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Comox Valley & der Norden

Teil 15 unseres Roadtrips durch Kanada

15. Dezember 2025 – 5. Januar 2026
British columbia – vancouver island

Über die Weihnachtsfeiertage und Silvester hatten wir einen Housesit im Comox Valley ergattert. Zwei Wochen lang würden wir uns um zwei Hunde und zwei Häuser auf über 2 Hektar Land kümmern – eine ganz normale Wohnsituation hier in Westkanada. 😅
Was wir vorher nicht wussten war, wie vielseitig das Comox Valley ist: Regenwald, Meer und Berge an einem Fleck, und dazu eine richtig gute Infrastruktur. Dass wir hier weiße Weihnachten erleben würden und noch so viel mehr, ahnten wir zu dem Zeitpunkt auch noch nicht.

Housesit in Courtney

Nach einer windigen Nacht am Hafen von Comox trafen wir am frühen Nachmittag bei unserem Housesit in Royston, Courtney ein und lernten den ersten Teil der Familie Gibson kennen, für die wir uns in den nächsten zwei Wochen um Häuser und Hunde kümmern würden. Barb und Ron und ihr süßer, mexikanischer Terrier-Mix Gus waren uns auf Anhieb sympathisch. Gus und ich – das war auf jeden Fall Liebe auf den ersten Blick.

Die beiden rüstigen Mit-70er zeigten uns alles in ihrem Haus, wo wir mit den Hunden wohnen sollten, bevor wir die darunter liegende Einliegerwohnung für den Übergang bezogen. Später wurden wir noch zu Pizza und Vino eingeladen.  Wieder mal ein guter Start.
Dann lernten wir auch ihre Tochter Laurie, deren Mann Scott und ihren Hund Lola kennen, einen witzigen Chihuahua-Terrier-Mix (ebenfalls aus Mexiko), den wir ebenfalls hüten sollten, da die Familie Gibson gemeinsam in den Urlaub auf die Baja California wollte.

Lola

Am nächsten Tag überschlugen sich jedoch die Ereignisse: Einer der Söhne von Barb und Ron wurde mit akuten Herzproblemen (nach einem vorangegangenen Herzinfarkt) ins Krankenhaus eingewiesen, woraufhin die beiden ihre Reise absagten. Laurie und Scott würden alleine verreisen. Sie baten uns jedoch, dennoch dazubleiben, für den Fall, dass sie sich intensiver um ihren Sohn kümmern müssten und ins Krankenhaus im ca. 3 Stunden entfernten Victoria fahren würden. Dann könnten wir Gus übernehmen.

Wir sagten gerne zu und zogen schließlich ins große Haupthaus von Laurie und Scott ein, wo wir das wunderschöne AirBnB im 1. OG bezogen und dort hauptsächlich auf die kleine Lola aufpassten.

Unser Zuhause auf Zeit

Wenn Barb und Ron unterwegs waren, war dann auch Gus mit von der Partie. Beide Hunde waren mega lieb und pflegeleicht – kein Vergleich zu unserem Energiebündel Loki.

Jetzt erst merkten wir, dass wir wieder im absoluten Outdoor-Paradies gelandet waren. Das Comox Valley liegt nur 30 Minuten vom Mt. Washington entfernt, dem höchsten Berg von Vancouver Island, und direkt vor unserer Haustür gab es hunderte Trails zum Wandern und Biken. Leider regnete es fast die gesamte erste Woche, sodass erstmal mehr Zeit zum Arbeiten blieb.

Als sich die ersten Sonnenstrahlen zeigten, schwangen wir uns auf die Bikes, um ein paar der Trails auszuprobieren, die Scott, der selbst begeisterter Mountainbiker ist, uns empfohlen hatte. Matschig-rutschig, aber mega schön, durch den Regenwald zu düsen.

MTB im Comox Valley

Im nahegelegenen Pub, für den wir von der Familie großzügigerweise einen Gutschein bekommen hatten, gönnten wir uns ein leckeres Essen bei Livemusik. Und zwischendurch saßen wir auch immer wieder mal mit Barb und Ron zusammen, die viel aus ihrem spannenden Leben erzählten – Ron war nämlich Flugzeugingenieur und Pilot beim Militär gewesen und hatte dabei so einiges gesehen und erlebt. Bedingt durch seinen Beruf, hat die Familie schon in nahezu allen Teilen des Landes gelebt. Mega spannend. So verging die erste Woche wie im Flug.

Weihnachten rückte immer näher – und endlich gab es Schnee in den Bergen.

Weiße Weihnachten am Pazifik

Zwei Tage vor Weihnachten verwandelte sich der Dauerregen in den Höhen in Schnee. Endlich! Das Skigebiet konnte eröffnen, und sobald wir die Meldung lasen, dass die Loipen gezogen waren, machten wir uns am 23.12. auf zum Mt. Washington (der hier nur Mt. Washy genannt wird), um mal wieder Langlaufen zu gehen – dass das in Kanada noch mal klappen würde, hatten wir auch nicht gedacht.

Plötzlich war der Schnee da!

Am Mt. Washy angekommen schneite es noch fleißig weiter, und meine Leih-Ski wollten zunächst nicht gleiten – offenbar ein Mt. Washington-Phänomen: Der Schnee ist durch die Nähe zum Pazifik manchmal so pappig, dass er an den Skiern klebt. Nach dem Wachsen war das Problem gelöst, und gerade in dem Moment kam die Sonne heraus. Wow – die Aussicht über die Insel war einfach traumhaft.

Mt. Washington
Langlauf am Mt. Washy
🙂

Wir drehten zwei Runden über den Jutland Trail und wagten uns sogar auf eine schwarze LL-Piste, bis es für mich zu steil wurde.

😉

Auf dem Rückweg entdeckten wir noch einen Biathlon-Schießstand, wo gerade zwei Herren ihre Ziele aufbauten. Mega interessant, das mal live zu sehen. Nach drei Stunden waren wir durch, genossen noch unseren Lunch in der Sonne und machten uns dann zurück zu Lola.

🙂

Am ersten Weihnachtstag fuhren wir morgens spontan wieder auf den Mt. Washy – Christian wollte nach 15 Jahren endlich wieder snowboarden. Für unter 100 € bekam er das gesamte Equipment und einen Skipass – deutlich günstiger als zuletzt in Whistler.

Bereit für die Piste

Die Bedingungen waren perfekt, nicht überfüllt, und er hatte richtig Spaß und eine mega Aussicht von oben. Wo kann man schon snowboarden und dabei auf den Pazifik schauen? Absolut genial!!

Ich durfte als Fußgänger leider nicht auf den Lift, konnte aber das verschneite Resort-Village unterhalb erkunden – ein kleines Winter-Wonderland mit eingeschneiten Häusern und traumhafter Winter-Atmosphäre.

So kamen wir beide voll auf unsere Kosten –
perfekte weiße Weihnachten! ❄️

Auch am zweiten Feiertag zog es uns noch einmal auf den Mt. Washington. Es hatte erneut ein bisschen geschneit, und wir wollten endlich noch mal Schneeschuhwandern. Offiziell war nur eine 4 km lange Strecke freigegeben, aber wir fanden schnell viele wilde Trails, die man ebenfalls erkunden konnte. Erneut fanden wir uns im perfekten Winter-Wonderland wieder. So irre schön!

Schneeschuhwanderung…

Am verschneiten Battleship Lake legten wir unsere Mittagspause in der Sonne ein – so warm, dass wir im T-Shirt sitzen konnten. Ein absolutes Highlight und perfekter Abschluss der Weihnachtsfeiertage. Wer hätte gedacht, dass wir ausgerechnet auf einer Insel im Pazifik so eine perfekte weiße Weihnacht erleben?

Woche zwei in Royston

Zwischen all den Wintersport-Abenteuern verbrachten wir ein entspanntes Weihnachten im Haus von Laurie und Scott. Wir genossen es, so viel Platz zu haben, kochten viel, bespassten die Hunde (und sie uns) und arbeiteten am 1000-Teile-Puzzle, das Christian mir geschenkt hatte.

Kurz nach Weihnachten, am 27.12., gab es dann mal wieder einen kleinen Schreckmoment. Nach dem Aufwachen stellte ich fest, dass ich nicht mehr richtig sehen konnte. Ich hatte weiße Flecken im Sichtfeld und sah alles nur unscharf, konnte nichts lesen. Es wurde nach einer Weile etwas besser, es folgten aber Kopfschmerzen – das war mir alles sehr unheimlich, also ging es ab in die Notaufnahme, wo ich nicht nur um 1.355 CAD (850€) erleichtert wurde, sondern auch Blut abgenommen und ein ECG bekam und dann 7 Stunden warten musste, bis ein Arzt Zeit hatte. Ich hatte mir einen der geschäftigsten Tage des Jahres ausgesucht, um „krank“ zu werden. Die Notaufnahme war voll mit Notfällen aller Art. Letztendlich war die Diagnose: Migräne mit Aura! Wie bitte?
Ich hatte noch nie in meinem Leben Migräne und schon gar nicht solche Erscheinungen, lernte aber danach, dass es vielen Leuten (besonders Frauen) so geht und das ganz plötzlich im „fortgeschrittenen Alter“ (in dem ich jetzt wohl bin 😅) auftreten kann. Na danke! Ich hoffe, es war nur eine einmalige Episode (bis heute hatte ich jedenfalls keine Probleme mehr).

Da ich nur eine Auslandsversicherung habe und keine kanadische Krankenversicherung, bekam ich von den Schwestern noch eine Preisliste für etwaige Behandlungen. Spannend und erschreckend zugleich das mal zu sehen. Da kann man nur froh sein, wenn man nichts davon in Anspruch nehmen muss – oder eine gute Krankenversicherung hat.

Zwischen all den Erlebnissen standen für unseren Van auch noch einige Arbeiten auf dem Programm, die wir hier quasi im „Trockendock“ gut erledigen konnten.
Seit unserem Aufenthalt in Golden war ja das Gebläse unserer Heizung unangenehm laut und wir hatten nach Rücksprache mit dem Hersteller, in Europa, bereits die passenden Ersatzteile (Gebläse, kompatible Platine, Dichtungen) zu unserem Housesit bestellt.
Nun musste Christian mal wieder die gesamte Heizung ausbauen, das Gebläse und die Platine tauschen, und danach wieder alles ordnungsgemäß zusammenbauen. Hurra! 🫠 Da war der Geduldsmeister mal wieder gefragt. Aber die fummelige Reparatur war natürlich erfolgreich und unsere Heizung schnurrt jetzt wieder leise wie ein Kätzchen. 😉

Alt vs. neu


Leider war die Tage auch noch das Glas eines Nebelscheinwerfers zerbrochen, aber wir hatten aktuell keine Lust und Energie, schon wieder Ersatzteile in Europa zu bestellen, oder müßig passende Teile in Kanada zu suchen. Christian baute das Ding also kurzerhand aus und konnte eine provisorische Lösung mit transparentem Klebeband bauen – nicht schön, aber leuchtet. Die richtige Reparatur muss dann wohl spätestens bis zum nächsten TÜV-Termin gemacht werden.
Ein Ölwechsel stand auch noch an, den man hier in Kanada ganz spontan in speziellen Werkstätten und ohne Termin als „Drive through“ Service bekommen kann. Das richtige Öl nach Fiat-Spezifikation hatten sie sogar auch auf Lager. Besser kanns kaum laufen!

Ölwechsel-Drive-Thru

Die letzten Tage bis zur Rückkehr von Laurie und Scott am 1. Januar vergingen somit viel zu schnell. Wir unternahmen noch ein sehr schönes und geselliges Weintasting beim kleinen Weingut 40 Knots, radelten mal in die Stadt, um die lokale Brauerei zu testen, puzzelten weiter und schon war Silvester, welches für uns mega ruhig verlief.

Seaside Trail in Royston
Puzzle geschafft!

Ein spontanes Telefonat mit Anette und Frank, aka den Bärlies, die gerade in Kalifornien im Dauerregen hockten, verkürzte die Zeit bis Mitternacht. Zum Glück wurde in der Nachbarschaft nicht viel geböllert, sodass die Hunde einigermaßen ruhig blieben.

Als die Gibsons jr. schließlich zurückkamen, luden sie uns ein, noch ein paar Tage zu bleiben – Platz hatten sie ja genug. Wir nahmen das Angebot gerne an (zumal ich mir eine Erkältung eingefangen hatte) und erkundeten weiter Comox, wurden mit Brunch und Abendessen von den Gibsons verwöhnt und genossen den unkomplizierten Familienanschluss.

Die 2,5 Wochen vergingen viel zu schnell, aber wir haben es sehr genossen und waren am 3. Januar schließlich bereit weiterzuziehen – allerdings nicht ohne eine „standing invitation“ von der Familie, jederzeit wiederzukommen, um noch ein paar Tage bei ihnen zu bleiben, oder uns jederzeit zu melden, falls wir bei irgendwas Hilfe brauchen sollten. So nette Menschen – da hatten wir mal wieder mega Glück mit unserem Housesit gehabt. 🤍

Der Norden von Vancouver Island

Nach dem Housesit starteten wir unsere Erkundung des nördlichen Teils der Insel. Unser erster Stopp war der Elk Falls Provincial Park. Trotz neblig-nassen Wetters spazierten wir zu den Wasserfällen, die von der massiven Hängebrücke aus gigantisch aussahen.

Elk Falls

Weiter nördlich werden die Orte kleiner, die Insel einsamer. Nach einer Übernachtung in Port McNeill steuerten wir Port Alice an – angeblich die Seeotter-Hauptstadt von Vancouver Island. Wir unternahmen einen kleinen Spaziergang am Ufer der Johnestone Strait, einer geschützten Meeresbucht, in der Hoffnung, die süßen Tiere zu spotten.

Port Alice

Wir sahen zwar keine Seeotter, aber dafür ein paar Flussotter, die rasend schnell durchs Wasser schossen und nicht ganz so süß sind wie ihre Artgenossen – die sehen eher wie große, nasse Ratten aus.

Außerdem entdeckten wir zahlreiche Weißkopfseeadler.

Ein netter Fischer, dem wir begegneten, erzählte uns mehr über die Gegend und dass man die Seeotter wohl doch nur per Bootsausflug sehen kann. Dafür war aber aktuell keine Saison und wir wollten auch das Geld nicht ausgeben. Nach einem Picknick in der Sonne zogen wir weiter.

Das Wetter hielt, und wir fuhren bis ans Ende der Inselstraße nach Port Hardy. Hier gab es aber nicht viel zu sehen, der Ort war noch im Winterschlaf. Nur über die Möhren-Skulptur wunderten wir uns – die markiert das Ende des Insel-Highways. Warum auch immer.

End of the Road Möhre

Ein kurzer Spaziergang am Meer beendete unsere Erkundung auch schon wieder – mir war zu kalt, und die Erkältung saß mir noch in den Knochen, daher blieb es bei einem kurzen Stopp. Übernachtet wurde wieder in Port McNeill direkt am Meer. Am Morgen wurden wir mit klarem Himmel und Fernsicht auf die Whistler-Berge belohnt – da bekamen wir direkt wieder Bergweh!

Christian nutzte die Gelegenheit, um unseren MAP-Sensor auszutauschen, da der Van zuletzt immer wieder mal sporadisch in den Notlauf ging. Den Sensor hatten wir bereits seit längerem dabei und er hätte einer der Übeltäter für den Signalfehler sein können. Die ersten Testkilometer liefen gut, doch kurz vor unserem nächsten Platz ging der Van erneut in den Notlauf – der MAP-Sensor allein war es wohl doch nicht. Heitere Tage mit Datenerfassung, Fehlersuche und Fachsimpelei standen uns also erneut bevor.

Wir übernachteten ganz pragmatisch irgendwo am Straßenrand, und am nächsten Morgen ging es dann weiter an die Westküste von Vancouver Island, wo schon ein kleiner Nationalpark auf uns wartete.

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

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Regen, Glühwein & Vancouver Island

Teil 14 unseres Roadtrips durch Kanada

5. – 14. Dezember 2025
british columbia

Nach 5 schönen Wochen in Golden machten wir uns wieder auf die Bahn und nahmen als erstes Kurs auf die Stadt Kamloops. Dort wollten wir vor allem unsere Vorräte in den großen Discountern auffüllen – die hatten wir in Golden schlicht nicht gehabt. Vier Stunden Fahrt lagen vor uns und die Wettervorhersage versprach Schnee, und davon nicht wenig. Also fuhren wir durch mal mehr, mal weniger dichtes Schneetreiben. Zum Glück blieb nichts liegen, sodass wir problemlos ankamen.

Die Nacht verbrachten wir wenig glamourös auf dem Parkplatz einer Sportanlage. Willkommen zurück im Vanlife.
Am nächsten Tag wurde eingekauft – und mein siebter Sinn schlug mal wieder an. Eine der Bodenfugen an unserer Technikbox kam mir verdächtig dreckig vor. Das passte nicht dazu, dass wir doch gerade alles gereinigt hatten. Und tatsächlich: Wir hatten ein kleines Wasserleck. Die beiden Schläuche, die von unserem Boiler abgehen, waren jeweils etwa zwei Zentimeter abgerutscht und es tröpfelte leicht. Beide gleichmäßig – was sehr komisch war. Christian war sich aber sicher, nichts daran gemacht zu haben. Vielleicht hatte der Wechsel zwischen Hitze und Kälte das Material ermüden lassen? Wir hatten in Golden das Wasser komplett entleert, aber die Heizung an vielen kalten Nächten laufen lassen.

Ein kurzer Stopp bei einem RV-Dealer beruhigte uns. Kein Grund zur Panik, ein paar neue Schlauchschellen sollten reichen. Und so war es auch. Schnell montiert, seitdem sitzt wieder alles bombenfest. Wir behalten es trotzdem im Auge – nach 6,5 Jahren kann so ein Schlauchmaterial auch langsam porös werden.

2 neue Schlauchschellen sollten das Problem lösen.

Mit vollen Vorräten und ohne Wasserleck ging es dann schließlich weiter.

Whistler

Endlich schafften wir es nach Whistler, einem der berühmtesten Skigebiete in Kanada, in dem unter anderem Wettkämpfe der Olympischen Winterspiele 2010 stattgefunden haben. Im Sommer wollten wir hier unbedingt Mountainbiken und wandern, aber damals stand die Vorhersage auf Dauerregen – also ließen wir es. Dieses Mal war es… wieder genauso. Aber wir wollten es uns jetzt zumindest mal anschauen.

Wir kamen bereits im Dunkeln (gegen 16:30 Uhr) an und spazierten durch den Resort-Ort, der in allen Farben blinkte und leuchtete. Und ja, es regnete natürlich. Das änderte sich auch die ganze Nacht nicht.

Bei Tageslicht machte der Ort ohne sichtbare Berge und ohne Schnee leider nicht allzu viel her. Trotzdem standen viele Menschen in voller Montur an den Gondeln – oben, im Nebel, gab es scheinbar Schnee.

Whistler bei Tag
Blending in

Christian spielte mit dem Gedanken, eine Runde Snowboard zu fahren. Aber mit allem Zip und Zap hätte so ein Tag hier 400–500 CAD (ca. 300 €) gekostet. Allein der Gondel-Tagespass lag bei 212 CAD (ca. 130 €), für Nicht-Skifahrer bei 157 CAD (ca. 100 €), was für ein bisschen durch den Schnee wandern auch zu teuer war. Also blieb es bei einem Spaziergang durch den Ort und arbeiten im Van. Abends gönnten wir uns noch eine neapolitanische Pizza – angeblich die beste im Ort. Die war aber leider eher durchschnittlich. Naja.

