Teil 16 unseres Roadtrips durch Kanada
5. januar – 21. februar 2026
Nachdem wir den Norden der Insel erkundet hatten, nahmen wir uns nun die Westküste vor.
Ucluelet
Am Nachmittag erreichten wir Ucluelet und schauten wie immer zuerst im Visitor Center vorbei. Die nette Dame dort (die in den 1980ern mal in Hamburg gelebt hatte) versorgte uns mit Karten, Tipps und Empfehlungen und schon hatten wir einen Plan für die nächsten Tage.
Wir parkten direkt am kleinen Hafen des Ortes – und blieben dort gleich drei Nächte (illegalerweise). Viel los war im Ort nicht, denn im Januar war vieles geschlossen und der Spaziergang durchs „Zentrum“ schnell erledigt. Aber immerhin entdeckten wir ein paar nette, lokale Läden und am Strand ließ sich sogar kurz die Sonne blicken.




Entgegen aller Vorhersagen, regnete es am nächsten Morgen NICHT. Also ging es los zum Wild Pacific Trail, ein bekannter Küstenwanderweg in der Region. Zuerst liefen wir die Runde um den Leuchtturm. Der schön angelegte Weg führte durch dichten Küstenregenwald, immer entlang der wilden Küste. Die Wellen donnerten gegen die Felsen und wir konnten unser Glück kaum fassen: Die Sonne zeigte sich.





Also beschlossen wir spontan, den gesamten Trail zu laufen. Kurz vor dem nächsten Abschnitt holte uns dann aber doch der vorhergesagte Regen ein. Eine Stunde warteten wir ab, dann ging es – wasserdicht verpackt – weiter. Und es hatte sich gelohnt. Der Trail war durchgehend wunderschön und wir entdeckten sogar ein paar Seeotter, die entspannt in den Wellen trieben.




Am Ende des Trails, am sogenannten Rocky Bluffs, hatte die Sonne ein Comeback für eine richtig schöne Lichtstimmung.


Die knapp 12 Kilometer lange Runde war eins unserer absoluten Vancouver Island Highlights.
Tofino & Pacific Rim Nationalpark
Am nächsten Morgen ging es weiter nach Tofino, etwa 40 km entfernt, quer durch den Pacific Rim Nationalpark. Der Ort war größer als gedacht, aber auch hier war Anfang Januar kaum etwas los und vieles geschlossen. Nicht mal Eis gab es – Frechheit!






Die Wasserflugzeug-Rundflüge, mit denen ich schon ewig liebäugele, waren auch in der Nebensaison möglich, aber leider immer noch zu teuer – schade, das hätten wir echt gerne gemacht.
Stattdessen zogen wir wieder die Wanderschuhe an: Der Tonquin Beach Trail war kurz, aber richtig schön. Wieder ging es durch den Regenwald, wieder bekamen wir tolle Ausblicke, liefen über Strände und auch die Sonne war wieder dabei.






Übernachten war rund um Tofino schwierig und leider überall verboten, daher ging es zurück nach Ucluelet – mit ein paar weiteren Zwischenstopps im Nationalpark:
Am Long Beach, der bei Surfern auf der ganzen Welt bekannt und selbst im Winter sehr beliebt ist, liefen wir ein Stück am Strand entlang, leider bei fiesem Nieselregen. Ganz kurz ließ sich die Sonne mal blicken, aber Surfer waren keine da.



Ein weiteres Highlight war der Rainforest Trail – ein kurzer Boardwalk durch teilweise verschneiten Regenwald. Schnee auf Meereshöhe ist hier eher selten, sehr selten sogar, umso besonderer war die Stimmung.



Die dritte Nacht in Ucluelet endete dann mit „The Knock“ – eine Bylaw Officerin erklärte uns freundlich, dass Wildcampen hier nicht erlaubt ist. Die 300 CAD Strafe pro Person blieb uns zum Glück erspart, aber wir sollten nicht noch eine Nacht bleiben. Verstanden. 🫡
Nach dem Frühstück besuchten wir noch den Cedar Loop Trail und die Halfmoon Bay – wieder wunderschöne Trails durch den Küstenregenwald, wieder bei Regen. Naja. So ist es hier eben im Winter.




