Blogbeiträge
Westküste, Wein & Wanderungen
Teil 16 unseres Roadtrips durch die USA
21. Januar – 5. Februar 2026
Nach unserer schönen Zeit in Kanada ging es wieder zurück in die USA – und damit auf die nächste Etappe unseres Roadtrips, die wieder mal sehr abwechslungsreich daherkam. Von verregnetem Regenwald im Olympic Nationalpark, über spektakuläre Küstenabschnitte entlang des Highway 101, entspannte Tage im Weingebiet und mehrere spektakuläre Wanderungen im Yosemite Nationalpark war wirklich alles dabei. Vor allem Letzteres hatte es mal wieder in sich – inklusive Schnee, Eis und ordentlich Höhenmetern. Aber lest selbst…
Back in the USA
Unsere Fähre legte im kleinen Ort Port Angeles an. Nachdem wir vom Schiff runter waren, mussten wir noch kurz an einer Art Checkpoint halten – hier fragte uns ein Beamter, wo wir herkommen und ob wir frisches Obst, Gemüse, Fleisch etc. dabeihätten. Das konnten wir verneinen, und so waren wir nun wirklich wieder zurück auf US-amerikanischem Boden.
In Port Angeles hielten wir uns nicht lange auf: Einkaufen und ein Besuch im Visitor Center für den Olympic Nationalpark standen auf dem Programm. Gut versorgt mit allen Infos suchten wir uns dann, bei Regen, einen Platz für die Nacht, um am nächsten Tag zeitig in den Nationalpark zu starten.
Olympic Nationalpark
Nach einer verregneten Nacht fuhren wir am mehr oder weniger komplett vernebelten Lake Crescent vorbei – wandern machte dort bei diesem Wetter keinen Sinn, auch wenn für eine Sekunde ein Regenbogen zu sehen war.


Also ging es direkt weiter in den Olympic Nationalpark, welcher vor allem für seine außergewöhnliche Vielfalt an Landschaften – von moosbedecktem Regenwald über zerklüftete Pazifikküste bis hin zu schneebedeckten Berggipfeln – bekannt ist.
Tatsächlich lag aktuell auch ordentlich Schnee auf den Bergen, aber leider so viel, dass man nur mit Schneeketten hochfahren durfte. Die haben wir leider nicht an Bord, also knickten wir die Berge und steuerten stattdessen direkt den Hoh Rainforest an.
Dort erwischten wir eine Regenpause und liefen zwei kurze Loops durch den wunderschönen Wald. Die Bäume hingen hier voller Moosflechten, die im Wind wehten. Das sah echt irre und total mystisch aus. Mega schön – da störte auch der wieder einsetzende Nieselregen kaum.






Eine weitere verregnete Nacht später sah die Vorhersage endlich besser aus – sogar Sonne sollte dabei sein.
Also machten wir uns auf den Weg zur Küste und landeten zuerst am Rialto Beach. Dort führte eine kurze Wanderung, teilweise über riesige, umgestürzte Bäume, zu tollen Felsformationen und dem „Hole in the Wall“ – was genau das ist: ein Loch im Fels und ein super Fotomotiv.







Dank Ebbe konnten wir den Weg mit nur einmal Klettern über die riesigen Baumstümpfe gut bewältigen und fanden in den kleinen Tidepools rund um die Felsen allerhand bunte Meeresbewohner wie Anemonen, Muscheln und Seesterne. Mega schön.






Und wie vorhergesagt kam sogar die Sonne durch – also ging es gleich weiter zum nächsten Beach.
Wir fuhren weiter die Nationalpark-Küstenstraße entlang und schauten uns drei weitere Strände an, die zur Kalaloch-Region gehören. Hier hätte man vermutlich stundenlang am Strand entlanglaufen können – ein Strand war schöner als der andere.






Am zweiten Beach konnte man wieder ein kleines bisschen klettern und schließlich kamen wir auch am Tree of Life vorbei – einem Baum, der sich mehr oder weniger in der Luft hält. Irgendwann in den 50ern brach die Erde unter ihm ab und nun hängt er dort und lebt dennoch irgendwie weiter. Schon faszinierend.

Aberdeen – auf den Spuren von Nirvana
Wir ließen den Nationalpark hinter uns und landeten für die Nacht in Aberdeen, wo wir an einem Park stehen konnten und sogar noch dazu kamen, etwas Sport zu machen.
Durch Zufall entdeckten wir, dass Aberdeen ja die Heimatstadt von Kurt Cobain ist und sein Elternhaus und „Denkmal“ quasi um die Ecke lagen. Das mussten wir uns natürlich anschauen.
Auf dem Weg dorthin kamen wir an einigen ziemlich tristen Ecken vorbei – kein Wunder, dass Kurt den Grunge erfunden hat. Aberdeen ist nun wirklich keine schöne Stadt.
Kurts Denkmal steht an einer Brücke am Wishkah River, wo er angeblich manchmal saß, um zu texten.



Es gibt auch ein Nirvana-Album, welches den entsprechenden Titel trägt. Wie gesagt, da wundert einen nichts mehr. Alles war doch recht abgerockt, voller Graffiti und der ein oder anderen Spritze – passt ja wiederum ganz gut.



Sein Elternhaus steht zwei Blocks weiter, auch das schauten wir uns an. Dieses wurde restauriert und ist heute nicht bewohnt – eine Plakette vorm Haus erzählt von seinem einstigen berühmten Bewohner.



Für uns ging es anschließend in den Walmart und dann schnell wieder raus aus der tristen Stadt.
Oregon Coast & Highway 101
Wir verließen den Bundesstaat Washington und erreichten über die Küstenstraße 101 das schöne Oregon. Einen Teil der Küste waren wir bereits auf unserem Weg in den Norden abgefahren, mussten damals aber aufgrund von Zeitmangel zum Beispiel Cannon Beach auslassen – das holten wir jetzt nach.
Der charmante kleine Ort gefiel uns ganz gut. Wetterbedingt war nicht allzu viel los, aber wir können uns gut vorstellen, wie schön (und voll) es hier im Sommer sein muss.



Natürlich legten wir auch einen Stopp am berühmten Haystack Rock ein, einem großen, eigentlich unscheinbaren Felsen, der am Strand thront. Bei Ebbe zeigen sich die vielen kleinen Tidepools, die ihn umgeben und die offiziell als Marine Garden gelten – daher war auch Betreten verboten, es sei denn, man ist ein Vogel.

Komische Vögel sind wir zwar, dennoch zogen wir weiter, ohne über die Steine zu klettern.
An einem Casino direkt am Meer fanden wir einen Stellplatz für die Nacht – sogar mit Meerblick. Am nächsten Morgen spazierte ich kurz an den Strand und war überrascht, wie schön und endlos lang dieser war. Fußduschen gab es auch, also testete ich zum ersten Mal in diesem Jahr den Pazifik – ganz schön kalt.




Der Morgen war perfekt und so spazierten wir bei herrlichem Sonnenschein noch ein Stück am Strand entlang, bevor es auch schon wieder weiterging.
Über den wunderschönen Küstenhighway 101 ging es weiter und wir mussten immer wieder anhalten, weil die Aussicht einfach zu schön war. Wahnsinn.



Für das Blowhorn hatten wir leider die falsche Tageszeit erwischt, bei Ebbe blowte da nix, aber dafür entschädigten die übrigen Aussichten.

Zur Krönung des Tages fanden wir kurz vor Sonnenuntergang einen spektakulär schönen Platz direkt am Meer. Wir suchten minutenlang nach dem Parkverbotsschild, weil wir gar nicht glauben konnten, dass wir hier „wohnen“ können, aber es gab tatsächlich keins. Wir wurden mit einem traumhaften Sonnenuntergang verwöhnt und verbrachten eine ruhige Nacht an diesem schönen Ort.



Napa Valley
Wir verließen die Küste vorerst und erreichten schließlich unser nächstes Ziel, das berühmte Napa Valley.
Im Vorort Clearlake fanden wir einen ruhigen Stellplatz an einem Trailhead, wo uns am nächsten Morgen die Sonne weckte und wir zum ersten Mal 20 Grad hatten. Genial. Das fühlte sich nach dem langen, nassen Winter wirklich gut an.

Wir nutzten die Gelegenheit direkt für Sport und um uns ein bisschen umzuschauen, bevor es mittags dann Richtung Winery ging.
Ein US-amerikanisches Paar aus dem Lake County, das wir bei einer Weinprobe auf Vancouver Island getroffen hatten, hatte uns einige Tipps für die Region gegeben und uns vor allem empfohlen, das überteuerte Napa Valley selbst zu meiden und stattdessen ein paar Weingüter im Lake County auszuchecken. Denn 80 % der dort angebauten Trauben werden ans nebenanliegende Napa Valley verkauft und in deren Weine „verschnitten“. Die Qualität ist somit hervorragend, die Preise aber wesentlich erschwinglicher. Im Napa Valley selbst werden für Weinproben gerne mal 100–150 USD aufgerufen – definitiv nicht unsere Preisklasse und einfach frech.
So landeten wir bei zwei Empfehlungen der beiden, zuerst bei Six Sigma Ranch and Winery, einem Weingut und einer Rinderfarm, auf deren Areal man auch Mountainbike fahren, wandern und „glampen“ kann. Die Weinreben waren natürlich alle noch kahl, im Sommer ist es bestimmt noch mal schöner, aber auch so gefiel uns das kleine Weingut gleich sehr gut.



Wir wurden nett empfangen und beraten und durften für 20 USD pro Nase fünf tolle Weine probieren, die so schöne Namen wie Else, Marianne und Christian trugen.

Es hätte auch Touren in einem echten Pinzgauer gegeben, aber wir waren ja für den Vino da. Beim Kauf einer Flasche wurde der Tastingpreis erlassen, so wanderte eine Flasche Sauvignon Blanc in unseren Bestand. Ein toller Start. Praktischerweise gab uns die nette Dame, die die Verkostung mit uns machte, noch weitere Tipps für Weingüter und sogar Gutscheine für kostenlose Proben. Genial.
Wild Diamond Vineyards, die nächste Winery, die wir sowieso besuchen wollten, war auch dabei. Dort bekamen wir nun ein kostenloses Tasting von fünf ebenfalls sehr guten Weinen, mit herrlicher Aussicht, da dieses Weingut auf einem kleinen Hügel liegt, der die gesamte vulkanische Landschaft rundherum überblickt. Wunderschön.



Auch hier war die Betreuung sehr individuell und nett – Gastgeben können die Amis einfach.
Für die Übernachtung fuhren wir ein Stück weiter Richtung Napa und landeten, mal wieder, an einem Casino im kleinen Örtchen Middletown.
Wir erreichten den Ort Napa im gleichnamigen Valley. Hier drehte sich natürlich alles um Wein und um gut betuchte Touristen – das war gleich zu sehen. Wobei wir außerhalb der hübsch hergerichteten Innenstadt vor allem auf Mexikaner trafen. Auf dem Walmart-Parkplatz wurde neben uns im Kofferraum Nopales (Kaktus) geschält und verkauft, und im Autozone, wo wir unsere Leih-Schneeketten für Yosemite abholten, wurden wir quasi auf Spanisch bedient.
Bevor wir uns die Innenstadt anschauten, fuhren wir noch bei Midas vorbei, der nordamerikanischen Version von ATU, wo wir unsere quietschenden Bremsen checken ließen und das knackende Geräusch, das uns seit dem letzten Tag in Kanada begleitete. Unsere Befürchtung bestätigte sich: Das Domlager auf der linken Seite war fällig. An sich kein großes Ding, normaler Verschleiß, aber leider kostet in den USA allein die Arbeitszeit dafür 1000 USD. Autsch! 😣 Na ja, akut war es zum Glück nicht, und wir müssen eh erst die Teile bestellen. Also ein Zukunftsproblem.
Bei den Bremsen war zum Glück alles in Ordnung, dennoch mussten wir schlucken, als wir für den kurzen Check 140 USD bezahlen mussten. Noch mal autsch. USA ist wirklich kein Spaß mit kaputtem Auto.
Jetzt waren wir aber bereit, uns Napa selbst mal anzuschauen. Die hübschen Straßen verlockten alle fünf Meter dazu, sich hinzusetzen und etwas Leckeres zu trinken oder zu essen, die Boutiquen waren ebenfalls schön – und teuer. Also blieb es für uns beim Gucken und dann schnell weiter.




Yosemite Nationalpark 3.0
Nach einer Zwischenübernachtung erreichten wir am Sonntag endlich wieder einen meiner liebsten Orte auf der Welt: den Yosemite Nationalpark.
Wir nutzten den Nachmittag, um uns Informationen für unsere geplanten Wanderungen einzuholen, drehten eine kleine Runde durch das Valley und bezogen dann schließlich unseren vorab gebuchten Campspot auf dem Upper Pines Campground. Dort sah es ganz schön wüst aus – zwei Wochen zuvor war ein fetter Winter-Blizzard über das Valley gezogen und hatte jede Menge Schnee und dadurch auch Schneebruch gebracht. Zeitweise waren der Park und die Campgrounds sogar gesperrt gewesen, da überall Bäume quer lagen. Es lag auch immer noch eine ganze Menge Schneematsch im Park und der Campground war matschig und voller „Baumgeröll“. So wurde der Gang zum WC zum Hindernislauf. Aber egal, wir planten eh nicht viel Zeit dort zu verbringen.
Den nächsten Tag begannen wir noch gemütlich und wanderten den 4-Mile-Trail hoch, der im Winter nur 3 Meilen zu begehen ist, wegen Lawinen- und Steinschlaggefahr. Es ging bei schönstem Wetter stetig bergauf und wir hatten die Yosemite Falls, Amerikas höchsten Wasserfall, quasi die ganze Zeit im Blick. So schön einfach.



Am Union Point angekommen, hatten wir dann auch freien Blick auf den ikonischen Half Dome.

Danach war der Trail wirklich noch tief verschneit, sodass wir selbst mit unseren Mikrospikes nicht mehr weiterkamen. Die Sperrung hatte sicher ihren Sinn. Also drehten wir nach unserer Snackpause in der Sonne wieder um und schlitterten den steilen Trail zurück nach unten.



Zurück im Valley war der Tag noch jung, somit spazierten wir noch mal über das Yosemite Meadow, vorbei an den Lower Yosemite Falls und dem Yosemite Village.



Mit dem Van fuhren wir dann noch mal rauf zum Tunnel View – einer der schönsten Aussichtspunkte im Park, die man einfach erreichen kann.

Für einen NOCH schöneren Ausblick machten wir uns am nächsten Morgen früh auf die Socken.
Wir hatten uns mal wieder eine Mammutwanderung vorgenommen. Aus dem Valley raus sollte es rauf zum Glacier Point gehen, den man im Winter nicht mit dem Auto erreichen kann. Der 4-Mile-Trail, der einen sonst auch dorthin führt, war ja leider auch keine Option, somit blieb nur der sehr große und sehr schöne Umweg über die Vernal und Nevada Falls, dann über den Panorama Trail hinauf zum Glacier Point: ca. 32 km und 1.600 hm. Natürlich jahreszeitbedingt mit Schnee und Eis und ungewissen Bedingungen – selbst die Ranger wussten nicht, was uns erwarten würde. Also genau unser Ding. Haha.
Optimistisch marschierten wir los und freuten uns schon mal, dass der Mist Trail am Vernal Fall offen war. Da die Stufen im Winter gerne mal überfrieren, ist dieser Trail oft gesperrt, aber wir hatten Glück. Es war kalt, nass, aber nicht gefroren.



Vorbei an der Abbruchkante des Vernal Falls ging es weiter hinauf zum Nevada Fall und an dessen Abbruchkante entlang zum Panorama Trail.



Und dort begann dann der Schnee, der noch völlig festgefroren war. Also mussten die Mikrospikes wieder zum Einsatz kommen, mit denen wir relativ gut über die eisigen Trailabschnitte hinaufsteigen konnten – aber natürlich war es deutlich anstrengender als „normales“ Wandern.

Die Ausblicke entschädigten dafür umso mehr: Der Panorama Trail machte seinem Namen wirklich alle Ehre. Wir sahen alle Falls, den Half Dome und auch den Illilouette Fall, der etwas versteckt liegt. Allein dafür hatte es sich schon gelohnt.





Wir kämpften uns weiter hinauf, der Schnee wurde immer tiefer und durch die warmen Sonnenstrahlen mit der Zeit immer slushiger, was das Laufen noch anstrengender machte. Es gab noch keine Spuren – seit dem Blizzard war also offenbar noch keiner hier oben unterwegs gewesen. Das bedeutete, dass wir streckenweise unsere eigenen Spuren legen mussten, was nicht nur Kraft, sondern auch Zeit kostete.


Ca. 1,5 km vorm Ziel ließ ich dann die Vernunft walten: Der Schnee wurde hier (auf knapp 2400 m) immer tiefer und wir sackten teilweise bis zu den Knien ein, auf einem Weg, der kaum noch erkennbar war. Teilweise liefen wir über Büsche und Bäume, was nicht ganz ungefährlich war. Schneeschuhe wären hier definitiv hilfreich gewesen – die hatten wir aber nicht dabei.
Also beschlossen wir, dass dies unser Umkehrpunkt ist, auch wenn wir beide ein bisschen enttäuscht waren. Aber auch die Zeit saß uns im Nacken – im Dunkeln wollten wir den langen Abstieg definitiv nicht machen. Also suchten wir uns einen schönen Spot für unsere Mittagspause (wie üblich: Käsebrot mit Aussicht) und erfreuten uns an diesem Anblick:

Dann stapften wir die knapp 15 km zurück und waren pünktlich zum Sonnenuntergang wieder am Van. Nach 30 km, 1.525 hm und 10,5 Stunden auf den Beinen waren wir dann auch ausreichend müde – aber vor allem einfach happy über so einen genialen Tag.
Trotz schwerer Beine mussten wir auch den nächsten perfekten Sonnentag im Park nutzen. Allerdings wollten wir diesmal eine etwas weniger steile Tour machen. So nutzten wir zum ersten Mal den Park-Shuttle, der uns rauf zum Badger Pass brachte – dem kleinen Skigebiet im Nationalpark, quasi auf halber Strecke zum Glacier Point.
Dort erfüllte sich wieder mal ein kleiner Traum: Schneeschuhwandern im Yosemite Nationalpark. Davon hatte ich erst im Dezember letzten Jahres erfahren, aber es war direkt ganz oben auf unserer Bucketlist gelandet.
Das kleine Nordic Center hatte alles an Equipment, was wir brauchten (zu einem fairen Preis), und so marschierten wir los. Natürlich hatten wir uns eine der angeblich schwierigsten Routen ausgesucht – zum Dewey Point, der für seine Aussicht bekannt ist. Allerdings bezog sich die Schwierigkeits-Einordnung eher aufs Langlaufen, was man dort oben auch machen kann. Für uns auf unseren Schneeschuhen war das Terrain einfach ziemlich uneben, hügelig und teilweise etwas chaotisch – definitiv nichts für meine Anfänger-Qualitäten auf Langlaufskiern.