Pizza wie immer mit Schere

Bevor wir weiterzogen, legten wir noch einen kleinen Zwischenstopp ein, am sogenannten Whistler Trainwreck. 1956 entgleiste hier ein Güterzug, vermutlich wegen zu hoher Geschwindigkeit in einer Kurve. Alle 12 Waggons entgleisten, sieben konnten geborgen werden, fünf wurden schlicht aus dem Weg geräumt und in den Wald gezogen. Dort liegen sie bis heute. Inzwischen sind sie komplett mit Graffiti überzogen und ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Mountainbiker geworden.

Trotz Dauerregen machten wir uns auf den Weg. Und auch wenn wir die Bilder schon oft gesehen hatten – live ist es doch noch mal etwas anderes. Zwischen hohen, dicht stehenden Bäumen liegen diese riesigen Metallwaggons, bunt bemalt und rostend.

Whistler Trainwreck

Man fragt sich wirklich, wie sie da hineingeraten sind. Die MTB-Obstacles rundherum wirkten nicht mehr ganz frisch, aber trotzdem war es ein spannender Ort. So hatten wir wenigstens ein kleines Highlight in Whistler mitgenommen, bevor wir im immer noch anhaltenden Regen weiterzogen.

Vancouver 2.0

Es ging zurück nach Vancouver. Beim ersten Besuch hatte uns die Stadt nicht so richtig umgehauen, daher hielt sich unsere Erkundungsfreude in Grenzen und stattdessen standen einige praktische Dinge an – und vor allem der Besuch auf dem „Deutschen Weihnachtsmarkt“ der hier alljährlich stattfindet.

Wir bezogen unseren altbekannten Platz an einem Sportfeld und wurden am nächsten Morgen tatsächlich von etwas Sonne begrüßt. Das tat gut!

Ich nutzte das direkt für eine Laufrunde, Christian ging – was dringend nötig war – zum Friseur.

Als wir zurückkamen, steckte ein Zettel am Auto: „Final Warning“. Camper jeglicher Art durften nur noch maximal drei Stunden in der Stadt stehen, egal wo, außer auf speziellen RV-Parkplätzen. Na toll. Gut, dass wir am Vortag schon einen anderen Platz ausgekundschaftet hatten, auf den wir dann umzogen (auch wenn der genauso „illegal“ war).

Pünktlich zum einsetzenden Regen liefen wir von dort zum Weihnachtsmarkt. Um diesen zu besuchen, musste man vorab online Eintrittskarten und einen fixen Zeitslot buchen. Sehr eigenartig, und mit knapp 17,50 € Eintrittspreis auch nicht ganz günstig, aber so war es eben.

Der Markt selbst war aber wirklich schön gemacht und sah tatsächlich aus wie so manch deutscher Weihnachtsmarkt.

Deutscher Weihnachtsmarkt
Deutscher Weihnachtsmarkt
Deutscher Weihnachtsmarkt

Die Preise waren aber happig: Umgerechnet etwa 6,50 Euro musste man für einen pappsüßen Glühwein hinlegen. 200 Gramm Stollen hätte es für 16 € gegeben – haha. Den müssen sie dann wohl alleine essen. Auch die „typisch deutschen Produkte“ wie bemalte Weihnachtskugeln, Troika-Produkte und Gehäkeltes durften dort bleiben.
Wir schlugen stattdessen bei Gulasch, Bratwurst mit Sauerkraut und Schwarzwälder Kirschtorte zu – mehr Klischee geht wohl nicht mehr. Aber tatsächlich war alles sehr authentisch und lecker und beugte evtl. aufkommendem Weihnachts-Heimweh vor. 😉

Leider wurde der Regen immer stärker und kaum etwas war überdacht, außer einem wenig charmanten Essens-Zelt. Nach anderthalb Stunden reichte es uns. Wir nahmen ein Uber zurück zum Van und verbrachten eine ruhige Nacht an unserem Ausweichstellplatz, wo uns zum Glück das Ordnungsamt nicht fand.

Am nächsten Morgen ging es von dort aus direkt zur Fähre, die uns zu unserem letzten Ziel in West-Kanada bringen sollte.

Ankunft auf Vancouver Island

Mit der 11-Uhr-Fähre setzten wir in 1,5 Stunden nach Vancouver Island über. Vancouver Island ist mit knapp 31.300 km² die größte Insel an der Westküste von Kanada (und damit größer als Belgien) und zählt knapp 880.000 Einwohner. Auf ihr findet man eigentlich alles, was Kanada so ausmacht: wunderschöne Strände, zerklüftete Küsten, dichten Regenwald, jede Menge Wildlife (sowohl an Land als auch im Meer), einige imposante Berge, ein kleines Skigebiet, unzählige Wander- und Mountainbike Trails, gute Brauereien, Weingüter und vor allem nette Menschen.

Wir hofften auf der Überfahrt, vielleicht ein paar Wale und vor allem Orcas zu sehen, aber das Wetter machte uns weiterhin einen Strich durch die Rechnung. Es regnete und alles war grau in grau. Naja.

Im Nachhinein betrachtet hatten wir dennoch gutes Timing. Später am Tag wurden in Vancouver wegen Rekordüberschwemmungen sämtliche Straßen rein und raus aus der Stadt gesperrt. Und der Regen-Forecast versprach keine Besserung.

Auch die Ankunft auf der Insel war entsprechend nass und unspektakulär – im Radio lief ironischerweise das Lied „Walking on Sunshine“, das half aber auch nix. Wir erledigten ein paar Kleinigkeiten, steuerten einen einfachen Parkplatz an und arbeiteten. Viel mehr war bei dem Wetter ohnehin nicht drin.

Victoria

Am nächsten Tag versprach unsere Wetter-App etwa 2,5 Stunden trockenes Wetter. Also machten wir uns auf nach Victoria, der größten Stadt der Insel. Und die gefiel uns auf Anhieb richtig gut. Schöne Gebäude, nette Läden, natürlich auch viel Touri-Kram, aber alles stimmig, zu dieser Jahreszeit nicht überlaufen und angenehm.

Victoria Downtown

Wir schlenderten durch verschiedene Viertel, gönnten uns vietnamesisches Essen zu Mittag und schauten danach bei der Fisherman’s Wharf vorbei, wo die bunten Hausboote liegen.

Fishermans Wharf

Saisonbedingt war wenig los, aber gerade das hatte auch seinen Charme – im Sommer müssen sich hier die Touris gegenseitig die Füße platt trampeln.

Pünktlich zum Einsetzen des Regens waren wir zurück am Van. Wir kommen auf dem Rückweg sicher noch mal in Victoria vorbei.

Westküste

Nach einer Nacht auf einem kleinen Parkplatz – wo wir eine Eule überraschten, die gerade einen Hasen verspeiste – erreichten wir die Westküste.

Am Sheringham-Leuchtturm machten wir einen kurzen, regenfreien Spaziergang direkt ans Meer. Nach den vielen Wochen in den Bergen und den grauen, nassen Tagen tat es mal wieder richtig gut, einfach wieder am Wasser zu stehen und den Blick schweifen zu lassen.

🙂

Weiter ging es zum Sandcut Beach. Diesen Strand hatte ich schon seit langer Zeit auf meiner Karte markiert, weil ich einmal ein Bild gesehen hatte, auf dem ein kleiner Wasserfall direkt vom Strand ins Meer fließt. Das wollten wir uns nun endlich in echt anschauen.

Der Weg dorthin führte durch matschigen, aber wunderschönen Regenwald. Alles war sattgrün, der Boden übersät mit Tannennadeln und weich, es roch nach nassem Holz und Moos.

Wir hatten Glück das gerade Ebbe war und wir bis zum Wasserfall laufen konnten. Dank der Regenmassen der letzten Tage führte der kleine Wasserfall auch ordentlich Wasser. Und tatsächlich floss er direkt vom Strand ins Meer. Vielleicht nicht der spektakulärste Wasserfall aller Zeiten, aber ich war mega happy, endlich hier zu stehen.

Es blieb weiterhin trocken, also fuhren wir weiter zum Mystic Beach. Auch hier führte uns ein Trail durch dichten Regenwald. Farne, moosbewachsene Bäume – alles wirkte wie aus einer anderen Zeit. Die Sonne versuchte sich tapfer, durch die Wolken zu kämpfen, schaffte es aber nicht ganz, doch dadurch entstand eine ganz besondere Lichtstimmung im Wald – fast ein bisschen mystisch.

Der Weg wurde zunehmend matschiger. Wir hüpften über riesige Pfützen. Die Holzbrücken, die eigentlich helfen sollten, waren teilweise kaum erreichbar, weil ringsum schon alles unter Wasser stand. Auf dem Festland in BC waren weiterhin Rekordwassermengen unterwegs – das merkte man auch hier deutlich.

Am Strand angekommen, warteten gleich mehrere Wasserfälle auf uns, die direkt aus dem Wald auf den Strand beziehungsweise ins Meer stürzten. Dieses Zusammenspiel aus dichtem Wald, Felsen, Wasser und Meer war wirklich besonders.

Mystic Beach

Als wir zurück am Van ankamen, setzte prompt wieder fieser Nieselregen ein. Also begaben wir uns auf Stellplatzsuche und fanden im dritten Anlauf einen einigermaßen versteckten und nicht allzu vermatschten Platz. Den Rest des Tages arbeiteten wir – an raus gehen war nicht mehr zu denken.

Ostküste

Am nächsten Tage wechselten wir von der Pazifikseite an die Ostküste. Unterwegs kamen wir an einem kleinen „Bonsai-Baum“ in einem See vorbei und sahen tatsächlich mal kurz die Sonne.

Suchbild: Wo ist der Bonsai Baum

Im Cowichan Valley, kurz vor Ladysmith, machten wir noch eine kleine Wanderung zu einem Wasserfall. Nicht weltbewegend, aber schön anzusehen – und wir waren einfach froh über ein paar trockene Stunden und vor die Tür zu können.

Unser nächstes Ziel war die zweitgrößte Stadt von Vancouver Island: Nanaimo. Nach dem schönen Victoria hatten wir wohl etwas zu viel erwartet. Unser erster Eindruck war leider kein guter. Das Erste, was uns auffiel, waren die zahlreichen Menschen, die an Straßenecken saßen und ganz offen Crackpfeifen rauchten. Die kleine Touristenstraße im Zentrum war dann ganz nett, Old Town eher unspektakulär und irgendwie ausgestorben.

Das kleine Stadtmuseum war auch ganz ansprechend gemacht, aber irgendwie eine etwas willkürliche Sammlung von allem Möglichen, von alten Schulbänken über Uniformen und Kaufmannsladen-Inventar. Der Funke sprang nicht so recht über.

Ein sehr leckeres Eis rettete die Stimmung ein wenig, dann fuhren wir weiter und fanden einen ruhigen, unbebauten Wendehammer am Meer als Stellplatz. Vom Meer sah man im Regen zwar nichts – aber schön zu wissen, dass es da war.

Ankunft im Comox Valley

Schließlich erreichten wir das Comox Valley, eine besonders schöne Region auf der Insel, wo bald unser nächster Housesit beginnen sollte. Vorab wollten wir uns schon einmal umschauen und fuhren auf den höchsten Berg der Insel: den 1.588 Meter hohen Mount Washington.

Im Sommer Bikepark, im Winter Skigebiet – zumindest theoretisch. Denn auch hier regnete es. Von Schnee war so gut wie nichts zu sehen, das geplante Eröffnungswochenende, welches eigentlich gerade stattgefunden hätte, musste verschoben werden. Die Betreiber waren sichtlich geknickt von der Situation. Es war die späteste Eröffnung seit vielen Jahren, wie uns die Mitarbeiter vor Ort erzählten.

Schade. Die Preise wären hier deutlich verträglicher gewesen als in Whistler, und Christian hätte große Lust auf eine Runde Snowboard gehabt – und ich auf eine Schneeschuhwanderung.

Aber wir wussten ja bereits, dass wir noch mindestens zwei Wochen hier sein würden, und in zwei Wochen könnte auch viel Schnee fallen – und so war es dann auch.

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

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Golden Times

Teil 13 unseres Roadtrips durch Kanada

27. Oktober – 4. Dezember 2025
British Columbia

Housesitting 2.0

Nachdem wir uns entschlossen hatten, den kompletten Herbst und zumindest einen Teil des Winters in Kanada zu verbringen, war uns schnell klar, dass wir in dieser Zeit aber nicht zu 100% im Van sein würden. Denn schon der Herbst kann frostig kalt werden hier oben – und der Winter natürlich erst recht. Selbst im Westen von Kanada sind in einigen Regionen Temperaturen von bis zu -30 Grad keine Seltenheit. Und das ist dann kein Camper-Wohlfühlwetter mehr. Die kostengünstigste und in meinen Augen auch schönste Art, dieses Kälte-Problem zu umgehen, ist: Housesitting. Das hatten wir ja schon in Mexiko City mal gemacht – und natürlich auch im Hotelito, in Puerto Escondido.

Nun wollten wir aber weiterhin in den Rockies bleiben und machten uns daher auf die Suche nach passenden Sits – und wurden fündig. Im charmanten kleinen Ort Golden, inmitten der Rocky Mountains, fanden wir ein hübsches Häuschen mit einem süßen Border-Collie-Australian-Sheppard-Mix, auf den wir ganze fünf Wochen lang aufpassen durften, während die Besitzer, Katie und Vincent vereist waren.

Hier erfüllte sich tatsächlich mal wieder ein kleiner Traum, vom Leben in den winterlichen Bergen, mit unzähligen Outdoor-Möglichkeiten und unseren geliebten Nationalparks direkt vor der Tür. Wie winterlich es werden würde, ahnten wir da noch nicht.

Aber überzeuge dich selbst:

Ankunft in Golden

Ende Oktober kamen wir zurück nach Golden – hier hatten wir schon im Sommer mal ein paar Stunden verbracht, diesmal kamen wir in dem Wissen, dass wir länger bleiben würden.
Die Anfahrt zog sich etwas, unter anderem wegen diverser Baustellen, aber auch wegen der Zeitumstellung, zurück in die ‚Mountain Time‘. Dabei waren wir noch immer in der gleichen Provinz, B.C. Diese Zeitzonen verwirren mich jedes Mal aufs Neue.

Am Abend waren wir direkt bei unseren Gastgebern eingeladen. Wir lernten Katie, Vincent und natürlich Loki kennen – einen erst 1,5 Jahre alten, sehr energiegeladenen Bordercollie-Mix.

Loki

Vincent ist gelernter Koch, entsprechend gut wurden wir dort versorgt. Ein ziemlich perfekter Einstieg.

Am nächsten Morgen nutzten wir die Zeit bis zur nächsten Verabredung für eine erste kleine Wanderung über die CBT-Trails. Das sind eigentlich fürs Mountainbiken gedachte, angelegte Trails am Ortsrand. Aber es war so kalt, dass weder uns noch sonst jemandem nach Fahrradfahren zumute war (da ahnten wir noch nicht, dass wir einige Tage später bei wesentlich kälteren Temperaturen unterwegs sein würden – inkl. Hund).
Dafür war es sonnig und ruhig und die Aussicht stimmte auch.

CBT Trails in Golden

Unsere Vorfreude auf die kommenden Wochen wuchs weiter. Am Nachmittag folgte dann der erste Spaziergang mit Loki. Vincent begleitete uns und zeigte uns seine Standard-Spazierrunde und erklärte die Kommandos, die wir mit Loki weiter trainieren sollten. Die Nacht verbrachten wir im Van vor dem Haus, denn am nächsten Morgen begann offiziell unser Housesit.

Hund, Haus & Berge

Nachdem Katie und Vincent in ihren Urlaub gestartet waren und die Putzfrau das Haus aus Vordermann gebracht hatte, übernahmen wir Haus und Hund komplett. Im Haus fühlten wir uns sofort wohl. Ein kleines Traumhaus, ehrlich gesagt. Das hätten wir so wie es ist auch sofort genommen. 😉

Unser Häuschen in Golden
Sogar mit Sauna

Loki gewöhnte sich schnell an uns – und wir hatten ihn ohnehin sofort ins Herz geschlossen. Während er drinnen der reinste Engel war, drehte er draußen richtig auf und war noch ziemlich wild, Teenager eben, aber mit konsequentem Training bekamen wir das mit der Zeit gut in den Griff.

Unterwegs mit Loki

Unsere Tage bekamen schnell eine feste Struktur: Spaziergänge mit Loki, Arbeiten an unseren Online-Projekten, dazwischen immer wieder Blicke vom Balkon auf die umliegenden Berge und das gegenüberliegende Skigebiet „Kicking Horse“. Allein für diese Aussicht hat sich dieser Housesit schon gelohnt. Einfach traumhaft!

Bei den täglichen Gassirunden lernten wir die Umgebung immer besser kennen und fanden immer neue Wege und Trails direkt vor der Haustür.

Annes erster Winter-Geburtstag

Am 4. November stand der erste Wintergeburtstag meines Lebens an. Sonst war ich zu diesem Anlass ja lieber in wärmere Gefilde geflüchtet. Mein Wunsch dieses Jahr war: eine Winterwanderung. Davor gab es allerdings noch eine Überraschung um Mitternacht – eine Eistorte. Genau meine Art Geburtstagstorte.

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Morgen, packten wir dann alles zusammen, inklusive Loki, und machten uns auf den Weg in den nur ca. 45 Minuten entfernten Banff Nationalpark. Ziel war der Boom Lake Trail. Schon auf der Fahrt nahm der Schnee links und rechts der Straße immer mehr zu. Am Trailhead angekommen, war alles weiß, also richtig weiß. Winter-Wonderland pur. Ich bekam den Mund kaum zu.

Die Wanderung selbst war technisch nicht besonders schwierig und der Trail relativ flach, aber durch die Schneelandschaft unglaublich schön. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und etwa minus zehn Grad. Ein absoluter Wintertraum – an meinem Geburtstag!

Schön!

Am Boom Lake angekommen, waren wir ganz alleine. Der See lag ruhig zwischen den Bergen, leider kam die Sonne dort schon nicht mehr drüber.

Boom Lake
🙂

Aufgrund der eisigen Temperaturen fiel die Pause aber recht kurz aus und dann ging es auch schon wieder zurück zum Van und ab nach Golden – die Eistorte wartete schließlich noch.

Abends wollten wir eigentlich essen gehen, doch das ausgesuchte Restaurant hatte ausgerechnet an diesem Abend außerplanmäßig geschlossen. Schade. Und sonst war die Restaurant-Auswahl in dem kleinen Ort nicht besonders prall. Stattdessen machten wir es uns dann vor dem Kamin gemütlich – es hätte schlimmer sein können.

Schnee & Mountainbiken in Golden

Am Tag nach unserem Banff-Ausflug kam der Schnee dann auch direkt in Golden an. Sehr zur Freude von Loki, der Schnee liebt. Passend dazu kam auch meine Winterausrüstung an, bestehend aus warmen Schneeboots und einem wasser- und Lokifesten Regenmantel (der biss uns nämlich gerne mal in die Kleidung), sodass langen Schneespaziergängen nichts mehr im Weg stand.

Zwischen Spaziergängen und Arbeit nutzten wir die schneefreien Tage für die ersten Mountainbike-Runden über die CBT-Trails und die zahlreichen Trails hinter unserem Haus. Wir fanden ein echtes Mountainbiker-Paradies vor. Matschig, rutschig, aber genial.

CBT Trails

Nachmittags probierten wir dann Mountainbiken mit Hund – was überraschend gut funktionierte. Kein Wunder, Lokis Besitzer gehen fast täglich mit ihm auf die Piste. Endlich schafften wir es, Loki wirklich müde zu bekommen. Dieser Hund hat eine unfassbare Energie.