Der blieb uns dann auch den ganzen Tag treu.
Nach einem letzten Stopp am Nationalpark Visitor Center, mit Blick auf den Long Beach und einer kurzen Wanderung zum South Beach, prüften wir die Vorhersagen für die nächsten Tage. Leider war nur noch mehr Regen und heftiger Wind angesagt – und Stellplätze gab es ja auch keine für uns. Also verließen wir die Westküste wieder.
Die Nacht verbrachten wir mangels Alternativen halb legal auf einem Wanderparkplatz an der Straße. Immerhin war es dort einigermaßen ruhig.
Die Beinahe-Katastrophe
Am nächsten Tag ging es nach Port Alberni, was quasi in der Mitte der Insel liegt. Es regnete und stürmte auch hier durchgehend, also füllten wir nur Vorräte auf und arbeiteten den Rest des Tages.
Auf dem Weg zurück Richtung Comox, am nächsten Tag, zeichnete ich während der Fahrt am Laptop unsere Fahrzeugdaten auf, um dem sporadischen Notlauf-Problem auf die Spur zu kommen. Als der Akku des Laptops langsam schlappmachte, legten wir einen kurzen Stopp ein, um ein Verlängerungskabel nach vorne zu legen. Dabei fiel mir plötzlich ein verschmorter Geruch aus der Technikbox auf. Ich reagierte blitzschnell, stellte den Motor aus und riss den Feuerlöscher aus der Verankerung – und dann hatte Christian den Übeltäter auch schon gefunden: Das Kabel an unserem Votronic-Ladebooster war am Anschluss komplett durchgeschmort.


Wir hatten wirklich riesiges Glück, dass wir das genau in dem Moment bemerkt hatten. Das hätte richtig böse enden können, innerhalb weniger Minuten hätte sich daraus ein richtiges Feuer entstehen können.
Jetzt hatten wir aber ein Problem mehr: Ohne funktionierenden Booster konnten wir unsere Batterien nicht mehr laden – und Sonne war nicht in Sicht, sodass auch über unser Solarpanel nichts hereinkam. 🤯
Zum Glück hatten wir einen Joker: Ron und Barb Gibson, bei denen wir über Weihnachten gehousesittet hatten. Wir schickten Ron eine kurze WhatsApp-Nachricht – und zwei Minuten später kam die Antwort: „Wir sind gerade nicht zu Hause, aber ihr kennt ja den Türcode. Das Apartment ist für euch bereit. Kommt jederzeit vorbei und bleibt so lange ihr wollt.“
Diese Familie ist einfach so lieb und hilfsbereit! Also ging es schnurstracks zurück nach Royston, im Comox Valley.
Zurück im Comox Valley
Wir zogen wieder in die kleine Einliegerwohnung ein und saßen abends lange mit Barb und Ron zusammen. Ich freute mich natürlich am meisten, Gus, den Terriermischling, wiederzusehen.

Ron, ein ehemaliger Pilot und Flugzeugmechaniker, bot sofort seine Hilfe und sein Werkzeug an. Die beiden wiederholten immer wieder, dass wir mehr als willkommen waren, und von „Miete“ wollten sie gar nichts hören. Wirklich wie ein Sechser im Lotto für uns.
Am nächsten Tag machte sich Christian an den Ausbau des defekten Ladeboosters – keine einfache Aufgabe, da er an der engsten Stelle im Van verbaut war und dafür sowohl im Wohnraum, als auch in unserer Heckgarage fast alles ausgeräumt werden musste – bei Regen. Aber dank der gemütlichen Wohnung, dem Vordach und Rons Werkzeug ging das hier deutlich angenehmer.

