Teil 14 unseres Roadtrips durch Kanada
5. – 14. Dezember 2025
british columbia
Nach 5 schönen Wochen in Golden machten wir uns wieder auf die Bahn und nahmen als erstes Kurs auf die Stadt Kamloops. Dort wollten wir vor allem unsere Vorräte in den großen Discountern auffüllen – die hatten wir in Golden schlicht nicht gehabt. Vier Stunden Fahrt lagen vor uns und die Wettervorhersage versprach Schnee, und davon nicht wenig. Also fuhren wir durch mal mehr, mal weniger dichtes Schneetreiben. Zum Glück blieb nichts liegen, sodass wir problemlos ankamen.

Die Nacht verbrachten wir wenig glamourös auf dem Parkplatz einer Sportanlage. Willkommen zurück im Vanlife.
Am nächsten Tag wurde eingekauft – und mein siebter Sinn schlug mal wieder an. Eine der Bodenfugen an unserer Technikbox kam mir verdächtig dreckig vor. Das passte nicht dazu, dass wir doch gerade alles gereinigt hatten. Und tatsächlich: Wir hatten ein kleines Wasserleck. Die beiden Schläuche, die von unserem Boiler abgehen, waren jeweils etwa zwei Zentimeter abgerutscht und es tröpfelte leicht. Beide gleichmäßig – was sehr komisch war. Christian war sich aber sicher, nichts daran gemacht zu haben. Vielleicht hatte der Wechsel zwischen Hitze und Kälte das Material ermüden lassen? Wir hatten in Golden das Wasser komplett entleert, aber die Heizung an vielen kalten Nächten laufen lassen.
Ein kurzer Stopp bei einem RV-Dealer beruhigte uns. Kein Grund zur Panik, ein paar neue Schlauchschellen sollten reichen. Und so war es auch. Schnell montiert, seitdem sitzt wieder alles bombenfest. Wir behalten es trotzdem im Auge – nach 6,5 Jahren kann so ein Schlauchmaterial auch langsam porös werden.

Mit vollen Vorräten und ohne Wasserleck ging es dann schließlich weiter.
Whistler
Endlich schafften wir es nach Whistler, einem der berühmtesten Skigebiete in Kanada, in dem unter anderem Wettkämpfe der Olympischen Winterspiele 2010 stattgefunden haben. Im Sommer wollten wir hier unbedingt Mountainbiken und wandern, aber damals stand die Vorhersage auf Dauerregen – also ließen wir es. Dieses Mal war es… wieder genauso. Aber wir wollten es uns jetzt zumindest mal anschauen.
Wir kamen bereits im Dunkeln (gegen 16:30 Uhr) an und spazierten durch den Resort-Ort, der in allen Farben blinkte und leuchtete. Und ja, es regnete natürlich. Das änderte sich auch die ganze Nacht nicht.



Bei Tageslicht machte der Ort ohne sichtbare Berge und ohne Schnee leider nicht allzu viel her. Trotzdem standen viele Menschen in voller Montur an den Gondeln – oben, im Nebel, gab es scheinbar Schnee.




Christian spielte mit dem Gedanken, eine Runde Snowboard zu fahren. Aber mit allem Zip und Zap hätte so ein Tag hier 400–500 CAD (ca. 300 €) gekostet. Allein der Gondel-Tagespass lag bei 212 CAD (ca. 130 €), für Nicht-Skifahrer bei 157 CAD (ca. 100 €), was für ein bisschen durch den Schnee wandern auch zu teuer war. Also blieb es bei einem Spaziergang durch den Ort und arbeiten im Van. Abends gönnten wir uns noch eine neapolitanische Pizza – angeblich die beste im Ort. Die war aber leider eher durchschnittlich. Naja.