Aber Schneeschuhwandern ist sowieso mein Wintersport Nr. 1, also stapften wir einfach drauflos und freuten uns über die Schneemassen. Nach den frühlingshaften Temperaturen im Napa Valley war das nochmal eine ganz andere Welt.


Der Trail verlief auf und ab durch den Wald und schließlich erreichten wir den Dewey Point. Von dort hatten wir nochmal eine komplett neue Perspektive auf das Yosemite Valley: Wir standen quasi vis-à-vis vom El Capitan und blickten nach rechts rüber zum Half Dome und der verschneiten Sierra Nevada. Einfach der Wahnsinn, dieses Fleckchen Erde.


Der Rückweg verlief über einen noch anspruchsvolleren, steileren Trail, aber mit Schneeschuhen war das alles gut machbar und machte richtig Spaß.


Mit dem Shuttlebus ging es schließlich zurück ins Tal – allerdings nicht ohne Hindernis. Direkt vorm Tunnel, der ins Tal führt, musste wenige Sekunden vor uns ein fetter Steinschlag bzw. Erdrutsch abgegangen sein. An Durchkommen war nicht zu denken. Zum Glück wurde niemand verletzt – es war anscheinend gerade kein Auto unterwegs gewesen.


Wir stiegen also aus und liefen zu Fuß weiter, da unklar war, wie lange die Aufräumarbeiten dauern würden. Vorbei am Geröll marschierten wir durch den Tunnel und landeten an dessen Ende wieder am Tunnel View.

Dort sprachen wir die erste Person an, die runter ins Tal fuhr, und ließen uns mitnehmen. Wir erwischten ein junges kalifornisches Pärchen, das zum ersten Mal im Park war und sich von uns direkt ein paar Tipps abholte.
Zurück im Tal bezogen wir wieder unseren (neuen) Platz auf dem Campground und verbrachten einen entspannten Abend – mit ziemlich müden Beinen.
Unser letzter Tag im Yosemite brachte noch mal perfektes Wetter. Das mussten wir natürlich nutzen. Wir wollten noch einmal hoch zur Abbruchkante der Yosemite Falls, mit 763 Metern der höchste Wasserfall der USA.
Die Tour kannten wir schon: 6,3 km und 1.200 hm – unsere Beine waren begeistert – NICHT! Aber was muss, das muss!

Auch hier waren noch viele Sturmschäden zu sehen. Viele Bäume lagen quer, sodass wir wieder etwas klettern und kraxeln mussten.

An anderen Stellen, war der Weg noch vereist, durch die überfrierende Gischt des Wasserfalls. Von den Bäumen regnete es Eiswürfel. Total irre.





Nach unzähligen steilen Serpentinen erreichten wir schließlich die Abbruchkante des Yosemite Falls, wo es über eine sehr schmale und steile Treppe ein Stück bergab ging, bevor man einen Blick auf die Wassermassen erhielt.


Der Wahnsinn, auch beim zweiten Mal. Aber wir wollten natürlich noch ein Stück weiter und noch ein Stückchen weiter rauf, zum Yosemite Point. Diese letzte Meile hatte es noch mal in sich, weil hier wieder jede Menge vereister Schnee lag. Dank Microspikes kein Problem!




Und schon standen wir wieder auf einem Wahnsinns-Aussichtspunkt über dem Valley und der Sierra Nevada – einfach einmalig schön hier!


Der lange, steile Abstieg war weniger traumhaft, unsere Beine waren jetzt wirklich platt, aber dafür bescherte uns der Yosemite Fall ein paar Regenbögen – kitschig schön.

Zurück an die Küste
Zurück am Van waren wir müde, platt, aber sehr happy, Anfang März so geniale Tage im Park erwischt zu haben. Vom Winter und Schnee hatten wir jetzt aber endgültig genug.
Nach einer dringend nötigen Dusche ging es raus aus dem Park und zu einem Stellplatz irgendwo entlang der Route zurück an die Küste, wo wir eine ruhige Nacht hatten und erstmal alles sacken lassen mussten.
Nach der Übernachtung in Midpines zog es uns zum erstbesten In-N-Out Burger, unserer liebsten Burgerkette in den USA.


Hier füllten wir unsere Energiespeicher wieder auf, erledigten ein paar Besorgungen und waren dann bereit für die kalifornische Küste.
Aber dazu dann demnächst mehr. 😊
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Teil 16 unseres Roadtrips durch Kanada
5. januar – 21. februar 2026
Nachdem wir den Norden der Insel erkundet hatten, nahmen wir uns nun die Westküste vor.
Ucluelet
Am Nachmittag erreichten wir Ucluelet und schauten wie immer zuerst im Visitor Center vorbei. Die nette Dame dort (die in den 1980ern mal in Hamburg gelebt hatte) versorgte uns mit Karten, Tipps und Empfehlungen und schon hatten wir einen Plan für die nächsten Tage.
Wir parkten direkt am kleinen Hafen des Ortes – und blieben dort gleich drei Nächte (illegalerweise). Viel los war im Ort nicht, denn im Januar war vieles geschlossen und der Spaziergang durchs „Zentrum“ schnell erledigt. Aber immerhin entdeckten wir ein paar nette, lokale Läden und am Strand ließ sich sogar kurz die Sonne blicken.




Entgegen aller Vorhersagen, regnete es am nächsten Morgen NICHT. Also ging es los zum Wild Pacific Trail, ein bekannter Küstenwanderweg in der Region. Zuerst liefen wir die Runde um den Leuchtturm. Der schön angelegte Weg führte durch dichten Küstenregenwald, immer entlang der wilden Küste. Die Wellen donnerten gegen die Felsen und wir konnten unser Glück kaum fassen: Die Sonne zeigte sich.





Also beschlossen wir spontan, den gesamten Trail zu laufen. Kurz vor dem nächsten Abschnitt holte uns dann aber doch der vorhergesagte Regen ein. Eine Stunde warteten wir ab, dann ging es – wasserdicht verpackt – weiter. Und es hatte sich gelohnt. Der Trail war durchgehend wunderschön und wir entdeckten sogar ein paar Seeotter, die entspannt in den Wellen trieben.




Am Ende des Trails, am sogenannten Rocky Bluffs, hatte die Sonne ein Comeback für eine richtig schöne Lichtstimmung.


Die knapp 12 Kilometer lange Runde war eins unserer absoluten Vancouver Island Highlights.
Tofino & Pacific Rim Nationalpark
Am nächsten Morgen ging es weiter nach Tofino, etwa 40 km entfernt, quer durch den Pacific Rim Nationalpark. Der Ort war größer als gedacht, aber auch hier war Anfang Januar kaum etwas los und vieles geschlossen. Nicht mal Eis gab es – Frechheit!






Die Wasserflugzeug-Rundflüge, mit denen ich schon ewig liebäugele, waren auch in der Nebensaison möglich, aber leider immer noch zu teuer – schade, das hätten wir echt gerne gemacht.
Stattdessen zogen wir wieder die Wanderschuhe an: Der Tonquin Beach Trail war kurz, aber richtig schön. Wieder ging es durch den Regenwald, wieder bekamen wir tolle Ausblicke, liefen über Strände und auch die Sonne war wieder dabei.






Übernachten war rund um Tofino schwierig und leider überall verboten, daher ging es zurück nach Ucluelet – mit ein paar weiteren Zwischenstopps im Nationalpark:
Am Long Beach, der bei Surfern auf der ganzen Welt bekannt und selbst im Winter sehr beliebt ist, liefen wir ein Stück am Strand entlang, leider bei fiesem Nieselregen. Ganz kurz ließ sich die Sonne mal blicken, aber Surfer waren keine da.



Ein weiteres Highlight war der Rainforest Trail – ein kurzer Boardwalk durch teilweise verschneiten Regenwald. Schnee auf Meereshöhe ist hier eher selten, sehr selten sogar, umso besonderer war die Stimmung.



Die dritte Nacht in Ucluelet endete dann mit „The Knock“ – eine Bylaw Officerin erklärte uns freundlich, dass Wildcampen hier nicht erlaubt ist. Die 300 CAD Strafe pro Person blieb uns zum Glück erspart, aber wir sollten nicht noch eine Nacht bleiben. Verstanden. 🫡
Nach dem Frühstück besuchten wir noch den Cedar Loop Trail und die Halfmoon Bay – wieder wunderschöne Trails durch den Küstenregenwald, wieder bei Regen. Naja. So ist es hier eben im Winter.




Der blieb uns dann auch den ganzen Tag treu.
Nach einem letzten Stopp am Nationalpark Visitor Center, mit Blick auf den Long Beach und einer kurzen Wanderung zum South Beach, prüften wir die Vorhersagen für die nächsten Tage. Leider war nur noch mehr Regen und heftiger Wind angesagt – und Stellplätze gab es ja auch keine für uns. Also verließen wir die Westküste wieder.
Die Nacht verbrachten wir mangels Alternativen halb legal auf einem Wanderparkplatz an der Straße. Immerhin war es dort einigermaßen ruhig.
Die Beinahe-Katastrophe
Am nächsten Tag ging es nach Port Alberni, was quasi in der Mitte der Insel liegt. Es regnete und stürmte auch hier durchgehend, also füllten wir nur Vorräte auf und arbeiteten den Rest des Tages.
Auf dem Weg zurück Richtung Comox, am nächsten Tag, zeichnete ich während der Fahrt am Laptop unsere Fahrzeugdaten auf, um dem sporadischen Notlauf-Problem auf die Spur zu kommen. Als der Akku des Laptops langsam schlappmachte, legten wir einen kurzen Stopp ein, um ein Verlängerungskabel nach vorne zu legen. Dabei fiel mir plötzlich ein verschmorter Geruch aus der Technikbox auf. Ich reagierte blitzschnell, stellte den Motor aus und riss den Feuerlöscher aus der Verankerung – und dann hatte Christian den Übeltäter auch schon gefunden: Das Kabel an unserem Votronic-Ladebooster war am Anschluss komplett durchgeschmort.


Wir hatten wirklich riesiges Glück, dass wir das genau in dem Moment bemerkt hatten. Das hätte richtig böse enden können, innerhalb weniger Minuten hätte sich daraus ein richtiges Feuer entstehen können.
Jetzt hatten wir aber ein Problem mehr: Ohne funktionierenden Booster konnten wir unsere Batterien nicht mehr laden – und Sonne war nicht in Sicht, sodass auch über unser Solarpanel nichts hereinkam. 🤯
Zum Glück hatten wir einen Joker: Ron und Barb Gibson, bei denen wir über Weihnachten gehousesittet hatten. Wir schickten Ron eine kurze WhatsApp-Nachricht – und zwei Minuten später kam die Antwort: „Wir sind gerade nicht zu Hause, aber ihr kennt ja den Türcode. Das Apartment ist für euch bereit. Kommt jederzeit vorbei und bleibt so lange ihr wollt.“
Diese Familie ist einfach so lieb und hilfsbereit! Also ging es schnurstracks zurück nach Royston, im Comox Valley.
Zurück im Comox Valley
Wir zogen wieder in die kleine Einliegerwohnung ein und saßen abends lange mit Barb und Ron zusammen. Ich freute mich natürlich am meisten, Gus, den Terriermischling, wiederzusehen.

Ron, ein ehemaliger Pilot und Flugzeugmechaniker, bot sofort seine Hilfe und sein Werkzeug an. Die beiden wiederholten immer wieder, dass wir mehr als willkommen waren, und von „Miete“ wollten sie gar nichts hören. Wirklich wie ein Sechser im Lotto für uns.
Am nächsten Tag machte sich Christian an den Ausbau des defekten Ladeboosters – keine einfache Aufgabe, da er an der engsten Stelle im Van verbaut war und dafür sowohl im Wohnraum, als auch in unserer Heckgarage fast alles ausgeräumt werden musste – bei Regen. Aber dank der gemütlichen Wohnung, dem Vordach und Rons Werkzeug ging das hier deutlich angenehmer.

Dann stellte sich heraus: Der Ladebooster war wirklich komplett durchgekokelt. Und wir stellten zudem fest, dass beim ursprünglichen Einbau einiges schlampig gemacht worden war: falsche, viel zu große Sicherungen, die im Ernstfall nie gegriffen hätten, mangelhafte Isolierungen und falsche Anschlüsse. Ein Wunder, dass das so lange gutgegangen war, und nicht auszudenken, welche Katastrophe da passiert wäre, wenn wir nicht zufällig angehalten und es noch rechtzeitig bemerkt hätten.
Im 1,5 Stunden entfernten Nanaimo fanden wir zum Glück einen Shop mit passenden Ersatzteilen für unser Problem. Der Besitzer des Ladens gab uns sogar unentgeltlich noch ein teures Spezialwerkzeug einfach so mit – auf Vertrauensbasis. Unglaublich, diese Kanadier.
Christian, der zum Glück ja mal Elektroniker gelernt hat und sich mit dem Strom-Kram bestens auskennt, baute alles neu und fachmännisch ein und optimierte nebenbei noch einiges. Und siehe da: Schon funktionierte wieder alles, besser denn je, da der neue Booster eine Spur besser war als der alte. Trotzdem hätten wir die rund 500 € natürlich lieber anders ausgegeben. Naja.
Eigentlich hätten wir jetzt weiterziehen können, aber wir fühlten uns bei den Gibsons und im Comox Valley so wohl und willkommen, dass wir noch blieben. Wir genossen lange Spaziergänge mit Gus im Regenwald, sahen zwischendurch auch die süße Lola mal wieder, machten bei kaltem, aber sonnigem Wetter ein paar schöne Radtouren und testeten uns durch die Brauereien der Stadt. Gleichzeitig arbeiteten wir viel, da unsere Projekte gerade gut liefen.











Und wir entschieden, aufgrund der damaligen Entwicklungen in den USA, unser Kanada-Visum voll auszunutzen und bis Mitte Februar zu bleiben, statt schon im Januar wieder in die USA einzureisen. Um die Zeit bestmöglich nutzen zu können, schauten wir uns nach weiteren Housesits in der Region um und wurden auch fündig.
Nach zwei schönen Wochen verabschiedeten wir uns (vorerst) von den Gibsons und Gus und zogen weiter nach Comox zum nächsten Housesit, mit Hund und Katze.
Zwei Wochen mit Pippa & Mario
Im Haus von Betsy und John wurden wir zunächst von ihrer Corgi-Dame Pippa eher skeptisch empfangen. Sie bellte uns ununterbrochen an und hielt Abstand – selbst nach einem gemeinsamen Spaziergang und Bestechungs-Leckerlis. Sowas hab ich auch noch nicht erlebt. Hunde hab ich sonst eigentlich immer gleich auf meiner Seite. Ganz anders zeigte sich Kater Mario: Der war uns vom ersten Moment an zugewandt und total zutraulich und verschmust.

Der erste Abflugversuch von Betsy und John am nächsten Morgen scheiterte wegen eines Defekts am Flugzeug. So verbrachten wir ein paar Stunden länger gemeinsam, bis es dann endlich mit ihrem Abflug klappte. Und kaum waren sie weg, war Pippa plötzlich total begeistert von uns. Na also, geht doch! 😊



Wir verbrachten zwei Wochen im traumhaften Haus, in exklusiver Lage mit Meer- und Bergblick. Das leere Grundstück nebenan sollte 1 Mio. CAD (600 k€) kosten, man kann sich also vorstellen, in welch exklusiven Nachbarschaft wir hier gelandet waren.




Die Spaziergänge mit der etwas übergewichtigen Pippa waren manchmal… sagen wir mal speziell. Sie setzte sich gerne einfach hin und lief keinen Meter weiter. Ein echter Dickkopf. Aber ich hielt sie auch im Haus auf Trab, somit verlor sie in der Zeit mit uns immerhin 400 Gramm. Ich sollte als Haustier-Diätcoach arbeiten!
Aber einige Male schafften wir es doch an die nahegelegenen Strände, wo Pippa immer wie von Magneten ins Wasser gezogen wurde – keine Pfütze und kein Wassergraben waren vor ihr sicher. So süß, diese dicke Nudel!





Mario hingegen zeigte sich absolut entspannt und pflegeleicht. Er war zufrieden mit regelmäßigen Fütterungen und Streicheleinheiten und wenn er nachts ein paar Stunden bei uns im Bett liegen durfte.



Wenn wir nicht die Tiere bespaßten, genossen wir den vielen Platz im Haus und arbeiteten nebenbei viel. Wir hatten gerade ein gut bezahltes Projekt gewonnen, bei dem wir gemeinsam Sprachaufnahmen machen mussten, was ziemlich anstrengend, aber auch irgendwie lustig war. Zum Glück haben wir uns ja immer viel zu erzählen. 😉
Zurück in den Süden – East Sooke
Zwischendurch verbrachten wir noch mal einen Abend mit den Gibsons, die wir als Dankeschön für ihre Hilfe und Großzügigkeit, in ihr Lieblingspub zum Abendessen einluden. Dieser Abend endete mit einer erneuten Einladung zu ihnen, wo wir uns von Gus verabschiedeten und dann noch einen riesigen Lachs zum Abschied geschenkt bekamen – und natürlich eine „standing-invitation“, um jederzeit wiederzukommen. So herzliche Menschen!