MTB mit Loki

Die nächsten Wochen waren geprägt von viel Bewegung mit Loki. Unsere 8 km langen Joggingrunden zum Confluence Park, wo zwei Flüsse ineinander fließen, beeindruckten ihn aber herzlich wenig.

Lange Spaziergänge und Mountainbike-Touren hielten ihn und uns aber gut beschäftigt. Parallel nahmen einige unserer Projekte wieder Fahrt auf, sodass wir die Zeit zwischen den Sporteinheiten viel am Arbeiten waren. So vergingen die Wochen erstaunlich schnell.

Schneeschuhwandern & unser erstes Mal Langlauf

Am 19. November erfüllten wir uns einen lang gehegten Wunsch: Schneeschuhwandern. Das haben wir bis jetzt beide nur einmal in der Antarktis gemacht.

Schneeschuhe liehen wir uns in Golden und fuhren zum Lake-O’Hara-Parkplatz, im 40 Minuten entfernten Yoho Nationalpark. Von dort ging es auf den Great-Divide-Trail, der den Yoho Nationalpark mit dem Banff Nationalpark verbindet – im Spätsommer waren wir diese Strecke noch bei schönstem Wetter mit dem Fahrrad gefahren.

Schneeschuhwanderung Great Divide Road

Neben der frisch gespurten Langlaufloipe stapften wir durch tiefen Schnee. Anstrengend, aber richtig gut.

Great Divide Road

Einige Abzweigungen zu weiteren Seen waren noch nicht ausreichend verschneit, also blieben wir auf der zugeschneiten Straße, kamen aber trotzdem voll auf unsere Kosten.

So sehr, dass wir beschlossen, am nächsten Tag direkt wiederzukommen – diesmal mit Langlaufskiern.

Wir hatten in jeglicher Hinsicht Glück mit unserem Housesit, denn Katie und Vincent hatten uns sogar ihre Langlaufskier hinterlassen, was uns eine Menge Leihgebühren sparte. Für mich war es das erste Mal überhaupt auf Skiern, ich bin ja sonst überhaupt kein Wintersportler, geschweige denn Winter-Fan. Christians letzte Langlaufversuche lagen auch bereits 4 Jahrzehnte zurück. Optimismus war trotzdem ausreichend vorhanden – zumindest bei ihm.

Auf dem Weg Richtung Lake Louise passierte dann allerdings wieder etwas, das uns in Zukunft noch öfter beschäftigen sollte: Moby ging am Berg plötzlich in den Notlauf. Wir hielten an und lasen den Fehlerspeicher aus. Das Motorsteuergerät hatte einen zu hohen Druck vom Turbolader bemängelt. Da es aber ein „Signal-Calculation-Fehler“ war, musste die Ursache nicht unbedingt ein defekter Turbo oder ein anderes Bauteil sein, sondern konnte vielmehr in der Software des Steuergerätes liegen. Laut unserer Recherche zum Glück nichts Akutes und Bedrohliches. So konnten wir den Fehler löschen und weiterfahren – auch wenn mir dabei ehrlich gesagt nicht ganz wohl war. Das Ganze weckte Erinnerungen an unsere massiven Probleme in den USA.

Doch wir kamen ohne weitere Probleme und Auffälligkeiten an unserem Ziel an. Wieder starteten wir im Yoho Nationalpark und schnallten dort die Skier an. Was für ein irres und lustiges Gefühl, zum ersten Mal im Leben auf (Langlauf-)Skiern zu stehen. Ich hab‘ mich fast bepisst vor Lachen.

20.11.2025: A Skihaserl was born!

Aber tatsächlich meisterte sogar ich den Langlauf auf Anhieb. Naja, also ich kam zumindest voran.

Die Great Divide Road ist recht flach und somit perfekt zum Üben. Die ersten Abfahrten sorgten bei mir für leichte Panik, es wurde aber schnell besser. Es kam mir vor, als wäre ich bergab rasend schnell gewesen, die GPS-Aufzeichnung zeigte knapp 12 km/h. Haha. Trotzdem: Weder Knochen noch Ski waren gebrochen, somit verbuchten wir diesen Tag als Erfolg.

Langlauf in den Rockies!

Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher zum Lake Louise, der zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht zugefroren war. Ganz ohne Menschenmassen, so wie sonst im Sommer, war der See und seine Kulisse dennoch beeindruckend.

Lake Louise

Zurück in Golden wartete Loki schon ungeduldig auf seine Runde und nahm auf unsere müden Beine keine Rücksicht.

Great Divide 2.0

Eine Woche später ging es erneut zum Langlaufen, diesmal vom oberen Ende der Great Divide, also aus dem Banff Nationalpark startend. Dort lag noch viel mehr Schnee. Exakt zwei Monate zuvor, sind wir hier noch mit kurzen Sachen langgeradelt:

September…
… vs. November

Die Loipe war frisch gespurt und es lief immer leicht bergab, somit kamen wir noch besser voran. Ich wurde mutiger und landete natürlich prompt dreimal auf dem Hintern, was dem Spaß keinen Abbruch tat.

So viel Schnee!
So schön!

Ich hätte nie gedacht, dass wir mal zusammen Wintersport betreiben. Eine neue persönliche Höchstgeschwindigkeit habe ich auch geschafft. 14 km/h. Olympia, ich komme!

🙂

Ganzkörper-Muskelkater war übrigens inklusive. Gar nicht so ohne, dieser Sport.

Nur zwei Tage später fuhren wir schon wieder nach Lake Louise. Es hatte noch mal Neuschnee gegeben und wir wollten unbedingt noch mal eine Schneeschuhtour machen. Diesmal wanderten wir nur einen kleinen Teil der Great-Divide-Straße und bogen dann zum Ross Lake ab.

Bei minus zehn Grad gefror mir nach wenigen Minuten das Wasser im Trinkschlauch. Der Fail des Tages! Zum Glück hatte ich noch heißen Tee dabei.

Erneut fanden wir uns im Winter-Wonderland wieder. Diesmal aber so richtig. So. Viel. Schnee!

Dabei hatte der Typ im Verleih noch angezweifelt, ob es sich überhaupt lohnen würde, mit Schneeschuhen loszugehen. Für die Kanadier ist das hier alles noch nichts. Aber wir haben beide noch niemals so viel Schnee gesehen. Es war einfach wunderschön – selbst für Winter-Skeptiker wie mich.

Unterwegs zum Ross Lake

Der Ross Lake war natürlich komplett zugefroren und zugeschneit, sodas wir auch darauf rumlaufen konnten.

Ross Lake

Wir legten dort eine Pause ein und erkundeten noch einen Backcountry-Trail, wo uns irgendwann ein Skitourer begegnete. Für Wintersportler ist das hier echt das Paradies.

So genial!

Zeitlich mussten wir uns dann etwas beeilen – Loki wartete zu Hause. Aber einen Abstecher zum Lake Louise genehmigten wir uns noch. Und schon wieder wurden wir überrascht: Der riesige See war nun komplett zugefroren. 8 Tage zuvor, war hier noch nichts von Eis zu sehen gewesen. Und jetzt konnten wir auf der Eisfläche herumlaufen. Wahnsinn!

Lake Louise

Technikkram & Abschied

Neben all dem Draußensein wurde auch geschraubt. Christian nutzte die Zeit und verkabelte unser Starlink Mini endlich ordentlich, baute alte Halterungen aus und neue ein und kümmerte sich um andere Kleinigkeiten, wie frische Silikonfugen und sowas.

Irgendwann machte dann die Dieselheizung Probleme: Der Lüfter wurde extrem laut, vermutlich war das Lager über die Wupper gegangen. Das passende Ersatzteil für unsere russische Heizung war natürlich in Kanada nicht verfügbar, die Kommunikation mit dem Hersteller (mittlerweile in Litauen) zäh. Aber immerhin lief sie noch und würde hoffentlich durchhalten, bis das Ersatzteil aus Europa ankam.

Auch mein Mountainbike war mal dran, meine versenkbare Sattelstütze verweigerte nämlich ihren Dienst – beim Entlüften der Sattelstütze zeigte sich, dass ein professioneller Service wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen sollte. Hach ja, es wird eben nie langweilig bei uns.

In unserer letzten Woche wurde es deutlich kälter, der Schnee blieb dauerhaft liegen, wenn auch leider nur sehr wenig. Mountainbiken fiel daher aus, dafür gab es umso mehr lange Gassirunden mit Loki.

Loki am Kicking Horese River

Wir testeten außerdem endlich mal die lokale Whitetooth Brewery und waren ehrlich begeistert. Wirklich gutes Bier.

Bier-Tasting

Schließlich neigte sich unsere Zeit in Golden dem Ende zu. Die Zeit war viel zu schnell vergangen.

Aber wir bekamen kurzfristig zwei Tage Verlängerung, da Vincents Rückflug aus den Northwest Territories wetterbedingt ausfiel – dort herrschten Temperaturen um -30 Grad und Schneesturm. Und bei dem Wetter arbeitete er dort als Industriekletterer, draußen an irgendwelchen Gerüsten. Crazy!  
Schließlich kam er doch noch an, wir machten Haus und Van wieder bereit und verabschiedeten uns schweren Herzens von Loki und diesem besonderen Ort.

Loki & the Travelmates

Fünf Wochen Golden fühlten sich für uns wie ein kleiner Wintertraum an – auch wenn es für die Kanadier noch gar kein richtiger Winter war. Für uns war es der bisher schönste Winter – und er war ja noch lange nicht zu Ende.

Jetzt ging es aber erstmal wieder zurück ins Vanlife und direkt weiter ins nächste Winter-Wonderland – das dachten wir zumindest.

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

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2025 Blogbeiträge Kanada Nordamerika

Das Okanagan Valley

Teil 12 unseres Roadtrips durch Kanada

15. – 26. Oktober 2025
British columbia

Nach den kalten Nächten und ersten Schneeflocken rund um die Rocky Mountains zog es uns ins Okanagan Valley. Dieses Tal in British Columbia ist bekannt für sein warmes Klima, hervorragende Weine, den Obstanbau und Seen.
Wir hofften dort etwas mildere Temperaturen, Herbstsonne und natürlich guten Wein zu finden. Bevor wir dort eintauchen konnten, stand aber noch ein wichtiger Stopp an.

Kamloops: Reparaturen im Rekordtempo

In Kamloops hatten wir vor allem ein Ziel: Christians defekten Fahrrad-Dämpfer fachmännisch reparieren zu lassen. Den Fahrradladen hatte Christian vorab recherchiert und kontaktiert, und vor Ort wurden wir direkt freundlich empfangen. Der Mechaniker war nicht nur super nett und total interessiert an unserer Reise, sondern erzählte uns auch stolz, dass er selbst zwei deutsche Mountainbikes fährt. Beim Blick auf den Dämpfer hatte er Hoffnung, das Problem schnell lösen zu können – vielleicht sogar noch am selben Tag. Das hörten wir gerne!

Während wir uns auf einen kleinen Besorgungsmarathon machten, ergab sich gleich die nächste Reparaturmöglichkeit: Noch bevor wir den ersten Supermarkt erreichten, entdeckte ich einen dieser Pavillons für Steinschlagreparaturen. Wir hatten uns nämlich schon wieder einen Dotzer in der Scheibe eingefangen. Kanada ist für uns das Land der Steinschläge. Zehn Minuten später war die Sache dann aber schon erledigt.

Und während wir dort noch standen, klingelte schon das Handy: Der Fahrradladen meldete sich – der Dämpfer war fertig. Wow! Rekordzeit.

Nach den Einkäufen holten wir das reparierte Teil ab und waren damit auch schon bereit, Kamloops wieder zu verlassen. Städte voller Stripmalls hatten wir inzwischen wirklich genug gesehen.

Zwischen Kamloops und dem nördlichen Okanagan Valley fanden wir einen Übernachtungsplatz an einer spannenden, alten Holzbrücke an einem Fluss.

Die Nacht war kalt, aber ruhig. Am nächsten Morgen wunderte ich mich über die seltsamen „Pferde“ auf der Weide neben uns – bis mir klar wurde: Das waren Alpakas. Die schauten mindestens genauso irritiert wie ich.

Ankunft im Okanagan Valley

Endlich erreichten wir das Okanagan Valley. Aus dieser Region stammt ein Großteil der kanadischen Früchte, denn hier herrscht ganzjährig ein vergleichsweise mildes Klima. Besonders gut gedeihen dort auch Weintrauben, entsprechend viele kleine Weingüter gibt es hier – ein Umstand, den wir natürlich ausnutzen wollten. 🥂

Zunächst starteten wir aber mit einer kleinen Wanderung: erst zu den kleinen Margaret Falls, dann auf einem Loop durch den herbstlichen Wald und am Shuswap Lake entlang. Wunderschön – und außer uns fast kein Mensch unterwegs.

Margaret Falls

Nach der Mittagspause im Van besuchten wir die nördlichste Winery des Valleys, das kleine Weingut Sunnybrae. Wir probierten acht verschiedene Weine, darunter deutsche Reben wie Riesling, Gewürztraminer, aber auch Sorten wie Foch, Pinot Noir und Merlot. Viele Weine waren uns jedoch zu lieblich. Wir lernten dabei, dass „Off-Dry“ halbtrocken bedeutet – und dass wir davon in Zukunft lieber Abstand halten. Die trockenen Rotweine gefielen uns deutlich besser.

Zum Abschluss machten wir noch einen kleinen Spaziergang durch die hier bereits abgeernteten Reben. Ein vielversprechender Start ins Okanagan Valley.

Salmon Arm

Am Nachmittag ging es weiter nach Salmon Arm – die Orte haben hier teilweise echt komische Namen. Oberhalb des kleinen Örtchens fanden wir an einem Trailhead einen Platz für die sehr verregnete Nacht. Auch der Morgen begann grau und trüb.

Wir beschlossen daher, den Tag im Ort zu verbringen. Christian hatte noch an einem Projekt zu arbeiten, und ich musste mich dringend um unsere Reiseberichte kümmern.
Als wir losfahren wollten, kam dann allerdings die Ernüchterung: Der Van sprang nicht an. Beim Drehen des Schlüssels tat sich einfach nichts. Die Batterie war da, alle Lichter gingen an, aber der Motor machte keinen Mucks. Stattdessen erschien die Meldung „Glühkerzen kontrollieren“.

Das Verhalten kam uns nur allzu bekannt vor – genau so hatte es sich ein paar Wochen zuvor schon in Whitehorse gezeigt. Uns war ziemlich schnell klar, dass es wieder ein Massefehler sein musste. Dabei war das Masseband doch neu.

Christian machte sich direkt an die Arbeit, während ich erneut online recherchierte. Der Übeltäter war schnell gefunden: Das Masseband selbst war, erwartungsgemäß, wie neu, aber die Schraube, die das Band hält und den Stromkreislauf schließt, hatte bereits wieder Rost angesetzt. Diese Schraube hatten wir damals in Whitehorse nur reinigen können, weil wir keine exakt passende Neue gefunden hatten.
Das Internet empfahl, sie erneut zu säubern und mit Kupferpaste zu behandeln. Die hatten wir zwar nicht dabei, aber nach der Reinigung und dem Wiedereinbau sprang Moby zumindest wieder tadellos an. Diese blöde kleine Scheißschraube. 😤

In der Stadt besorgten wir anschließend die empfohlene Kupferpaste und noch ein paar Kleinigkeiten. Am Abend wechselten wir den Platz und stellten uns an ein Sportgelände in Salmon Arm. Dort baute Christian noch einmal alles auseinander und brachte die Paste großzügig zum Einsatz – in der Hoffnung, dass die Schraube nun besser geschützt ist (es scheint zu funktionieren, bis jetzt springt der Van jedenfalls tadellos an).

Da auch der nächste Tag wettertechnisch sehr durchwachsen war und wir beide noch einiges zu erledigen hatten, beschlossen wir, einen weiteren Tag in Salmon Arm zu bleiben. Zwischendurch blieb Zeit für Sport und Joggen, und wir kamen mit allem gut voran. So konnte es am nächsten Morgen, der deutlich freundlicher daherkam, schließlich weitergehen.

Lake Country & noch mehr Wein

Wir tauchten nun richtig ein ins Valley und erreichten Lake Country. Dort steuerten wir das Weingut Intrigue an. Für 6 CAD (3,70 €) durften wir sechs Weine probieren. Auch hier waren einige Halbtrockene dabei, aber auch ein paar sehr gute Tropfen.
Jen, die die Verkostung mit uns machte, nahm sich viel Zeit, gab unzählige Tipps für die Region und erklärte uns, wie hart die Jahre 2023 und 2024 für das Valley gewesen waren. In beiden Jahren war die Temperatur innerhalb einer Nacht von plus 5 Grad auf minus 25 Grad gefallen, was absolut untypisch ist für die Region, und dadurch wurden große Teile der Ernte und Pflanzen zerstört. Manche Weingüter (und auch Obstbauern) verloren 70–90 % ihrer Reben, einige sogar 100 % – und das zwei Jahre in Folge. Eine Katastrophe für die gesamte Region.

2025 hingegen war ein Ausnahmejahr: so ertragreich, dass manche Weingüter Trauben verkaufen mussten, weil die eigene Produktion die Mengen gar nicht verarbeiten konnte. Irre!

Die Reben hingen noch voll

Auf Empfehlung von Jen besuchten wir noch die nahegelegene Winery Ex Nihilo. Dort bekamen wir vier fantastische Weine eingeschenkt und eine sehr kompetente Einführung in die regionale Weinproduktion. In nur einer halben Stunde lernten wir richtig viel – zum Beispiel, dass die Weinernte hier immer erst Mitte Oktober beginnt und oft bis Anfang November dauert. Das erklärte auch, warum hier alle Weinreben noch vollhingen.

Weinseelig machten wir uns anschließend auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz am Okanagan Lake – gar nicht so einfach. Überall wiesen Schilder auf Übernachtungsverbote hin, dazu viele schicke Häuser mit Seeblick, bei denen man als Camper nicht unbedingt das Gefühl hatte, willkommen zu sein.

Am Ende fanden wir aber doch ein Plätzchen: direkt am Straßenrand, aber mit Seeblick, fernab von Häusern und Schildern. Die Nacht war ruhig – bis auf einen Besuch der Polizei um 2:30 Uhr. Christian wurde wach, als ein Auto hinter uns hielt. Blaulicht und zwei Beamte mit Taschenlampen umrundeten den Van – und fuhren schließlich wieder, ohne uns zu behelligen. Auch das war ein Novum in Kanada.

Kelowna – besser als sein Ruf

Es ging weiter nach Kelowna, eine der am schnellsten wachsenden Städte in British Columbia, und die größte Stadt im Okanagan Valley. Wir hatten im Vorfeld einiges über hohe Kriminalitätsraten gelesen und waren entsprechend skeptisch – wurden aber positiv überrascht. Wir entdeckten eine gepflegte Stadt mit vielen schönen Ecken, einer netten Waterfront, schönen Cafés, individuellen Läden und einem vielfältigen kulturellen Angebot.

Wir drehten eine Runde durch die Innenstadt, füllten unsere Vorräte auf und zogen dann weiter Richtung Süden.

Peachland

Auf dem Weg nach Penticton legten wir einen kurzen Stopp in Peachland ein – von wegen Super Mario World! 😉 Der Name kommt nicht von ungefähr, hier werden Unmengen an Pfirsichen (und Kirschen, Äpfeln, Birnen, Pflaumen, etc.) angebaut.

Uns zog es an den Ortsrand zu den Harvey Falls. Ein kurzer Spaziergang durch den bunt gefärbten Herbstwald führte uns zu dem kleinen Wasserfall.

