Katzenklo auf und sperrten ihn nachts aus dem Schlafzimmer aus. Mithilfe der Überwachungskameras, die Christian kurz zuvor auf dem Hotelgelände installiert hatte, versuchten wir außerdem herauszufinden, ob irgendetwas die Katzen störte. Toto markierte draußen jede Ecke und Pedro kam öfter mit Kampfspuren nach Hause, aber fremde Tiere oder andere Auffälligkeiten konnten wir nicht entdecken.

Bis heute bleibt das Ganze ein Rätsel.

So schön unser Alltag im Hotelito auch war – langweilig wurde uns definitiv nicht.

Da war zum Beispiel Christians Zahn. Statt einer einfachen Teilkrone wurde am Ende doch eine komplette Krone daraus. Die Behandlung zog sich nicht nur über unzählige Termine, sondern auch fast über unseren gesamten Aufenthalt hin, aber selbst so war sie in Mexiko deutlich günstiger als in den USA oder Kanada. Und inzwischen kann er wieder kräftig zubeißen.

Nebenbei kümmerte ich mich um den Onlineauftritt des Hotels, hier und da gab es immer etwas zu reparieren oder zu optimieren und mit unseren beiden Putzfrauen Domi und Isela verstanden wir uns immer besser – auch wenn unsere Gespräche aufgrund unseres Spanischs regelmäßig zu lustigen Missverständnissen führten.

Die Nebensaison hatte außerdem einen großen Vorteil: Wenn im Hotel wenig los war, konnten wir endlich selbst mal wieder an den Strand. Einmal fuhren wir nach Carrizalillo, eine kleine Badebucht, ganz nah am Hotel, wo wir mit hunderten anderen Besuchern fast Handtuch an Handtuch lagen.

Ganz anders sah es am 40 Minuten entfernten Playa Aguas Blancas aus. Dort war kaum jemand unterwegs und der Strand war einfach traumhaft schön.

🙂

Auch im Garten gab es Grund zur Freude. Neben den Karambolas, die schneller wuchsen als Unkraut, konnten wir unsere ersten eigenen Hotelito-Bananen ernten. Christian macht sich wirklich gut als Bananenbauer, oder?

Mit den Gästen war es wie immer: Die meisten waren unkompliziert und nett, aber manche machten den Job deutlich anstrengender als man möchte.

Ein paar Lowlights:

Ein übel gelaunter Gast schnauzte Christian völlig respektlos an, ein anderer war mit sich und der Welt so überfordert, dass er es nicht einmal schaffte, sich selbstständig ins Internet einzuloggen oder Informationen zu verarbeiten, die wir ihm mehrfach erklärten. Beide hinterließen uns am Ende schlechte Bewertungen. Das ärgert einen natürlich, aber manchmal steckt man einfach nicht drin.

Den Vogel schossen allerdings zwei Gäste aus Kanada ab.

Eigentlich waren beide unglaublich nett. Einer der beiden Herren war allerdings offensichtlich Alkoholiker und hatte seine Körperflüssigkeiten nicht mehr unter Kontrolle. Fast jede Nacht kotzte, pinkelte oder machte er uns sonst irgendwie ins Bett. Der absolute Horror!

Wir mussten die Matratzen gleich zweimal professionell reinigen lassen und auch für Domi und Isela war diese Woche sicher alles andere als angenehm. So etwas möchten wir wirklich kein zweites Mal erleben.

Zum Glück gab es aber auch die andere Seite.

Besonders in Erinnerung geblieben ist uns ein Gast aus Chile. Er sprach perfektes Deutsch, weil sein Vater Deutscher ist, der nach Chile ausgewandert war. Sein Sohn heißt tatsächlich Bastian – benannt nach Bastian Schweinsteiger – und entsprechend groß war die Vorfreude auf die bevorstehende Fußball-WM.

Auch wir freuten uns darauf – also naja, hauptsächlich Christian. Standesgemäß hatten wir uns mit Mexiko-Trikots eingedeckt, was sich nach dem frühen Ausscheiden der deutschen Mannschaft gleich doppelt auszahlte.

Vamos México!