Danach ging es endgültig raus aus dem schönen Comox Valley und zu unserem letzten Housesit nach East Sooke, etwa 40 Minuten von Victoria, der Hauptstadt von Vancouver Island, entfernt.
Arlene, eine pensionierte Lehrerin, und ihre kleine Shih-Tzu-Malteser-Mischlingshündin Lilly empfingen uns herzlich.

Arlenes erst drei Jahre altes Haus lag auf einem Hügel. Die Anfahrt dorthin war gelinde gesagt abenteuerlich, über eine 1,5 km lange, steile, einspurige und gewundene Erdstraße. Mehr Kanada geht wohl nicht. Dafür war die Aussicht absolut einmalig, über die Johnson Strait und die imposanten Berge des Olympic Nationalparks (auf US-amerikanischer Seite) – wirklich beeindruckend.




Die zwei Wochen dort waren ruhig und entspannt. Bei gutem Wetter gingen wir mit Lilly an den nahegelegenen Strand der Becher Bay, oder erkundeten die Umgebung. Wir arbeiteten viel, genossen die Aussicht und die Ruhe.







Zwischendurch verbrachten wir einen Tag im schönen Victoria, wo es für uns beide einen Haarschnitt und Pizza gab.



Auch die zweite Woche verging schnell: Spaziergänge, Sonnenauf- und -untergänge und noch mehr schöne Ecken und Trails wie z. B. den Whiffin Spit oder den Matheson Lake – Vancouver Island hat wirklich unglaublich viel zu bieten.








Abschied von Kanada
Nach insgesamt sieben Wochen auf Vancouver Island hieß es endgültig Abschied nehmen. Vom Housesitting, von Lilly – und langsam auch von Kanada.
Das Housesitting hat uns hier nicht nur wunderbar, kostengünstig und luxuriös durch den Winter gebracht, sondern uns auch so schöne Begegnungen beschert und uns ermöglicht, etwas tiefer in das lokale Leben einzutauchen. Ein weiteres besonderes und definitiv unvergessliches Kapitel unserer Reise. 🥰
Unsere letzte Nacht verbrachten wir im Zentrum von Victoria. Noch einmal spazierten wir durch die schön beleuchtete Stadt, bevor es am nächsten Morgen früh zur Fähre ging.





Die Einreise in die USA verlief überraschend entspannt – der gesamte Prozess fand schon auf kanadischer Seite, am Fährhafen, statt. Die Officers waren gut gelaunt und freundlich, es wurden keine großen Fragen gestellt und auch kein Blick in den Van geworfen.
Nach 90 Minuten auf der Fähre, mit ordentlichem Wellengang, waren wir wieder in den USA.




Der Abschied von Kanada fiel uns schon nicht ganz leicht. Sieben Monate waren wir hier unterwegs gewesen, hatten unglaublich schöne Landschaften gesehen, die krassesten Wanderungen gemacht, das Ende der Panamericana erreicht und vor allem tolle Menschen und Tiere kennengelernt. Und dabei hatten wir nur einen kleinen Teil des Landes gesehen.
Aber wir freuten uns nun auch auf das, was vor uns lag:
Den Olympic Nationalpark und die Westküste der USA.
Aber dazu dann demnächst mehr. 😊
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Comox Valley & der Norden
Teil 15 unseres Roadtrips durch Kanada
15. Dezember 2025 – 5. Januar 2026
British columbia – vancouver island
Über die Weihnachtsfeiertage und Silvester hatten wir einen Housesit im Comox Valley ergattert. Zwei Wochen lang würden wir uns um zwei Hunde und zwei Häuser auf über 2 Hektar Land kümmern – eine ganz normale Wohnsituation hier in Westkanada. 😅
Was wir vorher nicht wussten war, wie vielseitig das Comox Valley ist: Regenwald, Meer und Berge an einem Fleck, und dazu eine richtig gute Infrastruktur. Dass wir hier weiße Weihnachten erleben würden und noch so viel mehr, ahnten wir zu dem Zeitpunkt auch noch nicht.
Housesit in Courtney
Nach einer windigen Nacht am Hafen von Comox trafen wir am frühen Nachmittag bei unserem Housesit in Royston, Courtney ein und lernten den ersten Teil der Familie Gibson kennen, für die wir uns in den nächsten zwei Wochen um Häuser und Hunde kümmern würden. Barb und Ron und ihr süßer, mexikanischer Terrier-Mix Gus waren uns auf Anhieb sympathisch. Gus und ich – das war auf jeden Fall Liebe auf den ersten Blick.

Die beiden rüstigen Mit-70er zeigten uns alles in ihrem Haus, wo wir mit den Hunden wohnen sollten, bevor wir die darunter liegende Einliegerwohnung für den Übergang bezogen. Später wurden wir noch zu Pizza und Vino eingeladen. Wieder mal ein guter Start.
Dann lernten wir auch ihre Tochter Laurie, deren Mann Scott und ihren Hund Lola kennen, einen witzigen Chihuahua-Terrier-Mix (ebenfalls aus Mexiko), den wir ebenfalls hüten sollten, da die Familie Gibson gemeinsam in den Urlaub auf die Baja California wollte.

Am nächsten Tag überschlugen sich jedoch die Ereignisse: Einer der Söhne von Barb und Ron wurde mit akuten Herzproblemen (nach einem vorangegangenen Herzinfarkt) ins Krankenhaus eingewiesen, woraufhin die beiden ihre Reise absagten. Laurie und Scott würden alleine verreisen. Sie baten uns jedoch, dennoch dazubleiben, für den Fall, dass sie sich intensiver um ihren Sohn kümmern müssten und ins Krankenhaus im ca. 3 Stunden entfernten Victoria fahren würden. Dann könnten wir Gus übernehmen.
Wir sagten gerne zu und zogen schließlich ins große Haupthaus von Laurie und Scott ein, wo wir das wunderschöne AirBnB im 1. OG bezogen und dort hauptsächlich auf die kleine Lola aufpassten.




Wenn Barb und Ron unterwegs waren, war dann auch Gus mit von der Partie. Beide Hunde waren mega lieb und pflegeleicht – kein Vergleich zu unserem Energiebündel Loki.






Jetzt erst merkten wir, dass wir wieder im absoluten Outdoor-Paradies gelandet waren. Das Comox Valley liegt nur 30 Minuten vom Mt. Washington entfernt, dem höchsten Berg von Vancouver Island, und direkt vor unserer Haustür gab es hunderte Trails zum Wandern und Biken. Leider regnete es fast die gesamte erste Woche, sodass erstmal mehr Zeit zum Arbeiten blieb.
Als sich die ersten Sonnenstrahlen zeigten, schwangen wir uns auf die Bikes, um ein paar der Trails auszuprobieren, die Scott, der selbst begeisterter Mountainbiker ist, uns empfohlen hatte. Matschig-rutschig, aber mega schön, durch den Regenwald zu düsen.




Im nahegelegenen Pub, für den wir von der Familie großzügigerweise einen Gutschein bekommen hatten, gönnten wir uns ein leckeres Essen bei Livemusik. Und zwischendurch saßen wir auch immer wieder mal mit Barb und Ron zusammen, die viel aus ihrem spannenden Leben erzählten – Ron war nämlich Flugzeugingenieur und Pilot beim Militär gewesen und hatte dabei so einiges gesehen und erlebt. Bedingt durch seinen Beruf, hat die Familie schon in nahezu allen Teilen des Landes gelebt. Mega spannend. So verging die erste Woche wie im Flug.
Weihnachten rückte immer näher – und endlich gab es Schnee in den Bergen.
Weiße Weihnachten am Pazifik
Zwei Tage vor Weihnachten verwandelte sich der Dauerregen in den Höhen in Schnee. Endlich! Das Skigebiet konnte eröffnen, und sobald wir die Meldung lasen, dass die Loipen gezogen waren, machten wir uns am 23.12. auf zum Mt. Washington (der hier nur Mt. Washy genannt wird), um mal wieder Langlaufen zu gehen – dass das in Kanada noch mal klappen würde, hatten wir auch nicht gedacht.

Am Mt. Washy angekommen schneite es noch fleißig weiter, und meine Leih-Ski wollten zunächst nicht gleiten – offenbar ein Mt. Washington-Phänomen: Der Schnee ist durch die Nähe zum Pazifik manchmal so pappig, dass er an den Skiern klebt. Nach dem Wachsen war das Problem gelöst, und gerade in dem Moment kam die Sonne heraus. Wow – die Aussicht über die Insel war einfach traumhaft.





Wir drehten zwei Runden über den Jutland Trail und wagten uns sogar auf eine schwarze LL-Piste, bis es für mich zu steil wurde.



Auf dem Rückweg entdeckten wir noch einen Biathlon-Schießstand, wo gerade zwei Herren ihre Ziele aufbauten. Mega interessant, das mal live zu sehen. Nach drei Stunden waren wir durch, genossen noch unseren Lunch in der Sonne und machten uns dann zurück zu Lola.



Am ersten Weihnachtstag fuhren wir morgens spontan wieder auf den Mt. Washy – Christian wollte nach 15 Jahren endlich wieder snowboarden. Für unter 100 € bekam er das gesamte Equipment und einen Skipass – deutlich günstiger als zuletzt in Whistler.

Die Bedingungen waren perfekt, nicht überfüllt, und er hatte richtig Spaß und eine mega Aussicht von oben. Wo kann man schon snowboarden und dabei auf den Pazifik schauen? Absolut genial!!







Ich durfte als Fußgänger leider nicht auf den Lift, konnte aber das verschneite Resort-Village unterhalb erkunden – ein kleines Winter-Wonderland mit eingeschneiten Häusern und traumhafter Winter-Atmosphäre.




So kamen wir beide voll auf unsere Kosten –
perfekte weiße Weihnachten! ❄️
Auch am zweiten Feiertag zog es uns noch einmal auf den Mt. Washington. Es hatte erneut ein bisschen geschneit, und wir wollten endlich noch mal Schneeschuhwandern. Offiziell war nur eine 4 km lange Strecke freigegeben, aber wir fanden schnell viele wilde Trails, die man ebenfalls erkunden konnte. Erneut fanden wir uns im perfekten Winter-Wonderland wieder. So irre schön!




Am verschneiten Battleship Lake legten wir unsere Mittagspause in der Sonne ein – so warm, dass wir im T-Shirt sitzen konnten. Ein absolutes Highlight und perfekter Abschluss der Weihnachtsfeiertage. Wer hätte gedacht, dass wir ausgerechnet auf einer Insel im Pazifik so eine perfekte weiße Weihnacht erleben?






Woche zwei in Royston
Zwischen all den Wintersport-Abenteuern verbrachten wir ein entspanntes Weihnachten im Haus von Laurie und Scott. Wir genossen es, so viel Platz zu haben, kochten viel, bespassten die Hunde (und sie uns) und arbeiteten am 1000-Teile-Puzzle, das Christian mir geschenkt hatte.







Kurz nach Weihnachten, am 27.12., gab es dann mal wieder einen kleinen Schreckmoment. Nach dem Aufwachen stellte ich fest, dass ich nicht mehr richtig sehen konnte. Ich hatte weiße Flecken im Sichtfeld und sah alles nur unscharf, konnte nichts lesen. Es wurde nach einer Weile etwas besser, es folgten aber Kopfschmerzen – das war mir alles sehr unheimlich, also ging es ab in die Notaufnahme, wo ich nicht nur um 1.355 CAD (850€) erleichtert wurde, sondern auch Blut abgenommen und ein ECG bekam und dann 7 Stunden warten musste, bis ein Arzt Zeit hatte. Ich hatte mir einen der geschäftigsten Tage des Jahres ausgesucht, um „krank“ zu werden. Die Notaufnahme war voll mit Notfällen aller Art. Letztendlich war die Diagnose: Migräne mit Aura! Wie bitte?
Ich hatte noch nie in meinem Leben Migräne und schon gar nicht solche Erscheinungen, lernte aber danach, dass es vielen Leuten (besonders Frauen) so geht und das ganz plötzlich im „fortgeschrittenen Alter“ (in dem ich jetzt wohl bin 😅) auftreten kann. Na danke! Ich hoffe, es war nur eine einmalige Episode (bis heute hatte ich jedenfalls keine Probleme mehr).
Da ich nur eine Auslandsversicherung habe und keine kanadische Krankenversicherung, bekam ich von den Schwestern noch eine Preisliste für etwaige Behandlungen. Spannend und erschreckend zugleich das mal zu sehen. Da kann man nur froh sein, wenn man nichts davon in Anspruch nehmen muss – oder eine gute Krankenversicherung hat.

Zwischen all den Erlebnissen standen für unseren Van auch noch einige Arbeiten auf dem Programm, die wir hier quasi im „Trockendock“ gut erledigen konnten.
Seit unserem Aufenthalt in Golden war ja das Gebläse unserer Heizung unangenehm laut und wir hatten nach Rücksprache mit dem Hersteller, in Europa, bereits die passenden Ersatzteile (Gebläse, kompatible Platine, Dichtungen) zu unserem Housesit bestellt.
Nun musste Christian mal wieder die gesamte Heizung ausbauen, das Gebläse und die Platine tauschen, und danach wieder alles ordnungsgemäß zusammenbauen. Hurra! 🫠 Da war der Geduldsmeister mal wieder gefragt. Aber die fummelige Reparatur war natürlich erfolgreich und unsere Heizung schnurrt jetzt wieder leise wie ein Kätzchen. 😉



Leider war die Tage auch noch das Glas eines Nebelscheinwerfers zerbrochen, aber wir hatten aktuell keine Lust und Energie, schon wieder Ersatzteile in Europa zu bestellen, oder müßig passende Teile in Kanada zu suchen. Christian baute das Ding also kurzerhand aus und konnte eine provisorische Lösung mit transparentem Klebeband bauen – nicht schön, aber leuchtet. Die richtige Reparatur muss dann wohl spätestens bis zum nächsten TÜV-Termin gemacht werden.
Ein Ölwechsel stand auch noch an, den man hier in Kanada ganz spontan in speziellen Werkstätten und ohne Termin als „Drive through“ Service bekommen kann. Das richtige Öl nach Fiat-Spezifikation hatten sie sogar auch auf Lager. Besser kanns kaum laufen!



Die letzten Tage bis zur Rückkehr von Laurie und Scott am 1. Januar vergingen somit viel zu schnell. Wir unternahmen noch ein sehr schönes und geselliges Weintasting beim kleinen Weingut 40 Knots, radelten mal in die Stadt, um die lokale Brauerei zu testen, puzzelten weiter und schon war Silvester, welches für uns mega ruhig verlief.




Ein spontanes Telefonat mit Anette und Frank, aka den Bärlies, die gerade in Kalifornien im Dauerregen hockten, verkürzte die Zeit bis Mitternacht. Zum Glück wurde in der Nachbarschaft nicht viel geböllert, sodass die Hunde einigermaßen ruhig blieben.
Als die Gibsons jr. schließlich zurückkamen, luden sie uns ein, noch ein paar Tage zu bleiben – Platz hatten sie ja genug. Wir nahmen das Angebot gerne an (zumal ich mir eine Erkältung eingefangen hatte) und erkundeten weiter Comox, wurden mit Brunch und Abendessen von den Gibsons verwöhnt und genossen den unkomplizierten Familienanschluss.
Die 2,5 Wochen vergingen viel zu schnell, aber wir haben es sehr genossen und waren am 3. Januar schließlich bereit weiterzuziehen – allerdings nicht ohne eine „standing invitation“ von der Familie, jederzeit wiederzukommen, um noch ein paar Tage bei ihnen zu bleiben, oder uns jederzeit zu melden, falls wir bei irgendwas Hilfe brauchen sollten. So nette Menschen – da hatten wir mal wieder mega Glück mit unserem Housesit gehabt. 🤍
Der Norden von Vancouver Island
Nach dem Housesit starteten wir unsere Erkundung des nördlichen Teils der Insel. Unser erster Stopp war der Elk Falls Provincial Park. Trotz neblig-nassen Wetters spazierten wir zu den Wasserfällen, die von der massiven Hängebrücke aus gigantisch aussahen.



Weiter nördlich werden die Orte kleiner, die Insel einsamer. Nach einer Übernachtung in Port McNeill steuerten wir Port Alice an – angeblich die Seeotter-Hauptstadt von Vancouver Island. Wir unternahmen einen kleinen Spaziergang am Ufer der Johnestone Strait, einer geschützten Meeresbucht, in der Hoffnung, die süßen Tiere zu spotten.



Wir sahen zwar keine Seeotter, aber dafür ein paar Flussotter, die rasend schnell durchs Wasser schossen und nicht ganz so süß sind wie ihre Artgenossen – die sehen eher wie große, nasse Ratten aus.



Außerdem entdeckten wir zahlreiche Weißkopfseeadler.

Ein netter Fischer, dem wir begegneten, erzählte uns mehr über die Gegend und dass man die Seeotter wohl doch nur per Bootsausflug sehen kann. Dafür war aber aktuell keine Saison und wir wollten auch das Geld nicht ausgeben. Nach einem Picknick in der Sonne zogen wir weiter.


Das Wetter hielt, und wir fuhren bis ans Ende der Inselstraße nach Port Hardy. Hier gab es aber nicht viel zu sehen, der Ort war noch im Winterschlaf. Nur über die Möhren-Skulptur wunderten wir uns – die markiert das Ende des Insel-Highways. Warum auch immer.



Ein kurzer Spaziergang am Meer beendete unsere Erkundung auch schon wieder – mir war zu kalt, und die Erkältung saß mir noch in den Knochen, daher blieb es bei einem kurzen Stopp. Übernachtet wurde wieder in Port McNeill direkt am Meer. Am Morgen wurden wir mit klarem Himmel und Fernsicht auf die Whistler-Berge belohnt – da bekamen wir direkt wieder Bergweh!


