Teil 19 unseres Roadtrips durch die USA
Colorado
9. – 14. juli 2026
Es zog uns wieder in die Berge – wir bahnten uns langsam unseren Weg nach Colorado, in die Rocky Mountains. Die hatten es uns ja schon in Kanada angetan und nun waren wir gespannt, ob die US-Rockies da mithalten konnten.
Durch die ersten Ausläufer der Berge ging es über gewundene Straßen, bis wir schließlich das Städtchen Durango erreichten, dort eine kurze Pause einlegten legten und sehr positiv überrascht wurden – so eine schöne Kleinstadt. Durango war ursprünglich vor allem durch den Bergbau und die Eisenbahn geprägt und ist heute vor allem für seine Lage in den Bergen und die zahlreichen Möglichkeiten zum Wandern, Mountainbiken und Skifahren beliebt.



Alles war hübsch hergerichtet und touristisch, aber nicht künstlich. Es gab einige coole Läden, wo auch jetzt im Hochsommer das Winterequipment ausgestellt war und Christian große Lust bekam, im Winter noch mal herzukommen. Es gab auch einige neuartige Sportgeräte mit einer Mischung aus Skateboard und Snowboard, die er wohl gerne mal ausprobiert hätte.
Nach dem kurzen Stadtbummel ging es weiter auf den Million Dollar Highway, der uns unerwartet auf über 3.000 Meter Höhe brachte – wir kamen den Rockies also näher.
Million Dollar Highway & Ouray
Der Million Dollar Highway führte uns, der seinen Namen den tollen Aussichten verdankt, ins nächste Berg-Örtchen, nach Ouray. Dieser Highway gilt übrigens als gefährlichster der USA (wurde uns gesagt), da er stellenweise eng und kurvig ist und es an einigen Stellen keine Leitplanken gibt. Unsere Erwartung war nach dieser Beschreibung eine andere gewesen – im Gegensatz zu den „normalen“ Highways in Südamerika oder einer durchschnittlichen Bergstraße in Italien, war das immer noch eine breit ausgebaute, perfekt geteerte Straße. Im Sommer war dort gar nix gefährlich, solange man nicht am Steuer einpennt. Dennoch kamen unsere neuen Bremsbeläge dort ordentlich ins Schwitzen, es ging ständig auf und ab.




Ouray war einst eine wichtige Goldgräberstadt und ist heute vor allem für seine spektakuläre Bergkulisse, die manch einen an die Schweiz erinnert, und heiße Quellen bekannt.
Auch diese Stadt war sehr nett hergerichtet und eindeutig auf Outdoor-Menschen ausgelegt. Also genau unser Ding. Ich konnte mir dennoch kaum vorstellen, was dort im Winter abging, wenn alles eingeschneit ist und die Skifahrer Kufe an Kufe stehen müssen. Leider herrschten zurzeit Waldbrände in der Gegend, wodurch zeitweise die Sicht und auch einige Aktivitäten eingeschränkt waren.



Die Nacht verbrachten wir etwas außerhalb von Ouray, einfach nur am Straßenrand, aber auch am Flussufer, dadurch war es fast schon idyllisch. Es reichte jedenfalls zum Sporteln und draußen sitzen – was will man mehr.
Crested Butte
Schließlich erreichten wir unser erstes richtiges Ziel in den Rockies: Crested Butte. Diese schöne Sackgasse in den Bergen nennt sich auch „Wildflower Capital of Colorado“ – zurecht, wie wir bald herausfanden. Ursprünglich war CB eine Bergbaustadt und entwickelte sich erst später zu einem beliebten Ski- und Outdoor-Ort, der heute besonders für seine Wildblumen, die endlosen Wanderwege und Mountainbike-Trails bekannt ist.
Erstmal versorgten wir uns im Ort mit allen Infos zu Wanderungen, MTB-Trails und Campingmöglichkeiten. Der nette, sehr betagte Herr an der Touri-Info war ganz besorgt, als er hörte, dass wir noch keinen Campspot hatten. Es gab dort nämlich kein freies Wildcamping mehr, sondern nur noch zugewiesene, aber immerhin freie Campingplätze. Die waren zwar nach wie vor kostenlos, aber man durfte eben nur an ausgewiesenen Plätzen stehen, was die Auswahl natürlich einschränkte.
Mit ein paar Empfehlungen und vielen guten Wünschen im Gepäck machten wir uns auf die Suche und bekamen den letzten freien Platz im Washington Gulch, einer dieser zugewiesenen Campingsites, ca. 7 Meilen außerhalb des Ortes. Dort ließ uns ein netter Herr den riesigen Campspot mit ihm teilen. Sehr nett.