Bunter Herbst

In der Saison kann man hier Lachse beobachten, von diesen (ehrlich gesagt sehr hässlichen Fischen) hatten wir in Alaska allerdings mehr als genug gesehen. Die bunten Blätter und der kleine Wasserfall reichten uns völlig.

Penticton: Wein, See und Geburtstag

Penticton, am südlichen Ende des Okanagan Lakes, gefiel uns auf Anhieb. Mit einem Eis in der Hand schlenderten wir durch die kleine Innenstadt bis zur schön angelegten Seepromenade. Im Sommer muss hier richtig was los sein, aber auch jetzt in der Nebensaison hatte der Ort einen ganz besonderen Charme.

Penticton

Etwas oberhalb der Stadt gönnten wir uns, auf Empfehlung von Reisefreunden, erneut eine Weinverkostung bei Poplar Grove – ein wunderschönes Weingut mit spektakulärer Aussicht auf den Okanagan See.

Weingut Poplar Grove

Das Restaurant sah ebenfalls sehr verlockend aus, aber wir entschieden uns, den Geldbeutel zu schonen.

Wir fanden einen Stellplatz oberhalb der Stadt, direkt zwischen einem Aussichtspunkt und einem BMX-Park, den wir gleich testeten. Die Räder brauchten wir ohnehin, denn am nächsten Tag stand Christians Geburtstag an.

Schon zum fünften Mal feierten wir Christians Geburtstag auf der Reise.
Wie es sich gehört, gab es (gekaufte) Geburtstagstorte und ein ausgiebiges Geburtstags-Frühstück.

Anschließend schwangen wir uns auf die Räder. Unser Ziel: der Kettle Valley Rail Trail. Der Trail ist, wie der Name schon verrät, eine ehemalige Bahnstrecke. Der Trail verläuft durch Penticton und hat insgesamt eine Länge von 660 km. Wir nahmen uns davon nur 31 km vor – plus Rückweg.

Durch Weinfelder und Berge ging es stetig leicht bergauf, den Okanagan Lake immer im Blick. Wirklich wunderschön.

Nach etwa 30 km erreichten wir den knapp 500 Meter langen Adra-Tunnel. Dort stellten wir fest, dass wir unsere Lampen vergessen hatten. Mist! Aber dank der einfallsreichen Kanadier kein Problem: Bei der Einfahrt in den Tunnel, gingen nach und nach Lichter an der Decke an, dank Bewegungsmeldern. Sehr clever! Sogar ein Kronleuchter hing unter der Decke.

Am anderen Ende legten wir eine Pause mit Seeblick ein und radelten anschließend zurück – natürlich nicht ohne eine Weinprobe entlang der Naramata Bench, so wird das Ostufer des Okanagan Sees genannt.
Im kleinen Weingut Serendipity probierten wir fünf hervorragende Rotweine und lernten viel über die spannende Geschichte des kleinen Weinguts. Eine Flasche wanderte in unseren Rucksack, bevor es zurück nach Penticton ging.

Abends feierten wir mit Pizza im Ort weiter. Als die Brauerei um 21:30 Uhr schloss, gingen wir spontan ins Kino gegenüber und schauten den neuen Film mit Keanu Reeves. Genau das Richtige für diesen Tag. Das Geburtstagskind war jedenfalls zufrieden – und das ist ja das Wichtigste.

Geburtstagskind

Insgesamt blieben wir drei volle Tage in Penticton. Neben weiteren Erkundungen besuchten wir noch die Hillside Winery, bevor es abends in die Abandoned Rail Brewery ging, die ebenfalls entlang des Kettle Valley Rail Trails liegt. Hervorragendes Bier und richtig gute kanadische Pizza. Besser konnte es kaum sein.

Hillside Winery

Langsam wurde es aber mal Zeit für eine Alkohol-Pause. 😉

Oliver

Ganz loslassen konnten wir das Okanagan Valley aber noch nicht und fuhren weiter südlich nach Oliver. Dort ließ uns allerdings das Wetterglück im Stich, somit fielen „Stadtbesichtigung“ und weitere Erkundungen buchstäblich ins Wasser.
Wir bezogen einen Stellplatz oberhalb des Skaha Lakes mit Blick Richtung USA – so weit südlich waren wir inzwischen schon.

Zwei Tage saßen wir hier aus, einer davon komplett verregnet. Die geplante Weinprobe im Weingut nebenan fiel daher auch aus. Stattdessen kümmerten wir uns um Admin-Kram, schauten viel Netflix und nutzten einfach mal die Pause.

Auf den Bergen hinter uns fiel der erste Schnee

Nach zwei Tagen ging es zurück nach Oliver für ein paar Erledigungen – und dann langsam wieder Richtung Norden und zurück in die Rocky Mountains – ja, schon wieder. Aber diesmal wartete da was ganz Besonderes auf uns. 🐶🏠

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

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Goldener Herbst in den Rocky Mountains – Teil 4

Teil 11 unseres Roadtrips durch Kanada

6. – 15. oktober 2025
British Columbia & Alberta

Wir hatten große Pläne für eine weitere Woche in den kanadischen Rockies. Doch schon bei der Anfahrt Richtung Banff National Park wurde klar, dass der Herbst inzwischen das Kommando übernommen hatte. Auf den Bergspitzen lag der erste Schnee, die Luft war kalt und klar – wunderschön, aber auch ein deutlicher Hinweis darauf, dass die kommenden Tage kein sommerlicher Spaziergang werden würden.

Wie schon so oft bezogen wir erneut den Lake Louise Overflow Parkplatz. Der hing uns zwar inzwischen ein bisschen zum Hals raus, war aber nach wie vor die beste und günstigste Option in der Region. Um den Generatoren der Dickschiffe zu entgehen, stellten wir uns wieder auf die LKW-Seite, die im Zweifel ruhiger ist als der Camperbereich. Von dort ging es am nächsten Morgen sehr früh los – zu einem Wander-Highlight, auf das wir uns besonders gefreut hatten.

Der lange Weg zum Lake O’Hara

Um den Lake O’Hara hatten wir bislang immer einen Bogen gemacht. Der Zugang erfolgt über eine 11 km lange Straße, die für Privatfahrzeuge und seit 2 Jahren leider auch für Fahrräder gesperrt ist. In der Hochsaison gibt es hier einen Shuttlebus. Die Plätze dafür sind begehrt und müssen jedes Jahr bereits im März gebucht werden, kurzfristig hat man praktisch keine Chance und flexibel ist man damit natürlich auch nicht. Und ehrlich gesagt hatten wir bisher auch wenig Lust, erst 11 km zum See zu laufen, dann eine anspruchsvolle Wanderung zu machen und anschließend die 11 km wieder zurückzulatschen.

Aber die Bilder, die ich immer wieder gesehen hatte, waren einfach zu schön. Für Dienstag, den 7. Oktober, war ein gutes Wetterfenster angesagt – also wagten wir es nun doch.

Kurz nach Sonnenaufgang starteten wir bei eisigen Temperaturen und liefen die 11 km lange Straße mit rund 400 Höhenmetern hinauf. Unsere Hoffnung war: Vielleicht für den Rückweg doch noch einen Shuttlebus erwischen, da diese auf dem Rückweg nicht immer voll ausgelastet sind. Vor Ort stellten wir dann fest, dass seit Anfang Oktober überhaupt keine Busse mehr fahren, die Saison war vorbei. Also war klar: Das würde ein sehr langer Tag werden.

Unterwegs zum Lake O’Hara

Nach etwa zwei Stunden erreichten wir den See. Und ehrlich gesagt – der erste Eindruck war überraschend unspektakulär. Der Lake O’Hara selbst haute uns nicht sofort vom Hocker, aber wir sind inzwischen auch ein bisschen verwöhnt. Zum Glück begann der spannende Teil der Tour jetzt erst.

Der Weg führte bald schon steil bergauf und eröffnete erste Fernblicke auf den Mary Lake und die umliegende Bergwelt.

Blick auf Lake Mary

Und von da an wurde es mit jedem Kilometer besser. Der Trail war unglaublich abwechslungsreich, führte durch herbstlichen Wald, in dem die gelben Lärchen schon in den letzten Zügen waren, und bot immer neue Ausblicke.

Lake O’Hara Trail

Am berühmten Aussichtspunkt mit dem Namen „Opabin Prospect“ standen wir schließlich sprachlos über den O’Hara- und Mary Lakes. Einfach wunderschön.

Opabin Prospect

Nach einer Stärkung ging es weiter in den Talschluss hinein und über eine geröllige Felsflanke zurück Richtung Lake O’Hara.

Wir kamen kaum voran, weil wir ständig stehen blieben, schauten und staunten.

Lake O’Hara

Nach einem felsigen Abschnitt erreichten wir den nächsten Talschluss mit dem Lake Oesa, in den ein Gletscher hineinragt. Daneben leuchtete der Victoria Lake in einem unwirklich intensiven Türkis. Alles war viel zu schön, um echt zu sein.

Nach vier Stunden waren wir schließlich zurück am Ufer des Lake O’Hara und machten uns an den laaaangen Rückweg zum Parkplatz. Am Ende standen 32 km und 1.100 Höhenmeter auf der Uhr – und zwei sehr glückliche Menschen am Van. Ein Glück, dass wir uns dieses Highlight nicht entgehen haben lassen.

Zur Übernachtung ging es wieder zurück auf den bekannten Overflow-Parkplatz, bevor wir am nächsten Morgen weiterzogen.

Icefields Parkway – Wintereinbruch im Oktober

Zum dritten Mal in diesem Jahr fuhren wir über den Icefields Parkway (der die Nationalparks Banff und Jasper verbindet), diesmal mit Ziel Mt. Robson Provincial Park nördlich von Banff und Jasper. Von dieser Straße bekommt man eigentlich nie genug – diesmal allerdings sahen wir deutlich weniger als sonst.

Anfangs war der Himmel noch blau mit dichter Bewölkung und gelegentlichen Sonnenfenstern, doch je weiter wir kamen, desto grauer wurde es. Erst nieselte es, dann sahen die Tropfen plötzlich aus wie Schnee. Je näher wir Jasper kamen, desto dichter wurde das Schneetreiben. Die Bäume am Straßenrand waren bereits weiß, die Straße wurde matschig. Erster Schnee am 8. Oktober – ziemlich verrückt.

Am höchsten Punkt des rund 2.000 m hohen Passes standen ein paar tapfere Besucher auf der Glasbrücke, von der man normalerweise eine grandiose Aussicht hat. An diesem Tag gab es: Nebel und Schnee. Bergab ließ der Schnee kurz nach, nahm dann aber noch einmal zu. An der Sunwapta Lodge machten wir Mittagspause und hatten kurz Sorge, ob wir danach überhaupt wieder loskommen würden. Zum Glück ließ der Schneefall nach, zurück blieb nur eine nasse Straße.

Hinter Jasper war vom Schnee fast nichts mehr zu sehen. Am Mt. Robson Park angekommen, sahen wir zwar vom Berg erst einmal gar nichts, aber immerhin hatte es hier nur geregnet – gut für unsere nächste Wanderung, die fast Marathon-Länge hatte…

Wandermarathon auf dem Berg Lake Trail

Entgegen den Google-Infos war das Welcome Center bereits geschlossen. Wir konnten uns also keine aktuellen Infos zu unserer nächsten Wanderung zum Berg Lake Trail holen. Zum Glück hatten wir gut recherchiert und bezogen trotzdem optimistisch einen Platz am Trailhead. Der Berg Lake Trail gilt als eine der schönsten Mehrtageswanderungen in den Rockies und wir (bzw. ich) hatten den ehrgeizigen (irren) Plan gefasst, diese Wanderung in einem Tag zu machen.

Ich lief die ersten zwei Kilometer des Trails ab, denn wir hatten gelesen, dass man die ersten sieben Kilometer der insgesamt 21 km langen Strecke mit dem Mountainbike fahren darf. Trotz Dauerregen war der Weg erstaunlich gut in Schuss. Also packte Christian am Abend die Räder aus, damit wir am nächsten Morgen direkt starten konnten.

Bevor wir schlafen gingen, schaute ich noch einmal nach draußen – und entdeckte einen Zipfel des Mt. Robson. Mit 3.945 m ist er der höchste Berg der kanadischen Rockies. Und wir standen direkt an seinem Fuß.

Moby am Mt. Robson

Der Morgen begann neblig und kalt, aber immerhin mit +4 °C statt der vorhergesagten -4 °C. Dick eingepackt radelten wir durch herbstlichen Wald hinauf zum Kinney Lake, der noch mystisch im Nebel lag. Am Campground stellten wir die Räder ab und starteten unsere Mammutwanderung.

Auf zum Berg Lake

Der Trail war erst in diesem Jahr wieder eröffnet worden, nachdem er 2021 durch einen Erdrutsch stark beschädigt worden war. Entsprechend gut war der Zustand. Zunächst ging es durch moosigen Wald, später über Bäche und Flüsse, stetig bergauf bis zu den Wasserfällen. Zu Beginn lag alles noch in dichtem Nebel, aber nach und nach riss der Himmel auf und wir bekamen die Sonne zu sehen.

Berg Lake Trail

Der beeindruckendste der Wasserfälle war der Emperor Fall, hinter dem der Mt. Robson thront. Inzwischen war der Himmel komplett aufgeklart – kalt, aber perfekte Bedingungen. Wir Glückskinder!

Weiter ging es flacher, am Fluss entlang, über einen gerölligen Abhang und schließlich hinter den Mt. Robson, durch eine Art Flussbett.

🙂

Hier hatte die Sonne noch nicht hingeschienen, die Steine waren spiegelglatt. Beinahe wären wir beide im Eisbad gelandet.

Eis-Hürdenlauf

Nach insgesamt 21,5 km standen wir schließlich am Ziel unserer Wanderung, dem Berg Lake. Der See liegt direkt am Fuße des Mt. Robson und wird von einem seiner Gletscher gespeist – ein unglaublicher Anblick.

Berg Lake

Da kann man schon verstehen, dass sich viele am einfachen Campground am Seeufer niederlassen und ein paar Tage hierbleiben. Aber zelten ist einfach nicht unser Ding.
Nach einer wohlverdienten Pause machten wir uns also wieder auf den Rückweg, der uns noch einmal fantastische Ausblicke bescherte.

Als wir den Kinney Lake wieder erreichten, war die Sonne bereits hinter den Bergen verschwunden. Umso dankbarer waren wir für die Bikes, die uns die letzten sieben Kilometer erleichterten.

Am Ende standen 43,5 km und 1.140 Höhenmeter auf dem Tacho – und die Erkenntnis, dass wir eine sonst drei- bis viertägige Tour an einem Tag geschafft hatten. Neuer Rekord!

Valemount

Am nächsten Tag ließen wir es ruhig angehen und fuhren erst gegen Mittag vom Parkplatz los. Beim Rausfahren trafen wir die Bärlis, aka Anette und Frank, die wir auf der Baja kennengelernt hatten. Mit den beiden verabredeten wir uns für den Abend im Örtchen Valemount.

In Valemount steuerten wir zuerst die Tourist Information an, um zu fragen, ob der dortige Bikepark noch geöffnet sei, der als einer der besten der Region gilt. Ja, bestätigte man uns – großartig. Wir stellten uns an einen Sportplatz, ich kümmerte mich ums Mittagessen und Christian checkte die Räder. Dabei fiel auf: Sein hinterer Dämpfer funktionierte nicht richtig. Leider bestätigte sich der Verdacht – der Dämpfer dämpfte quasi gar nicht mehr und selbst reparieren konnten wir das nicht. Der Bikepark war damit erst mal gestrichen, denn auch der hiesige Fahrradladen hatte leider bereits geschlossen. Wir waren mega enttäuscht.

Also spazierten wir stattdessen durch den kleinen, aber ganz netten Ort. Abends kamen die Bärlis dazu und wir landeten gemeinsam in einer Pizzeria. Es gab überraschend gute Pizza, leckeren Wein und einen sehr schönen, langen Abend im Bärli-Mobil, mit noch mehr Wein.

Der nächste Tag war grau, kalt und regnerisch, auf den Bergen zeigte sich der erste Schnee. Erst am Nachmittag wagten wir uns vor die Tür – vielleicht spielte der Wein vom Vorabend dabei eine kleine Rolle. Gemeinsam mit Anette und Frank liefen wir durch den Cranberry Marsh und verbrachten erneut einen geselligen Abend zu viert, diesmal aber ohne Vino.

Sonntagsspaziergang

Clearwater & Wells Gray Provincial Park

Am nächsten Morgen versorgten wir uns an der örtlichen Eis- und Sporthalle noch mit frischem Wasser. Ein sehr netter Mitarbeiter erklärte uns dabei auch, wie eine Eishockeyfläche gemacht wird: Die Eisfläche wird Schicht für Schicht aufgebaut, indem immer wieder hauchdünne Wasserschichten aufgesprüht werden, die sofort gefrieren. Zwischendurch werden Linien und Markierungen eingelegt, bevor weitere Schichten folgen. Wieder was gelernt.

Dann ging es weiter Richtung Süden nach Clearwater. Nach einem Eis-Stopp bei Dairy Queen fuhren wir direkt in den dortigen Wells Gray Provincial Park – einen Park, den wir ursprünglich gar nicht auf dem Schirm hatten. Dort erwarteten uns zahlreiche spektakuläre Wasserfälle. Besonders beeindruckte uns der Helmcken Falls mit 141 m Fallhöhe, der vierthöchste Wasserfall Kanadas. Lavaflüsse und Gletschereis haben hier eine unglaubliche Landschaft geformt.

Helmcken Falls

Ein kurzer 8 km Hike führte uns auf die andere Seite des Wasserfalls, direkt bis zur 140 Meter hohen, ungesicherten Abbruchkante. Ziemlich beeindruckend – und nichts für schwache Nerven.

Leider war es schon spät am Nachmittag, sodass nur noch Zeit für einen weiteren Wasserfall blieb, der dank dunklem Lavagestein ebenfalls beeindruckte.

In Clearwater übernachteten wir an einem kleinen Sportfeld neben Eishalle und Schule. Da Sonntag war und der folgende Montag Thanksgiving, war es angenehm ruhig. Die Nacht war mit -5 °C eisig. Trotz Sonne und blauem Himmel dauerte es lange, bis wir uns am nächsten Tag nach draußen wagten. Wir nutzten die Zeit aber zum Arbeiten, backten Brot und telefonierten mit Freunden in der Heimat.

Clearwater

Nachmittags packte uns die Lust aufs Radfahren. Christian flickte seinen Dämpfer notdürftig – für die Straße reichte es gerade so. Wir radelten erneut zu den Wasserfällen, machten einen Abstecher zum Triple-Decker-Fall und genossen die herbstliche Stimmung.

Wells Gray Provincial Park
Roter Ahorn

Auch die nächste Nacht verbrachten wir im Ort. Wir arbeiteten an unserem neuen Projekt und radelten am Nachmittag noch einmal los. Am Ortsrand entdeckten wir den Dutch Lake, den örtlichen Badesee mit kleinem Strand und Steg. Verschneite Bergspitzen in der Ferne und bunte Bäume am Seeufer – es sah echt einladend aus.

Dutch Lake

Nach einer dritten Nacht in Clearwater war es Zeit weiterzuziehen. Das Okanagan Valley, die Obst- und Weinregion des Landes, wartete bereits auf uns.

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

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2025 Blogbeiträge Kanada Nordamerika

Goldener Herbst in den Rocky Mountains – Teil 3

Und ein bisschen Big City Life – Teil 10 unseres Roadtrips durch Kanada

22. september – 5. oktober 2025
alberta

Kananaskis Country

Nach den ganzen Nationalparks war unser nächstes Ziel Kananaskis Country, eine Art Provincial Park, im Vorland der Rocky Mountains, der somit leider nicht in unserem Nationalparks-Pass enthalten ist und mit 15 CAD pro Besuchstag zu Buche schlägt.

