Teil 17 unseres Roadtrips durch die USA
Kalifornien & Nevada
6. – 18. märz 2026
Santa Cruz
Wir erreichten Santa Cruz und waren, seit langem, mal wieder richtig begeistert von einer Stadt – was uns selbst überraschte, da uns mittelgroße amerikanische Städte bisher eher nicht so umgehauen haben. Aber die hübsche kleine Innenstadt von Santa Cruz war total charmant und wir mochten den Vibe auf Anhieb.

In einem Surfshop fand ich auch direkt den Grund, weshalb ich unbedingt nach Santa Cruz wollte: ein T-Shirt vom Otter 841 Surf Club.
Otter 841 ist eine Seeotter-Dame, die dafür berüchtigt ist, mit den Surfern in den Wellen zu schwimmen und auch mal – unter Anwendung von Otter-Gewalt – ein Surfboard zu kapern. Es gibt tatsächlich Bilder und Videos, auf denen sie auf einem Board im Wasser sitzt. So süß! Um generell auf die Rechte der Otter aufmerksam zu machen, wurde der Club gegründet, um die süßen Tierchen in der Region zu schützen. Tatsächlich sahen wir später zwischen den Surfern sogar ein paar Otter rumschwimmen. Ob 841 dabei war, konnten wir leider nicht rausfinden.


Nach unserem Stadtbummel ging es an den Santa Cruz Boardwalk – der nicht nur eine Promenade ist, sondern auch ein über 100 Jahre alter Vergnügungspark direkt am Meer. Irre, bunt, typisch amerikanisch, aber dennoch auch irgendwie charmant. Am Strand wurde Volleyball gespielt, es war richtig trubelig und einfach schön.





Die Nacht verbrachten wir geparkt in einem Wohngebiet. Am nächsten Morgen parkten wir wieder ans Meer um, spazierten die Küste entlang und landeten schließlich erneut am Boardwalk und Strand, wo wir zumindest mal die Füße ins Wasser steckten – arschkalt leider. Aber schön.





Am Pier, wo viele Angler ihr Glück versuchten, schwammen außerdem Seelöwen umher und versuchten erfolglos auf die Holzplanken zu springen – was für ein Schauspiel.


Im diesmal geöffneten Vergnügungspark probierten wir endlich mal Frozen Custard, also extra cremiges Eis dank Eigelb und dadurch extra lecker, und ließen uns durch das Getümmel treiben.

Zum Sonnenuntergang setzten wir uns mit einem Bier auf eine Bank und wurden von einem älteren Pärchen angesprochen, mit denen wir nett ins Gespräch kamen. Die beiden Rentner waren selbst ein Jahr lang auf der Panamericana gereist und hatten so einiges zu erzählen. Auch das Thema Politik ließen wir nicht aus und bekamen ein paar interessante Einblicke, und zum Abschied schenkte uns der Mann, der Nachfahre ukrainischer Einwanderer ist, seinen Ukraine-Flaggen-Pin, der uns Glück bringen sollte. Sehr nett.
Es folgte der spektakulärste Sonnenuntergang seit langem. Der Himmel leuchtete 45 Minuten lang in allen Farben – der Wahnsinn.



Wir verbrachten noch eine zweite Nacht in der Stadt und gingen am nächsten Morgen an der Küste laufen, gemeinsam mit all den anderen sportlichen Menschen und mit schönster Aussicht. Was für ein cooler Vibe einfach.




Natürlich wanderten auch die typischen Santa-Cruz-Shirts in unseren Besitz (das ist DIE Skateboard- und Mountainbike-Marke in den USA), und dann nahmen wir schweren Herzens schon wieder Abschied von dieser schönen Stadt, die uns so positiv überrascht hatte.
Carmel-by-the-Sea
Am späten Nachmittag erreichten wir Carmel-by-the-Sea, einen weiteren schönen Küstenort, der eindeutig auf zahlungsfreudige Touristen ausgelegt ist. Die Innenstadt war sehr hübsch hergerichtet und erinnerte mich an eine Mischung aus Hobbiton und dem Elsass – irgendwie puppig.



Die Preise waren allerdings gesalzen. Ein Hauptgericht im Restaurant kostete gerne mal um die 40 USD und auch die Boutiquen sahen recht exklusiv aus. Nix für uns also, aber schön anzuschauen.
Am Strand war zum Sonnenuntergang richtig was los. Ein Dudelsackspieler vertonte den Sonnenuntergang, was irgendwie seltsam war, aber die Leute schienen es zu mögen. Mal was anderes.