Das erste Spiel schauten wir in einer Bar um die Ecke und bekamen direkt einen Vorgeschmack darauf, wie leidenschaftlich die Mexikaner Fußball feiern. Beim zweiten Spiel wurde es noch emotionaler und feuchtfröhlicher. Fast ein bisschen schade, dass wir die restlichen Spiele nicht mehr vor Ort erleben würden.

Pleiten, Pech & Pannen

Neben den Gästen sorgte auch das Hotel regelmäßig für Beschäftigung.

Immer wieder gab es längere Stromausfälle – in Puerto leider völlig normal, weil der Ort deutlich schneller gewachsen ist als seine Infrastruktur.

Richtig unangenehm wurde es allerdings, als es plötzlich zwei Tage lang im ganzen Haus nach verbranntem Gummi roch. Aber wirklich nur im Haus, nirgendwo sonst. Der Gestank war so schlimm, dass ich sogar eine Nacht in eines der Hotelzimmer umzog.

Wir vermuteten ein Problem mit den Stromkabeln oder der Klimaanlage, aber weder wir noch die Handwerker kamen der Ursache auf die Spur. Irgendwann war der Geruch einfach wieder verschwunden und bis heute wissen wir nicht, was es eigentlich war.

Kurz darauf verabschiedete sich dann auch noch die Klimaanlage in unserem Schlafzimmer. Bei 26 bis 28 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit nachts macht das erstaunlich wenig Spaß. Christian fand den Fehler innerhalb eines Tages und reparierte die Anlage selbst – deutlich schneller als der Handwerker, der gar nicht erst auftauchte.

Aber das sollte es noch nicht gewesen sein.

Die Klimaanlage fiel erneut aus und wieder stellte sich heraus, dass der lokale Handwerker eher kreativ als professionell gearbeitet hatte. Christian besserte alles ordentlich nach und siehe da – sie lief wieder.

Kurz darauf war die Poollampe kaputt und Christian fand schnell die Ursache: der benötigte Stromwandler war vom hiesigen Elektriker völlig ungeschützt in einen Schacht gebaut worden und dem Regen ausgesetzt und dadurch durchgebrannt. Also wurde wieder verkabelt, geschraubt und neu eingebaut.

Langsam könnte das Hotelito dank Christian eigentlich ein TÜV-Siegel und eine ISO-Zertifizierung bekommen.

Als Nächstes verabschiedete sich auch noch die Waschmaschine – wie schon bei unserem ersten Aufenthalt in 2024. Diesmal musste tatsächlich ein Techniker kommen, der dem Fehler aber ebenfalls nur mühsam auf die Spur kam. Bis zu unserer Abreise warteten alle noch auf das passende Ersatzteil.

Ach ja, Mexiko. Manchmal ist alles möglich – und manchmal eben gar nichts.

Als Krönung zog dann auch noch Alfred bei uns ein – die weiße Ente vom Nachbarn. Normalerweise saß Alfred immer auf dem Hoteldach, wo er niemanden störte. Aber plötzlich verbrachte er seine Tage lieber auf unserem Hof. Anfangs fand ich das noch ziemlich süß, bis mir klar wurde, wie viel so eine Ente eigentlich kackt.

Jeden Tag war der Bereich vor den Gästezimmern voller „Entengrütze“. Einfangen ließ sich der Kollege natürlich nicht, also bauten wir abends kleine Barrikaden, damit er wenigstens nicht direkt vor die Zimmer machte. So kann man sich auch beschäftigt halten.

Regenzeit

Während wir uns mit Gästen, Katzen, Enten und Reparaturen beschäftigten, rückte langsam auch die Regenzeit näher.

Nach dem Hurricane John, der uns 2024 heimgesucht hatte, beobachteten wir die Wetterkarten diesmal besonders genau. Als sich die Tropical Depression „Boris“ langsam zu einem Sturm entwickelte, wurden wir schon etwas nervös.

Glücklicherweise nahm Boris nicht Kurs auf Puerto Escondido, sondern zog weiter Richtung Acapulco. Trotzdem bekamen wir seine Auswirkungen deutlich zu spüren.

