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Goldener Herbst in den Rocky Mountains – Teil 4

Teil 11 unseres Roadtrips durch Kanada

6. – 15. oktober 2025
British Columbia & Alberta

Wir hatten große Pläne für eine weitere Woche in den kanadischen Rockies. Doch schon bei der Anfahrt Richtung Banff National Park wurde klar, dass der Herbst inzwischen das Kommando übernommen hatte. Auf den Bergspitzen lag der erste Schnee, die Luft war kalt und klar – wunderschön, aber auch ein deutlicher Hinweis darauf, dass die kommenden Tage kein sommerlicher Spaziergang werden würden.

Wie schon so oft bezogen wir erneut den Lake Louise Overflow Parkplatz. Der hing uns zwar inzwischen ein bisschen zum Hals raus, war aber nach wie vor die beste und günstigste Option in der Region. Um den Generatoren der Dickschiffe zu entgehen, stellten wir uns wieder auf die LKW-Seite, die im Zweifel ruhiger ist als der Camperbereich. Von dort ging es am nächsten Morgen sehr früh los – zu einem Wander-Highlight, auf das wir uns besonders gefreut hatten.

Der lange Weg zum Lake O’Hara

Um den Lake O’Hara hatten wir bislang immer einen Bogen gemacht. Der Zugang erfolgt über eine 11 km lange Straße, die für Privatfahrzeuge und seit 2 Jahren leider auch für Fahrräder gesperrt ist. In der Hochsaison gibt es hier einen Shuttlebus. Die Plätze dafür sind begehrt und müssen jedes Jahr bereits im März gebucht werden, kurzfristig hat man praktisch keine Chance und flexibel ist man damit natürlich auch nicht. Und ehrlich gesagt hatten wir bisher auch wenig Lust, erst 11 km zum See zu laufen, dann eine anspruchsvolle Wanderung zu machen und anschließend die 11 km wieder zurückzulatschen.

Aber die Bilder, die ich immer wieder gesehen hatte, waren einfach zu schön. Für Dienstag, den 7. Oktober, war ein gutes Wetterfenster angesagt – also wagten wir es nun doch.

Kurz nach Sonnenaufgang starteten wir bei eisigen Temperaturen und liefen die 11 km lange Straße mit rund 400 Höhenmetern hinauf. Unsere Hoffnung war: Vielleicht für den Rückweg doch noch einen Shuttlebus erwischen, da diese auf dem Rückweg nicht immer voll ausgelastet sind. Vor Ort stellten wir dann fest, dass seit Anfang Oktober überhaupt keine Busse mehr fahren, die Saison war vorbei. Also war klar: Das würde ein sehr langer Tag werden.

Unterwegs zum Lake O’Hara

Nach etwa zwei Stunden erreichten wir den See. Und ehrlich gesagt – der erste Eindruck war überraschend unspektakulär. Der Lake O’Hara selbst haute uns nicht sofort vom Hocker, aber wir sind inzwischen auch ein bisschen verwöhnt. Zum Glück begann der spannende Teil der Tour jetzt erst.

Der Weg führte bald schon steil bergauf und eröffnete erste Fernblicke auf den Mary Lake und die umliegende Bergwelt.

Blick auf Lake Mary

Und von da an wurde es mit jedem Kilometer besser. Der Trail war unglaublich abwechslungsreich, führte durch herbstlichen Wald, in dem die gelben Lärchen schon in den letzten Zügen waren, und bot immer neue Ausblicke.

Lake O’Hara Trail

Am berühmten Aussichtspunkt mit dem Namen „Opabin Prospect“ standen wir schließlich sprachlos über den O’Hara- und Mary Lakes. Einfach wunderschön.

Opabin Prospect

Nach einer Stärkung ging es weiter in den Talschluss hinein und über eine geröllige Felsflanke zurück Richtung Lake O’Hara.

Wir kamen kaum voran, weil wir ständig stehen blieben, schauten und staunten.

Lake O’Hara

Nach einem felsigen Abschnitt erreichten wir den nächsten Talschluss mit dem Lake Oesa, in den ein Gletscher hineinragt. Daneben leuchtete der Victoria Lake in einem unwirklich intensiven Türkis. Alles war viel zu schön, um echt zu sein.

Nach vier Stunden waren wir schließlich zurück am Ufer des Lake O’Hara und machten uns an den laaaangen Rückweg zum Parkplatz. Am Ende standen 32 km und 1.100 Höhenmeter auf der Uhr – und zwei sehr glückliche Menschen am Van. Ein Glück, dass wir uns dieses Highlight nicht entgehen haben lassen.

Zur Übernachtung ging es wieder zurück auf den bekannten Overflow-Parkplatz, bevor wir am nächsten Morgen weiterzogen.

Icefields Parkway – Wintereinbruch im Oktober

Zum dritten Mal in diesem Jahr fuhren wir über den Icefields Parkway (der die Nationalparks Banff und Jasper verbindet), diesmal mit Ziel Mt. Robson Provincial Park nördlich von Banff und Jasper. Von dieser Straße bekommt man eigentlich nie genug – diesmal allerdings sahen wir deutlich weniger als sonst.