Besonders camperfreundlich war der posh-luxuriöse Ort natürlich nicht, aber beim lokalen Supermarkt durfte man legal und kostenlos stehen – das reichte uns vollkommen.
Highway 1 – Big Sur
Am nächsten Tag konnten wir endlich über Amerikas berühmteste und angeblich eine der schönsten Küstenstraßen der Welt fahren: den Highway 1, aka Big Sur.
Letztes Jahr hatten uns unsere Van-Probleme hier leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Damals war die Strecke wegen eines Erdrutsches auch teilweise noch gesperrt. Jetzt hatten wir freie Bahn und erfreuten uns an den wirklich unglaublichen Aussichten auf die wilde Küste, Felsklippen, sich brechende Wellen, berühmte Brücken, Pelikane, Blümchen und dem ein oder anderen Walblas in der Ferne.






Was für eine unglaubliche Kulisse. Wirklich traumhaft schön und sicher zurecht so berühmt.
Immer wieder hielten wir an, um die Aussicht zu genießen. Besonders der MacWay Wasserfall, der mitten auf den Strand, beziehungsweise ins Meer fällt, hatte es uns angetan. Schade, dass man dort aktuell nicht hinwandern konnte, der Trail wurde gerade neu angelegt.

Unsere kleine Wanderung am Sand Dollar Beach fiel leider auch sehr kurz aus – wir hatten die Flut erwischt und der Strand war quasi nicht existent. Trotzdem ein schönes Eckchen.

Wildlife Overload
Es ging weiter den Highway entlang, bis wir in San Simeon ankamen. Dort besuchten wir natürlich die lokale Seeelefanten-Kolonie.
Was für Oschis!




Die bis zu 2,2 Tonnen schweren „Tierchen“ lagen dort am Strand, rollten sich von links nach rechts, bewarfen sich mit Sand, hüteten ihre Jungtiere und der ein oder andere wälzte sich auch mal ins Wasser, um dort wesentlich eleganter als an Land durch die Wellen zu gleiten.

Aber das echte tierische Highlight des Tages folgte erst noch.
Auf der Suche nach einem Stellplatz landeten wir in Morro Bay, einem weiteren kleinen Küstenort mit dem markanten Morro Rock und einem vorgelagerten kleinen Hafen. Dort sollte es Stellplätze geben, auf denen man kostenfrei und legal übernachten darf – dem war aber leider nicht so.
Dennoch stiegen wir kurz aus und spazierten am Hafen entlang. Wieder lagen dort ein paar Seelöwen faul in der Sonne. Soweit, so süß. Aber dann entdeckte Christian ein anderes Tier im Wasser: Direkt vor uns schwamm ein Seeotter in nächster Nähe. Endlich!





Der oder die Süße lag ganz entspannt auf dem Rücken im Wasser und döste vor sich hin. Was für ein Anblick. Tausend Bilder später rissen wir uns los und fuhren noch einmal zum Morro Rock hinaus, wo noch mehr Otter herumschwammen. Wir hatten schon so oft, an so vielen verschiedenen Orten auf dieser Reise versucht Seeotter aus der Nähe zu sehen, und hier schwammen sie einfach umher. Mega!

Für die Übernachtung mussten wir dann doch etwas ins Hinterland fahren, fanden dort aber einen einigermaßen ruhigen Platz am Straßenrand.
Am nächsten Morgen wollten wir eigentlich gleich weiter, entschlossen uns dann aber doch spontan, noch einmal bei den Ottern vorbeizuschauen – gute Entscheidung. Zurück am Hafen lagen dort sage und schreibe 14 Otter und Otterbabys im Wasser, putzten sich, säugten die Kleinen, knackten Muscheln und waren einfach ottermäßig süß.














Ich machte erneut gefühlt tausende Fotos, wir telefonierten noch mit Freunden in der Heimat und rissen uns dann mittags schweren Herzens los. Ganz unverhofft war dieser kurze Stopp das absolute Wildlife-Highlight für mich.
Salvation Mountain
Nach einigen weiteren Kilometern und einer Übernachtung an einem schönen Aussichtspunkt umfuhren wir Los Angeles und das Umland weitläufig, hatten aber trotzdem mit einigem Verkehr zu kämpfen.
Schließlich bogen wir in die Wüste ab und besuchten den Salvation Mountain. Der wurde vor über 30 Jahren von Leonard Knight errichtet, einem Mann, der seinen Glauben gefunden hatte und nun seine Botschaft „God is Love“ künstlerisch in die Welt tragen wollte. Über Jahre hinweg entstand so, mitten in der Wüste, ein Hügel aus Stroh, Lehm und unzähligen Schichten bunter Farbe.

