Teil 15 unseres Roadtrips durch Kanada
15. Dezember 2025 – 5. Januar 2026
British columbia – vancouver island
Über die Weihnachtsfeiertage und Silvester hatten wir einen Housesit im Comox Valley ergattert. Zwei Wochen lang würden wir uns um zwei Hunde und zwei Häuser auf über 2 Hektar Land kümmern – eine ganz normale Wohnsituation hier in Westkanada. 😅
Was wir vorher nicht wussten war, wie vielseitig das Comox Valley ist: Regenwald, Meer und Berge an einem Fleck, und dazu eine richtig gute Infrastruktur. Dass wir hier weiße Weihnachten erleben würden und noch so viel mehr, ahnten wir zu dem Zeitpunkt auch noch nicht.
Housesit in Courtney
Nach einer windigen Nacht am Hafen von Comox trafen wir am frühen Nachmittag bei unserem Housesit in Royston, Courtney ein und lernten den ersten Teil der Familie Gibson kennen, für die wir uns in den nächsten zwei Wochen um Häuser und Hunde kümmern würden. Barb und Ron und ihr süßer, mexikanischer Terrier-Mix Gus waren uns auf Anhieb sympathisch. Gus und ich – das war auf jeden Fall Liebe auf den ersten Blick.

Die beiden rüstigen Mit-70er zeigten uns alles in ihrem Haus, wo wir mit den Hunden wohnen sollten, bevor wir die darunter liegende Einliegerwohnung für den Übergang bezogen. Später wurden wir noch zu Pizza und Vino eingeladen. Wieder mal ein guter Start.
Dann lernten wir auch ihre Tochter Laurie, deren Mann Scott und ihren Hund Lola kennen, einen witzigen Chihuahua-Terrier-Mix (ebenfalls aus Mexiko), den wir ebenfalls hüten sollten, da die Familie Gibson gemeinsam in den Urlaub auf die Baja California wollte.

Am nächsten Tag überschlugen sich jedoch die Ereignisse: Einer der Söhne von Barb und Ron wurde mit akuten Herzproblemen (nach einem vorangegangenen Herzinfarkt) ins Krankenhaus eingewiesen, woraufhin die beiden ihre Reise absagten. Laurie und Scott würden alleine verreisen. Sie baten uns jedoch, dennoch dazubleiben, für den Fall, dass sie sich intensiver um ihren Sohn kümmern müssten und ins Krankenhaus im ca. 3 Stunden entfernten Victoria fahren würden. Dann könnten wir Gus übernehmen.
Wir sagten gerne zu und zogen schließlich ins große Haupthaus von Laurie und Scott ein, wo wir das wunderschöne AirBnB im 1. OG bezogen und dort hauptsächlich auf die kleine Lola aufpassten.




Wenn Barb und Ron unterwegs waren, war dann auch Gus mit von der Partie. Beide Hunde waren mega lieb und pflegeleicht – kein Vergleich zu unserem Energiebündel Loki.






Jetzt erst merkten wir, dass wir wieder im absoluten Outdoor-Paradies gelandet waren. Das Comox Valley liegt nur 30 Minuten vom Mt. Washington entfernt, dem höchsten Berg von Vancouver Island, und direkt vor unserer Haustür gab es hunderte Trails zum Wandern und Biken. Leider regnete es fast die gesamte erste Woche, sodass erstmal mehr Zeit zum Arbeiten blieb.
Als sich die ersten Sonnenstrahlen zeigten, schwangen wir uns auf die Bikes, um ein paar der Trails auszuprobieren, die Scott, der selbst begeisterter Mountainbiker ist, uns empfohlen hatte. Matschig-rutschig, aber mega schön, durch den Regenwald zu düsen.