Bevor wir weiterzogen, legten wir noch einen kleinen Zwischenstopp ein, am sogenannten Whistler Trainwreck. 1956 entgleiste hier ein Güterzug, vermutlich wegen zu hoher Geschwindigkeit in einer Kurve. Alle 12 Waggons entgleisten, sieben konnten geborgen werden, fünf wurden schlicht aus dem Weg geräumt und in den Wald gezogen. Dort liegen sie bis heute. Inzwischen sind sie komplett mit Graffiti überzogen und ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Mountainbiker geworden.



Trotz Dauerregen machten wir uns auf den Weg. Und auch wenn wir die Bilder schon oft gesehen hatten – live ist es doch noch mal etwas anderes. Zwischen hohen, dicht stehenden Bäumen liegen diese riesigen Metallwaggons, bunt bemalt und rostend.




Man fragt sich wirklich, wie sie da hineingeraten sind. Die MTB-Obstacles rundherum wirkten nicht mehr ganz frisch, aber trotzdem war es ein spannender Ort. So hatten wir wenigstens ein kleines Highlight in Whistler mitgenommen, bevor wir im immer noch anhaltenden Regen weiterzogen.
Vancouver 2.0
Es ging zurück nach Vancouver. Beim ersten Besuch hatte uns die Stadt nicht so richtig umgehauen, daher hielt sich unsere Erkundungsfreude in Grenzen und stattdessen standen einige praktische Dinge an – und vor allem der Besuch auf dem „Deutschen Weihnachtsmarkt“ der hier alljährlich stattfindet.
Wir bezogen unseren altbekannten Platz an einem Sportfeld und wurden am nächsten Morgen tatsächlich von etwas Sonne begrüßt. Das tat gut!


Ich nutzte das direkt für eine Laufrunde, Christian ging – was dringend nötig war – zum Friseur.
Als wir zurückkamen, steckte ein Zettel am Auto: „Final Warning“. Camper jeglicher Art durften nur noch maximal drei Stunden in der Stadt stehen, egal wo, außer auf speziellen RV-Parkplätzen. Na toll. Gut, dass wir am Vortag schon einen anderen Platz ausgekundschaftet hatten, auf den wir dann umzogen (auch wenn der genauso „illegal“ war).
Pünktlich zum einsetzenden Regen liefen wir von dort zum Weihnachtsmarkt. Um diesen zu besuchen, musste man vorab online Eintrittskarten und einen fixen Zeitslot buchen. Sehr eigenartig, und mit knapp 17,50 € Eintrittspreis auch nicht ganz günstig, aber so war es eben.
Der Markt selbst war aber wirklich schön gemacht und sah tatsächlich aus wie so manch deutscher Weihnachtsmarkt.





Die Preise waren aber happig: Umgerechnet etwa 6,50 Euro musste man für einen pappsüßen Glühwein hinlegen. 200 Gramm Stollen hätte es für 16 € gegeben – haha. Den müssen sie dann wohl alleine essen. Auch die „typisch deutschen Produkte“ wie bemalte Weihnachtskugeln, Troika-Produkte und Gehäkeltes durften dort bleiben.
Wir schlugen stattdessen bei Gulasch, Bratwurst mit Sauerkraut und Schwarzwälder Kirschtorte zu – mehr Klischee geht wohl nicht mehr. Aber tatsächlich war alles sehr authentisch und lecker und beugte evtl. aufkommendem Weihnachts-Heimweh vor. 😉



Leider wurde der Regen immer stärker und kaum etwas war überdacht, außer einem wenig charmanten Essens-Zelt. Nach anderthalb Stunden reichte es uns. Wir nahmen ein Uber zurück zum Van und verbrachten eine ruhige Nacht an unserem Ausweichstellplatz, wo uns zum Glück das Ordnungsamt nicht fand.
Am nächsten Morgen ging es von dort aus direkt zur Fähre, die uns zu unserem letzten Ziel in West-Kanada bringen sollte.
Ankunft auf Vancouver Island
Mit der 11-Uhr-Fähre setzten wir in 1,5 Stunden nach Vancouver Island über. Vancouver Island ist mit knapp 31.300 km² die größte Insel an der Westküste von Kanada (und damit größer als Belgien) und zählt knapp 880.000 Einwohner. Auf ihr findet man eigentlich alles, was Kanada so ausmacht: wunderschöne Strände, zerklüftete Küsten, dichten Regenwald, jede Menge Wildlife (sowohl an Land als auch im Meer), einige imposante Berge, ein kleines Skigebiet, unzählige Wander- und Mountainbike Trails, gute Brauereien, Weingüter und vor allem nette Menschen.
Wir hofften auf der Überfahrt, vielleicht ein paar Wale und vor allem Orcas zu sehen, aber das Wetter machte uns weiterhin einen Strich durch die Rechnung. Es regnete und alles war grau in grau. Naja.