Anfangs war der Himmel noch blau mit dichter Bewölkung und gelegentlichen Sonnenfenstern, doch je weiter wir kamen, desto grauer wurde es. Erst nieselte es, dann sahen die Tropfen plötzlich aus wie Schnee. Je näher wir Jasper kamen, desto dichter wurde das Schneetreiben. Die Bäume am Straßenrand waren bereits weiß, die Straße wurde matschig. Erster Schnee am 8. Oktober – ziemlich verrückt.

Am höchsten Punkt des rund 2.000 m hohen Passes standen ein paar tapfere Besucher auf der Glasbrücke, von der man normalerweise eine grandiose Aussicht hat. An diesem Tag gab es: Nebel und Schnee. Bergab ließ der Schnee kurz nach, nahm dann aber noch einmal zu. An der Sunwapta Lodge machten wir Mittagspause und hatten kurz Sorge, ob wir danach überhaupt wieder loskommen würden. Zum Glück ließ der Schneefall nach, zurück blieb nur eine nasse Straße.

Hinter Jasper war vom Schnee fast nichts mehr zu sehen. Am Mt. Robson Park angekommen, sahen wir zwar vom Berg erst einmal gar nichts, aber immerhin hatte es hier nur geregnet – gut für unsere nächste Wanderung, die fast Marathon-Länge hatte…

Wandermarathon auf dem Berg Lake Trail

Entgegen den Google-Infos war das Welcome Center bereits geschlossen. Wir konnten uns also keine aktuellen Infos zu unserer nächsten Wanderung zum Berg Lake Trail holen. Zum Glück hatten wir gut recherchiert und bezogen trotzdem optimistisch einen Platz am Trailhead. Der Berg Lake Trail gilt als eine der schönsten Mehrtageswanderungen in den Rockies und wir (bzw. ich) hatten den ehrgeizigen (irren) Plan gefasst, diese Wanderung in einem Tag zu machen.

Ich lief die ersten zwei Kilometer des Trails ab, denn wir hatten gelesen, dass man die ersten sieben Kilometer der insgesamt 21 km langen Strecke mit dem Mountainbike fahren darf. Trotz Dauerregen war der Weg erstaunlich gut in Schuss. Also packte Christian am Abend die Räder aus, damit wir am nächsten Morgen direkt starten konnten.

Bevor wir schlafen gingen, schaute ich noch einmal nach draußen – und entdeckte einen Zipfel des Mt. Robson. Mit 3.945 m ist er der höchste Berg der kanadischen Rockies. Und wir standen direkt an seinem Fuß.

Moby am Mt. Robson

Der Morgen begann neblig und kalt, aber immerhin mit +4 °C statt der vorhergesagten -4 °C. Dick eingepackt radelten wir durch herbstlichen Wald hinauf zum Kinney Lake, der noch mystisch im Nebel lag. Am Campground stellten wir die Räder ab und starteten unsere Mammutwanderung.

Auf zum Berg Lake

Der Trail war erst in diesem Jahr wieder eröffnet worden, nachdem er 2021 durch einen Erdrutsch stark beschädigt worden war. Entsprechend gut war der Zustand. Zunächst ging es durch moosigen Wald, später über Bäche und Flüsse, stetig bergauf bis zu den Wasserfällen. Zu Beginn lag alles noch in dichtem Nebel, aber nach und nach riss der Himmel auf und wir bekamen die Sonne zu sehen.

Berg Lake Trail

Der beeindruckendste der Wasserfälle war der Emperor Fall, hinter dem der Mt. Robson thront. Inzwischen war der Himmel komplett aufgeklart – kalt, aber perfekte Bedingungen. Wir Glückskinder!

Weiter ging es flacher, am Fluss entlang, über einen gerölligen Abhang und schließlich hinter den Mt. Robson, durch eine Art Flussbett.

🙂

Hier hatte die Sonne noch nicht hingeschienen, die Steine waren spiegelglatt. Beinahe wären wir beide im Eisbad gelandet.

Eis-Hürdenlauf

Nach insgesamt 21,5 km standen wir schließlich am Ziel unserer Wanderung, dem Berg Lake. Der See liegt direkt am Fuße des Mt. Robson und wird von einem seiner Gletscher gespeist – ein unglaublicher Anblick.

Berg Lake

Da kann man schon verstehen, dass sich viele am einfachen Campground am Seeufer niederlassen und ein paar Tage hierbleiben. Aber zelten ist einfach nicht unser Ding.
Nach einer wohlverdienten Pause machten wir uns also wieder auf den Rückweg, der uns noch einmal fantastische Ausblicke bescherte.

Als wir den Kinney Lake wieder erreichten, war die Sonne bereits hinter den Bergen verschwunden. Umso dankbarer waren wir für die Bikes, die uns die letzten sieben Kilometer erleichterten.

