Teil 20 unseres Roadtrips durch die USA
15. – 21. Juli 2026
colorado
Wir erreichten den Rocky Mountain Nationalpark (abgekürzt RMNP), also fast zumindest. Kurz vor den Toren des Parks bezogen wir einen kleinen, rustikalen Campingplatz, wo wir dank unseres „America the Beautiful Nationalpark Pass“ nur 8 USD zahlen mussten und nur wenige Minuten vom ersten Trailhead entfernt waren. Dort verbrachten wir zwei Nächte und sehnten unser Markisen-Ersatzteil herbei, das immer noch auf sich warten ließ, da der Versand länger dauerte und komplizierter war als erwartet. Naja, Not macht erfinderisch, und so musste der eingeklemmte Sonnenschirm herhalten, um mir für mein Workout Schatten zu spenden. Irgendwie geht’s doch immer.

Tour zum Chasm Lake
Nach der ersten Nacht ging es dann ganz früh los zum Trailhead unserer Wanderung. Gegen 5 Uhr erreichten wir den Parkplatz und bekamen, unglaublicherweise, gerade noch so den letzten freien Parkplatz. Crazy die Leute! Aber viele latschten hier mitten in der Nacht los, um den Longs Peak, Colorados höchsten Berg, zu besteigen. Ganz so hoch hinaus wollten wir aber nicht.
Wir frühstückten, packten unsere Sachen und dann ging es los zum Chasm Lake, am Fuß des genannten Longs Peak.
Durch den Wald ging es stets hinauf, bis wir die Baumgrenze passierten und sich der Blick auf alpine Tundra öffnete. Wunderschön. Wir konnten live beobachten, wie der wirklich hervorragende Trail weiter optimiert und gebaut wurde – so riesige Steine auf 3000 Metern zu wuchten, ist sicher ganz schön anstrengend.



Ein weiteres Highlight waren die Toiletten, die dort oben gebaut wurden – das hatten wir bisher auch noch nicht gesehen. Dort ließ es sich herrlich erleichtern, mit gigantischem Ausblick. Wahnsinn!



Über einen schmalen Trail ging es, vorbei an vielen Wildblumen, weiter zum Chasm Lake, der nach einer kurzen Kletterpartie wunderschön, glasklar und schimmernd vor uns lag – und dahinter der Longs Peak.




Chasm Lake liegt auf rund 3.600 Metern und ist vor allem wegen der spektakulären Lage direkt unterhalb der steilen Ostwand des Longs Peak ein beliebtes Wanderziel. Der Longs Peak selbst ist mit 4.346 Metern der höchste Berg im Rocky Mountain Nationalpark und seine Besteigung über die sogenannte ‚Keyhole Route‘ gilt als anspruchsvolle Klettertour, nicht als normale Wanderung – sonst hätten wir es natürlich gewagt.

An der glatten Wand versuchten viele Kletterer ihr Glück – aber so weit weg, dass wir sie nicht mal ranzoomen konnten. Irre, diese Proportionen! Einige Mutige gingen im eisig kalten See sogar baden, wir beließen es bei unserer obligatorischen Brotzeit und dann ging es den gleichen wunderschönen Trail wieder retour. Kein schlechter Start im RMNP.



Aufstieg auf die Twin Sisters
Nach einer zweiten Nacht auf dem Meeker Campground ging es wiederum sehr früh los – die Parkplätze an den Trailheads waren einfach begrenzt und zudem sollte man immer vor der Mittagszeit auf dem Gipfel sein, da nachmittags im Juli/August typischerweise schwere Gewitter in den Bergen drohten.
So fanden wir uns zum Sonnenaufgang schon wieder am nächsten Trailhead ein. Es folgte die übliche Frühstücks- und Packroutine und dann marschierten wir los auf die Gipfel der Twin Sisters Peaks.



Diesmal war der Trail etwas eintöniger und vor allem steil. Auf nur 6,5 km arbeiteten wir uns von 2.660 Meter rauf auf knapp 3.500 Meter. Es ging steil und staubig durch den Wald und schließlich über ein großes, ausgesetztes Geröllfeld mit toller Aussicht.



Dann erreichten wir den Kamm zwischen den Peaks und erkletterten erst die höchste der beiden Sisters, wo wir auf ein nettes amerikanisches Vater-Sohn-Gespann trafen, die ihre feinsten Deutschkenntnisse auspackten. Immer so nett, die Amis.

Vom zweiten, etwas niedrigeren Gipfel war die Aussicht noch etwas besser. Vis-à-vis schauten wir auf den Longs Peak, an dessen Fuß wir gestern noch gewandert waren.


Nach unserer obligatorischen Käsebrotpause, tausenden Bildern und großem Staunen ging es dann wieder retour zum Van.
Estes Park
Nach der Tour schauten wir uns Estes Park an, den kleinen Ort vor den Toren des Nationalparks. Dort gab es, wie erwartet, einen Souvenirladen am anderen, jede Menge Tand und Tüddelkram und natürlich Outdoorläden und Restaurants für jeden Geschmack.