Über eine Woche lang türmten sich riesige Wellen am Playa Zicatela vor unserer Haustür. Das Meer arbeitete sich immer weiter Richtung Straße vor und sogar Profi-Surfer aus Hawaii reisten an, um die Bedingungen auszunutzen. Es war mega beeindruckend, ihnen dabei zuzusehen.

Einige Beachbars bekamen allerdings nasse Füße und auch die Strandstraße vor unserem Hotel wurde wieder überspült und die Kanalisation versagte – typisch Puerto.

Mega-Wellen

Dazu regnete es drei Tage fast ohne Unterbrechung. Danach beruhigte sich das Wetter zwar wieder, aber der Strand brauchte noch Wochen, um sich von dem Sturm zu erholen.

Abschied aus Mexiko

Und dann war unsere Zeit im Hotelito auch schon wieder vorbei.

Am 25. Juni kamen Manuela und René zurück. Wir zogen wieder in Zimmer 2, verbrachten noch drei gemeinsame Tage miteinander und übergaben das komplette Hotel inklusive aller Neuerungen und kleinen Baustellen.

Dann hieß es Abschied nehmen – diesmal auf unbestimmte Zeit.

Manuela und René waren scheinbar auch dieses Mal wieder sehr zufrieden mit uns und würden uns jederzeit ein drittes Mal als Hotelsitter einsetzen. Allerdings wäre die Anreise beim nächsten Mal aus Europa und damit deutlich teurer. Vermutlich wird das also erstmal nichts.

Umso dankbarer sind wir, dass wir gleich zweimal diese eigentlich einmalige Chance bekommen haben, ein kleines Hotel an der mexikanischen Pazifikküste führen zu dürfen.

Diese drei Monate waren wieder wild, ereignisreich und voller kleiner und großer Herausforderungen. Nach zwei längeren Aufenthalten ist Puerto Escondido längst mehr geworden als nur ein weiterer Stopp auf unserer Reise. Für eine Weile war es unser Zuhause – mit festen Routinen, Sonnenuntergängen am Strand, Lieblingsrestaurants, den drei Katern und unzähligen Geschichten, die wir so schnell nicht vergessen werden. Wir haben viel gelernt – über Gastfreundschaft, Improvisation und darüber, dass man manche Dinge wohl einfach mit Humor nehmen muss.

Jetzt waren wir aber bereit für unseren Van-Alltag und endlich wieder zu reisen. Zuerst wollten wir sehen, wie Moby die drei Monate in der Hitze von Las Vegas überstanden hatte – und dann ging es weiter Richtung Osten.

Davon trennte uns nur noch ein Zwischenstopp in Guadalajara, denn einen Direktflug nach Las Vegas gab es leider nicht.
Das Flughafenhotel war diesmal deutlich angenehmer als das in Mexiko-Stadt und um die Ecke fanden wir einen kleinen Pozole-Laden – das ist eine Hühnersuppe mit Mais. Bei den für uns inzwischen fast kühlen 21 Grad war so eine warme Suppe genau das Richtige.

Am nächsten Morgen hob unser Flieger pünktlich ab.

Gracias y adiós, México & hello again, USA.

Aber dazu dann demnächst mehr… 😊

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Santa Cruz

Wir erreichten Santa Cruz und waren, seit langem, mal wieder richtig begeistert von einer Stadt – was uns selbst überraschte, da uns mittelgroße amerikanische Städte bisher eher nicht so umgehauen haben. Aber die hübsche kleine Innenstadt von Santa Cruz war total charmant und wir mochten den Vibe auf Anhieb.

In einem Surfshop fand ich auch direkt den Grund, weshalb ich unbedingt nach Santa Cruz wollte: ein T-Shirt vom Otter 841 Surf Club.
Otter 841 ist eine Seeotter-Dame, die dafür berüchtigt ist, mit den Surfern in den Wellen zu schwimmen und auch mal – unter Anwendung von Otter-Gewalt – ein Surfboard zu kapern. Es gibt tatsächlich Bilder und Videos, auf denen sie auf einem Board im Wasser sitzt. So süß! Um generell auf die Rechte der Otter aufmerksam zu machen, wurde der Club gegründet, um die süßen Tierchen in der Region zu schützen. Tatsächlich sahen wir später zwischen den Surfern sogar ein paar Otter rumschwimmen. Ob 841 dabei war, konnten wir leider nicht rausfinden.