Christian nutzte die Gelegenheit, um unseren MAP-Sensor auszutauschen, da der Van zuletzt immer wieder mal sporadisch in den Notlauf ging. Den Sensor hatten wir bereits seit längerem dabei und er hätte einer der Übeltäter für den Signalfehler sein können. Die ersten Testkilometer liefen gut, doch kurz vor unserem nächsten Platz ging der Van erneut in den Notlauf – der MAP-Sensor allein war es wohl doch nicht. Heitere Tage mit Datenerfassung, Fehlersuche und Fachsimpelei standen uns also erneut bevor.
Wir übernachteten ganz pragmatisch irgendwo am Straßenrand, und am nächsten Morgen ging es dann weiter an die Westküste von Vancouver Island, wo schon ein kleiner Nationalpark auf uns wartete.
Aber dazu dann demnächst mehr. 😊
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Teil 14 unseres Roadtrips durch Kanada
5. – 14. Dezember 2025
british columbia
Nach 5 schönen Wochen in Golden machten wir uns wieder auf die Bahn und nahmen als erstes Kurs auf die Stadt Kamloops. Dort wollten wir vor allem unsere Vorräte in den großen Discountern auffüllen – die hatten wir in Golden schlicht nicht gehabt. Vier Stunden Fahrt lagen vor uns und die Wettervorhersage versprach Schnee, und davon nicht wenig. Also fuhren wir durch mal mehr, mal weniger dichtes Schneetreiben. Zum Glück blieb nichts liegen, sodass wir problemlos ankamen.

Die Nacht verbrachten wir wenig glamourös auf dem Parkplatz einer Sportanlage. Willkommen zurück im Vanlife.
Am nächsten Tag wurde eingekauft – und mein siebter Sinn schlug mal wieder an. Eine der Bodenfugen an unserer Technikbox kam mir verdächtig dreckig vor. Das passte nicht dazu, dass wir doch gerade alles gereinigt hatten. Und tatsächlich: Wir hatten ein kleines Wasserleck. Die beiden Schläuche, die von unserem Boiler abgehen, waren jeweils etwa zwei Zentimeter abgerutscht und es tröpfelte leicht. Beide gleichmäßig – was sehr komisch war. Christian war sich aber sicher, nichts daran gemacht zu haben. Vielleicht hatte der Wechsel zwischen Hitze und Kälte das Material ermüden lassen? Wir hatten in Golden das Wasser komplett entleert, aber die Heizung an vielen kalten Nächten laufen lassen.
Ein kurzer Stopp bei einem RV-Dealer beruhigte uns. Kein Grund zur Panik, ein paar neue Schlauchschellen sollten reichen. Und so war es auch. Schnell montiert, seitdem sitzt wieder alles bombenfest. Wir behalten es trotzdem im Auge – nach 6,5 Jahren kann so ein Schlauchmaterial auch langsam porös werden.

Mit vollen Vorräten und ohne Wasserleck ging es dann schließlich weiter.
Whistler
Endlich schafften wir es nach Whistler, einem der berühmtesten Skigebiete in Kanada, in dem unter anderem Wettkämpfe der Olympischen Winterspiele 2010 stattgefunden haben. Im Sommer wollten wir hier unbedingt Mountainbiken und wandern, aber damals stand die Vorhersage auf Dauerregen – also ließen wir es. Dieses Mal war es… wieder genauso. Aber wir wollten es uns jetzt zumindest mal anschauen.
Wir kamen bereits im Dunkeln (gegen 16:30 Uhr) an und spazierten durch den Resort-Ort, der in allen Farben blinkte und leuchtete. Und ja, es regnete natürlich. Das änderte sich auch die ganze Nacht nicht.



Bei Tageslicht machte der Ort ohne sichtbare Berge und ohne Schnee leider nicht allzu viel her. Trotzdem standen viele Menschen in voller Montur an den Gondeln – oben, im Nebel, gab es scheinbar Schnee.




Christian spielte mit dem Gedanken, eine Runde Snowboard zu fahren. Aber mit allem Zip und Zap hätte so ein Tag hier 400–500 CAD (ca. 300 €) gekostet. Allein der Gondel-Tagespass lag bei 212 CAD (ca. 130 €), für Nicht-Skifahrer bei 157 CAD (ca. 100 €), was für ein bisschen durch den Schnee wandern auch zu teuer war. Also blieb es bei einem Spaziergang durch den Ort und arbeiten im Van. Abends gönnten wir uns noch eine neapolitanische Pizza – angeblich die beste im Ort. Die war aber leider eher durchschnittlich. Naja.

Bevor wir weiterzogen, legten wir noch einen kleinen Zwischenstopp ein, am sogenannten Whistler Trainwreck. 1956 entgleiste hier ein Güterzug, vermutlich wegen zu hoher Geschwindigkeit in einer Kurve. Alle 12 Waggons entgleisten, sieben konnten geborgen werden, fünf wurden schlicht aus dem Weg geräumt und in den Wald gezogen. Dort liegen sie bis heute. Inzwischen sind sie komplett mit Graffiti überzogen und ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Mountainbiker geworden.



Trotz Dauerregen machten wir uns auf den Weg. Und auch wenn wir die Bilder schon oft gesehen hatten – live ist es doch noch mal etwas anderes. Zwischen hohen, dicht stehenden Bäumen liegen diese riesigen Metallwaggons, bunt bemalt und rostend.




Man fragt sich wirklich, wie sie da hineingeraten sind. Die MTB-Obstacles rundherum wirkten nicht mehr ganz frisch, aber trotzdem war es ein spannender Ort. So hatten wir wenigstens ein kleines Highlight in Whistler mitgenommen, bevor wir im immer noch anhaltenden Regen weiterzogen.
Vancouver 2.0
Es ging zurück nach Vancouver. Beim ersten Besuch hatte uns die Stadt nicht so richtig umgehauen, daher hielt sich unsere Erkundungsfreude in Grenzen und stattdessen standen einige praktische Dinge an – und vor allem der Besuch auf dem „Deutschen Weihnachtsmarkt“ der hier alljährlich stattfindet.
Wir bezogen unseren altbekannten Platz an einem Sportfeld und wurden am nächsten Morgen tatsächlich von etwas Sonne begrüßt. Das tat gut!


Ich nutzte das direkt für eine Laufrunde, Christian ging – was dringend nötig war – zum Friseur.
Als wir zurückkamen, steckte ein Zettel am Auto: „Final Warning“. Camper jeglicher Art durften nur noch maximal drei Stunden in der Stadt stehen, egal wo, außer auf speziellen RV-Parkplätzen. Na toll. Gut, dass wir am Vortag schon einen anderen Platz ausgekundschaftet hatten, auf den wir dann umzogen (auch wenn der genauso „illegal“ war).
Pünktlich zum einsetzenden Regen liefen wir von dort zum Weihnachtsmarkt. Um diesen zu besuchen, musste man vorab online Eintrittskarten und einen fixen Zeitslot buchen. Sehr eigenartig, und mit knapp 17,50 € Eintrittspreis auch nicht ganz günstig, aber so war es eben.
Der Markt selbst war aber wirklich schön gemacht und sah tatsächlich aus wie so manch deutscher Weihnachtsmarkt.





Die Preise waren aber happig: Umgerechnet etwa 6,50 Euro musste man für einen pappsüßen Glühwein hinlegen. 200 Gramm Stollen hätte es für 16 € gegeben – haha. Den müssen sie dann wohl alleine essen. Auch die „typisch deutschen Produkte“ wie bemalte Weihnachtskugeln, Troika-Produkte und Gehäkeltes durften dort bleiben.
Wir schlugen stattdessen bei Gulasch, Bratwurst mit Sauerkraut und Schwarzwälder Kirschtorte zu – mehr Klischee geht wohl nicht mehr. Aber tatsächlich war alles sehr authentisch und lecker und beugte evtl. aufkommendem Weihnachts-Heimweh vor. 😉



Leider wurde der Regen immer stärker und kaum etwas war überdacht, außer einem wenig charmanten Essens-Zelt. Nach anderthalb Stunden reichte es uns. Wir nahmen ein Uber zurück zum Van und verbrachten eine ruhige Nacht an unserem Ausweichstellplatz, wo uns zum Glück das Ordnungsamt nicht fand.
Am nächsten Morgen ging es von dort aus direkt zur Fähre, die uns zu unserem letzten Ziel in West-Kanada bringen sollte.
Ankunft auf Vancouver Island
Mit der 11-Uhr-Fähre setzten wir in 1,5 Stunden nach Vancouver Island über. Vancouver Island ist mit knapp 31.300 km² die größte Insel an der Westküste von Kanada (und damit größer als Belgien) und zählt knapp 880.000 Einwohner. Auf ihr findet man eigentlich alles, was Kanada so ausmacht: wunderschöne Strände, zerklüftete Küsten, dichten Regenwald, jede Menge Wildlife (sowohl an Land als auch im Meer), einige imposante Berge, ein kleines Skigebiet, unzählige Wander- und Mountainbike Trails, gute Brauereien, Weingüter und vor allem nette Menschen.
Wir hofften auf der Überfahrt, vielleicht ein paar Wale und vor allem Orcas zu sehen, aber das Wetter machte uns weiterhin einen Strich durch die Rechnung. Es regnete und alles war grau in grau. Naja.



Im Nachhinein betrachtet hatten wir dennoch gutes Timing. Später am Tag wurden in Vancouver wegen Rekordüberschwemmungen sämtliche Straßen rein und raus aus der Stadt gesperrt. Und der Regen-Forecast versprach keine Besserung.
Auch die Ankunft auf der Insel war entsprechend nass und unspektakulär – im Radio lief ironischerweise das Lied „Walking on Sunshine“, das half aber auch nix. Wir erledigten ein paar Kleinigkeiten, steuerten einen einfachen Parkplatz an und arbeiteten. Viel mehr war bei dem Wetter ohnehin nicht drin.
Victoria
Am nächsten Tag versprach unsere Wetter-App etwa 2,5 Stunden trockenes Wetter. Also machten wir uns auf nach Victoria, der größten Stadt der Insel. Und die gefiel uns auf Anhieb richtig gut. Schöne Gebäude, nette Läden, natürlich auch viel Touri-Kram, aber alles stimmig, zu dieser Jahreszeit nicht überlaufen und angenehm.








Wir schlenderten durch verschiedene Viertel, gönnten uns vietnamesisches Essen zu Mittag und schauten danach bei der Fisherman’s Wharf vorbei, wo die bunten Hausboote liegen.





Saisonbedingt war wenig los, aber gerade das hatte auch seinen Charme – im Sommer müssen sich hier die Touris gegenseitig die Füße platt trampeln.
Pünktlich zum Einsetzen des Regens waren wir zurück am Van. Wir kommen auf dem Rückweg sicher noch mal in Victoria vorbei.
Westküste
Nach einer Nacht auf einem kleinen Parkplatz – wo wir eine Eule überraschten, die gerade einen Hasen verspeiste – erreichten wir die Westküste.
Am Sheringham-Leuchtturm machten wir einen kurzen, regenfreien Spaziergang direkt ans Meer. Nach den vielen Wochen in den Bergen und den grauen, nassen Tagen tat es mal wieder richtig gut, einfach wieder am Wasser zu stehen und den Blick schweifen zu lassen.



Weiter ging es zum Sandcut Beach. Diesen Strand hatte ich schon seit langer Zeit auf meiner Karte markiert, weil ich einmal ein Bild gesehen hatte, auf dem ein kleiner Wasserfall direkt vom Strand ins Meer fließt. Das wollten wir uns nun endlich in echt anschauen.
Der Weg dorthin führte durch matschigen, aber wunderschönen Regenwald. Alles war sattgrün, der Boden übersät mit Tannennadeln und weich, es roch nach nassem Holz und Moos.


Wir hatten Glück das gerade Ebbe war und wir bis zum Wasserfall laufen konnten. Dank der Regenmassen der letzten Tage führte der kleine Wasserfall auch ordentlich Wasser. Und tatsächlich floss er direkt vom Strand ins Meer. Vielleicht nicht der spektakulärste Wasserfall aller Zeiten, aber ich war mega happy, endlich hier zu stehen.



Es blieb weiterhin trocken, also fuhren wir weiter zum Mystic Beach. Auch hier führte uns ein Trail durch dichten Regenwald. Farne, moosbewachsene Bäume – alles wirkte wie aus einer anderen Zeit. Die Sonne versuchte sich tapfer, durch die Wolken zu kämpfen, schaffte es aber nicht ganz, doch dadurch entstand eine ganz besondere Lichtstimmung im Wald – fast ein bisschen mystisch.


Der Weg wurde zunehmend matschiger. Wir hüpften über riesige Pfützen. Die Holzbrücken, die eigentlich helfen sollten, waren teilweise kaum erreichbar, weil ringsum schon alles unter Wasser stand. Auf dem Festland in BC waren weiterhin Rekordwassermengen unterwegs – das merkte man auch hier deutlich.


Am Strand angekommen, warteten gleich mehrere Wasserfälle auf uns, die direkt aus dem Wald auf den Strand beziehungsweise ins Meer stürzten. Dieses Zusammenspiel aus dichtem Wald, Felsen, Wasser und Meer war wirklich besonders.


Als wir zurück am Van ankamen, setzte prompt wieder fieser Nieselregen ein. Also begaben wir uns auf Stellplatzsuche und fanden im dritten Anlauf einen einigermaßen versteckten und nicht allzu vermatschten Platz. Den Rest des Tages arbeiteten wir – an raus gehen war nicht mehr zu denken.
Ostküste
Am nächsten Tage wechselten wir von der Pazifikseite an die Ostküste. Unterwegs kamen wir an einem kleinen „Bonsai-Baum“ in einem See vorbei und sahen tatsächlich mal kurz die Sonne.

Im Cowichan Valley, kurz vor Ladysmith, machten wir noch eine kleine Wanderung zu einem Wasserfall. Nicht weltbewegend, aber schön anzusehen – und wir waren einfach froh über ein paar trockene Stunden und vor die Tür zu können.




Unser nächstes Ziel war die zweitgrößte Stadt von Vancouver Island: Nanaimo. Nach dem schönen Victoria hatten wir wohl etwas zu viel erwartet. Unser erster Eindruck war leider kein guter. Das Erste, was uns auffiel, waren die zahlreichen Menschen, die an Straßenecken saßen und ganz offen Crackpfeifen rauchten. Die kleine Touristenstraße im Zentrum war dann ganz nett, Old Town eher unspektakulär und irgendwie ausgestorben.



Das kleine Stadtmuseum war auch ganz ansprechend gemacht, aber irgendwie eine etwas willkürliche Sammlung von allem Möglichen, von alten Schulbänken über Uniformen und Kaufmannsladen-Inventar. Der Funke sprang nicht so recht über.
Ein sehr leckeres Eis rettete die Stimmung ein wenig, dann fuhren wir weiter und fanden einen ruhigen, unbebauten Wendehammer am Meer als Stellplatz. Vom Meer sah man im Regen zwar nichts – aber schön zu wissen, dass es da war.
Ankunft im Comox Valley
Schließlich erreichten wir das Comox Valley, eine besonders schöne Region auf der Insel, wo bald unser nächster Housesit beginnen sollte. Vorab wollten wir uns schon einmal umschauen und fuhren auf den höchsten Berg der Insel: den 1.588 Meter hohen Mount Washington.
Im Sommer Bikepark, im Winter Skigebiet – zumindest theoretisch. Denn auch hier regnete es. Von Schnee war so gut wie nichts zu sehen, das geplante Eröffnungswochenende, welches eigentlich gerade stattgefunden hätte, musste verschoben werden. Die Betreiber waren sichtlich geknickt von der Situation. Es war die späteste Eröffnung seit vielen Jahren, wie uns die Mitarbeiter vor Ort erzählten.


Schade. Die Preise wären hier deutlich verträglicher gewesen als in Whistler, und Christian hätte große Lust auf eine Runde Snowboard gehabt – und ich auf eine Schneeschuhwanderung.
Aber wir wussten ja bereits, dass wir noch mindestens zwei Wochen hier sein würden, und in zwei Wochen könnte auch viel Schnee fallen – und so war es dann auch.
Aber dazu dann demnächst mehr. 😊
Übrigens: Wenn dir unsere Reiseberichte gefallen und du uns auf unserer Reise unterstützen möchtest, freuen wir uns über einen Beitrag in unsere Diesel-Kasse. Das geht ganz einfach mit diesem PayPal Link.
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Golden Times
Teil 13 unseres Roadtrips durch Kanada
27. Oktober – 4. Dezember 2025
British Columbia
Housesitting 2.0
Nachdem wir uns entschlossen hatten, den kompletten Herbst und zumindest einen Teil des Winters in Kanada zu verbringen, war uns schnell klar, dass wir in dieser Zeit aber nicht zu 100% im Van sein würden. Denn schon der Herbst kann frostig kalt werden hier oben – und der Winter natürlich erst recht. Selbst im Westen von Kanada sind in einigen Regionen Temperaturen von bis zu -30 Grad keine Seltenheit. Und das ist dann kein Camper-Wohlfühlwetter mehr. Die kostengünstigste und in meinen Augen auch schönste Art, dieses Kälte-Problem zu umgehen, ist: Housesitting. Das hatten wir ja schon in Mexiko City mal gemacht – und natürlich auch im Hotelito, in Puerto Escondido.
Nun wollten wir aber weiterhin in den Rockies bleiben und machten uns daher auf die Suche nach passenden Sits – und wurden fündig. Im charmanten kleinen Ort Golden, inmitten der Rocky Mountains, fanden wir ein hübsches Häuschen mit einem süßen Border-Collie-Australian-Sheppard-Mix, auf den wir ganze fünf Wochen lang aufpassen durften, während die Besitzer, Katie und Vincent vereist waren.
Hier erfüllte sich tatsächlich mal wieder ein kleiner Traum, vom Leben in den winterlichen Bergen, mit unzähligen Outdoor-Möglichkeiten und unseren geliebten Nationalparks direkt vor der Tür. Wie winterlich es werden würde, ahnten wir da noch nicht.
Aber überzeuge dich selbst:
Ankunft in Golden
Ende Oktober kamen wir zurück nach Golden – hier hatten wir schon im Sommer mal ein paar Stunden verbracht, diesmal kamen wir in dem Wissen, dass wir länger bleiben würden.
Die Anfahrt zog sich etwas, unter anderem wegen diverser Baustellen, aber auch wegen der Zeitumstellung, zurück in die ‚Mountain Time‘. Dabei waren wir noch immer in der gleichen Provinz, B.C. Diese Zeitzonen verwirren mich jedes Mal aufs Neue.
Am Abend waren wir direkt bei unseren Gastgebern eingeladen. Wir lernten Katie, Vincent und natürlich Loki kennen – einen erst 1,5 Jahre alten, sehr energiegeladenen Bordercollie-Mix.