Wir waren dort bereits auf 2900 Metern ü. M. und wollten in den nächsten Tagen noch höher hinaus, also wurde es Zeit für eine Akklimatisierungsrunde. Wir spazierten 12 km lang den Snodgrass Trail hinauf, durch einen Wald voller Espen, und bekamen die ersten Wildblumen und Aussichten auf das Skigebiet von Crested Butte zu sehen. Die Vorfreude auf die Rockies und die kommenden Touren wuchs…





Am nächsten Morgen verließen wir bereits um 6 Uhr unsere idyllische Campsite und machten uns auf zum Copper Lake Trailhead. Eigentlich hatten wir den West Maroon Pass wandern wollen, aber zu dessen Trailhead führte nur eine für uns unpassierbare 4×4-Straße oder ein 55 USD teurer Shuttlebus pro Person. Dann eben nicht.



Am Startpunkt des Copper Lake Trails angekommen, stärkten wir uns noch und marschierten dann 9 km bergauf, ca. 600 Hm bis zum Copper Lake, der auf 3500 Metern malerisch zwischen den Bergen und blühenden Wiesen lag. Mega schön.




Auch unterwegs sahen wir viele Blümchen, Erdhörnchen und hatten natürlich tolle Fernsichten.
Vier Mal mussten wir den Fluss queren, was von Mal zu Mal abenteuerlicher wurde. Einmal entschied ich mich für die Kneipp-Kur, da das Wasser zu tief und die überspülten Steine zu rutschig waren. Blöd nur, dass ich schon fette Blasen an den Füßen hatte, die ich vor der Tour getaped hatte – das musste ich dann einmal alles neu machen. Naja!




Die Aussichten entschädigten allemal und nach erfolgter Stärkung am See ging es retour zum Van und noch mal ab in den Ort…
Crested Butte überraschte uns positiv – ein schönes, buntes Örtchen, voller US-amerikanischer Touristen, die fleißig am Shoppen waren oder es sich in den zahlreichen Restaurants gut gehen ließen. Wenn das Budget nicht so knapp gewesen wäre, hätten wir uns da gerne dazugesellt.




Die Suche nach einer Apotheke und Blasenpflastern blieb erfolglos, Eis war auch zu teuer, so ließen wir den Ort bald wieder hinter uns und fuhren zurück zu unserem Campspot im Washington Gulch.
401 MTB Trail
Auch am nächsten Morgen legten wir wieder um 6 Uhr ab und fuhren erneut zum Trailhead vom Vortag – diesmal blieben die Wanderschuhe aber im Van, stattdessen kamen die Bikes zum Einsatz. Wir wollten den in der Gegend berühmten 401 Trail fahren.

Nach dem Frühstück ging es also die 4×4-Straße hinauf, 11 km bis auf 3500 Metern über dem Meeresspiegel. Da kam die Lunge gut in Schwung.




Dann ging es ab auf den eigentlichen Trail, der noch mal 200 Hm hinaufführte, über einen Wald-Singletrail. Der hob uns häufiger aus dem Sattel, als wir hier zugeben wollen – wir waren einfach noch nicht gut akklimatisiert für die Höhe und Radeln war da oben noch mal was anderes als einfach nur Laufen.




Aber irgendwann erreichten wir den höchsten Punkt und ab dann ging es erstmal nur noch bergab. Aber wie. Das war vermutlich der schönste MTB-Trail seit dem Lost Lake Trail in Alaska.

Über einen Singletrail, immer am Abhang entlang, durch bunt blühende Wildblumenwiesen, ging es mit einer absolut gigantischen Aussicht richtig schön flowig runter. Der absolute Hammer. Immer wieder mussten wir anhalten, um mehr oder weniger das gleiche Foto zu knipsen. Wirklich traumhaft!



Doch dann kam noch mal ein bergauf Stück, wieder über steiniges, wurzeliges Gelände. Wir waren beide fix und fertig, als wir endlich einen schönen Platz für unser Picknick fanden.


Aber auch diesmal entschädigte die Aussicht wieder und wir waren ganz beseelt, als wir wieder am Van ankamen.
Zurück im Washington Gulch wurden wir noch mit einem tollen Sonnenuntergang belohnt – ein perfekter Abschluss für unsere Zeit in Crested Butte – denn am nächsten Morgen ging es weiter.
Unterwegs nach Aspen
Eigentlich hatten wir geplant, noch mal in den Sand Dunes Nationalpark abzubiegen, sahen aber dann, dass das Wetter in Aspen gut war und bekamen spontan ein Parkticket für einen begehrten Wanderparkplatz, der eigentlich immer ausverkauft war. Also schmissen wir alle Pläne über den Haufen und machten uns auf den Weg nach Aspen, weil Berge stechen Sanddünen – immer!
Der Weg führte uns über den Independence Pass auf 3600 m ü.M., wo es natürlich wieder tolle Aussichten gab.