Christian hatte aber herausgefunden, dass der Eintritt am 22. September aufgrund eines regionalen Feiertags frei war. Also legten wir unseren ersten Besuch und unsere Wunschwanderung genau auf diesen Tag.

Genau wie in den Nationalparks ist auch in Kananaskis das Freistehen verboten und wird geahndet. Zudem hatten alle Campingplätze bereits geschlossen, da hier der September bereits als Wintersaison gilt, was wir extrem komisch fanden, da immer noch Hochsaison war. Uns blieb also nur übrig, einen Platz zwischen Nationalpark und Provincial Park zu finden, wo Wildcampen erlaubt ist. Da gab es genau einen Ort am Seebe Dam und das hatten natürlich auch andere mitbekommen, entsprechend voll war es dort. Wir fanden trotzdem noch einen guten Platz, auf dem sich etwas später ein PKW-Camper zu uns gesellte. So weit, so gut.

Gegen 23 Uhr fuhr dann plötzlich noch ein PKW auf die freie Fläche zwischen uns. Zwar eng, aber es hätte gerade noch gepasst. Zu unserer Überraschung rangierte der Wagen aber weiter und parkte schließlich direkt hinter uns, quer hinter unserem Heck – also genau dort, wo unser Schlafzimmer ist. So eng, dass wir nicht mal mehr die Türen öffnen konnten, geschweige denn am nächsten Morgen von den Auffahrkeilen heruntergekommen wären.

Christian ging raus und klopfte an, um erstmal nachzufragen, ob alles okay sei. Die Fahrerin, eine offenbar alleinreisende Dame mit osteuropäischem Akzent, wunderte sich über diese Frage. Christian erklärte freundlich, dass sie uns etwas zu sehr auf die Pelle rückte, und bat sie, umzuparken und sich z. B. neben uns zu stellen. Ihre harsche Antwort: „No, this is not your country.“ Aha. So eine also.

Sie erklärte weiter, dass sie am Abend zuvor schon hier gestanden hätte und es für sie kein Problem sei, so nah bei uns zu stehen. Dass sie uns blockierte und es uns eben sehr wohl störte, interessierte sie nicht. Es folgte eine Diskussion, in der sie sich komplett uneinsichtig zeigte und uns schließlich nahelegte, doch einfach zu gehen. Die anderen freien Plätze um uns herum ignorierte sie – sie wollte genau dort stehen.

So etwas ist uns in vier Jahren Vanlife auch noch nicht passiert. Schließlich parkte sie doch so um, dass wir zumindest unsere Türen öffnen konnten. Zu mehr war sie nicht bereit. Ihr nächtliches Gewusel neben uns ging bis halb zwei und nervte uns entsprechend.

Wir legten am nächsten Morgen um 6 Uhr früh ab, was ihr sicher nicht verborgen blieb. Ihre Nacht dürfte also ebenfalls kurz gewesen sein. Auf Nimmerwiedersehen.

Kuschel-Camping

Tent Ridge Trail

Kananaskis Country begrüßte uns dann in der Morgendämmerung und mit einer beeindruckenden, leuchtenden Bergkulisse. Ein ziemlich guter Start, auch wenn die 30 km lange Wellblechpiste dorthin ganz schön nervig war. Auf dem sich bereits füllenden Wanderparkplatz frühstückten wir dann erstmal und beobachteten zufällig, wie eine Elchkuh hinter uns im Gebüsch verschwand.

Dann ging es los: 10,5 Kilometer und 800 Höhenmeter lagen auf dem Weg zum Tent Ridge (Zelt-Grat)  vor uns – also gut machbar. Zum ersten Mal in dieser Saison hatten wir Minusgrade, als wir losliefen, doch das änderte sich schnell. Die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel und wir liefen durch den gelb leuchtenden Lärchenwald stetig bergauf, sodass uns rasch warm wurde.

Wanderung zum Tent Ridge

Nach der Baumgrenze wurde es steinig, felsig und vor allem: steil! Dafür waren die Höhenmeter schnell geschafft und wir hatten von Beginn an eine gigantische Aussicht auf den großen Spray Lake, der wunderbar blau hinter uns leuchtete.

Wir kletterten weiter hinauf, teilweise wieder auf allen Vieren, bis wir schließlich den Grat erreichten. Ab hier wurde es etwas flacher und wir folgten dem hufeisenförmigen Ridge. Einfach nur wow.

Tent Ridge Trail

Auf der Hälfte folgte noch ein kurzer Abstieg mit anschließendem steilen Gegenanstieg, bevor wir den höchsten Punkt auf etwa 2.530 Metern erreichten. Rundherum nur Berge, der See und dieser schmale Grat, der wie ein Hufeisen aus der Landschaft stach.

Der Wind nahm zu, aber wir liefen weiter bis zum Ende des Hufeisens, wo der gesamte Spray Lake vor uns lag. Links konnten wir sogar bis in den Banff-Nationalpark schauen. Absolut gigantisch schön!

Wir unterhielten uns kurz mit einem netten Paar aus Denver und stiegen dann für unsere Pause ein Stück ab, weil es auf dem Ridge zu windig war. Etwas geschützter ließen wir uns inmitten der Lärchen unser obligatorisches Käsebrot schmecken – und beobachteten plötzlich, wie ein großer Grizzly etwa 100 Meter unter uns aus dem Unterholz trabte. Dort saßen auch die beiden aus Denver, die sofort aufsprangen und ihr Bärenspray bereithielten. Zum Glück drehte der Grizzly wieder ab. Wach waren danach auf jeden Fall alle und die beiden haben zu Hause was zu erzählen.

Durch die gelben Lärchen ging es steil zurück zum Van, und für uns war klar: Diese Wanderung gehört zu den Top 3 Hikes in den Rockies. Die restlichen 30 Kilometer Wellblechpiste durch Kananaskis Country nahmen wir dafür gern in Kauf, zumal sie uns am Ufer des Spray Lakes vorbeiführten, der auch von hier unten einfach nur wunderschön aussah.

Canmore

Es ging weiter nach Canmore und dort angekommen, waren wir überrascht, wie hübsch diese Kleinstadt, inmitten der Berge, ist. Das hatten wir gar nicht erwartet. Leider gab es hier aber auch viel zu viele Möglichkeiten, Geld auszugeben – in Cafés, Restaurants und Outdoorshops. Aus Selbstschutz beschränkten wir uns darauf, mit dem Van durch die Stadt zu fahren und Lebensmittel einzukaufen.

Canmore

Im Visitor Center holten wir uns Infos zu Wanderungen und Biketrails und wurden noch einmal über das etwas komplizierte System mit den verschiedenen Parks aufgeklärt. Letztlich ist fast alles gebührenpflichtig, selbst das Nordic-Center-Gelände, auf dem das Visitor Center steht und wo die Biketrails verlaufen.
Freistehen war im Ort unmöglich, der einzige legale Platz war aktuell eine Baustelle, die umliegenden Campingplätze waren hässlich, direkt an den Bahngleisen gelegen und teuer. Also wagten wir es und verbrachten die Nacht illegal auf dem einsamen Parkplatz eines Golfplatzes.

Der nächste Tag begann mit Haushalt und Laundry, bevor wir am Nachmittag die Biketrails rund um das Nordic Center unsicher machten. Wieder einmal fanden wir genial angelegte Trails vor, von daher waren die 15 CAD auch irgendwie gerechtfertigt.

Canmore Bike Trails

Eine zweite Nacht am Golfplatz folgte, bevor wir am nächsten Morgen, mit dem farbenfrohen Sonnenaufgang, erneut früh aufbrachen und zurück in den Kananaskis Country Provincial Park fuhren.

Pocaterra Ridge Trail

Um sechs Uhr morgens ging es los, wieder rund 99 Kilometer bis zum Trailhead (diesmal zum Glück geteert). Wir frühstückten, packten unsere Sachen und starteten auf den Pocaterra Ridge Trail, der als DER Larch-Hike im Park gilt. Rückblickend können wir das nur bedingt nachvollziehen: Die Lärchen gibt es vor allem auf den ersten zwei Kilometern.

Danach geht es extrem steil hinauf ins alpine Gelände – definitiv nichts für Spaziergänger und Baumgucker. Bäume gibt es dort oben nämlich keine mehr, dafür aber unglaubliche Aussichten.

Pocaterra Ridge

Der Ridge verläuft geradlinig und hat drei kleine Gipfel entlang des Weges. Normalerweise steigt man auf der anderen Seite ab und braucht entweder ein zweites Auto, einen Shuttle, oder man läuft fünf Kilometer am Highway entlang. Alles keine Optionen für uns, also liefen wir bis zum Ende des Grats und dann denselben Weg zurück – bei der Aussicht ist das unserer Meinung nach ohnehin die beste Lösung.

Pocaterra Ridge

Mit sechs Kilometern one way und rund 900 Höhenmetern war der Trail zwar nicht lang, aber der Auf- und Abstieg hatte es ordentlich in sich.

Pocaterra Ridge

Nach unserem Wander-Käsebrot auf dem Gipfel ging es wieder steil hinab. Ich schnallte die Microspikes an, was auf dem rutschigen, sandigen Boden perfekten Grip gab. Durch den gelb leuchtenden Lärchenwald ging es zurück, und kurz vor Schluss begegnete uns noch eine kleine Herde Rocky Mountain Sheeps (Dickhornschafe) – ein perfekter Abschluss für eine mal wieder spektakuläre Wanderung.

Dickhornschafe

Ungeplant nach Calgary

Nach Canmore wollten wir wegen der Parksituation nicht zurück und steuerten daher erneut den einzigen freien Wildcamping-Platz am Seebe Dam an. Diesmal fanden wir auch eine Stelle, an der uns niemand zu nahekommen konnte, und hatten eine deutlich ruhigere Nacht. Zwei nette Angler schenkten uns sogar noch eine frisch gefangene Forelle – man muss die Kanadier einfach mögen!

Wir stellten uns auf einen ruhigen Arbeitstag am Fluss ein, doch es kam mal wieder anders. Morgens streikte plötzlich unsere Starlink-Antenne. Christian testete alles Mögliche und führte diverse Messungen durch, aber irgendetwas schien wirklich kaputt zu sein. Statt einen ruhigen Tag am Fluss zu verbringen, machten wir uns also ungeplant auf den Weg nach Calgary, um dem Problem auf den Grund zu gehen.

Dort hatten wir tatsächlich Glück: Wir fanden jemanden, der Starlink-Systeme verleiht und uns in seinem Vorgarten ein paar Tests mit seinen Geräten und unserem Setup durchführen ließ. Das Ergebnis war eindeutig – alles funktionierte, nur unsere Antenne nicht. Nach gerade mal anderthalb Jahren hatte sie nun scheinbar ihren Dienst quittiert. Ziemlich ärgerlich, auch wenn das Teil vermutlich nie dafür gedacht war, dauerhaft auf 2,75 Meter Höhe auf einem Van durch die Prärie zu brettern.

Tom, der Typ mit dem Verleih-Business, war extrem hilfsbereit und machte uns mehrere Angebote – umgebaute Systeme, eine ältere Antenne – aber wir entschieden uns erstmal für den offiziellen Weg über den Kundendienst. Nach einigem Hin und Her erklärte sich der Starlink-Support schließlich bereit, 80 Prozent der Kosten für eine neue Starlink-Mini-Antenne zu übernehmen. Das war für uns die beste Lösung, also war das Thema zumindest vorläufig geklärt.

Da wir nun ohnehin schon in Calgary waren, schauten wir uns die Stadt etwas genauer an. Calgary gefällt uns von allen kanadischen Städten, die wir bisher kennengelernt haben, mit Abstand am besten. Es gibt zwar nicht wahnsinnig viel kulturelles Angebot, keine spannenden Museen oder Ausstellungen, aber die Atmosphäre ist total angenehm. Trotz Hochhäusern wirkt die Stadt irgendwie gemütlich und weniger hektisch als andere Millionenstädte.

Wir fuhren auf den 191 Meter hohen Calgary Tower, der zwar etwas in die Jahre gekommen ist, aber schöne Ausblicke über die Stadt bis hinüber zu den Rockies bietet.

Calgary Tower
Glasboden-Plattform
Calgary Tower

Auch die Innenstadt selbst gefiel uns gut – viele Restaurants, verlockende Happy-Hour-Locations, Thrift Stores und kleine Boutiquen und Läden. Wir setzten allerdings bewusst die Scheuklappen auf, um nicht in Versuchung zu geraten und zu viel Geld auszugeben.

Übernachten konnten wir in der Nähe des Kensington-Viertels an einem kleinen Park, herrlich ruhig gelegen und mit Skyline Blick.

Moby & die Calgary Skyline

Hier grillten wir auch endlich die Forelle (am Straßenrand), die uns die Angler zuvor geschenkt hatten. Ein dann doch noch ganz guter Abschluss für unseren ersten Calgary-Besuch.

Wir wussten allerdings schon: Wir kommen bald wieder. Jetzt hatten wir aber erstmal ein paar Termine in Edmonton.

Edmonton

Es ging als zurück ins 300 km entfernte Edmonton, nicht etwa, weil uns die Stadt besonders gut gefällt – eher im Gegenteil –, sondern aus zwei ganz pragmatischen Gründen: Wir hatten sehr günstige Tickets für das dortige Bryan-Adams-Konzert ergattert und wollten außerdem den Tausch unserer Motorhalterung in einer Ducato-kompetenten Werkstatt erledigen lassen.

Samstagnachmittag kamen wir in Edmonton an und bezogen wieder unseren altbewährten Platz im River Valley, in der Nähe von Downtown. Von dort ging es am frühen Abend in die Stadt, wo wir uns vor dem Konzert noch einen Donair gönnten – die kanadisch-türkische Version eines Döners, irgendwo zwischen Kebab und Dürüm, aber wirklich lecker.

Das Konzert fand im neuen Eishockey-Stadion von Edmonton statt, alles super organisiert. Die Vorband „The Sheepdogs“ war nicht ganz unser Ding, Bryan Adams dafür umso mehr. Zweieinhalb Stunden lang spielte er sich quer durch alle seine Hits, die Show war deutlich aufwändiger und besser, als wir erwartet hatten, inkl. fliegender Show-Elemente und Leuchtarmbänder für alle Gäste.

Bryan Adams

Auf dem Rückweg spazierten wir noch am Neonsign-Outdoor-Museum vorbei, das nachts deutlich mehr hermacht als tagsüber.

Am nächsten Tag zeichnete sich dann aber das nächste Problem ab: Unser Paket mit div. Ersatzteile und Christians neuen Kreditkarten aus Deutschland steckte fest. DHL hatte es an die kanadische Post übergeben – ausgerechnet in der Woche, in der diese in den Streik getreten war. Das Paket ging zurück in die Niederlande, nur um zwei Tage später wieder in einen Flieger nach Kanada verladen zu werden. DHL konnte nichts tun, die kanadische Post war im Streik und unerreichbar, und wir hatten den Salat: kein Ersatzteil, keine Kreditkarten, keine Wasserfilter. Super.

Den Sonntag nutzten wir daher erstmal anderweitig und kümmerten uns um mein Fahrrad. Am Hinterrad war der Freilauf kaputt, das Ersatzteil hatten wir in Calgary bereits besorgt. Christian tauschte das Teil aus und wir machten danach eine ausgedehnte und erfolgreiche Testrunde durchs River Valley. Entlang des Flusses zieht sich ein scheinbar endloser Fahrradweg durch die Stadt, wirklich schön angelegt und für uns ehrlich gesagt das einzige echte Highlight von Edmonton.

MTB in Edmonton

Wir fuhren durch hübsche und für Halloween dekorierte Wohngegenden und entdeckten sogar einen Messerschmidt-Kabinenroller mit Kennzeichen aus dem Rhein-Main-Gebiet – mitten in Kanada.

Messerschmidt Kabinenroller

Am Montag ging es dann in die Werkstatt. Zwar immer noch ohne unser Paket, aber es standen ohnehin noch weitere Arbeiten an: der Austausch der Getriebedichtung und die Reinigung des Turbokühlers, in dem noch altes Öl klebte. Leider stellte sich heraus, dass die Getriebedichtung, die wir bei Chrysler in Alaska gekauft hatten, minimal anders war als das originale Fiat-Teil und wohl doch nicht passte. Zum Glück bemerkte der Mechaniker das, bevor alles auseinandergebaut war.

Die (halbwegs) gute Nachricht: Die alte Dichtung schwitzte nur leicht, es war also weiterhin kein akutes Problem. Außerdem konnte einer der Mechaniker die Motorhalterung von Chrysler noch einmal mit dem originalen Fiat-Teil vergleichen (unsere steckte ja im Paket fest) und war sich sicher, dass sie passen würde. Also bestellten sie das Teil und wir verbrachten die Wartezeit außerhalb der Stadt an einem ruhigen Parkplatz am Fluss. Hier ließen sich die zwei Tage bei usseligem Wetter aussitzen. Wir arbeiteten ein bisschen, nahmen die neue Starlink-Mini-Antenne in Betrieb und gingen zwischendurch mal eine Runde laufen, um keinen Lagerkoller zu bekommen.

Zwei Tage später war das Chrysler-Teil da und der Austausch konnte endlich stattfinden. Die Motorhalterung passte perfekt, obwohl sie anders aussah, und auch die Reinigung des Turbokühlers verlief problemlos. Der Van läuft seitdem ruhiger (sagt mein Mann), und vor allem das Bollern des Motors ist weg – Halleluja. Der einzige Wehrmutstropfen kam beim Bezahlen: Während die Motorhalterung aus Deutschland gerade mal 68 Euro gekostet hatte, schlug das Teil von Chrysler mit 318 CAD (200 €) zu Buche. Also drei Mal so viel. Tat weh, half aber nichts.

Nach der Werkstatt kehrten wir noch einmal an unseren Platz am Fluss zurück. Am letzten Abend wurden wir dort sogar von zarten Polarlichtern verabschiedet – ein ziemlich schöner Abschluss dieser eher organisatorisch-chaotischen Tage.

Zarte Polarlichter in Edmonton

Zurück in Calgary

Am nächsten Morgen ließen wir Edmonton endgültig hinter uns und fuhren wieder zurück nach Calgary. Dieses Mal mit funktionierendem Starlink und etwas mehr Zeit.

Wir schlossen uns einer Walking Tour an, die wieder etwas zu lang war, aber immerhin ein bisschen Wissen rund um die Stadt vermittelte. So erfuhren wir z. B., warum es hier so viele „Skywalks“ gibt – das sind verglaste Übergänge, die Gebäude miteinander verbinden. Diese spannen sich durch die gesamte Innenstadt und erlauben den Leuten, im Winter im Warmen von A nach B zu kommen – denn auch in Calgary werden es gerne mal zwischen -20 und -30 Grad im Winter.

Calgary
Calgary

Am besten gefiel uns aber doch das kleine, bunte Kensington Viertel, an dessen Rand wir wieder am Riley Park campten.

Wenn wir nicht gerade durch die Stadt liefen, nutzten wir die Zeit weiter zum Arbeiten und für ein paar Besorgungen. Unser neues Starlink Setup brauchte noch ein paar Teile, und dann hatten wir mal wieder Glück – die Mini-Antenne ging in den Sale und Best Buy (die lokale Version von Media Markt) matchte den Preisunterschied, sodass wir 210 CAD erstattet bekamen. Woohoo!