Nach unserem Stadtbummel ging es an den Santa Cruz Boardwalk – der nicht nur eine Promenade ist, sondern auch ein über 100 Jahre alter Vergnügungspark direkt am Meer. Irre, bunt, typisch amerikanisch, aber dennoch auch irgendwie charmant. Am Strand wurde Volleyball gespielt, es war richtig trubelig und einfach schön.

Die Nacht verbrachten wir geparkt in einem Wohngebiet. Am nächsten Morgen parkten wir wieder ans Meer um, spazierten die Küste entlang und landeten schließlich erneut am Boardwalk und Strand, wo wir zumindest mal die Füße ins Wasser steckten – arschkalt leider. Aber schön.

Santa Cruz
🙂

Am Pier, wo viele Angler ihr Glück versuchten, schwammen außerdem Seelöwen umher und versuchten erfolglos auf die Holzplanken zu springen – was für ein Schauspiel.

Im diesmal geöffneten Vergnügungspark probierten wir endlich mal Frozen Custard, also extra cremiges Eis dank Eigelb und dadurch extra lecker, und ließen uns durch das Getümmel treiben.

Zum Sonnenuntergang setzten wir uns mit einem Bier auf eine Bank und wurden von einem älteren Pärchen angesprochen, mit denen wir nett ins Gespräch kamen. Die beiden Rentner waren selbst ein Jahr lang auf der Panamericana gereist und hatten so einiges zu erzählen. Auch das Thema Politik ließen wir nicht aus und bekamen ein paar interessante Einblicke, und zum Abschied schenkte uns der Mann, der Nachfahre ukrainischer Einwanderer ist, seinen Ukraine-Flaggen-Pin, der uns Glück bringen sollte. Sehr nett.

Es folgte der spektakulärste Sonnenuntergang seit langem. Der Himmel leuchtete 45 Minuten lang in allen Farben – der Wahnsinn.

Wir verbrachten noch eine zweite Nacht in der Stadt und gingen am nächsten Morgen an der Küste laufen, gemeinsam mit all den anderen sportlichen Menschen und mit schönster Aussicht. Was für ein cooler Vibe einfach.

Natürlich wanderten auch die typischen Santa-Cruz-Shirts in unseren Besitz (das ist DIE Skateboard- und Mountainbike-Marke in den USA), und dann nahmen wir schweren Herzens schon wieder Abschied von dieser schönen Stadt, die uns so positiv überrascht hatte.

Carmel-by-the-Sea

Am späten Nachmittag erreichten wir Carmel-by-the-Sea, einen weiteren schönen Küstenort, der eindeutig auf zahlungsfreudige Touristen ausgelegt ist. Die Innenstadt war sehr hübsch hergerichtet und erinnerte mich an eine Mischung aus Hobbiton und dem Elsass – irgendwie puppig.

Die Preise waren allerdings gesalzen. Ein Hauptgericht im Restaurant kostete gerne mal um die 40 USD und auch die Boutiquen sahen recht exklusiv aus. Nix für uns also, aber schön anzuschauen.

Am Strand war zum Sonnenuntergang richtig was los. Ein Dudelsackspieler vertonte den Sonnenuntergang, was irgendwie seltsam war, aber die Leute schienen es zu mögen. Mal was anderes.

Besonders camperfreundlich war der posh-luxuriöse Ort natürlich nicht, aber beim lokalen Supermarkt durfte man legal und kostenlos stehen – das reichte uns vollkommen.

Highway 1 – Big Sur

Am nächsten Tag konnten wir endlich über Amerikas berühmteste und angeblich eine der schönsten Küstenstraßen der Welt fahren: den Highway 1, aka Big Sur.

Letztes Jahr hatten uns unsere Van-Probleme hier leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Damals war die Strecke wegen eines Erdrutsches auch teilweise noch gesperrt. Jetzt hatten wir freie Bahn und erfreuten uns an den wirklich unglaublichen Aussichten auf die wilde Küste, Felsklippen, sich brechende Wellen, berühmte Brücken, Pelikane, Blümchen und dem ein oder anderen Walblas in der Ferne.