Im nahegelegenen Pub, für den wir von der Familie großzügigerweise einen Gutschein bekommen hatten, gönnten wir uns ein leckeres Essen bei Livemusik. Und zwischendurch saßen wir auch immer wieder mal mit Barb und Ron zusammen, die viel aus ihrem spannenden Leben erzählten – Ron war nämlich Flugzeugingenieur und Pilot beim Militär gewesen und hatte dabei so einiges gesehen und erlebt. Bedingt durch seinen Beruf, hat die Familie schon in nahezu allen Teilen des Landes gelebt. Mega spannend. So verging die erste Woche wie im Flug.
Weihnachten rückte immer näher – und endlich gab es Schnee in den Bergen.
Weiße Weihnachten am Pazifik
Zwei Tage vor Weihnachten verwandelte sich der Dauerregen in den Höhen in Schnee. Endlich! Das Skigebiet konnte eröffnen, und sobald wir die Meldung lasen, dass die Loipen gezogen waren, machten wir uns am 23.12. auf zum Mt. Washington (der hier nur Mt. Washy genannt wird), um mal wieder Langlaufen zu gehen – dass das in Kanada noch mal klappen würde, hatten wir auch nicht gedacht.

Am Mt. Washy angekommen schneite es noch fleißig weiter, und meine Leih-Ski wollten zunächst nicht gleiten – offenbar ein Mt. Washington-Phänomen: Der Schnee ist durch die Nähe zum Pazifik manchmal so pappig, dass er an den Skiern klebt. Nach dem Wachsen war das Problem gelöst, und gerade in dem Moment kam die Sonne heraus. Wow – die Aussicht über die Insel war einfach traumhaft.





Wir drehten zwei Runden über den Jutland Trail und wagten uns sogar auf eine schwarze LL-Piste, bis es für mich zu steil wurde.



Auf dem Rückweg entdeckten wir noch einen Biathlon-Schießstand, wo gerade zwei Herren ihre Ziele aufbauten. Mega interessant, das mal live zu sehen. Nach drei Stunden waren wir durch, genossen noch unseren Lunch in der Sonne und machten uns dann zurück zu Lola.



Am ersten Weihnachtstag fuhren wir morgens spontan wieder auf den Mt. Washy – Christian wollte nach 15 Jahren endlich wieder snowboarden. Für unter 100 € bekam er das gesamte Equipment und einen Skipass – deutlich günstiger als zuletzt in Whistler.

Die Bedingungen waren perfekt, nicht überfüllt, und er hatte richtig Spaß und eine mega Aussicht von oben. Wo kann man schon snowboarden und dabei auf den Pazifik schauen? Absolut genial!!







Ich durfte als Fußgänger leider nicht auf den Lift, konnte aber das verschneite Resort-Village unterhalb erkunden – ein kleines Winter-Wonderland mit eingeschneiten Häusern und traumhafter Winter-Atmosphäre.




So kamen wir beide voll auf unsere Kosten –
perfekte weiße Weihnachten! ❄️
Auch am zweiten Feiertag zog es uns noch einmal auf den Mt. Washington. Es hatte erneut ein bisschen geschneit, und wir wollten endlich noch mal Schneeschuhwandern. Offiziell war nur eine 4 km lange Strecke freigegeben, aber wir fanden schnell viele wilde Trails, die man ebenfalls erkunden konnte. Erneut fanden wir uns im perfekten Winter-Wonderland wieder. So irre schön!




Am verschneiten Battleship Lake legten wir unsere Mittagspause in der Sonne ein – so warm, dass wir im T-Shirt sitzen konnten. Ein absolutes Highlight und perfekter Abschluss der Weihnachtsfeiertage. Wer hätte gedacht, dass wir ausgerechnet auf einer Insel im Pazifik so eine perfekte weiße Weihnacht erleben?






Woche zwei in Royston
Zwischen all den Wintersport-Abenteuern verbrachten wir ein entspanntes Weihnachten im Haus von Laurie und Scott. Wir genossen es, so viel Platz zu haben, kochten viel, bespassten die Hunde (und sie uns) und arbeiteten am 1000-Teile-Puzzle, das Christian mir geschenkt hatte.







