Teil 13 unseres Roadtrips durch Kanada
27. Oktober – 4. Dezember 2025
British Columbia
Housesitting 2.0
Nachdem wir uns entschlossen hatten, den kompletten Herbst und zumindest einen Teil des Winters in Kanada zu verbringen, war uns schnell klar, dass wir in dieser Zeit aber nicht zu 100% im Van sein würden. Denn schon der Herbst kann frostig kalt werden hier oben – und der Winter natürlich erst recht. Selbst im Westen von Kanada sind in einigen Regionen Temperaturen von bis zu -30 Grad keine Seltenheit. Und das ist dann kein Camper-Wohlfühlwetter mehr. Die kostengünstigste und in meinen Augen auch schönste Art, dieses Kälte-Problem zu umgehen, ist: Housesitting. Das hatten wir ja schon in Mexiko City mal gemacht – und natürlich auch im Hotelito, in Puerto Escondido.
Nun wollten wir aber weiterhin in den Rockies bleiben und machten uns daher auf die Suche nach passenden Sits – und wurden fündig. Im charmanten kleinen Ort Golden, inmitten der Rocky Mountains, fanden wir ein hübsches Häuschen mit einem süßen Border-Collie-Australian-Sheppard-Mix, auf den wir ganze fünf Wochen lang aufpassen durften, während die Besitzer, Katie und Vincent vereist waren.
Hier erfüllte sich tatsächlich mal wieder ein kleiner Traum, vom Leben in den winterlichen Bergen, mit unzähligen Outdoor-Möglichkeiten und unseren geliebten Nationalparks direkt vor der Tür. Wie winterlich es werden würde, ahnten wir da noch nicht.
Aber überzeuge dich selbst:
Ankunft in Golden
Ende Oktober kamen wir zurück nach Golden – hier hatten wir schon im Sommer mal ein paar Stunden verbracht, diesmal kamen wir in dem Wissen, dass wir länger bleiben würden.
Die Anfahrt zog sich etwas, unter anderem wegen diverser Baustellen, aber auch wegen der Zeitumstellung, zurück in die ‚Mountain Time‘. Dabei waren wir noch immer in der gleichen Provinz, B.C. Diese Zeitzonen verwirren mich jedes Mal aufs Neue.
Am Abend waren wir direkt bei unseren Gastgebern eingeladen. Wir lernten Katie, Vincent und natürlich Loki kennen – einen erst 1,5 Jahre alten, sehr energiegeladenen Bordercollie-Mix.

Vincent ist gelernter Koch, entsprechend gut wurden wir dort versorgt. Ein ziemlich perfekter Einstieg.
Am nächsten Morgen nutzten wir die Zeit bis zur nächsten Verabredung für eine erste kleine Wanderung über die CBT-Trails. Das sind eigentlich fürs Mountainbiken gedachte, angelegte Trails am Ortsrand. Aber es war so kalt, dass weder uns noch sonst jemandem nach Fahrradfahren zumute war (da ahnten wir noch nicht, dass wir einige Tage später bei wesentlich kälteren Temperaturen unterwegs sein würden – inkl. Hund).
Dafür war es sonnig und ruhig und die Aussicht stimmte auch.




Unsere Vorfreude auf die kommenden Wochen wuchs weiter. Am Nachmittag folgte dann der erste Spaziergang mit Loki. Vincent begleitete uns und zeigte uns seine Standard-Spazierrunde und erklärte die Kommandos, die wir mit Loki weiter trainieren sollten. Die Nacht verbrachten wir im Van vor dem Haus, denn am nächsten Morgen begann offiziell unser Housesit.
Hund, Haus & Berge
Nachdem Katie und Vincent in ihren Urlaub gestartet waren und die Putzfrau das Haus aus Vordermann gebracht hatte, übernahmen wir Haus und Hund komplett. Im Haus fühlten wir uns sofort wohl. Ein kleines Traumhaus, ehrlich gesagt. Das hätten wir so wie es ist auch sofort genommen. 😉




Loki gewöhnte sich schnell an uns – und wir hatten ihn ohnehin sofort ins Herz geschlossen. Während er drinnen der reinste Engel war, drehte er draußen richtig auf und war noch ziemlich wild, Teenager eben, aber mit konsequentem Training bekamen wir das mit der Zeit gut in den Griff.