Vincent ist gelernter Koch, entsprechend gut wurden wir dort versorgt. Ein ziemlich perfekter Einstieg.
Am nächsten Morgen nutzten wir die Zeit bis zur nächsten Verabredung für eine erste kleine Wanderung über die CBT-Trails. Das sind eigentlich fürs Mountainbiken gedachte, angelegte Trails am Ortsrand. Aber es war so kalt, dass weder uns noch sonst jemandem nach Fahrradfahren zumute war (da ahnten wir noch nicht, dass wir einige Tage später bei wesentlich kälteren Temperaturen unterwegs sein würden – inkl. Hund).
Dafür war es sonnig und ruhig und die Aussicht stimmte auch.




Unsere Vorfreude auf die kommenden Wochen wuchs weiter. Am Nachmittag folgte dann der erste Spaziergang mit Loki. Vincent begleitete uns und zeigte uns seine Standard-Spazierrunde und erklärte die Kommandos, die wir mit Loki weiter trainieren sollten. Die Nacht verbrachten wir im Van vor dem Haus, denn am nächsten Morgen begann offiziell unser Housesit.
Hund, Haus & Berge
Nachdem Katie und Vincent in ihren Urlaub gestartet waren und die Putzfrau das Haus aus Vordermann gebracht hatte, übernahmen wir Haus und Hund komplett. Im Haus fühlten wir uns sofort wohl. Ein kleines Traumhaus, ehrlich gesagt. Das hätten wir so wie es ist auch sofort genommen. 😉




Loki gewöhnte sich schnell an uns – und wir hatten ihn ohnehin sofort ins Herz geschlossen. Während er drinnen der reinste Engel war, drehte er draußen richtig auf und war noch ziemlich wild, Teenager eben, aber mit konsequentem Training bekamen wir das mit der Zeit gut in den Griff.




Unsere Tage bekamen schnell eine feste Struktur: Spaziergänge mit Loki, Arbeiten an unseren Online-Projekten, dazwischen immer wieder Blicke vom Balkon auf die umliegenden Berge und das gegenüberliegende Skigebiet „Kicking Horse“. Allein für diese Aussicht hat sich dieser Housesit schon gelohnt. Einfach traumhaft!


Bei den täglichen Gassirunden lernten wir die Umgebung immer besser kennen und fanden immer neue Wege und Trails direkt vor der Haustür.
Annes erster Winter-Geburtstag
Am 4. November stand der erste Wintergeburtstag meines Lebens an. Sonst war ich zu diesem Anlass ja lieber in wärmere Gefilde geflüchtet. Mein Wunsch dieses Jahr war: eine Winterwanderung. Davor gab es allerdings noch eine Überraschung um Mitternacht – eine Eistorte. Genau meine Art Geburtstagstorte.

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Morgen, packten wir dann alles zusammen, inklusive Loki, und machten uns auf den Weg in den nur ca. 45 Minuten entfernten Banff Nationalpark. Ziel war der Boom Lake Trail. Schon auf der Fahrt nahm der Schnee links und rechts der Straße immer mehr zu. Am Trailhead angekommen, war alles weiß, also richtig weiß. Winter-Wonderland pur. Ich bekam den Mund kaum zu.

Die Wanderung selbst war technisch nicht besonders schwierig und der Trail relativ flach, aber durch die Schneelandschaft unglaublich schön. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und etwa minus zehn Grad. Ein absoluter Wintertraum – an meinem Geburtstag!



Am Boom Lake angekommen, waren wir ganz alleine. Der See lag ruhig zwischen den Bergen, leider kam die Sonne dort schon nicht mehr drüber.





Aufgrund der eisigen Temperaturen fiel die Pause aber recht kurz aus und dann ging es auch schon wieder zurück zum Van und ab nach Golden – die Eistorte wartete schließlich noch.
Abends wollten wir eigentlich essen gehen, doch das ausgesuchte Restaurant hatte ausgerechnet an diesem Abend außerplanmäßig geschlossen. Schade. Und sonst war die Restaurant-Auswahl in dem kleinen Ort nicht besonders prall. Stattdessen machten wir es uns dann vor dem Kamin gemütlich – es hätte schlimmer sein können.
Schnee & Mountainbiken in Golden
Am Tag nach unserem Banff-Ausflug kam der Schnee dann auch direkt in Golden an. Sehr zur Freude von Loki, der Schnee liebt. Passend dazu kam auch meine Winterausrüstung an, bestehend aus warmen Schneeboots und einem wasser- und Lokifesten Regenmantel (der biss uns nämlich gerne mal in die Kleidung), sodass langen Schneespaziergängen nichts mehr im Weg stand.




Zwischen Spaziergängen und Arbeit nutzten wir die schneefreien Tage für die ersten Mountainbike-Runden über die CBT-Trails und die zahlreichen Trails hinter unserem Haus. Wir fanden ein echtes Mountainbiker-Paradies vor. Matschig, rutschig, aber genial.



Nachmittags probierten wir dann Mountainbiken mit Hund – was überraschend gut funktionierte. Kein Wunder, Lokis Besitzer gehen fast täglich mit ihm auf die Piste. Endlich schafften wir es, Loki wirklich müde zu bekommen. Dieser Hund hat eine unfassbare Energie.



Die nächsten Wochen waren geprägt von viel Bewegung mit Loki. Unsere 8 km langen Joggingrunden zum Confluence Park, wo zwei Flüsse ineinander fließen, beeindruckten ihn aber herzlich wenig.



Lange Spaziergänge und Mountainbike-Touren hielten ihn und uns aber gut beschäftigt. Parallel nahmen einige unserer Projekte wieder Fahrt auf, sodass wir die Zeit zwischen den Sporteinheiten viel am Arbeiten waren. So vergingen die Wochen erstaunlich schnell.
Schneeschuhwandern & unser erstes Mal Langlauf
Am 19. November erfüllten wir uns einen lang gehegten Wunsch: Schneeschuhwandern. Das haben wir bis jetzt beide nur einmal in der Antarktis gemacht.
Schneeschuhe liehen wir uns in Golden und fuhren zum Lake-O’Hara-Parkplatz, im 40 Minuten entfernten Yoho Nationalpark. Von dort ging es auf den Great-Divide-Trail, der den Yoho Nationalpark mit dem Banff Nationalpark verbindet – im Spätsommer waren wir diese Strecke noch bei schönstem Wetter mit dem Fahrrad gefahren.

Neben der frisch gespurten Langlaufloipe stapften wir durch tiefen Schnee. Anstrengend, aber richtig gut.



Einige Abzweigungen zu weiteren Seen waren noch nicht ausreichend verschneit, also blieben wir auf der zugeschneiten Straße, kamen aber trotzdem voll auf unsere Kosten.
So sehr, dass wir beschlossen, am nächsten Tag direkt wiederzukommen – diesmal mit Langlaufskiern.
Wir hatten in jeglicher Hinsicht Glück mit unserem Housesit, denn Katie und Vincent hatten uns sogar ihre Langlaufskier hinterlassen, was uns eine Menge Leihgebühren sparte. Für mich war es das erste Mal überhaupt auf Skiern, ich bin ja sonst überhaupt kein Wintersportler, geschweige denn Winter-Fan. Christians letzte Langlaufversuche lagen auch bereits 4 Jahrzehnte zurück. Optimismus war trotzdem ausreichend vorhanden – zumindest bei ihm.
Auf dem Weg Richtung Lake Louise passierte dann allerdings wieder etwas, das uns in Zukunft noch öfter beschäftigen sollte: Moby ging am Berg plötzlich in den Notlauf. Wir hielten an und lasen den Fehlerspeicher aus. Das Motorsteuergerät hatte einen zu hohen Druck vom Turbolader bemängelt. Da es aber ein „Signal-Calculation-Fehler“ war, musste die Ursache nicht unbedingt ein defekter Turbo oder ein anderes Bauteil sein, sondern konnte vielmehr in der Software des Steuergerätes liegen. Laut unserer Recherche zum Glück nichts Akutes und Bedrohliches. So konnten wir den Fehler löschen und weiterfahren – auch wenn mir dabei ehrlich gesagt nicht ganz wohl war. Das Ganze weckte Erinnerungen an unsere massiven Probleme in den USA.
Doch wir kamen ohne weitere Probleme und Auffälligkeiten an unserem Ziel an. Wieder starteten wir im Yoho Nationalpark und schnallten dort die Skier an. Was für ein irres und lustiges Gefühl, zum ersten Mal im Leben auf (Langlauf-)Skiern zu stehen. Ich hab‘ mich fast bepisst vor Lachen.

Aber tatsächlich meisterte sogar ich den Langlauf auf Anhieb. Naja, also ich kam zumindest voran.

Die Great Divide Road ist recht flach und somit perfekt zum Üben. Die ersten Abfahrten sorgten bei mir für leichte Panik, es wurde aber schnell besser. Es kam mir vor, als wäre ich bergab rasend schnell gewesen, die GPS-Aufzeichnung zeigte knapp 12 km/h. Haha. Trotzdem: Weder Knochen noch Ski waren gebrochen, somit verbuchten wir diesen Tag als Erfolg.

Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher zum Lake Louise, der zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht zugefroren war. Ganz ohne Menschenmassen, so wie sonst im Sommer, war der See und seine Kulisse dennoch beeindruckend.

Zurück in Golden wartete Loki schon ungeduldig auf seine Runde und nahm auf unsere müden Beine keine Rücksicht.

Great Divide 2.0
Eine Woche später ging es erneut zum Langlaufen, diesmal vom oberen Ende der Great Divide, also aus dem Banff Nationalpark startend. Dort lag noch viel mehr Schnee. Exakt zwei Monate zuvor, sind wir hier noch mit kurzen Sachen langgeradelt:


Die Loipe war frisch gespurt und es lief immer leicht bergab, somit kamen wir noch besser voran. Ich wurde mutiger und landete natürlich prompt dreimal auf dem Hintern, was dem Spaß keinen Abbruch tat.




Ich hätte nie gedacht, dass wir mal zusammen Wintersport betreiben. Eine neue persönliche Höchstgeschwindigkeit habe ich auch geschafft. 14 km/h. Olympia, ich komme!

Ganzkörper-Muskelkater war übrigens inklusive. Gar nicht so ohne, dieser Sport.
Nur zwei Tage später fuhren wir schon wieder nach Lake Louise. Es hatte noch mal Neuschnee gegeben und wir wollten unbedingt noch mal eine Schneeschuhtour machen. Diesmal wanderten wir nur einen kleinen Teil der Great-Divide-Straße und bogen dann zum Ross Lake ab.
Bei minus zehn Grad gefror mir nach wenigen Minuten das Wasser im Trinkschlauch. Der Fail des Tages! Zum Glück hatte ich noch heißen Tee dabei.
Erneut fanden wir uns im Winter-Wonderland wieder. Diesmal aber so richtig. So. Viel. Schnee!



Dabei hatte der Typ im Verleih noch angezweifelt, ob es sich überhaupt lohnen würde, mit Schneeschuhen loszugehen. Für die Kanadier ist das hier alles noch nichts. Aber wir haben beide noch niemals so viel Schnee gesehen. Es war einfach wunderschön – selbst für Winter-Skeptiker wie mich.


Der Ross Lake war natürlich komplett zugefroren und zugeschneit, sodas wir auch darauf rumlaufen konnten.

Wir legten dort eine Pause ein und erkundeten noch einen Backcountry-Trail, wo uns irgendwann ein Skitourer begegnete. Für Wintersportler ist das hier echt das Paradies.



Zeitlich mussten wir uns dann etwas beeilen – Loki wartete zu Hause. Aber einen Abstecher zum Lake Louise genehmigten wir uns noch. Und schon wieder wurden wir überrascht: Der riesige See war nun komplett zugefroren. 8 Tage zuvor, war hier noch nichts von Eis zu sehen gewesen. Und jetzt konnten wir auf der Eisfläche herumlaufen. Wahnsinn!



Technikkram & Abschied
Neben all dem Draußensein wurde auch geschraubt. Christian nutzte die Zeit und verkabelte unser Starlink Mini endlich ordentlich, baute alte Halterungen aus und neue ein und kümmerte sich um andere Kleinigkeiten, wie frische Silikonfugen und sowas.
Irgendwann machte dann die Dieselheizung Probleme: Der Lüfter wurde extrem laut, vermutlich war das Lager über die Wupper gegangen. Das passende Ersatzteil für unsere russische Heizung war natürlich in Kanada nicht verfügbar, die Kommunikation mit dem Hersteller (mittlerweile in Litauen) zäh. Aber immerhin lief sie noch und würde hoffentlich durchhalten, bis das Ersatzteil aus Europa ankam.
Auch mein Mountainbike war mal dran, meine versenkbare Sattelstütze verweigerte nämlich ihren Dienst – beim Entlüften der Sattelstütze zeigte sich, dass ein professioneller Service wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen sollte. Hach ja, es wird eben nie langweilig bei uns.
In unserer letzten Woche wurde es deutlich kälter, der Schnee blieb dauerhaft liegen, wenn auch leider nur sehr wenig. Mountainbiken fiel daher aus, dafür gab es umso mehr lange Gassirunden mit Loki.




Wir testeten außerdem endlich mal die lokale Whitetooth Brewery und waren ehrlich begeistert. Wirklich gutes Bier.


Schließlich neigte sich unsere Zeit in Golden dem Ende zu. Die Zeit war viel zu schnell vergangen.
Aber wir bekamen kurzfristig zwei Tage Verlängerung, da Vincents Rückflug aus den Northwest Territories wetterbedingt ausfiel – dort herrschten Temperaturen um -30 Grad und Schneesturm. Und bei dem Wetter arbeitete er dort als Industriekletterer, draußen an irgendwelchen Gerüsten. Crazy!
Schließlich kam er doch noch an, wir machten Haus und Van wieder bereit und verabschiedeten uns schweren Herzens von Loki und diesem besonderen Ort.

Fünf Wochen Golden fühlten sich für uns wie ein kleiner Wintertraum an – auch wenn es für die Kanadier noch gar kein richtiger Winter war. Für uns war es der bisher schönste Winter – und er war ja noch lange nicht zu Ende.
Jetzt ging es aber erstmal wieder zurück ins Vanlife und direkt weiter ins nächste Winter-Wonderland – das dachten wir zumindest.
Aber dazu dann demnächst mehr. 😊
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Das Okanagan Valley
Teil 12 unseres Roadtrips durch Kanada
15. – 26. Oktober 2025
British columbia
Nach den kalten Nächten und ersten Schneeflocken rund um die Rocky Mountains zog es uns ins Okanagan Valley. Dieses Tal in British Columbia ist bekannt für sein warmes Klima, hervorragende Weine, den Obstanbau und Seen.
Wir hofften dort etwas mildere Temperaturen, Herbstsonne und natürlich guten Wein zu finden. Bevor wir dort eintauchen konnten, stand aber noch ein wichtiger Stopp an.
Kamloops: Reparaturen im Rekordtempo
In Kamloops hatten wir vor allem ein Ziel: Christians defekten Fahrrad-Dämpfer fachmännisch reparieren zu lassen. Den Fahrradladen hatte Christian vorab recherchiert und kontaktiert, und vor Ort wurden wir direkt freundlich empfangen. Der Mechaniker war nicht nur super nett und total interessiert an unserer Reise, sondern erzählte uns auch stolz, dass er selbst zwei deutsche Mountainbikes fährt. Beim Blick auf den Dämpfer hatte er Hoffnung, das Problem schnell lösen zu können – vielleicht sogar noch am selben Tag. Das hörten wir gerne!
Während wir uns auf einen kleinen Besorgungsmarathon machten, ergab sich gleich die nächste Reparaturmöglichkeit: Noch bevor wir den ersten Supermarkt erreichten, entdeckte ich einen dieser Pavillons für Steinschlagreparaturen. Wir hatten uns nämlich schon wieder einen Dotzer in der Scheibe eingefangen. Kanada ist für uns das Land der Steinschläge. Zehn Minuten später war die Sache dann aber schon erledigt.
Und während wir dort noch standen, klingelte schon das Handy: Der Fahrradladen meldete sich – der Dämpfer war fertig. Wow! Rekordzeit.
Nach den Einkäufen holten wir das reparierte Teil ab und waren damit auch schon bereit, Kamloops wieder zu verlassen. Städte voller Stripmalls hatten wir inzwischen wirklich genug gesehen.
Zwischen Kamloops und dem nördlichen Okanagan Valley fanden wir einen Übernachtungsplatz an einer spannenden, alten Holzbrücke an einem Fluss.


Die Nacht war kalt, aber ruhig. Am nächsten Morgen wunderte ich mich über die seltsamen „Pferde“ auf der Weide neben uns – bis mir klar wurde: Das waren Alpakas. Die schauten mindestens genauso irritiert wie ich.

Ankunft im Okanagan Valley
Endlich erreichten wir das Okanagan Valley. Aus dieser Region stammt ein Großteil der kanadischen Früchte, denn hier herrscht ganzjährig ein vergleichsweise mildes Klima. Besonders gut gedeihen dort auch Weintrauben, entsprechend viele kleine Weingüter gibt es hier – ein Umstand, den wir natürlich ausnutzen wollten. 🥂
Zunächst starteten wir aber mit einer kleinen Wanderung: erst zu den kleinen Margaret Falls, dann auf einem Loop durch den herbstlichen Wald und am Shuswap Lake entlang. Wunderschön – und außer uns fast kein Mensch unterwegs.