Was für eine unglaubliche Kulisse. Wirklich traumhaft schön und sicher zurecht so berühmt.

Immer wieder hielten wir an, um die Aussicht zu genießen. Besonders der MacWay Wasserfall, der mitten auf den Strand, beziehungsweise ins Meer fällt, hatte es uns angetan. Schade, dass man dort aktuell nicht hinwandern konnte, der Trail wurde gerade neu angelegt.

MacWay Wasserfall

Unsere kleine Wanderung am Sand Dollar Beach fiel leider auch sehr kurz aus – wir hatten die Flut erwischt und der Strand war quasi nicht existent. Trotzdem ein schönes Eckchen.

Wildlife Overload

Es ging weiter den Highway entlang, bis wir in San Simeon ankamen. Dort besuchten wir natürlich die lokale Seeelefanten-Kolonie.

Was für Oschis!

Die bis zu 2,2 Tonnen schweren „Tierchen“ lagen dort am Strand, rollten sich von links nach rechts, bewarfen sich mit Sand, hüteten ihre Jungtiere und der ein oder andere wälzte sich auch mal ins Wasser, um dort wesentlich eleganter als an Land durch die Wellen zu gleiten.

Aber das echte tierische Highlight des Tages folgte erst noch.

Auf der Suche nach einem Stellplatz landeten wir in Morro Bay, einem weiteren kleinen Küstenort mit dem markanten Morro Rock und einem vorgelagerten kleinen Hafen. Dort sollte es Stellplätze geben, auf denen man kostenfrei und legal übernachten darf – dem war aber leider nicht so.

Dennoch stiegen wir kurz aus und spazierten am Hafen entlang. Wieder lagen dort ein paar Seelöwen faul in der Sonne. Soweit, so süß. Aber dann entdeckte Christian ein anderes Tier im Wasser: Direkt vor uns schwamm ein Seeotter in nächster Nähe. Endlich!

Der oder die Süße lag ganz entspannt auf dem Rücken im Wasser und döste vor sich hin. Was für ein Anblick. Tausend Bilder später rissen wir uns los und fuhren noch einmal zum Morro Rock hinaus, wo noch mehr Otter herumschwammen. Wir hatten schon so oft, an so vielen verschiedenen Orten auf dieser Reise versucht Seeotter aus der Nähe zu sehen, und hier schwammen sie einfach umher. Mega!

Gemütlich!

Für die Übernachtung mussten wir dann doch etwas ins Hinterland fahren, fanden dort aber einen einigermaßen ruhigen Platz am Straßenrand.

Am nächsten Morgen wollten wir eigentlich gleich weiter, entschlossen uns dann aber doch spontan, noch einmal bei den Ottern vorbeizuschauen – gute Entscheidung. Zurück am Hafen lagen dort sage und schreibe 14 Otter und Otterbabys im Wasser, putzten sich, säugten die Kleinen, knackten Muscheln und waren einfach ottermäßig süß.

Otter-Ultras

Ich machte erneut gefühlt tausende Fotos, wir telefonierten noch mit Freunden in der Heimat und rissen uns dann mittags schweren Herzens los. Ganz unverhofft war dieser kurze Stopp das absolute Wildlife-Highlight für mich.

Salvation Mountain

Nach einigen weiteren Kilometern und einer Übernachtung an einem schönen Aussichtspunkt umfuhren wir Los Angeles und das Umland weitläufig, hatten aber trotzdem mit einigem Verkehr zu kämpfen.

Schließlich bogen wir in die Wüste ab und besuchten den Salvation Mountain. Der wurde vor über 30 Jahren von Leonard Knight errichtet, einem Mann, der seinen Glauben gefunden hatte und nun seine Botschaft „God is Love“ künstlerisch in die Welt tragen wollte. Über Jahre hinweg entstand so, mitten in der Wüste, ein Hügel aus Stroh, Lehm und unzähligen Schichten bunter Farbe.

Salvation Mountain

Aber auch Autos und andere Gefährte waren vor seiner Botschaft und Kunst nicht sicher. Ein wirklich bunter Ort!