Dann stellte sich heraus: Der Ladebooster war wirklich komplett durchgekokelt. Und wir stellten zudem fest, dass beim ursprünglichen Einbau einiges schlampig gemacht worden war: falsche, viel zu große Sicherungen, die im Ernstfall nie gegriffen hätten, mangelhafte Isolierungen und falsche Anschlüsse. Ein Wunder, dass das so lange gutgegangen war, und nicht auszudenken, welche Katastrophe da passiert wäre, wenn wir nicht zufällig angehalten und es noch rechtzeitig bemerkt hätten.
Im 1,5 Stunden entfernten Nanaimo fanden wir zum Glück einen Shop mit passenden Ersatzteilen für unser Problem. Der Besitzer des Ladens gab uns sogar unentgeltlich noch ein teures Spezialwerkzeug einfach so mit – auf Vertrauensbasis. Unglaublich, diese Kanadier.
Christian, der zum Glück ja mal Elektroniker gelernt hat und sich mit dem Strom-Kram bestens auskennt, baute alles neu und fachmännisch ein und optimierte nebenbei noch einiges. Und siehe da: Schon funktionierte wieder alles, besser denn je, da der neue Booster eine Spur besser war als der alte. Trotzdem hätten wir die rund 500 € natürlich lieber anders ausgegeben. Naja.
Eigentlich hätten wir jetzt weiterziehen können, aber wir fühlten uns bei den Gibsons und im Comox Valley so wohl und willkommen, dass wir noch blieben. Wir genossen lange Spaziergänge mit Gus im Regenwald, sahen zwischendurch auch die süße Lola mal wieder, machten bei kaltem, aber sonnigem Wetter ein paar schöne Radtouren und testeten uns durch die Brauereien der Stadt. Gleichzeitig arbeiteten wir viel, da unsere Projekte gerade gut liefen.











Und wir entschieden, aufgrund der damaligen Entwicklungen in den USA, unser Kanada-Visum voll auszunutzen und bis Mitte Februar zu bleiben, statt schon im Januar wieder in die USA einzureisen. Um die Zeit bestmöglich nutzen zu können, schauten wir uns nach weiteren Housesits in der Region um und wurden auch fündig.
Nach zwei schönen Wochen verabschiedeten wir uns (vorerst) von den Gibsons und Gus und zogen weiter nach Comox zum nächsten Housesit, mit Hund und Katze.
Zwei Wochen mit Pippa & Mario
Im Haus von Betsy und John wurden wir zunächst von ihrer Corgi-Dame Pippa eher skeptisch empfangen. Sie bellte uns ununterbrochen an und hielt Abstand – selbst nach einem gemeinsamen Spaziergang und Bestechungs-Leckerlis. Sowas hab ich auch noch nicht erlebt. Hunde hab ich sonst eigentlich immer gleich auf meiner Seite. Ganz anders zeigte sich Kater Mario: Der war uns vom ersten Moment an zugewandt und total zutraulich und verschmust.

Der erste Abflugversuch von Betsy und John am nächsten Morgen scheiterte wegen eines Defekts am Flugzeug. So verbrachten wir ein paar Stunden länger gemeinsam, bis es dann endlich mit ihrem Abflug klappte. Und kaum waren sie weg, war Pippa plötzlich total begeistert von uns. Na also, geht doch! 😊



Wir verbrachten zwei Wochen im traumhaften Haus, in exklusiver Lage mit Meer- und Bergblick. Das leere Grundstück nebenan sollte 1 Mio. CAD (600 k€) kosten, man kann sich also vorstellen, in welch exklusiven Nachbarschaft wir hier gelandet waren.




Die Spaziergänge mit der etwas übergewichtigen Pippa waren manchmal… sagen wir mal speziell. Sie setzte sich gerne einfach hin und lief keinen Meter weiter. Ein echter Dickkopf. Aber ich hielt sie auch im Haus auf Trab, somit verlor sie in der Zeit mit uns immerhin 400 Gramm. Ich sollte als Haustier-Diätcoach arbeiten!
Aber einige Male schafften wir es doch an die nahegelegenen Strände, wo Pippa immer wie von Magneten ins Wasser gezogen wurde – keine Pfütze und kein Wassergraben waren vor ihr sicher. So süß, diese dicke Nudel!





Mario hingegen zeigte sich absolut entspannt und pflegeleicht. Er war zufrieden mit regelmäßigen Fütterungen und Streicheleinheiten und wenn er nachts ein paar Stunden bei uns im Bett liegen durfte.