Nach der Mittagspause im Van besuchten wir die nördlichste Winery des Valleys, das kleine Weingut Sunnybrae. Wir probierten acht verschiedene Weine, darunter deutsche Reben wie Riesling, Gewürztraminer, aber auch Sorten wie Foch, Pinot Noir und Merlot. Viele Weine waren uns jedoch zu lieblich. Wir lernten dabei, dass „Off-Dry“ halbtrocken bedeutet – und dass wir davon in Zukunft lieber Abstand halten. Die trockenen Rotweine gefielen uns deutlich besser.


Zum Abschluss machten wir noch einen kleinen Spaziergang durch die hier bereits abgeernteten Reben. Ein vielversprechender Start ins Okanagan Valley.
Salmon Arm
Am Nachmittag ging es weiter nach Salmon Arm – die Orte haben hier teilweise echt komische Namen. Oberhalb des kleinen Örtchens fanden wir an einem Trailhead einen Platz für die sehr verregnete Nacht. Auch der Morgen begann grau und trüb.

Wir beschlossen daher, den Tag im Ort zu verbringen. Christian hatte noch an einem Projekt zu arbeiten, und ich musste mich dringend um unsere Reiseberichte kümmern.
Als wir losfahren wollten, kam dann allerdings die Ernüchterung: Der Van sprang nicht an. Beim Drehen des Schlüssels tat sich einfach nichts. Die Batterie war da, alle Lichter gingen an, aber der Motor machte keinen Mucks. Stattdessen erschien die Meldung „Glühkerzen kontrollieren“.
Das Verhalten kam uns nur allzu bekannt vor – genau so hatte es sich ein paar Wochen zuvor schon in Whitehorse gezeigt. Uns war ziemlich schnell klar, dass es wieder ein Massefehler sein musste. Dabei war das Masseband doch neu.
Christian machte sich direkt an die Arbeit, während ich erneut online recherchierte. Der Übeltäter war schnell gefunden: Das Masseband selbst war, erwartungsgemäß, wie neu, aber die Schraube, die das Band hält und den Stromkreislauf schließt, hatte bereits wieder Rost angesetzt. Diese Schraube hatten wir damals in Whitehorse nur reinigen können, weil wir keine exakt passende Neue gefunden hatten.
Das Internet empfahl, sie erneut zu säubern und mit Kupferpaste zu behandeln. Die hatten wir zwar nicht dabei, aber nach der Reinigung und dem Wiedereinbau sprang Moby zumindest wieder tadellos an. Diese blöde kleine Scheißschraube. 😤
In der Stadt besorgten wir anschließend die empfohlene Kupferpaste und noch ein paar Kleinigkeiten. Am Abend wechselten wir den Platz und stellten uns an ein Sportgelände in Salmon Arm. Dort baute Christian noch einmal alles auseinander und brachte die Paste großzügig zum Einsatz – in der Hoffnung, dass die Schraube nun besser geschützt ist (es scheint zu funktionieren, bis jetzt springt der Van jedenfalls tadellos an).
Da auch der nächste Tag wettertechnisch sehr durchwachsen war und wir beide noch einiges zu erledigen hatten, beschlossen wir, einen weiteren Tag in Salmon Arm zu bleiben. Zwischendurch blieb Zeit für Sport und Joggen, und wir kamen mit allem gut voran. So konnte es am nächsten Morgen, der deutlich freundlicher daherkam, schließlich weitergehen.
Lake Country & noch mehr Wein
Wir tauchten nun richtig ein ins Valley und erreichten Lake Country. Dort steuerten wir das Weingut Intrigue an. Für 6 CAD (3,70 €) durften wir sechs Weine probieren. Auch hier waren einige Halbtrockene dabei, aber auch ein paar sehr gute Tropfen.
Jen, die die Verkostung mit uns machte, nahm sich viel Zeit, gab unzählige Tipps für die Region und erklärte uns, wie hart die Jahre 2023 und 2024 für das Valley gewesen waren. In beiden Jahren war die Temperatur innerhalb einer Nacht von plus 5 Grad auf minus 25 Grad gefallen, was absolut untypisch ist für die Region, und dadurch wurden große Teile der Ernte und Pflanzen zerstört. Manche Weingüter (und auch Obstbauern) verloren 70–90 % ihrer Reben, einige sogar 100 % – und das zwei Jahre in Folge. Eine Katastrophe für die gesamte Region.
2025 hingegen war ein Ausnahmejahr: so ertragreich, dass manche Weingüter Trauben verkaufen mussten, weil die eigene Produktion die Mengen gar nicht verarbeiten konnte. Irre!

Auf Empfehlung von Jen besuchten wir noch die nahegelegene Winery Ex Nihilo. Dort bekamen wir vier fantastische Weine eingeschenkt und eine sehr kompetente Einführung in die regionale Weinproduktion. In nur einer halben Stunde lernten wir richtig viel – zum Beispiel, dass die Weinernte hier immer erst Mitte Oktober beginnt und oft bis Anfang November dauert. Das erklärte auch, warum hier alle Weinreben noch vollhingen.
Weinseelig machten wir uns anschließend auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz am Okanagan Lake – gar nicht so einfach. Überall wiesen Schilder auf Übernachtungsverbote hin, dazu viele schicke Häuser mit Seeblick, bei denen man als Camper nicht unbedingt das Gefühl hatte, willkommen zu sein.
Am Ende fanden wir aber doch ein Plätzchen: direkt am Straßenrand, aber mit Seeblick, fernab von Häusern und Schildern. Die Nacht war ruhig – bis auf einen Besuch der Polizei um 2:30 Uhr. Christian wurde wach, als ein Auto hinter uns hielt. Blaulicht und zwei Beamte mit Taschenlampen umrundeten den Van – und fuhren schließlich wieder, ohne uns zu behelligen. Auch das war ein Novum in Kanada.
Kelowna – besser als sein Ruf
Es ging weiter nach Kelowna, eine der am schnellsten wachsenden Städte in British Columbia, und die größte Stadt im Okanagan Valley. Wir hatten im Vorfeld einiges über hohe Kriminalitätsraten gelesen und waren entsprechend skeptisch – wurden aber positiv überrascht. Wir entdeckten eine gepflegte Stadt mit vielen schönen Ecken, einer netten Waterfront, schönen Cafés, individuellen Läden und einem vielfältigen kulturellen Angebot.



Wir drehten eine Runde durch die Innenstadt, füllten unsere Vorräte auf und zogen dann weiter Richtung Süden.
Peachland
Auf dem Weg nach Penticton legten wir einen kurzen Stopp in Peachland ein – von wegen Super Mario World! 😉 Der Name kommt nicht von ungefähr, hier werden Unmengen an Pfirsichen (und Kirschen, Äpfeln, Birnen, Pflaumen, etc.) angebaut.
Uns zog es an den Ortsrand zu den Harvey Falls. Ein kurzer Spaziergang durch den bunt gefärbten Herbstwald führte uns zu dem kleinen Wasserfall.



In der Saison kann man hier Lachse beobachten, von diesen (ehrlich gesagt sehr hässlichen Fischen) hatten wir in Alaska allerdings mehr als genug gesehen. Die bunten Blätter und der kleine Wasserfall reichten uns völlig.
Penticton: Wein, See und Geburtstag
Penticton, am südlichen Ende des Okanagan Lakes, gefiel uns auf Anhieb. Mit einem Eis in der Hand schlenderten wir durch die kleine Innenstadt bis zur schön angelegten Seepromenade. Im Sommer muss hier richtig was los sein, aber auch jetzt in der Nebensaison hatte der Ort einen ganz besonderen Charme.






Etwas oberhalb der Stadt gönnten wir uns, auf Empfehlung von Reisefreunden, erneut eine Weinverkostung bei Poplar Grove – ein wunderschönes Weingut mit spektakulärer Aussicht auf den Okanagan See.



Das Restaurant sah ebenfalls sehr verlockend aus, aber wir entschieden uns, den Geldbeutel zu schonen.
Wir fanden einen Stellplatz oberhalb der Stadt, direkt zwischen einem Aussichtspunkt und einem BMX-Park, den wir gleich testeten. Die Räder brauchten wir ohnehin, denn am nächsten Tag stand Christians Geburtstag an.
Schon zum fünften Mal feierten wir Christians Geburtstag auf der Reise.
Wie es sich gehört, gab es (gekaufte) Geburtstagstorte und ein ausgiebiges Geburtstags-Frühstück.


Anschließend schwangen wir uns auf die Räder. Unser Ziel: der Kettle Valley Rail Trail. Der Trail ist, wie der Name schon verrät, eine ehemalige Bahnstrecke. Der Trail verläuft durch Penticton und hat insgesamt eine Länge von 660 km. Wir nahmen uns davon nur 31 km vor – plus Rückweg.
Durch Weinfelder und Berge ging es stetig leicht bergauf, den Okanagan Lake immer im Blick. Wirklich wunderschön.




Nach etwa 30 km erreichten wir den knapp 500 Meter langen Adra-Tunnel. Dort stellten wir fest, dass wir unsere Lampen vergessen hatten. Mist! Aber dank der einfallsreichen Kanadier kein Problem: Bei der Einfahrt in den Tunnel, gingen nach und nach Lichter an der Decke an, dank Bewegungsmeldern. Sehr clever! Sogar ein Kronleuchter hing unter der Decke.




Am anderen Ende legten wir eine Pause mit Seeblick ein und radelten anschließend zurück – natürlich nicht ohne eine Weinprobe entlang der Naramata Bench, so wird das Ostufer des Okanagan Sees genannt.
Im kleinen Weingut Serendipity probierten wir fünf hervorragende Rotweine und lernten viel über die spannende Geschichte des kleinen Weinguts. Eine Flasche wanderte in unseren Rucksack, bevor es zurück nach Penticton ging.
Abends feierten wir mit Pizza im Ort weiter. Als die Brauerei um 21:30 Uhr schloss, gingen wir spontan ins Kino gegenüber und schauten den neuen Film mit Keanu Reeves. Genau das Richtige für diesen Tag. Das Geburtstagskind war jedenfalls zufrieden – und das ist ja das Wichtigste.

Insgesamt blieben wir drei volle Tage in Penticton. Neben weiteren Erkundungen besuchten wir noch die Hillside Winery, bevor es abends in die Abandoned Rail Brewery ging, die ebenfalls entlang des Kettle Valley Rail Trails liegt. Hervorragendes Bier und richtig gute kanadische Pizza. Besser konnte es kaum sein.



Langsam wurde es aber mal Zeit für eine Alkohol-Pause. 😉
Oliver
Ganz loslassen konnten wir das Okanagan Valley aber noch nicht und fuhren weiter südlich nach Oliver. Dort ließ uns allerdings das Wetterglück im Stich, somit fielen „Stadtbesichtigung“ und weitere Erkundungen buchstäblich ins Wasser.
Wir bezogen einen Stellplatz oberhalb des Skaha Lakes mit Blick Richtung USA – so weit südlich waren wir inzwischen schon.


Zwei Tage saßen wir hier aus, einer davon komplett verregnet. Die geplante Weinprobe im Weingut nebenan fiel daher auch aus. Stattdessen kümmerten wir uns um Admin-Kram, schauten viel Netflix und nutzten einfach mal die Pause.

Nach zwei Tagen ging es zurück nach Oliver für ein paar Erledigungen – und dann langsam wieder Richtung Norden und zurück in die Rocky Mountains – ja, schon wieder. Aber diesmal wartete da was ganz Besonderes auf uns. 🐶🏠
Aber dazu dann demnächst mehr. 😊
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Teil 11 unseres Roadtrips durch Kanada
6. – 15. oktober 2025
British Columbia & Alberta
Wir hatten große Pläne für eine weitere Woche in den kanadischen Rockies. Doch schon bei der Anfahrt Richtung Banff National Park wurde klar, dass der Herbst inzwischen das Kommando übernommen hatte. Auf den Bergspitzen lag der erste Schnee, die Luft war kalt und klar – wunderschön, aber auch ein deutlicher Hinweis darauf, dass die kommenden Tage kein sommerlicher Spaziergang werden würden.
Wie schon so oft bezogen wir erneut den Lake Louise Overflow Parkplatz. Der hing uns zwar inzwischen ein bisschen zum Hals raus, war aber nach wie vor die beste und günstigste Option in der Region. Um den Generatoren der Dickschiffe zu entgehen, stellten wir uns wieder auf die LKW-Seite, die im Zweifel ruhiger ist als der Camperbereich. Von dort ging es am nächsten Morgen sehr früh los – zu einem Wander-Highlight, auf das wir uns besonders gefreut hatten.
Der lange Weg zum Lake O’Hara
Um den Lake O’Hara hatten wir bislang immer einen Bogen gemacht. Der Zugang erfolgt über eine 11 km lange Straße, die für Privatfahrzeuge und seit 2 Jahren leider auch für Fahrräder gesperrt ist. In der Hochsaison gibt es hier einen Shuttlebus. Die Plätze dafür sind begehrt und müssen jedes Jahr bereits im März gebucht werden, kurzfristig hat man praktisch keine Chance und flexibel ist man damit natürlich auch nicht. Und ehrlich gesagt hatten wir bisher auch wenig Lust, erst 11 km zum See zu laufen, dann eine anspruchsvolle Wanderung zu machen und anschließend die 11 km wieder zurückzulatschen.
Aber die Bilder, die ich immer wieder gesehen hatte, waren einfach zu schön. Für Dienstag, den 7. Oktober, war ein gutes Wetterfenster angesagt – also wagten wir es nun doch.
Kurz nach Sonnenaufgang starteten wir bei eisigen Temperaturen und liefen die 11 km lange Straße mit rund 400 Höhenmetern hinauf. Unsere Hoffnung war: Vielleicht für den Rückweg doch noch einen Shuttlebus erwischen, da diese auf dem Rückweg nicht immer voll ausgelastet sind. Vor Ort stellten wir dann fest, dass seit Anfang Oktober überhaupt keine Busse mehr fahren, die Saison war vorbei. Also war klar: Das würde ein sehr langer Tag werden.

Nach etwa zwei Stunden erreichten wir den See. Und ehrlich gesagt – der erste Eindruck war überraschend unspektakulär. Der Lake O’Hara selbst haute uns nicht sofort vom Hocker, aber wir sind inzwischen auch ein bisschen verwöhnt. Zum Glück begann der spannende Teil der Tour jetzt erst.


Der Weg führte bald schon steil bergauf und eröffnete erste Fernblicke auf den Mary Lake und die umliegende Bergwelt.


Und von da an wurde es mit jedem Kilometer besser. Der Trail war unglaublich abwechslungsreich, führte durch herbstlichen Wald, in dem die gelben Lärchen schon in den letzten Zügen waren, und bot immer neue Ausblicke.



Am berühmten Aussichtspunkt mit dem Namen „Opabin Prospect“ standen wir schließlich sprachlos über den O’Hara- und Mary Lakes. Einfach wunderschön.




Nach einer Stärkung ging es weiter in den Talschluss hinein und über eine geröllige Felsflanke zurück Richtung Lake O’Hara.





Wir kamen kaum voran, weil wir ständig stehen blieben, schauten und staunten.



Nach einem felsigen Abschnitt erreichten wir den nächsten Talschluss mit dem Lake Oesa, in den ein Gletscher hineinragt. Daneben leuchtete der Victoria Lake in einem unwirklich intensiven Türkis. Alles war viel zu schön, um echt zu sein.




Nach vier Stunden waren wir schließlich zurück am Ufer des Lake O’Hara und machten uns an den laaaangen Rückweg zum Parkplatz. Am Ende standen 32 km und 1.100 Höhenmeter auf der Uhr – und zwei sehr glückliche Menschen am Van. Ein Glück, dass wir uns dieses Highlight nicht entgehen haben lassen.
Zur Übernachtung ging es wieder zurück auf den bekannten Overflow-Parkplatz, bevor wir am nächsten Morgen weiterzogen.
Icefields Parkway – Wintereinbruch im Oktober
Zum dritten Mal in diesem Jahr fuhren wir über den Icefields Parkway (der die Nationalparks Banff und Jasper verbindet), diesmal mit Ziel Mt. Robson Provincial Park nördlich von Banff und Jasper. Von dieser Straße bekommt man eigentlich nie genug – diesmal allerdings sahen wir deutlich weniger als sonst.
Anfangs war der Himmel noch blau mit dichter Bewölkung und gelegentlichen Sonnenfenstern, doch je weiter wir kamen, desto grauer wurde es. Erst nieselte es, dann sahen die Tropfen plötzlich aus wie Schnee. Je näher wir Jasper kamen, desto dichter wurde das Schneetreiben. Die Bäume am Straßenrand waren bereits weiß, die Straße wurde matschig. Erster Schnee am 8. Oktober – ziemlich verrückt.




Am höchsten Punkt des rund 2.000 m hohen Passes standen ein paar tapfere Besucher auf der Glasbrücke, von der man normalerweise eine grandiose Aussicht hat. An diesem Tag gab es: Nebel und Schnee. Bergab ließ der Schnee kurz nach, nahm dann aber noch einmal zu. An der Sunwapta Lodge machten wir Mittagspause und hatten kurz Sorge, ob wir danach überhaupt wieder loskommen würden. Zum Glück ließ der Schneefall nach, zurück blieb nur eine nasse Straße.
Hinter Jasper war vom Schnee fast nichts mehr zu sehen. Am Mt. Robson Park angekommen, sahen wir zwar vom Berg erst einmal gar nichts, aber immerhin hatte es hier nur geregnet – gut für unsere nächste Wanderung, die fast Marathon-Länge hatte…
Wandermarathon auf dem Berg Lake Trail
Entgegen den Google-Infos war das Welcome Center bereits geschlossen. Wir konnten uns also keine aktuellen Infos zu unserer nächsten Wanderung zum Berg Lake Trail holen. Zum Glück hatten wir gut recherchiert und bezogen trotzdem optimistisch einen Platz am Trailhead. Der Berg Lake Trail gilt als eine der schönsten Mehrtageswanderungen in den Rockies und wir (bzw. ich) hatten den ehrgeizigen (irren) Plan gefasst, diese Wanderung in einem Tag zu machen.
Ich lief die ersten zwei Kilometer des Trails ab, denn wir hatten gelesen, dass man die ersten sieben Kilometer der insgesamt 21 km langen Strecke mit dem Mountainbike fahren darf. Trotz Dauerregen war der Weg erstaunlich gut in Schuss. Also packte Christian am Abend die Räder aus, damit wir am nächsten Morgen direkt starten konnten.
Bevor wir schlafen gingen, schaute ich noch einmal nach draußen – und entdeckte einen Zipfel des Mt. Robson. Mit 3.945 m ist er der höchste Berg der kanadischen Rockies. Und wir standen direkt an seinem Fuß.