Aber auch Autos und andere Gefährte waren vor seiner Botschaft und Kunst nicht sicher. Ein wirklich bunter Ort!





Inzwischen ist der Gründer verstorben, aber eine Organisation hält die ganze Sache am Laufen und trägt täglich Farbe nach. Auf jeden Fall eine besondere und skurrile Sehenswürdigkeit, mitten im staubigen Nichts.
Slab City & Bombay Beach
Wenige Kilometer weiter erwartete uns Slab City, eine Mischung aus Aussteigercamp, Müllhalde und Kunstausstellung. Aus jeder Menge Schrott wurden hier teils sehr skurrile Kunstwerke und Gebilde errichtet, die definitiv Hingucker waren und für den ein oder anderen Lacher sorgten.





In Slab City leben zeitweise (im Winter) mehrere tausend Menschen, allerdings ohne klassische Infrastruktur – kein fließendes Wasser, keine Kanalisation, kein Strom, etc. Die meisten leben in heruntergekommenen Wohnwagen, oder deren Überresten, oder in abenteuerlich zusammengezimmerten Bretterverschlägen.


Manche nennen es Freiheit und betiteln den Ort sogar mit „The last free place in America“, doch bei uns löste es eher Beklemmungen aus. Die vermeintliche Freiheit fühlte sich für uns eher wie Hoffnungslosigkeit an.
Auch unser nächster Stopp konnte uns nicht so recht begeistern. Wir erreichten den berühmten Bombay Beach am fast ausgetrockneten Salton Sea. Einst ein Ferienort der Schönen und Reichen, heute Heimat einiger Dauercamper, alternativ angehauchter Teilzeitnomaden und „Künstler“.
Überall am Strand stehen skurrile Kunstwerke aus Müll, Autos und allerlei anderen Materialien.





Rundherum haben sich wilde Communities gebildet, in Form von Wohnwagen-Burgen oder auch Kastenwagencampern, wie uns. Uns packte der Vibe aber auch hier nicht. Bei 37 Grad Hitze schauten wir uns einige der Werke an, blieben aber nicht lange und suchten uns lieber ein etwas kühleres Plätzchen zum campen.
Joshua Tree Nationalpark
Am südlichen Rand des Joshua Tree Nationalparks fanden wir auf BLM-Land einen schönen und ruhigen Stellplatz. Auf knapp 500 Metern Höhe war es mit „nur“ 32 Grad auch deutlich angenehmer als am Ufer des Salton Sea.

Wir nutzten den Platz für eine kleine Sporteinheit und zum Grillen und hatten eine angenehm ruhige Nacht. Sogar zum Frühstücken konnten wir mal wieder draußen sitzen – das hatten wir gefühlt ewig nicht gemacht.

Den Joshua Tree Nationalpark hatten wir bei unserer ersten Durchfahrt durch Kalifornien bewusst ausgelassen. Wir sind einfach keine Wüstenmenschen und Joshua Trees (aka Yucca Palmen) haben wir in Mexiko mehr als genug gesehen.
Nun hatten wir aber noch einen Tag Zeit und nahmen den Park daher doch mit. Aufgrund der bereits am Morgen recht hohen Temperaturen war uns allerdings nicht nach langen Wanderungen zumute. Stattdessen fuhren wir die Straße mit den Highlights ab und machten kleinere Spaziergänge.
So kamen wir u. a. an vielen Kakteen, dem Heart Rock, einem Steinbogen und dem Skull Rock vorbei.






Und natürlich sahen wir auch unzählige der namensgebenden Bäume. Schon beeindruckend, so viele und große Exemplare auf einmal zu sehen und vor allem auch die Blüten des Baums.




Eine weitere kleine Wanderung führte uns, im Gänsemarsch mit den vielen anderen Besuchern, durch Felsformationen, die uns ehrlich gesagt nicht so vom Hocker hauten. Ich glaube, wir haben inzwischen einfach zu viel Beeindruckendes gesehen. Sorry, Joshua.