Wir hielten uns wie immer bedeckt und verbrachten den Rest des Nachmittags auf dem kostenlosen Parkplatz vom Visitor Center. Für die nächste Tour mussten bzw. wollten wir nämlich mal wieder illegal campen…
Bear Lakes & Trail Ridge Road
Es wurde höchste Zeit das wir uns ins Herzstück des Rocky Mountain Parks wagten. Dort galt in den Sommermonaten, wie in den meisten großen US-Nationalparks, Ausnahmezustand. Man brauchte ein Timed Entry Ticket, um hineinfahren zu dürfen. Diese Tickets waren bereits seit Monaten ausverkauft, um die Restbestände konnte man sich jeweils am Vorabend bemühen, aber da hatten wir keine Lust drauf und wollten sowieso am liebsten noch vor den ersten Tagesgästen los.
Also planten wir, wie schon an den Maroon Bells, wieder illegal im NP zu pennen. Einige machten das dort ganz legal, wenn sie ein Permit dafür erworben hatten. Wie das ging, konnte uns aber auch einer der Parkranger nicht erklären, so fuhren wir einfach gegen Mitternacht rein, stellten uns auf den Trailhead-Parkplatz und gingen ins Bett. Und siehe da – es störte keinen.
Gegen 4 Uhr ging draußen dann das Rumoren los, der Parkplatz füllte sich, denn wer kein Timed Entry Ticket bekommen hatte, musste vor 5 Uhr morgens in den Park reinfahren. Alle, die dann ab 5 Uhr ankamen, oder später mit dem Timed Entry Ticket, bekamen schon keinen Parkplatz mehr. Irgendwie war das System eher kontraproduktiv. Aber naja, so ist das eben.
Wir stärkten uns und zogen noch vor Sonnenaufgang los und sahen so, wie die Sonne schließlich die Berge ins schönste Licht tauchte. Wir hatten uns diesmal für die klassische Runde rund um die Bear Lakes entschieden, also wirklich die Haupt-Touri-Attraktion im RMNP.





Wir sahen fünf wunderschöne Seen im allerschönsten Bergpanorama. Das goldene Morgenlicht wurde irgendwann immer greller, die Seen blauer und die Trails voller. Holy moly. Aber es war ja auch einfach schön und leicht zugänglich.





Diesmal hatten wir auch kaum Höhenmeter zu bewältigen. Wir bogen zum Lake Haiyaha etwas außerhalb ab, wo deutlich weniger Menschen unterwegs waren, denn es musste ein bisschen gekraxelt werden. Dieser See ist aber besonders schön blau, da 2022 ein Felshang abgestürzt war und große Mengen Gestein in den Bereich oberhalb des Sees gelangten, was Sedimente freisetzte und die ungewöhnliche Farbe erzeugte. Lange nicht so schön türkis wie in den Rockies in Kanada, aber wir sahen keinen Grund uns zu beschweren.





Nach unserer 11-km-Runde waren wir, immer noch früh am Tag, zurück am Van und sahen die unzähligen Autos, die hoffnungslose Runden auf dem Trailhead-Parkplatz drehten. Der Andrang war einfach zu groß. Wir packten unsere sieben Sachen und machten uns auf die Trail Ridge Road, die quasi die Panoramastraße durch den Park ist, zu befahren.
Die Trail Ridge Road führt einmal quer durch den Nationalpark und ist die höchste durchgängig geteerte Straße in den USA. Na, auf was man so alles stolz sein kann. Aber sie führte uns auch auf bis zu 3.600 Metern hinauf, das war ja schon beachtlich – auch wenn die Anden da nur lachen können.




Die Ausblicke waren gigantisch – ich weiß, ich wiederhole mich. Aber es war so. Das Bergpanorama war wirklich toll, alle paar Meter konnte man stehen bleiben und schauen und immer wieder das mehr oder weniger gleiche Bild machen. Ab und zu schob sich mal ein Murmelbär oder Pika ins Bild und auch eine Herde Wapitis begegnete uns. Faszinierend.





Am Alpine Center, dem größten Visitor Center des NP, erklommen wir zuerst den höchsten Punkt der Straße und staunten anschließend über all den Souvenirkram, den man kaufen konnte. Scheinbar ist es in den USA ein Nationalsport, sich von jedem Park und Ort, an dem man Urlaub macht oder Zeit verbringt, auch mindestens ein passendes Souvenir zu kaufen, vor allem Pullis, T-Shirts und Magnete standen ganz hoch im Kurs.

Da wir wieder zur Estes-Park-Seite raus wollten, fuhren wir die Trail Ridge Road noch mal in die andere Richtung, besorgten noch ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt, gaben ein paar Random-Leuten eine kleine Camperführung durch unseren Moby Dick – das passiert uns in den USA fast täglich – und dann machten wir uns auf Stellplatzsuche, diesmal wieder legal.
Unser altbewährter Campingplatz war voll – kein Wunder, es war ja auch Wochenende und Ferien und noch dazu schönes Wetter. Also suchten wir weiter und fanden schließlich im National Forest, wo man immer frei stehen darf, ein schönes, einsames Plätzchen – ganz kostenlos und ganz für uns allein. Genial. Unter Pinien machten wir es uns gemütlich und planten die nächsten Tage.


