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Unterwegs in den Yukon

Teil 4 unseres Roadtrips durch Kanada

5. – 9. Juli 2025
British Columbia, Alaska & Yukon

Tagesausflug nach Alaska

Es ging weiter durch den Westen von Kanada und immer weiter gen Norden. Ein langer Fahrtag brachte uns schließlich nach Stewart, einen kleinen Ort an der Grenze zu Alaska. Allerdings nicht ins „richtige“ Alaska. Über die Grenze kommt man von Stewart aus nur in das Geisterdorf Hyder, in dem nur wenige US-Amerikaner leben. Es gehört aber geografisch zu den südlichen, zerstückelten Ausläufern des 49. US-Amerikanischen Bundesstaats.
Aber das wollten wir uns erst am nächsten Tag anschauen, daher bezogen wir erstmal ein schönes Plätzchen am Clements Lake, mitten im Wald. Auf dem Weg zum Stellplatz kamen wir nicht nur am Bear Glacier vorbei, sondern begegneten auch einem kleinen Schwarzbär am Straßenrand.

Bear Glacier
Schwarzbär auf Wanderschaft

Immer wieder ein besonderes Erlebnis, einen Bären in freier Wildbahn zu sehen.

Und der Stellplatz, den wir dann fanden, zog sofort in die Top 3 der schönsten Campspots in Kanada ein.

Was will man mehr?

Ein Träumchen – abgesehen von den unzähligen Stechmücken, die es uns leider unmöglich machten, abends lange draußen zu sitzen. Dabei war es hier nun schon fast bis um Mitternacht noch hell.
Trotz der schönen Lage und Aussicht machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg zum Grenzübergang nach Alaska.

Die Einreise gestaltete sich denkbar einfach: einfach durchfahren, es gibt nämlich keine Passkontrollen auf amerikanischer Seite, da man von Hyder aus nicht weiter nach Alaska oder in andere Teile der USA vordringen kann. Und trotzdem waren wir somit schon wieder zurück in den USA!

Willkommen in Alaska

Natürlich waren wir nicht ohne Grund hier, denn wir hofften, endlich Bären beim Lachse fischen beobachten zu können. Dafür gibt es in Hyder eine spezielle Beobachtungsstation, genannt Fish Creek Wildlife Observation. Zwar waren wir noch recht früh in der Saison, die offiziell erst Mitte Juli beginnt, aber wenn wir schon mal in der Gegend sind… Ein netter Ranger begrüßte uns, machte uns aber gleich wenig Hoffnung auf Bärensichtungen. Bis jetzt waren nur vereinzelt Lachse im Fluss, daher vergnügten sich die Bären noch im Wald und fraßen Beeren, statt Fisch.

Doch kaum verließen wir die Anlage, lief da wieder ein Schwarzbär über die Straße.

Schwarzbär

Immerhin! Aber die Lachse und Bären waren nicht der einzige Grund, warum wir hier waren. Über eine 36 km lange Schotterpiste gelangt man nämlich von Hyder zurück auf kanadischen Boden und hinauf zum Salmon Glacier, dem fünftgrößten Gletscher von Kanada. Also rumpelten wir die Piste hinauf und wurden schon bald mit den ersten Aussichten auf den Zeh des Gletschers belohnt.

Wahnsinn! Und der Anblick wurde besser und besser, je höher wir kamen. Auf circa 1100 Metern angekommen, bestaunten wir dann den Gletscher in seiner gesamten Größe, was sich wirklich nur mit „Beeindruckend“ beschreiben lässt.

Salmon Glacier

Von Reisefreunden hatten wir einen Tipp bekommen, dass es ganz in der Nähe Eishöhlen zu bestaunen gäbe. Allerdings überraschte uns dort oben mal wieder Schnee – Anfang Juli war auch hier noch alles unter einer dicken, weißen Schicht begraben. Dementsprechend war der Weg, der ohnehin nur ein inoffizieller Trampelpfad war, kaum zu finden. Wir wagten es natürlich trotzdem, ausgestattet mit Microspikes und Wanderstöcken, und gewannen schnell an Höhe.

Doch je weiter wir ins „Hinterland“ vordrangen, desto dicker, aber auch instabiler wurde die slushige-Schneedecke. Irgendwann versanken wir bei jedem Schritt wadentief im Schnee und nach wie vor war kein eindeutiger Weg zu erkennen. Für so eine Expedition ins Ungewisse waren wir einfach nicht ausgestattet. Somit machten wir schließlich kehrt und schlitterten zurück, Richtung Van und Salmon Glacier.