Palm Springs 2.0
Nach der ganzen wilden Kunst und Natur, zog es uns noch einmal zurück nach Palm Springs – für mich immer noch die schönste beziehungsweise ästhetischste Stadt der USA. Die wunderschöne Mid-Century-Architektur, die vielen Palmen und die kitschigen Pastellfarben haben es mir einfach angetan.





Wir genehmigten uns eine 5-Dollar-Margarita, spazierten durch die Stadt und verbrachten den nächsten Tag mit etwas Windowshopping und Haus-Voyeurismus. Die schönen Alexander Houses würde ich zu gerne mal von innen sehen.




Bis wir dafür genug Kleingeld haben, geben wir uns aber gerne mit unserem italienischen Design-Haus zufrieden.

Las Vegas 2.0
Nach einer weiteren Nacht auf BLM-Land erreichten wir zum zweiten Mal auf dieser Reise den Bundesstaat Nevada und Las Vegas.
Wieder parkten wir am Circus Circus Hotel und liefen den Strip einmal hoch und runter. Beim zweiten Besuch ist alles nicht mehr ganz so überwältigend wie beim ersten Mal, aber dennoch staunten wir wieder über diese irre-blinkend-künstliche Welt.













Das Phänomen Las Vegas kann man einfach nicht erklären – das muss man erlebt haben.
Beim Roulette befolgten wir den Rat unserer Freunde und setzten alles (also jeweils 3 USD) auf die 7 und die 17. Prompt landete die Kugel auf der 17 und wir waren um 108 USD reicher.

Leider blieb es der einzige nennenswerte Gewinn, aber er refinanzierte immerhin unsere Hotelbuchung.
Denn diesmal waren wir ja nicht nur zum Vergnügen in Vegas, sondern auch, um die Einlagerung von Moby vorzubereiten – denn wir hatten ein Date in Mexiko, für das wir Moby aber nicht noch mal tausende Kilometer durch das riesige Land quälen wollten.
Wir erledigten allerlei Besorgungen, holten uns in einer Werkstatt ein Angebot für notwendige Reparaturen und trafen dabei den netten mexikanischen Mechaniker Willy, der für ein Trinkgeld unser Getriebeöl kontrollierte und uns nebenbei aus seinem Leben erzählte. Wieder mal eine unerwartet spannende Begegnung.
Es folgten Laundry, Autowäsche und ein weiterer Abend auf dem Strip.
Am Dienstag begann dann das große Packen und wir bezogen aus praktischen Gründen ein Zimmer im Circus Circus Hotel, welches gleichzeitig auch Casino, Vergnügungspark, Wasserpark, und natürlich Zirkuszelt ist. IRRE! Der Weg von der Lobby zum Zimmer dauerte rund zehn Minuten und glich einem Labyrinth. Die Zimmer waren (zum Glück) doch recht schlicht gehalten. Einen Clown überm Bett hätte ich auch nicht haben wollen. 😉



Wir verkochten die letzten Lebensmittel im Van, verpackten und verstauten alles und besuchten am Abend noch einmal die Fremont Street – den Ursprung von Las Vegas. Es war St. Patrick’s Day und dadurch so einiges los, inklusive Livebands, Irland-Merch ohne Ende und leuchtend grüne Drinks. Wir fragten uns, warum der St. Patricks Day hier von Hinz und Kunz so groß gefeiert wird, da die ja unmöglich alle irische Wurzeln haben können. Aber naja – Hauptsache ein Grund zum Feiern ist wohl die Devise.





Bye bye Moby!
Am Mittwoch brachten wir schließlich den Van ins Storage. Mit 12 USD pro Monat haben wir hier ein richtiges Schnäppchen geschossen. Für den Preis darf Moby nun überdacht und gut gesichert zwischen weiteren Reisemobilen stehen, bis wir ihn Ende Juni wieder abholen.



Wir machten alles lagersicher, trafen Vorkehrungen gegen Mäuse und sonstiges Ungeziefer und hoffen nun, den Van in drei Monaten wieder wohlbehalten in Betrieb nehmen zu können.
Voll beladen ging es anschließend mit dem Uber zum Flughafen. Selbst dort konnte man noch Geld in Spielautomaten versenken. Vegas ist einfach verrückt.

Pünktlich hoben wir ab – und schon waren wir auf dem Weg zurück nach Mexiko. Wieso, weshalb, warum – das erzählen wir euch beim nächsten Mal.
Hasta luego! 😊
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