Im Nachhinein betrachtet hatten wir dennoch gutes Timing. Später am Tag wurden in Vancouver wegen Rekordüberschwemmungen sämtliche Straßen rein und raus aus der Stadt gesperrt. Und der Regen-Forecast versprach keine Besserung.
Auch die Ankunft auf der Insel war entsprechend nass und unspektakulär – im Radio lief ironischerweise das Lied „Walking on Sunshine“, das half aber auch nix. Wir erledigten ein paar Kleinigkeiten, steuerten einen einfachen Parkplatz an und arbeiteten. Viel mehr war bei dem Wetter ohnehin nicht drin.
Victoria
Am nächsten Tag versprach unsere Wetter-App etwa 2,5 Stunden trockenes Wetter. Also machten wir uns auf nach Victoria, der größten Stadt der Insel. Und die gefiel uns auf Anhieb richtig gut. Schöne Gebäude, nette Läden, natürlich auch viel Touri-Kram, aber alles stimmig, zu dieser Jahreszeit nicht überlaufen und angenehm.








Wir schlenderten durch verschiedene Viertel, gönnten uns vietnamesisches Essen zu Mittag und schauten danach bei der Fisherman’s Wharf vorbei, wo die bunten Hausboote liegen.





Saisonbedingt war wenig los, aber gerade das hatte auch seinen Charme – im Sommer müssen sich hier die Touris gegenseitig die Füße platt trampeln.
Pünktlich zum Einsetzen des Regens waren wir zurück am Van. Wir kommen auf dem Rückweg sicher noch mal in Victoria vorbei.
Westküste
Nach einer Nacht auf einem kleinen Parkplatz – wo wir eine Eule überraschten, die gerade einen Hasen verspeiste – erreichten wir die Westküste.
Am Sheringham-Leuchtturm machten wir einen kurzen, regenfreien Spaziergang direkt ans Meer. Nach den vielen Wochen in den Bergen und den grauen, nassen Tagen tat es mal wieder richtig gut, einfach wieder am Wasser zu stehen und den Blick schweifen zu lassen.



Weiter ging es zum Sandcut Beach. Diesen Strand hatte ich schon seit langer Zeit auf meiner Karte markiert, weil ich einmal ein Bild gesehen hatte, auf dem ein kleiner Wasserfall direkt vom Strand ins Meer fließt. Das wollten wir uns nun endlich in echt anschauen.
Der Weg dorthin führte durch matschigen, aber wunderschönen Regenwald. Alles war sattgrün, der Boden übersät mit Tannennadeln und weich, es roch nach nassem Holz und Moos.


Wir hatten Glück das gerade Ebbe war und wir bis zum Wasserfall laufen konnten. Dank der Regenmassen der letzten Tage führte der kleine Wasserfall auch ordentlich Wasser. Und tatsächlich floss er direkt vom Strand ins Meer. Vielleicht nicht der spektakulärste Wasserfall aller Zeiten, aber ich war mega happy, endlich hier zu stehen.



Es blieb weiterhin trocken, also fuhren wir weiter zum Mystic Beach. Auch hier führte uns ein Trail durch dichten Regenwald. Farne, moosbewachsene Bäume – alles wirkte wie aus einer anderen Zeit. Die Sonne versuchte sich tapfer, durch die Wolken zu kämpfen, schaffte es aber nicht ganz, doch dadurch entstand eine ganz besondere Lichtstimmung im Wald – fast ein bisschen mystisch.