Nachdem wir an einem Trailhead vor der berühmten Wintersport-Stadt erst noch zu Abend gegessen hatten, erreichten wir erst am späten Abend Aspen und fuhren einmal quer durch den schon im Dunkeln schick aussehenden Ort. Prada-, Rolex- und Gucci-Reklamen leuchteten uns entgegen, damit war klar, wer hier die Zielgruppe war. Also wir jedenfalls nicht!
Maroon Bells
Wir hatten ein Tagesparkticket für den Maroon Lake Trailhead ergattert, was man mit 10 USD bezahlen musste. Die Plätze waren streng limitiert, ab 7:30 Uhr morgens gab es einen Shuttle aus dem Ort, der uns aber zu spät war und überhaupt unpraktisch für unsere Pläne.
Da wir in der Stadt nirgendwo legal parken konnten, aber unser „Tagesparkticket“ offiziell ab Mitternacht galt, fuhren wir also gegen 23:45 Uhr hoch zum Trailhead-Parkplatz. Ranger waren um die Uhrzeit nicht da, so parkten wir einfach auf dem leeren Parkplatz und gingen schlafen. Höchst illegal, direkt vor dem „No Camping Sign“, aber zumindest das Parkticket war ja gültig.
Zum Sonnenaufgang ging es los zum See, der nur wenige Meter vom Parkplatz entfernt lag. Und da leuchteten sie auch schon, die imposanten, Maroon Bells genannten Berge, vor dem gleichnamigen See. Dazu die blühenden Wiesenblumen – absolut traumhaft.



Wir rissen uns vom Alpenglow los und starteten unsere Wanderung zum Buckskin Pass: nur 7,5 km, aber auch 1.000 Hm lagen vor uns.
Der Trail war mal wieder einmalig schön, zunächst durch einen schattigen Wald, dann durch die blühenden Wiesen, vorbei an grasenden Rehen und jeder Menge Erdhörnchen. Auch Murmelbären sahen wir endlich, wie auf Bestellung. Immer wieder mein Highlight in den Bergen.





Nur die Aussicht vom Pass toppte alles noch – denn zu beiden Seiten hatte man dort eine unglaubliche Bergsicht auf knapp 3.600 Metern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine noch schönere Aussicht in den Colorado-Rockies gibt.





Und während wir unser zweites Frühstück verspeisten, besuchte uns ein besonders zutrauliches Murmeltier (welches wir natürlich NICHT fütterten). Was für ein Erlebnis.



Retour ging es über den gleichen Trail und noch mal am Maroon See vorbei, der auch bei strahlendem Sonnenschein wunderschön da lag.

So schön, dass wir direkt für den nächsten Tag noch mal eine Tour planten…
Aspen
Am Nachmittag schauten wir uns Aspen noch mal etwas genauer an – aber der erste Eindruck bestätigte sich: schön, aber teuer.
Dort hatte man nur Spaß, wenn man den Geldbeutel aufmachte. Gondel fahren, essen, trinken, shoppen – alles war geboten, aber alles recht teuer. Wir genehmigten uns ein Bier in der lokalen Brauerei, was mit 20 USD zu Buche schlug. Hei ei ei…

Den restlichen Nachmittag und Abend verbrachten wir auf dem Parkplatz des lokalen Sport Centers, bevor wir gegen 23 Uhr wieder hoch zum Maroon-Bells-Parkplatz aufbrachen…
Maroon Bells die Zweite
Noch einmal schliefen wir unerlaubterweise auf dem Parkplatz des Maroon Lake, um am nächsten Morgen wieder den Sonnenaufgang am See zu beobachten. Einfach so schön.



Die anschließende Wanderung fiel diesmal kürzer aus – die letzten Tage steckten uns doch ganz gut in den Beinen. Wir liefen zum Crater Lake, in dem sich der höchste der Maroon Bells spiegelte – auch wunderschön.


Auch wenn wir uns fragten, was die ganzen Angler da wollten. In dem recht flachen Tümpel schwammen keine sichtbaren Fische. Aber die angelnden Personen schienen dennoch Spaß zu haben.
Zurück am Van schmissen wir mal wieder die komplette Planung über den Haufen – die Wettervorhersage zeigte nämlich nur noch 3 schöne Tage im Rocky Mountain NP an und danach Dauerregen.
Wir hatten noch überlegt, nach Salida, Colorado Springs oder auf den Pikes Peak, den höchsten Gipfel der amerikanischen Rockies, zu fahren, aber letztendlich waren uns die „echten“ Rockies im Nationalpark wichtiger. Also packten wir schleunigst alles zusammen und machten uns schnurstracks auf den Weg zum Nationalpark…
Aber dazu dann demnächst mehr. 🙂
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