Es kündigte sich aber nun ernsthaft der Herbst an, es wurde nachts schon fast frostig, und da wir noch ein bisschen in Kanada bleiben werden, war klar, dass wir klamottentechnisch etwas aufrüsten müssen. Daher gab es noch einen kleinen Shoppingtrip, bevor wir uns nach 4 Tagen in der Stadt noch mal auf den Weg in die Rockies machten…🤩 Von den Bergen bekommen wir einfach nicht genug.

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

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2025 Blogbeiträge Kanada Nordamerika

Goldener Herbst in den Rocky Mountains – Teil 2

Teil 9 unseres Roadtrips durch Kanada

17. – 21. September 2025
British Columbia & Alberta

Wir ließen Banff und somit die Provinz Alberta erstmal wieder hinter uns und fuhren „rüber“ nach British Columbia und in den Yoho-Nationalpark. Nach einem kurzen Einkaufsstopp im süßen Örtchen Golden fuhren wir dann direkt weiter zum Emerald Lake. Hier waren wir Ende Juni schon mal gewesen und hatten leider ziemlich regnerisches und trübes Wetter. Das war diesmal ganz anders. Blauer Himmel und Sonnenschein ließen den See gleich noch mal schöner, türkisblau leuchten.

Romantisch!

Wir drehten eine gemütliche 5-km-Runde um den See, wo inzwischen über die scheinbar dauerhaft matschigen Stellen Brücken gebaut worden waren. Die waren zwar noch nicht ganz fertig, aber so konnten wir unsere Zirkusqualitäten weiter ausbauen und dabei saubere Schuhe behalten.

Für den nächsten Tag planten wir eine lange Tagestour im Nationalpark, daher war mal wieder Campingplatz angesagt. Auf dem Monarch Campground fanden wir noch ein Plätzchen in schönster Bergkulisse.

Monarch Campground

Iceline Trail

Um 6 Uhr klingelte der Wecker und wir machten uns auf zu den Takkakaw Falls, Kanadas zweithöchstem Wasserfall. Dort starteten wir unsere Wanderung zum Iceline Trail, eine anstrengende Tagestour, die uns zu den Überresten des Daly Gletschers führte. Aber erstmal ging es an den Takkakaw Falls vorbei.

Takkakaw Falls

Kurz danach wurde es schnell sehr steil. Über enge Serpentinen bahnten wir uns unseren Weg hinauf zum Ridge. Von dort war die Aussicht auf die Wasserfälle und die umliegenden Berge und Gletscher aber schon absolut umwerfend.

Wow!

Es ging weiter hinauf, bald kletterten wir über ein Felsenmeer, bis wir schließlich die Iceline entdeckten. Viel war vom einstig massiven Daly-Gletscher wirklich nicht mehr übrig.

Überreste des Daly Gletschers

Alles, was hier nur noch beiger Fels ist, war einst von dickem Eis bedeckt. Man konnte den Überresten weiter beim Schmelzen zusehen, denn überall kamen kleine Bachläufe den Berg hinunter und sammelten sich an manchen Stellen in kleinen Seen.

Der Trail verlief nun weiter auf der Höhe, bis wir schließlich einen Wald erblickten. Dort zweigte unser Weg ab und führte uns leicht bergab in den Wald und über Blumenwiesen. Wir fühlten uns wie im Heimatfilm.

Iceline Trail

Vorbei am Celeste Lake, ging es weiter durch den Wald, immer auf und ab, bis wir schließlich vor einem weiteren, wunderschönen See standen, der laut Karte keinen Namen hat. Für uns nicht akzeptabel, daher haben wir den See „Lake Anne“ getauft. 😉

Lake Anne 🙂

Wir überquerten ein paar Mal den Fluss, bevor wir uns wieder in einer Art Felsenmeer befanden und von dort zum nächsten See abstiegen. Hier wurde es dann Zeit für die Mittagspause, bevor es wieder bergauf ging zu den Twin Falls.

Päuschen!

Obwohl uns noch einige Kilometer bevorstanden, gönnten wir uns eine kleine Detour und kletterten zu den Wasserfällen hinauf. Der Wahnsinn mal wieder!

Von dort aus begann dann der laaaange Abstieg, der sich gefühlt ewig zog. Aber der Trail wurde nicht langweilig, denn er führte uns am Fluss entlang, vorbei an engen Schluchten und immer wieder kleinen und großen Wasserfällen, wie zum Beispiel den Laughing Falls.

Klamm

Irgendwann, nach gefühlt endlosen Kilometern, tauchte dann der Takkakaw-Fall wieder vor uns auf und wir wussten, wir haben‘s geschafft und vermutlich eine der schönsten, aber auch anstrengendsten Touren im Yoho-Nationalpark bewältigt. Letztendlich standen 23 km und 1100 hm auf der Uhr und wir waren durch für den Tag.

Great Divide & Morraine Lake

Wir verbrachten eine weitere Nacht auf dem Monarch Campground, von wo aus es am nächsten Morgen auch wieder früh weiterging.
Wir gönnten unseren Füßen eine Pause und stiegen auf die Mountainbikes, um die Great Divide zu fahren – die einstige Verbindungsstraße zwischen dem Yoho- und Banff-Nationalpark. Diese 11 km lange, zweispurige Straße war bis zum Bau des Trans-Canada Highways die einzige Verbindungsstraße zwischen den beiden Nationalparks. Heute ist sie für den Autoverkehr gesperrt und kann nur noch zu Fuß oder mit den Rädern erlebt werden. Also radelten wir mal eben vom Yoho-Nationalpark in British Columbia, rüber zum Banff-Nationalpark, in Alberta.

Great Divide

Aber natürlich waren uns die 11 Kilometer nicht genug, so fuhren wir weiter und noch mal hinauf zum Morraine Lake, wo wir im Juli schon mal waren. Die 14 Kilometer lange Straße hinauf ist nach wie vor für Privatfahrzeuge gesperrt, so kamen uns nur die üblichen Touri-Busse entgegen und wir hatten jede Menge Zeit, die Landschaft zu bewundern.

Schließlich erreichten wir den Morraine Lake, den beliebtesten See der Rockies, wo auch diesmal wieder die Hölle los war. Wir suchten uns ein einigermaßen ungestörtes Plätzchen mit Blick auf den surreal türkisblauen See und ließen uns unser Käsebrot schmecken.

Morraine Lake

Weitere Wanderungen ersparten wir uns diesmal, wir mussten ja noch die 25 Kilometer zurückradeln.

Arnica Lake

Unsere Füße waren nach dem Tag ausreichend ausgeruht, sodass wir am nächsten Tag wieder wandern gehen konnten. Inzwischen war die „Larch Season“ in vollem Gange. Larches sind Lärchen, also die Nadelbäume, die sich im Herbst gelb färben, bevor sie ihre Nadeln abwerfen. Die bunten Wälder wollten wir natürlich auch sehen, daher ging unsere nächste Wanderung zum Arnica Lake, der wiederum im Banff-Nationalpark liegt und für seine schönen Herbstfarben bekannt ist.

Ausnahmsweise waren wir mal nicht ganz so früh dran und bekamen dafür gleich die Quittung: Der Wanderparkplatz war voll. Wir positionierten uns durch minutenlanges Autoballett so, dass wir keine Fahrzeuge blockierten, und wollten gerade losmarschieren, als eine Parkrangerin auftauchte, die von unserer Idee gar nicht begeistert war. Sie drohte uns (und allen anderen Falschparkern) mit dem Abschlepper, was wir natürlich nicht riskieren wollten. Also mussten wir den Van circa 1,5 km weiter, auf einem anderen Wanderparkplatz, abstellen, bevor es endlich losgehen konnte.

Zur Abwechslung führte uns der Trail erstmal bergab, an einem kleinen See, bevor es dann wieder steil hinaufging, durch den, wie angekündigt, bunten Herbstwald.

Biebietz

Es wurde steiler und steiler, aber die Aussichten dafür auch immer schöner.

Arnica Lake Trail

Dann erreichten wir den Arnica Lake, der tatsächlich von einem Lärchenwald eingerahmt wird. Das Wasser war glasklar und das Wetter hätte nicht besser sein können.

Arnica Lake

Ein paar ganz Mutige gingen hier im eisig kalten Wasser sogar baden. Wir beließen es bei unserer Käsebrotpause und pflückten noch ein paar Blaubeeren am Wegesrand, bevor es wieder retour zum Van ging.

Lärche

Der nächste Tag bescherte uns eine Pause, denn das Wetter war nämlich ausnahmsweise mal „schlecht“, sprich Wolken und Regen statt Sonne. Das nahmen wir zum Anlass, für einen Ausflug nach Banff Town, wo wir uns eine Pizza gönnten (die hier mit Schere gegessen wird) und ein bisschen durch den hübschen Resort-Town spazierten.

Andere Länder…

Den Banff Nationalpark hatten wir damit erstmal abgehakt (vorerst). Für die nächsten Herbstwanderungen zog es uns nach Kananaskis Country, eine Art Nationalpark ohne Nationalparkstatus.

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

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2025 Blogbeiträge Kanada Nordamerika

Goldener Herbst in den Rocky Mountains – Teil 1

Teil 8 unseres Roadtrips durch Kanada

11. – 16. September 2025
Alberta

Endlich waren wir zurück in den Rocky Mountains! Und wir hatten bestes Spätsommerwetter, welches uns laut Vorhersage auch für ein paar Tage erhalten bleiben sollte. Wir ahnten da noch nicht, wie lange uns die Sonne in diesem Herbst treu bleiben würde und wie viele Kilometer wir in den nächsten Wochen wandern und radeln würden.

Jasper-Nationalpark

Aber nun kamen wir erstmal wieder im Jasper-Nationalpark an und waren bereit für die erste Wanderung, die uns auf den Sulphur Skyline Trail führte. 4 Kilometer (one way) und 700 Höhenmeter, also kurz und knackig. Durch den schattigen Wald bahnten wir uns unseren Weg hinauf.

Unterwegs begegneten wir einem älteren Herrn, der trotz Gehstock festen Schrittes auf dem sehr unebenen und steilen Trail unterwegs war. Als wir ihn schließlich überholten, sagte er zu uns: „It’s nice to be young“. So kamen wir kurz ins Gespräch und er ließ uns schließlich sein Alter schätzen. Wir tippten beide auf Mitte/Ende 70. Aber wir lagen falsch, der junge Mann hatte stolze 96 Jahre in den Beinen und war dafür wirklich noch mehr als gut in Schuss. Da sieht man es mal wieder: Wandern hält jung. 😉 Bis ganz auf den Gipfel wollte der Herr heute aber nicht mehr, da war er früher schon mal. Er wollte gleich umdrehen und zurück zu seiner Busgruppe laufen, von denen hätte ihn keiner begleiten wollen, sagte er etwas abschätzig. Scheinbar waren nicht mehr alle so gut zu Fuß und abenteuerlustig wie er.

Für uns ging es weiter hinauf und schließlich ließen wir die Baumgrenze hinter uns. Nun wurde es noch mal richtig steil und rutschig, dafür gab es Aussicht, die leider durch die anhaltenden Waldbrände weiter getrübt war. Aber irgendwie hatte das auch was. Der Rauch ließ alles wie ein Gemälde wirken.

Wir legten unsere obligatorische Käsebrot-Pause ein und erhielten prompt Gesellschaft von neugierigen Chipmunks.

Schließlich ging es wieder retour zum Van und zu einem Platz in der Wildnis, kurz vor den Eingangstoren zum Nationalpark – denn innerhalb des Parks darf man ja nicht freistehen und wir wollten uns diesmal das Geld für Campingplätze sparen.

Home Sweet Home

Zudem lag unser nächstes Wanderziel auch wieder fernab aller Campingplätze, denn am nächsten Morgen ging es noch mal raus zum Maligne Lake. Hier waren wir am 1. Juli schon mal gewandert und hatten dabei Elche und einen Grizzly gesehen. Dieses mal erspähten wir auf dem Weg dorthin „nur“ einen Wapiti-Hirsch im Unterholz, aber wir waren ja auch zum Wandern hier.

Diesmal erklommen wir die andere Seite des Maligne Lake. Es ging hinauf auf den Opal Hill. Die Wanderung dorthin gilt als die steilste Tour im Jasper-Nationalpark. Auf nur 2,5 Kilometern legten wir 570 Höhenmeter zurück. Also ja, es war steil.

So wurde es uns, trotz inzwischen schon nur noch einstelliger Temperaturen am Morgen, dann wenigstens schnell warm. Angekommen am höchsten Punkt, war auch hier die Aussicht auf den größten natürlichen See der kanadischen Rockies leider sehr getrübt vom Rauch in der Luft. Wir erkannten kaum das andere Seeufer, von wo aus wir beim letzten Mal den Baldy Hill bestiegen hatten.

Im weiteren Verlauf wurde die Tour dann flacher und führte uns über weite Wiesen, wo sich schon die Herbstfarben in voller Pracht zeigten. So schön!

Dann folgte der ebenso steile Abstieg und wir statteten dem Seeufer noch mal einen Besuch ab.

Seeufer des Maligne Lake

Columbia Icefield Parkway

Nach einer weiteren Nacht auf unserem Wildcampingspot zog es uns am nächsten Tag schließlich weiter Richtung Banff-Nationalpark. Um dorthin zu gelangen, fuhren wir zum zweiten Mal über den wunderschönen 265 km langen Columbia Icefield Parkway, der die beiden Nationalparks miteinander verbindet. Immer am Fluss entlang, eröffneten sich hinter jeder Kurve neue fantastische Ausblicke, und auch diesmal hielten wir wieder unzählige Male an, um die Szenerie zu bestaunen. Berge, Gletscher, Flüsse, Seen – einfach so schön!

Natürlich stoppten wir auch noch mal an unserem Lieblingssee, dem Peyto Lake, der wie ein Wolfskopf geformt ist.

Und auch am türkisfarbenen Bow Lake vertraten wir uns kurz noch mal die Beine und staunten über das Panorama. Man könnte ja meinen, das wird mit der Zeit langweilig. Aber nein, wird es nicht. Einfach zu schön, diese Landschaft hier.

In der Nähe des Bow Lakes wollten wir am nächsten Tag wandern und hatten daher gehofft, auf dem nahegelegenen Campingplatz noch ein Plätzchen zu ergattern. Aber da hatten wir Pech, denn nicht nur dieser Campingplatz war bereits voll bis in die letzte Ecke, auch fast alle anderen Campingplätze im Banff-NP waren restlos ausgebucht. Crazy. Wir hatten ja gehofft, dass es im September schon ein bisschen ruhiger werden würde. Dem war leider nicht so. So landeten wir erneut auf dem altbekannten Overflow-Parkplatz, wo Campen für 12 CAD pro Nacht geduldet wird.

Nicht gerade schön und auch direkt am Highway und der Bahnlinie gelegen, aber besser, als aus dem Park herausfahren zu müssen.

Banff-Nationalpark

Von dort aus ging es am nächsten Morgen in aller Frühe zurück Richtung Bow Lake. Direkt gegenüber lag der Trailhead für unsere nächste Wanderung zum Lake Helen. Unterwegs erspähten wir einen kleinen Schwarzbären, der am Straßenrand saß und scheinbar irgendwas naschte.

Schwarzbär am Morgen

Nach dem Frühstück marschierten wir dann los. Diesmal lagen 6 km (one way) und 550 hm Aufstieg vor uns – also relativ moderat, für Rocky-Mountain-Verhältnisse.

Der Trail verlief über einen gut gepflegten, von Wurzeln übersäten Weg durch den Wald, an dessen Rand die letzten Blaubeeren der Saison wuchsen. Dementsprechend war die Wahrscheinlichkeit, hier einem Bären zu begegnen, recht hoch – aber leider (oder zum Glück) erspähten wir keinen weiteren Pelzträger. Dafür blitzte irgendwann der gegenüberliegende Crowfoot-Gletscher zwischen den Bäumen hervor, welcher über dem Lake Bow in den Bergen hängt. So sieht es zumindest aus.

Crowfoot Gletscher & Bow Lake

Was für ein Anblick mal wieder! Angekommen am höchsten Punkt, eröffnete sich dann schließlich der Blick ins andere Tal und noch mehr Berge, Berge, Berge. Noch immer lag ein bisschen Rauch in der Luft, dennoch war die Aussicht grandios.

Der Weg verlief nun flacher über den breiten Bergrücken, bis wir schließlich den Helen Lake erreichten, in dem sich der dahinterliegende Gipfel spiegelte.

Lake Helen

Eigentlich hatten wir hier unser Wanderziel erreicht, aber wir sahen, dass noch ein Weg weiter hinaufging. Also liefen wir natürlich weiter und wurden mit weiteren Aussichten auf den See – und natürlich die Berge – belohnt.

Über den gleichen Weg ging es schließlich zurück zum Van und zurück auf unseren Overflow-Parkplatz. Dort fing es plötzlich an zu regnen – der erste Regen, den wir seit Whitehorse sahen. Schade für uns, aber sicher gut für die anhaltenden Waldbrände in der Region.

Der nächste Tag blieb zwar trocken, war aber recht trüb, sodass wir einen Pausentag einlegten und ein paar praktische Dinge erledigten, wie zum Beispiel unsere Gasflasche befüllen zu lassen. Dank der guten Infrastruktur in Kanada geht das hier an fast jeder normalen Tankstelle. Der Rest des Tages verging mit Arbeiten, Lesen und Sporteln dann auch wie im Flug, und abends wurden wir mit zarten Anklängen von Polarlichtern überrascht.

Devils Thumb

Der nächste Tag versprach dann wieder sommerlich zu werden und unser Pausentag zahlte sich aus. Diesmal hatten wir uns nämlich eine etwas längere und anstrengendere Tour herausgesucht. Um 6 Uhr klingelte der Wecker und wir machten uns auf zum Lake Louise. Der Parkplatz zu diesem See ist von Frühjahr bis Sommer jeden Tag voll und völlig überrannt, und unglaublich teuer ist er noch dazu. Da wir diesmal aber direkt vom See aus wandern wollten, zahlten wir zähneknirschend die 36 CAD (ca. 23 €) Parkgebühr, frühstückten und machten uns auf zum „Teufelsdaumen“. Diesmal lagen 8,5 Kilometer (one way), aber auch 1.100 Höhenmeter vor uns.

So früh am Morgen war es am Seeufer noch angenehm ruhig, ganz anders als wir es zuletzt im Juli erlebt hatten. Zudem tauchte die aufgehende Sonne alles in ein traumhaftes Morgenlicht.

Dann begann unser Aufstieg. Zunächst ging es noch gemächlich, immer im Zickzack durch den Wald, bis wir den circa 400 Meter höher gelegenen Lake Agnes erreichten.

Lake Agnes

Der Lake Agnes ist ein beliebtes Wanderziel für sich, denn hier steht ein sogenanntes Teehaus, wo es nicht nur Tee, sondern auch andere Getränke und kleine Speisen gibt – in traumhafter Kulisse. Wir bestaunten aber erstmal nur die Kulisse. Das Teehaus, wo die Leute selbst früh am Morgen schon Schlange standen, hoben wir uns für später auf.

Unsere Tour ging um den Lake Agnes herum und dann wurde es bald wieder steil.

Über acht steile Serpentinen, eingerahmt von herbstlich gefärbten Bäumen, bahnten wir uns, zusammen mit vielen anderen Wanderern, den Weg hinauf zum sogenannten „Big Beehive“ (großer Bienenstock), ein knubbeliger Felsvorsprung, der tolle Ausblicke auf den Lake Louise, und den gleichnamigen Ort mit seinem Skigebiet bietet.

Für die meisten Wanderer, endete hier der Aufstieg. Man kann entweder auf dem gleichen Weg zurück zum Lake Agnes laufen, oder auf der anderen Seite, direkt zum Lake Louise absteigen. Aber wir wollten weiter hinauf und zum Devils Thumb (Teufelsdaumen). Dieser Berg heißt nicht ohne Grund so, denn es handelt sich um einen von unten senkrecht aussehenden Berg, der hier ein bisschen isoliert in der Landschaft steht.