Der Morgen begann neblig und kalt, aber immerhin mit +4 °C statt der vorhergesagten -4 °C. Dick eingepackt radelten wir durch herbstlichen Wald hinauf zum Kinney Lake, der noch mystisch im Nebel lag. Am Campground stellten wir die Räder ab und starteten unsere Mammutwanderung.




Der Trail war erst in diesem Jahr wieder eröffnet worden, nachdem er 2021 durch einen Erdrutsch stark beschädigt worden war. Entsprechend gut war der Zustand. Zunächst ging es durch moosigen Wald, später über Bäche und Flüsse, stetig bergauf bis zu den Wasserfällen. Zu Beginn lag alles noch in dichtem Nebel, aber nach und nach riss der Himmel auf und wir bekamen die Sonne zu sehen.





Der beeindruckendste der Wasserfälle war der Emperor Fall, hinter dem der Mt. Robson thront. Inzwischen war der Himmel komplett aufgeklart – kalt, aber perfekte Bedingungen. Wir Glückskinder!


Weiter ging es flacher, am Fluss entlang, über einen gerölligen Abhang und schließlich hinter den Mt. Robson, durch eine Art Flussbett.




Hier hatte die Sonne noch nicht hingeschienen, die Steine waren spiegelglatt. Beinahe wären wir beide im Eisbad gelandet.

Nach insgesamt 21,5 km standen wir schließlich am Ziel unserer Wanderung, dem Berg Lake. Der See liegt direkt am Fuße des Mt. Robson und wird von einem seiner Gletscher gespeist – ein unglaublicher Anblick.




Da kann man schon verstehen, dass sich viele am einfachen Campground am Seeufer niederlassen und ein paar Tage hierbleiben. Aber zelten ist einfach nicht unser Ding.
Nach einer wohlverdienten Pause machten wir uns also wieder auf den Rückweg, der uns noch einmal fantastische Ausblicke bescherte.

Als wir den Kinney Lake wieder erreichten, war die Sonne bereits hinter den Bergen verschwunden. Umso dankbarer waren wir für die Bikes, die uns die letzten sieben Kilometer erleichterten.



Am Ende standen 43,5 km und 1.140 Höhenmeter auf dem Tacho – und die Erkenntnis, dass wir eine sonst drei- bis viertägige Tour an einem Tag geschafft hatten. Neuer Rekord!

Valemount
Am nächsten Tag ließen wir es ruhig angehen und fuhren erst gegen Mittag vom Parkplatz los. Beim Rausfahren trafen wir die Bärlis, aka Anette und Frank, die wir auf der Baja kennengelernt hatten. Mit den beiden verabredeten wir uns für den Abend im Örtchen Valemount.
In Valemount steuerten wir zuerst die Tourist Information an, um zu fragen, ob der dortige Bikepark noch geöffnet sei, der als einer der besten der Region gilt. Ja, bestätigte man uns – großartig. Wir stellten uns an einen Sportplatz, ich kümmerte mich ums Mittagessen und Christian checkte die Räder. Dabei fiel auf: Sein hinterer Dämpfer funktionierte nicht richtig. Leider bestätigte sich der Verdacht – der Dämpfer dämpfte quasi gar nicht mehr und selbst reparieren konnten wir das nicht. Der Bikepark war damit erst mal gestrichen, denn auch der hiesige Fahrradladen hatte leider bereits geschlossen. Wir waren mega enttäuscht.
Also spazierten wir stattdessen durch den kleinen, aber ganz netten Ort. Abends kamen die Bärlis dazu und wir landeten gemeinsam in einer Pizzeria. Es gab überraschend gute Pizza, leckeren Wein und einen sehr schönen, langen Abend im Bärli-Mobil, mit noch mehr Wein.


Der nächste Tag war grau, kalt und regnerisch, auf den Bergen zeigte sich der erste Schnee. Erst am Nachmittag wagten wir uns vor die Tür – vielleicht spielte der Wein vom Vorabend dabei eine kleine Rolle. Gemeinsam mit Anette und Frank liefen wir durch den Cranberry Marsh und verbrachten erneut einen geselligen Abend zu viert, diesmal aber ohne Vino.



Clearwater & Wells Gray Provincial Park
Am nächsten Morgen versorgten wir uns an der örtlichen Eis- und Sporthalle noch mit frischem Wasser. Ein sehr netter Mitarbeiter erklärte uns dabei auch, wie eine Eishockeyfläche gemacht wird: Die Eisfläche wird Schicht für Schicht aufgebaut, indem immer wieder hauchdünne Wasserschichten aufgesprüht werden, die sofort gefrieren. Zwischendurch werden Linien und Markierungen eingelegt, bevor weitere Schichten folgen. Wieder was gelernt.
Dann ging es weiter Richtung Süden nach Clearwater. Nach einem Eis-Stopp bei Dairy Queen fuhren wir direkt in den dortigen Wells Gray Provincial Park – einen Park, den wir ursprünglich gar nicht auf dem Schirm hatten. Dort erwarteten uns zahlreiche spektakuläre Wasserfälle. Besonders beeindruckte uns der Helmcken Falls mit 141 m Fallhöhe, der vierthöchste Wasserfall Kanadas. Lavaflüsse und Gletschereis haben hier eine unglaubliche Landschaft geformt.

Ein kurzer 8 km Hike führte uns auf die andere Seite des Wasserfalls, direkt bis zur 140 Meter hohen, ungesicherten Abbruchkante. Ziemlich beeindruckend – und nichts für schwache Nerven.



Leider war es schon spät am Nachmittag, sodass nur noch Zeit für einen weiteren Wasserfall blieb, der dank dunklem Lavagestein ebenfalls beeindruckte.

In Clearwater übernachteten wir an einem kleinen Sportfeld neben Eishalle und Schule. Da Sonntag war und der folgende Montag Thanksgiving, war es angenehm ruhig. Die Nacht war mit -5 °C eisig. Trotz Sonne und blauem Himmel dauerte es lange, bis wir uns am nächsten Tag nach draußen wagten. Wir nutzten die Zeit aber zum Arbeiten, backten Brot und telefonierten mit Freunden in der Heimat.

Nachmittags packte uns die Lust aufs Radfahren. Christian flickte seinen Dämpfer notdürftig – für die Straße reichte es gerade so. Wir radelten erneut zu den Wasserfällen, machten einen Abstecher zum Triple-Decker-Fall und genossen die herbstliche Stimmung.




Auch die nächste Nacht verbrachten wir im Ort. Wir arbeiteten an unserem neuen Projekt und radelten am Nachmittag noch einmal los. Am Ortsrand entdeckten wir den Dutch Lake, den örtlichen Badesee mit kleinem Strand und Steg. Verschneite Bergspitzen in der Ferne und bunte Bäume am Seeufer – es sah echt einladend aus.



Nach einer dritten Nacht in Clearwater war es Zeit weiterzuziehen. Das Okanagan Valley, die Obst- und Weinregion des Landes, wartete bereits auf uns.
Aber dazu dann demnächst mehr. 😊
Übrigens: Wenn dir unsere Reiseberichte gefallen und du uns auf unserer Reise unterstützen möchtest, freuen wir uns über einen Beitrag in unsere Diesel-Kasse. Das geht ganz einfach mit diesem PayPal Link.
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Und ein bisschen Big City Life – Teil 10 unseres Roadtrips durch Kanada
22. september – 5. oktober 2025
alberta
Kananaskis Country
Nach den ganzen Nationalparks war unser nächstes Ziel Kananaskis Country, eine Art Provincial Park, im Vorland der Rocky Mountains, der somit leider nicht in unserem Nationalparks-Pass enthalten ist und mit 15 CAD pro Besuchstag zu Buche schlägt.
Christian hatte aber herausgefunden, dass der Eintritt am 22. September aufgrund eines regionalen Feiertags frei war. Also legten wir unseren ersten Besuch und unsere Wunschwanderung genau auf diesen Tag.
Genau wie in den Nationalparks ist auch in Kananaskis das Freistehen verboten und wird geahndet. Zudem hatten alle Campingplätze bereits geschlossen, da hier der September bereits als Wintersaison gilt, was wir extrem komisch fanden, da immer noch Hochsaison war. Uns blieb also nur übrig, einen Platz zwischen Nationalpark und Provincial Park zu finden, wo Wildcampen erlaubt ist. Da gab es genau einen Ort am Seebe Dam und das hatten natürlich auch andere mitbekommen, entsprechend voll war es dort. Wir fanden trotzdem noch einen guten Platz, auf dem sich etwas später ein PKW-Camper zu uns gesellte. So weit, so gut.
Gegen 23 Uhr fuhr dann plötzlich noch ein PKW auf die freie Fläche zwischen uns. Zwar eng, aber es hätte gerade noch gepasst. Zu unserer Überraschung rangierte der Wagen aber weiter und parkte schließlich direkt hinter uns, quer hinter unserem Heck – also genau dort, wo unser Schlafzimmer ist. So eng, dass wir nicht mal mehr die Türen öffnen konnten, geschweige denn am nächsten Morgen von den Auffahrkeilen heruntergekommen wären.
Christian ging raus und klopfte an, um erstmal nachzufragen, ob alles okay sei. Die Fahrerin, eine offenbar alleinreisende Dame mit osteuropäischem Akzent, wunderte sich über diese Frage. Christian erklärte freundlich, dass sie uns etwas zu sehr auf die Pelle rückte, und bat sie, umzuparken und sich z. B. neben uns zu stellen. Ihre harsche Antwort: „No, this is not your country.“ Aha. So eine also.
Sie erklärte weiter, dass sie am Abend zuvor schon hier gestanden hätte und es für sie kein Problem sei, so nah bei uns zu stehen. Dass sie uns blockierte und es uns eben sehr wohl störte, interessierte sie nicht. Es folgte eine Diskussion, in der sie sich komplett uneinsichtig zeigte und uns schließlich nahelegte, doch einfach zu gehen. Die anderen freien Plätze um uns herum ignorierte sie – sie wollte genau dort stehen.
So etwas ist uns in vier Jahren Vanlife auch noch nicht passiert. Schließlich parkte sie doch so um, dass wir zumindest unsere Türen öffnen konnten. Zu mehr war sie nicht bereit. Ihr nächtliches Gewusel neben uns ging bis halb zwei und nervte uns entsprechend.
Wir legten am nächsten Morgen um 6 Uhr früh ab, was ihr sicher nicht verborgen blieb. Ihre Nacht dürfte also ebenfalls kurz gewesen sein. Auf Nimmerwiedersehen.

Tent Ridge Trail
Kananaskis Country begrüßte uns dann in der Morgendämmerung und mit einer beeindruckenden, leuchtenden Bergkulisse. Ein ziemlich guter Start, auch wenn die 30 km lange Wellblechpiste dorthin ganz schön nervig war. Auf dem sich bereits füllenden Wanderparkplatz frühstückten wir dann erstmal und beobachteten zufällig, wie eine Elchkuh hinter uns im Gebüsch verschwand.
Dann ging es los: 10,5 Kilometer und 800 Höhenmeter lagen auf dem Weg zum Tent Ridge (Zelt-Grat) vor uns – also gut machbar. Zum ersten Mal in dieser Saison hatten wir Minusgrade, als wir losliefen, doch das änderte sich schnell. Die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel und wir liefen durch den gelb leuchtenden Lärchenwald stetig bergauf, sodass uns rasch warm wurde.

Nach der Baumgrenze wurde es steinig, felsig und vor allem: steil! Dafür waren die Höhenmeter schnell geschafft und wir hatten von Beginn an eine gigantische Aussicht auf den großen Spray Lake, der wunderbar blau hinter uns leuchtete.


Wir kletterten weiter hinauf, teilweise wieder auf allen Vieren, bis wir schließlich den Grat erreichten. Ab hier wurde es etwas flacher und wir folgten dem hufeisenförmigen Ridge. Einfach nur wow.



Auf der Hälfte folgte noch ein kurzer Abstieg mit anschließendem steilen Gegenanstieg, bevor wir den höchsten Punkt auf etwa 2.530 Metern erreichten. Rundherum nur Berge, der See und dieser schmale Grat, der wie ein Hufeisen aus der Landschaft stach.


Der Wind nahm zu, aber wir liefen weiter bis zum Ende des Hufeisens, wo der gesamte Spray Lake vor uns lag. Links konnten wir sogar bis in den Banff-Nationalpark schauen. Absolut gigantisch schön!




Wir unterhielten uns kurz mit einem netten Paar aus Denver und stiegen dann für unsere Pause ein Stück ab, weil es auf dem Ridge zu windig war. Etwas geschützter ließen wir uns inmitten der Lärchen unser obligatorisches Käsebrot schmecken – und beobachteten plötzlich, wie ein großer Grizzly etwa 100 Meter unter uns aus dem Unterholz trabte. Dort saßen auch die beiden aus Denver, die sofort aufsprangen und ihr Bärenspray bereithielten. Zum Glück drehte der Grizzly wieder ab. Wach waren danach auf jeden Fall alle und die beiden haben zu Hause was zu erzählen.

Durch die gelben Lärchen ging es steil zurück zum Van, und für uns war klar: Diese Wanderung gehört zu den Top 3 Hikes in den Rockies. Die restlichen 30 Kilometer Wellblechpiste durch Kananaskis Country nahmen wir dafür gern in Kauf, zumal sie uns am Ufer des Spray Lakes vorbeiführten, der auch von hier unten einfach nur wunderschön aussah.




Canmore
Es ging weiter nach Canmore und dort angekommen, waren wir überrascht, wie hübsch diese Kleinstadt, inmitten der Berge, ist. Das hatten wir gar nicht erwartet. Leider gab es hier aber auch viel zu viele Möglichkeiten, Geld auszugeben – in Cafés, Restaurants und Outdoorshops. Aus Selbstschutz beschränkten wir uns darauf, mit dem Van durch die Stadt zu fahren und Lebensmittel einzukaufen.

Im Visitor Center holten wir uns Infos zu Wanderungen und Biketrails und wurden noch einmal über das etwas komplizierte System mit den verschiedenen Parks aufgeklärt. Letztlich ist fast alles gebührenpflichtig, selbst das Nordic-Center-Gelände, auf dem das Visitor Center steht und wo die Biketrails verlaufen.
Freistehen war im Ort unmöglich, der einzige legale Platz war aktuell eine Baustelle, die umliegenden Campingplätze waren hässlich, direkt an den Bahngleisen gelegen und teuer. Also wagten wir es und verbrachten die Nacht illegal auf dem einsamen Parkplatz eines Golfplatzes.
Der nächste Tag begann mit Haushalt und Laundry, bevor wir am Nachmittag die Biketrails rund um das Nordic Center unsicher machten. Wieder einmal fanden wir genial angelegte Trails vor, von daher waren die 15 CAD auch irgendwie gerechtfertigt.



Eine zweite Nacht am Golfplatz folgte, bevor wir am nächsten Morgen, mit dem farbenfrohen Sonnenaufgang, erneut früh aufbrachen und zurück in den Kananaskis Country Provincial Park fuhren.


Pocaterra Ridge Trail
Um sechs Uhr morgens ging es los, wieder rund 99 Kilometer bis zum Trailhead (diesmal zum Glück geteert). Wir frühstückten, packten unsere Sachen und starteten auf den Pocaterra Ridge Trail, der als DER Larch-Hike im Park gilt. Rückblickend können wir das nur bedingt nachvollziehen: Die Lärchen gibt es vor allem auf den ersten zwei Kilometern.




Danach geht es extrem steil hinauf ins alpine Gelände – definitiv nichts für Spaziergänger und Baumgucker. Bäume gibt es dort oben nämlich keine mehr, dafür aber unglaubliche Aussichten.



Der Ridge verläuft geradlinig und hat drei kleine Gipfel entlang des Weges. Normalerweise steigt man auf der anderen Seite ab und braucht entweder ein zweites Auto, einen Shuttle, oder man läuft fünf Kilometer am Highway entlang. Alles keine Optionen für uns, also liefen wir bis zum Ende des Grats und dann denselben Weg zurück – bei der Aussicht ist das unserer Meinung nach ohnehin die beste Lösung.



Mit sechs Kilometern one way und rund 900 Höhenmetern war der Trail zwar nicht lang, aber der Auf- und Abstieg hatte es ordentlich in sich.



Nach unserem Wander-Käsebrot auf dem Gipfel ging es wieder steil hinab. Ich schnallte die Microspikes an, was auf dem rutschigen, sandigen Boden perfekten Grip gab. Durch den gelb leuchtenden Lärchenwald ging es zurück, und kurz vor Schluss begegnete uns noch eine kleine Herde Rocky Mountain Sheeps (Dickhornschafe) – ein perfekter Abschluss für eine mal wieder spektakuläre Wanderung.