Salvation Mountain

Inzwischen ist der Gründer verstorben, aber eine Organisation hält die ganze Sache am Laufen und trägt täglich Farbe nach. Auf jeden Fall eine besondere und skurrile Sehenswürdigkeit, mitten im staubigen Nichts.

Slab City & Bombay Beach

Wenige Kilometer weiter erwartete uns Slab City, eine Mischung aus Aussteigercamp, Müllhalde und Kunstausstellung. Aus jeder Menge Schrott wurden hier teils sehr skurrile Kunstwerke und Gebilde errichtet, die definitiv Hingucker waren und für den ein oder anderen Lacher sorgten.

In Slab City leben zeitweise (im Winter) mehrere tausend Menschen, allerdings ohne klassische Infrastruktur – kein fließendes Wasser, keine Kanalisation, kein Strom, etc. Die meisten leben in heruntergekommenen Wohnwagen, oder deren Überresten, oder in abenteuerlich zusammengezimmerten Bretterverschlägen.



Manche nennen es Freiheit und betiteln den Ort sogar mit „The last free place in America“, doch bei uns löste es eher Beklemmungen aus. Die vermeintliche Freiheit fühlte sich für uns eher wie Hoffnungslosigkeit an.

Auch unser nächster Stopp konnte uns nicht so recht begeistern. Wir erreichten den berühmten Bombay Beach am fast ausgetrockneten Salton Sea. Einst ein Ferienort der Schönen und Reichen, heute Heimat einiger Dauercamper, alternativ angehauchter Teilzeitnomaden und „Künstler“.

Überall am Strand stehen skurrile Kunstwerke aus Müll, Autos und allerlei anderen Materialien.

Bombay Beach

Rundherum haben sich wilde Communities gebildet, in Form von Wohnwagen-Burgen oder auch Kastenwagencampern, wie uns. Uns packte der Vibe aber auch hier nicht. Bei 37 Grad Hitze schauten wir uns einige der Werke an, blieben aber nicht lange und suchten uns lieber ein etwas kühleres Plätzchen zum campen.

Joshua Tree Nationalpark

Am südlichen Rand des Joshua Tree Nationalparks fanden wir auf BLM-Land einen schönen und ruhigen Stellplatz. Auf knapp 500 Metern Höhe war es mit „nur“ 32 Grad auch deutlich angenehmer als am Ufer des Salton Sea.

Camping-Mode: On!

Wir nutzten den Platz für eine kleine Sporteinheit und zum Grillen und hatten eine angenehm ruhige Nacht. Sogar zum Frühstücken konnten wir mal wieder draußen sitzen – das hatten wir gefühlt ewig nicht gemacht.

Den Joshua Tree Nationalpark hatten wir bei unserer ersten Durchfahrt durch Kalifornien bewusst ausgelassen. Wir sind einfach keine Wüstenmenschen und Joshua Trees (aka Yucca Palmen) haben wir in Mexiko mehr als genug gesehen.

Nun hatten wir aber noch einen Tag Zeit und nahmen den Park daher doch mit. Aufgrund der bereits am Morgen recht hohen Temperaturen war uns allerdings nicht nach langen Wanderungen zumute. Stattdessen fuhren wir die Straße mit den Highlights ab und machten kleinere Spaziergänge.

So kamen wir u. a. an vielen Kakteen, dem Heart Rock, einem Steinbogen und dem Skull Rock vorbei.

Und natürlich sahen wir auch unzählige der namensgebenden Bäume. Schon beeindruckend, so viele und große Exemplare auf einmal zu sehen und vor allem auch die Blüten des Baums.

Eine weitere kleine Wanderung führte uns, im Gänsemarsch mit den vielen anderen Besuchern, durch Felsformationen, die uns ehrlich gesagt nicht so vom Hocker hauten. Ich glaube, wir haben inzwischen einfach zu viel Beeindruckendes gesehen. Sorry, Joshua.

Palm Springs 2.0

Nach der ganzen wilden Kunst und Natur, zog es uns noch einmal zurück nach Palm Springs – für mich immer noch die schönste beziehungsweise ästhetischste Stadt der USA. Die wunderschöne Mid-Century-Architektur, die vielen Palmen und die kitschigen Pastellfarben haben es mir einfach angetan.

Cheers!