Blick zum Devils Thumb

Es dauerte auch nicht lange und wir mussten auf allen vieren klettern, um weiter hinaufzukommen.

Bisschen steil!

Ein schmaler Trail führte uns an einer Felswand entlang und wir bekamen Ausblick auf den Victoria Gletscher, welcher den Lake Louise speist. Ein wahnsinnig beeindruckender Anblick!

Dann folgte der letzte steile Abschnitt, es ging gefühlt senkrecht die Wand hoch, aber leider über rutschigen, sandigen, losen Erdboden. Wir hangelten uns an allem hinauf, was irgendwie fest erschien: Äste, Wurzeln, Felsen, und schließlich ging es dann über große Felsbrocken die letzten Höhenmeter hinauf auf des Teufels Daumenspitze. Von dessen Kante blickten wir hinab auf den Lake Agnes zur Linken, und den Lake Louise zur Rechten. Vor uns lag der Big Beehive, auf dem wir eben noch gestanden hatten, und in der Ferne Berge, Berge, Berge. Crazy!

Ausblick vom Devils Thumb

Und in unserem Rücken: noch mehr Berge und Gletscher. Für uns die mit Abstand schönste und spektakulärste Wanderung und Aussicht im Banff Nationalpark!

Eine Stunde verbrachten wir hier oben und staunten über die Landschaft. Wie immer, bekamen wir Gesellschaft von Chipmunks, die auf Krümel unserer Käsebrote hofften.

Dann begann der nicht so angenehme Teil: der Abstieg. Zum Glück hatte ich meine Gamaschen und Microspikes eingepackt, die halfen tatsächlich auch auf dem sandigen Erdboden, mehr Grip zu bekommen, und so schlitterten wir hinab, bis wir schließlich wieder auf dem Big Beehive standen und von dort runter zum Lake Agnes wanderten. Dort war es dann Zeit für eine heiße Schokolade mit Seeblick.

Und dann erfuhren wir noch, wofür der Heli da war, den wir schon am Morgen dort gesehen hatten. Der flog nämlich nun ein ums andere Mal über uns hinweg und transportierte an einem langen Seil Tonnen ab. Schnell war klar – der leert die Toiletten hier oben und transportiert die menschlichen Hinterlassenschaften irgendwo ins Tal. Na, lecker. Aber spannend anzusehen.

Die süße Trinkschokolade weckte noch ein paar Lebensgeister, so beschlossen wir, noch eine kleine Extrarunde zu drehen. Wir wanderten noch mal 2 Kilometer weiter, auf den Little Beehive. Dieser gab noch mal neue Ausblicke auf den türkisblauen Lake Louise frei, und wir blickten noch mal zurück auf den Big Beehive und den Devils Thumb.

Was für ein besonderer Fleck Erde!

Dann folgte der noch lange Abstieg ans Seeufer, wo uns die Massen wieder empfingen. Aber selbst der Slalom durch die Menschenmassen konnte uns heute nicht die Laune verderben. Was für eine geniale Tour und ein perfekter Tag!

Auch für diese Nacht zog es uns noch mal zurück auf den Overflow-Parkplatz, der uns von Tag zu Tag unsympathischer wurde, was natürlich an den Massen von Menschen lag, die sich hier drängten, und vor allem an den Mietcampern und Dickschiffen, die rund um die Uhr die Generatoren laufen hatten. Aber für die nächsten Tage hatten wir sowieso andere Ziele und Pläne außerhalb von Banff. Von daher hielten wir es dort noch mal gut aus, bevor es am nächsten Morgen wieder weiterging.

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

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2025 Blogbeiträge Kanada Nordamerika

Zwischen Trails, Werkstattstopps und Bisons – unterwegs nach Edmonton

Teil 7 unseres Roadtrips durch Kanada

31. August – 11. Septebmer 2025
britisch columbia & Alberta

Mountainbiking in Burns Lake

Wir blieben noch ein bisschen in British Columbia und erreichten als Nächstes die Stadt Burns Lake, die zwar den See im Namen trägt, jedoch an einem anderen See liegt, dem Kager Lake. Und an diesem wiederum gibt es einen Bikepark, den wir uns mal aus der Nähe anschauen wollten. Was das Beste war: Direkt am See und Bikepark, gibt es auch einen kostenlosen Campingplatz, mit schön angelegten, aber dennoch natürlichen Parzellen, Picknicktischen, Feuerstellen und den obligatorischen Plumpsklos.

Also perfekte Bedingungen, für ein gelungenes Wochenende.

Nach einer ruhigen Nacht schwangen wir uns am nächsten Morgen gleich auf die Bikes und machten uns auf, die Trails zu erkunden. Wir merkten schnell, dass diese alle schweinische Namen hatten: von Ferkel über Schwein & Bohnen, Schweinswolf oder auch einfach nur Schinken.

Sauschwänzlebahn
Wildschweinerei
Schwein & Bohnen

Genauso gut wie die Beschilderung, waren auch die Trails selbst angelegt, sodass wir mal wieder beide voll auf unsere Kosten kamen. Der Wald begann hier schon allmählich, sich herbstlich zu verfärben, eben genauso, wie man sich Biken in Kanada vorstellt.

MTB Burns Lake

Nachdem wir ordentlich ins Schwitzen gekommen waren (Lift gab’s hier nämlich mal wieder keinen), war der See zum Abkühlen nicht weit. Mit einem Bier in der Hand, gleich noch mal erfrischender.

🙂

Das war so lange spaßig, bis ich merkte, dass mich irgendwas am Bein kitzelte: Ein Blutegel bahnte sich gerade den Weg an mir hoch. Igitt! 🤢Danach war der Badespaß dann erstmal vorbei.

Den Abend verbrachten wir mit Grillen und beschlossen, noch einen zweiten Tag dort zu bleiben. Ich ging davon aus, um Fahrrad zu fahren, aber Christian wollte sich endlich mal unsere Dieselheizung vorknöpfen. Deren Reinigung und Wartung waren längst überfällig und da der Winter nicht mehr weit war, auch dringend nötig.

Also hieß es mal wieder: Alles aus dem Keller räumen, das Teil ausbauen, aufschrauben, reinigen, reinigen, reinigen, diverse Kleinteile austauschen, wieder zusammenpuzzeln und wieder einbauen. Das war auch genauso aufwendig, fummelig und kleinteilig, wie es klingt.

Geduldsmeister

Zudem stellte Christian fest, dass der Dieselschlauch, der die Heizung mit Treibstoff versorgt, porös war und einen Riss hatte – das erklärte dann wohl auch die Startschwierigkeiten der Heizung. Diese hatten uns in der Vergangenheit immer mal wieder Kopfzerbrechen bereitet. Da hatten wir des Rätsels Lösung und wussten nun, dass wir zeitnah Ersatz besorgen mussten. Während Christian sich also mit diesem dreckigen „Spaß“ beschäftigte und nebenbei auch noch den ebenfalls undicht gewordenen Auspuff der Heizung erneuerte und endlich unser neues Masseband einsetzte, machte ich noch mal alleine den Bikepark unsicher.

Wir wunderten uns beide über das trübe Wetter, denn eigentlich waren blauer Himmel und Sonnenschein vorhergesagt. Stattdessen sahen wir die Sonne nur als verschwommenen, orangenen Punkt am Himmel stehen. Eine kurze Onlinerecherche bestätigte unsere Befürchtung: Es waren mal wieder Waldbrände in BC und Alberta zugange, die die ganze Luft verpesteten. Daher wunderte mich abends auch nicht, dass ich so ein Kratzen im Hals hatte, das ist ein typisches Symptom bei der schlechten Luftqualität.

Qualm statt Sonnenschein

Der andere Nachteil an dem trüben Wetter war, dass wir nicht genügend Solarpower hereinbekamen. Somit mussten wir nach zwei Tagen an diesem schönen Ort weiterziehen, um unsere Batterien zu laden.

Prince George

So zog es uns weiter nach Prince George, die Stadt, in der wir auf dem Weg in den Norden schon mal einen Stopp eingelegt hatten, und unseren Steinschlag in der Windschutzscheibe reparieren ließen. Auch hier gab es einen Bikepark, den wir uns anschauen wollten, aber leider musste ich dann feststellen, dass das Kratzen in meinem Hals nicht vom Qualm in der Luft kam, sondern sich als eine schöne, dicke Erkältung herausstellte. Na danke!

Somit fiel der Bikepark flach und wir verbrachten zwei Tage in der Stadt, die ich zum Auskurieren und Christian zum Arbeiten nutzte. Naja. 🤧

Bevor es weitergehen sollte, schauten wir noch bei einer Reifenwerkstatt vorbei, denn es war mal wieder an der Zeit, unsere Reifen zu rotieren. Außerdem wollten wir bei der Gelegenheit gleich noch mal nach unserer immer noch kaum funktionierenden Handbremse und dem Quietschen, das seit dem Dempster Highway noch immer nicht ganz verschwunden war, schauen lassen.

Wir kamen gleich dran, die Reifen wurden rotiert und der nette Mechaniker schaute in unserem Beisein nochmal über die hintere Bremsanlage. Es gelang ihm, an der Handbremse etwas nachzujustieren, sodass diese nun tatsächlich wieder besser greift, und auch noch ein paar letzte Steinchen aus der Anlage herauszuholen. Schließlich war alles erledigt und wir wollten weiter und uns auf den Weg Richtung Alberta machen.

Beim Herunterbremsen an einer Ampel am Ortsausgang erklang dann plötzlich ein ohrenbetäubendes, schleifend-quietschendes Geräusch, bei dem mir sofort das Herz in die Hose rutschte. Christian hingegen blieb ganz ruhig und meinte, das wäre die Bremse des Sattelschleppers neben uns gewesen. Aber nein, das war unsere Bremse. Auch bei der nächsten Testbremsung erklang wieder das Geräusch, das ich kaum beschreiben kann, und wir drehten schnurstracks um und fuhren zurück zur Werkstatt.

Schnell war klar: Der Mechaniker hatte beim Zurückbau der Bremsanlage hinten rechts eine Schraube der Bremszange nicht richtig angezogen. Diese hatte sich gelöst und war schließlich herausgefallen, sodass die Bremszange beim Bremsen über die Scheibe gewandert war – was dieses schreckliche Geräusch ausgelöst hatte. Holy Shit! 🤯
Wir wussten bereits, dass diese Bremszangen selbst in Europa aktuell kaum zu bekommen sind und wenn, dann sehr teuer waren. Schrauben sind hier in Nordamerika auch immer so eine Sache, da hier oft keine metrischen Schrauben verwendet werden.

In dem Fall hatten wir aber Glück – eine passende Schraube konnte bei einem Baumarkt nebenan aufgetrieben werden und die Zange und Scheibe hatten keinen Schaden genommen. So wurde alles wieder zusammengesetzt, diesmal auch richtig angezogen, und nach ca. einer Stunde waren wir endlich abfahrtsbereit. Auf den Schreck hätte ich gerne verzichtet.

Nun konnte es aber endlich weitergehen.

Unterwegs nach Edmonton

Ursprünglich hatten wir geplant, von Prince George aus wieder in die Rocky Mountains abzubiegen. Aber durch meine blöde Erkältung war ich leider nicht fit genug fürs Wandern oder Mountainbiken. Außerdem stand unser Hochzeitstag vor der Tür und so beschlossen wir, die nächsten Tage in einer Stadt, statt in der Natur zu verbringen.

Wir nahmen Kurs auf Edmonton, die Hauptstadt der Provinz Alberta. Natürlich mussten wir dafür wieder einiges an Strecke machen – sonst wäre es ja nicht Kanada.

Nach einer unruhigen Nacht zwischen LKWs an einer Rest Area irgendwo entlang des Highway 1 fuhren wir am nächsten Morgen durch den Jasper-Nationalpark, wo der Himmel immer noch trüb war vom ganzen Qualm. Sehnsüchtig schaute ich auf die vorbeiziehenden Berge, aber Wandern war einfach nicht drin in dem Moment. Immerhin erspähten wir am Fahrbahnrand aber ein paar Mountaingoats, die ich immer wieder aufs Neue faszinierend finde.

Mountaingoats

Etwa 2 Stunden außerhalb von Edmonton fanden wir einen verlassenen Campingplatz, wo wir uns ein Plätzchen im Wald suchten, um dort noch einen Tag zu verbringen, bevor es weiter nach Edmonton ging. Während ich weiter darauf wartete, dass sich die Erkältung verzog, tauschte Christian noch erfolgreich den Dieselschlauch an unserer Heizung aus, die nun wieder perfekt ansprang. Somit waren wir jetzt bereit für den Winter.

Kein Wunder das da kein Diesel mehr ankam.

Kaum auf dem Campspot angekommen, parkte jedoch direkt neben uns ein Typ seinen Pickup mitsamt XXL-Wohnanhänger ein. So weit, so gut. Kaum begann es zu dämmern, packte er dann natürlich seinen Stromgenerator aus und platzierte ihn in unmittelbarer Nähe zu unserem Schlafzimmerfenster … Ein Déjà-vu!

Irgendwann gegen Mitternacht fragten wir mal freundlich an, ob er das Teil bald mal ausmachen könnte. Die Antwort fiel frostig aus: Nein! Er braucht Strom die ganze Nacht. Vor seinem Trailer lagen inzwischen schon mehrere leere Bierdosen und der Typ war auch wenig sympatisch, daher gingen wir weiteren Diskussionen aus dem Weg und parkten mitten in der Nacht noch mal um. Auch das gehört manchmal zum Vanlife. So hatten wir dann wenigstens eine ruhige Nacht und brachen am nächsten Vormittag auch schon auf nach Edmonton.

Edmonton

Edmonton ist, wie bereits erwähnt, die Hauptstadt der Provinz Alberta und hat rund 1,2 Millionen Einwohner. Davon merkten wir am Sonntagnachmittag jedoch nichts. Während entlang der schön angelegten Wege am Fluss, wo wir parkten, noch ein paar Spaziergänger und Sportler unterwegs waren, war die Innenstadt so gut wie ausgestorben. Man sah kaum jemanden auf der Straße, alle Läden waren geschlossen (was auch eher untypisch ist für Nordamerika), und die einzigen Leute, die wir sahen, waren offensichtlich obdachlose Menschen. Hm, nicht gerade ein prickelnder erster Eindruck.

Wir hatten zwei Museen herausgesucht, die wir uns anschauen wollten, und mussten dann leider feststellen, dass beide um 16 Uhr schlossen. Somit schafften wir nur noch den Besuch eines Museums, des Royal Alberta Museums, wo ebenfalls tote Hose war und uns gerade noch genug Zeit blieb, die dort gezeigte Orca-Ausstellung anzuschauen, bevor wir hinausgeworfen wurden.

Orca Ausstellung im RAM

Somit standen wir wieder auf den leeren Straßen von Edmonton Downtown, wo wir immerhin auf ein (dünn besuchtes) Street-Festival trafen, wo allerdings eine Wrestling-Show statt Livemusik geboten wurde. Andere Länder, andere Sitten, oder wie war das?

Wrestling hinter Gittern

Am nächsten Tag, unserem 13. Hochzeitstag, gaben wir der Stadt noch mal eine Chance und schlossen uns mal wieder einer Walking Tour an. Diese dauerte drei zähe Stunden, bot aber ehrlich gesagt auch nicht viel Spannendes. Die nette Führerin zeigte uns so „spannende Sachen“ wie die Einwanderungsbehörde, das Bürgeramt und ein paar schöne Murals. Außerdem erklärte sie uns, dass die Stadt gerade bemüht sei die Innenstadt zu beleben, die in den letzten Jahren wohl stark vernachlässigt worden war. So kam es uns auch vor. Immerhin gab es einen komplett neuen Ice-District mit einem brandneuen Eishockeystadium und entsprechenden Läden rundherum, aber auch hier schien außerhalb der Spiele eher tote Hose zu sein. Es fällt uns echt schwer, was Positives über die Stadt zu sagen. Zudem wird es hier im Winter bis zu -40 Grad kalt – einen Besuch im Winter können wir also erst recht nicht empfehlen.

Auf der Suche nach einem Eis, verliefen wir uns dann noch in eine ganz dunkle Ecke der Stadt und trafen auf ein Lager voller schwerst Drogenabhängiger, offensichtlich verwirrter und obdachloser Menschen. Gruselig, aber leider allgegenwärtige Realität in den meisten Großstädten Nordamerikas.

Zur Feier des Tages gönnten wir uns ein Bierchen in einer netten Brauerei abends die angeblich beste Pizza der Stadt (die erste seit Mexiko), die aber leider auch nicht so der Brüller war.

Naja, so bleibt der Gesamteindruck von Edmonton eher unterdurchschnittlich. Wir hoffen weiter, dass die restlichen Großstädte in Kanada da vielleicht mehr zu bieten haben. 

Elk Island Nationalpark

Zumindest war nach den zwei Tagen meine Erkältung gänzlich auskuriert und wir bereit für ein bisschen mehr Action. Von zwei Kanadiern, die wir bei der Walking Tour kennengelernt hatten, hatten wir erfahren, dass es ganz in der Nähe von Edmonton einen schönen kleinen Nationalpark gibt, Elk Island. Statt Elchen, wie der Name vermuten lässt, trifft man hier hauptsächlich auf Bisons. Und kaum hatten wir die Parkgrenze passiert, stand da auch schon die erste wilde Bisonherde parat.

Bisonherde

Das sind ganz schön riesige Oschis und auch die größten Landsäugetiere Nordamerikas! Bis zu 1.200 kg schwer kann so ein männlicher Bison werden. Und obwohl sie so behäbig aussehen, können sie bis zu 65 km/h schnell rennen. Also sollte man ihnen lieber nicht in die Quere kommen (auch wenn es reine Pflanzenfresser sind). Nach wenigen Metern lag dann auch ein stattlicher Bison direkt am Straßenrand.

Erfreulicherweise waren hier im Park mal wieder viele Wanderwege auch für Mountainbikes freigegeben. So zögerten wir nicht lange und schwangen uns auf die Räder, für eine gemütliche 22 km Runde um ein paar Seen und Felder, wo eigentlich weitere Bisonherden sein sollten. Aber die Kollegen hatten scheinbar gerade andere Pläne – wir trafen auf genau ein einziges Bison und sahen ansonsten keinerlei Getier. Naja. Schön war’s trotzdem mal wieder aktiv zu sein.

Weiter nördlich im Park legten wir noch einen Stopp an einem schönen See ein, der aber leider zum Baden gesperrt war, da hier ein Blaualgenproblem herrschte. Schade. So verlief unser Parkbesuch doch etwas kürzer als geplant, aber immerhin verabschiedeten uns noch zwei Bisons, bevor wir die Parkgrenzen hinter uns ließen und uns auf Stellplatzsuche machten.

Eindeutig ein Bulle!

Im Örtchen Bruderheim wurden wir schließlich fündig und fanden einen Parkplatz direkt an einem kleinen, ganz neu aussehenden Skatepark. Perfekt für Christian, so bekam der noch ein bisschen mehr Auslauf auf seinem Rollbrett.

Skater Boi

Türkische Hilfsbereitschaft in Edmonton

Nach einer ruhigen Nacht ging es am nächsten Vormittag noch mal zurück nach Edmonton, für einen Einkaufsstopp.
Kurzentschlossen fuhren wir dann noch mal bei einer Werkstatt vorbei, wir hatten nämlich einen Tipp bekommen, dass es hier Mechaniker geben sollte, die sich gut mit Ducatos auskennen. Und wir hatten ein sporadisches Geräusch, das wir gerne mal abklären lassen wollten. So landeten wir in der Werkstatt CRC Auto Repair, die von türkischen Auswanderern geführt wird, die sich auf deutsche Autos spezialisiert haben. Dementsprechend stand der Hof voller BMWs, Mercedes und Audis und nun auch ein Fiat Ducato.