Unsere Tage bekamen schnell eine feste Struktur: Spaziergänge mit Loki, Arbeiten an unseren Online-Projekten, dazwischen immer wieder Blicke vom Balkon auf die umliegenden Berge und das gegenüberliegende Skigebiet „Kicking Horse“. Allein für diese Aussicht hat sich dieser Housesit schon gelohnt. Einfach traumhaft!


Bei den täglichen Gassirunden lernten wir die Umgebung immer besser kennen und fanden immer neue Wege und Trails direkt vor der Haustür.
Annes erster Winter-Geburtstag
Am 4. November stand der erste Wintergeburtstag meines Lebens an. Sonst war ich zu diesem Anlass ja lieber in wärmere Gefilde geflüchtet. Mein Wunsch dieses Jahr war: eine Winterwanderung. Davor gab es allerdings noch eine Überraschung um Mitternacht – eine Eistorte. Genau meine Art Geburtstagstorte.

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Morgen, packten wir dann alles zusammen, inklusive Loki, und machten uns auf den Weg in den nur ca. 45 Minuten entfernten Banff Nationalpark. Ziel war der Boom Lake Trail. Schon auf der Fahrt nahm der Schnee links und rechts der Straße immer mehr zu. Am Trailhead angekommen, war alles weiß, also richtig weiß. Winter-Wonderland pur. Ich bekam den Mund kaum zu.

Die Wanderung selbst war technisch nicht besonders schwierig und der Trail relativ flach, aber durch die Schneelandschaft unglaublich schön. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und etwa minus zehn Grad. Ein absoluter Wintertraum – an meinem Geburtstag!



Am Boom Lake angekommen, waren wir ganz alleine. Der See lag ruhig zwischen den Bergen, leider kam die Sonne dort schon nicht mehr drüber.





Aufgrund der eisigen Temperaturen fiel die Pause aber recht kurz aus und dann ging es auch schon wieder zurück zum Van und ab nach Golden – die Eistorte wartete schließlich noch.
Abends wollten wir eigentlich essen gehen, doch das ausgesuchte Restaurant hatte ausgerechnet an diesem Abend außerplanmäßig geschlossen. Schade. Und sonst war die Restaurant-Auswahl in dem kleinen Ort nicht besonders prall. Stattdessen machten wir es uns dann vor dem Kamin gemütlich – es hätte schlimmer sein können.
Schnee & Mountainbiken in Golden
Am Tag nach unserem Banff-Ausflug kam der Schnee dann auch direkt in Golden an. Sehr zur Freude von Loki, der Schnee liebt. Passend dazu kam auch meine Winterausrüstung an, bestehend aus warmen Schneeboots und einem wasser- und Lokifesten Regenmantel (der biss uns nämlich gerne mal in die Kleidung), sodass langen Schneespaziergängen nichts mehr im Weg stand.




Zwischen Spaziergängen und Arbeit nutzten wir die schneefreien Tage für die ersten Mountainbike-Runden über die CBT-Trails und die zahlreichen Trails hinter unserem Haus. Wir fanden ein echtes Mountainbiker-Paradies vor. Matschig, rutschig, aber genial.



Nachmittags probierten wir dann Mountainbiken mit Hund – was überraschend gut funktionierte. Kein Wunder, Lokis Besitzer gehen fast täglich mit ihm auf die Piste. Endlich schafften wir es, Loki wirklich müde zu bekommen. Dieser Hund hat eine unfassbare Energie.



Die nächsten Wochen waren geprägt von viel Bewegung mit Loki. Unsere 8 km langen Joggingrunden zum Confluence Park, wo zwei Flüsse ineinander fließen, beeindruckten ihn aber herzlich wenig.



Lange Spaziergänge und Mountainbike-Touren hielten ihn und uns aber gut beschäftigt. Parallel nahmen einige unserer Projekte wieder Fahrt auf, sodass wir die Zeit zwischen den Sporteinheiten viel am Arbeiten waren. So vergingen die Wochen erstaunlich schnell.
Schneeschuhwandern & unser erstes Mal Langlauf
Am 19. November erfüllten wir uns einen lang gehegten Wunsch: Schneeschuhwandern. Das haben wir bis jetzt beide nur einmal in der Antarktis gemacht.
Schneeschuhe liehen wir uns in Golden und fuhren zum Lake-O’Hara-Parkplatz, im 40 Minuten entfernten Yoho Nationalpark. Von dort ging es auf den Great-Divide-Trail, der den Yoho Nationalpark mit dem Banff Nationalpark verbindet – im Spätsommer waren wir diese Strecke noch bei schönstem Wetter mit dem Fahrrad gefahren.