Wir genehmigten uns eine 5-Dollar-Margarita, spazierten durch die Stadt und verbrachten den nächsten Tag mit etwas Windowshopping und Haus-Voyeurismus. Die schönen Alexander Houses würde ich zu gerne mal von innen sehen.

Bis wir dafür genug Kleingeld haben, geben wir uns aber gerne mit unserem italienischen Design-Haus zufrieden.

Las Vegas 2.0

Nach einer weiteren Nacht auf BLM-Land erreichten wir zum zweiten Mal auf dieser Reise den Bundesstaat Nevada und Las Vegas.

Wieder parkten wir am Circus Circus Hotel und liefen den Strip einmal hoch und runter. Beim zweiten Besuch ist alles nicht mehr ganz so überwältigend wie beim ersten Mal, aber dennoch staunten wir wieder über diese irre-blinkend-künstliche Welt.

Las Vegas

Das Phänomen Las Vegas kann man einfach nicht erklären – das muss man erlebt haben.

Beim Roulette befolgten wir den Rat unserer Freunde und setzten alles (also jeweils 3 USD) auf die 7 und die 17. Prompt landete die Kugel auf der 17 und wir waren um 108 USD reicher.

Katsching!

Leider blieb es der einzige nennenswerte Gewinn, aber er refinanzierte immerhin unsere Hotelbuchung.

Denn diesmal waren wir ja nicht nur zum Vergnügen in Vegas, sondern auch, um die Einlagerung von Moby vorzubereiten – denn wir hatten ein Date in Mexiko, für das wir Moby aber nicht noch mal tausende Kilometer durch das riesige Land quälen wollten.

Wir erledigten allerlei Besorgungen, holten uns in einer Werkstatt ein Angebot für notwendige Reparaturen und trafen dabei den netten mexikanischen Mechaniker Willy, der für ein Trinkgeld unser Getriebeöl kontrollierte und uns nebenbei aus seinem Leben erzählte. Wieder mal eine unerwartet spannende Begegnung.

Es folgten Laundry, Autowäsche und ein weiterer Abend auf dem Strip.

Am Dienstag begann dann das große Packen und wir bezogen aus praktischen Gründen ein Zimmer im Circus Circus Hotel, welches gleichzeitig auch Casino, Vergnügungspark, Wasserpark, und natürlich Zirkuszelt ist. IRRE! Der Weg von der Lobby zum Zimmer dauerte rund zehn Minuten und glich einem Labyrinth. Die Zimmer waren (zum Glück) doch recht schlicht gehalten. Einen Clown überm Bett hätte ich auch nicht haben wollen. 😉

Wir verkochten die letzten Lebensmittel im Van, verpackten und verstauten alles und besuchten am Abend noch einmal die Fremont Street – den Ursprung von Las Vegas. Es war St. Patrick’s Day und dadurch so einiges los, inklusive Livebands, Irland-Merch ohne Ende und leuchtend grüne Drinks. Wir fragten uns, warum der St. Patricks Day hier von Hinz und Kunz so groß gefeiert wird, da die ja unmöglich alle irische Wurzeln haben können. Aber naja – Hauptsache ein Grund zum Feiern ist wohl die Devise.

Freemont Street

Bye bye Moby!

Am Mittwoch brachten wir schließlich den Van ins Storage. Mit 12 USD pro Monat haben wir hier ein richtiges Schnäppchen geschossen. Für den Preis darf Moby nun überdacht und gut gesichert zwischen weiteren Reisemobilen stehen, bis wir ihn Ende Juni wieder abholen.

Moby wird eingelagert

Wir machten alles lagersicher, trafen Vorkehrungen gegen Mäuse und sonstiges Ungeziefer und hoffen nun, den Van in drei Monaten wieder wohlbehalten in Betrieb nehmen zu können.

Voll beladen ging es anschließend mit dem Uber zum Flughafen. Selbst dort konnte man noch Geld in Spielautomaten versenken. Vegas ist einfach verrückt.

Pünktlich hoben wir ab – und schon waren wir auf dem Weg zurück nach Mexiko. Wieso, weshalb, warum – das erzählen wir euch beim nächsten Mal.

Hasta luego! 😊

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