Und tatsächlich, obwohl die Auftragsbücher und Hebebühnen voll waren, baten uns die netten Mechaniker, kurz zu warten. Scheinbar löste der Ducato Heimatgefühle aus, da die Jungs in der Vergangenheit viel an den Teilen geschraubt hatten und sich daher bestens auskannten.

Schließlich unternahm einer der Mechaniker eine Testfahrt, und kurze Zeit später lagen zwei weitere seiner Kollegen unterm Auto und fanden das Problem auch gleich: Das Gummi der Motorhalterung, die Motor und Getriebe stabil hält, war ausgeschlagen und dadurch das Ganze etwas locker. Zum Glück nichts Akutes, aber mittelfristig musste das Teil ausgetauscht werden. Ein schneller Check bei Chrysler brachte zutage, dass das Teil vom Ram Promaster vermutlich nicht passt. Daher mussten wir mal wieder das Ersatzteil in Europa bestellen. Aber da es ja nicht eilig war, kein Problem.

Als Bezahlung wollten die Jungs nicht mehr als einen Handschlag, und schon waren wir wieder auf der Bahn und bereit, Edmonton erstmal hinter uns zu lassen. Wir planten da aber schon, später vielleicht wieder hierherzukommen, da die Werkstatt und die Mechaniker wirklich einen super Eindruck machten. Da ahnten wir noch nicht, dass das Ganze mal wieder etwas komplizierter werden würde… Aber das war noch Zukunftsmusik.

Jetzt wollten wir aber endlich zurück in die Rocky Mountains!

Noch einmal verbrachten wir eine Nacht auf dem verlassenen Campingplatz, zwei Stunden außerhalb der Stadt, wo wir diesmal ungestört von Generatoren blieben, und am nächsten Morgen ging es dann schon in Wanderklamotten zurück zum Jasper-Nationalpark und endlich wieder in die Berge.

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

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2025 Blogbeiträge Kanada USA

Zwischen Seen, Bergen und Bären

Teil 6 unseres Roadtrips durch Kanada

19. – 31. august 2025
yukon, Alaska & British Columbia

Von Dawson City aus, machten wir uns auf den Weg zurück nach British Columbia. Aber so schnell ließ uns der Yukon natürlich nicht los – immerhin ist er 474.391 km² groß. Da wir durch die Aktion mit unseren Bremsen einiges an Zeit verloren hatten, fuhren wir an diesem Nachmittag nicht mehr allzu weit und fanden ca. eine Stunde außerhalb von Dawson City unverhofft einen mega schönen Platz an einem See.

Dort ließen wir uns bei schönstem Wetter nieder und waren für den Rest des Tages bestens damit unterhalten, die Biber zu beobachten, die im See hin und her schwammen und eifrig Stöckchen sammelten, um ihre Biberburg zu bauen. Was für ein Schauspiel!

Bis zum Einbruch der Dunkelheit saßen wir draußen und wären gerne noch ein bisschen länger hiergeblieben, aber der nächste Tag begann mit Regen. Somit zog es uns dann doch schon weiter und zurück nach Whitehorse, die größte Stadt des Yukon.

Whitehorse 2.0

Doch vor uns lag ein laaaanger Fahrtag, durch den gefühlt unendlichen Yukon, vorbei an Bäumen und Seen ohne Ende. Das Wetter war da wesentlich abwechslungsreicher: Von Regen, dichtem Nebel und schließlich Sonnenschein war alles mal dabei. Unterwegs passierten wir zwei Großbaustellen, sodass der Van schließlich wieder aussah wie nach dem Dempster. Na, danke!

An einer Baustellenampel trafen wir auf ein liegengebliebenes, älteres Wohnmobil, welches von einem schon sehr betagten Ehepaar gelenkt wurde. Der Mann bat uns um Überbrückungshilfe, obwohl seine Batterie neu war und im Cockpit des Wohnmobils alle Lämpchen an waren. Es sah also nicht nach einem Batterieproblem aus. Da es an der Ampel sowieso länger dauerte, halfen wir aber gerne aus und überbrückten das Fahrzeug – wie erwartet sprang die Kiste aber nicht an. Wir tauschten noch ein paar Ideen aus, kamen aber letztendlich nicht weiter. Schließlich kam das Pilotfahrzeug, welches Fahrzeuge hier durch die Baustelle manövriert, und rief einen weiteren Bauarbeiter zu Hilfe. Somit ging für uns die Fahrt dann weiter.

Gut eine Stunde später, bei einer Pipi-Pause an einer Rest-Area, holte uns das Ehepaar dann wieder ein – das Wohnmobil lief wieder. Der zu Hilfe gerufene Bauarbeiter hatte helfen können, offensichtlich hatte sich ein Kabel losgerüttelt – die beiden waren nämlich mit der Kiste auch den Dempster gefahren. Die beiden fuhren jedenfalls einen heißen Reifen und hatten uns dann alsbald auch schon wieder abgehängt.

Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich Whitehorse. Diesmal fühlte es sich ganz anders an, hier zu sein. Bei unserem ersten Besuch hier, auf dem Weg hoch in den Norden, war dies unser letzter großer Versorgungsstopp, mit großen Supermärkten und guter Infrastruktur und vielen ToDos. Wir waren „damals“ beide schon recht angespannt, in Erwartung dessen, was uns oben in Alaska und den Northwest-Territories alles Ungewisses erwarten würde.

Die Stadt war zwar inzwischen nicht schöner geworden, aber diesmal fühlte es sich für uns an, als kämen wir zurück in die Zivilisation. Wir waren beide erleichtert und hatten irgendwie das Gefühl, es geschafft zu haben. Das Abenteuer Hoher Norden war überstanden.

Wir bezogen auch diesmal wieder die kostenfreien RV-Plätze am Yukon-Fluss und verbrachten hier zwei Tage damit, einfach herunterzukommen, ein bisschen Sport zu machen und an ein paar Projekten zu arbeiten.

Moby muckt!

Am 23. August, Tag 1.500 unserer Reise, wollten wir dann eigentlich weiterziehen. Wir füllten unsere Vorräte und verpassten Moby noch mal eine ordentliche Wäsche – diesmal sogar mit Reinigungsschaum, der noch mal einiges an Dempster-Resten löste. Nach einem Tankstopp wollten wir dann nur noch fix was im Supermarkt besorgen und dann raus aus der Stadt. Aber Moby hatte mal wieder andere Pläne. Er sprang plötzlich nicht mehr an. Dasselbe Verhalten wie ein paar Wochen zuvor in Dawson City – alle Lichter gingen an, aber der Motor machte keinen Mucks. Dann erschien plötzlich die Anzeige: „Vorglühkerzen kontrollieren lassen“.

Wie bitte? 😲

Wir lasen den Fehlerspeicher des Steuergeräts aus und bekamen einen Fehlercode, der darauf hinwies, dass das Vorglühkerzenrelais eine Macke hatte. Wir recherchierten und suchten und fanden das Teil schließlich mal wieder äußerst schwer zugänglich verbaut.

Das Teil sah aber eigentlich gut aus, es war nur äußerlich nass, vermutlich durch die Autowäsche. Ob es dadurch zum Kurzschluss gekommen war? Mit dem Multimeter maß Christian das Teil durch, es schien so weit alles in Ordnung, Strom kam an. Wir recherchierten weiter und probierten und suchten, aber irgendwie kamen wir nicht weiter. Wir waren hier erstmal gestrandet – natürlich an einem Samstagnachmittag. Vor Montag würde keine Werkstatt aufhaben – und hinkommen würden wir ja auch nicht, ohne dass uns einer abschleppte. So hatten wir uns Tag 1.500 unserer Reise nicht vorgestellt. 😢

Dazu kam noch, dass wir quasi direkt vor einem Schild parkten, das besagte, dass man dort auf gar keinen Fall mit einem Wohnmobil über Nacht stehen darf. Na super.
Dies ließ sich mit dem netten Filialleiter des Supermarkts aber schnell klären. Der hatte zum Glück Verständnis für unsere missliche Lage und erlaubte uns, bis Montag dort zu stehen. Immerhin standen wir hier gerade und brauchten uns um Vorräte auch keine Sorgen zu machen. Haha. 🫠

Wir machten das Beste daraus und stießen dennoch auf 1.500 Tage Reise an – mit allen Höhen und Tiefen eben.

Cheers to 1.500 Tage Weltreise

Über Nacht arbeiteten unsere Köpfe weiter und am Sonntagmorgen kam uns die Erkenntnis, dass selbst mit defekten Glühkerzen und Relais der Van zumindest leiern müsste beim Anlassen. Ob es doch schon wieder der Anlasser war, der uns Probleme machte?

Christian friemelte weiter im Motorraum rum und ich tippte mir die Finger wund, auf der Suche nach der Lösung. Schließlich fand ich ein Ducato-Forum in Großbritannien, wo mir sehr findige Hobby-Mechaniker dabei halfen, das Problem zu identifizieren. Es dauerte einige Stunden und es ging mehrfach hin und her mit verschiedenen Tests und Messungen – schließlich fanden wir aber heraus: Wir haben kein Problem mit den Glühkerzen, dem Anlasser oder Feuchtigkeit im Relais – wir haben einen Massefehler!

Christian baute das Masseband, welches Strom vom Motor zum Anlasser bringt, aus, und siehe da: Das Ding war total oxidiert und die Schraube, welche den Stromkreislauf schließt, total verrostet und voller Schmodder. Da konnte ja gar kein Strom mehr fließen.

Die beiden Übeltäter

Ich besorgte im Autozubehör nebenan (der zum Glück am Sonntag geöffnet hat) einen passenden Reiniger, Christian machte alles sauber, baute es wieder ein und siehe da: Moby sprang an wie ’ne Eins! Als wäre nie was gewesen. 🙌

Die Fehlercodes waren auch verschwunden und unser somit Problem gelöst. Was für eine Erleichterung! Und ein Glück, dass uns das Problem nicht auf dem Dempster eingeholt hatte.
Sicherheitshalber blieben wir aber noch einen Tag länger in Whitehorse und bestellten auf Anraten meiner neuen Ducato-Freunde aus UK am Montagmorgen bei Chrysler ein neues Masseband, da das alte nach den Jahren jetzt doch schon ein bisschen gelitten hatte.

Immerhin waren wir jetzt wieder mobil und steuerten somit wieder einen etwas schöneren Stellplatz an, wo wir die Zeit nutzten, um nun auch endlich unseren Keller/Garage vom Dempster-Dreck zu befreien. Die Fahrräder und alles andere darin waren noch unter einer dicken Staubschicht begraben, der wir nun zu Leibe rückten.

Unser Kellerinhalt – ein 1000-Teile-Puzzle, das nur mein Mann lösen kann.

Nachdem dann die Bestellung für das Masseband getätigt war, hatten wir bis zu dessen Lieferung nun zwei Tage Zeit. Die wollten wir keinesfalls in Whitehorse verbringen, so zog es uns weiter in das ca. 1,5 Stunden entfernte Carcross.

Carcross & Umgebung

Den hübschen kleinen Ort ließen wir aber erstmal links liegen und bogen gleich zum Montana Mountainbike Park ab, der mega schön gelegen war.

Hier kamen die frisch gesäuberten Räder endlich mal wieder zum Einsatz.

Nach der erfolgreichen Ausfahrt suchten wir uns ein schönes Plätzchen oberhalb des Windy-Arm-Lakes. Der machte seinem Namen später am Nachmittag alle Ehre. Es wurde ganz schön windig, aber da wir geschickt geparkt hatten, konnten wir zumindest im Windschatten des Vans noch ein bisschen draußen sitzen und die schöne Umgebung bestaunen.

Haus am See

Als ich gegen Mitternacht aus dem Fenster schaute, traute ich meinen Augen erst nicht. War das eine besonders helle Wolke am Himmel, oder leuchtete da was? Und tatsächlich – wir sahen unsere ersten Polarlichter der Saison, direkt vor unserer Haustür.

Und auch der nächste Tag hielt eine Überraschung bereit. Ich saß lesend vor dem Van, als Christian plötzlich ganz aufgeregt von seinem Spaziergang zurückkam. „Anne, da liegt ein Bär vorm Van“. Und ich so: „Häh?“ Ich sah keinen Bären – bis ich aufstand. Da lag tatsächlich, keine 30 Meter von uns entfernt, ein zimtfarbener Schwarzbär im Gras und fraß genüsslich die Beeren, die dort wuchsen.

Der Bär bemerkte uns schließlich auch, ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen, sondern fraß weiter, bis scheinbar alle Beeren vertilgt waren. Dann erhob er sich und trottete gemächlich wieder ins Unterholz.

Bye bye Bärli

Crazy! Da fährt man wochen- und monatelang durch die Wildnis und hofft darauf, einen Bären zu sehen, und dann kommt der Kollege einfach zu uns, vor die Haustür. Allerdings machte uns von nun an jedes Rascheln im Gebüsch etwas nervös und wir gingen nicht mehr ohne unser Bärenspray vor die Tür. Aber der Bär ließ sich nicht mehr blicken und nach der zweiten Nacht an diesem schönen Platz, machten wir uns auf den Weg zurück nach Whitehorse, um unser Masseband abzuholen.

Doch nun legten wir erst noch einen Stopp im Örtchen Carcross ein. In Carcross haben sich zwei First Nations Stämme zusammengetan, daher sah man im (leider sehr touristischen) Ort jede Menge traditionelle Wandgemälde und Handwerkskunst.

Allerdings kamen mit uns zusammen sage und schreibe sieben (!) Busladungen voller Kreuzfahrt-Touristen an, die vermutlich in Skagway (Alaska) vor Anker lagen. Horror! Wie die Lemminge strömten die Touris aus den Bussen und schon mit gezückten Geldbeuteln in die kleinen Shops, um dort überteuerten Tant zu kaufen und die Wege zu verstopfen. Da hatten wir ausnahmsweise mal schlechtes Timing.

Dementsprechend fiel unser Spaziergang durch den Ort auch eher kurz und zügig aus. Am schönen kleinen „Stadtstrand“ hätte man es glatt noch länger aushalten können (so weit drangen die Kreuzfahrt-Touris auch nicht vor), aber es war noch immer ganz schön, windig und kühl. Somit begnügten wir uns mit einem Eis und fuhren dann schon wieder weiter.

Aber nicht, ohne kurz an der angeblich kleinsten Wüste Nordamerikas zu stoppen. Naja, vielleicht ist es auch einfach nur ein großer, unbebauter Sandkasten.

Carcross Desert

In Whitehorse nahmen wir unser neues Masseband in Empfang, besorgten noch ein paar Kleinigkeiten und dann ging es endgültig weiter gen Süden.

Zurück in British Columbia

Die Nacht verbrachten wir wieder mal irgendwo an einem Seeufer, bevor uns ein weiterer langer Fahrtag endlich zurück nach British Columbia brachte und gleich an den nächsten See.

Am Eddontenajon Lake konnten wir direkt bis an die Wasserkante vorfahren und wurden zudem mit dem perfekten Wetter begrüßt. Also zögerten wir nicht lange und sprangen rein ins Wasser – das deutlich kälter war als das Nordpolarmeer oben in Tuk. Aber was für eine Kulisse!

Auch der nächste Tag versprach sehr schön zu werden, und wir überlegten hin und her, ob wir nicht einen Tag lang bleiben sollten. Aber wir wollten unbedingt noch mal Bären beim Lachsfischen sehen und das Zeitfenster dafür schloss sich so langsam schon. Also rissen wir uns los und machten uns auf nach Stewart, dem kleinen Ort kurz vor Alaska.

Ausflug nach Alaska

Wieder führte uns die Straße vorbei am Bear Glacier, den wir diesmal viel besser sahen als bei unserem ersten Besuch.

Bear Glacier

Angekommen in Stewart, packten wir dann die Räder aus und radelten mal fix rüber nach Hyder, Alaska.

Wer sich nicht erinnert: Anfang Juli waren wir hier schon mal kurz mit dem Van und hatten gehofft, schon einen Bären zu sehen. Wir sahen auch einen Schwarzbären, aber nur am Straßenrand. Die Lachse waren damals noch nicht auf der Durchreise. Das war nun anders. Wir waren aber fast schon am Ende der Lachssaison, was die vielen Lachs-Leichen im Fluss deutlich machten (den bestialischen Gestank lasse ich mal unerwähnt).

Dennoch versuchten wir noch mal unser Glück am Fish Creek Wildlife Observatory. Als wir dort ankamen, ließ uns der zuständige Ranger gleich wissen, dass gerade zwei Grizzlies im Fluss stünden. Also Kamera raus und nichts wie hin. Und da waren sie dann. Mama-Bär und ihr schon nicht mehr ganz so Junges, die gemeinsam Lachse angelten.

Grizzlies beim angeln

Zwar waren die beiden relativ weit weg von uns, aber durch die Telelinse konnte ich genau beobachten, wie sie einen Fisch nach dem anderen aus dem Wasser zogen und entweder noch im Fluss verspeisten oder raus ans Ufer schleppten. So irre, das endlich mal live zu sehen!

Wir blieben, bis die beiden schließlich außer Sichtweite waren – erst dann wurde uns bewusst, dass wir ja gleich am Fluss entlang zurückradeln würden. Na, immerhin waren die beiden jetzt satt und hoffentlich nicht scharf auf menschlichen Nachtisch. 😅

Wir radelten also zurück Richtung Kanada und noch einmal durch den Ghost-Town Hyder, wo auch jetzt, in der Hochsaison, nichts los war.

Der kanadische Grenzbeamte nahm es dann wieder sehr genau – wobei wir diesmal, auf unseren Rädern ja zumindest keinen Eindruck von illegal einreisenden Gypsies machen konnten. Dennoch stellte er die üblichen Fragen zu unseren Reiseplänen, zur Aufenthaltsdauer, zum Arbeitgeber etc. und hieß uns dann erneut willkommen in Kanada. Jetzt bleiben wir aber auch erstmal hier!

Clements Lake

Nachdem wir die Räder wieder im Van verstaut hatten, steuerten wir dann den Stellplatz an, den wir schon bei unserem ersten Besuch entdeckt hatten und der bisher einer unserer liebsten Stellplätze in Kanada war. Und diesmal war es noch besser, da wir perfektes Sommerwetter hatten und auch kaum noch Mücken unterwegs waren. Wir ergatterten wieder den besten Platz direkt am Seeufer, mit Blick auf den Berg mit dem klangvollen Namen „Mount Shorty Stevenson“ und verbrachten hier zwei Tage mit Relaxen, Baden, Arbeiten und Sporteln.

Absolut genial.
Nur meine Joggingrunde musste leider ausfallen. Ich war gerade losgelaufen, als ca. 100 Meter vor mir ein Schwarzbär aus dem Unterholz kletterte. Äh, nein danke, da blieb ich dann doch lieber in Sicherheit rund um den Van. Auch wenn Schwarzbären eigentlich viel zu süß aussehen, um gefährlich wirken zu können. Darauf ankommen lassen, wollte ich es dann doch lieber nicht.

Zufällig stießen hier am zweiten Abend auch Donna und York wieder zu uns, die beiden Ostkanadier, die wir in Inuvik kennengelernt hatten. Kanada ist eben doch ein Dorf!

Nach der zweiten Nacht rissen wir uns dann aber auch hier wieder los – da warteten noch ein paar Bikeparks auf uns, die wir schon lange auf der Liste hatten.

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

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