Neben der frisch gespurten Langlaufloipe stapften wir durch tiefen Schnee. Anstrengend, aber richtig gut.



Einige Abzweigungen zu weiteren Seen waren noch nicht ausreichend verschneit, also blieben wir auf der zugeschneiten Straße, kamen aber trotzdem voll auf unsere Kosten.
So sehr, dass wir beschlossen, am nächsten Tag direkt wiederzukommen – diesmal mit Langlaufskiern.
Wir hatten in jeglicher Hinsicht Glück mit unserem Housesit, denn Katie und Vincent hatten uns sogar ihre Langlaufskier hinterlassen, was uns eine Menge Leihgebühren sparte. Für mich war es das erste Mal überhaupt auf Skiern, ich bin ja sonst überhaupt kein Wintersportler, geschweige denn Winter-Fan. Christians letzte Langlaufversuche lagen auch bereits 4 Jahrzehnte zurück. Optimismus war trotzdem ausreichend vorhanden – zumindest bei ihm.
Auf dem Weg Richtung Lake Louise passierte dann allerdings wieder etwas, das uns in Zukunft noch öfter beschäftigen sollte: Moby ging am Berg plötzlich in den Notlauf. Wir hielten an und lasen den Fehlerspeicher aus. Das Motorsteuergerät hatte einen zu hohen Druck vom Turbolader bemängelt. Da es aber ein „Signal-Calculation-Fehler“ war, musste die Ursache nicht unbedingt ein defekter Turbo oder ein anderes Bauteil sein, sondern konnte vielmehr in der Software des Steuergerätes liegen. Laut unserer Recherche zum Glück nichts Akutes und Bedrohliches. So konnten wir den Fehler löschen und weiterfahren – auch wenn mir dabei ehrlich gesagt nicht ganz wohl war. Das Ganze weckte Erinnerungen an unsere massiven Probleme in den USA.
Doch wir kamen ohne weitere Probleme und Auffälligkeiten an unserem Ziel an. Wieder starteten wir im Yoho Nationalpark und schnallten dort die Skier an. Was für ein irres und lustiges Gefühl, zum ersten Mal im Leben auf (Langlauf-)Skiern zu stehen. Ich hab‘ mich fast bepisst vor Lachen.

Aber tatsächlich meisterte sogar ich den Langlauf auf Anhieb. Naja, also ich kam zumindest voran.

Die Great Divide Road ist recht flach und somit perfekt zum Üben. Die ersten Abfahrten sorgten bei mir für leichte Panik, es wurde aber schnell besser. Es kam mir vor, als wäre ich bergab rasend schnell gewesen, die GPS-Aufzeichnung zeigte knapp 12 km/h. Haha. Trotzdem: Weder Knochen noch Ski waren gebrochen, somit verbuchten wir diesen Tag als Erfolg.

Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher zum Lake Louise, der zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht zugefroren war. Ganz ohne Menschenmassen, so wie sonst im Sommer, war der See und seine Kulisse dennoch beeindruckend.

Zurück in Golden wartete Loki schon ungeduldig auf seine Runde und nahm auf unsere müden Beine keine Rücksicht.

Great Divide 2.0
Eine Woche später ging es erneut zum Langlaufen, diesmal vom oberen Ende der Great Divide, also aus dem Banff Nationalpark startend. Dort lag noch viel mehr Schnee. Exakt zwei Monate zuvor, sind wir hier noch mit kurzen Sachen langgeradelt:


Die Loipe war frisch gespurt und es lief immer leicht bergab, somit kamen wir noch besser voran. Ich wurde mutiger und landete natürlich prompt dreimal auf dem Hintern, was dem Spaß keinen Abbruch tat.




Ich hätte nie gedacht, dass wir mal zusammen Wintersport betreiben. Eine neue persönliche Höchstgeschwindigkeit habe ich auch geschafft. 14 km/h. Olympia, ich komme!