Wenn wir nicht die Tiere bespaßten, genossen wir den vielen Platz im Haus und arbeiteten nebenbei viel. Wir hatten gerade ein gut bezahltes Projekt gewonnen, bei dem wir gemeinsam Sprachaufnahmen machen mussten, was ziemlich anstrengend, aber auch irgendwie lustig war. Zum Glück haben wir uns ja immer viel zu erzählen. 😉
Zurück in den Süden – East Sooke
Zwischendurch verbrachten wir noch mal einen Abend mit den Gibsons, die wir als Dankeschön für ihre Hilfe und Großzügigkeit, in ihr Lieblingspub zum Abendessen einluden. Dieser Abend endete mit einer erneuten Einladung zu ihnen, wo wir uns von Gus verabschiedeten und dann noch einen riesigen Lachs zum Abschied geschenkt bekamen – und natürlich eine „standing-invitation“, um jederzeit wiederzukommen. So herzliche Menschen!

Danach ging es endgültig raus aus dem schönen Comox Valley und zu unserem letzten Housesit nach East Sooke, etwa 40 Minuten von Victoria, der Hauptstadt von Vancouver Island, entfernt.
Arlene, eine pensionierte Lehrerin, und ihre kleine Shih-Tzu-Malteser-Mischlingshündin Lilly empfingen uns herzlich.

Arlenes erst drei Jahre altes Haus lag auf einem Hügel. Die Anfahrt dorthin war gelinde gesagt abenteuerlich, über eine 1,5 km lange, steile, einspurige und gewundene Erdstraße. Mehr Kanada geht wohl nicht. Dafür war die Aussicht absolut einmalig, über die Johnson Strait und die imposanten Berge des Olympic Nationalparks (auf US-amerikanischer Seite) – wirklich beeindruckend.




Die zwei Wochen dort waren ruhig und entspannt. Bei gutem Wetter gingen wir mit Lilly an den nahegelegenen Strand der Becher Bay, oder erkundeten die Umgebung. Wir arbeiteten viel, genossen die Aussicht und die Ruhe.







Zwischendurch verbrachten wir einen Tag im schönen Victoria, wo es für uns beide einen Haarschnitt und Pizza gab.



Auch die zweite Woche verging schnell: Spaziergänge, Sonnenauf- und -untergänge und noch mehr schöne Ecken und Trails wie z. B. den Whiffin Spit oder den Matheson Lake – Vancouver Island hat wirklich unglaublich viel zu bieten.








Abschied von Kanada
Nach insgesamt sieben Wochen auf Vancouver Island hieß es endgültig Abschied nehmen. Vom Housesitting, von Lilly – und langsam auch von Kanada.
Das Housesitting hat uns hier nicht nur wunderbar, kostengünstig und luxuriös durch den Winter gebracht, sondern uns auch so schöne Begegnungen beschert und uns ermöglicht, etwas tiefer in das lokale Leben einzutauchen. Ein weiteres besonderes und definitiv unvergessliches Kapitel unserer Reise. 🥰
Unsere letzte Nacht verbrachten wir im Zentrum von Victoria. Noch einmal spazierten wir durch die schön beleuchtete Stadt, bevor es am nächsten Morgen früh zur Fähre ging.





Die Einreise in die USA verlief überraschend entspannt – der gesamte Prozess fand schon auf kanadischer Seite, am Fährhafen, statt. Die Officers waren gut gelaunt und freundlich, es wurden keine großen Fragen gestellt und auch kein Blick in den Van geworfen.
Nach 90 Minuten auf der Fähre, mit ordentlichem Wellengang, waren wir wieder in den USA.




Der Abschied von Kanada fiel uns schon nicht ganz leicht. Sieben Monate waren wir hier unterwegs gewesen, hatten unglaublich schöne Landschaften gesehen, die krassesten Wanderungen gemacht, das Ende der Panamericana erreicht und vor allem tolle Menschen und Tiere kennengelernt. Und dabei hatten wir nur einen kleinen Teil des Landes gesehen.
Aber wir freuten uns nun auch auf das, was vor uns lag:
Den Olympic Nationalpark und die Westküste der USA.
Aber dazu dann demnächst mehr. 😊
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