Am Ende standen 43,5 km und 1.140 Höhenmeter auf dem Tacho – und die Erkenntnis, dass wir eine sonst drei- bis viertägige Tour an einem Tag geschafft hatten. Neuer Rekord!

Valemount

Am nächsten Tag ließen wir es ruhig angehen und fuhren erst gegen Mittag vom Parkplatz los. Beim Rausfahren trafen wir die Bärlis, aka Anette und Frank, die wir auf der Baja kennengelernt hatten. Mit den beiden verabredeten wir uns für den Abend im Örtchen Valemount.

In Valemount steuerten wir zuerst die Tourist Information an, um zu fragen, ob der dortige Bikepark noch geöffnet sei, der als einer der besten der Region gilt. Ja, bestätigte man uns – großartig. Wir stellten uns an einen Sportplatz, ich kümmerte mich ums Mittagessen und Christian checkte die Räder. Dabei fiel auf: Sein hinterer Dämpfer funktionierte nicht richtig. Leider bestätigte sich der Verdacht – der Dämpfer dämpfte quasi gar nicht mehr und selbst reparieren konnten wir das nicht. Der Bikepark war damit erst mal gestrichen, denn auch der hiesige Fahrradladen hatte leider bereits geschlossen. Wir waren mega enttäuscht.

Also spazierten wir stattdessen durch den kleinen, aber ganz netten Ort. Abends kamen die Bärlis dazu und wir landeten gemeinsam in einer Pizzeria. Es gab überraschend gute Pizza, leckeren Wein und einen sehr schönen, langen Abend im Bärli-Mobil, mit noch mehr Wein.

Der nächste Tag war grau, kalt und regnerisch, auf den Bergen zeigte sich der erste Schnee. Erst am Nachmittag wagten wir uns vor die Tür – vielleicht spielte der Wein vom Vorabend dabei eine kleine Rolle. Gemeinsam mit Anette und Frank liefen wir durch den Cranberry Marsh und verbrachten erneut einen geselligen Abend zu viert, diesmal aber ohne Vino.

Sonntagsspaziergang

Clearwater & Wells Gray Provincial Park

Am nächsten Morgen versorgten wir uns an der örtlichen Eis- und Sporthalle noch mit frischem Wasser. Ein sehr netter Mitarbeiter erklärte uns dabei auch, wie eine Eishockeyfläche gemacht wird: Die Eisfläche wird Schicht für Schicht aufgebaut, indem immer wieder hauchdünne Wasserschichten aufgesprüht werden, die sofort gefrieren. Zwischendurch werden Linien und Markierungen eingelegt, bevor weitere Schichten folgen. Wieder was gelernt.

Dann ging es weiter Richtung Süden nach Clearwater. Nach einem Eis-Stopp bei Dairy Queen fuhren wir direkt in den dortigen Wells Gray Provincial Park – einen Park, den wir ursprünglich gar nicht auf dem Schirm hatten. Dort erwarteten uns zahlreiche spektakuläre Wasserfälle. Besonders beeindruckte uns der Helmcken Falls mit 141 m Fallhöhe, der vierthöchste Wasserfall Kanadas. Lavaflüsse und Gletschereis haben hier eine unglaubliche Landschaft geformt.

Helmcken Falls

Ein kurzer 8 km Hike führte uns auf die andere Seite des Wasserfalls, direkt bis zur 140 Meter hohen, ungesicherten Abbruchkante. Ziemlich beeindruckend – und nichts für schwache Nerven.

Leider war es schon spät am Nachmittag, sodass nur noch Zeit für einen weiteren Wasserfall blieb, der dank dunklem Lavagestein ebenfalls beeindruckte.

In Clearwater übernachteten wir an einem kleinen Sportfeld neben Eishalle und Schule. Da Sonntag war und der folgende Montag Thanksgiving, war es angenehm ruhig. Die Nacht war mit -5 °C eisig. Trotz Sonne und blauem Himmel dauerte es lange, bis wir uns am nächsten Tag nach draußen wagten. Wir nutzten die Zeit aber zum Arbeiten, backten Brot und telefonierten mit Freunden in der Heimat.

Clearwater

Nachmittags packte uns die Lust aufs Radfahren. Christian flickte seinen Dämpfer notdürftig – für die Straße reichte es gerade so. Wir radelten erneut zu den Wasserfällen, machten einen Abstecher zum Triple-Decker-Fall und genossen die herbstliche Stimmung.

Wells Gray Provincial Park
Roter Ahorn

Auch die nächste Nacht verbrachten wir im Ort. Wir arbeiteten an unserem neuen Projekt und radelten am Nachmittag noch einmal los. Am Ortsrand entdeckten wir den Dutch Lake, den örtlichen Badesee mit kleinem Strand und Steg. Verschneite Bergspitzen in der Ferne und bunte Bäume am Seeufer – es sah echt einladend aus.

Dutch Lake

Nach einer dritten Nacht in Clearwater war es Zeit weiterzuziehen. Das Okanagan Valley, die Obst- und Weinregion des Landes, wartete bereits auf uns.

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

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