Theoretisch hätten wir sogar dort oben übernachten können, aber es zog uns weiter, wir wollten nun so schnell wie möglich in den hohen Norden kommen, um dort möglichst viel Sommer zu haben. Daher rumpelten wir die 36 km Piste wieder hinunter und kehrten zurück nach Kanada.

Im Gegensatz zu den USA hat die kanadische Regierung einen Grenzposten zwischen Hyder und Stewart platziert und wir waren mehr als überrascht, wie ernst die Beamten ihren Job dort nahmen. Sie waren viel strenger und genauer als ihr Kollege, der uns von Seattle einreisen lassen hatte. Wir wurden regelrecht verhört, freundlich, aber doch kritisch und bestimmt. Der Beamte wollte genau wissen, wie viel Bargeld wir haben, Alkohol, Tabak, Drogen, Feuerholz, Tierhäute, etc. Dabei wusste der vermutlich genauso gut wie wir, dass wir ja erst wenige Stunden zuvor hinübergefahren waren und dass es in Hyder so gut wie nichts zu kaufen gibt. Es folgten detaillierte Fragen zu unseren Reiseplänen, Berufen, etc. und schließlich ließ er uns wieder einreisen. Glück gehabt. In Hyder hätten wir nicht festsitzen wollen. 😉

Yukon

So fuhren wir an diesem Nachmittag noch ein Stück weiter und übernachteten mal wieder irgendwo, an einer Rest Area am Straßenrand. Der nächste Tag war noch mal ein kompletter Fahrtag. Acht Stunden waren wir unterwegs, bis wir schließlich die Provinz Yukon erreichten und damit offiziell den Norden von Kanada.

Unterwegs gab es nicht viel zu sehen, nur Millionen von Bäumen und Tausende von Seen. Alles sehr schön, aber irgendwann auch sehr eintönig. Immerhin kreuzte aber auch wieder ein Schwarzbär unseren Weg.

Schwarzbär III

Wir steuerten den Ort Watson Lake an, denn dort gibt es ein Must-See für jeden Panamericana-Reisenden: den Sign Post Forest.

Sign Post Forest

Der Sign Post Forest hat seinen Ursprung im Jahr 1942, als ein Soldat mit Heimweh, der dort oben beim Bau des Alaska Highways half, ein Ortsschild seines Heimatdorfs aufstellte. Diese Aktion fand offenbar viele Nachahmer und über die Jahre wurde es zur Tradition, dass alle Reisenden, die hier vorbeikommen, ein Schild dazuhängen. So trafen wir hier auf unzählige Ortsschilder aus aller Welt, aber auch Nummernschilder, selbstgebastelte Schilder und auch sonst alles, was man sich so vorstellen kann.

Wir wollten kein Nummernschild opfern und hatten auch kein geklautes Ortsschild von Blasbach dabei, daher verewigten wir uns nur mit einem unserer Sticker, am Frankfurt-Schild, was sich für uns am heimischsten anfühlte.

Die Nacht verbrachten wir an einem nahegelegenen Fluss, bevor wir am nächsten Tag wieder ordentlich Strecke machten und am späten Nachmittag endlich die Hauptstadt des Yukon erreichten: Whitehorse.

Wie man auf den Bildern erkennen kann, wird hier noch die Goldgräber-Tradition aufrechterhalten. Die Häuserfassaden wirkten teilweise wie aus einem Wild-West-Themenpark, hier und da traf man auf indigene Geschichte und ansonsten viel Yukon und eben Goldgräber-Kommerz. So richtig begeisterte uns das nicht.

Inzwischen war es hier nachts fast bis 1 Uhr hell, sodass auch nächtliche Besucher wie der Fuchs nicht unentdeckt blieben.

Nachbar Fuchs

Für uns war Whitehorse nun der letzte Ort, wo wir noch mal unsere Vorräte einigermaßen günstig aufstocken konnten. Denn Alaska hat den Ruf, sehr teuer zu sein, und weiter nördlich gibt es keine großen Supermarktketten mehr.

Also legten wir einen Besorgungstag ein, mit Einkaufen, Waschen und sonstigen Kleinigkeiten. Wir verbrachten eine letzte Nacht auf kanadischem Boden, irgendwo im Nirgendwo, entlang des Alaska Highways.

Dieser führte uns dann am nächsten Tag, durch unzählige Baustellen, Bodenwellen und ungeteerte Teilstrecken, schnurstracks nach Alaska. Diesmal aber so richtig. Wir waren ganz schön aufgeregt und gespannt auf diesen besonderen Reiseabschnitt!

Aber dazu dann demnächst mehr. 😊

Übrigens: Wenn du uns auf unserer Reise unterstützen möchtest, freuen wir über einen Beitrag in unsere Diesel-Kasse. Das geht ganz einfach mit diesem PayPal Link.

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