Kurz nach Weihnachten, am 27.12., gab es dann mal wieder einen kleinen Schreckmoment. Nach dem Aufwachen stellte ich fest, dass ich nicht mehr richtig sehen konnte. Ich hatte weiße Flecken im Sichtfeld und sah alles nur unscharf, konnte nichts lesen. Es wurde nach einer Weile etwas besser, es folgten aber Kopfschmerzen – das war mir alles sehr unheimlich, also ging es ab in die Notaufnahme, wo ich nicht nur um 1.355 CAD (850€) erleichtert wurde, sondern auch Blut abgenommen und ein ECG bekam und dann 7 Stunden warten musste, bis ein Arzt Zeit hatte. Ich hatte mir einen der geschäftigsten Tage des Jahres ausgesucht, um „krank“ zu werden. Die Notaufnahme war voll mit Notfällen aller Art. Letztendlich war die Diagnose: Migräne mit Aura! Wie bitte?
Ich hatte noch nie in meinem Leben Migräne und schon gar nicht solche Erscheinungen, lernte aber danach, dass es vielen Leuten (besonders Frauen) so geht und das ganz plötzlich im „fortgeschrittenen Alter“ (in dem ich jetzt wohl bin 😅) auftreten kann. Na danke! Ich hoffe, es war nur eine einmalige Episode (bis heute hatte ich jedenfalls keine Probleme mehr).
Da ich nur eine Auslandsversicherung habe und keine kanadische Krankenversicherung, bekam ich von den Schwestern noch eine Preisliste für etwaige Behandlungen. Spannend und erschreckend zugleich das mal zu sehen. Da kann man nur froh sein, wenn man nichts davon in Anspruch nehmen muss – oder eine gute Krankenversicherung hat.

Zwischen all den Erlebnissen standen für unseren Van auch noch einige Arbeiten auf dem Programm, die wir hier quasi im „Trockendock“ gut erledigen konnten.
Seit unserem Aufenthalt in Golden war ja das Gebläse unserer Heizung unangenehm laut und wir hatten nach Rücksprache mit dem Hersteller, in Europa, bereits die passenden Ersatzteile (Gebläse, kompatible Platine, Dichtungen) zu unserem Housesit bestellt.
Nun musste Christian mal wieder die gesamte Heizung ausbauen, das Gebläse und die Platine tauschen, und danach wieder alles ordnungsgemäß zusammenbauen. Hurra! 🫠 Da war der Geduldsmeister mal wieder gefragt. Aber die fummelige Reparatur war natürlich erfolgreich und unsere Heizung schnurrt jetzt wieder leise wie ein Kätzchen. 😉



Leider war die Tage auch noch das Glas eines Nebelscheinwerfers zerbrochen, aber wir hatten aktuell keine Lust und Energie, schon wieder Ersatzteile in Europa zu bestellen, oder müßig passende Teile in Kanada zu suchen. Christian baute das Ding also kurzerhand aus und konnte eine provisorische Lösung mit transparentem Klebeband bauen – nicht schön, aber leuchtet. Die richtige Reparatur muss dann wohl spätestens bis zum nächsten TÜV-Termin gemacht werden.
Ein Ölwechsel stand auch noch an, den man hier in Kanada ganz spontan in speziellen Werkstätten und ohne Termin als „Drive through“ Service bekommen kann. Das richtige Öl nach Fiat-Spezifikation hatten sie sogar auch auf Lager. Besser kanns kaum laufen!



Die letzten Tage bis zur Rückkehr von Laurie und Scott am 1. Januar vergingen somit viel zu schnell. Wir unternahmen noch ein sehr schönes und geselliges Weintasting beim kleinen Weingut 40 Knots, radelten mal in die Stadt, um die lokale Brauerei zu testen, puzzelten weiter und schon war Silvester, welches für uns mega ruhig verlief.