Direkt am nächsten Tag stand aber erstmal das Finale der Fußball-WM an. In Estes Park fanden wir ein Pub, das das Spiel übertrug. Wir fieberten mit Argentinien mit, wie schon vier Jahre zuvor in El Calafate, aber diesmal gewannen die Argentinier (verdient) nicht. Schade!
Bevor es zurück zu unserem Waldplatz ging, widmeten wir uns dem Wassertank. Seit der Einlagerung in Las Vegas schien das Wasser aus der Dusche nicht mehr ganz so frisch zu sein, also spülten wir das System mal ordentlich mit Citric Acid durch. Das funktionierte wunderbar, und an der Wasserquelle hatten wir wieder viele interessierte Zuschauer, die ganz begeistert waren von Van, Reise und sowieso.
Nach der zweiten Nacht im Wald wurde es so langsam Zeit, die Rockies hinter uns zu lassen.
Boulder
Einen kleinen Stopp am Rande der Rockies war aber noch drin. Die kleine, bunte Stadt Boulder gefiel uns mega gut. Dort holten wir endlich unser Ersatzteil für die Markise ab und wollten dann noch ein wenig Mountainbiken. Es gab dort nämlich ein tolles Trail System, aber schon mittags um 11 Uhr zeigte das Thermometer 36 Grad an, Tendenz steigend – einfach zu heiß zum Biken. So schauten wir uns stattdessen die historische Innenstadt an, voller schöner Gebäude und Läden.



Dann galt es, einen Platz zu finden, an dem man es bei der Hitze aushalten konnte. Christian fand einen kleinen See, der vielversprechend aussah. War er auch, aber leider war dort Baden verboten. Schade. Dennoch gab es ein bisschen Schatten und Christian machte sich gleich daran, das Markisenteil auszutauschen. Ganz schön fummelig, aber mit vereinten Kräften gelang es uns schließlich. Endlich wieder im Schatten sitzen.



Da es keine Verbotsschilder gab und der Ort recht ruhig war, beschlossen wir, die Nacht dort zu verbringen. Als ich abends noch eine Runde am See drehte, sprach mich ein netter Herr an, der ukrainische Wurzeln hatte. Wir kamen länger ins Gespräch, über die USA, die Berge und unsere Reise. So eine nette Zufallsbegegnung mal wieder und nicht die erste dieser Art. Irgendwie begegneten uns immer wieder Menschen aus der Ukraine, die total nett waren.
Denver
Am nächsten Morgen ging es dann auf in die Hauptstadt von Colorado: Denver.
Dass wir mal nach Denver kommen würden, hätten wir vorher auch nicht gedacht. Ich musste sofort an die TV-Serie Denver-Clan denken, die zwar dort spielte, aber in den USA ganz anders hieß, nämlich Dynastie. Naja, Alexis und Co. begegneten uns jedenfalls nicht und wir wurden in keine Intrigen verwickelt.
Stattdessen schlossen wir uns dort mal wieder einer Free Walking Tour an, die wie immer sehr informativ und lehrreich war. Die Stadt an sich war eine bunte Mischung aus allem, nicht so richtig Großstadt, aber schon groß, mit viel spannender Architektur und ein paar schönen Fußgängerzonen.







Unfreiwillig wurden wir fast Zeugen eines Unfalls: Ein Auto mit flüchtigen Straftätern (kein Scherz) donnerte an einer verkehrsberuhigten Kreuzung in einen Bus. Zum Glück blieben alle Passagiere und Passanten unverletzt, nur die beiden Flüchtigen erlitten Verletzungen – und das Auto sah ganz schön zerstört aus.
Wir stärkten uns mit Bibimbap, bestaunten Murals und Straßenkunst und traten dann auch schon wieder die Flucht an – auch in der Stadt war es sehr heiß. Stellplätze gab es ebenfalls keine guten, also beschlossen wir, zurück an den kleinen See nahe Boulder zu fahren, wo abends endlich ein Gewitter kam, das etwas Abkühlung brachte.

Mitten in der Nacht klopfte dann leider die Polizei an den Van. Die sehr nette Beamtin wies uns darauf hin, dass im gesamten Ort Campingverbot und Schlafen im Auto verboten war. Das war uns tatsächlich nicht bewusst gewesen. Sie ließ uns aber bleiben und bat uns nur, am nächsten Morgen weiterzuziehen. Ihr war aufgefallen, dass wir schon die zweite Nacht dort waren. Upsi.
Naja, wir wollten am nächsten Morgen sowieso weiter. Uns standen einige tausend Kilometer durch den schier endlosen Midwesten der USA bevor.
Aber dazu dann demnächst mehr. 🙂
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