Ganzkörper-Muskelkater war übrigens inklusive. Gar nicht so ohne, dieser Sport.
Nur zwei Tage später fuhren wir schon wieder nach Lake Louise. Es hatte noch mal Neuschnee gegeben und wir wollten unbedingt noch mal eine Schneeschuhtour machen. Diesmal wanderten wir nur einen kleinen Teil der Great-Divide-Straße und bogen dann zum Ross Lake ab.
Bei minus zehn Grad gefror mir nach wenigen Minuten das Wasser im Trinkschlauch. Der Fail des Tages! Zum Glück hatte ich noch heißen Tee dabei.
Erneut fanden wir uns im Winter-Wonderland wieder. Diesmal aber so richtig. So. Viel. Schnee!



Dabei hatte der Typ im Verleih noch angezweifelt, ob es sich überhaupt lohnen würde, mit Schneeschuhen loszugehen. Für die Kanadier ist das hier alles noch nichts. Aber wir haben beide noch niemals so viel Schnee gesehen. Es war einfach wunderschön – selbst für Winter-Skeptiker wie mich.


Der Ross Lake war natürlich komplett zugefroren und zugeschneit, sodas wir auch darauf rumlaufen konnten.

Wir legten dort eine Pause ein und erkundeten noch einen Backcountry-Trail, wo uns irgendwann ein Skitourer begegnete. Für Wintersportler ist das hier echt das Paradies.



Zeitlich mussten wir uns dann etwas beeilen – Loki wartete zu Hause. Aber einen Abstecher zum Lake Louise genehmigten wir uns noch. Und schon wieder wurden wir überrascht: Der riesige See war nun komplett zugefroren. 8 Tage zuvor, war hier noch nichts von Eis zu sehen gewesen. Und jetzt konnten wir auf der Eisfläche herumlaufen. Wahnsinn!



Technikkram & Abschied
Neben all dem Draußensein wurde auch geschraubt. Christian nutzte die Zeit und verkabelte unser Starlink Mini endlich ordentlich, baute alte Halterungen aus und neue ein und kümmerte sich um andere Kleinigkeiten, wie frische Silikonfugen und sowas.
Irgendwann machte dann die Dieselheizung Probleme: Der Lüfter wurde extrem laut, vermutlich war das Lager über die Wupper gegangen. Das passende Ersatzteil für unsere russische Heizung war natürlich in Kanada nicht verfügbar, die Kommunikation mit dem Hersteller (mittlerweile in Litauen) zäh. Aber immerhin lief sie noch und würde hoffentlich durchhalten, bis das Ersatzteil aus Europa ankam.
Auch mein Mountainbike war mal dran, meine versenkbare Sattelstütze verweigerte nämlich ihren Dienst – beim Entlüften der Sattelstütze zeigte sich, dass ein professioneller Service wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen sollte. Hach ja, es wird eben nie langweilig bei uns.
In unserer letzten Woche wurde es deutlich kälter, der Schnee blieb dauerhaft liegen, wenn auch leider nur sehr wenig. Mountainbiken fiel daher aus, dafür gab es umso mehr lange Gassirunden mit Loki.




Wir testeten außerdem endlich mal die lokale Whitetooth Brewery und waren ehrlich begeistert. Wirklich gutes Bier.


Schließlich neigte sich unsere Zeit in Golden dem Ende zu. Die Zeit war viel zu schnell vergangen.
Aber wir bekamen kurzfristig zwei Tage Verlängerung, da Vincents Rückflug aus den Northwest Territories wetterbedingt ausfiel – dort herrschten Temperaturen um -30 Grad und Schneesturm. Und bei dem Wetter arbeitete er dort als Industriekletterer, draußen an irgendwelchen Gerüsten. Crazy!
Schließlich kam er doch noch an, wir machten Haus und Van wieder bereit und verabschiedeten uns schweren Herzens von Loki und diesem besonderen Ort.

Fünf Wochen Golden fühlten sich für uns wie ein kleiner Wintertraum an – auch wenn es für die Kanadier noch gar kein richtiger Winter war. Für uns war es der bisher schönste Winter – und er war ja noch lange nicht zu Ende.
Jetzt ging es aber erstmal wieder zurück ins Vanlife und direkt weiter ins nächste Winter-Wonderland – das dachten wir zumindest.
Aber dazu dann demnächst mehr. 😊
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