Der Weg wurde zunehmend matschiger. Wir hüpften über riesige Pfützen. Die Holzbrücken, die eigentlich helfen sollten, waren teilweise kaum erreichbar, weil ringsum schon alles unter Wasser stand. Auf dem Festland in BC waren weiterhin Rekordwassermengen unterwegs – das merkte man auch hier deutlich.


Am Strand angekommen, warteten gleich mehrere Wasserfälle auf uns, die direkt aus dem Wald auf den Strand beziehungsweise ins Meer stürzten. Dieses Zusammenspiel aus dichtem Wald, Felsen, Wasser und Meer war wirklich besonders.


Als wir zurück am Van ankamen, setzte prompt wieder fieser Nieselregen ein. Also begaben wir uns auf Stellplatzsuche und fanden im dritten Anlauf einen einigermaßen versteckten und nicht allzu vermatschten Platz. Den Rest des Tages arbeiteten wir – an raus gehen war nicht mehr zu denken.
Ostküste
Am nächsten Tage wechselten wir von der Pazifikseite an die Ostküste. Unterwegs kamen wir an einem kleinen „Bonsai-Baum“ in einem See vorbei und sahen tatsächlich mal kurz die Sonne.

Im Cowichan Valley, kurz vor Ladysmith, machten wir noch eine kleine Wanderung zu einem Wasserfall. Nicht weltbewegend, aber schön anzusehen – und wir waren einfach froh über ein paar trockene Stunden und vor die Tür zu können.




Unser nächstes Ziel war die zweitgrößte Stadt von Vancouver Island: Nanaimo. Nach dem schönen Victoria hatten wir wohl etwas zu viel erwartet. Unser erster Eindruck war leider kein guter. Das Erste, was uns auffiel, waren die zahlreichen Menschen, die an Straßenecken saßen und ganz offen Crackpfeifen rauchten. Die kleine Touristenstraße im Zentrum war dann ganz nett, Old Town eher unspektakulär und irgendwie ausgestorben.



Das kleine Stadtmuseum war auch ganz ansprechend gemacht, aber irgendwie eine etwas willkürliche Sammlung von allem Möglichen, von alten Schulbänken über Uniformen und Kaufmannsladen-Inventar. Der Funke sprang nicht so recht über.
Ein sehr leckeres Eis rettete die Stimmung ein wenig, dann fuhren wir weiter und fanden einen ruhigen, unbebauten Wendehammer am Meer als Stellplatz. Vom Meer sah man im Regen zwar nichts – aber schön zu wissen, dass es da war.
Ankunft im Comox Valley
Schließlich erreichten wir das Comox Valley, eine besonders schöne Region auf der Insel, wo bald unser nächster Housesit beginnen sollte. Vorab wollten wir uns schon einmal umschauen und fuhren auf den höchsten Berg der Insel: den 1.588 Meter hohen Mount Washington.
Im Sommer Bikepark, im Winter Skigebiet – zumindest theoretisch. Denn auch hier regnete es. Von Schnee war so gut wie nichts zu sehen, das geplante Eröffnungswochenende, welches eigentlich gerade stattgefunden hätte, musste verschoben werden. Die Betreiber waren sichtlich geknickt von der Situation. Es war die späteste Eröffnung seit vielen Jahren, wie uns die Mitarbeiter vor Ort erzählten.


Schade. Die Preise wären hier deutlich verträglicher gewesen als in Whistler, und Christian hätte große Lust auf eine Runde Snowboard gehabt – und ich auf eine Schneeschuhwanderung.
Aber wir wussten ja bereits, dass wir noch mindestens zwei Wochen hier sein würden, und in zwei Wochen könnte auch viel Schnee fallen – und so war es dann auch.
Aber dazu dann demnächst mehr. 😊
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