Ungeplant nach Calgary
Nach Canmore wollten wir wegen der Parksituation nicht zurück und steuerten daher erneut den einzigen freien Wildcamping-Platz am Seebe Dam an. Diesmal fanden wir auch eine Stelle, an der uns niemand zu nahekommen konnte, und hatten eine deutlich ruhigere Nacht. Zwei nette Angler schenkten uns sogar noch eine frisch gefangene Forelle – man muss die Kanadier einfach mögen!
Wir stellten uns auf einen ruhigen Arbeitstag am Fluss ein, doch es kam mal wieder anders. Morgens streikte plötzlich unsere Starlink-Antenne. Christian testete alles Mögliche und führte diverse Messungen durch, aber irgendetwas schien wirklich kaputt zu sein. Statt einen ruhigen Tag am Fluss zu verbringen, machten wir uns also ungeplant auf den Weg nach Calgary, um dem Problem auf den Grund zu gehen.
Dort hatten wir tatsächlich Glück: Wir fanden jemanden, der Starlink-Systeme verleiht und uns in seinem Vorgarten ein paar Tests mit seinen Geräten und unserem Setup durchführen ließ. Das Ergebnis war eindeutig – alles funktionierte, nur unsere Antenne nicht. Nach gerade mal anderthalb Jahren hatte sie nun scheinbar ihren Dienst quittiert. Ziemlich ärgerlich, auch wenn das Teil vermutlich nie dafür gedacht war, dauerhaft auf 2,75 Meter Höhe auf einem Van durch die Prärie zu brettern.
Tom, der Typ mit dem Verleih-Business, war extrem hilfsbereit und machte uns mehrere Angebote – umgebaute Systeme, eine ältere Antenne – aber wir entschieden uns erstmal für den offiziellen Weg über den Kundendienst. Nach einigem Hin und Her erklärte sich der Starlink-Support schließlich bereit, 80 Prozent der Kosten für eine neue Starlink-Mini-Antenne zu übernehmen. Das war für uns die beste Lösung, also war das Thema zumindest vorläufig geklärt.
Da wir nun ohnehin schon in Calgary waren, schauten wir uns die Stadt etwas genauer an. Calgary gefällt uns von allen kanadischen Städten, die wir bisher kennengelernt haben, mit Abstand am besten. Es gibt zwar nicht wahnsinnig viel kulturelles Angebot, keine spannenden Museen oder Ausstellungen, aber die Atmosphäre ist total angenehm. Trotz Hochhäusern wirkt die Stadt irgendwie gemütlich und weniger hektisch als andere Millionenstädte.




Wir fuhren auf den 191 Meter hohen Calgary Tower, der zwar etwas in die Jahre gekommen ist, aber schöne Ausblicke über die Stadt bis hinüber zu den Rockies bietet.






Auch die Innenstadt selbst gefiel uns gut – viele Restaurants, verlockende Happy-Hour-Locations, Thrift Stores und kleine Boutiquen und Läden. Wir setzten allerdings bewusst die Scheuklappen auf, um nicht in Versuchung zu geraten und zu viel Geld auszugeben.
Übernachten konnten wir in der Nähe des Kensington-Viertels an einem kleinen Park, herrlich ruhig gelegen und mit Skyline Blick.

Hier grillten wir auch endlich die Forelle (am Straßenrand), die uns die Angler zuvor geschenkt hatten. Ein dann doch noch ganz guter Abschluss für unseren ersten Calgary-Besuch.


Wir wussten allerdings schon: Wir kommen bald wieder. Jetzt hatten wir aber erstmal ein paar Termine in Edmonton.
Edmonton
Es ging als zurück ins 300 km entfernte Edmonton, nicht etwa, weil uns die Stadt besonders gut gefällt – eher im Gegenteil –, sondern aus zwei ganz pragmatischen Gründen: Wir hatten sehr günstige Tickets für das dortige Bryan-Adams-Konzert ergattert und wollten außerdem den Tausch unserer Motorhalterung in einer Ducato-kompetenten Werkstatt erledigen lassen.
Samstagnachmittag kamen wir in Edmonton an und bezogen wieder unseren altbewährten Platz im River Valley, in der Nähe von Downtown. Von dort ging es am frühen Abend in die Stadt, wo wir uns vor dem Konzert noch einen Donair gönnten – die kanadisch-türkische Version eines Döners, irgendwo zwischen Kebab und Dürüm, aber wirklich lecker.
Das Konzert fand im neuen Eishockey-Stadion von Edmonton statt, alles super organisiert. Die Vorband „The Sheepdogs“ war nicht ganz unser Ding, Bryan Adams dafür umso mehr. Zweieinhalb Stunden lang spielte er sich quer durch alle seine Hits, die Show war deutlich aufwändiger und besser, als wir erwartet hatten, inkl. fliegender Show-Elemente und Leuchtarmbänder für alle Gäste.



Auf dem Rückweg spazierten wir noch am Neonsign-Outdoor-Museum vorbei, das nachts deutlich mehr hermacht als tagsüber.


Am nächsten Tag zeichnete sich dann aber das nächste Problem ab: Unser Paket mit div. Ersatzteile und Christians neuen Kreditkarten aus Deutschland steckte fest. DHL hatte es an die kanadische Post übergeben – ausgerechnet in der Woche, in der diese in den Streik getreten war. Das Paket ging zurück in die Niederlande, nur um zwei Tage später wieder in einen Flieger nach Kanada verladen zu werden. DHL konnte nichts tun, die kanadische Post war im Streik und unerreichbar, und wir hatten den Salat: kein Ersatzteil, keine Kreditkarten, keine Wasserfilter. Super.
Den Sonntag nutzten wir daher erstmal anderweitig und kümmerten uns um mein Fahrrad. Am Hinterrad war der Freilauf kaputt, das Ersatzteil hatten wir in Calgary bereits besorgt. Christian tauschte das Teil aus und wir machten danach eine ausgedehnte und erfolgreiche Testrunde durchs River Valley. Entlang des Flusses zieht sich ein scheinbar endloser Fahrradweg durch die Stadt, wirklich schön angelegt und für uns ehrlich gesagt das einzige echte Highlight von Edmonton.



Wir fuhren durch hübsche und für Halloween dekorierte Wohngegenden und entdeckten sogar einen Messerschmidt-Kabinenroller mit Kennzeichen aus dem Rhein-Main-Gebiet – mitten in Kanada.



Am Montag ging es dann in die Werkstatt. Zwar immer noch ohne unser Paket, aber es standen ohnehin noch weitere Arbeiten an: der Austausch der Getriebedichtung und die Reinigung des Turbokühlers, in dem noch altes Öl klebte. Leider stellte sich heraus, dass die Getriebedichtung, die wir bei Chrysler in Alaska gekauft hatten, minimal anders war als das originale Fiat-Teil und wohl doch nicht passte. Zum Glück bemerkte der Mechaniker das, bevor alles auseinandergebaut war.
Die (halbwegs) gute Nachricht: Die alte Dichtung schwitzte nur leicht, es war also weiterhin kein akutes Problem. Außerdem konnte einer der Mechaniker die Motorhalterung von Chrysler noch einmal mit dem originalen Fiat-Teil vergleichen (unsere steckte ja im Paket fest) und war sich sicher, dass sie passen würde. Also bestellten sie das Teil und wir verbrachten die Wartezeit außerhalb der Stadt an einem ruhigen Parkplatz am Fluss. Hier ließen sich die zwei Tage bei usseligem Wetter aussitzen. Wir arbeiteten ein bisschen, nahmen die neue Starlink-Mini-Antenne in Betrieb und gingen zwischendurch mal eine Runde laufen, um keinen Lagerkoller zu bekommen.


Zwei Tage später war das Chrysler-Teil da und der Austausch konnte endlich stattfinden. Die Motorhalterung passte perfekt, obwohl sie anders aussah, und auch die Reinigung des Turbokühlers verlief problemlos. Der Van läuft seitdem ruhiger (sagt mein Mann), und vor allem das Bollern des Motors ist weg – Halleluja. Der einzige Wehrmutstropfen kam beim Bezahlen: Während die Motorhalterung aus Deutschland gerade mal 68 Euro gekostet hatte, schlug das Teil von Chrysler mit 318 CAD (200 €) zu Buche. Also drei Mal so viel. Tat weh, half aber nichts.


Nach der Werkstatt kehrten wir noch einmal an unseren Platz am Fluss zurück. Am letzten Abend wurden wir dort sogar von zarten Polarlichtern verabschiedet – ein ziemlich schöner Abschluss dieser eher organisatorisch-chaotischen Tage.

Zurück in Calgary
Am nächsten Morgen ließen wir Edmonton endgültig hinter uns und fuhren wieder zurück nach Calgary. Dieses Mal mit funktionierendem Starlink und etwas mehr Zeit.
Wir schlossen uns einer Walking Tour an, die wieder etwas zu lang war, aber immerhin ein bisschen Wissen rund um die Stadt vermittelte. So erfuhren wir z. B., warum es hier so viele „Skywalks“ gibt – das sind verglaste Übergänge, die Gebäude miteinander verbinden. Diese spannen sich durch die gesamte Innenstadt und erlauben den Leuten, im Winter im Warmen von A nach B zu kommen – denn auch in Calgary werden es gerne mal zwischen -20 und -30 Grad im Winter.










Am besten gefiel uns aber doch das kleine, bunte Kensington Viertel, an dessen Rand wir wieder am Riley Park campten.



Wenn wir nicht gerade durch die Stadt liefen, nutzten wir die Zeit weiter zum Arbeiten und für ein paar Besorgungen. Unser neues Starlink Setup brauchte noch ein paar Teile, und dann hatten wir mal wieder Glück – die Mini-Antenne ging in den Sale und Best Buy (die lokale Version von Media Markt) matchte den Preisunterschied, sodass wir 210 CAD erstattet bekamen. Woohoo!
Es kündigte sich aber nun ernsthaft der Herbst an, es wurde nachts schon fast frostig, und da wir noch ein bisschen in Kanada bleiben werden, war klar, dass wir klamottentechnisch etwas aufrüsten müssen. Daher gab es noch einen kleinen Shoppingtrip, bevor wir uns nach 4 Tagen in der Stadt noch mal auf den Weg in die Rockies machten…🤩 Von den Bergen bekommen wir einfach nicht genug.
Aber dazu dann demnächst mehr. 😊
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Teil 9 unseres Roadtrips durch Kanada
17. – 21. September 2025
British Columbia & Alberta
Wir ließen Banff und somit die Provinz Alberta erstmal wieder hinter uns und fuhren „rüber“ nach British Columbia und in den Yoho-Nationalpark. Nach einem kurzen Einkaufsstopp im süßen Örtchen Golden fuhren wir dann direkt weiter zum Emerald Lake. Hier waren wir Ende Juni schon mal gewesen und hatten leider ziemlich regnerisches und trübes Wetter. Das war diesmal ganz anders. Blauer Himmel und Sonnenschein ließen den See gleich noch mal schöner, türkisblau leuchten.



Wir drehten eine gemütliche 5-km-Runde um den See, wo inzwischen über die scheinbar dauerhaft matschigen Stellen Brücken gebaut worden waren. Die waren zwar noch nicht ganz fertig, aber so konnten wir unsere Zirkusqualitäten weiter ausbauen und dabei saubere Schuhe behalten.



Für den nächsten Tag planten wir eine lange Tagestour im Nationalpark, daher war mal wieder Campingplatz angesagt. Auf dem Monarch Campground fanden wir noch ein Plätzchen in schönster Bergkulisse.

Iceline Trail
Um 6 Uhr klingelte der Wecker und wir machten uns auf zu den Takkakaw Falls, Kanadas zweithöchstem Wasserfall. Dort starteten wir unsere Wanderung zum Iceline Trail, eine anstrengende Tagestour, die uns zu den Überresten des Daly Gletschers führte. Aber erstmal ging es an den Takkakaw Falls vorbei.

Kurz danach wurde es schnell sehr steil. Über enge Serpentinen bahnten wir uns unseren Weg hinauf zum Ridge. Von dort war die Aussicht auf die Wasserfälle und die umliegenden Berge und Gletscher aber schon absolut umwerfend.




Es ging weiter hinauf, bald kletterten wir über ein Felsenmeer, bis wir schließlich die Iceline entdeckten. Viel war vom einstig massiven Daly-Gletscher wirklich nicht mehr übrig.

Alles, was hier nur noch beiger Fels ist, war einst von dickem Eis bedeckt. Man konnte den Überresten weiter beim Schmelzen zusehen, denn überall kamen kleine Bachläufe den Berg hinunter und sammelten sich an manchen Stellen in kleinen Seen.




Der Trail verlief nun weiter auf der Höhe, bis wir schließlich einen Wald erblickten. Dort zweigte unser Weg ab und führte uns leicht bergab in den Wald und über Blumenwiesen. Wir fühlten uns wie im Heimatfilm.




Vorbei am Celeste Lake, ging es weiter durch den Wald, immer auf und ab, bis wir schließlich vor einem weiteren, wunderschönen See standen, der laut Karte keinen Namen hat. Für uns nicht akzeptabel, daher haben wir den See „Lake Anne“ getauft. 😉

Wir überquerten ein paar Mal den Fluss, bevor wir uns wieder in einer Art Felsenmeer befanden und von dort zum nächsten See abstiegen. Hier wurde es dann Zeit für die Mittagspause, bevor es wieder bergauf ging zu den Twin Falls.



Obwohl uns noch einige Kilometer bevorstanden, gönnten wir uns eine kleine Detour und kletterten zu den Wasserfällen hinauf. Der Wahnsinn mal wieder!



Von dort aus begann dann der laaaange Abstieg, der sich gefühlt ewig zog. Aber der Trail wurde nicht langweilig, denn er führte uns am Fluss entlang, vorbei an engen Schluchten und immer wieder kleinen und großen Wasserfällen, wie zum Beispiel den Laughing Falls.



Irgendwann, nach gefühlt endlosen Kilometern, tauchte dann der Takkakaw-Fall wieder vor uns auf und wir wussten, wir haben‘s geschafft und vermutlich eine der schönsten, aber auch anstrengendsten Touren im Yoho-Nationalpark bewältigt. Letztendlich standen 23 km und 1100 hm auf der Uhr und wir waren durch für den Tag.
Great Divide & Morraine Lake
Wir verbrachten eine weitere Nacht auf dem Monarch Campground, von wo aus es am nächsten Morgen auch wieder früh weiterging.
Wir gönnten unseren Füßen eine Pause und stiegen auf die Mountainbikes, um die Great Divide zu fahren – die einstige Verbindungsstraße zwischen dem Yoho- und Banff-Nationalpark. Diese 11 km lange, zweispurige Straße war bis zum Bau des Trans-Canada Highways die einzige Verbindungsstraße zwischen den beiden Nationalparks. Heute ist sie für den Autoverkehr gesperrt und kann nur noch zu Fuß oder mit den Rädern erlebt werden. Also radelten wir mal eben vom Yoho-Nationalpark in British Columbia, rüber zum Banff-Nationalpark, in Alberta.



Aber natürlich waren uns die 11 Kilometer nicht genug, so fuhren wir weiter und noch mal hinauf zum Morraine Lake, wo wir im Juli schon mal waren. Die 14 Kilometer lange Straße hinauf ist nach wie vor für Privatfahrzeuge gesperrt, so kamen uns nur die üblichen Touri-Busse entgegen und wir hatten jede Menge Zeit, die Landschaft zu bewundern.



Schließlich erreichten wir den Morraine Lake, den beliebtesten See der Rockies, wo auch diesmal wieder die Hölle los war. Wir suchten uns ein einigermaßen ungestörtes Plätzchen mit Blick auf den surreal türkisblauen See und ließen uns unser Käsebrot schmecken.



Weitere Wanderungen ersparten wir uns diesmal, wir mussten ja noch die 25 Kilometer zurückradeln.
Arnica Lake
Unsere Füße waren nach dem Tag ausreichend ausgeruht, sodass wir am nächsten Tag wieder wandern gehen konnten. Inzwischen war die „Larch Season“ in vollem Gange. Larches sind Lärchen, also die Nadelbäume, die sich im Herbst gelb färben, bevor sie ihre Nadeln abwerfen. Die bunten Wälder wollten wir natürlich auch sehen, daher ging unsere nächste Wanderung zum Arnica Lake, der wiederum im Banff-Nationalpark liegt und für seine schönen Herbstfarben bekannt ist.
Ausnahmsweise waren wir mal nicht ganz so früh dran und bekamen dafür gleich die Quittung: Der Wanderparkplatz war voll. Wir positionierten uns durch minutenlanges Autoballett so, dass wir keine Fahrzeuge blockierten, und wollten gerade losmarschieren, als eine Parkrangerin auftauchte, die von unserer Idee gar nicht begeistert war. Sie drohte uns (und allen anderen Falschparkern) mit dem Abschlepper, was wir natürlich nicht riskieren wollten. Also mussten wir den Van circa 1,5 km weiter, auf einem anderen Wanderparkplatz, abstellen, bevor es endlich losgehen konnte.
Zur Abwechslung führte uns der Trail erstmal bergab, an einem kleinen See, bevor es dann wieder steil hinaufging, durch den, wie angekündigt, bunten Herbstwald.



Es wurde steiler und steiler, aber die Aussichten dafür auch immer schöner.



Dann erreichten wir den Arnica Lake, der tatsächlich von einem Lärchenwald eingerahmt wird. Das Wasser war glasklar und das Wetter hätte nicht besser sein können.

Ein paar ganz Mutige gingen hier im eisig kalten Wasser sogar baden. Wir beließen es bei unserer Käsebrotpause und pflückten noch ein paar Blaubeeren am Wegesrand, bevor es wieder retour zum Van ging.



Der nächste Tag bescherte uns eine Pause, denn das Wetter war nämlich ausnahmsweise mal „schlecht“, sprich Wolken und Regen statt Sonne. Das nahmen wir zum Anlass, für einen Ausflug nach Banff Town, wo wir uns eine Pizza gönnten (die hier mit Schere gegessen wird) und ein bisschen durch den hübschen Resort-Town spazierten.





Den Banff Nationalpark hatten wir damit erstmal abgehakt (vorerst). Für die nächsten Herbstwanderungen zog es uns nach Kananaskis Country, eine Art Nationalpark ohne Nationalparkstatus.
Aber dazu dann demnächst mehr. 😊
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