Ein spontanes Telefonat mit Anette und Frank, aka den Bärlies, die gerade in Kalifornien im Dauerregen hockten, verkürzte die Zeit bis Mitternacht. Zum Glück wurde in der Nachbarschaft nicht viel geböllert, sodass die Hunde einigermaßen ruhig blieben.
Als die Gibsons jr. schließlich zurückkamen, luden sie uns ein, noch ein paar Tage zu bleiben – Platz hatten sie ja genug. Wir nahmen das Angebot gerne an (zumal ich mir eine Erkältung eingefangen hatte) und erkundeten weiter Comox, wurden mit Brunch und Abendessen von den Gibsons verwöhnt und genossen den unkomplizierten Familienanschluss.
Die 2,5 Wochen vergingen viel zu schnell, aber wir haben es sehr genossen und waren am 3. Januar schließlich bereit weiterzuziehen – allerdings nicht ohne eine „standing invitation“ von der Familie, jederzeit wiederzukommen, um noch ein paar Tage bei ihnen zu bleiben, oder uns jederzeit zu melden, falls wir bei irgendwas Hilfe brauchen sollten. So nette Menschen – da hatten wir mal wieder mega Glück mit unserem Housesit gehabt. 🤍
Der Norden von Vancouver Island
Nach dem Housesit starteten wir unsere Erkundung des nördlichen Teils der Insel. Unser erster Stopp war der Elk Falls Provincial Park. Trotz neblig-nassen Wetters spazierten wir zu den Wasserfällen, die von der massiven Hängebrücke aus gigantisch aussahen.



Weiter nördlich werden die Orte kleiner, die Insel einsamer. Nach einer Übernachtung in Port McNeill steuerten wir Port Alice an – angeblich die Seeotter-Hauptstadt von Vancouver Island. Wir unternahmen einen kleinen Spaziergang am Ufer der Johnestone Strait, einer geschützten Meeresbucht, in der Hoffnung, die süßen Tiere zu spotten.



Wir sahen zwar keine Seeotter, aber dafür ein paar Flussotter, die rasend schnell durchs Wasser schossen und nicht ganz so süß sind wie ihre Artgenossen – die sehen eher wie große, nasse Ratten aus.



Außerdem entdeckten wir zahlreiche Weißkopfseeadler.

Ein netter Fischer, dem wir begegneten, erzählte uns mehr über die Gegend und dass man die Seeotter wohl doch nur per Bootsausflug sehen kann. Dafür war aber aktuell keine Saison und wir wollten auch das Geld nicht ausgeben. Nach einem Picknick in der Sonne zogen wir weiter.


Das Wetter hielt, und wir fuhren bis ans Ende der Inselstraße nach Port Hardy. Hier gab es aber nicht viel zu sehen, der Ort war noch im Winterschlaf. Nur über die Möhren-Skulptur wunderten wir uns – die markiert das Ende des Insel-Highways. Warum auch immer.



Ein kurzer Spaziergang am Meer beendete unsere Erkundung auch schon wieder – mir war zu kalt, und die Erkältung saß mir noch in den Knochen, daher blieb es bei einem kurzen Stopp. Übernachtet wurde wieder in Port McNeill direkt am Meer. Am Morgen wurden wir mit klarem Himmel und Fernsicht auf die Whistler-Berge belohnt – da bekamen wir direkt wieder Bergweh!


Christian nutzte die Gelegenheit, um unseren MAP-Sensor auszutauschen, da der Van zuletzt immer wieder mal sporadisch in den Notlauf ging. Den Sensor hatten wir bereits seit längerem dabei und er hätte einer der Übeltäter für den Signalfehler sein können. Die ersten Testkilometer liefen gut, doch kurz vor unserem nächsten Platz ging der Van erneut in den Notlauf – der MAP-Sensor allein war es wohl doch nicht. Heitere Tage mit Datenerfassung, Fehlersuche und Fachsimpelei standen uns also erneut bevor.
Wir übernachteten ganz pragmatisch irgendwo am Straßenrand, und am nächsten Morgen ging es dann weiter an die Westküste von Vancouver Island, wo schon ein kleiner Nationalpark auf uns wartete.
Aber dazu dann demnächst mehr. 😊
Übrigens: Wenn dir unsere Reiseberichte gefallen und du uns auf unserer Reise unterstützen möchtest, freuen wir uns über einen Beitrag in unsere Diesel-Kasse. Das geht ganz einfach mit diesem PayPal Link.
















































































































































































































































































































































































































































































































































































